Autobahnen sind gefährliche Hindernisse für Wildtiere © Matthias Sorg

Eine Nacht im Leben eines Mittelland-Hirschs

15.05.2017

Im Schutz der Dunkelheit durch Wald & Wiese – bis zur unüberwindbaren Autobahn

Heute begleiten wir Bajo auf seinem abendlichen Ausflug mit unerwarteten Hindernissen. Um 17 Uhr, nach einer ausgiebigen Siesta im Tagesversteck, wird der junge Hirsch langsam munter. Der Schutz der Dunkelheit macht ihn mutiger, und Bajo macht sich auf den Weg durch Wald und Wiese.

Doch schon nach dem ersten Acker trifft er auf eine Hauptstrasse. Die Autos donnern mit 80 km/h vorbei. Mit Glück findet er trotz Feierabendverkehr eine Lücke, um das Hindernis ohne Unfall zu überwinden.

Weiter durch den Wald, über Wurzeln und Trampelpfade, bis die letzten Menschen in ihren Häusern die Lichter löschen. Dann traut sich Bajo hinaus auf die Felder und scheint sich ein ausgiebiges Nachtessen zu gönnen, wie die längere Pause auf dem ersten Acker verrät.

Gestärkt huscht er über die offene Landschaft, quert eine weitere Hauptstrasse, bis… ein unüberwindbares Hindernis seinen Weg versperrt! Hohe Zäune, vier Fahrspuren - diese Autobahn kann Bajo nicht überwinden.
Rund eineinhalb Stunden wandert Bajo an dieser Barriere entlang. Sucht er verzweifelt einen Übergang? Nichts zu finden… Um 1:30 Uhr in der Nacht wendet er sich ab und macht sich auf die Suche nach einem Versteck. Doch vorher dreht er noch eine letzte Snack-Runde über die Felder. Satt zieht er sich um fünf Uhr morgens wieder in den Wald zurück, sammelt Kräfte, um sein Glück vielleicht nach einer ausgiebigen Tagesruhe nochmals zu versuchen…

Das Beispiel der Autobahn zeigt, wie menschengemachte Hindernisse die Wege der Tiere durchkreuzen. Darum müssen Wildtierkorridore wieder durchgängig werden.

Wohin wandert Bajo?

Die nächtliche Wanderung von Bajo - Im Schutz der Dunkelheit durch Wald & Wiese bis zur unüberwindbaren Autobahn © Pro Natura
Die nächtliche Wanderung von Bajo - Im Schutz der Dunkelheit durch Wald & Wiese bis zur unüberwindbaren Autobahn