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Raus in die Natur – mit Respekt!
Unsere Freizeit-Enthusiasten und Naturschützerinnen haben für Sie die wichtigsten Regeln für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zusammengefasst. Machen Sie doch auch mit, so schonen wir Wildtiere, Pflanzen und Landschaften.
Wir wünschen Ihnen tolle Erlebnisse draussen im Wald, in den Bergen, auf dem Wasser und wo immer Sie unterwegs sind: Raus in die Natur – mit Respekt!
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Mit Rücksicht in die Natur
Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Regeln für Ihre Freizeitaktivität, begleitet von vielen nützlichen Links mit weiterführenden Informationen.
- Wildruhezonen und Wildschutzgebiete respektieren.
- Im Wald auf Wegen und bezeichneten Routen bleiben.
- Waldränder und schneefreie Flächen meiden.
- Hunde an der Leine führen, insbesondere im Wald.
Mehr Informationen:
- Mindestens 100 m Abstand zum Schilf halten.
- Mindestens 100 m Abstand zu Sandbänken und Kiesinseln halten.
- Mehrere 100 m Distanz zu Vogelansammlungen wahren.
- Schutzgebiete respektieren.
Mehr Informationen:
- Sich über Routen, Angebote und Einschränkungen informieren und die Regeln einhalten.
- Nur auf öffentlichen Strassen und Wegen sowie auf signalisierten Trails und Pisten fahren.
- Keine Wildtiere stören: Auf Fahren in der Dämmerung und in der Nacht verzichten. Wege und Vegetation mittels sanfter Fahrweise schonen.
- Rücksicht auf andere Wegnutzer/-innen nehmen und ihnen den Vortritt lassen.
Mehr Informationen:
- Sich über Routen, Angebote und Schutzgebiete informieren und die Regeln einhalten.
- Wenn möglich bestehende Wege und Routen nutzen.
- Die Natur sauber halten und den Abfall mitnehmen.
- Den Hund an der Leine führen, insbesondere in Schutzgebieten, im Wald und auf Viehweiden.
Mehr Informationen:
- Sich über Routen, Angebote, Schutzgebiete und saisonale Sperrungen informieren und die Regeln einhalten.
- Bestehende Zu- und Abstiege zum Klettergebiet nutzen. So schonen Sie sensible Lebensräume.
- Um Vegetation und Wildtiere nicht zu stören, Pflanzenbestände und Nistplätze von Vögeln umgehen.
- Das Klettergebiet sauber halten und Abfall und Ausrüstung wieder mitnehmen.
Mehr Informationen:
- Leinengebot und andere Verhaltensregeln beachten.
- In sensiblen Gebieten auf den Wegen bleiben und Hunde an die Leine nehmen, insbesondere in Naturschutzgebieten und Wildruhezonen, wenn Wildtiere in der Nähe sind, sowie generell in Mooren, Schilfgebieten, dichten Wäldern und an Uferzonen.
- Zu sensiblen Zeiten mit dem Hund auf den Wegen bleiben und an die Leine nehmen, insbesondere nachts und zur Vogelbrutzeit.
- Hundekot einsammeln und sachgerecht im Robidog entsorgen.
- Sich über Angebote, Einschränkungen und Schutzgebiete informieren und die Regeln einhalten.
- Beim Übernachten in der Natur sensible Gebiete wie die obere Waldgrenze, Feuchtgebiete, Moore und Auen meiden.
- Insbesondere im Wald keinen Lärm verursachen und Licht vermeiden, um Wildtiere nicht zu stören.
- Nächtliche Aktivitäten in der Natur auf ein Minimum beschränken, zum Beispiel Joggen, Biken und Reiten.
Mehr Informationen:
- Sich über Angebote (Waldhütten, Feuerstellen, Picknickplätze) informieren und die Regeln einhalten.
- Brennholz von zuhause mitbringen und Feuer nur an den dafür vorgesehenen Feuerstellen entfachen.
- Abfall wieder mitnehmen und sachgerecht entsorgen.
- Um Wildtiere nicht zu stören, Lärm und Licht vermeiden.
Mehr Informationen:
- Sich über Wege, Angebote und Schutzgebiete informieren und die Schutzgebietsregeln einhalten.
- Wenn möglich bestehende Wege und Routen nutzen und Grundbesitz und Bewirtschaftung respektieren.
- Tiere, besonders an Brut- und Ruheplätzen nicht stören. Distanz halten und keinen Lärm verursachen.
- Auf Beobachtungen in der Nacht verzichten und kein Blitzlicht verwenden.
Mehr Informationen:
Verhaltenscodex für ein verantwortungsvolles Beobachten und Fotografieren der Schweizer Vogelwarte
- Sich über Schonzeiten, Sammelmengen und Schutzgebiete informieren.
- Nur so viel sammeln, wie für den persönlichen Konsum genutzt wird. Die übrige Vegetation schonen.
- Die Natur sauber halten. Den Abfall mitnehmen und sachgerecht entsorgen.
- Hunde an der Leine führen, insbesondere in Schutzgebieten und im Wald.
- An Orten mit wenig Störpotenzial fliegen. Dazu übersichtliche Orte ohne Vögel oder andere Wildtiere sowie Siedlungsgebiete ohne Menschenansammlungen wählen.
- Rücksichtsvoll fliegen: Wildtiere nicht anfliegen oder verfolgen. Bei Reaktionen der Tiere Flug sofort abbrechen.
- Flüge in sensiblen Gebieten vermeiden, besonders bei Vogelschwärmen, Wildtiergruppen, Felswänden, Hecken oder Schilfgebieten.
- Keine Flüge in Naturschutzgebieten, Wildruhezonen, Wasser- und Zugvogelreservaten sowie Jagdbanngebieten vornehmen.
