Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
Vengono visualizzate le voci 55-63 di 69
Buntbrache

Bio­di­ver­sität verpachten

Geritzte Stämme
28.07.2021 Wald

Wie das «Käferholz» allen Käfern zugute kommt

Pro Natura Zürich zeigt in einem Pionierprojekt auf, wie biodiversitätsfördernde Totholzstapel geschaffen werden, ohne dabei die Borkenkäfer zu begünstigen.

Die Borkenkäfer hatten in den letzten Jahren leichtes Spiel: Langanhaltende Hitze und Trockenheit führten vor allem in den Tieflagen des Mittellands zu einem starken Befall der Fichtenbestände. Die Bäume kämpfen mit den Folgen des Klimawandels, auch weil die schnell wachsenden Fichten grossflächig in standortfremdem Gelände angepflanzt wurden. Die Fichte, oder auch Rottanne, ist ursprünglich in Höhenlagen über 1000 Metern heimisch. In tieferen Lagen tut sie sich deshalb schwer mit den Folgen der veränderten Klimabedingungen und ist deshalb besonders verletzlich. Deshalb wird sie sich mittelfristig aus dieser Zone verabschieden. 

Entrindung schadet Biodiversität

Im Jahr 2019 kam es deshalb zur Nutzung von 1,4 Millionen Kubikmetern Fichtenholz, die höchste Menge seit 2004. Davon wurden 250 000 Kubikmeter im Wald als sogenanntes Käferholz zurückgelassen, aus ökonomischen, logistischen oder ökologischen Gründen. Doch damit sich die Borkenkäfer in diesem Totholz nicht vermehren können, wird es meistens entrindet. So wird dem Buchdrucker – dem prominentesten Borkenkäfer – seine Lebens­grundlage ent­zogen. Mit dieser Massnahme büsst das vermeintliche Käferholz jedoch gerade für die Käfer deutlich an Wert ein – aber auch insgesamt für die Biodiversität, sind doch viele Moos-, Flechten-, Pilz- und Insektenarten auf die Baumrinden ange­wiesen. 

Mit einer relativ einfachen Technik lässt sich dieser Verlust jedoch minimieren und zugleich den Buchdrucker in Schach halten: Statt ganz entfernt, wird die Rinde nur eingeritzt – in senkrechten Streifen von etwa einem Zentimeter Breite alle zwei bis fünf Zentimeter. Wie eine Studie der Uni Würzburg belegen konnte, werden die geritzten Stämme vom Buchdrucker kaum je angeflogen, weil sie offenbar nicht in dessen Suchschema passen.

Ritzen statt schälen

Eine weitere Untersuchung im Bayrischen Nationalpark zeigt, dass diese Methode sogar in bereits befallenen stehenden Fichten äusserst effektiv ist. Nach dem Ritzen der Rinde ging die Zahl der Buchdrucker um fast 90 Prozent zurück. Damit erweist sich das Rindenstreifen als ähnlich effektiv wie das Komplettschälen – mit dem grossen Vorteil, dass die restliche Artenvielfalt in den Fichten fast vollständig erhalten werden kann. Darüber hi­naus ist ein maschinelles Schlitzen mit dem Streifmesser schneller und günstiger als die Verwendung eines Schälgeräts. 

Eingeritzte Stämme Hansruedi Wildermuth
Werden tote Fichten nur eingeritzt, hält dies den Buchdrucker ebenso fern, während viele andere Moos-, Pilz-, Flechten- und Insektenarten dennoch ihre Lebensgrundlage behalten.

Diese Erkenntnisse hat Pro Natura Zürich nun für den Bau einer Grossstruktur genutzt. Von Buchdruckern befallene Fichten wurden auf etwa zwei Metern Höhe gefällt und Rundholzstücke von einem Meter Länge gefertigt. Sowohl das stehende Totholz wie die Rundhölzer versah man vollständig mit Längsstreifen. Mit den Rundhölzern und dem übrigen Astmaterial wurde zwischen den Baumstümpfen eine Holzbeige erstellt – mit integrierter Aufzucht- und Schlafkammer für Kleinraubtiere. Pro Natura hofft, dass das Beispiel Nachahmer findet und künftig mehr solcher wertvollen Strukturen aus Käferholz entstehen.

