Progetti
«Aktion Spechte & Co.» für vielseitige Wälder
Aktion Spechte & Co.
Quellenprojekt
Für Familien
Wie Wildtiere überwintern
Huftierspur im Sihlwald - zu wem gehört diese Spur?
Im Winterwald suchen Sie nach Spuren, wie Wildtiere die kalte Jahreszeit meistern.
Der Winter mit Schnee und eisigen Temperaturen verlangt von den Tieren und Pflanzen alles ab. Gute Tricks sind gefragt, um diese unwirtliche Jahreszeit unbeschadet zu überleben. Kommen Sie mit dem Wildbiologen Matthias Wüst, Projektleiter bei Pro Natura Zürich, auf einen besonderen Rundgang durch den Tierpark Langenberg.
Das Angebot ist geeignet für Familien mit Kindern ab 10 Jahren. Ausrüstung: wetterfeste, warme Kleidung, gute Schuhe, Feldstecher und Fotoapparat (falls vorhanden). Findet auch bei nasser Witterung statt.
Nicht kinderwagentauglich.
Anmeldung beim Wildnispark Zürich nötig. Zur Anmeldung
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Dettagli dell'evento
Data
Luogo
Tierpark Langenberg, Langnau a.A.
Dettagli
Preparazione
Costo
Erwachsene CHF 54, Kinder CHF 27. Rabatte: Kulturlegi, ZKB-Kund:innen
Konzert
Matinée im Auenwald
Musikalischer Sonntagvormittag
Mit musikalischem Beitrag werden der Geiger Lorenz Hasler (Mitglied des Ensembles I SALONISTI) und andere Musiker den kurzen Spaziergang durch den Auenwald und die Naturoase im Eichholz begleiten.
Anschliessend wird bei einem feinen Brunch im Pro Natura Zentrum Eichholz getafelt!
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Pro Natura BEBurstel
Das Waldgebiet Burstel soll mittelfristig in ein Wildnisgebiet überführt werden, in dem menschliche Eingriffe auf ein Minimum reduziert werden. Bevor Pro Natura diesen Wald erwarb, waren grosse Teile des Waldes forstwirtschaftliche Produktionsfläche. Bei der Transformation zum Wildnisgebiet können unterschiedliche Strategien gefahren werden, wobei gewisse Prozesse beschleunigt oder gehemmt werden. Wo längerfristig gleichwertige Möglichkeiten zur Verfügung stehen, konnten Sie sich beteiligen und darüber abstimmen, welche Massnahme wir umsetzen sollen.
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Info
Zu wenig Interaktion für Sie? Melden Sie sich für einen freiwilligen Pflegeeinsatz. Oder unterstützen Sie uns mit finanziellen Mitteln.
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Auswertung Interaktives Schutzgebiet BurstelSpendenbriefÜbersichtskarte
Ein Teil der Parzelle ist eine Altholzinsel, in dem bereits heute keine Eingriffe durchgeführt werden dürfen. An anderer Stelle dient der Wald als Schutzwald, wodurch gewisse Eingriffe für eine permanente Durchwurzelung des Bodens unumgänglich sind.
Zusätzliche Informationen zu den Standorten
Jungholz-Standort
Biodiversitätsfördermassnahmen vs. keine Eingriffe
Bei der Transformation des ursprünglichen Wirtschaftswaldes in ein Wildnisgebiet können initiative Eingriffe längerfristig für eine höhere Baumartenvielfalt sorgen. Dadurch entstehen zusätzliche Lebensräume, was zu einer allgemeinen Steigerung der Biodiversität führt. Kurzfristig bedeuten solche Eingriffe einen Verlust von Lebensräumen, da Bäume gezielt entfernt oder als Totholz im Wald belassen werden, wobei sie wiederum einen neuen Lebensraum bilden. Eingriffe gehen immer auch mit Störungen beispielsweise durch Lärmemissionen einher, wodurch Tiere aufgeschreckt und verjagt werden.
