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Medienmitteilungen

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Mittlerer Brandel Thomas Fabbro
Wald

Aufwertung von Stromtrassen

Gemeinsam mit den Industriellen Werken Basel (IWB) setzt Pro Natura Baselland entlang der Stromtrassen umfassende Massnahmen zur Förderung der ökologischen Vernetzung und zur gezielten Aufwertung von Lebensräumen um.

Neben dem Verlust von Lebensräumen zählt deren Fragmentierung zu den grössten Bedrohungen der Biodiversität. Kleine und isolierte Populationen haben ein stark erhöhtes Risiko auszusterben. Der eingeschränkte Austausch zwischen Teilpopulationen kann zu genetischer Verarmung führen und macht Arten anfälliger für Störungen wie Krankheiten oder extreme Umweltbedingungen.

Für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist daher nicht nur die Schaffung neuer Lebensräume entscheidend, sondern insbesondere auch die Vernetzung bestehender Lebensräume. Stromtrassen bieten hierfür ein grosses, bislang wenig genutztes Potenzial.

Ökologisches Stromtrassen-Management

Die Hochspannungsleitungen der IWB überspannen die Juraketten und reichen von Bassecourt (JU) und Wangen an der Aare (BE) bis nach Binningen und Therwil. Sie führen über zahlreiche ökologisch wertvolle Gebiete und eignen sich deshalb hervorragend als Vernetzungsachsen.

Unter Stromtrassen im Wald wird aus Sicherheitsgründen in regelmässigen Abständen die Vegetation bodeneben zurückgeschnitten. In der sogenannten Niederhaltezone entsteht dadurch eine vergleichsweise homogene Strauchvegetation. Pro Natura Baselland hat in diesen anderweitig nicht nutzbaren Flächen ein ökologisches Aufwertungspotenzial erkannt.

In Zusammenarbeit mit den IWB werden ab 2021 in der Region Basel Projekte umgesetzt, die auf eine langfristige Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität und der Lebensräume im Sinne eines ökologischen Stromtrassen-Managements abzielen.

Vision der Trassenansicht

Gestufte und buchtig gegliederte Waldränder schaffen einen harmonischen Übergang zwischen den Niederhaltezonen unter den Freileitungen und dem angrenzenden Wald.

Stromtrassenvision Thomas Fabbro
IWB und Pro Natura für mehr Biodiversität unter Stromtrassen

Aufwertungsprojekte

Im Sommer 2021 wurde die ganze Strecke begangen, um den ökologischen Wert und das Potential der einzelnen Abschnitte systematisch zu erfassen. Bewertet wurden sowohl die Flächen direkt unter den Leitungen als auch jene im Bereich der Masten. Auf dieser Grundlage werden die Aufwertungsmassnahmen geplant und etappenweise umgesetzt.

Aufwertungsprojekte entlang der Strecke

Riesel in Liesberg: Beispielhafte Ausgangslage

Entlang des idyllischen Rieselbächleins wurde ein mit vielen Sträuchern durchsetzter breiter Krautsaum eingerichtet. Dieser bietet vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und zeigt exemplarisch das Potenzial ökologischer Aufwertungen entlang von Stromtrassen.

Beispiel einer Aufwertung
Mittlerer Brandel in Kleinlützel: Mosaik aus Feucht- und Trockenlebensräumen

Zwischen dem Bergfeld und der Schützenebnet wurde ein rund 350 Meter langer Waldabschnitt zu einem arten- und strukturreichen Lebensraum aufgewertet. Das Gebiet zeichnet sich durch ein äusserst kleinräumiges Mosaik aus trockenen und feuchten Abschnitten aus.

Im Zentrum der Massnahmen steht der mähbare Krautstreifen direkt unter den Leitungen. Der Krautstreifen wird auf einer Seite durch einen buchtigen und gestuften Waldrand und auf der anderen Seite durch lichten Föhrenwald begrenzt.

