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Der Feuerbrand
grassiert. Das Bundesamt für Landwirtschaft wird demnächst
über das Gesuch des Kantons Thurgau befinden, das Antibiotikum
Streptomycin einsetzen zu dürfen. Der Einsatz wäre
allerdings höchst bedenklich!
Der Feuerbrand ist eine gefährliche
Bakterienkrankheit, die Kernobst (Apfel, Birne, Quitte) und einige
nah verwandte Wildgehölze (Weissdorn, Vogelbeere, Mehlbeere)
und Ziersträucher (Feuerdorn, Scheinquitte, Contoneaster-Arten,
Stranvaesia) befällt.
Entwicklung und Symptome
In kranken Pflanzen überwintert der Feuerbrand in Ästen
und Stamm. Im Frühling vermehren sich die Bakterien, besonders
bei feucht-warmem Wetter, und werden in Form von Schleimtröpfchen
ausgeschieden. Frisch gebildete Schleimtröpfchen sind milchig
weiss, welche sich an der Luft rotbraun verfärben. Aus diesen
Schleimtropfen werden die Bakterien durch Wind, Insekten, Vögel
und Schnittwerkzeuge auf andere Wirtspflanzen übertragen.
Die Bakterien dringen, u.a. durch die Blüten, in die Pflanze
ein. Die Krankheit breitet sich in der Pflanze weiter aus und
kann Stamm und Wurzel erreichen.
Die Blühzeit der verschiedenen Wirtspflanzen erstreckt sich
vom Frühling bis in den Sommer, so dass für die Bakterien
während fast der ganzen Vegetationsperiode günstige
Infektionsbedingungen herrschen.
Nebst den Blüten sind auch Verletzungen, z.B. durch Hagel,
besonders empfänglich für Infektionen.
Kurze Zeit nach der Infektion welken
befallene Blüten, Zweige biegen sich charakteristisch U-förmig
nach unten ab und Blätter werden braun (bleiben am Baum
hängen, auch über den Winter). Sie machen einen verbrannten
Eindruck (daher Feuerbrand).
Mit Antibiotika gegen den Feuerbrand?
Der Feuerbrand hat für die betroffenen Landwirte gravierende
Folgen: Ihre Existenz ist gefährdet. Aber auch die Naturschützer
sind besorgt: Der ökologisch wertvolle Lebensraum Obstgarten
wird noch stärker bedrängt.
Ein häufig eingesetztes Mittel gegen den Feuerbrand ist
das Antibiotikum Streptomycin. In der Schweiz ist es noch verboten,
in der EU wird es bereits eingesetzt und in den USA wird es seit
über 40 Jahren verwendet.
Die Verwendung von Antibiotika ist
jedoch höchst bedenklich! Sie wird über kurz oder lang
zu resistenten Bakterienstämmen führen (wie in den
USA). Einerseits wären Feuerbrandbakterien davon betroffen,
welche ihre Resistenz durchaus auch an gefährliche Krankheitserreger
des Menschen weitergeben könnten (bekanntlich tauschen Bakterien
Erbgut aus), andererseits könnten Krankheitserreger in direkten
Kontakt mit dem Antibiotikum kommen und resistente Stämme
ausbilden.
In der Humanmedizin wird Streptomycin v.a. gegen die Tuberkulose
eingesetzt. Tuberkulose, eine heimtückische Krankheit, die
weltweit wieder im Zunehmen ist, nicht nur in den Armenhäusern
dieser Welt, sondern auch im Zentrum von Industrienationen (z.B.
in den USA).
Der Einsatz von Streptomycin gegen den Feuerbrand: ein Spiel
mit dem Feuer!
Die Alternative?
Bacillus subtilis, ein ungefährliches Bakterium, das in
Apfelblüten natürlicherweise vorkommt, steht dort mit
dem Feuerbranderreger in Konkurrenz. Es wird in hoher Konzentration
auf den Baum gespritzt und verdrängt dort den gefährlichen
Feuerbranderreger.
Erste Versuche stimmen optimistisch. Gross angelegte Freilandversuche
sind für das nächste Jahr geplant.
Die Kosten würden etwa denjenigen, die auch bei einer Behandlung
mit Antibiotika entstehen, entsprechen. Der Landwirt könnte
die harmlosen Bakterien selbst spritzen.
Bildlegende:
Feuerbrand: Der ökologisch
wertvolle Lebensraum Obstgarten wird damit noch stärker
bedrängt. (Foto: P. Walz)
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