Progetti
Aufzeichnung Online-Vortrag Tier des Jahres 2026
Leise raschelt es im Laub, eine schwarzglänzende, kleine Nase schnüffelt emsig durch den Garten. Suchend tapst er herum: der Igel. Die nachtaktiven Stachelritter leben mitten unter uns, und doch wissen die wenigsten, wie bedroht sie wirklich sind. Seit 2022 steht der Braunbrustigel auf der Roten Liste der Schweiz als potenziell gefährdet.
Warum ist der Igel bedroht? Und wie können wir den sympathischen Insektenfressern helfen? Das verrät Simon Steinemann, langjähriger Leiter am Igelzentrum an einem faszinierenden Online-Vortrag. Erleben Sie einen Abend voller Igel-Überraschungen, spannender Einblicke in ihr heimliches Leben und jeder Menge Tipps, wie Sie selbst zum Schutz der Tiere beitragen können.
Ein Online-Abend voller faszinierender Einblicke ins Reich der Igel
Begleiten Sie uns auf eine spannende Reise in die Welt der Stacheltiere. Simon Steinemann verrät Ihnen:
- Wie und wo das Tier des Jahres 2026 lebt – und warum Städte und Dörfer heute wichtiger Lebensraum sind, wo Sie ihn antreffen und woran Sie erkennen, ob ein Igel Hilfe braucht
- Was Igel fressen – und warum ein naturnaher Garten ihnen ein reiches Buffett bietet
- Was beim Winterschlaf passiert – und warum Jungigel im Herbst besonders gefährdet sind
- Was die grössten Gefahren sind – von Mährobotern über Strassenverkehr bis zu versiegelten Böden
- Wie Sie Ihren Garten igelfreundlich gestalten – einfach, aber wirkungsvoll
Häufig gestellte Fragen
Es gibt mehrere Gründe dafür. Zunächst stellt sich die Frage: Gibt es in Ihrer unmittelbaren Umgebung überhaupt Igel? Falls nicht, können auch die besten Bedingungen keinen Igel anlocken. Viele Menschen sehen ihren nächtlichen Besuch auch gar nicht gar nicht. Erst wenn Sie eine Nachtsichtkamera installieren, bemerken Sie, wie viele Tiere sich nachts in Ihrem Garten tummeln. Mehr zum Igelfreundlichen Garten erfahren
Ein naturnaher Garten mit einheimischen Sträuchern und Blütenpflanzen fördert das Insektenleben – und damit die Futtertiere des Igels. Sie müssen dabei nicht komplett auf exotische Blühpflanzen verzichten: Ein paar Brennnesseln in der hinteren Gartenecke, feuchte Schattenplätze und Bereiche, die Sie nicht kurz mähen, sind wertvoll. Lassen Sie Material kompostieren und schaffen Sie «wilde Ecken». Das ist keine rechnerische Angelegenheit – es braucht etwas Gespür dafür, wo Sie Rasen kurzhalten und wo Sie absichtlich Unordnung zulassen. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite zu Naturgärten
Der Igel lebt nicht in einem Garten allein. Er nutzt 20 bis 50 Gärten und legt in der Nacht grosse Strecken zurück. Je mehr Gärten mit naturnahem Mosaik aus verschiedenen Pflanzen es gibt, desto besser für die Tiere.
Das ist nicht ganz einfach, weil die Grünflächen rund um Mehrfamilienhäuser oft vom Hausabwart oder der Gartencrew verwaltet werden. Es lohnt sich aber, das Gespräch zu suchen: Fragen Sie höflich, ob es möglich ist, unter Sträuchern Holz liegen zu lassen oder weniger aufwändig zu arbeiten. Hausabwartinnen und Gärtner könnten eigentlich enorm viel für Igel und andere Tiere im Siedlungsgebiet tun. Der Ton macht oft viel aus: Wirken Sie nicht belehrend, sondern offen und interessiert.
Für Schulen gelten ähnliche Prinzipien wie für Privatgärten. Fragen Sie sich: Gibt es einen Schülergarten? Wie sieht das Umfeld aus? Naturnahe Schulräume bieten Platz für viele interessante Tiere. Ob sich gerade ein Igel einstellt und Sie ihn mit den Kindern beobachten können, ist eine schwierigere Frage – immerhin ist der Igel nachts unterwegs. Aber in naturnahen Schulumgebungen gibt es zahlreiche andere faszinierende Tiere zu entdecken. Mehr Informationen zum Naturgarten
Ja, aber mit Bedacht. Wenn möglich, wird ein Igel immer an den Ort zurückgebracht, wo man ihn gefunden hat. In Ausnahmefällen kann er auch an einem anderen Ort freigelassen werden – dann bleibt man aber in der gleichen Region oder sogar im gleichen Ort. Ein Igel aus Basel wird nicht ins Wallis umsiedelt. Die genaue Vorgehensweise hängt von der Jahreszeit und anderen Faktoren ab und sollte mit Fachleuten besprochen werden.
Igel kommen üblicherweise bis etwa 1200 Meter über Meer vor. Es gibt allerdings Ausnahmefälle: Vor zwei Jahren beobachtete man einen Igel auf einem Pass auf 1800 Metern – wahrscheinlich wurde er mit Heu-Transport dorthin verbracht. In Grenzregionen (1300–1400 Meter) ist es schwierig, einen Igel auszuwildern. Er könnte zwar überleben, hätte aber wenig Chancen auf Partnerfindung und würde isoliert bleiben.
Das Wichtigste: Ein wohlgenährter, rundlich aussehender Igel mit einigen vollgesogenen Zecken oder Flöhen muss nicht behandelt werden. Problematisch wird es bei Igeln, die abgemagert sind, husten oder vollgepackt mit Parasiten sind. In solchen Fällen sollten Sie Fachpersonen konsultieren. Wichtig: Verwenden Sie niemals handelsübliche Mittel für Katzen oder Hunde beim Igel – das vertragen die Tiere nicht. Bei Milbenbefall braucht es professionelle Hilfe.
Das Igel-Vorkommen ist in den letzten 25 Jahren massiv gesunken – das wissen wir aus Untersuchungen in Zürich und der Schweiz. Diese Abnahmen decken sich mit internationalen Daten, etwa aus England. In einer aktuellen Zürich-Studie scheint sich dieser Rückgang nun auf tieferem Niveau stabilisiert zu haben. Gute Nachrichten – aber erst eine Wiederholung dieser Untersuchung wird das bestätigen.
Das Positive: In den letzten 15 bis 20 Jahren hat sich viel zum Guten verändert. Mehr Menschen gestalten ihre Gärten naturfreundlich. Gärten sind nicht mehr so aufgeräumt wie früher. Zwar gibt es immer noch «Gärten des Grauens» mit Steinwüsten, doch insgesamt hat sich der verfügbare Lebensraum verbessert. Der Igel braucht weniger Perfektion und mehr Unordnung in unseren Gärten.