Mehr Informationen:
- Sich vor dem Flug über Start- und Landeplätze sowie über Bestimmungen des Flugraums informieren.
- Offizielle, markierte Start- und Landeplätze nutzen und am Boden auf öffentlichen Wegen bleiben.
- Rücksichtsvoll fliegen: Wildtiere nicht anfliegen und bei Reaktionen sofort abdrehen.
- Über Naturschutzgebieten, Jagdbanngebieten und Wildruhezonen mit grossem Bodenabstand fliegen. Im Winter in der Nähe der touristischen Infrastrukturen bleiben.
Mehr Informationen:
- Sich über Schutzgebiete informieren und Regeln einhalten. Privaten Grundbesitz und Bewirtschaftung respektieren.
- Wenn möglich auf bestehenden Wegen, Pfaden und Routen bleiben.
- Caches nur an Orten platzieren, die öffentlich zugänglich sind, ohne Wildtiere und Vegetation zu stören.
- Die Natur sauber halten. Den Abfall mitnehmen und sachgerecht entsorgen.
Mehr Informationen:
- Sich über Routen, Angebote und Einschränkungen informieren und die Regeln einhalten.
- Nur auf öffentlichen Strassen, Wegen und auf signalisierten Reitwegen reiten.
- Keine Wildtiere stören: Auf Ritte in der Dämmerung und in der Nacht verzichten.
- Rücksicht auf andere Wegnutzer/-innen nehmen und ihnen den Vortritt überlassen.
Mehr Informationen:
Verhaltenscodex des Schweizerischen Verbands für Pferdesport
- Lebensräume von Tieren und Pflanzen respektieren und sich von Biotopen fernhalten. Biotope sind in der Regel mit roten/gelben/blauen Pfosten mit «grünem Hut» markiert.
- Sich nur auf den dafür vorgesehenen Wegen und Spielflächen bewegen.
- Keine wildlebenden Tiere stören und keine Pflanzen pflücken.
- Abfälle wie vorgesehen entsorgen.
Mehr Informationen:
Wenn Beispiele Schule machen
Eine andere Art von Landwirtschaft vermittelt
Im Alter von 25 Jahren musste er sich entscheiden, ob er Biologie oder Medizin studieren oder in die Landwirtschaft einsteigen möchte. «Ich wollte nicht Theoretiker, sondern Täter sein, deshalb entschied ich mich für die Landwirtschaft und baute mithilfe meiner Frau in Bäretswil einen Hof auf», sagt Martin Ott. Später pachtete er in Rheinau den grössten Bauernhof im Kanton Zürch und stellte ihn mit Mitstreitern auf biodynamische Produktion um. Heute ist Rheinau eine renommierte Institution, auch mit einer gentechnikfreien Saatgutversorgung für den Biolandbau und einer sozialtherapeutischen Stiftung.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Noch bis im Herbst ist der 65-Jährige Leiter der biodynamischen Ausbildung Schweiz für Landwirtinnen und Landwirte. Sein Ziel ist es, der Natur Nahrung zu entnehmen, ohne sie kaputt zu machen.
Weil er das Buch «Kühe verstehen – eine neue Partnerschaft beginnt» verfasste, gilt er auch als Kuhflüsterer. «In vielen Kulturen waren Kühe heilig. Durch die technischen Anforderungen, die man an sie stellt, werden bei uns aber die Kühe entstellt», sagt Ott, der trotz seines Hangs zum Praktischen gerne über grundlegende Fragen des Lebens diskutiert. sb
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Nicolas Zentner
- Martin Ott, Kuhflüsterer
Weniger ist so viel mehr!
Weniger. Dieses Wort fasst die Anliegen von Léna Abi Chaker am besten zusammen. Die Journalistin verfasst für die Zeitschrift «Moins!» Artikel, mit denen sie «einen kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft werfen und praktische Lösungen für das tägliche Leben vorstellen» will. Auch privat legt sie Wert darauf, weniger zu konsumieren. «Ich wähle bessere Produkte und mache mehr selbst.» Sie bereitet alle Mahlzeiten eigenhändig zu und sammelt einen grossen Teil ihrer Lebensmittel in der Natur. «Ich benötige dafür nur zehn Minuten pro Tag, weil die Wildpflanzen in meiner Umgebung wachsen.» Ausserdem stellt sie viele Produkte selbst her, etwa mit «Sonnenblumenöl für die Haut oder mit Essig für den Haushalt».
Vor allem aber leistet sie weniger Erwerbsarbeit: Schluss mit 100 Prozent! «Das ist der erste Schritt zur Veränderung, er setzt Zeit und Energie frei, um vieles selbst zu tun. Am Ende spart man sogar noch Geld, der Kreis schliesst sich!» Sie wünscht sich, dass alle möglichst viel Autonomie gewinnen und fähig werden, für sich selbst zu sorgen, aber «natürlich nicht im Sinne des Geldverdienens. Es geht eher um die Fähigkeit, sich zu ernähren und zu kleiden, zu heizen, zu basteln, zu reparieren, zu bauen.» Dass dies möglich ist, zeigen ihre eigenen Erfahrungen. «Ich tausche mich mit anderen über interessante Entdeckungen oder einfache und praktische Lösungen aus.» fk
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Nicolas Zentner
- Léna Abi Chaker, Autonomie-Förderin
Den politischen Hebel angesetzt
Jahrelang hat sie für sauberes Trinkwasser gekämpft: Franziska Herren (54), der Kopf der Trinkwasserinitiative. Am Tag nach der Ablehnung durch die Stimmbevölkerung mag sie nicht von einer Niederlage sprechen. «Ich bin sehr froh, habe ich mich engagiert. Verloren haben die über eine Million Menschen, darunter auch Babys und Kinder, die Trinkwasser konsumieren, dessen Belastungen mit Pestiziden über dem Grenzwert liegen.»
