Mediencommuniqué

Europaweite Studie: Pestizid-Rückstände auch in Schweizer Urin

13.06.2013

Eine neue Untersuchung im Auftrag von Pro Natura und ihrem internationalen Netzwerk Friends of the Earth findet Spuren des Totalherbizids «Glyphosat» im Urin von Testpersonen. In über 40 Prozent der getesteten Urin-Proben aus 18 europäischen Ländern fand das Labor Rückstände des weltweit am meisten verwendeten. Pflanzenvernichtungsmittels. Auch Proben aus der Schweiz sind betroffen. Wie kommt das Pestizid in unsere Körper? Und was bedeutet das für unsere Gesundheit? Auf diese offenen Fragen erwarten Pro Natura und Friends of the Earth Antworten von den Behörden.


Glyphosat ist eines der am weitesten verbreiteten Pestizide weltweit. Als so genanntes Totalherbizid tötet der Wirkstoff alles ausser den glyphosat-resistenten Nutzpflanzen ab. Eingesetzt wird Glyphosat in der Landwirtschaft, entlang des Schienennetzes und in privaten Gärten. Obwohl weltweit in der konventionellen Landwirtschaft und im Anbau von Gentech-Pflanzen in riesigen Mengen eingesetzt, ist über die langfristigen Auswirkungen des Gifts in Lebensmitteln, Boden oder im Wasser wenig bekannt. Noch weniger Gewissheit besteht über den Verbleib im menschlichen Körper. Die Studie im Auftrag von Friends of the Earth mit Pro Natura hat im Frühjahr 2013 weltweit erstmalig in der Breite Rückstände des Pflanzengifts im menschlichen Urin untersucht – und nachgewiesen. Die europaweite Untersuchung zeigt bedenkliche Resultate.

 

Wie kommt das Pestizid in unsere Körper?

In über 40% aller untersuchten Stichproben aus 18 Ländern wurden signifikante Spuren des Pestizids festgestellt (siehe Kasten). Von den Schweizer Stichproben wiesen 2 von 12 Spuren des Totalherbizids auf. «Wir wollen von den Behörden wissen, über welche Wege das Pestizid in unsere Körper gelangt und was die Folgen für unseren Organismus ist», sagt Marcel Liner, Pro Natura Landwirtschaftsexperte. Obwohl Glyphosat schon 1975 als Totalherbizid zugelassen wurde, gibt es nur wenige unabhängige Studien zu möglichen (Langzeit-)Schädigungen der menschlichen Gesundheit. Aktuellste wissenschaftliche Studien legen den Schluss nahe, dass eine permanente, niedrig dosierte Glyphosat-Aufnahme wie sie durch Friends of the Earth in allen untersuchten Ländern Europas nachgewiesen wurde, das Hormonsystem des Menschen negativ beeinflusst.

 

Keine unabhängigen Risiko-Abschätzungen

Beim Einsatz des hochpotenten Gifts gibt es grosse Sicherheitslücken sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Natur: Die Zulassung des Pflanzenvernichtungsmittels wird praktisch ausschliesslich auf Daten der Hersteller selber abgestützt. Es werden also keine unabhängigen Studien beigezogen. Glyphosat-Kontrollen bei Lebensmitteln fehlen gänzlich. Pro Natura fordert Klärung des Glyphosat-Risikos für Mensch und Umwelt: «Brennend interessieren uns die langfristigen Folgen des Gifteinsatzes für den Menschen, die Biodiversität auf dem Ackerland, für die Tiere und Pflanzen in unseren Oberflächengewässern sowie die Qualität des Grundwassers.» In der Schweiz werden jährlich geschätzte 300 Tonnen des Pflanzengifts verkauft. Tendenz steigend.

 

 

Box: Die Glyphosat-Studie

Insgesamt wurden 182 Urinproben aus 18 europäischen Ländern untersucht. In 80 Proben wurden signifikante Rückstände von Glyphosat gefunden (44%). In allen Ländern wurde Glyphosat im Urin gefunden. Untersucht wurden Proben aus folgenden Ländern: Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Georgien, Grossbritannien, Holland, Kroatien, Litauen, Malta, Mazedonien, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern. Die Proben und deren Analyse stammen aus dem Frühjahr 2013. Die Probanden wohnen allesamt in städtischen Gebieten und hatten selber keinen direkten Kontakt mit Pestiziden als Anwender von Produkten mit Glyphosat. Untersucht wurden sowohl Vegetarierinnen und Vegetarier als auch Fleischkonsumenten. Dies ist die erste europaweite Untersuchung zu Rückständen dieses Pestizids im menschlichen Organismus. Die Studie entstand im Auftrag von Friends of the Earth Europe und wurde ausgeführt vom Medizinischen Labor Bremen in Deutschland. Pro Natura ist das Schweizer Mitglied von Friends of the Earth. 

 

 

Internet:

Hintergründe zu Glyphosat: www.pronatura.ch/landwirtschaft

Friends of the Earth Europe: www.foeeurope.org

 

Weitere Auskünfte:

Marcel Liner, Pro Natura Landwirtschaftsexperte, Tel. 079 730 76 64, marcel.liner@pronatura.ch

Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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