Geschichte der Einwanderung des Wolfes in die Schweiz

Stand: 12.07.2017

 

Der Wolf gilt seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz als ausgerottet. Zwischen 1908 und 1990 tauchen mehrmals einzelne Wölfe in der Schweiz auf. Ihre Herkunft ist unklar.

 

1908

Ein Wolf wird im Tessin getötet.

 

27. November 1947

Bei Eischoll (VS) wird ein Wolfsmännchen getötet. Aufgrund der Schäden an Schafherden kann davon ausgegangen werden, dass das Tier von Sommer 1946 bis November 1947 in der Gegend gelebt hat.

 

9. September 1954

Ein Wolfsweibchen wird auf der Alp Campascio d’Ur bei Poschiavo (GR) getötet.

 

1971

Ein Wolfsmännchen wird im Tessin getötet.

 

13. Dezember 1978

Auf der Lenzerheide (GR) wird ein Wolfsmännchen erlegt. Es war 36 kg schwer. Das Tier hatte im Verlauf des Jahres 89 Schafe und 3 Ziegen gerissen. Der Abschuss wurde unter Anwesenheit von Prominenz gefeiert.

 

15. Mai 1990

Bei Hägendorf (SO) wird mit Bewilligung des Bundes ein Wolf abgeschossen. Schüler der Gemeinde singen vor dem aufgebahrten Wolf „Der Wolf ist tot“. Der Wolf hat während rund zwei Monaten Schäden im Kanton Baselland und Solothurn verursacht.

Die Einwanderung des Wolfes in die Schweiz beginnt im Jahr 1995

Seit den 70er Jahren ist der Wolf in Italien geschützt. Die kleine Wolfspopulation in den Abruzzen kann sich dadurch vergrössern, gegen Norden ausbreiten und erreicht Anfang der 90er Jahre die Alpen.

 

16. Juli 1995

Auf einer Alp im Val d’Entremont (VS) reisst ein mysteriöses Tier Schafe. Bis Mitte August werden im Val d’Entremont und im Val Ferret 70 Schafe gerissen. Die Presse nimmt dieses Thema Mitte August auf. Wenn ein Wolf erheblichen Schaden verursacht, können die Kantone jederzeit eine Abschussbewilligung erteilen. Die Kantone sind aber auch vollständig für die Abgeltung allfälliger Schäden zuständig.

 

17. September 1995 (1. Wolf, männlich, eventuell ein 2. Wolf)

Zwei Kotproben werden auf der Alp im Val d’Entremont (VS) gefunden. Die genetische Analyse ergibt später, dass der Kot möglicherweise von zwei verschiedenen Wölfen stammt. Der Kot stammt von männlichen Wölfen aus der italienischen Population.

 

5. Februar 1996

Eine automatische Kamera oberhalb von Liddes (VS), aufgestellt durch Jean-Marc Landry und Armel Perrion, wird durch die Bewegung eines Tieres ausgelöst. Das Bild zeigt gemäss Experten eindeutig einen Wolf. Es ist der erste Nachweis eines Wolfs in der Schweiz, der wahrscheinlich von Italien her in die Schweiz eingewandert ist.

 

5. Februar 1996, 23 Uhr

Wildhüter Tony Roduit sieht bei Bourg-Saint-Pierre auf 70 Meter Distanz einen Wolf und schiesst. Das Tier ist offenbar an der Pfote verletzt, wie Blutspuren zeigen.

 

7./8./10. Februar 1996

Durch den Wildhüter Roduit aufgefordert, führen die Jäger der Region in den darauffolgenden Tagen mehrere Treibjagden auf den Wolf durch. Es beteiligen sich bis zu 50 Jäger. Der Wolf entkommt.

 

11. Februar 1996

Ein Journalist von Le Matin erhält ein Foto von einem Wolfskopf. Die Einsender behaupten, den Wolf am 27. Januar um Mitternacht geschossen zu haben. Die Nachricht erweist sich später als falsch.

 

19. März 1996

Die Spur des verletzten Wolfes wird letztmals gesehen.

 

5. Mai 1996

Ein Wildhüter gibt an, in der Nähe von Orsières auf einen Wolf geschossen und ihn getroffen zu haben. Die Nachsuche bleibt erfolglos.

 

Von Juli 1995 bis Mai 1996 werden 117 Schafe und 2 Ziegen in der Region des Grossen St. Bernhards als Wolfsschäden taxiert. Sechs Schafhalter, Florian Volluz, Dominique Duay, Claudine Klaefiger, Raymond Joris, Victor Tissières und Armel Perrion, sind betroffen. Der Schaden wird von den Schafzüchtern mit Fr. 57'000.- angegeben (ergibt Fr. 479.- pro Tier). Pro Natura und WWF bezahlen gemeinsam Fr. 30'000.-. Der Bund hat keine Gesetzesgrundlage zur Abgeltung von Schäden. Der Kanton Wallis lehnt eine solche ab. Der Kanton sei grundsätzlich gegen eine Wiedereinbürgerung des Wolfes, egal ob diese natürlich oder künstlich erfolge.

 

28. Juni 1997

Die Gemeinde La Fouly im Val Ferret weiht einen Lehrpfad «Sur les traces du loup» ein.

 

2. Oktober 1998

In einem kleinen Tal zwischen Aranno und Iseo (TI) glaubt ein Jäger und Naturfreund, aus relativ kurzer Distanz einen Wolf gesehen zu haben.

 

Oktober/November 1998

Auf der Nord- und Südseite des Simplonpasses werden über 20 Schafe von einem Wildtier gerissen. Mitte Dezember werden in einem Gehege innerhalb von zwei Nächten vier Hirsche und Mufflons gerissen.

 

25. November 1998 (3. Wolf, männlich, M01)

Auf der Rampe der Kadaversammelstelle in Reckingen (VS) findet Thomas Schmid, der Zuständige der Sammelstelle, einen toten Wolf. Er wurde mit Schrotschüssen (Dreimillimeter–Schrot) aus einer Distanz von ca. 30 Metern auf der rechten Seite getroffen und so illegal abgeschossen. Es handelt sich um ein 32 kg schweres, männliches Jungtier aus der italienischen Population. Im Frühjahr wird Christoph Imwinkelried angeklagt, den Wolf getötet zu haben. Später wird er entlastet. Im Februar 2001 erklärt Elmar Schwick, Reckinger Gemeinderat, ein Kollege, welcher im April 1999 Selbstmord begangen habe, habe den Wolf geschossen. Einen Monat später gibt er der Walliser Kantonspolizei zu Protokoll, er selbst habe den Wolf geschossen.

 

Dezember 1998

Raphael Squaratti beobachtet und fotografiert Spuren eines Wolfes im Simplongebiet. Am 24. Dezember beobachtet er einen Wolf in der Nähe des Schafstalles seines Onkels im Simplongebiet. Ende Dezember werden in Bitsch und Zwischbergen Schafe von einem Wildtier angefallen und getötet. 1998 hat der Kanton Wallis 36 Schafe und 8 weitere Haustiere als Wolfsschäden entschädigt, welche bei 9 Angriffen getötet worden waren. Kosten Fr. 32'046.- (ergibt durchschnittlich Fr. 728.- pro Tier). Nach der Revision der Jagdverordnung 1996 werden die Kosten der Schäden zu 80% vom Bund und zu 20% vom Kanton übernommen.