Das ist richtig. Der Igel ist (in der Schweiz) ein gesetzlich geschütztes Wildtier. Ein Igel darf deshalb grundsätzlich nur dann in Obhut genommen werden, wenn er Hilfe benötigt. Für Pflegestationen ist ausserdem eine Haltungsbewilligung der zuständigen kantonalen Stelle nötig.
Schwierig! Es ist kaum zu "steuern", welche Wildtiere Ihren Asthaufen als Zuhause annehmen. Allerdings sind Wühlmäuse - die gefürchteten Gartenbesucherinnen - nicht in Asthaufen zuhause! Sie leben unterirdisch und werden in Ihrem Garten auch vorkommen, wenn Sie keinen Asthaufen haben... Eine Anleitung für einen Igel-Ast-Laubhaufen finden Sie hier
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Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2020
Der lateinische Name der Wildkatze bedeutet «Waldkatze». Wilde Wälder mit vielfältigen Strukturen sind der ursprüngliche Lebensraum der Wildkatze. Hier jagt sie Mäuse und andere Kleintiere, verschläft manche Stunde im sicheren Versteck und bringt in einem trockenen Unterschlupf ihre Jungen zur Welt.
Ulteriori informazioni
Mehr Wildnis wagen – dafür wirbt die Wildkatze 2020. Mehr freie Naturentwicklung täte der aufgeräumten Schweiz vielerorts gut. Es muss nicht immer gleich ein grossflächiges Wildnisgebiet sein. In jedem Waldstück, an jedem Bachlauf, am Feldrand und auf der Weide können wir der Natur Freiraum gewähren. Davon profitieren viele Tier- und Pflanzenarten, nicht nur die Wildkatze. Die Wildkatze wagt sich auch in die Kulturlandschaft vor, wenn sie dort genügend deckungsreiche «Unordnung» vorfindet. Allerdings: Passende Lebensräume helfen Beutegreifern wie der Wildkatze nur dann, wenn die Tiere vor direkter Verfolgung geschützt sind. Auch das zeigt die Geschichte der Wildkatze exemplarisch.
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Fabrice Cahez
- Flüchtige Begegnung: Wildkatze auf Waldweg
Die Europäische Wildkatze teilte das Schicksal aller Beutegreifer in der Schweiz. Sie wurde erbarmungslos als vermeintlicher Schädling verfolgt. Philipp Schmidt stellt 1976 in seiner Geschichte der jagdbaren Tiere der Schweiz fest: «Im schweizerischen Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz von 1963 ist die Wildkatze sogar geschützt, aber es ist wohl wie mit dem Güllenloch, das erst zugedeckt wird, wenn schon einer hineingefallen ist.» (Philipp Schmidt, Das Wild der Schweiz, Bern 1976, Seite 341).
Glücklicherweise kam der Schutz für die Wildkatze gerade noch rechtzeitig. Heute beherbergt der Schweizer Jura grossflächig Wildkatzen. Es wird allerdings für immer offen bleiben, ob der «Tiger unserer Wälder» der Ausrottung in der Schweiz tatsächlich entgangen ist. Möglich ist auch, dass die Art aus Frankreich wieder eingewandert ist. In den 1960er und -70er Jahren erfolgten zudem mehrere Aussetzungen von Wildkatzen durch amtliche Stellen und Privatpersonen.
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- Aktuelle Verbreitungskarte der Wildkatze in der Schweiz. Jedes Quadrat markiert eine oder mehrere Beobachtungen (Stand November 2019)
Ungewöhnliche Filmaufnahmen von Wildkatzen aus dem Naturschutzgebiet Fanel
Quelle: Schweiz aktuell vom 5.11.2017
Wie erkenne ich eine Wildkatze?
Nicht nur Wildkatzen sind in unseren Wäldern unterwegs. Rund 1.6 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Viele von ihnen geniessen freien Auslauf. Auch Tausende von verwilderten Katzen streifen durch Feld und Wald. Selbst bei einer Katzenbeobachtung im tiefsten Wald stellt sich deshalb oft die Frage: Wildkatze oder Hauskatze? Eine getigerte Hauskatze ist nicht immer leicht von einer Wildkatze zu unterscheiden. Endgültige Gewissheit gibt es nur durch genetische Analysen. Äusserlich sind folgende Merkmale typisch für eine Wildkatze:
- Körperbau massig wirkend durch das dichte, langhaarige Fell
- Fell seitlich «verwaschen» grau-bräunlich, oft mit weissen Flecken an Kehle, Brust und Bauch; immer mit dunklem Rückenstrich (sog. Aalstrich)
- Schwanz buschig, mit stumpfem schwarzem Ende, oft mit 2-3 deutlichen schwarzen Ringen
- Nasenspitze immer rosa
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Fabrice Cahez
- Diese Wildkatze lässt einige typische Merkmale deutlich erkennen.
Wildkatzen leben einzelgängerisch in Revieren. Diese Reviere markieren sie mit Urinspritzern, Kot, Kratzbäumen oder Duftmarkierungen. Die Reviergrössen schwanken je nach Landschaft und Nahrungsangebot. Sie liegen bei mehreren Quadratkilometern pro Tier. Die grösseren Reviere der Kater erstrecken sich über mehrere Weibchenreviere. Von Januar bis März schallt das wenig harmonische Paarungsgeschrei der Kater durch den Wildkatzenwald. Nachdem sich Kater und Katze zur Paarung – im wahrsten Sinn des Wortes – zusammengerauft haben, trennen sich ihre Wege wieder.
Nach gut zwei Monaten wirft die Katze ihre Jungen, meist 2-5. Bis zu drei Monate lang werden die Jungen gesäugt. Ab einem Alter von rund 5 Wochen kosten sie erste Fleischbrocken. Kommt der Winter, geht das Familienleben zu Ende. Die ausgewachsenen Jungkatzen suchen ihre eigenen Reviere. Schon im folgenden Jahr können die weiblichen Tiere selber Junge gebären – wenn sie noch leben. Auf junge Wildkatzen lauern viele Gefahren: Natürliche Feinde sind Luchs, Fuchs, Baummarder, Uhu oder Hermelin.
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Fabrice Cahez
- «Hier wohne ich!»: Eine Wildkatze markiert mit Urin.