Auch im Wald wird gespritzt
Starken Schaden für die Biodiversität richten auch Pestizide an. Deren Einsatz ist im Wald grundsätzlich verboten. Allerdings erteilen die Kantone zahlreiche Ausnahmebewilligungen, etwa für den Schutz von gelagertem Holz vor Borkenkäfern oder Pilzen. Gemäss Hochrechnungen der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz wurden 2018 in Schweizer Wäldern rund 700 Kilogramm Pestizide eingesetzt. Fast in allen Kantonen bewilligten die Forstämter den Einsatz von Pestiziden. Nur im Kanton Glarus und neu auch im Kanton Zug sind Insektizide im Wald strikt verboten. Dort wird das Holz simpel und einfach ausserhalb des Waldes gelagert oder versuchsweise mit fein­maschigen Netzen vor den Käfern geschützt.

Nicolas Gattlen, Redaktor Pro Natura Magazin

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Blumenwiese

Blühende Bor­de für die Urschweiz

Birkhahn
24.05.2022 Aktiv werden

Ehrenamtlich im Einsatz für den Birkhahn: «Das kann ziemlich actionbeladen sein»

Seit vielen Jahren hilft Barbara Jaun-Holderegger ehren­amtlich mit, die Bestände der Birkhähne auf der Lombachalp zu erfassen — ein lohnenswerter Job für Frühaufsteher.

Pro Natura Magazin: Birkhähne zu zählen, heisst zuerst mal sehr früh aufstehen – richtig?

Barbara Jaun-Holderegger: Ja, das gehört dazu! Um Viertel nach vier, vor Beginn der Morgendämmerung, müssen wir in Position sein.

Also stapfen Sie in der finsteren Nacht zu einem Beobachtungsplatz?

Normalerweise übernachten wir vor Ort in einer Berghütte auf der Lombachalp, und von dort aus beziehen wir im Dunkeln unsere Beobachtungsplätze.

Was spielt sich dort ab?

Gegen halb fünf kommt langsam die Dämmerung, und dann setzen die ersten Vogel­gesänge ein – von der Ringamsel, von Bergpiepern, aber mit etwas Glück hören wir auch seltene Vogelarten wie die Waldschnepfe. Und dann machen sich auf einmal die ersten Birkhähne mit einer Art Kullern und Zischen bemerkbar. Das ist immer höchst spannend!

Und Sie richten Ihr Augenmerk nur auf die Birkhähne?

Ich erfasse jede Viertelstunde, wie viele Birkhähne innerhalb meines Gebiets am Balzen sind. Diese Beobachtungen können ziemlich actionbeladen sein, denn mitunter verfolgen sich die Hähne oder kämpfen sogar miteinander. Auch Birkhennen können sich mit einer Art Gackern bemerkbar machen, doch sie sind hervorragend getarnt und schwieriger zu erkennen.

Sie haben sicherlich auch schon andere faszinierende Tiere beobachtet?

Mir ist mal so ein grosser Auerhahn direkt über den Kopf hinweg geflogen. Auch Hirsche sehe ich regelmässig. Kollegen haben schon einen Luchs oder sogar einen Wolf beobachtet.

Ulteriori informazioni

Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Und dann ist für Sie Feierabend, bevor der Tag richtig begonnen hat?

Ja, um acht Uhr brechen wir die Zählung ab, dann werden die Vögel ruhiger, und immer mehr Wanderer kommen ins Gebiet. Danach werten wir zusammen die Daten aus.

Wie haben sich die Bestände der Birkhähne entwickelt?

Wir konnten in den letzten Jahren eine leichte Zunahme registrieren, wenngleich auf nicht hohem Niveau. Doch das zeigt, dass die Massnahmen zur Besucher­lenkung durchaus greifen. Der Druck durch die Freizeitaktivitäten hat sich in dieser Gegend stark erhöht, immer neue Interessen­gruppen sind hinzugekommen; Schneeschuhläufer, Gleitschirmflieger und viele weitere. Da ist es wichtig, diese Besucherströme zu bündeln und die Flora und Fauna zu schützen.