 

14. Januar 1999 (4. Wolf, männlich, M02)

Am frühen Morgen wird ein Wolf auf dem Simplonpass durch den Jeep eines Schneeräumungskommandos angefahren und tödlich verletzt. Es handelt sich um ein 28kg schweres, junges Männchen aus der italienischen Population. Der Fahrer des Fahrzeugs, Hermann Squaratti wurde dafür von seiner Wohngemeinde Gondo geehrt. Die genetische Analyse zeigt, dass Wolf Nr. 4 und Wolf Nr. 3 nahe verwandt, möglicherweise Brüder waren und aus einem Wolfsrudel aus den französischen Meeralpen stammen müssen.

 

April 1999

Raphael Arlettaz von Fauna Wallis teilt mit, dass ein Mitglied dieses Vereins Spuren und Haare eines Wolfes im Wallis gefunden habe. Die Haare werden analysiert. Der genaue Standort wird geheim gehalten.

 

27. Mai 1999

Ein Angriff auf Schafe oberhalb von Commeire (VS) lässt auf einen Wolf schliessen.

 

3. Juni 1999 (5. Wolf, männlich)

Wanderer beobachten in Veysonnaz, an der «Piste de l’Ours», ein Tier, welches sie als Wolf identifizieren. Eine gefundene Kotprobe bestätigt die Aussage. Es handelt sich um einen männlichen Wolf aus der italienischen Population. Das Tier kann bis zum 16. April 2000 im Wallis nachgewiesen werden.

 

Juli 1999

Am 12. Juli werden zwei Schafherden im Val de Dix angegriffen. Zwischen dem 20. und 21. Juli werden im Val de Dix weitere vier Lämmer getötet und 10 Lämmer und ein Schaf verletzt. Kot- und Haaranalysen zeigen, dass es sich um einen Wolf handelt.

 

29. Juni 1999

Die Zeitung Le Temps veröffentlicht ein Bild eines Wolfes, welcher der Mitarbeiter der Walliser Jagdverwaltung, Yvon Crettenand im Val de Dix bei Toueno aufgenommen hat. Der Jagdhund von Georges Mayoraz, Chef des Arrondissments chasse-pêche im Zentralwallis, stirbt auf einer Alpweide. Er hatte Gift gefressen, welches offenbar für den Wolf ausgelegt worden war.

 

Ende November 1999

Zwischen dem 6. und 18. November werden 40 Schafe in der Gegend von Evolène von einem Tier angefallen. 22 davon werden getötet. Seit Beginn des Jahres wurden 122 Schafe getötet und 18 verletzt. 63 weitere Schafe werden vermisst. 1999 werden vom Kanton Wallis 136 vom Wolf getötete und weitere 128 verschwundene Schafe entschädigt. Insgesamt waren es 19 Schadensfälle. Die Kosten betragen Fr. 106'100.- (bei 50% Entschädigung der verschwundenen Schafe ergibt dies Fr. 530.- pro Tier).

 

15 März 2000

Die Walliser Wildhüter finden erneut Spuren und Kot eines Wolfes im Val d’Hérens. Die Kotprobe wird zur Untersuchung eingeschickt. Der Kanton Wallis hat die Absicht, den Wolf einzufangen und ihn mit einem Sender zu versehen.

 

31. März 2000

Yvon Crettenand von der Walliser Jagdverwaltung präsentiert Wolfsspuren und sechs tote Gämsen. Laut seinen Angaben hat der Wolf diese innerhalb einer Nacht  oberhalb des Weilers Lana bei Evolène getötet.

 

1. Mai 2000

Das BUWAL bewilligt den Abschuss eines Wolfes im Val d’Hérens. Ende April wurden unterhalb von Evolène 9 Schafe gerissen.

 

27. Juni 2000 (6. Wolf )

Am 27. Juni werden in Ginals erstmals von einem Wildtier mehrere Schafe gerissen. In den folgenden acht Wochen werden in den Nachbargemeinden Ergisch, Embd, Törbel, Bürchen und Eischoll ebenfalls Schafe gerissen. Kotuntersuchungen zeigen, es handelt sich um einen männlichen Wolf aus der italienischen Population. Beobachter berichten, dass sie einen Wolf gesehen haben. Anfang August erteilt der Bund die Abschussbewilligung für den Wolf. Zwischen Ende Juni und Ende Juli werden im Gebiet Bellwald, Bettmer- und Riederalp und aus Fiesch und Fieschertal insgesamt 56 gerissene Schafe gemeldet. Die ersten Schäden wurden Ende Juni auf der Bellwalderalp entdeckt. Anfangs Juli hat ein Jäger einen Wolf im Bellwald beobachtet, Anfang Juli im Aletschgebiet. Ob die Schäden tatsächlich von einem Wolf verursacht wurden, kann nicht mit Sicherheit bestätigt werden.

 

3. Juli 2000 (7. Wolf, männlich )

Im Val d’Héréns wird Wolfkot gefunden und später analysiert. Die Probe stammt nicht vom  Wolf Nr. 6, sondern von einem anderen Männchen aus der italienischen Population.

 

 

25. August 2000 (8. Wolf, männlich)

Ein Wolf wird im Val d’Hérens  abgeschossen. Es handelt sich um ein 34 kg schweres zwei- bis fünfjähriges Männchen aus der italienischen Population. Die Gewebeuntersuchungen zeigen, dass es sich nicht um eines jener Tiere handelte, welches im Val d’Héréns Schäden verursacht hatte. Am gleichen Tag wird in Ginals (VS) unterhalb des Signalhorns ein Wolf von einem Wildhüter angeschossen und wahrscheinlich tödlich verletzt. Es dürfte sich um Wolf Nr. 6 gehandelt haben. Im Jahr 2000 entschädigt der Kanton Wallis 142 Schafe plus ein anderes Haustier, welche vom Wolf getötet wurden. Die Gesamtkosten betragen Fr. 69'020.- (ergibt Fr. 483.- pro Tier). 2001 entschädigt der Kanton Wallis 110 vom Wolf getötete Schafe. Die Entschädigung beträgt Fr. 41'826.- (ergibt Fr. 380.- pro Tier).  Es handelt sich dabei um Schäden, die 2000 im Aletschgebiet entstanden sind. Im Aletschgebiet konnte nicht eindeutig ein Wolf nachgewiesen werden.

 

10. Januar 2001

Auf dem Pian di Boor, dem Gebiet der Gemeinde Carasso (TI) oberhalb von Bellinzona reisst ein Wolf drei Geissen.

 

7. März 2001

Am 7. März werden in Ragone in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze 5 Schafe gerissen. Marco Giacometti vermutet, es handle sich um Wolfsrisse. Am 21. März wird in Roticcio eine gerissene Hirschkuh untersucht. Trittsiegel und Bissspuren deuten auf einen Wolf hin.

 

10. April 2001

Im Bergell (GR) wird ein toter Hirsch gefunden. Die Untersuchung von Kot, welche am 7. Mai vorliegt, zeigt, dass ein Wolf anwesend ist. Zwischen dem 3. Mai und  dem 12. Juni reisst der Wolf 14 Haustiere. Am 6. Juni erfolgt eine erste Besprechung über Präventionsmassnahmen. Am 12. Juni werden erste Schutzmassnahmen ergriffen.