Douglasien-Standort
Douglasien (Pseudotsuga menziesii)
Obschon die Gattung der Douglasien während des Tertiärs (66 – 2.6 Millionen Jahre vor unserer Zeit) in Europa natürlich vorkam, wurde sie während dem Quartären Eiszeitalter komplett verdrängt und erst 1827 von David Douglas aus Nordamerika wieder nach Europa importiert. Daher gilt die Douglasie in Europa als Neophyt. Da die Douglasie trockenheitsresistenter als die einheimische Fichte ist, gilt sie für die Forstwirtschaft als wichtiger Hoffnungsträger, weil sie unter den durch den menschgemachten Klimawandel ändernden Bedingungen besser gedeiht als die Fichte. Der Einfluss der Douglasie auf die einheimische Biodiversität manifestiert sich zum einen darin, dass sie Veränderungen in der Artenzusammensetzung bei Gliederfüsslern (Insekten, Spinnen etc.) bewirkt, was eine Veränderung der Nahrungskette nach sich zieht. Zum anderen verschiebt sich die Artenzusammensetzung beispielsweise bei der Pilzflora von spezialisierten Arten, die nur unter spezifischen Bedingungen oder auf spezifischen Gehölzen wachsen, hin zu Generalisten, wodurch der ökologische Wert des Gebietes gesenkt wird.
Holzmarkt – Holzschlag
Bei gewissen Eingriffen im Wald, beispielsweise bei der gezielten Förderung bestimmter Baumarten durch das Entfernen von konkurrenzstärkeren Bäumen im Umfeld oder beim Ersetzen von Fichten- oder Douglasienbeständen durch ökologisch wertvollere Laubbäume, werden Bäume gefällt. Die Einen bieten als Totholz einen Lebensraum für allerhand Insekten, Pilze aber auch Hermeline oder Spechte und werden daher im Wald belassen. Andere werden entfernt und verkauft, sodass ihr Holz als wertvoller Rohstoff in der Region weiterverarbeitet werden kann. Der dadurch erzielte Erlös wird in weitere Massnahmen zur Förderung der Biodiversität eingesetzt werden. Die monetären Interessen sind aber stets zweitrangig, im Vordergrund stehen die Bedürfnisse der Natur.
Wenn Eingriffe zur Förderung der Biodiversität längerfristig positive Effekte für die Artenzusammensetzung erzielen, so bedeutet der Eingriff an sich eine schlagartige Störung des gegenwärtigen Zustandes, der ebenfalls ein Lebensraum darstellt.
Erosionsstandort
Erosion als Lebensraum
In einem stabilen Umfeld ohne Störungen setzt sich über kurz oder lang eine kleine Anzahl an Arten, nämlich die, die an die gegebenen Umstände am besten angepasst sind, durch. In einem natürlichen Umfeld schaffen unterschiedlichste Störungen stetig neue Lebensräume, die neu besiedelt werden können. An den offenen Standorten wachsen zuerst sogenannte Pionierpflanzen, diese bilden eine Kraut- und Grasflurvegetation. Ohne neuerliche Störung wird diese bald von einer Strauchvegetation überwachsen, bis schliesslich Bäume wieder ein geschlossenes Blätterdach bilden. Durch diesen Prozess (Sukzession) dienen natürliche Störungen der Artenvielfalt. Solche Störungen reichen von Schäden durch Wildtiere über Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände bis hin zur Erosion.
Wo menschliche Infrastruktur in der Nähe ist, wird die Erosion häufig auf ein Minimum reduziert, indem Bäume ein solides Wurzelwerk bilden und das Wasser in künstlichen Kanälen abgeleitet wird. Durch diese Massnahmen verschwinden viele Kleinstlebensräume und die Biodiversität nimmt stark ab.
