Bär und Mensch - das Zusammenleben ist möglich

Ein gutes Beispiel für das konfliktarme Nebeneinander von Bär und Zivilisation liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze. Im italienischen Naturpark Adamello Brenta im Trentino fanden nach jahrelangen Vorbereitungen Bären aus Slowenien eine neue Heimat. Zehn Bären wurden dort um die Jahrtausendwende freigelassen. Die Alpenbären hätten ohne diese Blutauffrischung keine Zukunft gehabt. Denn weil es rundum keine anderen Populationen mehr gab, mit denen sie Austausch pflegen konnten, wurde ihre Genbasis zu schmal. Sie hatten keinen Nachwuchs mehr. Dank der neu angesiedelten Bären soll sich wieder ein lebensfähiger Bestand bilden. Die Bevölkerung im Trentino äusserte sich in einer Umfrage positiv zu dieser Förderungspolitik. Das lag einerseits an den Bären selbst, die mit ihrer zurückgezogenen Art nie Probleme bereitet hatten, andererseits an der intensiven Informationsarbeit der Projektverantwortlichen. Sie hatten unter anderen auch Jäger und Bauern, die zu den Kritikern gehörten, ins Projekt miteinbezogen. Die Erfahrungen unserer Nachbarländer Italien und Österreich zeigen, dass eine Koexistenz von Bär und Mensch weitgehend problemlos funktionieren kann. «Ursus arctos» ist dort sogar ein veritabler Tourismusfaktor.

Wichtig beim Zusammenleben von Bär und Mensch ist das richtige Verhalten Bären gegenüber. Dies nicht nur im sehr seltenen Fall einer Begegnung in der Wildnis. Ebenso wichtig ist die Erziehungsfunktion der Gesellschaft gegenüber den Bären. Bärensichere Abfallbehälter, keine Anfütterung und keine tollkühnen Annäherungsversuche sind zentrale Elemente für ein sicheres und konkliktarmes Nebeneinander von Mensch und Bär. Einzelne Bären, so wie «Lumpaz» oder JJ3, zeigen wenig Scheu vor der Zivilisation. Diese Scheu muss man den Bären wieder beibringen indem sie lernen, dass sie in Siedlungen nichts zu Futtern finden und nicht willkommen sind. Die meisten Bären leben jedoch scheu und zurückgezogen fernab von Siedlungen in ihren Wäldern.

Seltene Begegnungen zwischen Bär und Mensch

Abgelegene unwegsame Waldflächen sind für den Bären ideal. Gänzlich menschenleer muss ihr Streifgebiet jedoch nicht sein. Die Chance, dem Braunbären zu begegnen, ist in Verbreitungsgebieten sehr gering. Höchstens verraten die charakteristischen Spuren dessen Anwesenheit. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn und dem feinen Gehör bemerken sie Menschen in der Regel schon von weitem und ziehen sich zurück. Kreuzen sich die Wege von Petz und Mensch dennoch, sind Ruhe und Respekt angesagt. Sobald der Bär den Menschen wahrnimmt und realisiert, dass keine Bedrohung besteht, tritt er ruhig zum Rückzug an. Ihm hat sich tief eingeprägt, dass der Zweibeiner seine Vorfahren über Jahrtausende verfolgt und gejagt hat. Deshalb wahrt er eine sichere Distanz zu den Menschen.

Bärenschäden und ihre Verhütung
  

Eingewanderter Bär im Münstertal/GR
(Bild: Sobli / Thomas Buchwalder)