 

20. August 2001

In Absprache mit dem Bund verfügt der Kanton Graubünden den Abschuss des Wolfes im Bergell. Bis zu Beginn der Jagdzeit im Kanton Graubünden wenden die Wildhüter erfolglos 420 Stunden für den Abschuss des Wolfs auf. Vom 20. August bis zum 28. September reisst der Wolf  in 3 Angriffen weitere 14  Haustiere. 23% der Schäden erfolgen nach erteilter Abschussbewilligung. Insgesamt reisst der Wolf in 17 Angriffen 23 Schafe, 37 Lämmer und eine Ziege. Die Entschädigung beträgt Fr. 16'450.- (Fr. 270.- pro Tier). Im Verlauf seiner Anwesenheit im Bergell wird der Wolf einmal von Touristen gefilmt.

 

29. September 2001 (9. Wolf, männlich, lebte mindestens 8 Monate in der Schweiz)

Ein Wolf wird von einem Jäger in der Gegend von Margna (GR), beim Malojapass erlegt. Es handelt sich um ein 42 kg schweres, ausgewachsenes Männchen aus der italienischen Population.

 

12. Juli 2002 (10. Wolf, weiblich)

Auf der Alp Pontimia im Zwischbergental hat ein unbekanntes Tier Schafe gerissen. 13 Tiere sind tot, 4 verletzt. In den folgenden Nächten gibt es weitere Verluste. Bis zum 23. Juli wird der Verlust von 26 Schafen gemeldet. Der Kanton erteilt eine Abschussbewilligung. Ab dem 23. Juli werden die Schafe auf der Alp von Walter Hiltbrand mit seinen Herdenschutzhunden bewacht. Nach dieser Massnahme kommt es zu keinen weiteren Schäden. Kotproben von der Alp zeigen, dass es sich um einen weiblichen Wolf aus der italienischen Population handelt. Sie erhält später den Namen «Pontimia Mary». Von dieser Wölfin gibt es eine Kotprobe aus dem Jahr 2001 im Valle  Pesio, südlich von Cuneo (Italien). Im September werden zwei weitere tote Schafe aus der Region gemeldet. 24 weitere sollen verschwunden sein. Im Verlauf des Winters gibt es Meldungen zur Wolfspräsenz auf der italienischen Seite des Simplons.

 

Anfang September 2002

In den Gemeinden Waltensburg und Brigels werden fünf Schafe von einem unbekannten Tier gerissen. Weitere Verluste erfolgen zwischen dem 23. August und dem 23. September in der Gemeinde Andiast (4 Angriffe, 13 Schafe getötet oder verletzt). In der Region werden zudem Schafe als vermisst gemeldet. Im Val Frisal bei Brigels beobachten verschiedene Personen ein Tier, welches sie als Wolf beschreiben. Während der Bündner Hochjagd wird das Tier von 6 Jägern oberhalb von Panix gesehen. Die Sichtbeobachtungen lassen darauf schliessen, dass im Bündner Oberland ein Wolf lebt. Rund ein halbes Duzend Kotproben werden zur Untersuchung nach Lausanne eingeschickt. Keine dieser Proben stammt jedoch von einem Wolf. Für das Jahr 2002 werden insgesamt 38 Wolfsschäden an Nutztieren gemeldet, davon 26 aus dem Wallis und 12 aus dem Kanton Graubünden.

 

Februar 2003 (11. Wolf, männlich)

Am 31. Dezember wird bei Brigels und am 21. Januar bei Danis/Brigels je eine Kotprobe eines Wolfes sichergestellt. Bei der Analyse der Proben zeigt es sich, dass es sich um Kot von Wölfen italienischen Ursprungs handelt. Aufgrund von Sichtbeobachtungen hält sich mindestens ein Wolf seit Sommer 2002 in diesem Gebiet auf.

 

13. und 20. März 2003

Am 13. März kommt es zu einer ersten Attacke eines Wolfes auf ein Schaf im Simplongebiet. Am 20. März wird dem Schafzüchter Joseph Squaratti im Zwischbergental  ein Schaf von einem Wolf gerissen.

 

7. Mai 2003

Der Walliser Regierungsrat gibt die Wölfin Nr. 10 am Simplonpass zum Abschuss frei. BUWAL-Direktor Philippe Roch bittet den Walliser Staatsrat, den Abschuss der Wölfin aufzuschieben, bis neue Präventionsmassnahmen ergriffen worden sind. Der WWF legt Beschwerde gegen die Abschussbewilligung des Walliser Staatsrates ein und erhält vor Bundesgericht Recht. Der Staatsrat muss sich mit der Beschwerde befassen.

 

Oktober 2003 (12. Wolf, männlich)

Im Oberwallis ist neben der Wölfin Nr. 10 noch ein weiterer Wolf unterwegs. In der Nähe des Ofentals bei Saas werden im September 5 Schafe und ein Lamm getötet oder verletzt. Aufgrund der Spuren gehen die Fachleute davon aus, dass es sich um denselben Wolf handelt, der im Sommer im benachbarten Italien Schäden verursachte. Es handelt sich jedoch nicht um die Wölfin Nr.10. Für das Jahr 2003 werden insgesamt 38 Wolfsschäden an Nutztieren gemeldet.

 

Januar 2004 (13. Wolf, männlich)

In Osco (TI) wird eine Ziege von einem Wildtier getötet. Die Kotanalyse zeigt später, dass es sich um einen männlichen Wolf aus der italienischen Population handelte. In der Folge kommt es zu weiteren Wolfsnachweisen in der Leventina und im Bedretto.

 

Juni 2004

Ein männlicher Wolf wird oberhalb von Ilanz mittels einer Fotofalle fotografiert. Vermutlich handelt es sich um Wolf Nr. 11.

 

Mai bis November 2004

Zwischen Mai und November 2004 beobachten verschiedene Personen ein oder zwei Wölfe im Schweizer Jura: Im Mai zwischen Coevre und Lugnez (JU) und bei Montavon (JU), Im September bei Les Ponts de Martel (NE), im Oktober im Val des Ruz (NE), Im November bei Vallorbe (VD) und im November bei Le Solliat (VD). Ein eindeutiger Nachweis gelingt jedoch nicht. Für das Jahr 2004 werden insgesamt 44 Wolfsschäden an Nutztieren gemeldet.

 

21. März 2005

Von einem Mitarbeiter des Tessiner Jagdinspektorats wird ein Wolf mit einer Fotofalle fotografiert. Vermutlich handelt es sich um Wolf Nr. 13.

 

Ende November 2005 (14. Wolf, männlich)

Im Gebiet Valendas/Durschin in der Surselva wird Kot von einem Wolf festgestellt. Die Untersuchungen zeigen, dass der Kot nicht von demselben Tier stammt, welches seit 2002 in der Surselva lebt.

 

Dezember 2005

Eine weitere Wolfsbeobachtung gibt es  aus dem Avers und dem Oberhalbstein. Mehrere Personen haben ein wolfsähnliches Tier beobachtet und auch mit dem Handy fotografiert. Allerdings konnte weder Kot noch Haare für die Untersuchung gefunden werden. 2005 wurden insgesamt 19 Schäden an Kleinvieh durch Wölfe gemeldet und entschädigt.

 

Januar 2006

Ein Wolf wird von Wanderern auf der französischen Seite des Clos du Doubs, nur wenige Kilometer von St. Ursanne entfernt, beobachtet.

