Mediencommuniqué

Offener Brief an den Bündner Regierungsrat

22.11.2012

Sehr geehrter Herr Regierungsrat Cavigelli

 

M13 bewegt die Gemüter in der ganzen Schweiz. Wir verfolgen die Entwicklung und danken Ihnen für Ihren bisher konstruktiven Umgang mit dem Bären. Wir sind aber besorgt über die aktuelle Situation. Daher möchten wir Ihnen unsere Vorstellungen zum weiteren Umgang mit dem Bären mitteilen.

 

Zurzeit werden die Emotionen geschürt und die Puschlaver Bevölkerung verunsichert. Dies erfolgt teilweise mit falschen Aussagen, aber auch mit hetzerischen Aktivitäten politischer Kreise. Es ist bekannt, dass die Lega Nord aus Italien sich in den Konflikt eingeschaltet hat. Wir bitten Sie, sich weiterhin für einen massvollen und angebrachten Umgang mit M13 einzusetzen. M13 ist zwar ein auffälliger, aber kein gefährlicher Bär. Er hat bisher keinerlei aggressives Verhalten gezeigt, sondern ist auf der Suche nach Futter. Neugierigen Bären wie JJ3 und M13 wird diese Eigenschaft nur dann zum Verhängnis, wenn sie Zugang zu menschlicher Nahrung haben und sich an diese gewöhnen. So hat M13 bei seinem ersten Besuch im Puschlav unbeschützte Schafe vorgefunden und hat sich an diesen Ort erinnert. Zuvor ist er unbemerkt und ohne Zwischenfälle zweimal durchs Münstertal gewandert.

 

Damit diese Probleme in Zukunft nicht mehr entstehen, müssen sich potentielle Bärengebiete im Kanton Graubünden besser auf die Rückkehr von Bären vorbereiten. Diese Regionen müssen – wie im Münstertal und teilweise im Unterengadin – präventiv Schutzmassnahmen für Nutztiere, Bienenhäuser und anthropogene Nahrungsquellen umsetzen oder so vorbereiten, dass sie sofort bei der Anwesenheit eines Bären realisiert werden können.

 

Die Kommunikation spielt bei der Rückkehr von grossen Beutegreifern wie Wolf, Bär und Luchs eine entscheidende Rolle. Wir sind sehr froh darüber, dass Sie differenziert, unaufgeregt und transparent über die Lage informieren. Wir wünschen uns, dass die aktuelle Situation von ausgewiesenen Bärenexperten beurteilt und die Bevölkerung breit und sachlich über den Umgang, das Verhalten und die Lebensweise von Bären aufgeklärt wird. Dazu hat Pro Natura den Gemeindebehörden im Puschlav ihre inhaltliche und finanzielle Hilfe angeboten.

 

Ein grosser Teil der Bevölkerung – auch der lokalen – steht dem Bären weniger skeptisch gegenüber als es zurzeit den Anschein macht. Doch sind diese Stimmen leise und bleiben meist ungehört. Lassen Sie nicht zu, dass die lauten Rufer die Situation bestimmen. Das Münstertal hat gezeigt, dass ein Nebeneinander möglich ist. Es gilt nun, die potentiellen Gebiete aktiv auf die Einwanderung von Bären vorzubereiten und sie mit Hilfe von Experten bei der Umsetzung der notwendigen Massnahmen zu unterstützen. Wir zählen auf Ihr Engagement! Freundliche Grüsse Pro Natura Silva Semadeni

 

Freundliche Grüsse

Pro Natura

 

Silva Semadeni

Präsidentin

   

Otto Sieber

Zentralsekretär

 

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