Vermitteln Sie diese Botschaft auch in Ihrem Berufsleben?

Ich unterrichte an der Pädagogischen Hochschule Bern angehende Primarlehrkräfte im Fach Natur, Mensch und Gesellschaft. Dabei sensibilisiere ich sie für die Biodiversität und bringe ihnen Artenkenntnisse bei. In diesem Rahmen gehe ich mit den Studierenden auch jeden Frühling auf die Lombachalp, um ihnen die Schönheit der Birkhahnbalz zu vermitteln. Ich biete an der Hochschule auch jeden Frühling ornithologische Morgenspaziergänge an. Da lauschen wir dem Vogelgesang, bestimmen die Arten, ge­nies­sen ihren Anblick – all das vor der ersten Vorlesung. Auch hier lohnt es sich also, früh aufzustehen!

RAPHAEL WEBER,
Chefredaktor Pro Natura Magazin

Barbara Jaun-Holderegger
Föhrenwald
Mitmachen
Möchten Sie auch einmal mit anpacken? Informieren Sie sich über die nächsten Natureinsätze. Vielleicht ist ja etwas Passendes für Sie dabei.
Lichter Wald am Nätteberg

Nät­te­berg im Garten

Symbolbild Stickstoffbelastung
15.08.2022 Landwirtschaft

Für weniger Gülle und mehr Biodiversität: Raus aus der Massentierhaltung

Hitze und Trockenheit strapazieren derzeit Gewässer, Moore und Wälder. Der übermässige Gülleeinsatz der intensiven Landwirtschaft schwächt die Widerstandsfähigkeit dieser Lebensräume gegen den Klimawandel zusätzlich. Für weniger Gülle und mehr Biodiversität braucht es deshalb am 25. September ein JA zur Initiative gegen Massentierhaltung.

Wer auf dem Land spazieren geht, kann ihn oft riechen: den Ammoniak, eine Stickstoffverbindung, die sich aus der Gülle verflüchtigt. So unangenehm der Geruch, so schädlich die Wirkung für die Biodiversität. Denn über die Luft gelangt er auch in entfernte Lebensräume, wo er die natürliche Vielfalt erstickt und die Widerstandsfähigkeit schwächt. Die Initiative gegen Massentierhaltung würde das Grundproblem lösen: die zu hohe Nutztierdichte im Schweizer Mittelland.

«Ein Ja wäre ein Gewinn für Natur und Mensch»

Die Schweizer Landwirtschaft mit ihren 80 Millionen Nutztieren produziert jährlich Stickstoffüberschüsse von rund 100’000 Tonnen, davon 42'000 Tonnen Ammoniak. Eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisationen zeigt, dass zu hohe Ammoniakeinträge aus der Luft insbesondere in Regionen mit hohen Nutztierbeständen ein weitverbreitetes Problem sind. Als Folge davon sind heute alle Hochmoore, 84 Prozent der Flachmoore, 42 Prozent der Trockenwiesen und ­-weiden sowie 95 Prozent der Wälder überdüngt. 
Die übermässige Düngung führt in den Wäldern zu Bodenversauerungen. Die Bäume bilden dadurch weniger tiefe Wurzeln und sind anfälliger für Trockenheit und Stürme. Aus Mooren – in gesundem Zustand mächtige CO2-Speicher und Hotspots der Biodiversität – werden durch die Verbuschung mit nährstoffliebenden Pflanzen eintönige Landschaften, die CO2 ausstossen. «Die hohe Tierdichte schwächt die lebenswichtigen Funktionen dieser Lebensräume und heizt die Klima- und Biodiversitätskrise weiter an», betont Marcel Liner, Leiter Agrarpolitik bei Pro Natura. «Eine Reduktion der Tiere pro Betrieb, wie es die Initiative gegen Massentierhaltung vorsieht, wäre daher klar ein Gewinn für Natur und Mensch.»

