Der Schein trügt

Mentue, Limbach, Surb, Flurbach oder Salmsacher Ach, sie alle sind typische Schweizer Fliessgewässer im landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittelland. Sie scheinen sauber zu sein und laden zum Baden ein, doch sind sie wirklich so sauber? Der Schein trügt, denn Schweizer Fliessgewässer enthalten einen ganzen Cocktail an Pestiziden. Von rund 300 zugelassenen und erfassbaren Wirkstoffen wurden über 100 in Wasserproben gefunden.

 

Das Bundesamt für Umwelt BAFU bestätigte im Herbst 2015 was die Eawag, das Forschungsinstitut der ETH bereits im Frühling 2014 festgestellt hatte: Vor allem in kleinen und mittelgrossen Fliessgewässern des Mittellandes werden Pestizidkonzentrationen gemessen, welche die Biodiversität negativ beeinflussen. Nicht nur die Vielzahl an giftigen Stoffen ist alarmierend, auch die Konzentrationen der einzelnen Pestizide liegen oft über dem Grenzwert.

 

Ziele und Anforderungen der Gewässerschutzverordnung werden klar nicht erfüllt. Es besteht ein erhebliches Risiko für Gewässerorganismen und möglicherweise auch für die langfristige Nutzung der Wasserressourcen durch den Menschen. Denn nicht nur Wasserlebewesen sind durch die Verunreinigungen in den Gewässern betroffen, auch der Mensch nimmt Pestizide über die Nahrung und das Trinkwasser auf.

© Benoît Renevey
© Benoît Renevey

Die intensive Landwirtschaft ist hauptsächlich verantwortlich für die hohe Belastung der Gewässer durch Pestizide. Jährlich werden in der Schweiz über 2’000 Tonnen Pestizide auf Feldern, Wiesen und Obstplantagen ausgetragen. Pro Natura fordert deshalb eine strikte Handhabung und restriktivere Zulassung von Pestiziden sowie die konsequente Ausscheidung ausreichender Gewässerräume und die Respektierung der Pufferstreifen entlang der Gewässer.

 

Bäche - viele wichtige kleine Lebensadern

75% des Schweizer Gewässernetzes besteht aus sehr kleinen und kleinen Bächen. In diesen Gewässern ist die Wasserqualität durch diffuse Stoffeinträge aufgrund der geringen Verdünnung besonders stark beeinträchtigt und um ein Mehrfaches höher als in grossen Gewässern. Die kleinen Gewässer sollten deswegen besonders gut vor stofflichen Einträgen geschützt werden. Leider sieht die Realität noch anders aus.