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Folgen der Klimaänderung für den Aletschgletscher

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  Ausdehnung 1856
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Ausdehnung 1856: Zwischen 1850 und 1860 erreichte der Grosse Aletschgletscher einen sogenannten Hochstand.

 
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Blickt man oben vom Grat der Moosfluh über den Aletschwald hinweg auf den Grossen Aletschgletscher herunter, so erscheint einem der weisse Eisriese als tote Masse. Nur das rauschende Schmelzwasser erinnert daran, dass der vermeintlich träge und stille Gletscher bei genauerem Hinsehen ausgesprochen lebendig ist. An warmen Tagen fliessen pro Sekunde bis zu 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Gletscherzunge aus in die Massaschlucht.

Über die Jahre hinweg beobachtet, wirkt plötzlich auch das Eis nicht mehr passiv und unbeweglich. Seit Jahrzehnten zieht sich der Grosse Aletschgletscher Meter für Meter zurück. Es schmilzt mehr Eis, als von den höheren Lagen nachgeliefert wird. Rund 30 Meter sind es jedes Jahr, um die der Gletscher im Zungenbereich kürzer wird. In einzelnen Sommern wurden sogar Verluste von bis zu 90 Metern Länge pro Jahr erreicht. Summiert über die letzten 110 Jahre hat der Aletschgletscher weit über 2 Kilometer an Länge verloren, und dies macht sich selbst bei einem 23 Kilometer langen Gletscherriesen bemerkbar.

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  Ausdehnung 1987
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Ausdehnung 1987: Das grosse Ausmass des Eis-Rückzuges zeigt sich an der gleichen Ansicht, nur 130 Jahre später.

 
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Sind die Jahre des Gletschers also gezählt? Ist das starke Abschmelzen gar eine frühe Auswirkung der menschlich verursachten Klimaänderung? Ganz so einfach ist es sicher nicht. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende betrachtet schwanken die Ausdehnungen alpiner Gletscher auch natürlicherweise ganz erheblich.

So wissen wir aus dem Mittelalter und auch aus dem 19. Jahrhundert von Zeiten, in denen die Gletscher weit vorgestossen sind, und das in so kurzer Frist, dass sogar einmal menschliche Siedlungen von den vorrückenden Eismassen bedroht wurden. Umgekehrt belegen Funde 3200 Jahre alter historischer Baum-Wurzeln im aktuellen Eisrandbereich, dass unter der Fläche des heutigen Gletschers vor noch gar nicht allzu langer Zeit Wälder gestanden haben. Der Gletscher muß damals also weitaus kleiner gewesen sein als heute.

Alles ganz normal also? Nicht ganz. Der Rückzug des Grossen Aletschgletschers an sich ist noch nichts wirklich Besonderes. Auch die Beobachtung, dass fast alle Schweizer Gletscher sich seit Jahren auf dem Rückzug befinden, und manche kleineren unter ihnen schon ganz verschwunden sind, bedeutet noch nicht zwingend, dass dies die Folge einer menschlich verursachten Klima-Erwärmung sein muss. Ausschliessen lässt es sich jedoch auch nicht.

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  Ausdehnung 2030
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Ausdehnung 2030: In diesem digital retuschierten Foto werden mögliche Veränderungen des Gletschers bis 2030 gezeigt.

 
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Viele Messungen zeigen, dass die heutigen Jahresmittel-Temperaturen schon bis zu 0.7 Grad über vergleichbaren Messwerten aus dem 19. Jahrhundert liegen. Zugleich rechnen renommierte Wissenschaftler des IPCC (Intergovernmental Panel on Climatic Change) mit weiteren signifikanten Erwärmungen, die deutlich über dem als natürlich bekannten Ausmass liegen werden. Nach diesen Prognosen steht uns für die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts eine noch deutlich steigende Zerfallsrate der alpinen Gletscher bevor. Dies könnte in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu einem praktisch flächendeckenden Gletschersterben in der Schweiz führen, das alle bekannten Rückzugsstadien der letzten 10.000 Jahre übertrifft.

Als Folge davon drohen der Schweiz grossflächig Erosion und Ausschwemmung von ganzen Landschaften, sowie vermehrt Murgänge, Rutschungen und Bergstürze und dazu schwere Überschwemmungen, die weit über das Berggebiet hinaus menschliche Siedlungsbereiche in ihrem Bestand bedrohen können.
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