Archiv «Beobachtet in der Natur»

Dezember 2016: Störenfried Mensch

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit gern in der Natur. Dass dabei die dort lebenden Wildtiere gestört werden können, vergessen wir oft. Wie auch wir Menschen brauchen Tiere Ruhe. In der Schweiz gibt es deshalb zusätzlich zu den eidgenössischen Wildschutzgebieten in mehreren Kantonen Wildruhezonen. In diesen Zonen gilt ein Zutrittsverbot, wobei das Durchqueren auf Wegen oft erlaubt ist. Wildtiere wie Gämse, Steinbock, Hirsch, Reh, Auerhuhn, Birkhuhn und Alpenschneehuhn finden dort während des ganzen Jahres oder in einem begrenzten Zeitraum Rückzugsorte, wo sie ungestört fressen und sich ausruhen können.

Schneehase. © Fotolia/markmedcalf
Nur ein haushälterischer Umgang mit seinen Energiereserven erlaubt es dem Schneehasen, den harten Bergwinter zu überstehen. © Fotolia/markmedcalf

Stress kann tödlich sein

Für gewisse Tiere in den Bergen ist der Winter besonders hart. Sie müssen wegen der Kälte und der knappen Nahrung sehr haushälterisch mit ihrer Energie umgehen. Menschliche Störung führt aber zu Stress bei den Tieren und treibt sie zur Flucht. Dadurch verlieren die Tiere Energie, was zu Erschöpfung und im Extremfall sogar zum Tod oder aber zu vermindertem Fortpflanzungserfolg führen kann. Wer Skitouren macht, soll daher unbedingt Wildruhezonen und Wildschutzgebiete beachten, im Wald auf markierten Routen und Wegen bleiben, Waldränder und schneefreie Flächen meiden und den Wildtieren überlassen sowie Hunde insbesondere im Wald an der Leine führen. Eine Karte mit den Schutzzonen finden Sie auf www.respektiere-deine-grenzen.ch. Dieselbe Website hilft auch bei der Planung von Skitouren.

Gämse im Schnee: Je tiefer der Schnee, desto höher der Energieverbrauch bei der Fortbewegung oder auf der Flucht.
Gämse im Schnee: Je tiefer der Schnee, desto höher der Energieverbrauch bei der Fortbewegung oder auf der Flucht.
© Zoonar/Naturfoto-Online/St.Ernst
November 2016: Sommervögel im Winter
Kleiner Frostspanner. © Imagepoint
Nur die Männchen des Kleinen Frost-spanners sind flugfähig. © Imagepoint

 

Weil man sie vor allem im Sommer sieht, werden Schmetterlinge auch Sommervogel genannt. Es gibt aber auch Arten, die erst im Herbst in Erscheinung treten. Eine davon ist der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata). Die Bezeichnung hängt mit der Aktivität der Falter zusammen. Die männlichen Falter sind nämlich im Spätherbst und Winter flugaktiv, also in der Zeit der ersten Nachtfröste.

Wipfelstürmerinnen 

Die Weibchen können mit ihren Stummelflügeln nicht fliegen. Sie klettern ab Oktober die Stamme von Obst- und anderen Laubbäumen empor. In der Baumkrone werden sie von den Männchen begattet, um im Anschluss ihre Eier abzulegen. Bis zu 300 Eier werden meist einzeln an Zweige, aber auch in Rindenrisse stärkerer Äste abgelegt. Im Frühjahr, etwa zum Zeitpunkt des Knospenaufbruchs, schlüpfen die kleinen Raupen, die sofort beginnen, an Blättern, Blüten und Früchten zu knabbern, was an Obstkulturen zu Ernteausfällen führen kann. Die Raupen verpuppen sich schliesslich in der obersten Bodenschicht, um erst im Herbst als Falter zu schlüpfen. Der Kleine Frostspanner bildet also nur eine Generation pro Jahr aus.

Juli 2016: Wenn uns Enten Flöhe setzen

Im Sommer, wenn die Sonne glüht und die Luft flimmert, tut ein erfrischendes Bad im See gut. Doch es kann unangenehme Folgen haben: juckender Hautausschlag! Der Verursacher dieser Hautkrankheit ist ein Wurm, ein Trematode. Er wird auch als «Entenfloh» bezeichnet, weil er im Darm oder in der Nasenschleimhaut von Wasservögeln lebt und sich dort fortpflanzt.

