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Im Obergoms sind Feuchtgebiete nicht weniger gefährdet als im übrigen Wallis. Nach der Aufwertung des Biotops Pfaffenegg ist es notwendig, eine Pufferzone zur Abgrenzung gegen die umliegenden Zonen zu schaffen. Allgemeines: Das Gebiet Magady gehört zu den wertvollsten Lebensräumen im Goms. Zahlreiche bedeutende Naturwerte in einer intakten, naturnahen Kulturlandschaft zeichnen die Region aus. Es gibt nicht mehr viele Gegenden, wo das harmonische Zusammenspiel zwischen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung und natürlicher Gegebenheiten derart eindrücklich zum Ausdruck kommt wie in diesem Teil des Gommer Talbodens. Durch gezielte Massnahmen soll der hohe Naturwert des Gebietes längerfristig erhalten bleiben.
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Die Umgebung des alten Rottenlaufs ist ein klassisches Beispiel einer Walliser Kulturlandschaft. Zahlreiche Strukturelemente und Habitattypen legen die Grundlage für eine grosse Biodiversität. So sind auf einer relativ kleinen Fläche diverse Biotope vorhanden: Flachmooransätze, trockene und magere Wiesen, Auenwälder, Wassergräben, Hecken, genutzte Ökonomiegebäude, um nur einige zu nennen. Damit eine rationelle Bewirtschaftung möglich ist, wird das Gebiet durch eine ungeteerte Flurstrasse erschlossen. Diese Strasse ist ein gutes Beispiel landschaftlicher Integration. Dass wir heute dem Gebiet einen hohen ökologischen Wert beimessen können, ist in erster Linie der naturnahen Bewirtschaftung zu verdanken. Noch heute bewirtschaften ca. zehn Landwirte diesen durch periodische Überschwemmungen geprägten, fruchtbaren Boden. Mehrere tun dies nach den Richtlinien des biologischen Landbaues, was mit dazu beitrug, dass sich im Gegensatz zu vergleichbaren landwirtschaftlichen Gunstlagen eine intensive, landwirtschaftliche Nutzung - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht eingestellt hat.
Erfreulich ist die Tatsache, dass für mehrere Flächen ein Bewirtschaftungsvertrag gemäss der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung mit dem Kanton abgeschlossen wurde. Zudem wurde der traditionelle Entwässerungsgraben unter der Leitung des ansässigen Revierförsters im Jahr 1994 naturnah revitalisiert.
Des weitern ist die Revitalisierung und Neugestaltung des Feuchtbiotops „Pfaffenegge“ im östlichen Teil zu erwähnen. Pro Natura kaufte das Gebiet in den neunziger Jahren mit Unterstützung von Kanton und Bund und ökologisch aufgewertet. Heute gilt die Region als wertvolles Kleinod in der Talebene des Goms. Es ist zu einem Geheimtipp für Naturliebhaber geworden. Bewusst wurde aber eine „promotion touristique“ vermieden, um den ökologischen Wert des Gebietes nicht unnötig zu beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die bzgl. Feuchtbiotope wenig reiche Gommer Talebene in den neunziger Jahren durch gezielte Projekte der Dienststelle für Wald und Landschaft deutlich aufgewertet wurde: Feuchtbiotop in der Grafschaft, Feuchtbiotop Eye bei Brunnen, Kompensationsmassnahmen im Münstiger Feld etc. Diese Massnahmen betonen die Wertschöpfung, welche die einheimische Bevölkerung dem Gebiet beimisst.
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Die reich gegliederte Landschaft beherbergt eine Fülle von Tieren und Pflanzen, die der interessierte Naturfreund bestaunen kann. Mehrere Feuchtgebiete, welche durch Quellzonen, Schmelzwasser oder austretendes Hangwasser gespiesen werden, enthalten charakteristische Zeigerpflanzen: Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), Sumpfdotterblume (Calltha palustris), Mehlprimel (Primula farinosa), Blutwurz (Potentilla erecta) sowie zahlreiche Seggen. Diese besonders im Frühjahr ausgedehnten Biotope werden ab und zu von durchziehenden Reihern aufgesucht.
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Der Reichtum an Orchideen beeindruckt besonders. So können in den trockenen Magerwiesen die Mückenhandwurz (Gymnadenia conopea), die Holunderorchis (Orchis sambucina), die angebrannte Orchis (Orchis ustulata ssp. ustulata), die Weissorchis (Leuchorchis albida), in den feuchten Wiesen die Fleischfarbige Orchis (Dactylorhiza incarnata), die Gefleckte Orchis (Dactylorhiza maculata) und in den Auenwaldrelikten das Eiblättrige Zweiblatt (Listera ovata) gefunden werden. Uns ist kein vergleichbares Gebiet in der Talebene des Goms bekannt.
Aus ornithologischer Sicht ist die grosse Vielfalt an Brutvögeln zu nennen. Unter anderen können Braunkehlchen, Neuntöter, Feldlerche, Mönchsgrasmücke und Goldammer im Gebiet beobachtet werden.