Zum ersten Mal politisch engagiert hatte sich die Inhaberin eines Fitness-Studios aus Betroffenheit wegen des Unfalls im AKW Fukushima. Daraufhin lancierte sie im Kanton Bern eine Initiative für eine sofortige Abschaltung des AKW Mühleberg. Diese wurde zwar abgelehnt, die Betreiber legten den Reaktor 2019 dennoch still.
2017 lancierte sie die Trinkwasserinitiative, aus Empörung über eine verfehlte Landwirtschaftspolitik. Vielleicht brauche es beim Trinkwasser einen weiteren Anlauf, um die Bevölkerung zu überzeugen, sagt sie. Einen langen Atem hat Franziska Herren jedenfalls. Und sie beweist: Auch Einzelpersonen können grosse Veränderungen anstossen. sb
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Nicolas Zentner
- Franziska Herren, Campaignerin
Die Nationalparkidee exportiert
Steivan Brunies (1877 – 1953), Biologe aus S-chanf (GR), Sohn eines früheren Goldgräbers, war ein Pionier im Naturschutz. Als Gymnasiallehrer in Basel hat er der Jugend die Natur nähergebracht. Dort initiierte er mit Paul Sarasin die Gründung des Schweizerischen Bundes für Naturschutz, der heutigen Pro Natura, dessen erster Sekretär er von 1909 bis 1935 war. In dieser Funktion gehörte er auch zu den Gründervätern des Schweizerischen Nationalparks im Unterengadin – der erste in Zentraleuropa.
Als dessen Oberaufseher erlebte Brunies die erfolgreiche Wiederansiedlung des Steinbocks, des Wappentiers von Pro Natura. Vergebens hoffte er aber auf eine Rückkehr einer anderen zwischenzeitlich ausgerotteten Tierart: «Mit dem Bären wird es wohl für immer vorbei sein», schrieb er wenige Jahre vor seinem Tod. Zum Glück behielt er unrecht, und ursus arctos breitet sich wieder zögerlich im Alpenbogen aus.
Miterleben durfte Brunies auch, wie «sein» Nationalpark Schule machte und in ganz Europa laufend Geschwister erhielt, mittlerweile knapp 300. Ausgerechnet in der Schweiz aber ist keines dazugekommen. zen
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Nicolas Zentner
- Steivan Brunies, Nationalparkgründer
«Ein kleiner Schritt für die einzelne Person …»
«Die Natur dient mir als Inspirationsquelle, vor allem die Berge. Ich lebe zwar erst seit anderthalb Jahren in der Schweiz, war aber von den Aufräumaktionen der Summit Foundation sofort begeistert. Diese freiwilligen ‹Putzeten› bringen die Menschen dazu, die Umwelt in unmittelbarer Nähe durch konkrete Massnahmen zu schützen. Ich bin in Usbekistan in der damaligen Sowjetunion aufgewachsen, als die Konsumgesellschaft mit ihrer Flut von PET-Flaschen und Plastiktüten gerade Fuss zu fassen begann. Unsere Flüsse waren teilweise enorm verschmutzt. Ähnlich in Tadschikistan, wo ich neun Jahre gearbeitet habe: Dort habe ich hoch in den Bergen Bäche gesehen, die mit Plastikabfall nur so zugemüllt waren.
Ich habe immer versucht, mich konkret für die Natur zu engagieren: In Jordanien trat ich einer Vereinigung für Aufräumaktionen bei, die natürliche Lebensräume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückverwandelt. Nach meiner Ankunft in der Schweiz wurde ich schon bald Freiwilliger bei der Summit Foundation, die das gleiche Ziel verfolgt. Es ist ein kleiner Schritt für die einzelne Person – aber insgesamt ein grosser Schritt für die Umwelt.» fk
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Nicolas Zentner
- Kirill Kuzmin, Freiwilliger Abfallsammler
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Mit Bürgerversammlungen gegen die Klimakrise
Der Klimaschutz in der Schweiz kommt nur schleppend voran. Darum fordern die Grünen einen Klimarat: Sie möchten, dass die Schweiz eine Bürgerversammlung aus 200 per Los ausgewählten Personen einberuft, die «mehrheitsfähige Lösungen für den Klimaschutz und für mehr Klimagerechtigkeit» vorschlägt. Im Gremium wären alle Bevölkerungsgruppen angemessen vertreten. Die Grüne Fraktion hat im Herbst 2020 – also noch vor dem Volksnein zum CO2-Gesetz – eine entsprechende parlamentarische Initiative eingereicht. Die Schaffung von Klimaräten ist auch eine zentrale Forderung der Klimabewegung.
Eine solche Bürgerversammlung, so die Überlegung, wäre keinen Parteien verpflichtet und stünde nicht im medialen Scheinwerferlicht. Sie wäre daher eher bereit, die nötigen einschneidenden Massnahmen vorzuschlagen, die zur Bewältigung der Krise nötig sind. Nationalrat Balthasar Glättli, Präsident der Grünen: «Ich war überrascht, welch weitreichende Massnahmen etwa die Klimaräte in Frankreich und in Irland vorschlugen.» Der Klimarat in der Schweiz soll Gesetzesänderungen vorschlagen, die dann beschleunigt durch Parlament und Bundesrat behandelt werden müssten. Und er soll mit Zweidrittelmehrheit sogar Verfassungsänderungen einreichen können.