Stockente. © Pixabay
Stockente. © Pixabay

Schnecke als Zwischenstation

Die Eier des Schmarotzers werden vom Wirtsvogel ausgeschieden. Im Wasser schlüpfen aus den Eiern Larven. Diese Miracidien suchen sofort eine Süsswasserschnecke auf und bohren sich in sie hinein. Die Miracidien benutzen die Schnecke als Zwischenwirt, in dem sie sich in Zerkarien umwandeln. Diese infektiösen Larven bohren sich bei optimaler Wassertemperatur (etwa 23°C) aus der Schnecke hinaus und schwimmen im Wasser herum. Treffen sie auf einen Wasservogel, bohren sie sich durch dessen Haut und gelangen in den Verdauungsapparat oder die Nasenschleimhaut. Der Zyklus beginnt wieder von Neuem.

 

Verhängnisvolle Verwechslung

Verwechseln die Zerkarien einen badenden Menschen mit einem Vogel und dringen dann in dessen Haut ein, sterben sie nach kurzer Zeit ab. Darauf reagiert die menschliche Haut mit juckenden roten Flecken. Kommt es zu einer allergischen Reaktion, treten stärkere Symptome auf. Um das Badevergnügen möglichst nicht mit solchen Nebenwirkungen zu trüben, lohnt es sich, an tiefen Stellen zu baden und nicht dort, wo sich viele Wasservögel aufhalten. Der Erreger der Bilharziose, der in den tropischen Gewässern vorkommt, ist übrigens ein Verwandter dieses Wurms.

Juni 2016: Ein Fisch mit neun Augen?
Das stark gefährdete Bachneunauge. © Zoonar/Frank Hecker
Das stark gefährdete Bachneunauge. © Zoonar/Frank Hecker

Unter den einheimischen Fischen sind die urtümlichen Neunaugen etwas ganz Besonderes: Sie haben weder einen Kiefer noch Schuppen. Ihr Name rührt von den sieben Kiemenöffnungen und der Nasenöffnung, die neben dem Auge auf gleicher Höhe aufgereiht sind. Der scheibenförmige Mund ist mit Raspelzähnen aus Horn bestückt.

Im Sediment eingebohrte Larve (Querder). © Zoonar/Frank Hecker
Im Sediment eingebohrte Larve (Querder). © Zoonar/Frank Hecker

Ein Vertreter dieser so genannten Rundmäuler ist das 12 bis 20 Zentimeter lange Bachneunauge (Lampetra planeri). Es lebt in Bächen und Flüssen, seltener in Seen. In der Schweiz gilt es gemäss Roter Liste als «stark gefährdet». Ungewöhnlich ist auch sein Lebenszyklus: Die ersten Jahre verbringen die Bachneunaugen aIs augenlose Larven (Querder) eingebohrt im Boden und ernähren sich von organischem Material, das sie aus dem Wasser filtern. Während der Metamorphose bildet sich der Darm zugunsten der Geschlechtsteile zurück. Ausgewachsene Bachneunaugen nehmen nämlich keine Nahrung mehr auf. Sie wandern flussaufwärts und pflanzen sich zwischen Mai und Juni fort. Danach sterben die Tiere.

Flussneunauge mit Rundmaul und Raspelzähnen. © Zoonar/Frank Hecker
Flussneunauge mit Rundmaul und Raspelzähnen. © Zoonar/Frank Hecker

Anders verhält sich das deutlich grössere Flussneunauge (Lampetra fluviatilis), das bei uns ausgestorben ist. Es verlässt nach der Metamorphose das Süsswasser und wandert ins Meer. Dort saugt es sich an Fischen fest und ernährt sich mit Hilfe der Raspelzähne von deren Haut und Blut. Nach Erreichen der Geschlechtsreife kehrt es in den Fluss zurück, wo es seine Eier zwischen März und Mai in eine Laichgrube legt.

April 2016: Immer der Nase nach

Bereits im Februar hat der Waldboden begonnen, sich mit zartem Grün zu überziehen. An feuchten, nährstoffreichen Standorten zeigten sich die jungen Blätter des Bärlauchs (Allium ursinum), die häufig in der Küche verwendet werden. Das Wildgemüse verbreitet seinen knoblauchartigen Geruch in weitem Umkreis.

Blühender Bärlauch. © Pixabay
Blühender Bärlauch. © Pixabay

Jetzt im April und im Mai entfalten sich die weissen Blüten. Nach der Samenreife im Sommer zieht sich die Pflanze wieder in den Boden zurück, wo sie bis zum nächsten Frühjahr als Zwiebel überdauert. Die ausgestreuten Samen sind mit einem sogenannten Elaiosom ausgestattet, einem fetthaltigen Anhängsel, für das sich besonders Ameisen interessieren. Sie schleppen den Samen weg und sorgen so für die Verbreitung des Bärlauchs.

