Energiewende-Index: Schweiz fällt weiter ab

18.10.2018

Heute erscheint die aktualisierte Version des Energiewende-Index. Gerade im Bereich Klimaschutz sind die Leistungen der Schweiz klar ungenügend, wie der Index zeigt. Einigermassen auf Kurs ist die Energiewende lediglich bei den Kosten und bei der Versorgungssicherheit.

Der Energiewende-Index (EWX) der grossen Umweltverbände misst keine politischen Pläne, sondern den tatsächlichen Stand der Energiewende, etwa bei der Energieproduktion oder beim Schutz der Biodiversität in der Energienutzung. Ziel der Energiewende ist der international beschlossene Ausstieg aus den fossilen Energien. Gemessen an den Zielen des Pariser Klimaabkommens sinkt der CO2-Ausstoss in der Schweiz jedoch viel zu langsam. Der CO2-Ausstoss der Stromproduktion ist gar gestiegen, ebenso die gesamte Klimabelastung des Konsums. Insgesamt fällt die Schweiz damit beim Klimaschutz von 56% Zielerreichung auf 50% zurück.

Umweltverbände fordern Trendumkehr

Für die Umweltverbände ist klar: «Gerade beim Klimaschutz brauchen wir eine Trendumkehr, wenn die Schweiz ein gefährliches und teures Aufwachen verhindern will», sagt Elmar Grosse Ruse, Klimaexperte beim WWF Schweiz. Der Nationalrat kann diese Trendumkehr voraussichtlich in der Wintersession einläuten, wenn er über die Revision des CO2-Gesetzes abstimmt. Der Bundesrat hat dafür allerdings einen Vorschlag vorgelegt, mit dem der Klimaschutz weiter geschwächt statt gestärkt würde. «Das Parlament muss die Ambitionen gegenüber dem Vorschlag des Bundesrats verdoppeln», fordert Georg Klingler von Greenpeace.

Besonders dringend ist zusätzlicher Klimaschutz beim Sorgenkind Verkehr. «Wir erwarten vom Parlament allermindestens, dass die Schweiz die gleichen CO2-Ziele für neue Personenwagen wie die EU festlegt », sagt Stéphanie Penher, Bereichsleiterin Verkehrspolitik beim VCS. Weil bisher 70% der grossem Autoimporteure diese CO2-Ziele erreicht haben, lehnt auch die Mehrheit der Umweltkommission des Nationalrates zusätzliche Schlupflöcher ab.

Kosten hui, Effizienz pfui

In vier der sieben EWX-Themen werden schlechtere Werte als im Vorjahr erreicht, in keinem ein besserer Wert. Auch den erneuerbaren Energien sind wir noch weiter vom Zielkurs entfernt als zuvor (von 18% auf 16% Zielerreichung). Es werden nicht genug Solar-, Wind- und Biomasseanlagen gebaut, um die Ziele der bundesrätlichen Energieperspektiven zu erreichen.

Beim Thema Biodiversität geht der Trend ebenfalls in die falsche Richtung (von 27% auf 25% Zielerreichung). Hauptgrund ist die verschleppte Sanierung der Wasserkraftwerke. Michael Casanova von Pro Natura: «Die Energiewende darf keine Ausrede sein, um der Natur zu schaden.» Weiterhin bei 0% Zielerreichung liegt zudem die Energieeffizienz von Gebäuden und Strassenverkehr.

Zu 100% auf Zielkurs ist die Energiewende lediglich bei den im internationalen Vergleich tiefen Kosten für Haushalte und Wirtschaft. Recht gut ist es auch um die Versorgungssicherheit bestellt (stabil 78% Zielerreichung).

Kasten: So funktioniert der Energiewende-Index

Der Energiewende-Index (EWX) misst seit 2013 jährlich den Stand der Energiewende auf der Basis öffentlich verfügbarer Daten. Die meisten dieser Daten werden vom Beratungsunternehmen EBP im Auftrag der Umweltallianz gesammelt und aggregiert. Die Daten werden jeweils mit einem Zielpfad verglichen, z.B. für die CO2-Emissionen der Energieerzeugung. Das bedeutet: Bleiben die Emissionen stabil, so sinkt der Wert der Zielerreichung im Index, weil die Emissionen gemäss Zielpfad von Jahr zu Jahr sinken müssten. Die Zielpfade sind so definiert, dass die Indikatoren in jedem Jahr 100% Zielerreichung anzeigen sollten und können. Der EWX misst konkrete Daten in den Hauptkategorien Klimaschutz, Atomausstieg, Biodiversität, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Wirtschaft und Soziales sowie Versorgungssicherheit. Politische Beschlüsse werden nicht berücksichtigt. Darum schlägt sich das Ja des Volks zur Energiestrategie 2050 noch nicht im EWX 2018 nieder.

Kontakt

  • Elmar Grosse Ruse, Projektleiter Energiewende-Index, WWF Schweiz, @email, Tel. 078 745 23 41
  • Medienstelle Greenpeace Schweiz, Tel. 044 447 41 11
  • Stéphanie Penher, Bereichsleiterin Verkehrspolitik, Verkehrsclub der Schweiz, @email, Tel. 079 711 19 15
  • Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, Pro Natura, @email, Tel. 061 317 92 29