Quellen als Lebensraum
Quellen bilden für eine Vielzahl spezialisierter Lebewesen einen spezifischen Lebensraum zwischen Grundwasser und Oberflächenwasser. Dabei sind konstante Temperaturen sowie Sauerstoff- und Nährstoffarmut des Quellwassers zentrale Voraussetzungen für die Quellfauna und -flora. Durch Quellfassungen zur Trinkwassernutzung oder Urbarmachung des Umlandes sind viele Quelllebensräume verloren gegangen, zudem werden viele Quellen von künstlichen Verbauungen beeinträchtigt. So bilden künstliche Abstürze oder Verrohrungen unpassierbare Hindernisse für die quellbewohnende Arten.
Tümpelstandort
Wandern im Schutzgebiet
Artenreiche Gebiete üben zurecht eine Anziehung auf ein breites Publikum aus. Nichtsdestotrotz kann die menschliche Präsenz in Schutzgebieten direkte und indirekte negative Auswirkungen auf das Umfeld haben. Tiere werden aufgeschreckt, Pflanzen zertrampelt, Abfälle und Fäkalien landen im Schutzgebiet. Sportliche Aktivitäten wie Mountainbiken oder Reiten verstärken den Stress der Wildtiere. Mit dem Mensch kommen auch die Hunde in die Schutzgebiete, vor allem unangeleinte Hunde können beispielsweise bodenbrütende Vögel dauerhaft aus einem Gebiet vertreiben. Bei einfach zugänglichen Gewässerstandorten werden regelmässig Goldfische ausgesetzt, diese reduzieren den Reproduktionserfolg von Insekten und Amphibien enorm.
Auswertung der Umfrage
Im Januar 2021 wurde die Umfrage nach rund vier Monaten geschlossen. Insgesamt nahmen 126 Personen an der Umfrage zu den Massnahmen im Naturschutzgebiet Burstel teil. 97 davon sind Mitglied bei Pro Natura, 29 besitzen keine Mitgliedschaft. Es hat sich gezeigt, dass bei der Beantwortung der Umfrage keine auffälligen Unterschiede zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern erkannt werden konnten.
Im Folgenden werden die Ergebnisse der einzelnen Fragen vorgestellt. Die genauen Daten sind dem PDF "Auswertung Interaktives Schutzgebiet Burstel" zu entnehmen. Dieses ist in der grünen Highlight-Box auf der rechten Seite zu finden.
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Sollen beim Jungholz-Standort initiativ Eingriffe zur Förderung der Biodiversität vorgenommen werden oder sollen keine künstlichen Eingriffe mehr vorgenommen werden?
Gute 80 % der Befragten waren der Meinung, dass am Jungholz-Standort gezielte Eingriffe zur Biodiversitätsförderung wie die Pflanzung ausgewählter Baumarten oder das Auslichten des Geländes durchgeführt werden sollen. Diese Entscheidung können wir direkt in das Pflegekonzept einfliessen lassen.
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Welche Möglichkeit soll am Douglasien-Standort durchgeführt werden?
Jeweils rund 10 % der Befragten gaben an, dass die Douglasien entweder schnellstmöglich oder aber erst in 20 – 30 Jahren gefällt werden sollen, ohne weitere Massnahmen umzusetzen. Circa 30 % wollten, dass die Bäume so bald wie möglich gefällt werden und stattdessen durch Pflegemassnahmen ein vielfältiger Wald gefördert werden soll. Die klare Mehrheit, rund 50 % der Teilnehmenden, entschied sich dafür, die Nadelhölzer noch 20 – 30 Jahre bestehen zu lassen und anschliessend aktiv einen vielfältigen Wald mit einheimischen Arten zu fördern. Auch diesem Wunsch können wir durch das Pflegekonzept des Naturschutzgebietes entsprechen.
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Sollen Abklärungen zum Entfernen der Strasse und der Quellfassung aufgenommen werden?