Der feine Unterschied: Wildkatze und Hauskatze
Man könnte vermuten, dass unsere Hauskatze (Felis catus) von der Europäischen Wildkatze (felis silvestris) abstammt. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr gehen unsere Stubentiger genetisch auf die afrikanisch-asiatische Wildkatze, auch Falbkatze genannt, zurück (Felis lybica). Mit den Römern gelangten die Hauskatzen vor rund 2000 Jahren in unsere Breitengrade. Die Wissenschaft sieht diese drei «Katzentypen» heute als eigenständige Arten. Hauskatzen und Wildkatzen können sich allerdings paaren und fortpflanzungsfähige Junge gebären.
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Fabrice Cahez
- Bei der Mäusejagd auf frisch gemähten Wiesen am Waldrand können sich Haus- und Wildkatzen leicht begegnen.
Bis vor wenigen Jahren war es sehr schwierig, Wildkatzen wissenschaftlich zu erforschen. Den Durchbruch in der Wildkatzenforschung brachte ab 2006 die Lockstockmethode. Viele Katzen können dem Duft von Baldrian nicht widerstehen. Forschende platzieren deshalb im Wald Holzlatten, die mit Baldrian eingesprüht sind. Katzen reiben sich genüsslich daran. Sie hinterlassen dabei Haare am rauen Stock. Diese Haare enthüllen dank modernen Analysemethoden die genetischen Eigenschaften des Tieres.
2008-2010 analysierte die Hintermann & Weber AG mit der Lockstockmethode im Auftrag des Bundes erstmals die Verbreitung der Wildkatze im Jura. Damals waren erst rund 10% des Jurabogens von Wildkatzen bewohnt. Dieses Monitoring wird aktuell unter der Leitung des Vereins Wildtier Schweiz wiederholt. Anfangs 2021 ist mit neuen, spannenden Erkenntnissen zur Verbreitung der Schweizer Wildkatzen zu rechnen.
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Darius Weber
- Unwiderstehlich, dieser Duft: Eine Wildkatze reibt sich am Baldrian-Lockstock.
Wenn ausgerottete Tierarten wieder in ihre ursprünglichen Lebensräume zurückkehren, sind Überraschungen nicht selten. Das ist auch bei der Wildkatze so. Jüngste Forschungsergebnisse der Stiftung KORA zeigen zum Beispiel, dass sich die Wildkatze auch ausserhalb von grossen Waldgebieten offenbar behaupten kann. Vier sendermarkierte Tiere hielten sich im Sommer 2018 regelmässig in der intensiv genutzten Kulturlandschaft des Seelandes auf.
Unentbehrlich sind aber Vernetzungsstrukturen wie Hecken, Gehölze und Waldinseln. Ebenso wichtig sind Wildtierpassagen über oder unter verkehrsreichen Strassen. Viele Wildkatzen fallen sonst dem Strassenverkehr zum Opfer.
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Fabrice Cahez
- Lauf, Katze, lauf! Viele Wildkatzen fallen dem Strassenverkehr zum Opfer.
Wichtig: Hauskatzen unter Kontrolle halten
Die grösste Gefahr für unsere Wildkatzen geht mittelfristig von der Vermischung (Hybridisierung) mit Hauskatzen aus. Katzenhaltenden kommt also eine grosse Verantwortung zu. Wer freilaufende Katzen hält, sollte diese kastrieren. So werden Kreuzungen mit Wildkatzen verhindert. Erfreulicherweise nehmen bereits sehr viele Katzenbesitzende diese Verantwortung wahr. Das laufende Wildkatzenmonitoring wird auch Daten dazu liefern, wie es um die Hybridisierung von Wild- und Hauskatze in der Schweiz aktuell steht.
Das tut Pro Natura für die Wildkatze
Viele Pro Natura Naturschutzgebiete im Jura können auch Wildkatzen als Teillebensraum dienen. In unseren Waldreservaten finden sie ruhige Rückzugsorte, auf artenreichen Wiesen und Weiden am Waldrand können Wildkatzen Mäuse erbeuten.
Mehr über die 700 Pro Natura Naturschutzgebiete erfahren
Wildkatzen brauchen vernetzte Lebensräume. Und sie müssen Verkehrsachsen einigermassen gefahrlos überqueren können. Mit der Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!» hat sich Pro Natura intensiv für sichere Wildtierkorridore eingesetzt.
Mehr über die Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere!»
Niemand denkt heute noch daran, die Wildkatze auszurotten. Doch ihr grösserer Verwandter, der Luchs, ist im Visier der Politik. 2019 haben die eidgenössischen Räte ein völlig missratenes Jagdgesetz verabschiedet, das auch den Luchs bedroht. Dagegen haben Pro Natura und andere Verbände das Referendum ergriffen.
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Wald
Die Wildkatze ist das Tier des Jahres 2020
Der lateinische Name der Wildkatze bedeutet «Waldkatze». Stille Wälder mit vielfältigen Strukturen sind der ursprüngliche Lebensraum der Wildkatze. Im Wald und in angrenzenden Wiesen jagt sie Mäuse, verschläft manche Stunde im sicheren Versteck und bringt in einem trockenen Unterschlupf ihre Jungen zur Welt.
Im Jura zu Hause
Die ausgedehnten Wälder und Wiesen der Jurakette sind die Heimat der Schweizer Wildkatzen. Die einzelgängerischen Tiere bewohnen Reviere von jeweils einigen Quadratkilometern Grösse. In den ersten drei Monaten des Jahres paaren sich die Wildkatzen und gute zwei Monate später wirft das Weibchen zwei bis fünf Junge. Es zieht diese allein auf und sorgt dafür, dass die Jungtiere im Herbst selbstständig sind.
Forschung mit Dachlatten
Bis vor zehn Jahren war wenig über die Wildkatzen bekannt. Dann machten sich findige Forschende die Schwäche der Katzen für Baldrianduft zunutze. Sie steckten rohe Dachlatten, eingesprüht mit Baldrian, in den Wald. Vorbeiziehende Katzen reiben sich an diesen Latten, um ihre Duftmarken zu setzen. Dabei lassen sie Haare zurück. Mit modernen Methoden der Genanalyse lassen sich aus diesen Haaren Rückschlüsse auf das Tier ziehen. Das systematische Wildkatzenmonitoring wurde möglich.
Chancen und Gefahren
Neuste Erkenntnisse zeigen, dass unsere Wildkatzen auch ausserhalb von Wäldern zurechtkommen, sofern genügend Verstecke und Wanderkorridore vorhanden sind. Die Chancen stehen also gut, dass die Wildkatze sich vom Jura über das Mittelland bis in die Voralpen ausbreitet. Angewiesen ist das Pro Natura Tier des Jahres 2020 dabei nicht nur auf geeignete Lebensräume, sondern auch auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Hauskatzen. Diese sind zwar mit der Europäischen Wildkatze verwandt, stammen aber von der afrikanisch-asiatischen Wildkatze ab. Weil sich Wild- und Hauskatze untereinander paaren können, besteht die Gefahr einer Vermischung.
