«Allegra Geissenpeter»: Ziegen, Esel und Rinder weiden für die Biodiversität

In der Schweiz sind im letzten Jahrhundert über 95% aller Trockenwiesen und -weiden verschwunden. Vor allem im Berggebiet verbuschten Wiesen und Weiden, weil sich die Nutzung durch regelmässiges Mähen und Beweiden nicht mehr rechnete. Mit dem Projekt «Allegra Geissenpeter» will Pro Natura in Zusammenarbeit mit Bäuerinnen und Bauern Gegensteuer geben.

 

Werden Trockenwiesen und -weiden nicht mehr genutzt, wachsen sie allmählich zu, verbuschen und verwalden. Die typische Artenvielfalt dieser Lebensräume geht dadurch verloren. Eine Analyse des Bundes im 2009 ergab: im Wallis und Tessin liegen mehr als 30 % der Trockenstandorte brach, im Graubünden sind es 10%. Deshalb lässt Pro Natura mit dem Projekt «Allegra Geissenpeter» den Hüterbub aus dem Klassiker «Heidi» wieder aufleben. Sie lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern.

 

Im Jahr 2006 startete Pro Natura in Zusammenarbeit mit LandwirtInnen, Gemeindebehörden und den kantonalen Zuständigen das Projekt «Allegra Geissenpeter». Mit dem Beweidungsprojekt sollen artenreiche Trockenweiden in Chalais (VS), im Churer Rheintal (GR) und im Bergell (GR) vor der fortschreitenden Verwaldung bewahrt werden. Von der Entbuschung der Flächen profitieren auch die beteiligten Landwirte, da diese Flächen anschliessend wieder direktzahlungsberechtigt sind und damit eine rentable Bewirtschaftung wieder möglich wird.

 

Weidetiere bringen Licht in Weiden

Pro Natura begleitete die einzelnen Projekte jeweils fünf Jahre. In den ersten beiden Jahren standen Ersteingriffe wie das Auslichten verwaldeter Flächen und das Erstellen von Zaunsystemen im Fokus. Anschliessend startete die Beweidung mit geeigneten Weidetieren, um die Trockenstandorte offen zu halten. 

 

Ort Meter über Meer Zeitdauer Beweidung mit 
Chalais (VS)
 
1300 2007-2011 Eseln
Churer Rheintal (GR)
 
600-800 2008-2012 Rindern, Ziegen
Soglio (GR)
 
1300 2011-2015 Ziegen, Eseln, Rindern

 

Die Erfahrung zeigt, dass sich besonders Ziegen für solche Projekte anbieten, da sie auch vorhandene Gehölze stark verbeissen.

 

Erfreuliche Bilanz

Von 2006 bis 2016 wurden die ersten drei Projekte von «Allegra Geissenpeter» sehr erfolgreich umgesetzt. Insgesamt konnten mehr als 80 Hektaren Trockenweiden aufgewertet werden. Die Verbuschung auf den einzelnen Flächen ging auf unter 30% zurück und die trockenheits- und wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten haben zugenommen. Besonders hervorzuheben ist hier die ausgelichtete Waldweide in Chalais, wo sich die Anzahl der vorkommenden Schmetterlinge dank dem Eingriff von Pro Natura mehr als verdoppelt hat.

 

Die aufgewerteten Trockenweiden werden auch noch heute nachhaltig durch die Landwirte bewirtschaftet, nachdem sich Pro Natura aus den Projekten zurückgezogen hat. Die Landwirte erhalten Geld (Direktzahlungen/Naturschutzbeiträge) für die Beweidung der wiedergewonnenen Trockenstandorte.

 

«Eldorado» für Heuschrecken und Tagfalter

Die Trockenweiden in Chalais und Churer Rheintal sind ein «Eldorado» für Heuschrecken und Tagfalter. In beiden Gebieten konnten nach Projektabschluss mehr als 40% aller in der Schweiz vorkommenden Tagfalterarten und mehr als 20% aller Heuschreckenarten beobachtet werden.

 

Engagement von Pro Natura ist auch weiterhin nötig

Die Verbuschung in den Trockenwiesen- und weiden in den Berggebieten wird weiter fortschreiten. Aus diesem Grund ist Pro Natura bereits daran weitere verbuschte Trockenstandorte aufzuwerten (z. B. in Törbel/VS), zusätzliche Folgeprojekte von «Allegra Geissenpeter» sind in Planung.

Leitfaden: Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung

Im Rahmen der ersten 3 Projekte von «Allegra Geissenpeter» hat Pro Natura einen Leitfaden für Fachleute entwickelt, welcher aufzeigt, welche ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen es braucht, damit die Nutzung aufgegebener Trockenwiesen und -weiden im Alpenraum für die Landwirte wieder attraktiv wird. 

 

Der Leitfaden kann im «INFOBEREICH» rechts heruntergeladen werden.