Mediencommuniqué

Pro Natura freut sich über Wolfsnachwuchs

06.09.2012

Erstmals Wolfsfamilie in der Schweiz nachgewiesen

 

Zum ersten Mal seit der Ausrottung vor über hundert Jahren konnte Wolfsnachwuchs in der Schweiz nachgewiesen werden. Am Kunkelspass im Kanton Graubünden konnten mit Fotofallen Bilder von den Welpen gemacht werden. Pro Natura freut sich, dass damit die Grundlage für die Bildung eines Wolfsbestandes in der Schweiz besteht.


17 Jahre nachdem der erste Wolf aus Italien wieder zurück in die Schweiz gewandert war, konnte am Kunkelspass im Kanton Graubünden gemäss einer Mitteilung des kantonalen Amts für Jagd und Fischerei eine erste Fortpflanzung von Wölfen in der Schweiz nachgewiesen werden. Pro Natura freut sich über dieses Ereignis. «Es besteht die Hoffnung, dass sich nun in der Schweiz ein kleiner Wolfsbestand etablieren kann», sagt Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura. Wolfsfamilien haben ein reiches Sozialleben, sind jedoch nicht hierarchisch organisiert, wie oft behauptet.

 

Keine Negativpropaganda

Pro Natura fordert Nutztierhalter weiterhin dazu auf, ihre Herden effektiv zu schützen. Dass Nutztierherden durch mehrere Wölfe stärker gefährdet sein könnten, ist nicht erwiesen. So lange Herden geschützt sind, ziehen Wölfe meist ihre natürliche Nahrung, nämlich Wildtiere, vor. Der Herdenschutz wird vom Bundesamt für Umwelt und vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt. Auch die Politik ist gefordert. Pro Natura erwartet, dass der gemeinsame, pragmatische Weg, den Schafzüchter, Jäger und Naturschützer eingeschlagen haben, von den Parteien und den Vertretern der Regionen im Parlament mitgetragen und unterstützt wird.

 

Vor über hundert Jahren wurde der Wolf in der Schweiz ausgerottet. Nur wenige Individuen überlebten in Italien. Von dort wandern seit 1995 wieder einzelne junge Wolfsmännchen zurück in die Schweiz ein. Seit 2002 folgen ihnen einzelne weibliche Tiere. Die Schweiz tut sich mit dieser Entwicklung schwer. Acht Wölfe wurden bis heute legal, einer offiziell illegal geschossen. Diese Rückkehr der Wölfe mit Abschüssen aufhalten zu können, anstatt konstruktiv nach Lösungen zu suchen, bleibt eine Illusion.

 

 

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Die Wolfsfamilie
Wolfsfamilien sind Sozialverbände unter Wölfen, auch bekannt als «Rudel». In der Schweiz werden die Familienverbände gemäss Erfahrungen aus Deutschland, Frankreich oder Italien wohl nicht mehr als sechs bis acht Tiere haben. Normalerweise sind das die Elterntiere mit ihrem Nachwuchs und teilweise den Jungtieren des vergangenen Jahres, welche später abwandern und sich ein eigenes Territorium suchen.
 
Wolfsbegegnung: Was ist zu beachten?
Begegnungen mit wildlebenden Wölfen sind ausgesprochen selten. Wölfe sind sehr scheue Tiere mit einem besonderen Geruchssinn. Lange bevor wir Menschen einen Wolf sehen, hat er uns bereits gewittert und weicht aus. Es besteht kein Grund, sich zu fürchten. Natürlich gilt auch bei Wölfen, was für Begegnungen mit anderen wildlebenden Tieren gilt: Man zollt ihnen den nötigen Respekt. Dies gilt besonders bei Wolfsfamilien.

 

 

Internet:

www.pronatura.ch/wolf

 

Weitere Auskünfte:

Mirjam Ballmer, Pro Natura Projektleiterin Naturschutzpolitik, Tel. 061 317 92 08, mirjam.ballmer@pronatura.ch

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