Mediencommuniqué

Abschluss der Uno-Biodiversitätskonferenz in Südkorea Biodiversität: Grosse Hausaufgaben für die Schweiz

17.10.2014

Die Uno-Biodiversitätskonferenz in Südkorea geht heute zu Ende. Die Bilanz ist ernüchternd: Es braucht eine massive Verstärkung der Massnahmen, um die Biodiversität zu erhalten. Das gilt auch für die Schweiz, wie eine vergleichende Analyse der Umweltorganisationen zeigt. Sie fordern ein rascheres Vorgehen gegen den fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt in der Schweiz und weltweit.

 

Heute geht in Pyeongchang in Südkorea die Uno-Biodiversitätskonferenz (Convention on Biological Diversity CBD) zu Ende. Zwei Wochen lang hatten die mehreren tausend Delegierten aus 156 Ländern um Lösungen gerungen, um den weiterhin starken Rückgang der biologischen Vielfalt der Erde zu stoppen. Im Zentrum standen dabei die Biodiversitätsziele, die gemäss dem strategischen Plan der Konvention bis zum Jahr 2020 erreicht werden müssen. Dazu braucht es aber eine massive Verstärkung der Massnahmen, sonst kann die Biodiversität ihre für die Erde und die Menschheit lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen.

 

Auch in der Schweiz massiv mehr Massnahmen nötig

Das gilt ganz besonders auch für die Schweiz, wie eine Analyse von Biodiversitätsexperten von SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz zeigt. Die Analyse macht deutlich, wo die Schweiz im Hinblick auf die Biodiversitätsziele 2020 Fortschritte gemacht hat – und wo nicht. Der Bericht wurde heute auch dem Chef der Schweizer Delegation in Pyeongchang übergeben. Das Resultat der Analyse: Die Schweiz steht bei der Umsetzung der nötigen Massnahmen genauso schlecht da wie die anderen Länder der Welt. Werden die Massnahmen nicht sofort ergriffen und deutlich verstärkt, wird unser Land nur einen Zehntel der Biodiversitätsziele 2020 erreichen. Möglich wären immerhin zwei Drittel Zielerreichung – aber nur, wenn die nötigen Mittel und Ressourcen bereitstehen. SVS/BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz fordern deshalb, dass die Schweiz umgehend mit der Umsetzung der dringenden zusätzlichen Massnahmen beginnt und die nötigen Mittel bereitstellt.

 

Umsetzung der zusätzlichen Massnahmen hat noch gar nicht begonnen

Dies umso mehr, als die Schweiz bisher noch gar nicht mit der Umsetzung der nötigen zusätzlichen Massnahmen begonnen hat. Sie ist noch immer in der Planungsphase, wie sie die Biodiversitätsziele 2020 erreichen will. Nach wie vor fehlt ein Aktionsplan, der zeigt, wie man die 2012 beschlossene Strategie Biodiversität umsetzen will.

 

Der Aktionsplan Biodiversität muss deshalb jetzt rasch vom Bundesrat beschlossen und umgesetzt werden. Nur so wird es möglich, dass die Schweiz wenigstens zwei Drittel der Biodiversitätsziele bis 2020 erreichen kann und für die restlichen Ziele die Voraussetzungen für eine baldige Zielerreichung schafft.

 

 

Auskunft:
Werner Müller, SVS/BirdLife Schweiz (zurzeit an der Biodiversitätskonferenz), 079 448 80 36
Friedrich Wulf, Pro Natura, 079 216 02 06
Fredi Lüthin, WWF Schweiz, 079 750 73 78


Hintergrundinformation

Die Analyse der Umweltorganisationen betreffend der Fortschritte der Schweiz zum Erreichen der Biodiversitätsziele 2020 (Aichi Targets) ist hier zu finden:

http://www.birdlife.ch/sites/default/files/Vergleich_GBO4_Schweiz_2014_DEF.pdf


Die Analyse der globalen Fortschritte, wie sie in der Analyse im linken Teil ersichtlich ist, stammt aus dem offiziellen Global Biodiversity Outlook 4 (GBO-4) der weltweiten Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity CBD), publiziert an der 12. Vertragsstaatenkonferenz vom 6.- 17. Oktober 2014 in Pyeongchang, Südkorea:

GBO-4: http://www.cbd.int/gbo4/

CBD COP 12: http://www.cbd.int/cop12/

 

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Wo die Schweiz besser ist als der Durchschnitt der Länder (9)