 

3. Februar 2006

Auf einer Alp bei Dalpe (TI) wird ein Wolf von einem Wilderer beschossen, als er an einem gerissenen Hirschkalb fressen will. Der Wolf, es handelt sich wahrscheinlich um Wolf Nr. 13, kann verletzt flüchten. Spätere Beobachtungen zeigen, dass er den Anschlag überlebt hat.

 

22. März 2006 (15. Wolf, männlich, M13)

Ein Wolf wird in Gsteigwiler bei Interlaken (BE) vom Zug überfahren. Es handelt sich um ein Männchen aus der italienischen Population. Untersuchungen zeigen, dass der Wolf an Räude erkrankt war.

 

April 2006

Bei Gluringen im Goms (VS) wird ein Wolf gesichtet. Im Verlauf des Sommers werden im Goms und im Simplongebiet 30 Schafe durch Wolfsangriffe getötet.

 

Mai 2006

Spuren und Rissbilder an drei getöteten Hirschen weisen darauf hin, dass in der Region Klosters (GR) ein Wolf unterwegs ist.

 

1. September 2006

Der zuständige Regierungsrat des Kantons Wallis erteilt für den Wolf im Goms eine Abschussbewilligung. Ortsansässige Jäger können beim Wildhüter oder bei der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere eine Abschussbewilligung beantragen.

 

 

27. September 2006 (16. Wolf, männlich)

Auf der Alp Conche bei Morgins werden bei einem Wolfsangriff 8 Schafe getötet und 11 weitere verletzt. 9 Schafe bleiben verschollen. Medienberichte erwähnen für denselben Vorfall 6 tote und 25 verletzte Schafe.

 

11. Oktober 2006

Aufgrund des Wolfsangriffs vom 27. September erteilt der zuständige Regierungsrat des Kantons Wallis  die Abschussbewilligung für  einen Wolf im Unterwallis.

 

16. Oktober 2006 (17. Wolf, weiblich)

In der Region Onne im Unterwallis wird eine Schafherde von einem Wolf angegriffen. Untersuchungen zeigen später, dass es sich um ein Wolfsweibchen handelte.

 

26. Oktober 2006 (18. Wolf, weiblich)

Im Auftrag der Walliser Jagdverwaltung schiesst ein Wildhüter im Goms einen Wolf ab. Es handelt sich um eine Wölfin.

 

14. November 2006

WWF und Pro Natura reichen gegen die Abschussbewilligung des Wolfs im Unterwallis Beschwerde ein.

 

21. November 2006

Im Auftrag der Walliser Jagdverwaltung erschiesst ein Wildhüter auf der Alp Conche einen Wolf, obwohl das Walliser Kantonsgericht der Beschwerde von WWF und Pro Natura aufschiebende Wirkung zugesprochen hat. Die Untersuchung des Wolfes zeigt, dass das Tier zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal mit Schrot beschossen worden war. Wahrscheinlich handelt es sich um Wolf Nr. 15.

 

27. November 2006 (19. Wolf, männlich)

In der Nähe von Pohlern bei Thun reisst ein unbekanntes Tier 8 Schafe. Am 12. Dezember informiert das Jagdinspektorat des Kantons Bern, dass die Schafe von einem Wolf gerissen wurden. Es handelt sich um einen männlichen Wolf aus der italienischen Population. 2006 wurden insgesamt 94 Schäden durch Wölfe an Kleinvieh gemeldet und entschädigt.

 

14. März 2007

Bei Estavannes im Kanton Freiburg wird von mehreren Personen ein Tier gesehen, bei dem es sich um einen Wolf handeln könnte.

 

22. März 2007

Ein Wolf wird bei Zweisimmen beobachtet.

 

27. März 2007

Ein Wolf tötet in Thierachern bei Thun sechs Schafe

 

13. Juli 2007

Zwischen dem 13. Juli und dem 26. August werden im Gebiet Les Muverans mehrfach Schafe und Ziegen getötet. Die genetischen Untersuchungen weisen einen Wolf aus der italienischen Population nach. Es ist der erste Wolfsnachweis im Kanton Waadt seit 152 Jahren.

 

27. September 2007

Der Kanton Wallis erteilt die Abschussbewilligung für einen Wolf im Chablais. Innerhalb von vier Monaten habe ein Wolf in Val D’Illiez und auf der benachbarten Alp Susanfe 41 Schafe und Kälber gerissen. Die Abschussbewilligung läuft jedoch ungenutzt aus.

 

28. Oktober 2007 (20. Wolf, männlich)

Ein Wolf wird bei Brigels festgestellt. Genetische Untersuchungen zeigen, dass es sich nicht um Wolf 11 handelt, der seit 2002 in der Surselva nachgewiesen ist.

2007 wurden insgesamt 97 Schäden durch Wölfe an Kleinvieh gemeldet und entschädigt.

 

Januar 2008

Ein Wolf wird bei Oberstocken (BE) nachgewiesen. Genetische Untersuchungen zeigen, dass es sich beim Wolf, der 2006 in Pohlern und 2007 bei Zweisimmen, Saanen, Jaun und Estavannes und 2008 in Oberstocken festgestellt wurde, um dasselbe Tier handelt. Am 13. Januar wird er bei Latterbach im Simmental fotografiert.

 

23. Februar 2008

Wolf 20 wird bei Panix (GR) festgestellt.

 

Anfang März 2008

Ein Wolf wird bei Quinto (TI ) fotografiert. Es könnte sich um Wolf Nr. 13 gehandelt haben.

 

10. März 2008

Das neue Konzept Wolf des Bundesamts für Umwelt tritt in Kraft. Die Änderungen sind minimal und Pro Natura bezeichnet es als «Mogelpackung», denn der Wolf wird damit nicht geschützt. Bis dato sind in der Schweiz 7 Abschussbewilligungen erteilt worden, das ist eine der höchsten Abschussquoten in Europa.

 

6. Mai 2008

In Sonogno (TI) verursacht ein Wolf Schäden in einer Ziegenherde. Die Tierhalter der Region verlangen den Abschuss des Wolfes.

 

16. Oktober 2008

Ein Wolf verursacht Schäden in Teuflbach, Kanton Obwalden. Am 19. Oktober wird ein Wolf mit einer automatischen Kamera im Melchtal fotografiert. Es ist der erste Wolfsnachweis im Kanton Obwalden seit 164 Jahren.

 

12. Juni 2008

Bei Bex (VD) verursacht ein Wolf Schäden in einer Schafherde. Im Verlauf des Sommers kommt es zu weiteren Schäden.

 

15. Juli 2008

Bei Troistorrens (VS) verursacht ein Wolf Schäden in einer Schafherde. Im Verlauf des Sommers kommt es noch zu weiteren Schäden.

 

30. Oktober 2008

Ein Wolf verursacht Schäden bei Rüschegg (BE).

 

Anfang November 2008 (21. Wolf)

In einem Seitental des Val Müstair wird ein Wolf nachgewiesen. 2008 lebten mindestens 9 verschiedene Wölfe im Schweizerischen Alpenraum. Sie sind von den West- bis in die Ostalpen verteilt und in 6 Kantonen nachgewiesen.

2008 wurden insgesamt 107 Schäden durch Wölfe an Kleinvieh gemeldet und entschädigt.

 

16. November 2008

Im Wallis wird eine Abschussbewilligung verweigert, weil die gerissenen Schafe trotz vorjähriger Wolfspräsenz nicht oder ungenügend geschützt waren. Ein kleiner Fortschritt wurde bei den Herdenschutzmassnahmen gemacht. In diesem Jahr wurden 45 Alpen mit 150 Hunden geschützt. Die Behörden rechnen mittlerweile mit 15 Wölfen in der Schweiz.