Weitere Informationen zum Tier des Jahres 2020
Dossier zum Tier des Jahres 2020: Die Wildkatze
Pressebilder (bitte Hinweis zu den Verwendungsrechten beachten)
Kontakt
Franziska Rosenmund, Medienverantwortliche Pro Natura, Tel. 079 826 69 47, @email
Andreas Boldt, Wildtierbiologe und Projektleiter Biotope und Arten, Pro Natura, Tel. 061 317 91 26, @email
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Dossier zum Tier des Jahres 2020: Die WildkatzePotrebbe anche interessarti
Der Bachflohkrebs ist das Tier des Jahres 2021
Der wissenschaftliche Name des Bachflohkrebses bedeutet «Krebs der Gräben». Tatsächlich ist der Bachflohkrebs die häufigste und am weitesten verbreitete Flohkrebsart der Schweiz. Er kommt gesamtschweizerisch bis auf etwa 1300 Meter ü.M. vor. Nur im Tessin und einzelnen Südtälern fehlt die Art. Das Tier des Jahres 2021 ist mit wenig Aufwand leicht zu beobachten.
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Warum wählt Pro Natura den Bachflohkrebs zum Tier des Jahres?
Fliessgewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft. Kilometermässig machen kleine und mittlere Bäche 75 Prozent des Schweizer Gewässernetzes aus. Sie sind also besonders wichtig für die Natur. Unzählige Tier- und Pflanzenarten sind auf saubere, natürliche Bäche angewiesen – auch der Bachflohkrebs.
Der kleine Krabbler reagiert empfindlich auf Gewässerverschmutzungen. Wenn der Bachflohkrebs in einem Bach fehlt, stimmt etwas mit der Wasserqualität nicht. Mit dem Tier des Jahres 2021 macht Pro Natura auf den Wert der kleinen Bäche aufmerksam und ruft zu einem besseren Schutz dieser blauen Lebensadern auf.
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- Filigrane Schönheit: Bachflohkrebs (Gammarus fossarum)
Schräger Typ in Ritterrüstung
Bestimmt haben Sie schon einmal einen Bachflohkrebs beobachtet. Sie erinnern sich nicht? Kommen Sie mit an den nächsten sauberen Waldbach! Wir wenden einen Stein oder ein angeschwemmtes Blatt. Sehen Sie die kleinen, bogenförmigen Tierchen, die in einer merkwürdigen Seitenlage eilig davonrudern? Das sind Flohkrebse, meist Bachflohkrebse. Ausgewachsene Exemplare sind kaum so gross wie ein Fingernagel.
Der stark gegliederte Körper erinnert entfernt an eine Ritterrüstung. Das Aussenskelett ist aus Chitin und Kalk. Jetzt hilft eine Becherlupe*, um die spektakulären Details am Tier zu sehen: Ganze sieben Beinpaare, zwei Antennenpaare, weitere kleinere Fortsätze, dazu Borsten überall. Der Körper des Bachflohkrebses umschliesst ein offenes Bauchgewölbe. Mit seinen Schwimmbeinen sorgt das Tier für eine Wasserströmung in diesem Gewölbe. So versorgt es seine Kiemen mit frischem Wasser. Farblich liegen Bachflohkrebse je nach Wasserqualität, Futter und Alter irgendwo zwischen braun, grau und grün.
*Praktische Becherlupen erhalten Sie im Pro Natura Shop.
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- Ein Paradies für Bachflohkrebse: Natürlicher Waldbach
Forschung: Fang den Flohkrebs!
Seit 2012 haben engagierte Forschende im Projekt Amphipod.CH viel neues Wissen über die Flohkrebse der Schweiz gesammelt. Sie wateten durch Gewässer, zwängten sich durch Höhlen und durchstöberten Quellfassungen. Was sie fanden, landete unter dem Mikroskop und in genetischen Untersuchungen.
40 Flohkrebsarten sind inzwischen in der Schweiz nachgewiesen. Sie besiedeln praktisch alle Typen von ober- und unterirdischen Gewässern. Rund ein Drittel der Arten ist nicht einheimisch. Andererseits kommen vier Arten weltweit nur in der Schweiz vor. Das Forschungsteam von Amphipod.CH bezeichnet seine Erkenntnisse selber als «Momentaufnahme».
Die Welt der heimischen Flohkrebse hält noch viele Geheimnisse bereit. Auch der Bachflohkrebs ist eine Wundertüte der Artenvielfalt. Äusserlich gleich aussehende Tiere können zu verschiedenen Arten gehören. Die Wissenschaft bezeichnet diese Situation als Artkomplex.
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- Bachflohkrebse können in gesunden Gewässern sehr zahlreich sein. Mehrere Tausend Exemplare pro Quadratmeter sind schon beobachtet worden.
Klammern bis zur Paarung
Bachflohkrebse sind zweigeschlechtlich. Männchen sind meist grösser als Weibchen. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung brauchen Herr und Frau Bachflohkrebs ein gutes Timing. Die Paarung kann nämlich nur unmittelbar nach einer Häutung des Weibchens erfolgen. Deshalb ergreifen Männchen die Weibchen oft schon Tage vor einer Häutung und lassen sie nicht mehr los. Das ist die sogenannte Präkopula (Vorpaarung).
Nach der Befruchtung der Eier im Brutraum des Bauchgewölbes gedeihen die Embryonen dort. Sie sind also ausserhalb des Körpers des Muttertieres. Nach 3-4 Wochen schlüpfen die winzigen Jungtiere. Sie haben bereits alle Extremitäten und verlassen nach 1-2 Tagen den Brutraum. Die jungen Bachflohkrebse sind nach mehreren Häutungen mit 3-4 Monaten geschlechtsreif. Nach einigen Monaten, maximal wenigen Jahren, endet das Leben eines Bachflohkrebses.
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- Bald gibt es Nachwuchs: ein Bachflohkrebs-Männchen (oben) mit seiner Auserwählten in der sogenannten Präkopula (Vorpaarung)
Futtern und füttern
Bachflohkrebse futtern hauptsächlich totes Blattmaterial. Die Krebschen sind wählerisch. Oft fressen sie die weichen Blattteile und lassen die härteren Blattskelette stehen. Mikroorganismen besorgen den Rest des Blatt-Recyclings.
Für viele Tierarten in und an Fliessgewässern sind Bachflohkrebse eine wichtige Nahrungsquelle. In einem gesunden Bach ist der Tisch reich gedeckt, weil dort Bachflohkrebse oft in sehr grosser Zahl vorkommen. Ein unsichtbarer Nährstoffkreislauf verbindet so Land und Wasser: Ein Blatt segelt in den Bach. Ein Flohkrebs verzehrt das Blatt. Eine Wasseramsel pickt den Flohkrebs auf. Setzt sie sich zufällig auf den Zweig, von dem das Blatt fiel?
