Hilfe für malerische Randerscheinungen

Zuletzt immer seltenere Ackerbegleitpflanzen blühen dank kantonaler Förderprojekte wieder vermehrt auf. Zusätzlich will Pro Natura nun auch stark bedrohte Ackermoose fördern.

 

Zahlreich und bunt können sie sein, die Begleitpflanzen in Getreidefeldern: Ackermohn, Kornblume, Adonis-Röschen oder Acker-Hahnenfuss sind prominente Vertreter. Und hie und da gedeiht sogar ein kleiner Moosteppich. Doch die Farbtupfer werden immer seltener: Während der letzten Jahrzehnte wurden immer mehr Pestizide eingesetzt, grossflächig Zwischenkulturen angepflanzt und das regelmässige Pflügen aufgegeben. Dies hat zu einem dramatischen Rückgang und teilweise zum vollständigen Verschwinden dieser einzigartigen Pflanzenwelt geführt. Auf der Roten Liste der Blütenpflanzen gehören Ackerblumen zu den am stärksten bedrohten Arten. Bei einzelnen Ackermoosen im Landwirtschaftsgebiet ist praktisch der gesamte Bestand bedroht. 

50 Bauernbetriebe ziehen mit

Damit dieses Naturerbe nicht verloren geht, wurde 2012 das Projekt «Ackerbegleitflora» ins Leben gerufen, initiiert von mehreren kantonalen Landwirtschafts- und Naturschutzfachstellen, unterstützt vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Das von den Büros Agrofutura und Hintermann&Weber betreute Projekt läuft bis Ende 2020. Die spezifischen Fördergelder stehen interessierten Bauern zu, die auf speziell ausgewählten Flächen während sechs Monaten extensive Anbaupraktiken verfolgen. Gegenwärtig nehmen 50 Bauernbetriebe am Projekt teil und bewirtschaften in dessen Rahmen insgesamt 70 Hektaren. Im Kanton Waadt etwa konnten sich so schöne Bestände des Venus-Frauenspielgels (Legousia speculum-veneris) entwickeln. 

Sondermassnahmen für Moose

Zum spezifischen Schutz der Moose hat Pro Natura noch ein Zusatzprojekt mit einer weiteren Massnahme lanciert: «Keine Düngung ab der Ernte der Hauptkultur und kein Umbruch bis Ende Oktober». Damit sollen insbesondere 16 typische Ackermoose gefördert werden, von denen sieben speziell auf Schutzmassnahmen angewiesen sind. Dazu gehört unter anderem das national geschützte Gelb-Hornmoos (Phaeoceros laevis subsp. carolinianus). Ackermoose durchlaufen ihren Fortpflanzungszyklus während weniger Wochen im September und Oktober.

Bis heute haben zwei Landwirte aus dem Kanton Baselland einen Vertrag mit dieser spezifischen Massnahme abgeschlossen. Auf einer der Parzellen wurden im Oktober 2015 acht Zielarten beobachtet – ein schöner Erfolg. Doch Pro Natura will mehr und lädt Landwirte und Kulturlandbesitzer dazu ein, ihre Parzelle für die Eignung zur Ackermoosförderung prüfen zu lassen. Wenden Sie sich an uns – wir kümmern uns um alle weiteren Schritte.

Obligatorische Massnahmen zur Förderung der Ackerbegleitflora
  1. Getreidebetonte Fruchtfolge mit mindestens 50% Getreide-Anteil. Ausnahmen sind in speziellen traditionellen Gebieten ohne Fruchtfolgen möglich (z. B. Walliser Roggenfelder)
  2. Keine Zwischenkulturen, ausser es sei für den ÖLN notwendig
  3. Obligatorischer Pflugeinsatz
  4. Kein Herbizideinsatz. Bei starker Verunkrautung Herbizideinsatz in Absprache mit den kantonalen Fachverantwortlichen
  5. Striegeleinsatz nur vor dem Auflaufen. Bei starker Verunkrautung mechanische Bekämpfung in Absprache mit den kantonalen Fachverantwortlichen
  6. Düngung von maximal einem Drittel der Stickstoffnormdüngung aller Kulturen der Fruchtfolge
  7. Verzicht auf jegliche Düngung auf einer Teilfläche von mindestens 10% der Projekt-Fläche. Ausnahmen sind in speziellen traditionellen Gebieten
  8. (nur für Moosflächen zwingend): Keine Düngung ab der Ernte der Hauptkultur und kein Umbruch bis Ende Oktober