März 2016: Mein, dein, unser Nest

Jeweils im Frühling kehren die Weissstörche (Ciconia ciconia) aus ihrem Winterquartier in ihr Brutgebiet zurück. Dieses erstreckt sich von Portugal und Spanien über Westeuropa bis Westrussland sowie über Nordafrika und Vorderasien. In der Regel brüten die Störche jahrelang auf dem selben Nest, hoch oben auf Bäumen, Gebäuden und Strommasten.

 

Meist kommen die Männchen einige Tage früher an als die Weibchen, um ihren Horst – so wird das Storchennest bezeichnet – zu besetzen. Weil auch die Weibchen eine starke Bindung an ihren alten Horst zeigen, finden häufig die Brutpartner vom Vorjahr wieder zusammen. Die vermeintliche Treue von Störchen beruht also allein auf einer ausgeprägten Treue zum Nest. Dieses wird erbittert gegen Eindringlinge verteidigt, und so kommt es hin und wieder zu blutigen Kämpfen zwischen Artgenossen.

Störche im Nest. © Fotolia/Ana Gram
Störche im Nest. © Fotolia/Ana Gram

Sobald das Storchenpaar «eingezogen» ist, baut es am Nest weiter. Da dieses häufig über Jahrzehnte benutzt und von Jahr zu Jahr ausgebessert und vergrössert wird, können riesige Bauwerke von bis zu zwei Metern Durchmesser, vier Metern Höhe und einem enormen Gewicht entstehen. Zum Nestbau trägt Adebar, wie der Storch in Fabeln genannt wird, 50 bis 150 Zentimeter lange Äste von verschiedenen Sträuchern und Bäumen sowie Stroh, Moos oder Mist herbei. Den wärmenden Mist legt der Storch unter die Mitte des runden Nestes, wo sich die Kuhle zum Brüten befindet. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern, aus denen nach 33 bis 34 Tagen schliesslich die Jungvögel schlüpfen.

Februar 2016: Muschellarve sucht Wirtsfisch

Muscheln sind ursprünglich Meeresbewohner. Einigen Arten ist es jedoch gelungen, sich an die Lebensbedingungen in unseren Flüssen und Seen anzupassen. Dazu gehören zum Beispiel die Malermuschel (Unio pictorum), die Aufgeblasene Flussmuschel (Unio tumidus), die Flache Teichmuschel oder Entenmuschel (Anodonta anatina) und die See-Erbsenmuschel (Psidium conventus).

Unio tumidus by G.-U. Tolkiehn (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Unio tumidus @ G.-U. Tolkiehn

Im Gegensatz zu den Muschelarten im Meer bilden die Süsswasser-muscheln keine freilebenden oder planktonischen Larven, sondern parasitische Glochidien. Zur Paarungszeit werden die Eizellen des Weibchens vom Eierstock in die blattartige Kiemen transportiert. Wenig später gibt das Männchen seine Samenzellen ins Wasser ab. Die Samenzellen werden vom Weibchen eingeatmet und befruchten die Eier in den Kiemen. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich die Larven (Glochidien). Diese verlassen hernach den Körper der Mutter und fallen auf den Gewässergrund.

 

Wirbelt nun ein vorbeischwimmender Fisch die Larven auf, gelingt es einem geringen Prozentsatz, sich im Kiemengewebe des Fisches einzunisten. Dort ernähren sich die Larven vom den Körpersäften des Fisches und entwickeln sich weiter zu Jungmuscheln. Als solche verlassen sie schliesslich das Wirtsgewebe und suchen sich einen geeigneten Standort. Bis die kleinen Muscheln selbst Nachwuchs haben, können mehrere Jahrzehnte vergehen. Da einige Glochidien sehr wirtsspezifisch sind, verschwindet eine Muschelart bald, wenn der entsprechende Wirtsfisch fehlt.

Januar 2016: Nur ein halber Schmarotzer

Die Weihnachtszeit ist vorüber, und die dekorativen Mistelzweige verschwinden wieder aus der guten Stube. Draussen in der Natur sind die Misteln (Viscum album) gerade im Winter, wenn die Bäume kahl sind, einfach zu entdecken. Die immergrünen Pflanzen leben als sogenannte Halbparasiten auf Laub- oder Nadelbäumen.