 

Dezember 2008

In einer Umfrage befürworten knapp 80% der Bevölkerung die Rückkehr des Wolfes in die Schweiz. Bereits 2007 haben 82 % der Bevölkerung sich für eine natürliche Rückkehr des Wolfes ausgesprochen.

 

Januar 2009

Der Wolf kommt nach 200 Jahren zurück in den Kanton Luzern.

 

10. Mai 2009

In einer von Pro Natura in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts gfs-zürich sprechen sich über 70 % der Befragten gegen den Abschuss von Wölfen und Luchsen aus, auch wenn deren Präsenz zu einer Reduktion der Jagderträge führt.

 

August 2009

Nachdem an mehreren Orten Schafe gerissen worden sind, erteilen die Kantone Wallis  und Luzern innerhalb einer Woche für insgesamt drei Wölfe eine Abschussbewilligung (Val de Dix,  Val d’Illiez, Entlebuch). Pro Natura und der WWF reichen gemeinsam in allen drei Fällen Rekurs ein, da fast alle Herden nicht geschützt waren und kein eindeutiger Nachweis für Wolfsübergriffe erbracht worden ist. Pro Natura ist überzeugt, dass das Wolfskonzept den Schutz des Wolfes nicht gewährleistet und es zu Ungunsten des Wolfes ausgelegt wurde. Unterdessen wurden seit 2007 12 neue Wölfe nachgewiesen, allein 2009 waren es acht neue Individuen. In der Region Waadt-Freiburg-Bern halten sich ein Männchen und ein Weibchen auf. KORA vermeldet für 2009 127 vom Wolf gerissene Schafe und zwei Ziegen.

 

August 2010

Der Sommer 2010 verlief bis im August relativ ruhig. 84 Schadensfälle wurde bis Ende Jahr  gemeldet, was ein klarer Hinweis darauf ist, dass der Ausbau der Präventionsmassnahmen seine Wirkung zeigt. Zurzeit werden 15-20 Wölfe in der Schweiz vermutet, 2010 wurde nur ein neues Individuum nachgewiesen.

 

Im August wurde aber auf der Alpage de Scex eine Rinderherde angegriffen. Erstmals konnte ein Wolfspaar nachgewiesen werden. Kurzerhand wurde eines der Tiere zum Abschuss freigegeben, und am 11. August wurde das männliche Tier geschossen, obwohl nicht auszuschliessen ist, dass Jungtiere vorhanden sind.

 

September 2010

Am 30. September behandelte der Nationalrat 14 Vorstösse zum Wolf, bzw. den Themen Berner Konvention, Ausweitung des Wildschadenbegriffs und Schafsömmerung. Er beschloss, dass die Schweiz in der Berner Konvention einen Vorbehalt zum Wolf anbringen und, falls das nicht möglich ist, aus dem Artenschutzabkommen austreten soll. Ebenfalls will der Nationalrat, dass Einbussen der Kantone beim Jagdregal einen sogenannten Wildschaden darstellen und somit Grund für die Regulation geschützter Arten sein kann. Den Ausbau des Herdenschutzes lehnte der Nationalrat ab.

 

Januar 2011

Die Verbände Pro Natura, WWF Schweiz, JagdSchweiz und der Schafzuchtverband beginnen unter der Moderation des BAFU regelmässig Gespräche über den zukünftigen Weg im Umgang mit Luchs, Wolf, Bär und den betroffenen Interessen der Menschen zu führen. Ziel der Treffen ist, den gemeinsamen Nenner für zukünftige Managementstrategien auszuloten.

 

März 2011

Der Ständerat folgt dem Nationalrat und spricht sich entgegen der Empfehlung seiner Umweltkommission und der Naturschutzorganisationen für die Änderung der Jagdverordnung aus, sodass in Zukunft geschützte Arten abgeschossen werden können, wenn Kantone weniger Jagdeinnahmen haben.

 

Juni 2011

In Pontarlier, im französischen Jura, kann erstmals ein Wolf mit einer Photofalle nachgewiesen werden. Er riss mehrere Schafe und zog damit den Ärger der lokalen Bauernbevölkerung auf sich, die eine Demonstration vor der Präfektur organisierte.

 

September 2011

Der Kanton Wallis erteilt trotz 80 Schafrissen keine Abschussbewilligung. Die Kriterien gemäss Wolfskonzept sind nicht erfüllt, da keine oder zu wenige Herdenschutzmassnahmen ergriffen worden sind.

 

Oktober 2011

193 Schafe wurden gemäss KORA-Statistik in diesem Jahr gerissen. Allerdings kamen praktisch alle Schafe aus nicht geschützten Herden. Dies zeigt, dass die ergriffenen Massnahmen meistens Wirkung zeigen. Fünf neue Wölfe – vier Männchen und ein Weibchen - wurden im Oberwallist genetisch nachgewiesen. Gesamthaft konnten neun Individuen in der Schweiz genetisch nachgewiesen werden.

 

Mai 2012

Die vier Verbände JagdSchweiz, Schweizerischer Schafzuchtverband, WWF und Pro Natura verabschieden eine Vereinbarung zum Grossraubtiermanagement. Zum ersten Mal werden gemeinsame Grundsätze über den Umgang mit Wolf, Bär und Luchs gefasst und ihre natürliche Rückkehr breit akzeptiert.

 

September 2012

Der erste Wolfsnachwuchs wird in der Schweiz nachgewiesen. Nach 17 Jahren Wolfpräsenz in der Schweiz haben sich zwei Wölfe am bündnerischen Calanda gefunden und eine Wolfsfamilie mit mindestens vier Jungtieren gegründet.

 

Die eidgenössische Initiative «Wolf, Bär und Luchs» kommt nicht zu Stande. Die Initiative «Für den Schutz der Grossraubtiere (Bär, Wolf und Luchs)» von pro fauna wird lanciert. Pro Natura unterstützt die Unterschriftensammlung nicht, da die Initiative zu radikal ist.

 

November 2012

Im letzten Jahr wurden in der Schweiz neun adulte Wölfe genetisch nachgewiesen, zwei davon waren Weibchen (F5, Jaun/FR, F7 Calanda/GR), ein Tier wurde zum ersten Mal in der Schweiz festgestellt. 114 Nutztierrisse konnten den Wölfen zugeordnet werden. 90% davon stammten aus nicht geschützten Herden.

 

April 2013

In einem Interview in der Zeitschrift «L’Illustré» erzählt ein Walliser Jäger, er wildere regelmässig Tiere (u.a. 10 Luchse) und kenne Personen, die illegal Wölfe abgeschossen hätten. WWF und Pro Natura erstatten Anzeige gegen den Wilderer. Das Verfahren wird jedoch 2014 wegen Verjährung eingestellt.

 

Sommer 2013

Das Calandarudel hat zum zweiten Mal Junge. Mindestens fünf Welpen können nachgewiesen werden. Drei davon sind weiblich. Zwei Wölfe werden illegal geschossen, einer, weil der Jäger ihn mit einem Fuchs verwechselt (M44), der andere wurde gewildert (M42). Ein Jungwolf von 2013 (M43) stirbt bei einem Zusammenstoss mit einem Zug in Schlieren bei Zürich.

