Aushängeschilder der Landwirtschaft

Die Schweiz ist ein Grün-Land. Viele Landwirtschaftsflächen eignen sich besser als Wiese und Weide als zum Ackerbau. Mit Hilfe unserer Nutztiere machen wir Menschen uns dieses Grünland in Form von Milch und Fleisch nutzbar. Dies ist sinnvoll, solange in der Landwirtschaft auf standort- und artgerechte Produktion geachtet wird und die Flächen in naturverträglichem Mass genutzt werden.

 

Über 75% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz ist Grünland (720‘000 Hektaren). Ein grösserer Teil davon sind Naturwiesen und -weiden, ein kleinerer Teil angesäte Kunstwiesen. Dazu kommen nochmals rund 530‘000 Hektare Alpweiden im Sömmerungsgebiet.

Wie Wiesen und Weiden den Menschen ernähren
Milchland Schweiz, mit Hilfe von zusätzlichem Kraftfutter
Milchland Schweiz

Im Sommer fressen Kühe auf der Weide und im Stall frisches Gras. Im Winter fressen sie konserviertes Gras in Form von Heu und Silage.

In der Schweiz weiden 1,5 Millionen Rinder (davon 700’000 Milchkühe), 420’000 Schafe, 88’000 Ziegen und 58’000 Pferde. Wiederkäuer werden zunehmend mit Kraftfutter (z.B. Getreide, Soja) gefüttert und werden damit zu Nahrungskonkurrenten des Menschen. Im Durchschnitt ernähren sich Schweizer Milchkühe zu 70 bis 80% von Raufutter der Wiesen und Weiden und zu 20 bis 30% von Kraftfutter.

Wiesenbewirtschaftung und Milchproduktion
Käseherstellung gehört zu den grossen Traditionen der Schweiz
Käseland Schweiz

Eine Kuh frisst im Jahresdurchschnitt den Ertrag einer halben Hektare Wiese und produziert damit 7’000 Liter Milch. Ein Käser kann daraus rund 120 Käselaibe zu 5 kg oder 35’000 Joghurts herstellen. Eine Hektare extensive, blumenreiche Heuwiese ergibt bei zwei bis drei Schnitten maximal 4’000 bis 5’000 Liter Milch pro Kuh und Jahr.

 

Auf einer Hektare intensiver Gras-Weissklee-Wiese im Talgebiet kann bei fünf Schnitten über eineinhalb Mal so viel produziert werden wie auf einer extensiven Heuwiese. Die Höchstleistung liegt bei über 10’000 Liter Milch pro Kuh und Jahr. Darum gilt es für die Bäuerin und den Bauer einen naturverträglichen Kompromiss zwischen Produktion und Ökologie zu finden.

Stellschraube Düngereintrag
Mit Dünger zu höheren Produktionszahlen und tieferen Artenzahlen
Güllen im Winter

Die Standortfaktoren einer Produktionsfläche sind kaum zu ändern: Klima, Sonneneinstrahlung, Neigung, Lage, und Bodenbeschaffenheit bleiben mehr oder weniger gleich.

 

Was der Mensch massiv beeinflussen kann, ist der Düngereintrag. Damit erhöht er die Produktionsleistung intensiv bewirtschafteter Wiesen. Hohe Stickstoffgaben fördern dichten grasreichen Bewuchs. Dadurch werden niedrigwüchsige, lichtliebende Kräuter und Leguminosen zurückgedrängt. Folge ist eine Abnahme der Artenzahl und damit der Artenvielfalt. Diese Wiesen sind ideal für Hochleistungskühe.

Ökologie und Produktion: Wiesen im Wandel
Siloballen auf gemähter Wiese
Siloballen

Heute wird auf intensiv genutztem Grünland ein Vielfaches an Dünger ausgebracht als noch vor einigen Jahrzehnten. In der Folge lassen sich die Flächen früher im Jahr und häufiger mähen oder beweiden. Das Mahdgut wird immer öfter siliert anstatt vollständig getrocknet und als Heu verwendet. So kann immer schneller und wetterunabhängiger geerntet werden.

 

Die Zeichen stehen auf Produktion, aber die Praxis zeigt: Die Schweizer Landwirtschaft hat ein Umweltproblem, kein Produktionsproblem. Einerseits stammen laut Zahlen des Bundesamtes für Umwelt 84% des in der Schweiz emittierten Ammoniaks aus der Tierhaltung. Dies hat externe Kosten von rund einer Milliarde Franken pro Jahr zur Folge. Andererseits konsumieren die Schweizerinnen und Schweizer im Schnitt 52 kg Fleisch im Jahr. Ernährungsphysiologisch vertretbar wäre die Hälfte.

 

In einem auf Schweizer Boden produzierten Stück Fleisch steckt heute viel Energie, die nicht aus der Schweiz stammt: Kraftfutter und ein Teil des Heus wie auch der Treibstoff zum maschinellen Bearbeiten der Flächen werden dem Produktionskreislauf aus dem Ausland zugeführt.

Wiesen und Weiden in der Bundespolitik
Beim Heuen in den steilen Hängen ist viel Ausdauer gefragt
Heuen in der Bergzone

In der Agrarpolitik 2014-17 hat das Parlament festgelegt, dass es keine allgemeinen Tierhaltungsbeiträge mehr gibt. Neu wurden Landschaftsqualitäts-, Produktionssystem-, Ressourceneffizienz und Biodiversitätsbeiträge für das Sömmerungsgebiet eingeführt. Hierdurch sollen die Anreize für eine ökologische Produktion verstärkt werden.

 

Landwirte, die Subventionen erhalten möchten, müssen ökologische Ausgleichsflächen anlegen. Pro Betrieb sind 7% Biodiversitätsförderflächen vorgeschrieben. Im Talgebiet haben heute erst 3% des Kulturlands eine gute ökologische Qualität!

Pro Natura setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass die bestehenden Instrumente zur Förderung artenreicher Blumenwiesen im Rahmen der Agrarpolitik 2014-17 ausgeschöpft werden. Mit der Agrarpolitik 2018-21 müssen weitere Verbesserungen zu Gunsten der Ökologie in das Landwirtschaftsgesetz und die -verordnung einfliessen.