Mistel (Viscum album). © ETH Bibliothek/Albert Krebs
Mistel (Viscum album).
© ETH Bibliothek/Albert Krebs

Parasiten beziehen ihre Nahrung von anderen Lebewesen. Ausserdem halten sie sich vorübergehend oder dauernd an oder in deren Körper auf. Bei Pflanzen unterscheiden wir zwei Typen solcher Schmarotzer: Halb- und Vollparasiten. Vollparasiten haben kein Blattgrün (Chlorophyll) und decken ihren gesamten Bedarf an Stoffwechselprodukten über die Wirtspflanze ab. Halbparasiten wie die Mistel hingegen beziehen von ihrer Wirtspflanze lediglich Wasser und darin gelöste Mineralstoffe. Den Zucker kann die Mistel hingegen dank ihrer grünen, chlorophyllhaltigen Blätter selbst mittels Photosynthese herstellen.

 

Von März bis Mai erscheinen die gelblichgrünen Blüten der Mistel. Daraus entwickeln sich bis im Spätherbst weisse Beeren – ein Leckerbissen für viele Vogelarten. lnsbesondere die Misteldrossel (Turdus viscivorus) ernährt sich davon. Die Samen scheidet sie unverdaut wieder aus und sorgt damit für eine weite Verbreitung der Mistel: Mit etwas Glück bleibt nämlich der eine oder andere Same an einem Ast hängen, sodass daraus ein junges Pflänzchen entstehen kann.

November 2015: Im Winter einfach mal abtauchen

Im Sommer verschwinden manche Gewässer fast völlig unter einem grünen Teppich aus verschiedenen Wasserlinsen. Die zarten Pflänzchen treiben mit ihren blattartigen, luftgefüllten Sprossen auf der Wasseroberfläche. Bei ausreichendem Nährstoffangebot und genügend Sonne können sie sich rasant vermehren und eine dichte Pflanzendecke bilden. Wasserlinsen blühen sehr selten und pflanzen sich fast ausschliesslich vegetativ durch Sprossung fort.

Teichlinsen (Spirodela polyrhiza) © Christian Fischer
Teichlinsen (Spirodela polyrhiza)
© Christian Fischer

Im Winter ist vom grünen Teppich allerdings nichts mehr zu sehen, die Wasseroberfläche kommt wieder zum Vorschein. Denn bevor das Gewässer zufriert, begeben sich die Wasserlinsen auf Tauchstation. Die Teichlinse (Spirodela polyrhiza) entwickelt dazu neben gewöhnlichen Sprossen braune, wurzellose Ruheknospen, sogenannte Turionen. Im Herbst erhöhen diese ihr Gewicht durch die Speicherung von Stärke. Sie werden dadurch schwerer als Wasser und sinken auf den frostsicheren Boden. Die Stärkevorräte werden im Winter allmählich aufgebraucht, wodurch die Teichlinsen leichter werden und wieder aufsteigen, bis sie im Frühjahr wieder auf dem Wasser treiben.

Oktober 2015: Meister im Buddeln

Ein Erdhügel folgt dem andern: Wir sehen einen Maulwurf (Talpa europaea) am Werk. So mancher Gartenbesitzer und Landwirt ärgert sich darüber. Doch eigentlich unterstützt sie der kleine Wühler und nimmt ihnen Arbeit ab. So zum Beispiel bei der Bekämpfung von Pflanzenschädlingen: Maulwürfe erbeuten und fressen neben Würmern, Spinnen und Mausen nämlich auch Schnecken, Engerlinge, Raupen und andere Insektenlarven. Zudem vertreiben die als Einzelgänger lebenden Maulwürfe nicht nur Artgenossen, sondern auch Wühlmäuse aus ihren Gefilden. Mit seinem unterirdischen Gangsystem hilft das Pelztier ausserdem – ähnlich dem Regenwurm – den Boden aufzulockern und zu durchlüften.

Ein Maulwurf schaut aus seinem Maulwurfshügel. © Werner Kaiser
Ein Maulwurf schaut aus seinem Erdhügel.
© Werner Kaiser

Unbeliebt macht sich der Maulwurf also nur durch seine Erdhügel. Diese entstehen beim Graben seiner Gänge und Kammern im Untergrund. Er schiebt das überschüssige Erdmaterial mit seiner Schnauze nach oben und wirft es direkt vor seine eigene Haustür. Der Maulwurf ist bestens für die unterirdische Lebensweise ausgerüstet: Zu seinen Anpassungen gehören schaufelartige Vorderbeine, winzige, fast blinde Augen, durch Hautlappen verdeckte Gehörgänge, fehlende Ohrmuscheln und Hautfalten, die beim Graben Mund und Nase verschliessen. Bei der Orientierung verlässt er sich auf seinen Tast- und Geruchssinn sowie auf sein Gehör.  

