Mediencommuniqué

Kein Antibiotika mehr auf Vorrat!

16.03.2015

Niemandem kommt es in den Sinn: Antibiotika schlucken ohne krank zu sein. Doch Antibiotika auf Vorrat zu verabreichen ist in der Schweizer Intensivtierhaltung gang und gäbe. Mit weit reichenden Folgen auch für uns Menschen: Es gibt immer mehr Krankheitskeime, die auf Antibiotika nicht mehr reagieren. Pro Natura fordert ein Verbot des präventiven Antibiotika-Einsatzes. Und insgesamt eine drastische Reduktion von Antibiotika in der Tierhaltung. Heute werden über 50 Tonnen Antibiotika pro Jahr verabreicht.

 

Antibiotika retten Leben. Doch übermässiger und unsachgemässer Einsatz in der Human- wie auch Veterinärmedizin hat dazu geführt, dass immer mehr Bakterien gegen Antibiotika immun geworden sind. Die Zunahme von Resistenzen gegenüber wichtigen Antibiotikagruppen und von multiresistenten Keimen ist beunruhigend. Dringender Handlungsbedarf ist gegeben. Erst kürzlich hat die eidgenössische Kommission für Biosicherheit denn auch gewarnt: Krankheitserreger, die gegen die vorhandenen Antibiotika resistent sind, seien «die grösste Bedrohung für die Gesundheit in der Schweiz». Dagegen will der Bundesrat endlich etwas unternehmen. Er hat eine Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen in Anhörung gegeben. Die Anhörung endete am 15. März 2015.

 

Leider fehlen in der Strategie zentrale Punkte, damit die Antibiotikastrategie auch wirklich zu einer Verbesserung der aktuell ungenügenden Situation führen kann. Pro Natura fordert den Bund auf, die Antibiotikastrategie in den folgenden Punkten zu ergänzen:

 

Kein Antibiotika auf Vorrat verabreichen
Präventive Antibiotikagaben in der Tierhaltung müssen in Zukunft verboten werden. Eine so intensive Tierhaltung, die nur existieren kann, wenn die Tiere vorsorglich Medikamente erhalten, weil sie andernfalls krank würden, muss geändert werden.

 

Insgesamt weniger Antibiotika in der Tierhaltung
Die Behörden müssen schnell einen erfolgreichen Weg einschlagen, um den Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft auch insgesamt zu senken. Dafür soll der Bundesrat einem Amt die Federführung eindeutig übergeben. Aktuell herrscht ein Führungsvakuum, das dazu führt, dass das für die menschliche Gesundheit hochriskante Thema «Antibiotika-Resistenzen» einer heissen Kartoffel gleich herumgereicht wird.

 

Antibiotika-Milch sachgerecht entsorgen
Zudem soll ab sofort keine Antibiotika-Milch im Tierfutter, in der Gülle oder in der Kanalisation entsorgt werden dürfen. Heute gelangen über 80'000 Tonnen Milch aus der intensiven Milchproduktion mit Antibiotika-Rückständen entweder zu gesunden Rindern oder werden direkt ins Güllenloch oder in die Kanalisation entsorgt. Damit soll Schluss sein.

 

Freiwilliger Verzicht und weitsichtige Tierärzte
Gefordert sind auch die Tierärzte: Sie verschreiben jedes Jahr über 50 Tonnen Antibiotika an Nutztiere. Ausserdem sind auch kritische Bauern gefragt: Jeder Bauernbetrieb sollte von sich aus Antibiotika in der Tierhaltung möglichst auf medizinische Notfälle reduzieren. Jedes eingesparte Antibiotikum senkt die Kosten in der Landwirtschaft und nützt dem Menschen, den Tieren und der Umwelt.

 

 

Weitere Auskünfte:
Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik, Tel. 061 317 92 40, marcel.liner@pronatura.ch
Pro Natura Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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