Herbstliche Stimmung im Wald © Sigolène Roch

Schnurstracks nach Südwesten – eine Wanderroute wie mit dem Lineal gezogen

06.04.2018

Es ist ein trüber, ungemütlicher Januartag. Die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt, leichter Regen tropft von den Blättern und Nadeln der Bäume. Die Hirschkuh Wika liegt bis zum Einbruch der Dunkelheit gut versteckt im Unterholz. Dann steht sie auf und streift eine Weile im Wald umher.

Erst nach Mitternacht tritt sie auf die Felder hinaus. Es sieht grad aus, als hätte sie einen Entschluss gefasst. Wika beginnt, zielstrebig nach Südsüdwesten zu wandern, bis ans Ufer der Aare. Dort hält sie kurz inne. Vielleicht schreckt Wika das sechs Grad kalte Wasser ab? Doch plötzlich geht alles ganz schnell. Um zwei Uhr nachts schwimmt sie schnurstracks ans andere Ufer. Sie läuft weiter, ohne zu zögern nach Südwesten.

Ihr Weg führt wie mit dem Lineal gezogen mehrere Kilometer geradeaus: Über Wiesen, Felder und entlang von Hecken und Waldrändern. Auch Häuser und Strassen bringen Wika nicht dazu, ihre Richtung zu ändern. Vor Tagesanbruch findet sie, nach kurzer Suche, einen neuen Tageseinstand im Wald.

Wir hoffen, dass Wika dort die nötige Ruhe findet, um sich von der kräftezehrenden Nachtwanderung zu erholen - ungestört von Spaziergängerinnen, Hunden, Freizeitsportlern, Forstarbeiterinnen oder Landwirten. Nehmen Sie Rücksicht auf Wildtiere, bleiben Sie auf den Wegen, vermeiden Sie unnötigen Lärm und beobachten Sie Tiere nur aus der Ferne.

 

Wika lässt sich nicht vom Weg abbringen

© Pro Natura
Schnurstracks nach Südwesten - Wika lässt sich nicht vom Weg abbringen

Diese Geschichte entstand im Rahmen des Projekts «Rothirsche in Bewegung». Die Senderhalsband-Daten von Hirschen im Schweizer Mittelland enthüllen Erstaunliches. Pro Natura erzählt die bewegenden Hirsch-Geschichten auf ihrer Website. So sensibilisieren wir die Öffentlichkeit für die Wanderbedürfnisse der Wildtiere – freie Bahn!