Sonnplätze für eine seltene Schlange

Die Aspisviper kommt in mehreren europäischen Ländern vor. Je nach Standort haben sich die Populationen aber unterschiedlich entwickelt. Die Aspisviper, die im Schweizer Jura vorkommt, wird Juraviper genannt. Individuell sieht sie sehr unterschiedlich aus. Die Juraviper ist vom Aussterben bedroht.


Als wechselwarmes Tier braucht die Aspisviper besonnte Strukturen. Hier bringt sie an kühlen Tagen ihre Körpertemperatur sonnend in den optimalen Bereich von 28-35 °C. Wird es zu heiss, verschwinden die Tiere in kühle Hohlräume oder in den Halbschatten der Umgebung.

 

Die Juraviper ist vom Aussterben bedroht. Dies hat verschiedene Gründe. Ihr Lebensraum verschlechtert sich zunehmend: Kleinstrukturen wie Lesesteinhaufen verschwinden aus den Weiden, Lichtungen wachsen zu, aufgeforstete südexponierte Hänge verdunkeln den Waldboden, trockene Wiesen verschwinden unter Strassen und Häusern oder verbuschen und nicht wenige Schlangen werden Opfer von Wilderern.

 

Die Juraviper soll am Jurasüdfuss wieder häufiger werden. Pro Natura lancierte deshalb 2009 ein Projekt zur Förderung der Juraviper mit dem Ziel, mehr Licht in den Wald zu bringen und die Lebensräume besser miteinander zu vernetzen. Lokale Forstämter lichteten seither durch Holzschlag und Entbuschungen den Wald an verschiedenen Stellen auf. Damit wird ein Wald gestaltet, wie er vor etwa 300 Jahren ausgesehen hat, als der Mensch mit Baumaterial- und Energiegewinnung den Wald übernutzte und eine hohe natürliche Dynamik wie Steinschlag die Wälder am Jurasüdfuss viel lichtdurchlässiger machten. Künstlich angelegte Kleinstrukturen bieten den Weibchen wieder vermehrt geeignete Sonnplätze. Sie sind Winterquartier, Paarungs- und Brutplatz sowie Jagdgebiet in einem. Damit schafft Pro Natura die Voraussetzungen, dass die lokalen Bestände der Juraviper wieder zunehmen können.