Wildtierbrücke sind eine grosse Hilfe für die Rothirsche © Jan Guerke

Wika kennt sich aus: Umweg über die Wildtierbrücke

13.09.2017

Wenn das Gras lockt, aber Zug und Autobahn im Weg sind: Wika und die Wildtierbrücke.

Eine Volksweisheit besagt, dass das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner ist. Das scheint auch die Hirschkuh Wika zu interessieren. Das Problem: Zwei hohe Zäune, die Autobahn A1 und erst noch eine Bahnlinie versperren den Weg! Auswertungen zeigen, dass Wika sich normalerweise im Osten der Autobahn aufhält. Doch in dieser Augustnacht macht sie sich auf den Weg westwärts.

Sobald es dämmert, wagt sie sich aus ihrem Versteck im Maisfeld und sucht sich ein feines Znacht in den offenen Feldern. Danach wandert sie zum Wald und verschwindet im Dickicht. Sie kennt sich gut aus: Auf direkter Linie steuert sie auf die Wildtierbrücke Neu-Ischlag zu. Die dichten Hecken auf beiden Seiten der breiten Brücke schützen sie vor den blendenden Lichtern der Autos, die mit Tempo 120 auf der A1 unter ihr hindurch sausen. Gut geschützt
überquert Wika die Brücke und biegt dann scharf nach rechts ab. Sie folgt dem Wald bis sie wieder auf gleicher Höhe mit ihrer Futterstelle auf der anderen Autobahnseite ist und zieht ohne Pause weiter durch die Felder, bis zu ihrem nächsten Tageslager in einem Maisfeld.

Wika weiss offenbar genau, wo sie die Autobahn überqueren kann. Ein ortsunkundiger Hirsch wäre wahrscheinlich im Wald geradeaus Richtung Autobahn gewandert, bis ihn der hohe Zaun jäh gestoppt und zur Suche nach einem Übergang gezwungen hätte. Spannend: Die schmale, ungeschützte Strassenbrücke südlich der Wildtierbrücke wird von Wika nicht benutzt, obwohl der Weg ans Ziel kürzer wäre. Ein schönes Beispiel für den Erfolg von Wildtierbrücken!