September 2015: Durchblick im Nadelwald

Bäume, die anstelle von Laubblättern Nadeln tragen, finden sich vorwiegend in eher kalten Regionen. Im Gegensatz zu ihren Laub abwerfenden Kollegen können immergrüne Nadelbäume das ganze Jahr über Photosynthese betreiben und gut mit Trockenheit umgehen. Unsere heimischen Nadelbäume lassen sich relativ leicht anhand ihrer Nadeln und Zapfen bestimmen. Versuchen Sie es doch einmal selbst!

 

Die Weisstanne (Abies alba) hat in zwei Reihen angeordnete flache Nadeln, auf deren Unterseite zwei weisse Streifen deutlich zu erkennen sind. Die Zapfen stehen aufrecht. Die Zapfen der Fichte oder Rottanne (Picea abies) dagegen hängen, und die stechenden, vierkantigen Nadeln sind rund um den Ast angeordnet.

 

Die Lärche (Larix decidua) ist die einzige einheimische Konifere, die im Herbst ihre Nadeln verliert. Zuvor verfärben sich diese von hellgrün zu goldgelb. Die Nadeln wachsen in Gruppen von 20-40 Stück an Kurztrieben, und die eiförmigen Zapfen stehen aufrecht. Ebenfalls aufrecht stehende Zapfen findet man bei der Arve (Pinus cembra), Deren Nadelbüschel sind aber kleiner und nur aus fünf dreikantigen Nadeln zusammengesetzt.

 

Die Nadeln der Föhren sind lang und stehen paarweise zusammen. Bei der Waldföhre (Pinus sylvestris) sind sie auf der Innenseite bläulich-grün gefärbt, bei der Bergföhre (Pinus mugo) beidseits grün. Hängende Zapfen gehören zur Waldföhre, schief oder waagrecht abstehende zur Bergföhre, die wiederum in zwei Unterarten auftritt.

 

Die Eibe (Taxus baccata) schliesslich gehört zu einer ganz anderen Pflanzenfamilie und lässt sich leicht von den anderen Arten unterscheiden: Sie trägt keine Zapfen, sondern beerenartige, rote Früchte. Die flachen, spitzigen Nadeln sind auf ihrer Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite hellgrün.

Einheimische Nadelhölzer (Bildergalerie)
Arve (Pinus cembra). (Bild: Pro Natura Zentrum Aletsch)
Arve (Pinus cembra). (Bild: Pro Natura Zentrum Aletsch)
August 2015: Störenfriede am Balkontisch
Deutsche Wespe. © Haselbacher/Imagepoint.biz
Deutsche Wespe.
© Haselbacher/Imagepoint.biz

Ein reich gedeckter Tisch im Freien lockt besonders gegen Ende des Sommers rasch ungebetene Gäste an. Wespen fliegen uns um den Kopf und bedienen sich bei Apfelsaft, Kindersirup, grilliertem Fleisch und anderen Köstlichkeiten. Das kann für die Tafelrunde ziemlich lästig sein. Es sind jedoch nur zwei Arten, die auf unser Essen fliegen: die Deutsche (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Alle anderen halten sich in der Regel vom Menschen fern. Das gilt auch für die grösste einheimische Wespenart, die Hornisse (Vespa crabro).

Süsses und Proteinreiches

Die Nahrung der Wespen und Hornissen setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Zucker und Eiweiss. Aus Blütennektar und Früchten gewinnen die Arbeiterinnen Zucker, den sie aIs Treibstoff für ihre eigene Flugmuskulatur benötigen. Die eierlegende Königin und die Brut im Nest füttern sie hingegen mit eiweissreicher Kost, die aus erbeuteten Insekten besteht. Grosse Wespenvölker vertilgen so beachtliche Mengen an Insekten. Hier zeigt sich: Die Wespe ist nicht einfach nur ein Plagegeist, sondern spielt eine wichtige Rolle im Naturhaushalt.

 

Höhepunkt und Untergang

Dass uns die Wespen erst im Spätsommer so richtig auffallen, hat seinen Grund: Jetzt sind ihre Nester am grössten und am stärksten bevölkert. Doch schon bald beruhigt sich die Lage wieder. Denn die herbstlichen, tieferen Temperaturen bedeuten den allmählichen Untergang des Wespenstaates. Die frisch geschlüpften jungen Königinnen sowie die männlichen Wespen (Drohnen) verlassen das Nest und verpaaren sich. Daraufhin suchen sich die befruchteten Königinnen einen geschützten Platz zum Überwintern. Die Drohnen, die im Nest zurückgebliebenen Arbeiterinnen sowie die alte Königin sterben hingegen nach und nach. lm Winter ist das Nest schliesslich ganz leer.   