Bei dieser Frage gaben 42 % der Befragten an, dass keine Abklärungen vorgenommen werden sollen. Demzufolge waren 58 % dafür, in Erfahrung zu bringen, ob eine Aufhebung der Forststrasse und ein Abbruch der Quellfassung mit entsprechend folgender Hangvernässung und Erosion möglich sind. Gerne lassen wir diese Prüfung durchführen.
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Sollen die Tümpel für die Öffentlichkeit erschlossen werden?
Bei der Frage zur Erschliessung der geplanten Tümpel standen sich fast gleich grosse Lager gegenüber: Während sich 48 % gegen eine Begehbarkeit der Gewässer und die damit verbundenen Störungen aussprachen, stimmten mit nur 6 Stimmen Vorsprung 52 % für die Erschliessung und die damit verbundenen Umweltbildungsaspekte. Natürlich gilt es auch hier, den demokratisch gewählten Entscheid zu respektieren. Bei der Planung der Tümpel soll jedoch geprüft werden, ob durch besucherlenkende Elemente ein Teil des Gebietes beruhigt werden kann.
Kleingedrucktes
Die Umsetzungen der gewünschten Massnahmen finden immer im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten statt, so müssen beispielsweise auf der Fläche, die innerhalb des Schutzwald-Perimeters ist, die angestrebten Massnahmen mit den Richtlinien zum Schutzwald vom Bund und des Kantons Thurgau vereinbar sein.
Pro Natura hält sich frei, gewisse Massnahmen, wie beispielsweise das Verhindern der Ausbreitung von invasiven Neophyten, unabhängig von den Resultaten der Umfragen weiterhin durchzuführen.
Der Gartenschläfer ist das Tier des Jahres 2022
Seine schwarze «Zorro»-Maske und die schwarzweisse Schwanzquaste unterscheiden den Gartenschläfer von seinem grösseren und bekannteren Cousin, dem Siebenschläfer. Gartenschläfer können in der ganzen Schweiz vorkommen. Ihre Hauptverbreitung liegt in Höhenlagen um 1'400 Meter.
Warum wählt Pro Natura den Gartenschläfer zum Tier des Jahres?
Die natürliche Heimat des Gartenschläfers in der Schweiz ist der Wald. Der putzige Nager braucht vielfältige Wälder mit Totholz, Baumhöhlen, felsigen Abschnitten und Büschen. Solche Wälder sind selten geworden. Bis vor einigen Jahrzehnten fand der Gartenschläfer Ersatzlebensräume ausserhalb des Waldes. Die vielfältige Kulturlandschaft mit Obstgärten, Hecken und gut zugänglichen Scheunen gefiel dem Bilch als Ersatzlebensraum. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist der Lebensraum für Gartenschläfer jedoch auch ausserhalb des Waldes dramatisch geschrumpft. 2022 wirbt der Gartenschläfer deshalb für wilde Wälder und naturnahe Kulturlandschaften.
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Frédéric Desmette
- Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar.
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Ein Sommerleben
Wenn die Gartenschläfer im Frühling aus dem Winterschlaf erwachen, geht’s gleich rund. Im April beginnt die Fortpflanzungszeit. Nach rund drei Wochen Tragzeit werfen die Weibchen in einem kugeligen Nest aus Moos, Laub, Gras und Federn durchschnittlich 4 – 6 Junge. Herr Gartenschläfer kümmert sich nicht um den Nachwuchs. Nach einem Monat Säugezeit erkunden die jungen Gartenschläfer zusammen mit ihrer Mutter erstmals die Umgebung. Nach wenigen Wochen löst sich die Familie auf. Es kommt vor, dass sich die Jungtiere für den Winterschlaf nochmals zusammentun.
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P. M. Guinchard
- Schon in wenigen Wochen werden sie ihre Umgebung erkunden: neugeborene Gartenschläfer.