Uster zeigt, wie es geht
Auf lokaler Ebene Erfahrung mit einem Klimarat gemacht hat schon die Stadt Uster. Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des Kantons Zürich. Im letzten Herbst versammelten sich in Uster 20 per Los ausgewählte Interessierte, um Massnahmen zum Klimaschutz zu diskutieren. Joelle Warthmann, eine Maturandin, die zurzeit ein Zwischenjahr absolviert, war mit von der Partie. «Wir haben sehr offen und auf Augenhöhe miteinander diskutiert. Politik wird so gut fassbar», sagt sie. Sie war schon vorher am Thema interessiert, bezeichnet sich aber nicht als Klimaaktivistin.
Nach insgesamt viertägigen Beratungen inklusive Eingangsreferat eines Klimaexperten schlug das «Bürgerpanel Uster für mehr Klimaschutz» 44 Massnahmen vor: Sie reichen von Besuchen von Umweltfachpersonen in Schulen bis zur Empfehlung, dass die Stadt einen Abfallsack für Haushaltplastik einführen solle. Anfang November präsentierten die Mitglieder des Bürgerpanels die Massnahmen der Bevölkerung. Es kamen gut 100 Personen. Joelle Warthmann fand die Erfahrung mit dem Klimarat jedenfalls «sehr positiv» und wünscht sich mehr solcher Initiativen.
Es liegt nun in Uster an der Politik, zu prüfen, welche Forderungen umgesetzt werden. «Vieles haben wir schon zuvor angepackt», sagt die für das Dossier zuständige Stadträtin Karin Fehr (Grüne). Das Bürgerpanel fasste auch heisse Eisen an und empfahl mit 13 zu 7 Stimmen die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in den Quartierstrassen. Diese Massnahme stösst im Stadtrat (Exekutive) laut Karin Fehr auf positives Echo. Das Votum des Klimarats «gibt uns Rückenwind und motiviert uns, weiter an diesem Thema dranzubleiben», sagt sie. Im Stadtrat von Uster gibt es seit 2018 eine rot-grüne Mehrheit.
Schweiz tut sich schwer
Auf nationaler Ebene hat es die Forderung nach einem Klimarat jedoch schwer, auch weil er mehr Kompetenzen hätte als der Rat in Uster. Die vorberatende Kommission des Nationalrats lehnte die parlamentarische Initiative der Grünen deutlich mit 19 zu 5 Stimmen ab, nicht einmal die SP-Vertreter stimmten geschlossen dafür. Die Mehrheit der Kommission war der Auffassung, dass ein Klimarat «die Stellung des Parlaments schwächen würde», weil eine Konkurrenzbehörde geschaffen würde. Ausserdem könnten Bürgerinnen und Bürger ja schon mit Volksinitiativen und Referenden direkt in die Politik eingreifen, lautete ein weiteres Argument. Der Nationalrat lehnte das Geschäft Mitte Dezember mit 136 zu 33 Stimmen ab, es ist damit vom Tisch.
Glättli will aber nicht aufgeben und «die Idee weiterverfolgen, unter Berücksichtigung der Kritik». Und auf lokaler Ebene plant der Kanton Zürich weitere Klimaräte, dieses Jahr einen in Winterthur (der sechstgrössten Stadt der Schweiz) und einen weiteren in Thalwil.
STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
«Ich hatte von Klima keine Ahnung»
Mit der «Bürgerversammlung für das Klima» führte Frankreich von Oktober 2019 bis Juni 2020 ein Experiment in direkter Demokratie durch. Eine repräsentative Auswahl von Bürgerinnen und Bürgern sollte Massnahmen definieren, um die Treibhausgasemissionen Frankreichs sozial gerecht bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Mit dabei war auch der heute pensionierte Informatiker Guy Kulitza.
Pro Natura Magazin: Wie entstand die «Bürgerversammlung für das Klima»?
Guy Kulitza: Die Bürgerversammlung ist Teil der Massnahmen von Emmanuel Macron (Frankreichs Präsident, Anm. der Redaktion) als Reaktion auf die Proteste der Gelbwesten. Marcron versprach damals eine breite Diskussion auf nationaler Ebene. Ab 2019 generierte ein unabhängiges Institut Telefonnummern nach dem Zufallsprinzip, um eine repräsentative Auswahl an Bürgerinnen und Bürgern nach Kriterien wie Alter, Geschlecht, Wohnregion, Ausbildungsniveau oder beruflicher Stellung zusammenzustellen.
Es konnte sich also niemand freiwillig melden, etwa als Mitglied einer Partei oder eines Interessenverbands?
Nein, wir wurden alle quasi ausgelost. Als ich angerufen wurde, dachte ich erst, es gehe um Werbung. Danach habe ich das Ganze mit meiner Familie besprochen, bevor ich mich auf das Abenteuer einliess. Ich hatte so viel zu lernen! Ich hatte von Klima keine Ahnung und hatte mich zuvor kaum je mit Ökologie befasst.
Wie lief die Bürgerversammlung ab?
Mit der Organisation wurde der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat betraut. Ein unabhängiger Lenkungsausschuss hatte die Aufgabe, die Bürgerversammlung zu leiten, ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass ihr Wille respektiert wird. Die 150 Mitglieder wurden wiederum nach dem Zufallsprinzip in fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich mit den Themen Wohnen, Transport, Konsum, Arbeit/Produktion und Ernährung befassten. Unterstützend standen den Gruppen Experten aus den jeweiligen Fachbereichen zur Verfügung. Sie überprüften während der Gespräche Fakten und Zahlen, räumten wissenschaftliche Unklarheiten aus oder beantworteten Fragen zur Gesetzgebung. Geleitet wurden die Arbeitsgruppen von Moderatoren und Moderatorinnen, die dafür sorgten, dass sich alle zu Wort melden konnten.
Wie liefen die acht Sitzungen ab?