Für mehr Tierwohl und Naturvielfalt

Zur Behebung der Stickstoff- und Ammoniaküberschüsse wurden bisher vor allem technische Lösungen wie Schleppschlauchverfahren und Gülleabdeckungen verfolgt und finanziert. «Anstatt mit Technik Teilaspekte des Problems zu bekämpfen, sollten wir das Problem an der Wurzel, oder besser gesagt an den Hörnern packen und die Tierbestände reduzieren», betont Liner. Die Initiative gegen Massentierhaltung bezweckt genau das: sie führt zu weniger Tieren pro Betrieb und damit nicht nur zu mehr Tierwohl, sondern auch zu weniger Gülle und mehr Biodiversität. Deshalb empfiehlt Pro Natura am 25. September ein Ja zur Initiative gegen Massentierhaltung.

Kontakt:

Ulteriori informazioni

Info

Symbolbild Stickstoffbelastung © Pixabay

gemeinsam Arbeiten

Naturschutz­tag

Buntbrache in Birr
15.11.2021 Landwirtschaft

Biodiversität verpachten – Chance für Mensch und Natur

Wir stehen am Feldrand. Links wächst der Mais, rechts liegt ein gepflügter Acker. Dazwischen sehen wir einen breiten Streifen Erde mit spärlichem Bewuchs. Was für das ungeschulte Auge wie ungepflegtes Ackerland aussieht, ist die neue, sorgfältig angelegte Buntbrache von Tobias Angliker.

«Für den Vater war es schon ein harter Schlag», erzählt Tobias Angliker. Erst 2021 hat er den Ziegelhof übernommen und führt ihn in einer Übergangsphase noch gemeinsam mit seinem Vater. Ein harter Schlag? Damit meint Angliker den Wunsch der Verpächter, dass das gepachtete Land künftig stärker zugunsten der Biodiversität genutzt wird. 

Die Anglikers betreiben einen Pferdehof mit Ackerbau und einigen Mutterkühen in konventioneller Landwirtschaft im Aargau. Seit 30 Jahren pachten sie knapp 4 Hektaren Land, die seit 2021 die Erbengemeinschaft Walter Nyffenegger verwaltet. Als passionierte Naturschützer und Naturschützerinnen sahen die Mitglieder der Erbengemeinschaft die Chance, auf die Nutzung des Lands Einfluss zu nehmen. Sie wollen so einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Wilde Hecken mit einheimischen Sträuchern schwebten ihnen vor.

Nachhaltig für alle Beteiligten

Der Weg durch den Pachtvertrag-Dschungel ist aber nicht einfach. Genau hier setzt das Projekt «Biodiversität verpachten» von Pro Natura an. Pro Natura unterstützt die Anliegen der Verpächter, möchte aber mit professionellen Beratungen zielführende Lösungen schaffen, die auch für die Pächter funktionieren. Deshalb arbeitet Pro Natura mit externen Beratungsfirmen zusammen und übernimmt die Beratungskosten. «Nur Lösungen, die für alle Beteiligten funktionieren, sind nachhaltig und zielführend», ist auch die Devise von Bea Vonlanthen, Beraterin bei der Agrofutura AG, die wesentlich an der Projektumsetzung beteiligt ist. Unter allen Beteiligten versteht sie Pächter, Verpächterin und Natur.

Flieg, Feldlerche, flieg! 

Bei der ersten Begehung der gepachteten Flächen zeigte sich schnell, dass Hecken hier nicht das ideale Instrument für die Biodiversitätsförderung sind. Das Land befindet sich nämlich in einem Feldlerchengebiet. Diese sehr selten gewordenen Bodenbrüter nisten lieber auf offenen, übersichtlichen Fluren und fühlen sich durch Hecken eingeengt. Wichtig für Feldlerchen sind dagegen Buntbrachen und Kleinstrukturen in Kombination mit dem Verzicht auf Pestizide. Bea Vonlanthen schlug deshalb für das Pachtland der Erbengemeinschaft unter anderem folgende Massnahmen vor: 

Ab 2022 werden knapp 25 Prozent der Pachtparzellen als Bunt- oder Rotationsbrache angemeldet und entsprechend bewirtschaftet. 

