Glyphosatbehandeltes Feld im Frühjahr

Kampagne: Keine Pestizide in unseren Gewässern!

Ein Grossteil der Schweizer Fliessgewässer ist mit Pestiziden belastet. Mit unserer Kampagne fordern wir eine deutliche Anwendungsreduktion dieser Mittel in der Landwirtschaft und ein Verbot von Pestiziden im Privatbereich.

Unsere Flüsse und Bäche sehen in der Regel klar und sauber aus. Doch der Schein trügt. Schweizer Bäche enthalten vielfach einen ganzen Cocktail an Pestiziden. Von rund 300 zugelassenen und erfassbaren Wirkstoffen wurden über 100 in Wasserproben gefunden. Die Gewässerbelastung durch Pestizide ist teilweise so hoch, dass sie für Wasserorganismen lebensbedrohlich sein kann. Nicht nur die Vielzahl an giftigen Stoffen ist alarmierend, auch die Konzentrationen der einzelnen Pestizide liegen oft über dem Grenzwert.

Es besteht ein erhebliches Risiko für Gewässerorganismen und möglicherweise auch für die langfristige Nutzung der Wasserressourcen durch den Menschen. Denn nicht nur Wasserlebewesen sind durch die Verunreinigungen in den Gewässern betroffen, auch der Mensch nimmt Pestizide über die Nahrung und das Trinkwasser auf.

Zu viele Pestizide in der Schweizer Landwirtschaft

Die intensive Schweizer Landwirtschaft ist hauptsächlich verantwortlich für die hohe Belastung der Gewässer durch Pestizide. Jährlich bringt die Landwirtschaft in der Schweiz über 2’000 Tonnen Pestizide auf Feldern, Wiesen, Rebbergen und Obstplantagen aus. Diese gelangen durch Abdrift, Auswaschung oder Drainagenleitungen auch in unsere Bäche und Flüsse.

Politik: Der starke Arm der Pestizidlobby

20 Jahre nach der Einführung des ökologischen Leistungsnachweis ist klar: Was bisher geschah, reicht einfach nicht! Die Schweiz braucht eine neue Pestizidpolitik mit griffigen Massnahmen und ambitionierten Zielen. Weil die Schweizer Pestizidlobby ihre Interessen politisch sehr wirksam durchsetzen kann, braucht es kritische Organisationen wie Pro Natura. Pro Natura kämpft für eine Landwirtschaft mit einer gesunden, einheimischen Lebensmittelproduktion im Einklang mit der Natur.

Bäche - viele wichtige kleine Lebensadern

75 % des Schweizer Gewässernetzes besteht aus sehr kleinen und kleinen Bächen. In diesen Gewässern ist die Wasserqualität durch diffuse Stoffeinträge aufgrund der geringen Verdünnung besonders stark beeinträchtigt. Die Schadstoffkonzentrationen sind oft ein Mehrfaches höher als in grossen Gewässern. Die kleinen Gewässer sollten deswegen besonders gut vor stofflichen Einträgen geschützt werden. Leider sieht die Realität noch anders aus.

Kampagne: Das wollen wir erreichen

Natur, Mensch und Umwelt müssen vor Pestiziden geschützt werden. Deshalb fordern wir: 

  • Die Reduktion des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft und Verbote von besonders umwelt- und gesundheitsgefährdenden Pestiziden
  • Eine restriktivere Zulassungspolitik des Bund, die Veröffentlichung aller relevanten Studien und Beurteilungen und eine unabhängige Kontrolle
  • Ein Verbot des Pestizideinsatzes im Privatbereich
  • Vom Bund gestaltete Anreize für Produktionssysteme und -techniken, die den Pestizideinsatz effektiv reduzieren 
  • Eine Stärkung der Forschung zu nachhaltigen Alternativen sowie unabhängige Untersuchungen zum Verbleib von Pestiziden in der Natur 
  • Den Aufbau einer unabhängigen Beratung sowie obligatorische regelmässige Weiterbildungskurse für Bäuerinnen und Bauern

Biologischer Anbau als Alternative

Es gibt funktionierende Alternativen zum Einsatz von Pestiziden: im Biolandbau werden keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt. Dies schont nicht nur die Natur, sondern auch das Portemonnaie der Bäuerinnen und Bauern! Auch am Markt bewährt sich nämlich die biologische Landwirtschaft: Der Absatz von biologisch produzierten Lebensmitteln steigt stetig. Wir Konsumentinnen und Konsumenten leisten eine wichtigen Beitrag zur Reduktion des Pestizideinsatzes, indem wir Produkte aus biologischer Produktion kaufen.
 

Pestizide in Schweizer Bächen - Video «Das leise Sterben»

Jährlich werden über 2000 Tonnen Pestizide in die Umwelt ausgebracht– hauptsächlich durch die Landwirtschaft, aber auch durch Private in ihren Gärten oder durch Bahnbetreiber auf Geleisanlagen. Pestizide haben tödliche Auswirkungen auf Kleintiere. Wer ist dafür verantwortlich? Und was heisst das für unser Grundwasser? Im Video geht Pro Natura diesen Fragen nach. Grenzwerte werden mehrfach überschritten. Wir müssen dringend handeln!