Reichhaltige Speisekarte
Gartenschläfer sind 11 bis 15 cm lang und bringen je nach Jahreszeit 36-113 g auf die Waage. Im Mittel wiegen sie 63.3 g. Auf ihren nächtlichen Streifzügen beschränken sich die flinken Waldbewohner keineswegs auf vegetarische Kost. Zahlreiche Wirbellose und sogar Frösche, Eidechsen oder junge Vögel stehen auf ihrem Menuplan. Man nimmt, was man kriegen kann – typisch Allesfresser. Gartenschläfer sind ihrerseits ein beliebter Happen bei Jägern wie Waldkauz, Fuchs, Marder oder Wildkatze. Als letztes Rettungsmittel bei Gefahr haben sie die Möglichkeit, ihren Schwanz abzuwerfen. Manchmal hilft’s.
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Régis Cavignaux
- Im Spätsommer und Herbst sind Früchte und Beeren eine wichtige Nahrungsquelle.
Schlafen, schlafen, schlafen
Augen zu, Ohren runtergeklappt, Schwanz eingerollt: So begibt sich der Gartenschläfer in den Winterschlaf, sobald im Herbst die Temperaturen sinken. Erd- und Felsspalten, Baumhöhlen, aber auch Scheunen, Ferienhäuser oder Vogelnistkästen dienen als Winterquartiere. Die Körperfunktionen werden auf ein Minimum reduziert. Eine Art natürlicher Thermostat verhindert, dass die Körpertemperatur der ruhenden Gartenschläfer unter den Gefrierpunkt sinkt. Doch die langen Wintermonate fordern ihren Tribut. Rund die Hälfte der Jungtiere überlebt die kalte Jahreszeit nicht.
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Jean-François Noblet
- Während des Winterschlafs büssen Gartenschläfer rund die Hälfte ihres Körpergewichtes ein.
Gartenschläfer, wo bist du?
Der Gartenschläfer kommt nur in Europa vor. Allerdings ist er aus weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes verschwunden, namentlich in Osteuropa. Auch in der Schweiz scheint der Gartenschläfer auf dem Rückzug. In weiten Teilen des Mittellandes und einigen anderen Regionen gibt es keine aktuellen Gartenschläfer-Nachweise mehr. Die Gründe für den Rückgang sind teilweise unklar. Der Gartenschläfer ist gesetzlich geschützt. Sicher spielt der Lebensraumverlust eine Rolle. Andere Ursachen harren noch der Erforschung. Ein gross angelegtes Gartenschläferprojekt in Deutschland soll im Frühjahr 2022 Resultate erbringen.
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Daten: info fauna,
- Aktuelle Verbreitung des Gartenschläfers in der Schweiz.
Überschaubare Verwandtschaft
Ausser dem Gartenschläfer leben drei weitere Bilcharten in der Schweiz: Der Siebenschläfer, der Baumschläfer und die Haselmaus. Verwechslungsgefahr besteht nur mit dem Baumschläfer. Seine Augenmaske ist aber deutlich kürzer als die des Gartenschläfers und endet vor den Ohren. Ausserdem fehlt dem Baumschläfer die typische schwarzweisse Schwanzquaste. Die Schweiz liegt an der westlichen Verbreitungsgrenze der Art. Der Baumschläfer ist deshalb bei uns sehr selten. Nur aus dem Raum Engadin-Münstertal-Nationalpark gibt es Nachweise.
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Ludomir Hlasek
- In der Schweiz selten: der Baumschläfer.
Kobolde im Haus
Gartenschläfer nehmen gerne gut zugängliche Scheunen, Garten- oder Ferienhäuser als Sommerquartier oder Winterplätzchen an. Wer einen Bilch im Haus bemerkt, hat es allerdings meistens nicht mit dem Garten-, sondern mit dem grösseren Siebenschläfer zu tun. Die Freude über den tierischen Mitbewohner kann durch den nächtlichen Geräuschpegel, angeknabberte Vorräte oder Kot- und Urinspuren getrübt werden. Der Schweizer Tierschutz gibt Tipps, wie solche Konflikte tierfreundlich gelöst werden können. Ein Merkblatt dazu finden Sie hier (Download).