Juni 2015: Schrummen und Geigen für die Liebste

Ein Sommer ohne das Zirpen von Heuschrecken wäre kein richtiger Sommer. Dieses Geräusch wird je nach Art auf ganz unterschiedliche Weise erzeugt. Der Gesang des männlichen Grünen bzw. Grossen Heupferdes (Tettigonia viridissima) zum Beispiel entsteht durch das Reiben des linken Vorderflügels über dem rechten. Dabei streift die gezähnte Schrillleiste der linken Flügelunterseite wie ein Kamm über die Schrillkante der rechten Flügeloberseite. Die Flügel geraten in Schwingung. Die sogenannten Spiegel, membranöse Flächen auf den Flügeln, verstärken den Ton wie ein Lautsprecher. Das Männchen beginnt mit seinem Konzert in den Mittagsstunden und hört erst spät in der Nacht auf zu zirpen. Ziel dieser ausdauernden Bemühungen ist es, paarungsbereite Weibchen anzulocken.

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima). © Christian Roesti
Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima). Bild und Ton: Christian Roesti

Die Grashüpfer (Unterfamilie der Gomphocerinae) hingegen erzeugen ihren Liebesgesang, indem sie mit einem oder beiden Hinterschenkeln über die Flügel streichen. Eine gezähnte Leiste auf der Schenkelinnenseite reibt dabei über die Schrillader der Vorderflügel. Die Flügel werden dabei dachförmig gehalten. So entsteht ein Hohlraum zwischen dem Körper und den Flügeln, der als Resonanzkörper dient. Die schrillen Töne nehmen die Grashüpfer übrigens über Gehörorgane wahr, die seitlich am Hinterleib sitzen.

Singende Sibirische Keulenschrecke (Gomphocerus sibiricus). © Christian Roesti
Singende Sibirische Keulenschrecke (Gomphocerus sibiricus). Bild und Ton: Christian Roesti
Mai 2015: Geschminkte Gesundheitspolizisten

Während sich einige Menschen die Haare tönen, färben sich manche Vögel ihr Gefieder. So etwa unser grösster einheimischer Vogel, der Bartgeier (Gypaetus barbatus). Die Lust an der Gefiederkosmetik beschränkt sich nicht auf ein Geschlecht: Sowohl Weibchen wie auch Männchen nehmen gerne ein ausgiebiges Schlammbad, bevor sie sich an die Gefiederpflege machen. Dabei verfärben sich die weissen Bauch-, Brust- und Kopffedern rostrot. Verantwortlich für die Farbgebung ist das im Schlamm enthaltene Eisenoxyd. Die Federn bleiben rot, bis sie während der Mauser ausfallen und durch neue ersetzt werden. Für dieses Verhalten der Bartgeier gibt es mehrere Erklärungsversuche: Thermoregulation, mechanischer Verschleissschutz, Schutz vor Parasiten, Tarnung, visuelle  Signalwirkung. Welcher Nutzen aber wirklich aus der Federfärbung resultiert, bleibt weiterhin ein Rätsel und muss die Forschung erst herausfinden. Wer weiss, vielleicht ist’s einfach nur schön …

Bartgeier im Schweizerischen Nationalpark. © Walter Meli/Imagepoint.biz
Bartgeier im Schweizerischen Nationalpark.
© Walter Meli/Imagepoint.biz

Die einst im Alpenraum ausgerotteten Bartgeier sind reine Aasfresser und damit wertvolle Gesundheitspolizisten, die ein mögliches Verbreiten von Krankheiten verhindern. An einem Kadaver sind sie jedoch erst interessiert, wenn er bereits von Raben oder anderen Tieren geöffnet und zumindest teilweise vom Muskelfleisch befreit worden ist. Denn der Bartgeier hat es vor allem auf die Knochen abgesehen. Diese machen den allergrössten Teil seiner Nahrung aus. Ein erwachsenes Exemplar verzehrt etwa ein halbes Kilogramm Knochen pro Tag. Ist ihm ein Knochen zu gross, um ihn ganz zu schlucken, und zu dick, um ihn mit dem Schnabel zu zerbrechen, lässt er ihn im Flug auf einen geeigneten Felsen fallen, sodass er in «mundgerechte» Stücke zersplittert.

April 2015: Väterliche Fürsorge

Wer einen Blick unter die Wasseroberfläche des Rheins oder der Rhone wagt und in die geheimnisvolle Unterwasserwelt eintaucht, kann zwischen April und Juni ein besonderes Ereignis miterleben: eine Fischhochzeit. In seinem heftig verteidigten Revier baut das Männchen des dreistachligen Stichlings (Gasterosteus aculeatus) zunächst ein Nest. Dazu hebt es eine flache Mulde aus, trägt Pflanzenteile hinein und verklebt diese mit einem Sekret der Nieren.