Die Ackerkulturen sind möglichst ohne Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Herbizide und Insektizide) zu bewirtschaften. Dies bedeutet für die einzelnen Kulturen: 

  • Beim Anbau von Getreide, Mais und Raps ist zu 100 Prozent auf den Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu verzichten. 
  • Beim Anbau von Zuckerrüben können Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die Entwicklung zur Reduktion von Pflanzenschutzmittel bei den Zuckerrüben ist zu beobachten. Zeichnen sich erste Lösungsansätze ab, sind diese auf den Parzellen anzuwenden. 
Beratungssituation auf dem Feld Angela Peter
Beraterin Bea Vonlanthen bespricht gemeinsam mit dem Pächter Tobias Angliker und der Vertreterin der Erbengemeinschaft Edith Tribelhorn mögliche Massnahmen zur Förderung der Biodiversität.
Buntbrache
Biodiversität verpachten
45 Prozent des Kulturlands in der Schweiz ist verpachtet. Mit dem Projekt «Biodiversität verpachten» unterstützt Pro Natura den Ansatz zur standortangepassten Förderung der Biodiversität mit Einbezug der Pächterinnen und Pächter und übernimmt Beratungskosten.

«Jetzt eigne ich mir neues Wissen an.» 

Für die Anglikers kamen die vorgeschlagenen Massnahmen der Erbengemeinschaft überraschend. Man schätzte aber den frühen Austausch und den Einbezug der Bauernfamilie. Betriebsleiter Tobias Angliker meint, ähnliche Forderungen würden früher oder später sowieso zum Standard. Es sei sinnvoll, sie bereits jetzt umzusetzen. In der Ausbildung hätten sie diese Themen aber nur grob angeschnitten. «Jetzt lese ich mich in neue Techniken ein und eigne mir neues Wissen an», so Angliker. Er ist bereits gespannt auf die erste Raps-Saison mit einer Untersaat. Die Untersaat dient dazu, unerwünschte Pflanzen auf natürliche Weise zu unterdrücken. So wird der Einsatz von Herbizid überflüssig.

Doch der pestizidfreie Rapsanbau bleibt sehr anspruchsvoll. Das berücksichtigen die Verpächter. Sollten die Anglikers im Folgejahr grössere Ertragsausfälle erleiden, wird die Erbengemeinschaft auf den entsprechenden Flächen mit dem Pachtzins entgegenkommen.  

Gezielte Förderung, gezielte Massnahmen – und gezielter Anflug 

Das gegenseitige Verständnis wird weiter durch eine gemeinsame Flurbegehung gefördert, an der Pächter und Verpächterinnen zusammen mit der Beraterin die Entwicklung der umgesetzten Massnahmen begutachten. Ein schöner Anfang ist gemacht, versichert Tobias Angliker: «Der Vater, der zu Beginn skeptisch war, schaut sich bereits nach weiteren neuen Nistplätzen für Wildbienen um». Nicht umsonst, denn die Insekten haben bereits gemerkt, dass sich auf den Feldern etwas verändert. Bei näherer Betrachtung der Buntbrache sieht auch das ungeschulte Auge mehr als nur Erde und etwas Grün. Die erste zarte Mohnblume wird bereits von einer Schwebfliege gezielt angeflogen.

Mohnblume mit Schwebefliege auf Buntrache Angela Peter

Ulteriori informazioni

Info

Haben Sie Interesse, mit Ihrem Grundstück einen Beitrag zu mehr Natur im Landwirtschaftsland zu leisten? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Contatto

Telefonnummer: 061 317 91 91
E-Mail-Adresse: @email

Wir freuen uns auf viele erfolgreiche Beratungen.

Interview mit Pächter, Erbengemeinschaft und Beraterin
Tiercollage Biodiversität Pro Natura
19.05.2022 Artenschutz

Die Schweizerinnen und Schweizer unterschätzen das Ausmass der Biodiversitätskrise

Rebhuhn, Gefleckte Schnarrschrecke und Flachsseide sind schon weg, bald könnten Igel, Wiedehopf und Laubfrosch folgen. Zum Welttag der Biodiversität am 22. Mai lanciert Pro Natura eine Kampagne zur Biodiversitätskrise, die aufzeigt, was uns droht, wenn das Massenaussterben ungehindert fortschreitet.

