Mediencommuniqué

So lässt sich der Doubs retten

26.07.2013

Alte Wehre müssen abgebaut, die zerstörerischen künstlichen Hoch- und Niedrigwasser durch die Wasserkraftnutzung beseitigt, die Kläranlagen am Fluss revidiert und das Düngeregime der anliegenden Landwirtschaft naturverträglich ausgerichtet werden. Mit diesen konkreten Empfehlungen gelangen Pro Natura, der WWF Schweiz und der Schweizerische Fischerei-Verband heute an die Berner Konvention. Damit wollen die Verbände den einzigartigen Fluss an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich retten.

 

Der Doubs stirbt. Und mit ihm sein geschützter Bewohner, der «Roi du Doubs». Eine Fischart, die weltweit nur noch in kleiner Anzahl an vier Orten vorkommt. Das Vorkommen im französisch-schweizerischen Grenzfluss ist das einzige in der Schweiz. Nachdem Pro Natura, der WWF Schweiz und der Schweizerische Fischerei-Verband im Jahr 2013 die Untätigkeit der Schweiz und Frankreich zur Rettung dieses einzigartigen Flusses und des aussterbenden Fisches bei der Berner Konvention angeklagt hatten, geht das Ringen um das Überleben des einzigartigen Flusses in eine weitere Runde. Als Nächstes müssen die Verantwortlichen der Berner Konvention entscheiden, ob die Klage der Umweltverbände angenommen wird. Zurzeit wird ein entsprechender Bericht als Entscheidbasis verfasst. Der Doubs ist ein Schutzgebiet von europäischer Bedeutung (Smaragd- und Natura-2000-Gebiet). Er beherbergt nebst dem «Roi du Doubs» eine Reihe weiterer geschützter und seltener Fischarten.

 

Naturschutz und Fischerei fordern Verbesserungen

Pro Natura, der WWF Schweiz und der SFV haben dem Experten der Berner Konvention folgende Forderungen übermittelt:

• Die künstlichen Hoch- und Niedrigwasser (Schwall-Sunk) durch die Wasserkraftwerke im Fluss müssen minimiert oder beseitigt werden, damit der Lebensraum der Fische und Wasserlebewesen nicht im Tagesrhythmus austrocknet respektive überflutet wird.

• Bei Starkregen laufen Kläranlagen entlang des Flusses regelmässig über, und ungereinigtes Abwasser gelangt direkt in den Fluss. Zudem werden schädliche Mikroverunreinigungen und Wirkstoffe in den Fluss gespült. Das ist untragbar. Diese Kläranlagen müssen dringend auf einen modernen technischen Stand gebracht werden.

• Das Dünge-Regime der umliegenden Landwirtschaft muss naturverträglich gestaltet werden: Die Viehbestandsdichten sind zu hoch, und es gelangt zuviel Dünger in den Fluss, was zu einer Verschlechterung der Wasserqualität führt.

• Die Wander-Hindernisse in Form von alten Wehren unterhalb von St. Ursanne müssen entfernt werden, damit die voneinander getrennten Fischpopulationen seltener und bedrohter Arten wieder zusammenkommen und sich vermehren können.

 

Kaum ein Fluss hat eine derart hohe ökologische Bedeutung in der Schweiz. Die Verbände fordern daher einen Ausnahmestatus für den Fluss mit hoher Priorität für den Naturschutz. Die geforderten Massnahmen müssen umgehend angegangen werden.

 

Weitere Auskünfte:

Friedrich Wulf, Pro Natura Biodiversitätsexperte, Tel. 061 317 92 42, friedrich.wulf@pronatura.ch

Thomas Ammann, Fischexperte WWF Schweiz, Tel. 078 721 33 06, thomas.ammann@wwf.ch

Roland Seiler, SFV Zentralpräsident, Tel. 031 859 09 10, roland.seiler@roland-seiler.ch

Zurück