Pestizide in der Politik

Mit der Volksabstimmung zum Landwirtschaftsartikel (Bundesverfassung Artikel 104) vor 20 Jahren wurde der Grundstein gelegt für den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN). Dieser sollte ein Minimum an Ökologie in die Landwirtschaft bringen. 20 Jahre später zeigt sich: Die einzelbetrieblichen Vorschriften haben die Belastungssituation im Pestizidbereich nicht massgebend reduziert. Die minimalen Vorschriften haben wenig Einfluss auf eine verringerte Belastung der Gewässer durch Pestizide. Deshalb fordert Pro Natura vom Bundesrat eine neue Schweizer Pestizidpolitik und setzt sich für einen griffigen Aktionsplan zur Reduktion von Pestiziden ein.

 

Es ist Zeit, die Notbremse zu ziehen: Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden muss reduziert werden! Um uns und zukünftige Generationen zu schützen und um die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln nachhaltig zu sichern, braucht es eine gesamtschweizerische Anstrengung zur Reduktion des Pestizideinsatzes. Wie die Menge der versprühten Pestizide in der Schweiz verringert werden soll, lässt der Bundesrat derzeit in einem Aktionsplan erarbeiten.

 

Der starke Arm der Pestizidlobby

Die Europäische Union hat den Handlungsbedarf bereits erkannt und sich selbst eine Reduktion des Pestizideinsatzes verordnet. In den EU-Ländern wird mittlerweile die Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Pflanzenschutzmitteln umgesetzt und es werden nationale Aktionspläne zur Pestizidreduktion realisiert. Für die Schweiz fordert Pro Natura zusammen mit Partnerorganisationen ebenfalls einen griffigen Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes. «Ohne neue und wirkungsvolle Massnahmen», stellt aber selbst der Bundesrat fest, «werden die Gewässer daher weiterhin stark mit PSM (Pflanzenschutzmitteln) belastet werden.» wie er in einer Antwort auf eine Interpellation von Pro Natura Präsidentin und Nationalrätin Silva Semadeni schreibt.

Pro Natura fordert für den nationalen Pestizidreduktionsplan
  1. Der Bund setzt ambitionierte, überprüfbare Pestizidreduktionsziele.
  2. Der Bund verbietet besonders umwelt- und gesundheitsgefährdende Pestizide.
  3. Der Bund veröffentlicht die Beurteilung und alle relevanten Studien, aufgrund deren eine Pestizidzulassung erfolgt.
  4. Der Bund erhebt und veröffentlicht kontinuierlich die Pestizidbelastung der Bevölkerung und der Umwelt, inkl. Lebensmitteln.
  5. Der Bund stellt für die Forschung und die Verbreitung von alternativen Pflanzenschutzmethoden genügend Mittel zur Verfügung.
  6. Der Bund und die Kantone sorgen für eine flächendeckende, unabhängige Pflanzenschutzinformation und -beratung für Landwirtinnen und Landwirte.
  7. Der Bund schafft mit seiner Agrarpolitik ausreichend Anreize für Produktionssysteme und -techniken, die den Pestizideinsatz reduzieren.
  8. Der Bund verbietet den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden für den Privatgebrauch.