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- Bachflohkrebse sind eine willkommene Beute für die elegante Wasseramsel.
Bachflohkrebse als Alarmanlagen
Bachflohkrebse reagieren empfindlich auf Gewässerverschmutzungen. Pestizide und schlecht geklärte Abwässer schädigen oder töten die Tiere. Deshalb werden die Krebstierchen als Indikatoren für die Sauberkeit von Gewässern genutzt. Das verschafft den kleinen Bachbewohnern angesichts der aktuellen Pestizid- und Düngerproblematik erhöhte Aufmerksamkeit. Schliesslich sind gerade die kleineren Bäche im Landwirtschaftsgebiet besonders von Schadstoffeinträgen betroffen.
Wenn Pestizide ins Wasser gelangen, leiden nicht nur Bachflohkrebse und andere Kleintiere. Geschädigt sind auch Fische und andere Arten, weil ihr Nahrungsangebot dadurch reduziert wird.
Vom Schwarzen Meer in den Bodensee: Flohkrebs ahoi!
Flohkrebse haben sich über Jahrmillionen entwickelt. Viele Arten sind angepasst an «ihren» Bach, Fluss oder See. Seit 200 Jahren greift der Mensch massiv in die Gewässer ein. Wir verknüpfen künstlich ganze Gewässersysteme. Das hat ungeahnte Folgen.
Beispiel: Seit der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals 1992 sind zahlreiche Wassertierarten via Basel neu in unsere Gewässer eingewandert. Sie kommen entweder selbständig oder als blinde Passagiere, zum Beispiel in Ballastwassertanks von Schiffen. Auch verschiedene Flohkrebsarten haben sich neu angesiedelt. Es könnte sein, dass sie die einheimischen Arten in Bedrängnis bringen werden. Es ist deshalb wichtig, mit Booten oder Fischereigeräten nicht unabsichtlich Flohkrebse von Gewässer zu Gewässer zu transportieren.
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- Er gelangte sogar von Nordamerika bis in die Schweiz: Der schmucke Tiger-Flohkrebs wurde bisher erst ein Mal nachgewiesen.
Das tut Pro Natura für den Bachflohkrebs
- Pro Natura schafft in der ganzen Schweiz neue Wasserwelten für Bachflohkrebse und alle anderen Gewässerarten. Wir renaturieren Flüsse, holen eingedolte Bäche ans Tageslicht und schützen Quellen.
Mehr über das grosse Auenprojekt Reussegg
Wie der Mülibach wieder ans Tageslicht kam
- In der «Aktion Biber & Co.» arbeiten Pro Natura Sektionen über die Kantonsgrenzen hinweg für alles, was im und am Wasser kreucht und fleucht. Immer dabei: Baumeister Biber, der perfekte natürliche Landschaftsgestalter.
- Für gesunde Bäche braucht es sauberes Wasser. Viele kleine Bäche im Landwirtschaftsgebiet sind mit einem ganzen Cocktail von Pestizidrückständen belastet. Das muss ein Ende haben. Deshalb unterstützt Pro Natura die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative. Stimmen auch Sie zwei Mal JA am 13. Juni 2021! Die Bachflohkrebse danken es Ihnen.
Mehr über die Trinkwasserinitiative
Mehr über die Pestizidinitiative
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Der Gartenschläfer ist das Tier des Jahres 2022
Seine schwarze «Zorro»-Maske und die schwarzweisse Schwanzquaste unterscheiden den Gartenschläfer von seinem grösseren und bekannteren Cousin, dem Siebenschläfer. Gartenschläfer können in der ganzen Schweiz vorkommen. Ihre Hauptverbreitung liegt in Höhenlagen um 1'400 Meter.
Warum wählt Pro Natura den Gartenschläfer zum Tier des Jahres?
Die natürliche Heimat des Gartenschläfers in der Schweiz ist der Wald. Der putzige Nager braucht vielfältige Wälder mit Totholz, Baumhöhlen, felsigen Abschnitten und Büschen. Solche Wälder sind selten geworden. Bis vor einigen Jahrzehnten fand der Gartenschläfer Ersatzlebensräume ausserhalb des Waldes. Die vielfältige Kulturlandschaft mit Obstgärten, Hecken und gut zugänglichen Scheunen gefiel dem Bilch als Ersatzlebensraum. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist der Lebensraum für Gartenschläfer jedoch auch ausserhalb des Waldes dramatisch geschrumpft. 2022 wirbt der Gartenschläfer deshalb für wilde Wälder und naturnahe Kulturlandschaften.
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Frédéric Desmette
- Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar.
Ulteriori informazioni
Ein Sommerleben
Wenn die Gartenschläfer im Frühling aus dem Winterschlaf erwachen, geht’s gleich rund. Im April beginnt die Fortpflanzungszeit. Nach rund drei Wochen Tragzeit werfen die Weibchen in einem kugeligen Nest aus Moos, Laub, Gras und Federn durchschnittlich 4 – 6 Junge. Herr Gartenschläfer kümmert sich nicht um den Nachwuchs. Nach einem Monat Säugezeit erkunden die jungen Gartenschläfer zusammen mit ihrer Mutter erstmals die Umgebung. Nach wenigen Wochen löst sich die Familie auf. Es kommt vor, dass sich die Jungtiere für den Winterschlaf nochmals zusammentun.
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P. M. Guinchard
- Schon in wenigen Wochen werden sie ihre Umgebung erkunden: neugeborene Gartenschläfer.
Reichhaltige Speisekarte
Gartenschläfer sind 11 bis 15 cm lang und bringen je nach Jahreszeit 36-113 g auf die Waage. Im Mittel wiegen sie 63.3 g. Auf ihren nächtlichen Streifzügen beschränken sich die flinken Waldbewohner keineswegs auf vegetarische Kost. Zahlreiche Wirbellose und sogar Frösche, Eidechsen oder junge Vögel stehen auf ihrem Menuplan. Man nimmt, was man kriegen kann – typisch Allesfresser. Gartenschläfer sind ihrerseits ein beliebter Happen bei Jägern wie Waldkauz, Fuchs, Marder oder Wildkatze. Als letztes Rettungsmittel bei Gefahr haben sie die Möglichkeit, ihren Schwanz abzuwerfen. Manchmal hilft’s.
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Régis Cavignaux
- Im Spätsommer und Herbst sind Früchte und Beeren eine wichtige Nahrungsquelle.