 

August 2013

Nachdem der Bund im Juni noch einen Abschuss verweigert hatte, entscheidet der Walliser Staatsrat im August, trotz fehlendem Herdenschutz den Wolf M35 zum Abschuss freizugeben. Am 2. September wird er von einem Wildhüter erlegt. Pro Natura sucht darauf das direkte Gespräch mit dem zuständigen Staatsrat Jacques Melly.

 

November 2013

Der Bundesrat erhöht die Mittel für den Herdenschutz und sichert ihn rechtlich in der Jagdverordnung ab. Pro Natura begrüsst dies und fordert Kantone und Nutztierhalter auf, Herdenschutzmassnahmen zu ergreifen.  Im Jahr 2013 werden ca. 240 Nutztiere von Wölfen gerissen.

 

Sommer 2014

Das Calandarudel hat zum dritten Mal Nachwuchs. Es können mindestens drei Welpen nachgewiesen werden.

Vom 01.10.2012 bis 30.09.2014 wurden 24 Wölfe (17 Männchen und 7 Weibchen) genetisch individuell identifiziert.

 

September 2014

Pro Natura und der WWF akzeptieren das überarbeitete Konzept Wolf mit Vorbehalt. Erfreulich ist, dass es erstmals den positiven Einfluss von Wolf und Luchs auf Wildbestand und Ökosystem anerkennt. Regulierungsabschüsse kommen für WWF und Pro Natura aber nur in Frage, wenn es einen überlebensfähigen Bestand gibt, was heute noch nicht der Fall ist. Die beiden Verbände fordern Verhandlungen am runden Tisch, um die Vereinbarung von 2012 weiterführen zu können.

 

Herbst 2014

Das Konzept Wolf wird sistiert, weil weitere politische Vorstösse eingereicht werden. Pro Natura wehrt sich nicht grundsätzlich gegen eine Revision des Jagdgesetzes (Motion Engler), die das Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung regeln und eine Bestandesregulierung einführen will. Voraussetzung ist jedoch ein überlebensfähiger Bestand. Die Jagdbarkeit des Wolfes (Motion Imoberdorf) lehnt Pro Natura kategorisch ab.

 

Dezember 2014

Bundesrätin Doris Leuthard gibt eine erneute Jagdverordnungsrevision bekannt. Damit sollen Eingriffe in Rudel erleichtert werden,  obwohl erst eine einzige Wolfsfamilie in der Schweiz lebt. Pro Natura ist enttäuscht über diesen kontraproduktiven Schnellschuss. Sie erwartet von Doris Leuthard mehr Engagement für eine lösungsorientierte Sachpolitik. Pro Natura fordert seit langem ein nationales sachgerechtes Wolfsmanagement, das nicht nur aus Abschüssen besteht, sondern auch die ökologisch wichtige Rolle des Wolfes (z.B. in die Jagdplanung und den Waldbau), mehr Herdenschutz, sachliche und breite Information der Bevölkerung sowie touristische Aspekte mit einbezieht. Im Jahr 2014 werden ca. 200 Nutztiere von Wölfen gerissen,

 

Mai 2015

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB gibt bekannt, die Geschäftsstelle der «Vereinigung für eine Schweiz ohne Grossraubtiere» führen zu wollen. Pro Natura wendet sich mit einem Brief an die SAB-Mitgliedkantone und bitten sie, sich dagegen zu wehren. Es ist nicht akzeptabel, dass ein mit öffentlichen Geldern finanzierter Verein ein verfassungswidriges Ziel unterstützt. Die SAB krebst daraufhin zurück und verspricht, nur administrative Arbeiten auszuführen. Die Statuten des Vereins sind trotz direkter Anfrage nicht bekannt.

 

Juni 2015

Die Kantone Uri und Nidwalden erlassen eine Abschussverfügung gegen einen Wolf, der mehrere Schafe gerissen hat. Da in diesem Gebiet noch keine Wölfe vorgekommen sind, akzeptiert Pro Natura das Vorgehen. Der Aufbau des Herdenschutzes wird von den Behörden und Nutztierhaltern vorangetrieben. Der Wolf kann nicht geschossen werden und ist vermutlich weitergewandert.

 

August/September 2015

Der Kanton Wallis erteilt zwei Abschussbewilligungen. Eine im Vallon de Rechy und im Val d’Anniviers mit der Begründung, dass dort bisher noch kein Wolf vorgekommen sei und die Herden deshalb nicht geschützt wurden. Die zweite im Turtmanntal in der Augstbordregion, wo ein männliches und ein weibliches Tier nachgewiesen wurden. In diesem Fall erhebt Pro Natura Beschwerde, da dort seit Jahren Wölfe präsent sind und immer noch kein funktionierender Herdenschutz umgesetzt worden ist. Zudem kann eine Rudelbildung nicht ausgeschlossen werden. In beiden Fällen wurde der Wolf nicht geschossen.

 

November 2015

Die Kantone Graubünden und St. Gallen beantragen beim Bundesamt für Umwelt eine Abschussbewilligung für zwei Jungwölfe aus dem Calandarudel. Begründet wird das Vorgehen damit, dass die Wölfe ihre Scheu gegenüber dem Menschen verloren hätten. Mit dem Abschuss soll dieses Verhalten geändert werden. Pro Natura ist überzeugt, dass das Verhalten unproblematisch ist. Sie erhebt jedoch aufgrund der schlechten juristischen Erfolgsaussichten keine Einsprache und kritisiert die Jagdverordnung grundsätzlich.

 

Dezember 2015

Im Dezember stimmt das BAFU dem Abschussgesuch auf Basis der revidierten Jagdverordnung zu. Graubünden und St. Gallen erlassen je eine Abschussverfügung für insgesamt zwei Jungwölfe aus dem Calandarudel. Diese müssen bis zum 31. März getätigt sein. Die Abschüsse sollen in Siedlungsnähe und in Anwesenheit des Rudels erfolgen. Aufgrund des milden Winters verbleiben die Wölfe jedoch mit ihren Beutetieren, den Hirschen, in höheren Lagen und sind nur selten in Siedlungsnähe zu beobachten. Die Abschussfrist läuft ab, ohne dass ein Wolf erlegt worden wäre.

Im Jahr 2015 werden ca. 330 Nutztiere von Wölfen gerissen.

 

Januar 2016

Das überarbeitete Konzept Wolf wird in Kraft gesetzt. Neu daran ist vor allem die Tabelle zur Einschätzung des Verhaltens von Wölfen. Pro Natura ist mit den Kriterien nicht einverstanden, da natürliches Wolfsverhalten unnötig und vorschnell als «gefährlich» interpretiert wird. Zentrale Elemente werden im Konzept vernachlässigt, etwa klare Ansprüche an die Protokollierung von Mensch-Wolf-Begegnungen oder die Beseitigung möglicher Futterquellen aus dem Siedlungsgebiet.

 

Februar 2016

Die Umweltkommission des Ständerats stimmt der Jagdbarkeit des Wolfes ohne Schonzeit zu. Dies würde eine erneute Ausrottungsstrategie für den Wolf bedeuten.

 

März 2016

Im Rahmen eines Wintermonitorings im Wallis werden werden zwei bisher unbekannte Wölfe (M63, M64) nachgewiesen. Das Monitoring zeigt, dass in der Augstbordregion ein Wolfspaar unterwegs ist. Der Verdacht liegt nahe, dass hier demnächst ein weiteres Wolfsrudel entsteht.

