Mediencommuniqué

Zum ersten Mal in der Schweiz - Gänse im Naturschutzeinsatz

16.10.2012

Die Kombination scheint ungewöhnlich: Gänse und Naturschutz. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die traditionelle Beweidung mit Gänsen zukunftsweisend für die Erhaltung von Flachmooren sein könnte. In einem schweizweit einmaligen Pilotprojekt sind seit Herbst 2012 bei Samedan in Graubünden Gänse für Pro Natura im Naturschutzeinsatz.

 

In der Pflege ihrer über 600 Naturschutzgebiete geht Pro Natura immer wieder neue Wege. Vor einigen Jahren startete die Naturschutzorganisation Beweidungen mit Schottischen Hochlandrindern, Wollschweinen, Stiefelgeissen oder Eseln. Immer auf der Suche nach geeigneten, naturverträglichen Pflegeformen für wertvolle Lebensräume. Nun initiiert Pro Natura Graubünden einen schweizweit einmaligen Beweidungsversuch mit Diepholzer Gänsen (siehe Box): In Samedan weiden seit Frühjahr 2012 derzeit 12 Diepholzer Gänse in einem Flachmoor. Geplant ist, den Gänse-Bestand nach und nach auf 100 bis 150 Tiere zu vergrössern. Ziel des Pilotprojekts ist eine wirksame und kostengünstige Pflege von artenreichen Mooren und Feuchtgebieten als Alternative zur Mahd. Als positive Nebeneffekte sieht Pro Natura einen Beitrag an den Erhalt der alten Gänseart als kulturelles Erbe und ein Zusatzeinkommen für Landwirte.


Wieso Gänse in einem Flachmoor?
Salopp beschrieben sind Flachmoore «Wiesen mit den Füssen im Wasser». Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden viele Flachmoore zur Streueproduktion landwirtschaftlich genutzt. In der heute intensiven und durch Importe vernetzten Landwirtschaft sind diese wenig ertragreichen Handarbeiten unrentabel geworden. Dennoch benötigen die Flachmoore als geschützte Lebensräume und wertvolle Horte von seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten Pflege. Ohne Pflege würden diese schützenswerten Landschaftsrelikte zuerst verbuschen, bevor sie später ganz mit Wald überwachsen würden. Schwerere Tiere wie Kühe oder Pferde würden das sensible und feuchte Erdgefüge schädigen. Andere sind im feuchten Milieu krankheitsanfällig. Robuste Leichtgewichte sind gefragt: Diepholzer Gänse drängen sich auf.

 

Gänseweiden sind in der Schweiz nichts Neues. Seit den 1950er-Jahren sind sie allerdings nach und nach in Vergessenheit geraten. Die im Pro Natura Projekt eingesetzte Diepholzer Gans eignet sich vorzüglich, um ohne Trittschäden in Flachmooren zu «arbeiten». Die Gänse sind anspruchslos in ihren Nahrungsgewohnheiten und robust gegenüber Wind und Wetter.


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Die Diepholzer Gans
Die Diepholzer Gans ist eine alte Landgänserasse. In Körperbau und Aussehen nah mit der wildlebenden Graugans verwandt, stammt sie ursprünglich aus dem Norden Deutschlands (Grafschaft Diepholz). Zu Tausenden wurde sie vor dem Zweiten Weltkrieg auf wenig fruchtbaren Gemeindegebieten geweidet, auf denen kaum andere Tiere nutzbringend gehalten werden konnten.
Auch in der Schweiz wurde die Diepholzer Gans gehalten und gezüchtet. Vor einigen Jahrzehnten wurde sie hierzulande ausgesprochen selten. Als sie kurz vor dem Verschwinden stand, hat sich Pro Specie Rara für den Erhalt dieser Nutztierart eingesetzt. Heute bemühen sich in der Schweiz rund 150 Züchter um den Fortbestand der Diepholzer Gänse. Das Pro Natura Beweidungsprojekt leistet hier einen zusätzlichen Beitrag.

 

Pressebilder: www.pronatura.ch/pressebilder

 

Weitere Auskünfte:
Marcel Züger, Schutzgebietsverantwortlicher von Pro Natura Graubünden, Tel. 079 832 62 02, marcel.zueger@pronatura.ch

Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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