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Jan Ryser
- Der Siebenschläfer ist gerne zu Gast auf Dachböden oder in Scheunen und Ferienhäusern.
Wilde Wälder gesucht
Die Schweizer Wälder werden im europäischen Vergleich überwiegend naturgemäss bewirtschaftet. Doch es gibt Defizite. Der Anteil an alten und abgestorbenen Bäumen und an Totholz ist in vielen Wäldern deutlich zu gering. Waldreservate, in denen die Natur wirklich Vorrang hat, nehmen nur wenige Prozente der Waldfläche ein. Das hat Folgen, zum Beispiel für den Gartenschläfer. Er findet nicht in ausreichendem Mass seinen idealen Lebensraum mit Baumhöhlen, Totholz und reichhaltiger Nahrung.
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Severin Nowacki
- Strukturreiche Wälder mit steinigen Partien sagen dem Gartenschläfer zu.
Das tut Pro Natura für den Gartenschläfer
- Pro Natura sichert rund 40 Naturwaldreservate in allen Regionen der Schweiz. Wir sind ständig auf der Suche nach weiteren grösseren Waldflächen, die wir der Natur übergeben können.
Ein Beispiel: Pro Natura ist massgeblich am grössten Waldreservat ausserhalb des Nationalparks beteiligt, dem Waldreservat Val Cama - Val Leggia - Val Grono im Kanton Graubünden. - In der «Aktion Spechte & Co.» arbeiten Pro Natura Sektionen über die Kantonsgrenzen hinweg für vielfältige Wälder.
- Die Pro Natura Umweltbildung lädt Kinder und Erwachsene ein, sich auf die Suche nach dem Gartenschläfer zu machen.
Theo erzählt: ein Podcast zum Gartenschläfer
Theo, der erste Podcaster der Schweiz mit Jahrgang 2014 hat sich über den Gartenschläfer informiert und teilt nun sein Wissen.
Mehr über Theo und seine Podcasts: https://www.kinderpodcast.ch/
Der Gartenschläfer: Tier des Jahres 2022
Getreu seinem Namen schläft das diesjährige Pro Natura Tier des Jahres derzeit noch tief und fest. In Baumhöhlen und Felsspalten, aber auch in Mauern, Gebäuden und Höhlen überwintert der süsse Nager mit Zorromaske von Oktober bis April. Doch immer mehr Gartenschläfern droht im Frühling ein böses Erwachen.
Vom Wald in den Garten
Der Gartenschläfer kommt nur in Europa vor. Der Wald als sein ursprünglicher Lebensraum ist stark in Bedrängnis. Gerade mal 6.3 Prozent der Schweizer Waldfläche waren Ende 2018 als Waldreservate mit Vorrang für den Naturschutz gesichert. Bis 2030 will die Schweiz das bescheidene Ziel von 10 Prozent erreichen. Auf 90 Prozent der Waldfläche sollen weiterhin andere Prioritäten gelten als der Naturschutz. Vor dem Hintergrund der akuten Biodiversitätskrise ist das klar ungenügend. Der Gartenschläfer hat diesen Verlust nur dank seiner Anpassungsfähigkeit als sogenannter Kulturfolger überlebt. In traditionellen Kulturlandschaften mit grossen Gärten, Weidewäldern, Hecken und ausgedehnten Hochstammobstgärten fand er eine Ersatzheimat.
Kulturfolger ohne Erfolg
Im 19. Jahrhundert kamen Gartenschläfer noch in allen Regionen der Schweiz vor und waren häufiger als ihre bekannteren Verwandten, die Siebenschläfer. Doch seit Jahrzehnten schrumpft ihr Bestand stark. Denn wenn der Gartenschläfer im April seine Nase aus der Höhle streckt, findet er oft weder wilde Wälder noch vielfältige Kulturlandschaften. Heute steht er deshalb aus globaler Sicht auf der Roten Liste (Kategorie «fast bedroht»). In der Schweiz gilt er noch als «nicht bedroht», obwohl inzwischen erhebliche Verbreitungslücken bestehen.