 

Der Ständerat lehnt die «Motion Imoberdorf» ab, die eine ganzjährige Jagdbarkeit aller Wölfe in der Schweiz verlangte. Die Motion ist damit vom Tisch. Das Parlament hatte erst vor Kurzem bereits einer Lockerung des Wolfsschutzes zugestimmt (Abschuss von Jungwölfen aus einem Rudel unter gewissen Voraussetzungen neu möglich). Pro Natura begrüsst den «kühlen Kopf» des Ständerats und fordert die ParlamentarierInnen auf, sich auch künftig hinter eine nüchterne, ausgewogene und lösungsorientierte Wolfspolitik zu stellen.

 

Im Raum Raron (VS) wird ein toter Wolf am Rhoneufer angeschwemmt. Es handelt sich nach genetischer Analyse um das kurz zuvor erstmals nachgewiesene Individuum M63. Das Tier ist gemäss pathologischen Untersuchungen einer Schussverletzung erlegen. Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere erhebt Strafanzeige gegen Unbekannt.

 

Auf Gebiet der Gemeinde Sils im Domleschg (GR) finden Waldarbeiter einen Wolfskadaver. Das Tier (M67) ist an Schrotbeschuss verendet. Es handelt sich um einen 2015 im Calandarudel geborenen Jährling. Aufgrund der Situation ist davon auszugehen, dass der Wolf nicht vor Ort erschossen, sondern lediglich der Kadaver am Fundort deponiert wurde. Das Amt für Jagd und Fischerei erhebt Anzeige gegen Unbekannt.

 

April 2016

Im Kanton Appenzell-Ausserrhoden wird an einem Rehriss ein Wolf genetisch nachgewiesen. Das Tier wurde zuvor im Raume Trogen bereits von einer Autofahrerin beobachtet. 

 

In Niedersachsen (D) wird der Wolf «Kurti» (MT 6) aus dem Munsteraner Rudel «letal entnommen», wie es im Behördenjargon neuerdings heisst. Der junge Rüde zeigte ein «auffälliges Verhalten» (Distanzlosigkeit gegenüber Menschen) und reagierte auch nicht auf Vergrämungsaktionen durch einen schwedischen Wolfsexperten.  

 

Mai 2016

Das Walliser Departement für Volkswirtschaft, Energie und Raumentwicklung definiert eine neue Herdenschutzpolitik. Herdenschutzhunde werden künftig nicht mehr als «adäquater» Schutz von Schafen in stark touristisch frequentierten Gebieten betrachtet. In der Regel werden jedoch Elektrozäune, Behirtung, Einsatz von Herdenschutzhunden und Nachtpferchen als Schutzmassnahme anerkannt.

 

Juni 2016

Staatsrat Melly bewilligt den Abschuss des Wolfes M59 im Augstbordgebiet. Gegen das gleiche Tier verstrich schon im 2015 eine Abschussfrist erfolglos. Zwischen April und Juni wurden 50 Schafe und Ziegen auf Frühlingsweiden in diesem Gebiet von einem Wolf gerissen. Die Bewilligung stützt sich auf das eidgenössische Jagdgesetz und deren Verordnung. Anlässlich von Ortsbegehungen kamen Spezialisten (inkl. ein Vertreter der Agridea) zum Schluss, dass mind. 15 Schafe in geschützten Situationen gerissen worden und damit die Voraussetzungen für einen Abschuss erfüllt seien. Die Abschussbewilligung hat 60 Tage Gültigkeit.

 

Pro Natura erachtet die Abschussverfügung als nicht rechtens. Der Kanton Wallis darf in diesem Fall keine Abschussbewilligung erteilen, da höchstwahrscheinlich mit dem Vorhandensein eines Rudels – und damit von Welpen – gerechnet werden muss. Einen Abschuss eines Elternteils würden die Jungwölfe in der kritischen Aufzuchtphase wohl nicht überleben. Pro Natura und der WWF reichen Beschwerde ein und verlangen aufschiebende Wirkung.

 

Juli 2016

Ein Wolf, der im Kanton Uri in den vergangenen zwei Monaten rund 50 Schafe gerissen hatte, wird auf Gebiet der Gemeinde Attinghausen von der Wildhut erlegt, kurz nachdem die Sicherheitsdirektion die Abschussbewilligung erteilt hatte. Beim erlegten Tier handelt es sich um das Individuum M68. Das Tier war in guter körperlicher Verfassung, wies jedoch eine mindestens sieben Wochen alte Schussverletzung auf. Man muss also davon ausgehen, dass Ende Mai/Anfang Juni 2016 illegal auf dieses Tier geschossen wurde.

 

August 2016

Die Abschussbewilligung für Wolf M59 im Walliser Augstbordgebiet läuft erneut aus, ohne dass das Tier erlegt wurde. Aufgrund der geltenden Gesetzgebung war der Abschussperimeter restriktiv definiert.

 

Die Bündner Wildhut erbringt den Nachweis, dass sich das «Calandarudel» das fünfte Jahr in Folge fortgepflanzt hat. Mindestens sechs Welpen tappen in die aufgestellten Fotofallen.

 

In Österreich wird die erste Wolfsfamilie seit über einem Jahrhundert nachgewiesen. Die Tiere halten sich auf dem Truppenübungsplatz Allensteig im Bezirk Zwettl (Waldviertel) auf.

 

Die Tessiner Wildhut erbringt der Nachweis, dass sich das Rudel mit den Gründertieren F8 und M47 im Valle Morobbia erneut fortgepflanzt hat. Es muss von mindestens drei Welpen ausgegangen werden.

 

Der Bundesrat gibt den Entwurf für die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes (JSG) in die Vernehmlassung. Der Entwurf sieht vor, dass die Kantone künftig auch über Abschüsse in Wolfsrudeln selbst entscheiden können und dass auch «regulierende» Eingriffe in Wolfsrudeln möglich sein sollen – ohne Nachweis grosser Schäden, sondern alleine, wenn nach Ansicht des Kantons erhebliche Schäden durch das Wolfsrudel drohen. Hat ein Rudel Nachwuchs, soll dieser im gleichen Kalenderjahr um max. 50% durch Abschüsse reduziert werden können. Pro Natura und WWF äussern sich kritisch zum Vorschlag des Bundesrats. Sie verlangen, dass weiterhin der Bund die Abschüsse genehmigen muss, stellen sich aber nicht grundsätzlich gegen die Möglichkeit der Regulierung. Sie befürchten jedoch, dass Abschussbewilligungen aufgrund politischer statt wissenschaftlicher Kriterien erteilt werden. Auch stellen sie die Wirksamkeit einer Regulation grundsätzlich in Frage.

 

Die Walliser Behörden werden vom BAFU über die Anwesenheit eines Jungwolfes im Augstbordgebiet informiert. Ein fotografischer Beweis liegt vor; zudem hat eine Privatperson eine Wolfsfamilie mit drei Jungwölfen im gleichen Gebiet beobachtet. Der fotografische Nachweis erfolgte durch einen KORA-Mitarbeiter. Noch bedarf bei Präsenz eines Rudels jegliche Bestandsreduktion der Bewilligung durch den Bund. Als wahrscheinliche Gründertiere dieses dritten Schweizer Wolfsrudels gelten die Individuen M59 und F14.