Schlafen, schlafen, schlafen
Augen zu, Ohren runtergeklappt, Schwanz eingerollt: So begibt sich der Gartenschläfer in den Winterschlaf, sobald im Herbst die Temperaturen sinken. Erd- und Felsspalten, Baumhöhlen, aber auch Scheunen, Ferienhäuser oder Vogelnistkästen dienen als Winterquartiere. Die Körperfunktionen werden auf ein Minimum reduziert. Eine Art natürlicher Thermostat verhindert, dass die Körpertemperatur der ruhenden Gartenschläfer unter den Gefrierpunkt sinkt. Doch die langen Wintermonate fordern ihren Tribut. Rund die Hälfte der Jungtiere überlebt die kalte Jahreszeit nicht.
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Jean-François Noblet
- Während des Winterschlafs büssen Gartenschläfer rund die Hälfte ihres Körpergewichtes ein.
Gartenschläfer, wo bist du?
Der Gartenschläfer kommt nur in Europa vor. Allerdings ist er aus weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes verschwunden, namentlich in Osteuropa. Auch in der Schweiz scheint der Gartenschläfer auf dem Rückzug. In weiten Teilen des Mittellandes und einigen anderen Regionen gibt es keine aktuellen Gartenschläfer-Nachweise mehr. Die Gründe für den Rückgang sind teilweise unklar. Der Gartenschläfer ist gesetzlich geschützt. Sicher spielt der Lebensraumverlust eine Rolle. Andere Ursachen harren noch der Erforschung. Ein gross angelegtes Gartenschläferprojekt in Deutschland soll im Frühjahr 2022 Resultate erbringen.
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Daten: info fauna,
- Aktuelle Verbreitung des Gartenschläfers in der Schweiz.
Überschaubare Verwandtschaft
Ausser dem Gartenschläfer leben drei weitere Bilcharten in der Schweiz: Der Siebenschläfer, der Baumschläfer und die Haselmaus. Verwechslungsgefahr besteht nur mit dem Baumschläfer. Seine Augenmaske ist aber deutlich kürzer als die des Gartenschläfers und endet vor den Ohren. Ausserdem fehlt dem Baumschläfer die typische schwarzweisse Schwanzquaste. Die Schweiz liegt an der westlichen Verbreitungsgrenze der Art. Der Baumschläfer ist deshalb bei uns sehr selten. Nur aus dem Raum Engadin-Münstertal-Nationalpark gibt es Nachweise.
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Ludomir Hlasek
- In der Schweiz selten: der Baumschläfer.
Kobolde im Haus
Gartenschläfer nehmen gerne gut zugängliche Scheunen, Garten- oder Ferienhäuser als Sommerquartier oder Winterplätzchen an. Wer einen Bilch im Haus bemerkt, hat es allerdings meistens nicht mit dem Garten-, sondern mit dem grösseren Siebenschläfer zu tun. Die Freude über den tierischen Mitbewohner kann durch den nächtlichen Geräuschpegel, angeknabberte Vorräte oder Kot- und Urinspuren getrübt werden. Der Schweizer Tierschutz gibt Tipps, wie solche Konflikte tierfreundlich gelöst werden können. Ein Merkblatt dazu finden Sie hier (Download).
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Jan Ryser
- Der Siebenschläfer ist gerne zu Gast auf Dachböden oder in Scheunen und Ferienhäusern.
Wilde Wälder gesucht
Die Schweizer Wälder werden im europäischen Vergleich überwiegend naturgemäss bewirtschaftet. Doch es gibt Defizite. Der Anteil an alten und abgestorbenen Bäumen und an Totholz ist in vielen Wäldern deutlich zu gering. Waldreservate, in denen die Natur wirklich Vorrang hat, nehmen nur wenige Prozente der Waldfläche ein. Das hat Folgen, zum Beispiel für den Gartenschläfer. Er findet nicht in ausreichendem Mass seinen idealen Lebensraum mit Baumhöhlen, Totholz und reichhaltiger Nahrung.
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Severin Nowacki
- Strukturreiche Wälder mit steinigen Partien sagen dem Gartenschläfer zu.
Das tut Pro Natura für den Gartenschläfer
- Pro Natura sichert rund 40 Naturwaldreservate in allen Regionen der Schweiz. Wir sind ständig auf der Suche nach weiteren grösseren Waldflächen, die wir der Natur übergeben können.
Ein Beispiel: Pro Natura ist massgeblich am grössten Waldreservat ausserhalb des Nationalparks beteiligt, dem Waldreservat Val Cama - Val Leggia - Val Grono im Kanton Graubünden. - In der «Aktion Spechte & Co.» arbeiten Pro Natura Sektionen über die Kantonsgrenzen hinweg für vielfältige Wälder.
- Die Pro Natura Umweltbildung lädt Kinder und Erwachsene ein, sich auf die Suche nach dem Gartenschläfer zu machen.
Theo erzählt: ein Podcast zum Gartenschläfer
Theo, der erste Podcaster der Schweiz mit Jahrgang 2014 hat sich über den Gartenschläfer informiert und teilt nun sein Wissen.
Mehr über Theo und seine Podcasts: https://www.kinderpodcast.ch/
Der Gartenschläfer: Tier des Jahres 2022
Getreu seinem Namen schläft das diesjährige Pro Natura Tier des Jahres derzeit noch tief und fest. In Baumhöhlen und Felsspalten, aber auch in Mauern, Gebäuden und Höhlen überwintert der süsse Nager mit Zorromaske von Oktober bis April. Doch immer mehr Gartenschläfern droht im Frühling ein böses Erwachen.
Vom Wald in den Garten
Der Gartenschläfer kommt nur in Europa vor. Der Wald als sein ursprünglicher Lebensraum ist stark in Bedrängnis. Gerade mal 6.3 Prozent der Schweizer Waldfläche waren Ende 2018 als Waldreservate mit Vorrang für den Naturschutz gesichert. Bis 2030 will die Schweiz das bescheidene Ziel von 10 Prozent erreichen. Auf 90 Prozent der Waldfläche sollen weiterhin andere Prioritäten gelten als der Naturschutz. Vor dem Hintergrund der akuten Biodiversitätskrise ist das klar ungenügend. Der Gartenschläfer hat diesen Verlust nur dank seiner Anpassungsfähigkeit als sogenannter Kulturfolger überlebt. In traditionellen Kulturlandschaften mit grossen Gärten, Weidewäldern, Hecken und ausgedehnten Hochstammobstgärten fand er eine Ersatzheimat.