 

Sobald das Nest fertiggestellt ist, wirbt das Männchen mit auffällig rot gefärbtem Bauch ­– seinem Hochzeitsgewand – und einem «Zick-Zack-Tanz» um laichbereite Weibchen. Ist ein Weibchen interessiert, stellt es sich schräg und präsentiert seinen durch die reifen Eier aufgetriebenen Bauch. Darauf versucht das Männchen, die Umworbene zum Eingang seiner Nisthöhle zu lotsen. Ist das Weibchen hineingeschlüpft, berührt das Männchen mit seiner Schnauze wiederholt die Schwanzwurzel seiner Braut. Dieses «Schnauzentremolo» ist für das Weibchen der Auslöser für die Eiablage. Nach dem Ablaichen verlässt das Weibchen das Nest. Der Bräutigam schwimmt nun selbst ins Nest und besamt die Eier. Anschliessend vertreibt er das Weibchen aus dem Revier.

 

Balz und Eiablage können sich mit weiteren Partnerinnen wiederholen, sodass schliesslich die Gelege mehrerer Weibchen im Nest  liegen. Ab sofort kümmert sich der Vater um den Nachwuchs: Während ein bis zwei Wochen, bis zum Schlüpfen der Larven, bewacht er das Gelege und fächelt durch Flossenbewegungen frisches, sauerstoffreiches Wasser zu. Diese Art der Brutpflege ist bei Knochenfischen selten anzutreffen. 

Dreistachlige Stichlinge bei der Eiablage


März 2015: Traute Zweisamkeit

Pilze und Algen kennen wir als unterschiedliche Lebensformen, die gewöhnlich wenig miteinander zu tun haben. Es gibt allerdings Algen und Pilze, die sich zu einer Lebensgemeinschaft zusammengeschlossen haben: Sie bilden zusammen eine Flechte. Der Pilz umschlingt dabei die Alge mit seinen Pilzfäden. Diese enge «Freundschaft» ist für beide Partner ein Gewinn: Die Alge versorgt den Pilz mit Nahrung in Form von Stärke, die sie mit Hilfe von Blattgrün (Chlorophyll) und Sonnenlicht produziert. Im Gegenzug liefert der Pilz der Alge Mineralien, schützt sie vor dem Austrocknen und ermöglicht ihr die Existenz in einem Lebensraum, der Algen sonst nicht zugänglich wäre. Eine solche Lebensgemeinschaft zweier Organismen, die für beide Seiten vorteilhaft ist, bezeichnet man als Symbiose. 

Weltweit gibt es rund 25.000 Flechtenarten. Foto: Roland Schuler
Weltweit gibt es rund 25.000 Flechtenarten. Foto: Roland Schuler

Flechten wachsen sehr langsam und können ein hohes Alter erreichen. Manche leben auf Bäumen und Sträuchern, ohne diesen jedoch zu schaden, andere auf Steinen oder Mauern, wobei sie jeweils die feuchtere «Wetterseite» bevorzugen. Sie ertragen sowohl hohe wie auch sehr tiefe Temperaturen. Was ihnen hingegen schlecht bekommt, sind Schadstoffe in der Luft. Diese stören das Gleichgewicht zwischen Pilz und Alge. Damit sind Flechten ein sensibler Indikator für die Luftqualität. Je weiter man sich von einer Agglomeration entfernt, desto mehr Flechten findet man.

Februar 2015: Nachwuchs in der Tasche

Sie faszinieren, lösen bei einigen Menschen aber auch ein Gefühl des Ekels aus: Kellerasseln (Porcellio scaber). Die Tierchen zählen nicht etwa zu den Insekten, sondern zu den Krebstieren – sie sind also zum Beispiel mit dem Hummer verwandt. Weil sie über Kiemen an den hinteren Beinen atmen und diese ständig mit einem Feuchtigkeitsfilm bedeckt sein  müssen, sind sie auf feuchte Lebensräume angewiesen. Um sich vor Wasserverlust zu schützen, verlassen sie ihr Versteck unter Laub, Steinen und in Kellern meist nur nachts. Kellerasseln ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und tragen zur Humusbildung bei.

Kellerassel © Hermann Gehlken / Imagepoint.biz
Kellerassel © Hermann Gehlken / Imagepoint.biz

Wenn sich Kellerasseln fortpflanzen, erlebt die werdende Mutter eine erstaunliche Verwandlung: Eine Weile nach der Begattung häutet sich das Weibchen und entwickelt an der Körperunterseite eine Bruttasche. Dieses sogenannte Marsupium wird durch lamellenartige Anhänge an den Beinen der Brustsegmente gebildet und ist mit Flüssigkeit gefüllt. Die befruchteten Eier gelangen durch eine «Geburtsspalte» in die Tasche und reifen dort gut geschützt heran. Schliesslich schlüpfen die noch hell gefärbten Asseljungen und verlassen die Bruttasche. Ihre Mutter nimmt darauf wieder ihre ursprüngliche Körpergestalt an.