Referentinnen und Referenten aller politischen Richtungen und Ideologien haben aus Sicht ihres jeweiligen Fachgebiets eine Analyse und den aktuellen Kenntnisstand zum Klima dargelegt. Ich war in der Arbeitsgruppe Ernährung, obwohl mir Transport lieber gewesen wäre. Dort hätte ich wohl mehr beitragen können. Rückblickend aber finde ich den Ansatz sinnvoll: So hörte ich ohne Vorbehalte und Vorurteile zu, was Vertreter der Agroindustrie, Saatguthersteller, Direktverkäufer und diverse NGOs zu sagen hatten.
Das Ganze war also ein Erfolg?
Definitiv, auch wenn Präsident Macron sein Wort nicht gehalten hat: Er hatte versprochen, dem Parlament die am weitesten fortgeschrittenen Ergebnisse «ungefiltert» zu übermitteln. Von unseren 149 Vorschlägen sind nun aber gerade mal 15 von der Regierung aufgenommen worden. Das ist zwar enttäuschend, aber ich denke, wir haben trotzdem etwas bewirkt. Das Experiment hat gezeigt, dass mit guten Informationen von verschiedener Seite jede Bürgerin und jeder Bürger Verantwortung übernehmen und ehrgeizige Vorschläge machen kann, die eine klare Mehrheit finden können.
Was haben Sie persönlich gelernt?
Wenn Politik «von unten» kommt, ist sie friedfertiger. Unsere Gespräche verliefen stets in gegenseitigem Respekt und mit gesundem Menschenverstand – keiner unserer Vorschläge lief dem allgemeinen Interesse zuwider. Alle haben sich dadurch als Mensch weiterentwickelt.
MURIEL RAEMY arbeitet als freischaffende Journalistin.
www.conventioncitoyennepourleclimat.fr
Ehrenamtlich im Einsatz für den Birkhahn: «Das kann ziemlich actionbeladen sein»
Pro Natura Magazin: Birkhähne zu zählen, heisst zuerst mal sehr früh aufstehen – richtig?
Barbara Jaun-Holderegger: Ja, das gehört dazu! Um Viertel nach vier, vor Beginn der Morgendämmerung, müssen wir in Position sein.
Also stapfen Sie in der finsteren Nacht zu einem Beobachtungsplatz?
Normalerweise übernachten wir vor Ort in einer Berghütte auf der Lombachalp, und von dort aus beziehen wir im Dunkeln unsere Beobachtungsplätze.
Was spielt sich dort ab?
Gegen halb fünf kommt langsam die Dämmerung, und dann setzen die ersten Vogelgesänge ein – von der Ringamsel, von Bergpiepern, aber mit etwas Glück hören wir auch seltene Vogelarten wie die Waldschnepfe. Und dann machen sich auf einmal die ersten Birkhähne mit einer Art Kullern und Zischen bemerkbar. Das ist immer höchst spannend!
Und Sie richten Ihr Augenmerk nur auf die Birkhähne?
Ich erfasse jede Viertelstunde, wie viele Birkhähne innerhalb meines Gebiets am Balzen sind. Diese Beobachtungen können ziemlich actionbeladen sein, denn mitunter verfolgen sich die Hähne oder kämpfen sogar miteinander. Auch Birkhennen können sich mit einer Art Gackern bemerkbar machen, doch sie sind hervorragend getarnt und schwieriger zu erkennen.
Sie haben sicherlich auch schon andere faszinierende Tiere beobachtet?
Mir ist mal so ein grosser Auerhahn direkt über den Kopf hinweg geflogen. Auch Hirsche sehe ich regelmässig. Kollegen haben schon einen Luchs oder sogar einen Wolf beobachtet.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Und dann ist für Sie Feierabend, bevor der Tag richtig begonnen hat?
Ja, um acht Uhr brechen wir die Zählung ab, dann werden die Vögel ruhiger, und immer mehr Wanderer kommen ins Gebiet. Danach werten wir zusammen die Daten aus.
Wie haben sich die Bestände der Birkhähne entwickelt?
Wir konnten in den letzten Jahren eine leichte Zunahme registrieren, wenngleich auf nicht hohem Niveau. Doch das zeigt, dass die Massnahmen zur Besucherlenkung durchaus greifen. Der Druck durch die Freizeitaktivitäten hat sich in dieser Gegend stark erhöht, immer neue Interessengruppen sind hinzugekommen; Schneeschuhläufer, Gleitschirmflieger und viele weitere. Da ist es wichtig, diese Besucherströme zu bündeln und die Flora und Fauna zu schützen.
Vermitteln Sie diese Botschaft auch in Ihrem Berufsleben?
Ich unterrichte an der Pädagogischen Hochschule Bern angehende Primarlehrkräfte im Fach Natur, Mensch und Gesellschaft. Dabei sensibilisiere ich sie für die Biodiversität und bringe ihnen Artenkenntnisse bei. In diesem Rahmen gehe ich mit den Studierenden auch jeden Frühling auf die Lombachalp, um ihnen die Schönheit der Birkhahnbalz zu vermitteln. Ich biete an der Hochschule auch jeden Frühling ornithologische Morgenspaziergänge an. Da lauschen wir dem Vogelgesang, bestimmen die Arten, geniessen ihren Anblick – all das vor der ersten Vorlesung. Auch hier lohnt es sich also, früh aufzustehen!
RAPHAEL WEBER,
Chefredaktor Pro Natura Magazin
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Natürlich gesund
Was schon die Menschen in der Steinzeit wussten, gilt heute immer noch: Pflanzen können gesund machen. Ethnopharmakologe Andreas Lardos: «Nach wie vor ist der grösste Teil der Menschheit für die grundlegende medizinische Versorgung auf traditionelle Medizin angewiesen, und diese basiert primär auf pflanzlichen Wirkstoffen.»