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Erwähnenswert sind auch die Vorkommen der zwei Amphibienarten Grasfrosch und Bergmolch. Mindestens fünf Libellenarten sind für das Gebiet bekannt: Caleopteryx splendens (Gebänderte Prachtlibelle), Lestes dryas (Glänzende Binsenjungfer) sowie Arten der Roten Liste:1, Enallagama cyathigerum (Becher Azurjungfer), Aeshna cyanea (Blaugrüne Mosaikjungfer) Sympetrum danae (Schwarze Heidelibelle).
Detaillierte systematische Erhebungen wurden im Gebiet nicht vorgenommen, da diese für das vorliegende Projekt nicht von Wichtigkeit sind.
Diese kurzen Darlegungen sollen den ökologischen Wert der naturnahen Kulturlandschaft Magady verdeutlichen.
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Wie oben ausführlich dargelegt, besitzt das Gebiet Magady ein grosses ökologisches Potenzial. Die Ausscheidung als Naturschutzzone war ein erster wichtiger Schritt. In einem zweiten Schritt geht es nun um die Erhaltung bzw. Aufwertung der ökologischen Qualität. Pro Natura hatte bereits 1993 das Gebiet Pfaffenegge gekauft und aufgewertet. In der jetzigen Phase sind folgende Massnahmen vorgesehen:
1. Bodenkauf: Pro Natura möchte eine ca. 300 m westlich des Biotops „Pfaffenegge“ gelegene Parzelle (Parzelle Nr. 4, Folio 10) erwerben. Die fragliche Parzelle befindet sich im „Honeye“, einem Bereich im Herzen des Magady am alten Rottenlauf. Der Kaufpreis beträgt pauschal Fr. 11'000.-. Das „Honeye“ wird seit Jahren durch die Landwirte Elmar und Josef Werlen, Bio-Landwirte aus Geschinen, besonders naturnah bewirtschaftet. Auch ein Bewirtschaftungsvertrag mit der Dienststelle für Wald und Landschaft wurde abgeschlossen. Die zahlreichen Orchideen auf einer relativ kleinen Fläche sind aus ökologischer Sicht sehr wertvoll. Aufgrund der erwähnten Bedeutung für den Naturschutz ist der Kauf die geeignetste Massnahme zur langfristigen Erhaltung.
2. Erstellung eines Feuchtbiotops Direkt anschliessend an die Parzelle Nr. 4 soll auf der Parzelle Nr. 3 ein Feuchtbiotop erstellt werden. Ausschlaggebend dafür war die Tatsache, dass das Magady mit dem Biotop Pfaffenegge betreffend Libellen prioritär ist. Im Inventar der Libellen des Wallis (Keim 1996) wird dem Gebiet nationales Interesse zugesprochen. Ein schwankender Wasserstand wird deshalb gewünscht. Innerhalb des Feuchtbiotops sind verschiedene Wassertiefen mit Flachwasserzonen vorgesehen. Der auf 600 m3 geschätzte Aushub wird abgeführt und vom Unternehmer wieder verwendet. Eine Verbindung zum angrenzenden Kanal wird hergestellt. Auf ein Anbringen von Hinweistafeln etc. wird bewusst verzichtet. Das Gebiet soll als verstecktes Kleinod weiter existieren. Das Feuchtbiotop soll 2 Ziele erfüllen:
- Habitat für aquatische Flora und Fauna, mit Schwerpunkt Libellen; - Zusätzliches Vernetzungselement der Feuchtbiotope der Gommer Talebene.
3. Permanente Speisung des alten Rottenlaufs Der im Sommer austrocknende alte Rottenlauf soll permanent mit Wasser versorgt werden. Dazu muss eine ca. 500 m lange, unterirdische Zuleitung erstellt werden. Die Fassung erfolgt im Orte „Bine“ an einer bestehenden Wasserleitung. Es ist vorgesehen, ein PE-Rohr mit einem Durchmesser von 20 cm ca. 50 cm unterhalb der Erdoberfläche zu verlegen. Im Bereich des alten Rottenlaufs erfolgt die Führung offen und naturnah bis in den Rotten. Die permanente Speisung soll folgende Ziele erfüllen:
- Vernetzungselement - Wasserspeisung des neu zu erstellenden Feuchtbiotops - Revitalisierung der aquatischen Lebensräume - Landschaftliche Aufwertung
4. Lokales Öffnen von zwei Kanälen im Magady Durch die permanente Wasserführung (siehe oben) muss lokal mit einem Kleinbagger der bestehende, teils zugefüllte Kanal geöffnet werden, damit das Wasser in den Rotten abgeleitet werden kann. Im Bereich der Loipe muss an zwei Orten ein PVC-Rohr verlegt werden (Überfahrt). Der ca. 200 m westlich gelegene Kanal, welcher 1994 naturnah revitalisiert wurde, sollte bei dieser Gelegenheit ebenfalls wieder geöffnet werden, da eine Verlandung augenfällig ist. Diese Massnahme ist auch aus Sicht der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung notwendig, da sich hier das Wasser immer mehr staut.
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