Mediencommuniqué

Pro Natura baut über 100 neue Tümpel und sucht Verbündete

22.11.2013

Frösche, Kröten und Molche haben es zunehmend schwer in der Schweiz. Sie sitzen auf dem Trockenen, da der Mensch in den letzten 200 Jahren unzählige Feuchtgebiete wie Auen, Tümpel, Teiche und Feuchtwiesen entwässert hat. Zwei ehrgeizige Rettungsaktionen von Pro Natura sollen Abhilfe schaffen: Die Naturschutzorganisation baut selber in den nächsten zwei Jahren über 100 neue Tümpel und sucht – vorerst in der Romandie – Gemeinden, die sich mit eigenen Projekten ebenfalls für den Erhalt der Amphibien in der Schweiz einsetzen.

 

Die Bestände der Kreuzkröte, der Geburtshelferkröte, der Gelbbauchunke, des Laubfroschs, des Kamm- und des Teichmolchs sind in den letzten 20 Jahren um nicht weniger als die Hälfte zurückgegangen – obwohl sie gesetzlich geschützt sind. Eine Art, die Wechselkröte, ist bereits ausgestorben. Insgesamt stehen 70 Prozent der 20 Amphibienarten auf der Roten Liste. Dem Elend der Amphibien in der Schweiz will Pro Natura im Rahmen ihrer Kampagne «Mehr Weiher für Frosch & Co.» gleich mit zwei Rettungsaktionen Abhilfe verschaffen.

 

Das grosse Buddeln

Pro Natura plant zusammen mit ihren kantonalen Sektionen eine «Tümpel-Offensive»: Zwischen 2013 und 2015 will die Naturschutzorganisation selbst mindestens 100 zeitweise Wasser führende Gewässer, sogenannte Tümpel, schaffen, die jeweils im Herbst austrocknen. Tümpel sind besonders wichtige Lebensräume für Amphibien, da durch das zeitweilige Austrocknen natürliche Fressfeinde wie Fische dort nicht vorkommen (siehe Box). Dieses Projekt ist auf Kurs. Die ersten 35 Gewässer wurden bereits realisiert. Weitere folgen in den kommenden Monaten, wenn die Amphibien in der Winterruhe sind. Dass Tümpel eine grosse Wirkung auf einzelne Amphibienbestände haben können, zeigt sich am Beispiel der Saane im Kanton Freiburg: Zwischen Auried und der Oltigenmatt schuf Pro Natura zwischen 2001 und 2007 total 14 Tümpel. Profitiert hat unter anderem der Laubfrosch, dessen Bestand sich seither in etwa verdoppelte.

 

«Wasserstädte» gesucht

Unter dem Titel «Cités d`eau» lanciert Pro Natura eine zweite Rettungsaktion für Frösche & Co. Dabei will sie im Rahmen eines Pilotprojekts Gemeinden, vorerst in der Romandie, einspannen, die unter Anleitung von Amphibienspezialisten auf ihrem Gemeindegebiet selber weitere Tümpel bauen. Sophie Michaud Gigon, Leiterin des Secrétariat Romand von Pro Natura: «Wir hoffen, dass jede zehnte der rund 800 Westschweizer Gemeinden beim Projekt ‚Cités d’eau’ mitmacht. Gelingt das, wird Pro Natura das Projekt auch auf die übrige Schweiz ausdehnen.»

 

((Box))

Besonders gefährdete Amphibien brauchen Tümpel

Die Ursache für den Rückgang der einheimischen Amphibienarten ist vorwiegend im Verlust an Lebensraum zu finden. Flüsse und Bäche wurden begradigt, offenes Land grossflächig entwässert – die Feuchtgebiete, die Kinderstuben der Amphibien, verschwanden. Zwar wurden in den vergangenen Jahren durch Gemeinden, Naturschutzvereine und Schulen wieder zahlreiche Weiher für Amphibien gebaut, doch heute weiss man, dass dies nicht allen Arten genügend hilft. Gerade Geburtshelferkröte, Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Laubfrosch sowie Kamm- und Teichmolch sind auf Gewässer angewiesen, die von Zeit zu Zeit austrocknen. Weiher jedoch führen immer Wasser und sind für die Fortpflanzung dieser Amphibienarten weniger geeignet, da sich in ihnen auch Fressfeinde des Amphibienlaichs und der Kaulquappen breitmachen. Pro Natura ruft deshalb zwei Projekte ins Leben, die ganz gezielt diesen besonders gefährdeten Amphibienarten helfen sollen.

 

Internet:

www.pronatura.ch/projekt-cites-deau

www.pronatura.ch/froesche

 

Weitere Auskünfte:

Beat Hauenstein, Koordinator der Kampagne «Mehr Weiher für Frosch & Co.», Tel. 061 317 92 36, beat.hauenstein@pronatura.ch

 

Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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