Der Biodiversität in der Schweiz geht es schlecht
Ist in den Medien von Biodiversität die Rede, stehen häufig die tropischen Regenwälder oder Küstenregionen am Meer im Zentrum.
Die Schweiz spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Biodiversität. Unser Land hat auf kleinem Raum sehr unterschiedliche Lebensbedingungen: Tiefe Lagen bis zu Hochgebirge, ganz feuchte bis ganz trockene Standorte. Als Land mit dem grössten Anteil am Alpenraum haben wir eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Biodiversität im Gebirge. Mit rund 50`000 Tier- und Pflanzenarten ist die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz erstaunlich hoch.
Wer nun meint, bei dieser grossen Biodiversität müssten wir uns keine Sorgen machen, liegt leider falsch, denn diese Vielfalt ist bedroht: Die Schweiz hat einer der längsten Roten Listen Europas.
Ein Drittel der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz ist bedroht, weitere 14 Prozent sind selten und potenziell gefährdet. 2 Prozent sind bereits ausgestorben oder verschollen.
Nur wenige Arten sind in der Schweiz sehr häufig. Ein Beispiel ist der Löwenzahn. Viele Arten wie das Engadiner Felsenblümchen jedoch sind sehr selten. Viele weitere Arten sind gefährdet und nur noch in kleinen Beständen an wenigen Stellen anzutreffen.
Faktenblatt Pro Natura und SVS/BirdLife Schweiz
Betrachtet man die Zahlen aus der Schweizer Tierwelt, sind mehr als ein Drittel bedroht. 5 Prozent sind bereits ausgestorben und 12 Prozent selten und damit potenziell gefährdet. Ob diese Zahlen der ganzen Wahrheit entsprechen, ist allerdings unsicher. Von den 43’000 geschätzten Tierarten in der Schweiz, wurden lediglich 3’000 beurteilt.
Wirft man einen Blick auf die Lebensräume, wird deutlich, dass auch hier grosser Handlungsbedarf besteht.
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Beispiel Auen: Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Auenwälder entlang von Flüssen sind die Regenwälder Europas. 90 Prozent der Schweizer Auenwälder sind verschwunden. Über 90 Prozent der Schweizer Fliessgewässer fliessen nicht mehr natürlich. Sie verlaufen künstlich unterirdisch, kanalisiert oder sind gestaut. Streckenweise liegen sie sogar ganz trocken, weil das gesamte Wasser zur Energiegewinnung abgezweigt wird. Dies ist verheerend, denn etwa 50 Prozent der einheimischen Tier- und Pflanzenarten sind zum Überleben auf naturnahe Gewässer angewiesen.
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Beispiel Trockenwiesen: Die Gesamtfläche dieser farbenprächtigen Blumenwiesen ist seit rund 30 Jahren um 30 – 40 Prozent zurückgegangen. Unsere Grosseltern kannten noch Blumenwiesen vor ihrer Haustüre. Davon sehen unsere Kinder und Enkel nur noch wenig.
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| • | Beispiel Moore: Dank dem Moorschutz nahm die Gesamtfläche der Moore nur wenig ab. Doch ein Viertel der Moore leidet unter Düngung, ein Viertel trocknet aus und verbuscht. |
Dieser Entwicklung dürfen wir nicht tatenlos zuschauen. Die Biodiversität ist für uns alle wichtig. Jede Art zählt!
Studie im Auftrag von Pro Natura und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz
Pro Natura Beiträge zum Naturschutz in der Schweiz Nr. 19/1998
Bereits lassen sich auch erste Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Biodiversität nachweisen. So sind in den vergangenen Jahrzehnten im Wallis Waldföhren teilweise grossflächig abgestorben. Gleichzeitig verjüngen sie sich nur unzureichend. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat dieses Phänomen während mehrerer Jahre untersucht: Der wichtigste Auslöser des Föhrensterbens ist der Klimawandel. In Lagen bis 1200 m wird es der Föhre im Wallis zunehmend zu warm und zu trocken. Sie wird dort durch Laubbäume verdrängt. Selbstverständlich wird dies auch Folgen für diejenigen Tiere haben, die zum Überleben auf Föhrenwälder angewiesen sind.
Eine ähnliche Entwicklung verfolgen Wissenschafter seit Jahren im Tessin: Dort setzen Veränderungen in der Artenzusammensetzung von Kastanienwäldern ein.
Weil die Klimaerwärmung zu Veränderungen unserer Lebensräume führt, brauchen wir eine reichhaltige Biodiversität, die auf diese Veränderungen reagieren kann.
Biodiversität – jede Art zählt!