Kulturfolger ohne Erfolg
Im 19. Jahrhundert kamen Gartenschläfer noch in allen Regionen der Schweiz vor und waren häufiger als ihre bekannteren Verwandten, die Siebenschläfer. Doch seit Jahrzehnten schrumpft ihr Bestand stark. Denn wenn der Gartenschläfer im April seine Nase aus der Höhle streckt, findet er oft weder wilde Wälder noch vielfältige Kulturlandschaften. Heute steht er deshalb aus globaler Sicht auf der Roten Liste (Kategorie «fast bedroht»). In der Schweiz gilt er noch als «nicht bedroht», obwohl inzwischen erhebliche Verbreitungslücken bestehen.
Für Wildnis im Wald
Um das Überleben des Gartenschläfers und jener rund 25'000 Arten zu sichern, die auf Wildnis im Wald angewiesen sind, müssen Bund und Kantone mehr Waldreservate schaffen. Pro Natura leistet dazu ihren Beitrag. Rund 130 der gesamthaft über 700 Pro Natura Naturschutzgebiete sind Waldreservate, in vielen weiteren gibt es ebenfalls Waldflächen. In drei Regionen läuft zudem die «Aktion Spechte & Co.» zur Förderung der Waldbiodiversität auf regionaler Ebene. Pro Natura engagiert sich auch politisch für den Schutz des Waldes, mehr Artenvielfalt und weniger Zersiedelung– ein Gebot der Stunde in der Biodiversitäts- und Klimakrise, die auch uns Menschen an die Grenzen unserer Anpassungsfähigkeit bringt.
Weitere Informationen zum Tier des Jahres 2022:
Dossier zum Tier des Jahres 2022: Der Gartenschläfer
Kontakt:
Nathalie Rutz, Medienverantwortliche Pro Natura, Tel. 079 826 69 47, @email
Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope & Arten Pro Natura, Tel. 061 317 91 36, @email
Den Gartenschläfer und seine Verwandten selbst erforschen!
Über die Verbreitung des Gartenschläfers in der Schweiz ist relativ wenig bekannt. Das macht seine Förderung schwierig. Mit der partizipativen Wissenschaftsaktion «Spurensuche Gartenschläfer» ruft Pro Natura deshalb die Bevölkerung dazu auf, nach den geheimnisvollen Nagern Ausschau zu halten, Spurtunnels zu bauen und Sichtungen zu melden. Ein ähnliches Projekt hat 2020 in Deutschland dazu geführt, dass der Gartenschläfer dort neu als «stark bedroht» eingestuft wird und heute besser geschützt wird.
Spurensuche Gartenschläfer
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Titelbild © Biosphoto / Frédéric Desmette
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Dossier zum Tier des Jahres 2022: Der Gartenschläfer
Spurensuche Gartenschläfer
Der Gartenschläfer ist zurück: Sensationsfund im Kanton Solothurn
Kurz nach der Wahl des Gartenschläfers zum Pro Natura «Tier des Jahres 2022» und der Lancierung der «Spurensuche Gartenschläfer» ging aus dem solothurnischen Büsserach eine Gartenschläfer-Meldung bei Pro Natura ein – die erste seit 1909. «Auf diesen Nachweis haben wir lange gehofft», sagt Thomas Briner, Leiter des Naturmuseums Solothurn begeistert. «Es gibt ihn noch, unseren Zorro der Wälder».
Unverhoffter Fund in Hochstammwiese
Vor zwei Jahren hat Briner das Citizen Science Projekt «Heckengeister & Klettermeister» gestartet, um mit Hinweisen aus der Bevölkerung mehr über den Verblieb der Schlafmäuse – also Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmäuse – herauszufinden. Über 2000 Meldungen von Siebenschläfern und Haselmäusen in Nistkästen, Dachstöcken, Ställen und Bienenhäusern wurden eingeschickt, aber ein Gartenschläfer war nicht dabei. Um das zu ändern, legten Briner und sein Team Spurtunnels, stellten automatische Wildtierkameras auf und versuchten so, den Gartenschläfer in der Region Jura, Solothurn und Bern nachzuweisen. «Wir haben sämtliche Tierarten aufgespürt, die in unseren Wäldern leben, aber keinen einzigen Gartenschläfer.»
Mit der zusätzlichen Bekanntheit des Gartenschläfers, durch die Nominierung von Pro Natura zum Tier des Jahres, traf endlich die erhoffte Meldung ein. Erich Linz aus Büsserach nahe der jurassischen Grenze, schickte Fotos von einem Gartenschläfer, den er in einem Vogelnistkasten seiner Hochstammwiese entdeckt hatte.
Mehr Wildnis muss sein
«Wo ein Gartenschläfer ist, müssen noch andere sein», freut sich Urs Tester, Kleinsäugerexperte bei Pro Natura. In vielen Regionen der Schweiz wurde der Gartenschläfer seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet und gilt auf globaler Ebene* als «fast bedroht». «Der Sensationsfund im Kanton Solothurn und eine weitere Meldung aus Nidau am Bielersee zeigen: Wenn die richtigen Bedingungen bewahrt oder wiederhergestellt werden, kann sich der Gartenschläfer wieder ausbreiten.» Konkret heisst das: Laubhäufen, Holzbeigen und alte Bäume im Garten, im Kulturland und im Wald vermehrt stehen lassen und so mehr Wildnis und Verstecke für Zorro schaffen.
Jetzt Spurtunnels bauen
Daten zum Verbleib des Gartenschläfers in der Schweiz sind dürftig und der sensationelle Fund zeigt: Die Suche lohnt sich. Ab April, wenn die Gartenschläfer aus ihrem Winterschlaf erwacht sind, ist der Zeitpunkt perfekt, um Spurtunnels zu bauen. Bei der nationalen Aktion «Spurensuche Gartenschläfer» von Pro Natura können Familien, Schulklassen und Privatpersonen mitmachen und so vielleicht auch den ersten Gartenschläfer in ihrem Kanton entdecken. Je mehr Funde gemeldet werden, desto besser können der Zorro der Wälder und sein Lebensraum in Zukunft geschützt werden.
Kontakte:
- Pro Natura: Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope & Arten, Tel. 061 317 91 36, [email protected]
- Pro Natura: Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung, Tel. 061 317 91 65, @email
- Naturmuseum Solothurn: Thomas Briner, Museumsleiter, Tel. 032 622 70 21, @email
*Korrigendum: In einer ersten Version war der Satz missverständlich formuliert. Der Gartenschläfer ist auf globaler Ebene «fast bedroht» in der Schweiz jedoch noch nicht.
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Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist das Tier des Jahres 2023
Sie ist perfekt an die Farbe ihres Untergrundes angepasst: Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist selbst auf kurze Distanz kaum zu entdecken. Das ändert sich abrupt, wenn man dem Tier zu nahe tritt. Dann wirft sich das rund 2 cm grosse Insekt in die Luft, entfaltet seine blau-schwarzen Flügel und schwirrt davon. Doch kaum leuchtet das überraschende Farbenspiel auf, ist es auch schon wieder vorbei. Das Tier landet und wird von der Landschaft buchstäblich verschluckt.