Die Umsetzungen sind im Februar 2022 gestartet und weitgehend abgeschlossen. In den kommenden 5 Jahren werden zusätzliche Kleinstrukturen geschaffen. Während dieser Phase erfolgt ein intensiver Unterhalt, bevor die Pflege in einen langfristigen, schonenden Betrieb übergeht.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von

  • dem Swisslos-Fonds Solothurn,
  • der Walder-Bachmann Stiftung,
  • der Sophie und Karl Binding-Stiftung,
  • der Stiftung Spitzenflühli und
  • der IWB Projektförderung.
Mittlerer Brandel: Mosaik aus Feucht- und Trockenlebensräumen Thomas Fabbro
Blauen Nordhang in Hofstetten-Flüh: Zitterpappeln für den Grossen Eisvogel

Am kühlen, schattigen Nordhang des Blauens wird ein rund 550 Meter langer Leitungsabschnitt im Wald ökologisch aufgewertet. Das Gebiet liegt auf über 700 m.ü.M. und ist geprägt durch feuchte Böden und eine nordexponierte Lage.

Im Krautstreifen unter den Leitungen und in umliegenden Buchten entlang der Bergmatten wurden gezielt Weichholzarten wie Zitterpappeln und Weiden gefördert. Diese dienen zahlreichen Insektenarten als wichtige Nahrungspflanzen, insbesondere dem Grossen Eisvogel.

Der Ersteingriff begann im Dezember 2022 und wurde 2023 abgeschlossen.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von

  • dem Swisslos-Fonds Solothurn,
  • der Walder-Bachmann Stiftung,
  • der Sophie und Karl Binding-Stiftung,
  • der Stiftung Temperatio,
  • der Ernst Göhner Stiftung,
  • dem Kanton Solothurn, Abteilung Wald, Waldbiodiversität und
  • der IWB Projektförderung.
Blauen Nordhang Meret Halter
Birgel in Büsserach und Erschwil: Vernetzung über zwei Hügelketten

Über zwei steile Hügelketten konnte ein abwechslungsreicher Vernetzungskorridor geschaffen werden, in dem sich sonnige und schattige Abschnitte abwechseln. Die Kuppen «Churze Birgel» und «In den Reben» prägen das Gebiet.

Beidseits des Projektperimeters befinden sich Vorkommen seltener Reptilienarten, deren Lebensräume bereits aufgewertet und als Schutzgebiete ausgeschieden wurden. Die ökologische Aufwertung unter der Stromtrasse verbindet diese Teilpopulationen und ermöglicht den genetischen Austausch. Gleichzeitig entsteht ein wertvoller Lebensraum für seltene Reptilienarten, Kleinsäugetiere sowie für verschiedene Vogel- und Insektenarten.

Ein durchgehender Krautstreifen in der Niederhaltungszone bildet die Vernetzung. Ergänzend werden Kleinstrukturen wie Asthaufen und Weiher angelegt. Letztere entstanden im Rahmen des Projekts «Klassenweiher».

Der Ersteingriff erfolgte 2024. 

Ermöglicht wird dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von

  • dem Swisslos-Fonds Solothurn
  • den BKW Ökofonds,
  • dem Kanton Solothurn, Abteilung Wald, Waldbiodiversität und
  • der IWB Projektförderung.
Ein Jahr nach dem Ersteingriff im Birgel blüht bereits die Graslilie Meret Halter
Redel in Blauen: Blütenreicher Wildbienenkorridor

Vom Hofstetter Spitz bis zur Bergmatte in Dittingen konnte ein blütenreicher Korridor über den Blauenkamm geschaffen werden. Die Leitung verbindet magere, trockene Flächen unterhalb des Hofstetter Spitz mit der ehemals offenen Feuchtwiese der Fluematt.

Auf der feuchten Fläche blühen das ganze Jahr über verschiedene Hochstauden, die über das ganze Jahr hinweg reichlich Nektar bieten und so einen wichtigen Vernetzungskorridor für Wildbienen und andere Bestäuber darstellen. Durch den Bau mehrerer Weiher wird zudem die Vernetzung der gefährdeten Geburtshelferkröte am Blauen Südhand entscheidend gestärkt.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Redel Albert Krebs
Schattberg in Kleinlützel: Kühler Rückzugsort für seltene Arten

Der steil gelegene, nordexponierte Wald am Schattberg zeichnet sich durch seine feuchten und kühlen Stellen aus. Mit buchtig gegliederten Waldrändern, lichten Waldpartien und offenen Krautstreifen entsteht ein strukturreicher Lebensraum für Arten, die kühlere Bedingungen bevorzugen, darunter seltene Insekten- und Vogelarten, wie zum Beispiel für den in der Region seltenen Trauermantel.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Albach
Chalchofenberg in Liesberg: Vernetzung für den Glögglifrosch

