Bahnlinien sind sehr gefährliche Hindernisse für Wildtiere © Matthias Sorg

Hirschkuh auf Futtersuche – Vorsicht Schnellzug!

08.07.2017

Wie Wika die Bahnlinie überquert, anstatt den sicheren Übergang zu wählen.

Die vorbei sausenden InterCity-Neigezüge zwischen Herzogenbuchsee und Kirchberg scheinen die Hirschkuh Wika wenig zu stören. Gut geschützt vor den Blicken der Passagiere liegt sie in ihrem Tagesversteck, nur 30 m neben der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke im dichten Wald.

Im Schutz der Dunkelheit verlässt sie gegen zehn Uhr abends ihr Versteck und sucht sich auf den Wiesen direkt neben der Bahnlinie etwas Feines zu fressen. Doch bald sind die würzigen Gräser verputzt und Wika plant, zu den offenen Wiesen gegenüber zu wandern. Aber: Die Bahngleise versperren ihr den Weg.

Um ein Uhr Nachts traut sich Wika: In grossen Sätzen überspringt sie die Bahnlinie! Mitten in der Nacht fahren zwar weniger Züge, diese rasen aber mit bis zu 200 km/h auf dieser Strecke – ein gefährliches Unterfangen!

Wir wissen nicht, warum Wika keinen Bogen gemacht und die wenige hundert Meter östlich gelegene Passage gemieden hat, wo die Bahnlinie im Tunnel verläuft. Offensichtlich hat sie ihre übliche Wanderroute gewählt, und diese verläuft auf direktem Weg zum nächsten Tagesversteck. Irgendwie erinnert es an die Schulkinder auf dem Nachhauseweg, die lieber direkt über die Strasse rennen, als den Umweg über den Fussgängerübergang zu machen…

Nach der gefährlichen Querung der Bahnlinie läuft Wika zielstrebig weiter. Mehr als einen Kilometer entfernt von den Schienen legt sie eine Zmorgepause ein. Als es zu dämmern beginnt, verschwindet sie im Wald, wo sie sie den nächsten Tag verbringt.

Wir sind sehr froh, dass es Wika nicht so erging wie den über hundert Rothirschen in der Schweiz, die solche riskanten Gleisüberquerungen letztes Jahr nicht überlebten und durch Unfälle mit Zügen ums Leben kamen! Freie Bahn für Wildtiere.