Mediencommuniqué

20 Jahre ökologischer Leistungsnachweis: Note ungenügend

08.11.2016

Der ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) ist seit 20 Jahren Pflicht in der Schweizer Landwirtschaft. Er ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. Im Gegenzug wurde der Bevölkerung eine Verminderung der Umweltbelastung versprochen. Fazit nach 20 Jahren: Der ÖLN erfüllt die Erwartungen nicht. Die Umweltbelastungen sinken nicht merklich. Pro Natura fordert dringende Nachbesserungen.

 

Vor 20 Jahren hat das Stimmvolk den aktuell gültigen Bundesverfassungsartikel 104 Landwirtschaft an der Urne angenommen. Darin verankert ist bis heute der ökologische Leistungsnachweis (ÖLN). Dieser ist Grundlage für den Erhalt von Direktzahlungen des Bundes. Ohne ÖLN keine Bundesgelder. Doch trotz ÖLN ist die Schweizer Landwirtschaft in entscheidenden Bereichen in den letzten 20 Jahren nicht ökologischer geworden. Drei Schlaglichter dokumentieren die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität:

 

Beispiel: Verschlechterung der Biodiversität
Die Landwirtschaft hat den Auftrag, die Biodiversität auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche zu sichern und zu fördern. Zum Beispiel, indem geeignete Lebensräume auf ausreichender Fläche und in der nötigen Qualität und räumlichen Verteilung zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung der Brutvogelbestände im Kulturland zeigt: Dieser Auftrag wird nicht erfüllt. Die Zahl der für das Kulturland typischen Brutvögel nimmt weiter ab.

 

Beispiel: Überdüngung durch zu viel Gülle
Sowohl die Stickstoff- als auch die Phosphoremissionen haben seit der Einführung des ÖLN nur unwesentlich abgenommen. Schuld daran sind die viel zu hohen Tierbestände, die steigenden Kraftfutterimporte und die ungenügenden Berechnungsmethoden in der Düngerbilanz. Das Problem verschärft sich aktuell sogar: Ein wahrer Bauboom für neue Geflügel- und Schweineställe droht die Zielerreichung in noch weitere Ferne zu rücken.

 

Beispiel: Pestizide
Die Verkaufszahlen für Pestizide sind auf unverändert hohem Niveau: Über 2000 Tonnen werden jährlich versprüht. Nicht ohne Folgen: kaum ein untersuchtes Gewässer, in dem kein Pestizidcocktail nachgewiesen werden kann. Bis zu 40 verschiedene Pestizide, vornehmlich aus der Landwirtschaft, belasten das Wasser. Hinzu kommt, dass die Giftstärke der neueren Stoffe wie Neonicotinoide bis zu 5000 Mal höher ist als diejenige von älteren Produkten.

 

Der Leistungsausweis des heutigen ÖLN-Systems ist ungenügend. Die Schweizer Bevölkerung bekommt von der Landwirtschaft im Bereich Umwelt nicht geliefert, was sie per Verfassung bestellt hat und wofür sie jährlich einen guten Teil der drei Milliarden Franken via Bundeskasse bereitstellt. Pro Natura fordert eine Anpassung des Instruments, damit es in den nächsten 20 Jahren die gewünschte Wirkung erzielt.

 

 

Fakten zur Umweltsituation Landwirtschaft im Agrarbericht des Bundes (2015): http://bit.ly/2eOqZuB

 

Weitere Auskünfte:

  • Marcel Liner, Pro Natura Projektleiter Landwirtschaftspolitik, Tel. 079 730 76 64
  • Roland Schuler, Pro Natura Medienverantwortlicher, Tel. 079 826 69 47

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