Beobachtet in der Natur

Entdecken Sie mit Pro Natura bemerkenswerte Naturphänomene, lernen Sie die einheimische Artenvielfalt kennen und schärfen Sie Ihren Blick für die kleinen und grossen Wunder der Natur im Wechsel der Jahreszeiten.

August 2017: Der Wespen-Gourmet

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während wir Menschen uns Ende Sommer oft über die grosse Anzahl Wespen an unserem Mittagstisch ärgern, ist diese dem Wespenbussard sehr willkommen. Denn der Wespenbussard (Pernis apivorus) frisst bevorzugt Wespen sowie deren Larven und Puppen. Der Wespenbussard kann auf den ersten Blick mit dem Mäusebussard verwechselt werden. Beim genaueren Betrachten ist zu erkennen, dass sein Körper an seine spezialisierte Ernährungsweise angepasst ist. Die Krallen sind nur wenig gekrümmt. So eignen sie sich besser dafür,  auf der Suche nach Wespennestern im Boden zu scharren. Wenn der Bussard mit seinem Schnabel im Boden wühlt, verhindern die schlitzförmigen Nasenlöcher ein Eindringen von Fremdkörpern oder Insekten. Der schlanke Schnabel ermöglicht ihm, die Wespenbrut aus den Waben zu picken. Schuppenförmige, dicht angelegte Federn zwischen Schnabelgrund und Augen schützen den Vogel vor Wespenstichen. Schliesslich sind die Augen mehr seitlich am Kopf angelegt als bei anderen Greifvögeln.  Da der Wespenflug zeitlich begrenzt ist, halten sich auch die Wespenbussarde nur fünf Monate lang in der Schweiz auf, bevor sie ab Ende August wieder in ihr Winterquartier im südlichen Afrika zurückfliegen. Diese Reise ist 7000 Kilometer lang.

Der Wespenbussard ist ein Nahrungsspezialist. (© Saxifraga, Martin Mollet)
Der Wespenbussard ist ein Nahrungsspezialist. (© Saxifraga, Martin Mollet)