In den letzten Jahren sind in der Schweiz Rebhuhn, Gefleckte Schnarrschrecke und Flachsseide ausgestorben. «Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben. Die Schweizer Bevölkerung hat davon bisher allerdings kaum etwas mitbekommen», so Ursula Schneider Schüttel, Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura. Eine neue Kampagne von Pro Natura will das ändern. 

Schweiz: führend im Artensterben

Gemäss einer aktuellen Umfrage von Pro Natura wissen immerhin 57% der Schweizerinnen und Schweizer, dass «Biodiversität» etwas mit natürlicher Vielfalt zu tun hat. Konkret ist damit die Vielfalt aller Tier- und Pflanzenarten, ihrer Lebensräume und Genpools gemeint. Gleich viele Befragte glauben allerdings auch, die Biodiversität in unserem Land sei in einem «guten» oder «eher guten» Zustand. Diesen Trugschluss hat die Pro Natura Präsidentin schnell entzaubert: «Unter den Industrienationen der OECD ist die Schweiz führend beim Anteil bedrohter Arten und gleichzeitig Schlusslicht beim Anteil der Naturschutzfläche. Über ein Drittel der untersuchten Tier- und Pflanzenarten und fast die Hälfte der Lebensraumtypen hierzulande sind bedroht.» 

Was wir nicht kennen, vermissen wir nicht

«Dass wir trotzdem das Gefühl haben, der Natur gehe es gut, liegt daran, dass wir saftig, grüne Wiesen mit gelbem Löwenzahn als natürlich empfinden und Tiere und Pflanzen, die wir nie gekannt haben, auch nicht vermissen», erklärt Daniela Pauli, Leiterin des Forums Biodiversität Schweiz der SCNAT. Doch Grün ist eben nicht gleich biodivers. Erst die Vielfalt der Lebewesen und ihr Zusammenspiel ermöglichen die natürlichen Kreisläufe, die unsere Lebensgrundlage sind.  

«Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserreinigung, CO2-Speicherung, Hochwasserschutz sind gratis Dienstleistungen einer intakten Biodiversität und für uns überlebenswichtig», betont Pauli. Die Biodiversitätskrise ist für uns Menschen deshalb mindestens so bedrohlich wie die Klimakrise und gemäss der Forschung zu den planetaren Grenzen sogar noch weiter fortgeschritten.

Wir alle sind gefordert!

Mehr und besser vernetzte Naturschutzflächen, eine ökologischere Lebensmittelproduktion und Ernährung sowie eine Reduktion der biodiversitätsschädigenden Subventionen – das sind deshalb Massnahmen, die nicht nur Pro Natura fordert. Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich schon heute, dass Bund und Kantone mehr unternehmen, um den Biodiversitätsverlust zu stoppen. «Die Politik und jeder Einzelne sind gefordert» bekräftig Schneider Schüttel. «Wir allen können etwas zum Überleben von Igel, Wiedehopf und Laubfrosch beitragen. Aber wir müssen jetzt damit anfangen, sonst steht bald auch unser Überleben auf dem Spiel.»

Kontakt

Pro Natura:

  • Markus Arn, Co-Leiter Kampagne Biodiversität, 061 317 92 36, @email 
  • Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin, 078 603 87 25, @email 
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 061 317 92 24, @email

SCNAT:

  • Daniela Pauli, Leiterin des Forums Biodiversität Schweiz der SCNAT, Mitglied Zentralvorstand Pro Natura, 079 844 01 36, @email 

 

Ulteriori informazioni

Pressebilder zum Download

Diese Fotos dürfen unter folgenden Bedingungen frei verwendet werden:

  • im Zusammenhang der Berichterstattung über die Kampagne zur Biodiversitätskrise von Pro Natura
  • mit korrekter Angabe der Bildautoren
  • die Bilder von Biosphoto ausschliesslich im Zeitraum 19.05.22 - 19.11.22
Lebensraum Wiese
laufende Projekte

Aktuell fördern wir mit über 250 Projekten die Natur und die Artenvielfalt in allen Regionen der Schweiz. Dies ist nur dank Spenden und Mitgliederbeiträgen möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

Jetzt spenden