Dabei spielt die naturbasierte Medizin eine grössere Rolle, als viele denken mögen. «Rund die Hälfte aller zugelassenen Arzneimittel würden ohne die Erforschung der Natur gar nicht existieren», sagt der Leiter der Fachgruppe Naturstoffchemie und Phytopharmazie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Etwa 25 Prozent aller Arzneimittel bestehen direkt aus Naturstoffen wie Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen oder Tieren respektive deren Derivaten. Weitere 25 Prozent sind zwar synthetisch, aber von Naturstoffen inspiriert.
Schützenswertes Potenzial
Wie viele Pflanzenarten medizinischen Zwecken dienen, lässt sich nicht genau beziffern: Schätzungen gehen von rund 20 000 aus. Und es gibt viele weitere, bislang unbekannte potenziell interessante Pflanzen – die vielleicht auch nie jemand entdecken wird, denn die Biodiversität nimmt immer mehr ab.
Ein Problem ist der Boom, den Arzneipflanzen erleben. Nicht nur in der Medizin, sondern auch als Gesundheits- oder Wellnessprodukte. Einige Pflanzen werden extra dafür kultiviert, das funktioniert allerdings nicht mit allen. Und so wird immer noch ein sehr grosser Teil der Pflanzen, die medizinisch genutzt werden, wild gesammelt. Das führt nicht selten zu extremem Raubbau. Inzwischen gibt es zumindest gesetzliche Richtlinien und Standards, die auf ein nachhaltiges Sammeln der Heilpflanzen beziehungsweise generell den Schutz der Biodiversität zielen. Trotzdem besteht das Problem nach wie vor «und wir sind gefordert, Lösungen zu finden», sagt Lardos.
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Ein Wettlauf, den wir gewinnen müssen
Durch die fortschreitende Zerstörung der Natur und dem Raubbau an ihr geht aber nicht nur eine Vielzahl an Pflanzen unwiederbringlich verloren. Auch indigene Völker und ihre Sprachen verschwinden zusammen mit ihrem natürlichen Lebensraum und damit auch ihr medizinisches Wissen über Pflanzen, das nur mündlich weitergegeben wird. Ethnobotaniker versuchen zwar, dieses Wissen zu dokumentieren und so zu erhalten. «Es ist aber ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Largos.
Ein Wettlauf, den wir unbedingt gewinnen müssen, denn der Verlust an Biodiversität ist ein grosser Verlust für die Medizin und damit für die Menschheit. Wie gross tatsächlich, lässt sich schwer abschätzen, sagt Lardos, aber: «Das Ausmass beziehungsweise die damit verbundenen eventuellen Konsequenzen für die Medizin dürfen wir nicht unterschätzen.»
Gewinnbeteiligung für indigene Völker
Im UNO-Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt, die Biodiversitätskonvention (CBD), ist festgehalten, dass bei der Nutzung genetischer Ressourcen oder damit verbundenem traditionellem Wissen ein Teil des Gewinns an die Urheber des traditionellen Wissens oder die Herkunftsstaaten der genetischen Ressource zurückgegeben werden soll. Die Umsetzung dieser Gewinnbeteiligung wurde 2010 im Nagoya-Protokoll präzisiert und von den meisten CBD-Vertragsparteien ratifiziert, auch von der Schweiz. Allerdings können heute die Genome dieser Organismen entschlüsselt und digital als «digitale Sequenzinformationen» (DSI) auch ohne Gewinnbeteiligung weitergegeben werden. Viele Länder des globalen Südens und auch NGOs wollen darum, dass DSI auch unter der CBD und dem Nagoya-Protokoll geregelt werden; was die Schweizer Pharmalobby und der Bund jedoch ablehnen.
Wildpflanzen und traditionelles Wissen sind nicht patentierbar
Naturstoffe sind für die Medizin hochinteressant. «Moleküle aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen haben ein riesiges medizinisches Potenzial», sagt Ethnopharmakologe Andreas Lardos. «Alle Lebewesen haben evolutionär bedingt bis zu einem gewissen Grad ähnliche Strukturen. Inhaltsstoffe, die der Pflanze als Abwehr oder Schutz dienen, zeigen oft auch im Menschen einen medizinischen Effekt.» Trotzdem setzt die Pharmaindustrie eher auf synthetische Moleküle. Das hat nicht zuletzt mit der komplizierten patentrechtlichen Situation bei pflanzlichen Wirkstoffen zu tun, insbesondere wenn diese mit traditionellem Wissen verbunden sind. Grosse Pharmafirmen scheuen darum davor zurück, Millionen in die Entwicklung naturstoffbasierter Arzneimittel zu investieren; und kleine und mittlere haben schlicht zu wenig Kapital.
BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.
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Matthias Sorg
- Kräutergarten mit Goldmelisse, Kamille und Co.
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«Die Erde hat Fieber»
Der Erde geht es gar nicht gut. Christian Abshagen, Leiter CAS Gesundheit und Umwelt an der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) erklärt im Interview, mit welcher Therapie wir ihr und damit auch uns Menschen helfen können, gesund zu werden respektive zu bleiben.
Pro Natura Magazin: Käme die Erde zu Ihnen als Patientin, welche Diagnose würden Sie ihr stellen?
Christian Abshagen: Die Erde hat Fieber, Organfehlfunktionen wie schmelzende Polkappen und zerstörte Regenwälder. Zudem zeigt sie Anzeichen chronischer Vergiftung, etwa durch Feinstaub oder Plastikmüll.
Die Erde ist also krank. Werden deswegen auch die Menschen krank?
