Beobachtet in der Natur

Entdecken Sie mit Pro Natura bemerkenswerte Naturphänomene, lernen Sie die einheimische Artenvielfalt kennen und schärfen Sie Ihren Blick für die kleinen und grossen Wunder der Natur im Wechsel der Jahreszeiten.

Juni 2017: Ein mörderischer Gast

Die Ameisenbläulinge (Gattung Maculinea) sind ein gutes Beispiel dafür, wie sehr gewisse Tier- und Pflanzenarten aufeinander angewiesen sind. In der Schweiz kommen fünf Arten dieser Tagfaltergruppe vor. Im Sommer legen die Weibchen ihre Eier an die Blütenknospen und benachbarte Blätter artspezifischer Futterpflanzen. Von deren Blütenteilen ernähren sich die frischgeschlüpften Larven zunächst. Dann jedoch lassen sie sich fallen und warten am Boden, bis eine Wirtsameise der Gattung Myrmica sie findet. Die Bläulingsraupe betört nun die Ameise mit Hilfe eines Rituals und einer Sekretabsonderung, so dass die Ameise sie nicht tötet, sondern lebend in ihr Nest trägt. Dort ernährt sich die Larve von der Ameisenbrut, überwintert und verpuppt sich. Der fertig entwickelte Schmetterling schlüpft aus und verlässt das Ameisennest eilig, denn nun ist seine Tarnung verfallen!

 

Alle fünf Arten der Gattung Ameisenbläulinge sind in der Schweiz mehr oder weniger stark bedroht. Die Bedrohung besteht nicht etwa in rachsüchtigen Ameisen, sondern in der Zerstörung geeigneter Lebensräume durch den Menschen. Um den erstaunlichen Ameisenbläulingen unter die Flügel zu greifen, hat Pro Natura verschiedene mehrjährige Artenschutzprojekte durchgeführt, so zum Beispiel im westlichen Waadtland und im Berner Oberland.

Stark bedroht und streng geschützt: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)  © Pro Natura
Stark bedroht und streng geschützt: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) © Pro Natura