Der zwischen zwei Amphibienlaichgebieten liegende Abschnitt eignet sich hervorragend als Vernetzungskorridor für den Glögglifrosch und weitere Amphibienarten. Die zwei neu angelegten Weiher werden einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Vernetzung leisten. Zudem werden der Waldrand und eine angrenzende Hecke ökologisch aufgewertet.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Chalchofenberg in Liesberg
Frohnacker in Ettingen: Feuchter Lebensraum für Libellen

m Frohnacker wurde ein kurzer Waldabschnitt mit feuchtem Standort und Quelle aufgewertet. Oberhalb entsteht ein zusätzlicher, regenwassergespeister Weiher. Die Waldränder wurden gebuchtet und stufig ausgebildet und bieten nun ideale Bedingungen für Libellen und weitere feuchtigkeitsliebende Arten.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Frohnacker Meret Halter
Bielgraben in Pfeffingen: Strukturreiches Wald-Offenlandmosaik für den Neuntöter

Gebüschfluren, strukturreiche Waldränder, offene Flächen und lichter Wald sind im Bielgraben auf kleinstem Raum vereint. Der strukturreiche Lebensraum bietet anspruchsvollen Arten wie dem Neuntöter ideale Bedingungen. Zusätzlich soll ein Weiher zur weiteren Vernetzung von Amphibien entstehen.

Bereits seit März 2020 wertet das Forstrevier Angenstein den Waldrand unterhalb der Hochspannungsleitung auf. Es entstand eine artenreiche Vegetation aus wertvollen Straucharten wie Schwarzdorn, Kreuzdorn, Weissdorn und Gemeinem Schneeball sowie einer vielfältigen Krautschicht.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Bielgraben Meret Halter
Digg in Pfeffingen: Espen für den Espen-Gabelschwanz

Am nordexponierten Waldrand entstehen neue Buchten, und Weichholzarten wie Pappeln und Weiden werden gezielt gefördert. Davon profitieren unter anderem der im Gebiet vorkommende, seltene Espen-Gabelschwanz.

Der Ersteingriff erfolgte 2025.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch

  • die Walder-Bachmann Stiftung,
  • den Swisslos-Fonds Baselland,
  • den Fonds Landschaft Schweiz,
  • die Stiftung Temperatio,
  • den Swisslos-Fonds Solothurn
  • die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
  • die Stiftung Corymbo und
  • die Stotzer-Kästli-Stiftung.
furcula bifida Thomas Stalling

Impressionen

Wir sagen danke

Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten sowie der grosszügigen finanziellen Unterstützung durch:

  • BKW Ökofonds
  • Dr. Berthold Suhner Stiftung
  • Ernst Göhner Stiftung
  • Fonds Landschaft Schweiz
  • IWB Projektförderung
  • Kanton Solothurn, Abteilung Wald – Waldbiodiversität
  • Sophie und Karl Binding Stiftung
  • Stiftung Corymbo
  • Stiftung Spitzenflühli
  • Stiftung Temperatio
  • Stotzer-Kästli-Stiftung
  • Swisslos-Fonds Baselland
  • Swisslos-Fonds Solothurn
  • Walder-Bachmann Stiftung
Rotflüglige Schnarrschrecke auf Deutschem Enzian Beat Schaffner
Landwirtschaft

Kulturlandaktion Hase & Co. Baselland-Solothurn

Innerhalb der Aktion Hase & Co. wird die ganze Artenvielfalt gefördert, insbesondere Kleintiere und seltene Pflanzen.

Die Artenvielfalt im Landwirtschaftsgebiet steht trotz Anreizen zur Biodiversitätsförderung unter Druck! Zusammen mit der Landwirtschaft setzen sich Pro Natura Baselland und Solothurn mit der 10-Jahresaktion Hase & Co. für ein arten- und strukturreiches Kulturland ein. Das Aktionsgebiet umfasst den Kanton Baselland sowie die Solothurner Bezirke Dorneck, Thierstein und Thal.