 

September 2016

Ein Jäger beobachtet und filmt bei Mollis im Kanton GL einen Wolf auf kurze Distanz. Wie sich rund zwei Monate später aufgrund genetischer Analysen ergeben wird, handelt es sich um einen Neuzugang, M71, der aus der italienisch-französischen Population zugewandert ist.

 

In Wienacht Tobel (AR) und Oberuzwil deuten zwei gerissene Schafe auf Wolfspräsenz hin.  

 

Im Sommer wurde ein neuer Wolf im Kanton Bern bei Bolitgen identifiziert. Nun wurden dort zwei Wölfe mit Fotofallen nachgewiesen. 2016 konnte ein dort schon seit zwei Jahren wohnhaftes Tier, das Weibchen F13, mehrfach nachgewiesen werden.  

 

November 2016

Die Walliser Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere präsentiert die diesjährige Schadensbilanz zum Wolf. 2016 wurden im Kanton 9 unterschiedliche Jungtiere, davon 3 Jungtiere, gezählt. 187 Nutztierrisse waren zu verzeichnen. Der Schaden belief sich auf 83`680 CHF. In der Augstbordregion gilt die Präsenz eines Rudels als bestätigt. Der Kanton will deshalb beim Bund einen Antrag auf Regulierung stellen.

 

Am 30. November läuft die Vernehmlassungsfrist zur Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes ab. Pro Natura lehnt den vorliegenden Entwurf dezidiert ab: Sie regelt nicht nur die durch die Motion Engler vom Parlament in Auftrag gegebene Regulierung des Wolfes auf ungenügende Weise, sondern würde auch den Schutz weiterer geschützter Arten massiv schwächen. Grundvoraussetzung für eine «Regulierung» von Wölfen müsste ein überlebensfähiger Bestand sein. Nach Inkrafttreten der Revision dürfte jedoch bereits bei einem Bestand von drei Wolfsrudeln reguliert werden – und dies sogar, ohne dass Schäden eingetreten wären.

 

Dezember 2016

Der Kanton Wallis erteilt mit Zustimmung des BAFU einen Regulierungsbeschluss gegen das Augstbordrudel. Der Abschuss eines einzelnen Wolfes aus besagtem Rudel darf bis zum 31. März 2017 erfolgen. Sollten im Verlauf dieser Zeit weitere Jungtiere nachgewiesen werden, kann die Abschussquote entsprechend erhöht werden.

 

Ende Dezember wird im Gebiet des Augstbordrudels ein weiblicher Jungwolf erlegt. Der Abschuss erfolgte nachts in Siedlungsnähe. Es handelt sich um das Jungtier F22. Im Jahr 2016 werden ca. 380 Nutztiere von Wölfen gerissen.

 

Januar 2017

Im Augstbordgebiet wird ein neuer Wolf festgestellt. Die Wölfin F24 ist den Behörden bislang nicht bekannt. Es ist durchaus möglich, dass es sich bei diesem Tier um einen weiteren Nachwuchs der Gründertiere M59 und F14 handelt. Die Walliser Behörden wollen nun versuchen, einen zweiten Wolf zu erlegen, da das Rudel offenbar grösser ist, als bislang angenommen. Insgesamt wurden im Augstbordgebiet, gestützt auf die genetischen Analysen, die Jungtiere M72, F22, F23 und F24 nachgewiesen.

 

Die Resultate einer Genanalyse aus dem Raum Evolène führen zum Nachweis eines neuen Tieres, M73.

 

Februar 2017

Eine Speichelprobe von einem Wolf aus dem Diemtigtal (BE), entnommen von einem gerissenen Reh, wird einem neuen Individuum zugeordnet, M74. Das Tier verhält sich unauffällig und hat bislang noch keine Nutztiere gerissen.

 

Im Val d´Anniviers (VS) entdecken Spaziergänger einen Wolfskadaver. Das Tier – die Wölfin F16 – wurde gewildert. Sie wurde seit 2014 mehrfach nachgewiesen. Die Staatsanwaltschaft leitet eine Untersuchung ein.

 

März 2017

Im Januar und Februar hat ein Wolf im Bergell und Misox (GR) sowie in der Leventina (TI) mehr als 40 Schafe gerissen. In drei Fällen kann als Verursacher der Wolfsrüde M75 festgemacht werden. In gegenseitiger Absprache erlassen die Kantone GR und TI eine Abschussverfügung (auf 60 Tage befristet). Der Abschussperimeter wird grosszügig bemessen.

 

April 2016

Die Regulationsfrist für das Augstbordrudel ist abgelaufen. In dieser Zeit konnte von den zwei genehmigten Abschüssen einer getätigt werden. Seit dem ersten Abschuss hatten die Wölfe des Rudels menschliche Siedlungen in der Tat gemieden.

 

Mai 2017

Auch der Kanton St.-Gallen verfügt eine Abschussbewilligung gegen den weitherum Schaden stiftenden Wolfsrüden M75. Das Tier überspringt Weidezäune und drang in einem Fall sogar in einen Stall ein. Über 50 Risse in den Kantonen TI, GR, SG, TG und ZH konnten M75 angelastet werden.

 

Auch der Kanton Appenzell-Ausserrhoden erlässt eine Abschussverfügung gegen M75. Die Abschussfrist wird jedoch ablaufen, ohne dass das Tier erlegt werden konnte.

 

Juni 2017

In der Gemeinde Jaun (FR) wird eine Wölfin tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft eröffnet eine Untersuchung. Genetische Analysen ergeben, dass es sich um die im Gebiet schon lange anwesende Wölfin F13 handelt. Das Tier war in den letzten Monaten in Begleitung eines Männchens, M64, beobachtet worden – über dessen Verbleib besteht Unkenntnis. Pathologische Untersuchungen bestätigen, dass die Wölfin böswillig getötet – vergiftet – wurde. In der Umgebung werden weitere vergiftete Tiere (Füchse, Dachse, Marder und Katzen) aufgefunden. Es besteht dringender Tatverdacht gegen eine polizeibekannte Person.

 

Im ersten Halbjahr 2017 verteilen sich die sicheren Wolfsnachweise (Sichtungen, genetische Proben, Totfunde) auf die Regionen Calanda, Mittelbünden, Unterengadin, Bergell, Tessin, Oberwallis, Berner Oberland/Fribourg, Innerschweiz, Nordschweiz (AR/TG/ZH). Weitere sichere Spuren (Risse, Fährten) wurden auch im Unterwallis, in der Zentralschweiz und im Mittelland entdeckt (Jurasüdfuss BE/SO, ZH). Nicht überprüfbar war ein Wolfshinweis aus dem Kanton Jura. Grundsätzlich kann und muss in der ganzen Schweiz jederzeit mit dem Auftauchen von Wölfen gerechnet werden!

Bekannte Todesursachen der Wölfe in der Schweiz

Abschussbewilligungen: 21 (davon 10 «erfolgreich»)

Totfunde insgesamt: 25 Wölfe

(1998 ff, inkl. bewilligte Abschüsse)

Legal geschossen: 10 Wölfe (Nr. M06, M?, M08, F03, M15, M21, M16, M35, M68, F22)

Illegal umgebracht: 9 Wölfe (Nr. M01, M42, M44, M?, M?, M63, M67, F16, F13)

(inkl. „versehentlich“ erschossen)

Verunfallt : 6 Wölfe (Nr. 4 (M02), 15 (M13), M36, M43, M48, M53)

Pro Natura
Urs Tester / Sara Wehrli