Natürlich gäbe es leider auch kranke Menschen, wenn die Erde gesund wäre. Aber es gibt sehr viel mehr unnötig und unverschuldet kranke Menschen, wenn auch die Erde krank ist. Jährlich sterben zum Beispiel bis zu acht Millionen Menschen an den Belastungen durch Feinstaub.
Macht eine intakte Natur gesund?
Ja, ganz direkt. Etwa durch einen Waldspaziergang, der Stress mindert. Aber auch indirekt, indem sie zu mehr Bewegung animiert und auch hilft, sich gesünder zu ernähren.
Wie schaden Klimawandel und Biodiversitätsverlust der Gesundheit ganz konkret?
Beim Klimawandel ist es zunächst ganz direkt die Hitze. Allein im «Jahrhundertsommer» 2003 starben in Europa 30 000 bis 70 000 Menschen mehr als üblicherweise. Studien zeigen zudem, dass von 1991 bis 2015 ein Drittel aller Hitzetoten auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Andere direkte Folgen des Klimawandels sind Todesfälle und Verletzte durch Naturkatastrophen. Aber auch indirekt machen Klimawandel und Biodiversitätsverlust der Gesundheit zu schaffen, so nehmen etwa Allergien zu. Eine längere Pollenflugsaison und mehr invasive Pflanzen begünstigen Heuschnupfen und als Folge davon leiden mehr Menschen an Asthma. Auch die Ernährungssicherheit ist ein grosses Thema. Klimawandel und ausbleibende Bestäubung wegen fehlender Insekten führen zu mehr Ernteausfällen. Aber auch Infektionskrankheiten verbreiten sich anders und mehr als früher.
Infektionen haben mit Umweltveränderungen zu tun?
Ja.
Inwiefern?
Unsere moderne Gesellschaft schädigt durch ihren Lebenswandel Ökosysteme und Biodiversität und das leistet Zoonosen, also Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, Vorschub. Wir kennen das nicht erst seit Covid-19, sondern schon von HIV oder Ebola. Umweltveränderungen führen dazu, dass gewisse Spezies aussterben, andere passen sich gut an und verbreiten sich überproportional. Zum Beispiel Fledermäuse oder Nagetiere. Also oft Tiere, die in der Nähe des Menschen leben. Sind die Tiere mit Krankheitserregern infiziert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese auf den Menschen überspringen. Ein anderer Mechanismus ist, dass sich infolge des Klimawandels Stechmücken und Zecken weiter ausbreiten und mit ihnen Krankheiten wie Dengue-Fieber, Malaria oder Borreliosen.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Christian Abshagen ist promovierter Arzt und hält ein Diplom in Tropenmedizin sowie ein MBA. Am Universitätsspital Basel leitet er die Fachstelle Nachhaltigkeit. Zudem ist er als Studiengangleiter und Dozent für den CAS Gesundheit und Umwelt an der Fachhochschule Nordwestschweiz tätig. Christian Abshagen lebt mit seiner Partnerin und zwei Söhnen in Basel.
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zVg
- Christian Abshagen
Wäre die Erde Ihre Patientin, welche Therapie würden Sie ihr verordnen?
Eine gute Therapie sollte immer ursächlich sein und nicht rein symptomatisch. Wir können natürlich Diamantpartikel in die Stratosphäre schiessen, um die Sonneneinstrahlung abzumildern. Aber damit sind die zugrunde liegenden Probleme nicht gelöst.
Wie lösen wir es?
Wir müssen die Treibhausgasemissionen, Nitratbelastung und Plastikkonsum senken, wir müssen weg von intensiver Landwirtschaft, wir müssen die Kreislaufwirtschaft stärken. Wir müssen die Ökosysteme, die wir noch haben, unbedingt schützen. Wir müssen uns fragen: Wie bauen wir Städte? Wie gestalten wir die Mobilität? Wie die Ernährung? Kurz: Es bedarf grosser Transformationen.
Biodiversitätsschutz, der Kampf gegen den Klimawandel und der Gesundheitsschutz sollten heutzutage also eigentlich in alle wichtigen Entscheidprozesse mit einbezogen werden?
Im 21. Jahrhundert lautet die Formel: Klimaschutz gleich Biodiversitätsschutz gleich Umweltschutz gleich Gesundheitsschutz. Es gibt von der Weltgesundheitsorganisation die Forderung nach «Health in all policies», sprich: «Gesundheit in allen Politikbereichen». Wir müssen die Gesundheit also überall mitberücksichtigen, in der Wirtschaft, in der Raumplanung und so weiter. Und weil Gesundheit und globale Umweltveränderungen so untrennbar miteinander verbunden sind, würde ich das Wort «Planetary» hinzufügen, also «Planetary Health in all policies».
Kann die Erde überhaupt noch gesund werden?
Was Klimawandel und Biodiversitätsverlust so gefährlich machen, sind die sogenannten Kipppunkte. Hier funktioniert die Erde genau so wie der menschliche Organismus. Der Körper kann ein chronisches Leiden wie eine kranke Leber sehr lange kompensieren – doch plötzlich kippt es und es kommt zu Organversagen und im schlimmsten Fall zum Tod. Wann das passieren wird, ist im Voraus sehr schwer abzuschätzen. Bei der Erde ist es genauso. Sie kann lange kompensieren, aber irgendwann kippt es.
Aber es ist noch nicht zu spät?
Wir haben das enorme Privileg – oder die grosse Bürde – die erste Generation zu sein, die die Diagnose kennt. Und wir sind eine der letzten Generationen, die noch Handlungsspielraum hat, um etwas zu verändern. Wir haben es noch in der Hand und hier müssen wir den Menschen unbedingt Mut machen. Alle, die die Notlage erkannt haben und etwas tun: Lasst nicht nach, wir können etwas erreichen!