Januar 2015: Immergrüne Greise
Eibe © Frank Vincentz/Wikipedia
Eibe © Frank Vincentz/Wikipedia

Im Winter, wenn die Laubbäume ihre Blätter verloren haben, fallen die immergrünen Nadelbäume in unseren Wäldern auf. Ein ganz besonderes Nadelgehölz ist die Eibe (Taxus baccata). Sie unterscheidet sich in vieler Hinsicht von den übrigen einheimischen Nadelbaumarten: So wächst sie zum Beispiel sehr langsam und kann weit über 1000 Jahre alt werden. Sie gedeiht selbst im Schatten hervorragend. Harz und Zapfen sucht man bei ihr vergeblich. Ausserdem ist die Eibe zweihäusig. Das bedeutet, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt. Der Pollen der männlichen Blüten wird vom Wind zu den weiblichen Blüten getragen – oft über weite Strecken. Der Same ist von einem becherförmigen Mantel umgeben. Dieser Samenmantel oder Arillus färbt sich im Herbst leuchtend rot und ist der einzige Teil der Eibe, der für Menschen geniessbar ist. Der ganze Rest der Pflanze ist für uns, aber auch für Pferde sehr giftig. Für die Verbreitung der Samen sorgen hauptsächlich Vögel und gewisse Säugetiere. Die Eibe kommt in der Schweiz bis auf rund 1500 Meter vor. Leider ist sie aus verschiedenen Gründen, in erster Linie durch das Fällen ihrer Art – in den Wäldern selten geworden. Regelmässig trifft man sie nur noch in allerlei zugeschnittenen Formen in Gartenanlagen an.

Dezember 2014: Wärmender Tarnmantel
Schneehase © Vimeso/Peter Wey
Schneehase © Vimeso/Peter Wey

Wie viele andere Säugetiere wechselt auch der Schneehase (Lepus timidus) im Laufe des Jahres sein Fell, um es den Jahreszeiten anzupassen. Beim Schneehasen ist dieser Wechsel jedoch besonders augenfällig: Im Sommer ist sein Fell graubraun bis braun, im Winter hingegen weiss. Einzig die Ohrspitzen bleiben schwarz. Der Wechsel von der braunen zur weissen Färbung ist fliessend. Die Umfärbung dauert im Frühling doppelt so lange wie im Herbst und führt über ein eigenartig graubraun und weiss geflecktes Übergangskleid.

 

Das Winterfell ist deshalb weiss, weil die braunen Farbstoffe im Sommerhaar durch Luft ersetzt werden. In Ergänzung zur feinen Unterwolle, die dem Schneehasen das ganze Jahr über der Wärmeisolation dient, schützen diese Lufteinschlüsse sowie ein dichteres Fell das Tier vor der Kälte. Das wärmende Kleid ist gleichzeitig der perfekte Tarnanzug: Das weisse Fell schützt den Hasen im Schnee vor den wachsamen Augen von Fressfeinden wie Fuchs und Uhu. 

Oktober 2014: Winterfest verpackte Spinnenbabys
Wespenspinne mit Kokon © Romy Hiller
Wespenspinne mit Kokon © Romy Hiller

Etwa einen Monat nach der Paarung legen Wespenspinnen (Argiope bruennichi) im Herbst ihre Eier. Das Weibchen umwickelt den Eiballen mit mehreren Fadenschichten, bis ein sogenannter Kokon entstanden ist. Die gelb-weiss-schwarz gestreifte Spinne befestigt mehrere solcher Kokons an Pflanzenteilen in Bodennähe. In diesen gut getarnten Kokons entwickeln sich die Eier, und noch vor Wintereinbruch schlüpfen daraus junge Spinnen. Die Spinnchen bleiben aber vorerst im schützenden Kokon und verlassen diesen erst im kommenden Mai bei idealen Temperaturen.

 

Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Wespenspinne vor allem im Mittelmeergebiet anzutreffen. Heute ist sie auch in Mitteleuropa weit verbreitet und dringt immer weiter nach Norden vor. Die unauffällig gefärbten Männchen sind mit rund 5 Millimeter Körperlänge deutlich kleiner als die bis zu 20 Millimeter grossen Weibchen. Die attraktive Spinne bevorzugt sonnige Standorte mit niedriger bis halbhoher Vegetation.