• 5.1: Die Waldfläche nimmt in der Schweiz im Gegensatz zum globalen Trend zu. Dies ist allerdings für die Biodiversität nicht nur positiv, da ein Grossteil der neuen Waldfläche auf das Zuwachsen von vielfältigen Magerwiesen im Alpenraum wegen fehlendem Unterhalt zurückzuführen ist. Im Mittelland ist der Wald unter Druck.
• 5.3: Weltweit ist ein starker Trend zur Fragmentierung und Zerstörung von Lebensräumen festzustellen. In der Schweiz ist der Trend auch negativ, doch hat das Land u.a. mit dem revidierten Raumplanungsgesetz Instrumente geschaffen, um den Trend aufzuhalten.
• 6.3 und 6.4: Die Fischerei in Schweizer Gewässern ist deutlich nachhaltiger als die meisten anderen Fischereien weltweit.
• 12.2: Weltweit stehen immer mehr bedrohte Arten der Roten Listen vor dem Aussterben. In der Schweiz ist die Situation ebenfalls gravierend und die Roten Listen sind lang. Unterdessen wurden jedoch für einige Arten Fördermassnahmen getroffen. Die Trendwende ist aber auch in der Schweiz noch nicht erreicht.
• 13.1: Mit einer Fortführung der Massnahmen kann die genetische Vielfalt der Kulturpflanzen gesichert werden.
• 13.2: Die heutigen Massnahmen reichen weitgehend aus, um die Vielfalt der Nutztiere zu erhalten.
• 13.3 Die Schweiz hat die wildlebenden Verwandten von Nutzpflanzen erfasst, aber es braucht noch bedeutende Massnahmen, um sie zu erhalten.
• 14.2 Der Einbezug aller Stakeholder ist in der Schweiz eine Grundregel der Politik.


Wo die Schweiz schlechter ist als der Durchschnitt der Länder (10)

• 1.2: Die Bevölkerung der Schweiz meint, der Zustand der Biodiversität sei viel besser als er in Wirklichkeit ist. Es braucht deutliche Verbesserungen in Information und Bildung.
• 2.3 und 2.4: In volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen erscheinen nur die Kosten und nicht auch die Leistungen der Biodiversität.
• 7.1: Die Landwirtschaft der Schweiz ist noch deutlich zu wenig biodiversitätsverträglich. Viele Kulturlandarten sind weiterhin stark rückläufig. Die Biodiversitätsförderflächen weisen noch nicht die nötige Qualität auf, der Pestizideinsatz ist zu hoch, ebenso die Zufuhr von Nährstoffen.
• 11.1: Mit ihren aktuell 6,2% nationalen Schutzgebieten ist die Schweiz vom Ziel noch weit entfernt. Der Aufbau der nötigen ökologischen Infrastruktur mit mindestens 17% Schutzgebieten wird bis 2020 nicht abgeschlossen sein.
• 11.6: Aufgrund der intensiven Landnutzung ist die Vernetzung der Schutzgebiete mit dem Umland nicht gewährleistet. Der Aufbau der ökologischen Infrastruktur mit den nötigen mindestens 13% Vernetzungsgebieten wird bis 2020 nicht abgeschlossen sein.
• 15.2: Um die am meisten bedrohten Lebensräume wiederherzustellen, braucht es mindestens 15% mehr Fläche dieser Lebensräume. Doch Renaturierungen sind fast ausschliesslich auf Fliessgewässer beschränkt, und es ist ein weiterer Rückgang der bedrohten Lebensräume festzustellen.
• 16.2: In den gesetzlichen Grundlagen zum Nagoya-Protokoll (Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung aus ihrer Nutzung) gibt es Lücken betreffend genetischen Ressourcen, welche vor Inkrafttreten der Bestimmungen im Ursprungsland erworben wurden, und betreffend traditionellem Wissen. Die Verordnungen müssen zudem erst noch erarbeitet werden.
• 17.1: Die Verabschiedung des Aktionsplans Biodiversität ist zwar auf 2015 vorgesehen. Damit dieser Fahrplan wirklich eingehalten werden kann, braucht es nun dringend klare Entscheide für einen griffigen Aktionsplan und die Bereitstellung der nötigen Mittel (Punkt 20). Um das zu erreichen, braucht es sowohl beim Aktionsplan, als auch bei den Mitteln einen massiv verstärkten Einsatz.
• 19.1: Wissen ist in Teilbereichen vorhanden, aber noch nicht umfassend. Zwei wichtige Forschungsprogramme zur Biodiversität und den Ökosystemleistungen wurden in den letzten Monaten nicht bewilligt.

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