BETTINA EPPER, stellvertretende Chefredaktorin Pro Natura Magazin.
Naturgarten-Zertifizierung
Waadtländer Naturerlebnispark wird für Wildnisprojekt ausgezeichnet
Die Schweiz braucht mehr Schutzgebiete für wilde Naturräume. Doch nicht nur die Fläche zählt: Schutzgebiete müssen auch betreut und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig dienen sie der Bevölkerung als Erholungsgebiete. Der Naturerlebnispark Jorat im Norden des Grossraums Lausanne leistet mit diesem Projekt einen Beitrag zu diesem wichtigen Thema und wird dafür mit dem diesjährigen Elisabeth und Oscar Beugger-Preis ausgezeichnet.
Ein Wächter für die Wildnis
Das Ziel des preisgekrönten Projekts «Förderung des Übergangs zur Wildnis in der Kernzone des Naturparks Jorat» ist es, die Wildnis in der Kernzone des Parks zu schützen, sowie eine harmonische Koexistenz zwischen einer sich selbst überlassenden Natur und einem erholungssuchenden Publikum zu fördern. «Dazu haben wir im April 2022 eigens einen Naturwächter eingestellt, der die jährlich mehreren hunderttausend Besuchinnen und Besucher für die Bedürfnisse der Natur sensibilisiert», sagt Sophie Chanel, Leiterin des Parks Jorat.
Über die nächsten drei Jahre wird er zudem ein Konzept für die differenzierte Pflege der unberührten Natur und den Übergangszonen ausarbeiten und umsetzen. Dabei wird es weiterhin Wege für die Öffentlichkeit geben, diese sollen aber so angelegt sein, dass sie möglichst geringe Auswirkungen auf die natürlichen Lebensräume haben. Abgeschlossen wird das Projekt 2024 mit der Ausarbeitung eines Leitfadens zur Bewirtschaftung innerhalb eines geschützten Waldgebiets, der ähnlichen Projekten nutzen wird.
Pionierprojekt für Natur und Mensch
Das Projekt besitzt Pioniercharakter: «Der Park Jorat ist nach dem Sihlwald bei Zürich erst der zweite Naturerlebnispark in der Schweiz und liegt inmitten des Waldmassivs Jorat, mit 40 Quadratkilometer der grösste zusammenhängende Wald des Schweizer Mittellandes», wie Jan Guerke, Leiter Kampagne Wildnis bei Pro Natura betont. Naturerlebnispärke bieten vielfältige Erlebnis- Erholungs- und Bildungsmöglichkeiten. Gleichzeitig fördern sie die Biodiversität durch den Schutz der Wildnis. Die Auszeichnung des Projekts mit dem Elisabeth und Oscar Beugger-Preis 2022 erfolgt damit auch ganz im Sinn der aktuellen Pro Natura-Kampagne «Wildnis – mehr Freiraum für die Natur!» und «Biodiversität».
Beugger-Preis zum achten Mal vergeben
Der mit 50‘000 Franken dotierte Elisabeth und Oscar Beugger-Preis ist einer der bedeutendsten Naturschutzpreise der Schweiz. Pro Natura verleiht ihn seit 2008 alle zwei Jahre im Auftrag der Elisabeth und Oscar Beugger-Stiftung an beispielhafte Naturschutzprojekte aus den Sparten «Artenschutz und Artenförderung», «Schutzgebiete» sowie «Landschaftsschutz». Auf die Ausschreibung zum aktuellen Thema «Beitrag zur Förderung der Wildnis und der freien Naturentwicklung» haben sich insgesamt 13 Projekte beworben.
Beugger-Preis
Die Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung mit Sitz in Basel wurde im Jahr 2004 von Elisabeth Beugger gegründet. Der Name der Stiftung erinnert an Oscar Beugger, ihren im Februar 2004 verstorbenen Ehemann, und an dessen Vater, Emanuel Beugger. Die ausschliesslich gemeinnützige Stiftung bezweckt die Förderung von Projekten und Institutionen auf dem Gebiet des Natur- und Tierschutzes in der Schweiz.
Bisherige Preisträger waren die Fondazione Bolle di Magadino für das Aufwertungsprojekt des Ticino-Deltas (2008), der Kanton Uri für sein Wildheu-Förderprogramm «Wildheu Uri» (2010), die Gemeinde Mörel-Filet (VS) für ihre ökologische Alpaufwertung (2012), das «Vernetzungsprojekt Höfe» im Kanton Schwyz für die Schaffung neuer Feuchtgebiete (2014), das Projekt «Förderung des Gartenrotschwanzes» in der Stadt La Chaux-de-Fonds (2016), zwei Projekte im 2018: jenes des Fördervereins Region Gantrisch (BE/FR) «Nachtlandschaft Gantrisch» und das der Gemeinde Fläsch (GR) «Emissionsreduzierte öffentliche Beleuchtung», und 2020 das Projekt «Landschaftsprojekt im Oberen Tösstal» des Vereins Schmetterlingsförderung im Kanton Zürich.
Kontakt
Pro Natura:
- Jan Gürke, Leiter Kampagne Wildnis, 079 720 99 08, @email
- Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 061 317 92 24, @email
Beugger-Stiftung:
- Andreas Murbach, Stiftungsrat der Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung, 076 377 85 66, @email
Preisträgerinnen:
- Sophie Chanel, Direktorin des Naturparks Jorat, Tel. 078 878 80 24, @email
- Natacha Litzistorf, Stadträtin der Stadt Lausanne, Präsidentin des Naturparks Jorat, 079 647 99 85, @email
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Pro Natura TGDettagli dell'evento
Data
Luogo
Naturschutzgebiet Immenberg
Dettagli
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Costo
keine