Mediencommuniqué

Beugger-Preis 2016: Gartenrotschwanz-Projekt im Siedlungsraum von La Chaux-de-Fonds ausgezeichnet

09.06.2016

Der mit 50’000 Franken dotierte Elisabeth und Oscar Beugger-Preis 2016 geht an die Gartenrotschwanz-Gruppe (Gràfb) von La Chaux-de-Fonds. Der Gartenrotschwanz, einer unserer schönsten Singvögel, fühlt sich in Siedlungsgebieten mit lockerer Bebauung und grosser Naturvielfalt wohl. Das beispielhafte Projekt in La Chaux-de-Fonds ergreift gezielte Massnahmen, um das Lebensraumangebot für diese typische Art zu vergrössern und sorgt damit für mehr Biodiversität im Siedlungsraum. Unter anderem werden zusätzliche Bäume gepflanzt oder wertvolle Kleinstrukturen geschaffen. Ziel ist, in der Stadt ein Netz von Grünflächen aufzubauen, das auch mehr Lebensqualität für die Bevölkerung bringen wird.

 

Pro Natura und die Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung zeichnen alle zwei Jahre ein besonderes Naturschutzprojekt mit dem Beugger-Preis aus (vgl. Kasten). Thema der diesjährigen Ausschreibung war die Förderung der Naturvielfalt im Siedlungsraum. Die Jury hat ihren Entscheid ohne Zögern gefällt: Der mit 50’000 Franken dotierte Preis geht an das Projekt «Netz von Grünräumen in der Stadt La Chaux-de-Fonds – unter den Fittichen des Gartenrotschwanzes». Dieses Projekt ist ein Vorzeigebeispiel für die Förderung der Biodiversität in Stadtquartieren, die noch über Grünflächen verfügen. Durch die Pflanzung zusätzlicher Bäume und durch gezielte Massnahmen im Bereich der Krautschicht werden bessere Bedingungen für die Natur und insbesondere für den Gartenrotschwanz geschaffen. Gleichzeitig erhöht sich dadurch die Lebensqualität der Stadtbewohnerinnen und 
-bewohner.


Grünes Netz in der Stadt La Chaux-de-Fonds
Die Ausscheidung geeigneter Stadtgebiete erfolgte auf Grundlage wissenschaftlicher Studien, in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne und mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Partner. Die Wahl fiel auf Quartiere, die sich für den Gartenrotschwanz besonders eignen oder entsprechendes Aufwertungspotenzial besitzen. 2016 beginnt eine neue Projektphase in enger Zusammenarbeit mit der Stadt La Chaux-de-Fonds, ihrem Naturhistorischen Museum und ihren Dienststellen für Stadtplanung und Umwelt sowie derjenigen für Grünflächen.

Als Art mit Symbolcharakter ist der Gartenrotschwanz gut geeignet, die Bevölkerung für die Naturvielfalt im Siedlungsraum zu sensibilisieren. In den Quartieren mit Aufwertungspotenzial sind Eigentümer und Mieter aufgerufen, die Grünflächen so zu gestalten, dass sie für den Gartenrotschwanz günstig sind. Durch die Verbindung und Vergrösserung dieser Zonen entsteht im Stadtraum von La Chaux-de-Fonds ein «grünes Netz», das auch von der Stadtplanung berücksichtigt wird.

 

Die Stadt als Ersatz für Verluste im Landwirtschaftsgebiet
Die Schweiz ist von einem extremen Landschaftswandel betroffen: In den letzten 65 Jahren hat die bebaute Fläche um 125% zugenommen (ARE 2009). Gleichzeitig führte die Intensivierung der Landwirtschaft zu einer derart starken Banalisierung der ländlichen Gebiete, dass diese heute oftmals eine geringere Naturvielfalt aufweisen als städtische Räume. Dem Gartenrotschwanz, der einst ein typischer Bewohner ländlicher Lebensräume war, bescherte diese Entwicklung einen starken Bestandesrückgang. Heute steht er auf der Roten Liste der Brutvögel. Er gilt als potenziell gefährdet und zählt zu den 50 Brutvogelarten, für die spezielle Erhaltungsmassnahmen prioritär sind. In der Stadt La Chaux-de-Fonds erhält er nun eine zweite Chance.

 

 

((Box 1))

Die Schweiz tut zu wenig für die Biodiversität
Ein Drittel aller Pflanzenarten und 40% aller Tierarten stehen in der Schweiz auf der Roten Liste. Dieser hohe Anteil an bedrohten Arten zeigt, dass die Schweiz zu wenig tut, um die Biodiversität zu erhalten. Deshalb handelt Pro Natura und setzt sich aktiv für die Förderung von vielen Tier- und Pflanzenarten und ihren Lebensräumen ein. Dies geschieht sowohl über die Realisierung eigener Projekte wie auch die Unterstützung von Dritten.
Weitere Informationen: www.pronatura.ch/artenschutz

 

((Box 2))

Beugger-Preis und Beugger-Stiftung
Der Elisabeth und Oscar Beugger-Preis wird von Pro Natura im Auftrag und im Namen der Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung verliehen. Alle zwei Jahre wird der Beugger-Preis an beispielhafte Naturschutzprojekte in der Schweiz vergeben. Ausgezeichnet werden Projekte aus den Sparten «Artenschutz und Artenförderung», «Schutzgebiete» sowie «Landschaftsschutz». Der Preis, mit 50'000 Franken dotiert, ist einer der bedeutendsten Naturschutzpreise der Schweiz.

 

Die Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung mit Sitz in Basel wurde im Jahr 2004 von Frau Elisabeth Beugger gegründet. Der Name der Stiftung erinnert an Oscar Beugger, ihren im Februar 2004 verstorbenen Ehemann, und an dessen Vater, Emanuel Beugger. Die ausschliesslich gemeinnützige Stiftung bezweckt die Förderung von Projekten und Institutionen auf dem Gebiet des Natur- und Tierschutzes in der Schweiz.

 

Bisherige Preisträger waren die Fondazione Bolle di Magadino für das Aufwertungsprojekt des Ticino-Deltas (2008), der Kanton Uri für sein Wildheu-Förderprogramm «Wildheu Uri» (2010), die Gemeinde Mörel-Filet (VS) für ihre ökologische Alpaufwertung (2012) und das «Vernetzungsprojekt Höfe» im Kanton Schwyz für die Schaffung neuer Feuchtgebiete (2014).

 

Internet:
www.pronatura.ch/beugger-preis
www.chaux-de-fonds.ch/frontblanc (auf Französisch)


Pressebilder:

www.pronatura.ch/bilder-beugger-preis-2016


Weitere Auskünfte:
Urs Tester, Pro Natura, Leiter Abteilung Biotope und Arten, Tel. 079 534 16 32, urs.tester@pronatura.ch
Andreas Murbach, Stiftungsrat der Emanuel und Oscar Beugger-Stiftung, Tel. 076 377 85 66, andreas.murbach@ubs.com

 

Für die Preisträger: Valéry Uldry, Projektleiter, Tel. 078 725 88 47, valery.uldry@yahoo.fr
Für die Stadt La Chaux-de-Fonds: Philippe Carrard, Stadtplaner, Tel. 032 967 64 65, philippe.carrard@ne.ch

 

Medienstelle Pro Natura: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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