Mediencommuniqué

Projekt «Allegra Geissenpeter» im Bergell: Einsatz für Bergbauern und Blumenwiesen

02.05.2013

Ehemals viel genutzt, sind die Südhänge im Bergell heute vielerorts verbuscht und vom Wald zurückerobert. Damit sind eine reichhaltige Blumenpracht und landwirtschaftliche Nutzflächen verschwunden. Pro Natura hat in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des Projekts «Allegra Geissenpeter» diese ehemaligen Trockenwiesen wieder aufgelichtet, sodass sie wieder von Bergbauern rentabel bewirtschaftet werden können. Ab heute machen bei Soglio wieder Zivildienstleistende die Wiesen fit für die bevorstehende Beweidung durch Dexter-Rinder und Ziegen.

 

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war ein grosser Teil der Südhänge im Bergell als Mähwiesen genutzt worden. Doch seit dem zweiten Weltkrieg ist die Landwirtschaft in diesen Gebieten geradezu zusammengebrochen. In Soglio schrumpften die Wiesenflächen innerhalb einer Generation von 254 auf 70 Hektaren. Die grossen, national bedeutenden Trockenwiesenstandorte und Kastanienselven verbuschten und verwaldeten. Vor zwei Jahren startete Pro Natura im Rahmen ihres Beweidungsprojekts «Allegra Geissenpeter» die Arbeiten im Bergeller Dorf Soglio. Seit damals ist in insgesamt 5 Einsatzwochen mit je 10-12 Zivildienstleistenden eine Fläche von mehr als 14 Fussballfeldern entbuscht und aufgewertet worden. Heute startet die nächste Tranche der Entbuschungen, bevor dann abhängig von der Witterung Ende Mai oder Anfang Juni in diesen Flächen wieder Nutztiere weiden werden.

 

Angepasste Nutzung durch Dexter-Rinder

Diese Trockenstandorte in Soglio werden von vier Landwirten künftig angepasst und nachhaltig bewirtschaftet, nachdem die Nutzung im vorigen Jahrhundert aufgegeben werden musste, da sie nicht mehr rentabel zu betreiben war. Seit Herbst 2011 werden für diese Nutzung Ziegen und eine spezielle Rinderrasse, die so genannten Dexter-Rinder, eingesetzt. Die kleine Rinderrasse ist sehr robust und ihr geringes Gewicht und ihre kleine Grösse eignen sich vorzüglich zur Beweidung dieses stark strukturierten Gebietes. Die Eingliederung der Flächen in die bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe hat stattgefunden, die Bewirtschaftung ist durch Verträge mit dem kantonalen Amt für Natur und Umwelt Graubünden gesichert und die neu aufgewerteten Flächen wurden auf gut einem Drittel als Landwirtschaftliche Nutzfläche anerkannt, was die Voraussetzung zum Erhalt von Direktzahlungen ist. Ohne diese Direktzahlungen, wäre eine Nutzung nicht rentabel. Die Anerkennung der ausstehenden beiden Drittel ist auf Frühjahr 2013 geplant. Bereits jetzt ist die Vielfalt an Pflanzen, Heuschrecken und Schmetterlingen sehr gross. Die definitive Wirkung der Massnahmen kann aber erst durch die Erfolgskontrolle im Jahr 2015 festgestellt werden. Das Projekt in Soglio hat Halbzeit.

 

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«Allegra Geissenpeter» – Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand

«Allegra Geissenpeter» ist ein Projekt von Pro Natura, das in mehreren Regionen der Schweiz ehemals landwirtschaftlich genutzte Berghänge aufwertet und zusammen mit ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirten wieder nutzbar macht. Weitere Standorte des Projekts «Allegra Geissenpeter» nebst Soglio im Bergell sind das Churer Rheintal und das Gebiet Chalais im Wallis. Seit 2006 läuft das Pro Natura Projekt sehr erfolgreich. Die wichtigen Aufwertungen in Soglio werden zu grossen Teilen finanziert durch Coop. Im UNO-Jahr der Biodiversität 2010 hat die gemeinsame Wildblumen-Mitmach-Aktion von Coop und Pro Natura die Aufwertung von rund 280'000 Quadratmetern ehemaliger Blumenwiesen ermöglicht.

 

Internet:

www.pronatura.ch/allegra-geissenpeter

 

Weitere Auskünfte:

Wolfgang Bischoff, Pro Natura Projektleiter Schutzgebiete,

Tel. 076 559 57 57, wolfgang.bischoff@pronatura.ch

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