Ziele:

  • Sicherung und Förderung von ökologisch wertvollen Grenzertragsflächen (v.a. artenreiche Wiesen und Weiden) und Optimierung der Pflege durch Vermittlung von geeigneten Maschinen und Weidetieren sowie Arbeitskräfte für zeitlich begrenzte Einsätze. Dabei sehen wir uns als zusätzliches Modul, welches die Grundstruktur der BFF ideal und gezielt ergänzt.  
  • Etablierung von Natur- und Landschaftspflege als akzeptierter und geachteter Betriebszweig auf Landwirtschaftsbetrieben.
  • Ökologische Aufwertung  der Kulturlandschaft auf der ganzen Fläche des Kantons Baselland und der Solothurner Bezirke Dorneck, Thierstein und Thal.

Situation:

Im Landwirtschaftsgebiet sind zwei Tendenzen feststellbar:

  • Die produktiven Flächen werden intensiviert
  • Die restlichen Flächen werden vernachlässigt. Sie verarmen oder sie verganden und wachsen ein.

Von 2005 bis 2017 hat die Fläche der Naturwiesen im Kanton Basel-Landschaft um 554 ha abgenommen. In der gleichen Zeit hat der Privatwald um 389 ha zugenommen. Der Wald wächst immer mehr in extensive Wiesen und Weiden hinein, welche zwar nicht sehr produktiv sind, dafür aber ökologisch sehr wertvoll. Grund dafür ist vor allem der Kostendruck in der Landwirtschaft: Es lohnt sich immer weniger, die geringen Futtererträge solcher Flächen zu nutzen. Im Gegensatz zu früher ist der Landwirt heute beim Heuen häufig alleine.

Das Mähen, Zetten, Schwaden und Zusammennehmen erfolgen weitgehend maschinell. Weil konventionelle Maschinen im Hang oft überfordert sind, werden steile, aber ökologisch wertvolle Wiesen oft nicht mehr häufig genug gemäht und verbuschen allmählich. Dies auf Kosten vieler licht- und wärmeliebenden Tiere und Pflanzen, die in den steilen und mageren Wiesen leben.

Bund und Kanton versuchen mittels Direktzahlungen, die Pflege dieser oft steilen Flächen sicherzustellen und entschädigt die Landwirte für den grossen Aufwand. Finanzielle Unterstützung genügt aber nicht, es braucht auch technische Hilfe. Mit modernen Hangmähern lassen sich die steilsten Wiesen schonend und effizient bewirtschaften. Auf der Homepage www.hang-bl.ch vermitteln wir solche Maschinen für den überbetrieblichen Einsatz.

Bei schon verbuschten Flächen ist der Einsatz von Ziegen oder robusten Rinderrassen wie beispielsweise Schottische Hochlandrinder zu empfehlen. Diese fressen auch Gehölze und Brombeeren. Die vernachlässigten Flächen sollen in erster Linie durch Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen des Bundes besser gepflegt werden und nur in Ausnahmefällen und zeitlich beschränkt mit anderen Pflegeequipen wie Sozialfirmen, Zivildienstleistende oder Freiwillige. Wenn die Flächen QII-Qualität erreichen, ist mit geeigneten Maschinen und Tieren dank der Direktzahlungen gemäss einer Studie von Agrofutura in der Regel die Pflege für die Landwirte profitabel.

Aktivitäten:

Zygaena fausta Thomas Stalling
Insekten

Tagfalterschutz Baselland

Das Projekt «Tagfalterschutz Baselland» will die Tagfaltervielfalt im Kanton Baselland langfristig sichern.

Mit verschiedenen Artenförderungs- und Lebensraumaufwertungsprojekten fördern wir gefährdete Tagfalter und Widderchen sowie Gebiete mit hohen Artenvielfalt in den Kantonen Basel-Landschaft und Kanton Solothurn. Als Grundlage für zielgerichtete Fördermassnahmen untersuchen wir die Ökologie und die regionalen Bedürfnisse verschiedener Arten.

Wir unterstützen die Fachstelle Natur und Landschaft des Kantons Basel-Landschaft bei ihren Verpflichtungen zur Förderung der Biodiversität und der national prioritären Arten. Weitere Massnahmen werden durch Stiftungen finanziert und gemeinsam mit Partnern aus Forst, Landwirtschaft und Naturschutz umgesetzt.

Der Schwerpunkt der Lebensraumaufwertungen liegt im Laufental (z. B. Blauenweide, Liesberg, Kleinlützel) und im Oberbaselbiet (z. B. Lauwil, Waldenburg und Eptingen).

