Mediencommuniqué

Torfausstieg: Aldi, Jumbo, Landi, Migros und Co. sind gefordert

06.03.2012

Mit Coop will ein grosser Player im Handel mit Gartenerden den Torfanteil in ihren Erd-Produkten massiv senken. Das ist ein starkes Signal, dass torffreie Schweizer Gärten Realität werden können. Pro Natura ruft Aldi, Jumbo, Landi, Migros und Co. sowie die Gartenerdenproduzenten auf, dem Beispiel von Coop zu folgen. Damit die Moorlandschaften nicht nur in der Schweiz geschützt sind, sondern auch im Ausland erhalten bleiben.

 

Moore und Moorlandschaften sind nicht nur einzigartige Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: In den Torfböden von Mooren lagern Tausende Tonnen C02, das aus der Atmosphäre gebunden wird. Wird ein Moor zerstört, wird dieses CO2 auf einmal freigesetzt und befeuert den unnatürlichen Klimawandel.

 

Coop hat die Zeichen der Zeit erkannt und möchte ab 2013 bei ihren Eigenmarken komplett auf Torf verzichten. Gleichzeitig verpflichtet Coop ihre Lieferanten, den Torfanteil in ihren Markenprodukten ebenfalls massiv zu senken. So soll bis 2016 der Torfanteil des Gesamtvolumens an Blumen- und Pflanzenerden im Sortiment nur noch maximal fünf Prozent betragen. «Coop macht einen ersten, wichtigen Schritt auf dem Weg zu torffreien Schweizer Gärten. Coop macht vor, dass eine massive Reduktion von Torf in Gartenerden möglich ist», sagt Beat Hauenstein, Kampagnenkoordinator bei Pro Natura. Er fordert: «Es darf nicht bei einem Anbieter bleiben. Nun müssen auch die übrigen Händler wie Jumbo, Landi oder OBI, aber auch die Produzenten nachziehen.»

 

Ratgeber für Konsumentinnen und Konsumenten
Damit Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer heute schon zu einem torffreien Garten kommen können, hat Pro Natura einen Ratgeber zum Thema «Torffrei gärtnern» herausgegeben. «Aufgeklärte Konsumentinnen und Konsumenten sind neben einem breiten torffreien Erdenangebot ein Schlüssel zum Ausstieg aus der Moorzerstörung im Ausland», ist Beat Hauenstein überzeugt. Der Flyer kann gratis bei Pro Natura bezogen oder unter www.pronatura.ch/torffrei heruntergeladen werden. Ebenfalls unter dieser Adresse ist eine Liste mit den im Schweizer Handel erhältlichen torffreien Substraten zu finden. Während einige Händler ein beachtliches torffreies Sortiment vorweisen können, scheinen andere keine entsprechenden Produkte zu führen.

 

Torf im Garten wie Elfenbein in der Stube
In der Schweiz ist der Abbau von Torf seit der Rothenthurm-Initiative im Jahr 1987 verboten. In Schweizer Gärten ist abgebauter Torf aber immer noch gang und gäbe. Nur kommt er aus dem Ausland, vor allem aus den Baltischen Staaten. Ca. 150'000 Tonnen reiner Torf werden jährlich in die Schweiz importiert. «Torf im eigenen Garten ist wie der Stosszahn eines Elefanten in der Stube: Unnütz und nur durch Raubbau an der Natur zu gewinnen. Für Torf in unserer Gartenerde verschwinden täglich Jahrtausende alte Moorlandschaften, vor allem im Baltikum», erklärt Beat Hauenstein, Kampagnenkoordinator bei Pro Natura. «Heute kann man wunderbare Gewächse im eigenen Garten ziehen, ohne dass Torf der Gartenerde beigemischt sein muss. Es gibt hochwertige, natürliche Torfersatzstoffe.» Im August 2012 muss der Bundesrat zu einem Postulat von Ständerätin Verena Diener Stellung nehmen, das für die Schweiz eine Torfausstieg-Strategie verlangt. (3270 Zeichen)


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Jahrtausende alte Moore verschwinden
Torf wird aus Moorlandschaften gewonnen. Abgestorbene Pflanzenteile bilden während Jahrtausenden mit einer Wachstumsrate von einem Millimeter pro Jahr meterdicke Torfkörper. Bei deren Abbau werden die Moore zerstört. Die derzeit im Baltikum für unsere Erdprodukte abgebauten Moore sind durchschnittlich 3000 Jahre alt. Diese haben einen einzigartigen ökologischen Wert: Sie wirken als Schwamm, indem sie Regenwasser speichern und bei Hochwasser vor Überschwemmungen schützen. Sie wirken als Trinkwasserreiniger, indem sie Schadstoffe aus dem Wasser filtern. Und sie binden tonnenweise CO2 aus der Atmosphäre. Moore und ihre Torfkörper sind vor allem auch einzigartige Lebensräume für ganz seltene und hochsensible Pflanzen, die nur dort überleben können. (795 Zeichen)


Internet:
www.pronatura.ch/torffrei
www.pronatura.ch/moore

 

Weitere Auskünfte:
Beat Hauenstein, Pro Natura Koordinator der Kampagne «Biodiversität – jede Art zählt!»,
Tel. 061 317 92 36, beat.hauenstein@pronatura.ch

 

Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

 

 

Dieses Communiqué erscheint auch auf Französisch und unter www.pronatura.ch/medien.

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