Mediencommuniqué

Jagdverordnungsrevision: Bundesrätin Leuthard nimmt Jungwölfe ins Visier – und gefährdet Sachpolitik

22.12.2014

Die Jagdverordnungsrevision, die das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard heute ankündigt, schiesst übers Ziel hinaus. Obwohl nur eine einzige – weitgehend unauffällige – Wolfsfamilie in der Schweiz lebt, nimmt Bundesrätin Doris Leuthard jetzt schon die Jungwölfe ins Visier. Pro Natura und der WWF Schweiz sind enttäuscht über diesen kontraproduktiven Schnellschuss. Sie erwarten von Doris Leuthard mehr Engagement für eine lösungsorientierte Sachpolitik.

 

Die Stossrichtung ist klar: Es sollen immer mehr Wölfe immer schneller abgeschossen werden können. Konkret: Bundesrätin Doris Leuthard will zulassen, dass Wölfe und sogar die Jungen eines Rudels schneller abgeschossen werden können.

 

Damit enttäuscht die eigentlich für den Schutz der Biodiversität verantwortliche Bundesrätin Doris Leuthard. Wer bei einem landesweiten Gesamtbestand von gerade mal 25 Wölfen so drastische und unpopuläre Massnahmen plant, folgt der Polemik und Panikmache von ein paar Wenigen. Auf der Strecke bleibt eine moderne Biodiversitätspolitik, die unter Management mehr versteht als den Griff nach dem Gewehr. Abschüsse zerstören die Familienstrukturen des betroffenen Rudels. Wie Studien und Erfahrungen zeigen, erhöht dies die Schäden an Nutztieren oft massiv und ist somit sogar kontraproduktiv.

 

Mittelweg für BR Leuthard offenbar uninteressant

Pro Natura und der WWF Schweiz sind überzeugt, dass eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung eine Politik ablehnt, die regelmässig Abschüsse von Wolfsjungen zulässt. Sie verlangt von den Behörden eine durchdachtere Wolfspolitik: Mehr Leadership weg von einer angstgesteuerten Abschusspolitik, hin zu einem integralen Management!

 

Pro Natura und der WWF fordern seit langem ein nationales sachgerechtes Wolfsmanagement, das nicht nur aus Abschüssen besteht, sondern auch die ökologisch wichtige Rolle des Wolfes (z.B. in die Jagdplanung und den Waldbau), mehr Herdenschutz, sachliche und breite Information der Bevölkerung sowie touristische Aspekte mit einbezieht. Offenbar wird die Stimme der lösungsorientierten Akteure aber bisher nicht wahrgenommen.

 

Nicht nur falsche Massnahme – auch falscher Zeitpunkt

Der Zeitpunkt für die Verordnungsrevision erstaunt, ist doch das Parlament im Begriff, mit der Motion Engler eine Jagdgesetzrevision zu genau diesem Thema zu beschliessen. Damit würde es einen lösungsorientierten Weg aufzeigen, zu welchem Pro Natura und der WWF ihre konstruktive Mitarbeit zugesichert haben. Der Aktivismus von Bundesrätin Doris Leuthard erstaunt umso mehr, da er diesem lösungsorientierten Weg nun zuvorkommt.

 

Internet:

www.pronatura.ch/grossraubtiere

 

Weitere Auskünfte:

Zurück