Wichtige geförderte Schmetterlingsarten

Zu den wichtigsten geförderten Schmetterlings-Arten gehören:

  • Bergkronwicken- und Bibernell-Widderchen (Zygaena fausta und Z. minos)

  • Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchen (Jordanita globulariae und J. notata)

  • Gelbringfalter (Lopinga achine)

  • Grosser Eisvogel (Limenitis populi)

  • Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon rebeli)

  • Rostbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)

  • Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia)

Der Schwerpunkt der Massnahmen liegt im Offenland, wo die optimale Weide- und Wiesennutzung ein grosses und anspruchsvolles Thema ist. Im Wald engagieren wir uns für lichte Baumbestände, für mehr Vorkommen von Weichhölzern sowie für tagfalterfreundliche Waldränder. Wir konzentrieren uns ganz auf den Lebensraumschutz und sind sehr zurückhaltend, was die Wiederansiedlung von Tagfaltern betrifft.

Weiterführende Informationen

Info

Für Anfragen und Kontakt melden Sie sich direkt bei Pro Natura Baselland.

Kontakt

@email

Aktuelles von Tagfalterschutz Baselland

Espen-Gabelschwanz zeigt den Erfolg bei der Weichholzförderung (2022–2025)

Am Nordhang des Blauen bei Hofstetten-Flüh SO wurden an den Waldrändern und im Bereich einer Leitungsschneise zur Förderung des Grossen Eisvogels und anderer seltener Insektenarten gezielt Espen und Salweiden gefördert. Initiiert und aufgegleist wurden die Aufwertungen durch Tagfalterschutz BL. Die Detailplanung und Durchführung der Eingriffe erfolgte dann durch die «Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) am Blauen» unter Christoph Sütterlin.

Die Umsetzung ist ein Erfolg: Die neuen Lebensräume werten die gesamte Landschaftskammer auf. Bei einer Erfolgskontrolle im Sommer 2025 konnte eine Raupe des Espen-Gabelschwanzes nachgewiesen werden. Der Fund dieser seltenen und schweizweit gefährdeten Art unterstreicht die Bedeutung der Massnahmen für an Weichhölzer gebundene Insekten.

furcula bifida Thomas Stalling
Aufschwung für den Argusbläuling?

Im Rahmen der Jahresexkursion 2025 der Arbeitsgruppe haben wir überraschend ein bisher unbekanntes Vorkommen des Argusbläulings auf einer nordexponierten Magerweide bei Gänsbrunnen entdeckt – der letzte Nachweis dieser Art im Kanton Solothurn liegt über 100 Jahre zurück!

Auch auf Baselbieter Boden wurde bei Langenbruck (Schöntahl) in den letzten Jahren ein Vorkommen dieser Art dokumentiert. Der Argusbläuling ist auf eine gute Lebensraumpflege angewiesen; Tagfalterschutz BL wird der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn entsprechende Vorschläge machen.

plebejus argus
Neue Felslebensräume für die Schmetterlinge (seit 2022)

Die Aufwertung der Dorfholle in Kleinlützel ist ein langjähriger Wunsch von Tagfalterschutz BL. Das Felsgebiet ist einer der wichtigsten Lebensräume des Walliser Waldportiers in der Region und war zunehmend zugewachsen.

2022 wurde das Gebiet direkt oberhalb des alten Dorfkerns im Rahmen eines Projekts des örtlichen Forstreviers unter der Leitung von Gerhard Walser grossflächig aufgewertet. Die Arbeiten konnten optimal mit Massnahmen gegen den drohenden Steinschlag verknüpft werden.

Der Lebensraum des Walliser Waldportiers sowie von weiterer seltener Schmetterlingen wie des Grossen Braunwidderchens und gefährdeter Pflanzen wie des Berg-Fenchels konnte dadurch bedeutend erweitert werden. Tagfalterschutz BL hat Gerhard Walser bei fachlichen Fragen unterstützt.

Die Projektmassnahmen umfassen eine markante Reduktion des Baumbestands, das Entbuschen grasiger Flächen, die Förderung von Schlehen sowie die Einführung einer Ziegenbeweidung. Die Eingriffe in den Baumbestand und die Nachpflegearbeiten sind bereits erfolgt; die Beweidung ist in Planung.