Für Wildnis im Wald
Um das Überleben des Gartenschläfers und jener rund 25'000 Arten zu sichern, die auf Wildnis im Wald angewiesen sind, müssen Bund und Kantone mehr Waldreservate schaffen. Pro Natura leistet dazu ihren Beitrag. Rund 130 der gesamthaft über 700 Pro Natura Naturschutzgebiete sind Waldreservate, in vielen weiteren gibt es ebenfalls Waldflächen. In drei Regionen läuft zudem die «Aktion Spechte & Co.» zur Förderung der Waldbiodiversität auf regionaler Ebene. Pro Natura engagiert sich auch politisch für den Schutz des Waldes, mehr Artenvielfalt und weniger Zersiedelung– ein Gebot der Stunde in der Biodiversitäts- und Klimakrise, die auch uns Menschen an die Grenzen unserer Anpassungsfähigkeit bringt.
Weitere Informationen zum Tier des Jahres 2022:
Dossier zum Tier des Jahres 2022: Der Gartenschläfer
Kontakt:
Nathalie Rutz, Medienverantwortliche Pro Natura, Tel. 079 826 69 47, @email
Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope & Arten Pro Natura, Tel. 061 317 91 36, @email
Den Gartenschläfer und seine Verwandten selbst erforschen!
Über die Verbreitung des Gartenschläfers in der Schweiz ist relativ wenig bekannt. Das macht seine Förderung schwierig. Mit der partizipativen Wissenschaftsaktion «Spurensuche Gartenschläfer» ruft Pro Natura deshalb die Bevölkerung dazu auf, nach den geheimnisvollen Nagern Ausschau zu halten, Spurtunnels zu bauen und Sichtungen zu melden. Ein ähnliches Projekt hat 2020 in Deutschland dazu geführt, dass der Gartenschläfer dort neu als «stark bedroht» eingestuft wird und heute besser geschützt wird.
Spurensuche Gartenschläfer
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Titelbild © Biosphoto / Frédéric Desmette
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Dossier zum Tier des Jahres 2022: Der Gartenschläfer«Der Luchs gibt dem Wald seine Seele zurück»
In einem Wald am Fuss des Neuenburger Juras, wo wir uns an diesem Morgen Anfang November mit Laurent Geslin verabredet haben, zaubert der Herbstnebel eine geheimnisvolle, watteartige Stimmung. Der Naturfotograf kennt hier jeden Baum, jeden Winkel, jede Senke. Wir folgen ihm in die Hänge, die mit nassem Herbstlaub bedeckt sind, und versuchen, mit ihm Schritt zu halten. Bei einem Baumstumpf legt er eine Pause ein. Für einen kurzen Moment stellt man sich den Luchs in dieser Umgebung vor und ahnt, weshalb der Fotograf sich entschlossen hat, ihm seine ganze Zeit zu widmen.
Laurent Geslin ist in der Bretagne geboren, wo er schon als Kind unbemerkt aus dem Haus schleicht, um die Wildnis zu erkunden. Sein Vater geht mit ihm Pilze sammeln oder Hechte angeln und bringt ihm die Schönheit der bretonischen Landschaften näher. «Bei meiner Grossmutter bin ich heimlich durchs Fenster gestiegen, um in die Natur zu gehen. Damals habe ich auch die ersten Fotos gemacht.»
Vom Fuchs zum Luchs
Später schärft Laurent Geslin seinen fotografischen Blick bei der Freiwilligenarbeit in Naturschutzorganisationen und geht, ohne einen wirklichen Karriereplan zu haben, nach London. Er ist fasziniert von dieser Stadt und veröffentlicht dort seine «Urban Safari»-Bilder in einem ersten Buch.