Warum wählt Pro Natura die Blauflügelige Ödlandschrecke zum Tier des Jahres?
Das Tier des Jahres 2023 bewohnt trocken-warme Gebiete mit spärlicher Vegetation. Viele natürliche Lebensräume der Blauflügeligen Ödlandschrecke sind in den letzten 100 Jahren zerstört worden. Kiesgruben, Bahnareale oder anderes «Ödland» bieten der Insektenart willkommene Ersatzbiotope. Doch diese sind vergängliche Naturparadiese. Sie brauchen gezielte Pflege, um für die blauen Fliegerinnen bewohnbar zu bleiben. Umso wichtiger ist es, die ursprünglichen Lebensräume der Blauflügeligen Ödlandschrecke zu schützen und wiederherzustellen: Auenlandschaften und trockene, karge Wiesen und Weiden.
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- Perfekt getarnt: Eine Blauflügelige Ödlandschrecke in ihrem typischen Lebensraum
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Ein Sommerleben
Über den Winter sterben alle erwachsenen Blauflügeligen Ödlandschrecken. Das Überleben der Art beruht auf den im Boden schlummernden Eiern des letzten Sommers. Ab Ende April schlüpfen die Nymphen (Larven). Bei jeder Häutung passt sich das Tier farblich noch besser an den Untergrund an, auf dem es lebt. Nach vier (Männchen) oder fünf (Weibchen) Häutungen verpaart sich die neue Generation. Die Weibchen legen ihre rund 120 Eier kurz nach der Paarung in die Erde. Die erwachsenen Tiere sterben mit den ersten Frösten. Der Zyklus beginnt erneut.
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- Frisch geschlüpfte, winzige Blauflügelige Ödlandschrecken
Karg, aber nicht kahl
Das Tier des Jahres mag es heiss, aber nicht zu heiss. Wichtig für die Blauflügelige Ödlandschrecke ist eine lockere Krautschicht. Sie schützt die wechselwarmen Tiere vor übermässiger Erwärmung. Die im Boden abgelegten Eier sind ausserdem weniger der Gefahr ausgesetzt, dass sie austrocknen könnten. Auch der Tisch ist gedeckt: Gräser und Kräuter stehen auf dem Speiseplan der blauen Fliegerinnen. Gelegentlich wird auch Aas nicht verschmäht.
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- Viel Geröll, etwas Kraut: Auf dieser einstigen Überschwemmungsfläche der Verzasca fühlt sich die Blauflügelige Ödlandschrecke wohl.
Fliegendes Juwel
Bei der Beobachtung in der Natur machen die kräftig blau gefärbten Flügel mit den schwarzen Querbinden das Tier des Jahres 2023 unverwechselbar. Es gibt zwar eine Verwandte, die ebenfalls karge Lebensräume bevorzugt und blau trägt. Es ist die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans). Ihr Blau ist aber sehr blass und die kräftige schwarze Querbinde fehlt ganz.
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- Der Flug der Blauflügeligen Ödlandschrecke erstreckt sich in der Regel über einige Meter und endet in einer scharfen Landekurve.
Ödlandschrecke, wo bist du?
In der Schweiz ist das Tier des Jahres 2023 vor allem im Wallis, im Tessin und entlang des Jurasüdhangs verbreitet. Doch auch in einigen anderen Regionen der Schweiz ist das Insekt anzutreffen. Die Blauflügelige Ödlandschrecke besiedelt geeignete Lebensräume von den Talböden bis gegen 2000 m.ü.M. Übrigens: Die Art ist gesetzlich geschützt und darf nur mit kantonaler Bewilligung für Ausbildungs- und Forschungszwecke gefangen werden.
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- Aktuelle Verbreitung der Blauflügeligen Ödlandschrecke in der Schweiz
Bedrohte Verwandtschaft
Die 115 in der Schweiz heimischen Heuschreckenarten sind nur eine kleine Gruppe innerhalb der rund 30'000 bisher bekannten einheimischen Insektenarten. Die Artenvielfalt und besonders auch die Menge an Insekten nimmt in der Schweiz seit Jahrzehnten dramatisch ab. 60 Prozent der Insektenarten sind bedroht. Heuschrecken sind ein unbestechlicher Gradmesser für diese Entwicklung.
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- Bald nur noch im Museum? Viele Insektenarten sind bedroht.
Ist heisser besser?
Viele Insektenarten mögen es heiss – so auch die Blauflügelige Ödlandschrecke. Ist also die Klimakrise eine Chance für die bedrängte Insektenwelt? Die Antwort der Fachwelt ist ein klares Nein. Zwar werden Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke in der Schweiz neue Lebensräume besiedeln können, wenn es heisser wird. Andere Arten dagegen geraten in Bedrängnis. So zum Beispiel all jene Tiere, deren Larven in kühlen, sauberen Gewässern gedeihen. Auch indirekt droht Gefahr: Wenn die Schweiz die letzten Naturjuwelen dem Stromhunger der Wegwerfgesellschaft opfert, gehen auch viele wertvolle Lebensräume für Insekten verloren.
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Mehr Schutz für Ödlandschrecke & Co.
Die artenreichen Auenlandschaften mit ihren weiten Schotterflächen sind in der Schweiz bis auf wenige Reste der Wasserkraftnutzung und den Flussverbauungen zum Opfer gefallen. Ein ähnliches Schicksal erlitten die Trockenwiesen und -weiden: Überbauung, Düngung oder Verwaldung haben sie innert 100 Jahren um 95 Prozent reduziert. Die verbliebenen Naturjuwelen müssen ungeschmälert erhalten bleiben! Renaturierungen von Auen und eine naturfreundlichere Landwirtschaft sind das Gebot der Stunde. Wo die Blauflügelige Ödlandschrecke menschengemachte Ersatzlebensräume besiedelt hat, braucht es eine angepasste Nutzung und Pflege.
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Das tut Pro Natura für die Blauflügelige Ödlandschrecke
Pro Natura sichert über 700 Naturschutzgebiete in allen Regionen der Schweiz. In einigen dieser Gebiete kommt auch das Tier des Jahres 2023 vor:
- Weilmatten (Riehen BS)
- Auengebiet Bolle di Magadino (TI)
- Romauen im Münstertal (GR)
- Vallon de Nant (VD)
Politisch kämpft Pro Natura für eine Schweiz, in der sich alle heimischen Arten wohl fühlen. Besonders aktuell ist unsere Arbeit…
...für eine naturverträgliche Energiewende
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Unser Tier des Jahres lässt sich tragen
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