Dorfholle Stefan Birrer
Lichte Wälder für die seltenen Grünwidderchen (seit 2022)

Im Rahmen eines Experiments haben wir im Laufental Massnahmen zur Förderung des Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchens durchgeführt. In Anlehnung an eine in Deutschland entwickelte Methode lichteten wir verschiedene Waldbereiche angrenzend an bekannten Widderchen-Vorkommen im Offenland auf, schuffen offene Bodenstellen und förderten die als Raupennahrungspflanzen dienenden Flockenblumen durch Ansaat.

Auf diese Weise entstanden neue potenzielle Lebensräume. Da diese halbschattig im Wald liegen, können sie für die Grünwidderchen insbesondere in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Ergänzung sein. Die Massnahmen wurden bereits umgesetzt, eine Besiedelung durch die Grünwidderchen konnte aber noch nicht dokumentiert werden.

In einer zweiten Projektphase soll das Experiment in den kommenden Jahren leicht angepasst fortgeführt werden. Die Massnahmen sowie die fachliche Begleitung durch Tagfalterschutz BL werden vom «Verein Artenförderung Schweiz» finanziert.

jordanita thomas stalling
Tagfalterschutz BL auch im Kanton Solothurn aktiv (seit 2022)

Wir erarbeiten fachliche Grundlagen für die Förderung diverser seltener Schmetterlingsarten im Kanton Solothurn. Im Auftrag der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn und zusammen mit Pro Natura Solothurn kartieren wir Vorkommen und Lebensräume unter anderem des Bibernell-Widderchens, des Kaiserbärs (ein seltener Nachtfalter) sowie des Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchens.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Kanton Solothurn noch sehr wertvolle Vorkommen dieser Arten beherbergt. Wir zeigen auf, wie diese durch verbesserte Weidpflege und weitere gezielte Massnahmen erhalten und gefördert werden können.

zygaena minos Thomas Stalling
Mit dem Bagger gegen den Adlerfarn (seit 2020)

Die Problematik der mit Adlerfarn zuwachsenden Weiden beschäftigt Tagfalterschutz BL schon lange. Je nach Situation können unterschiedliche Bekämpfungsmassnahmen zum Einsatz kommen. Auf Initiative der kantonalen Naturschutzfachstelle wurden nun erstmals dichte, klar abgegrenzte Bestände des Adlerfarns auf der Blauenweide versuchsweise mit Hilfe eines Pneubaggers durch das Abziehen des Oberbodens eliminiert.

Tagfalterschutz BL begleitet den Versuch wissenschaftlich. Das Fazit der Nachkontrollen war positiv: Die grossen Bestände konnten erfolgreich entfernt werden. Um die noch verbliebenen Reste zu beseitigen, ist in den nächsten Jahren aber eine konsequente Nachpflege nötig. 

Können wir den Kreuzenzian und seinen Bläuling noch retten? (seit 2019)

In der Nordwestschweiz haben wir in den vergangenen Jahren mit kantonsübergreifenden Massnahmen in den Erhalt der letzten verbliebenen Vorkommen des Kreuzenzians und des darauf abhängigen Kreuzenzian-Ameisenbläuling investiert. Zentrale ökologische Fragen konnten wir 2025 in Zusammenarbeit mit der ZHAW und der Universität Neuenburg klären.

Trotz Anpassungen am Weidemanagement, Ex-Situ-Vermehrung und Auspflanzung von Kreuzenzianen und Schutz vor dem Verbiss durch Weidetiere brechen die meisten Bestände des Ameisenbläulings ein und auch die Enziane nehmen ab. Die klimatischen Veränderungen, insbesondere die zunehmenden Dürreperioden, scheinen sich negativ auf beide Arten auszuwirken. Es ist daher zunehmend die Frage, ob der Kreuzenzian-Ameisenbläuling in der Nordwestschweiz auch in Zukunft überleben kann.

Unsere Arbeiten wurden in den letzten Jahren namhaft durch das Widderchen-Projekt des «Verein Artenförderung Schweiz» sowie durch die Fondation de bienfaisance Jeanne Lovioz unterstützt.