In England lernt er auch seine heutige Ehefrau kennen. Mit ihr zieht er an den Fuss des Neuenburger Juras, weil sie eine Stelle als Anthropologin an der Universität Neuenburg erhält. So landet Laurent Geslin mitten im Reich eines Tiers, das sein Leben für viele Jahre prägen sollte. Seine ersten Spuren entdeckt er im Schnee auf dem Chasseral.
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Foto: Laurent Geslin
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
Die Katze muss man sich verdienen
Doch bis zur ersten Begegnung dauerte es noch lange. Der bekannte Schweizer Künstler und Naturkenner Robert Hainard äusserte einmal: «Man muss Geduld haben, so lange, bis man Glück hat.» Und so muss sich auch Laurent Geslin die scheue Grosskatze verdienen. Im Februar 2011 ist es schliesslich so weit, und ein paar Monate später entsteht die erste Fotografie.
Laurent Geslin folgt dem Luchs Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, und lernt das Tier im Lauf der Jahreszeiten und bei einzelnen Begegnungen immer besser kennen. Dank Geduld und Ausdauer gewinnt er an Erfahrung: Bald erkennt er die einzelnen Tiere an ihren Spuren im Schnee oder am Muster ihres Fells. Er kann die Rufe eines Weibchens, das mit seinen Jungen kommuniziert, von den Rufen eines brünstigen Männchens unterscheiden. Er kennt die Wege, die die Luchse nehmen, und er weiss, wo er sein Tarnzelt aufstellen muss. Kein Zweifel: Er hat es in die Welt der Luchse geschafft.
Sein Film erzählt nun mit ausgesprochen ästhetischen Bildern die Geschichte einer Luchsfamilie, die in den Jurawäldern lebt. Im Hintergrund schwebt dabei die Botschaft mit, dass die biologische Vielfalt im Wald unverzichtbar ist, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. «Die Wiederansiedlung der Luchse vor 60 Jahren war das Werk von Pionieren, die nicht nur idealistische Ziele verfolgten, sondern sich auch tiefgreifende Gedanken über die Umwelt und die Bedeutung der Wildnis machten. Mit der Rückkehr der Luchse hat der gesamte Wald seine Seele wiedergefunden.»
Wie stark die Kraft der wilden Natur ist, erfährt Laurent Geslin besonders, als er in einer Vollmondnacht unterwegs ist, um die Paarungsrufe der Luchse für die Vertonung seines Films aufzunehmen: Sein Parabolmikrofon übermittelt ihm zunächst das Rascheln der Blätter unter den Pfoten eines herannahenden Luchses und dann plötzlich das Atemgeräusch der Grosskatze, nah, ganz nah. Ein tiefes, dumpfes Schnaufen, das in ihm den jahrtausendealten Angstreflex vor dem Raubtier weckt. «Dabei wusste ich doch genau, dass mir nichts passieren würde! Trotzdem läuft dir in diesem Moment ein Schauer über den Rücken. Nach einem solchen Erlebnis fühlst du dich privilegiert und sehr demütig.»
Schützen, was wir kennen
Genau dieses Gefühl möchte Laurent Geslin mit seinem Publikum teilen. «Man kann nur wiederholen, dass wir nur das schützen, was wir kennen», betont er. Bei der Vorpremiere auf der Piazza Grande im Rahmen des Filmfestivals von Locarno ist der Film vom Publikum begeistert aufgenommen worden. Das liegt sicher auch daran, dass der Film den richtigen Ton getroffen hat, grossartige Bilder zeigt und eine Geschichte erzählt, die sich «in echt» vor unseren Augen abspielt – über den Luchs, aber auch über alle anderen Waldbewohner. Ein erster Film. Sicher nicht der letzte.
FLORENCE KUPFERSCHMID-ENDERLIN, ist Redaktorin der französischsprachigen Ausgabe des Pro Natura Magazins.
Der Film «Luchs» läuft ab Mitte Januar in Deutschschweizer Kinos.
www.lynxlefilm.ch.
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Florence Kupferschmid-Enderlin
- Laurent Geslin