Übersichtskarte Kreuzenzian
Erfolgreiche Wiederherstellung magerer Weiden (seit 2018)

Im Gebiet Ritteberghollen in Dittingen wurde eine halbe Hektare verwaldeter ehemaliger Magerweiden wieder aufgelichtet und in eine Waldweide überführt. Die Massnahmen erfolgten im Rahmen eines Orchideenprojekts des Verein Hot Spots und in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Revierförster sowie der Naturschutzfachstelle des Kantons.

Die entstandene mageren Weide braucht noch etwas Zeit für eine optimale Entwicklung, ist aber schon jetzt eine sehr wertvolle Ergänzung zu den das Dorf umgebenden Weiden. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Lebensraum für Tagfalter. Im Jahr 2025 konnte die Fläche erstmals wieder mit der Rinderherde der Dittinger Weide bestossen werden.

Vorbildliches Wald-Offenland-Mosaik im Faltenjura (seit 2018)

Auf der Rehhagweid in Langenbruck wurden in zwei Etappen umfangreiche Massnahmen zur ökologischen Aufwertung der Lebensräume und zur besseren Verzahnung von Wald und Offenland durchgeführt. Die Arbeiten wurden 2018 und 2021 vom Forstrevier Oberer Hauenstein (Simon Tschendlik) im Rahmen des Förderprogramms «Vernetzung von Offenland und Wald» der Walder-Bachmann Stiftung durchgeführt und von Tagfalterschutz BL fachlich begleitet.

Kernstück des Projekts ist die Aufwertung eines rund 800 m langen Waldrands am oberen Rand der Rehhagweid. Zusätzlich wurde eine verdunkelte Waldinsel aufgelichtet, ein Offenland-Korridor zu den Felsgebieten der Gerstelfluh geschlagen sowie die Strukturvielfalt der Magerweide mit Bäumen und Gebüschen erhöht.

Das Gebiet beherbergt das einzige Vorkommen des Bibernell-Widderchens im Kanton Basel-Landschaft, dass 2025 bestätigt werden konnte. Die Verzahnung von Wald und Offenland im Projektgebiet kann als Vorbild für andere ökologisch wertvolle Gebiete dienen.

«Insekten-Waldränder» für die wertvollsten Magerrasen (seit 2017)

In den letzten Jahren wurden im Baselbiet zahlreiche Waldränder ökologisch aufgewertet. Die Gehölzstrukturen bieten diversen Arten Schutz und Lebensraum. Damit Waldränder jedoch auf für Tagfalter und andere Insekten attraktiv sind, braucht es neben einer gut strukturierten Strauchschicht ebenso blütenreiche Krautsäume sowie Altgrasstreifen.

Die Arbeitsgruppe arbeitet darauf hin, dass insbesondere die Waldränder, die an die Tagfalter-Hotspots angrenzen, entsprechend gestaltet sind. Wie wir uns den idealen «Insekten-Waldrand» vorstellen, haben wir zeichnen lassen.

Die Pflege solcher «Insekten-Waldränder» ist aufwändiger als herkömmlicher Waldränder, weshalb noch viel Arbeit vor uns liegt. Dennoch konnte in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren bereits mehrere Objekte aufgewertet werden, zum Beispiel in Bubendorf, Eptingen (Rehhag), Blauen und Liesberg.

Waldrand
Mehr Gelbringfalter für den Jurabogen (2017–2022)

Das Projekt «Gelbringfalter Jurabogen» hatte zum Ziel, den Gelbringfalter kantonsübergreifen in Kanton Bern (im Berner Jura), Kanton Solothurn (v.a. im Thal) und Kanton Basel-Landschaft zu fördern. Hierfür wurden Lebensräume und Ökologie der Art erforscht und die daraus abgeleiteten Massnahmen in Zusammenarbeit mit dem Forst umgesetzt.

Ein wichtiger Erfolg war, dass der Lebensraum der Raupe ermittelt werden konnte. Anders als der Falter, der sonnige Stellen im Wald braucht, fand sich die Raupe überraschenderweise ausschliesslich in schattigen bis höchstens halbschattigen Beständen von Seggenarten. Sie ernährt sich von deren Blättern. Im Projektgebiet kommt der Weisse Segge und der Berg-Segge die mit Abstand grösste Bedeutung zu.

Finanziert wurde das Projekt von Pro Natura Schweiz sowie den drei beteiligten Kantonen. Die Durchführung erfolgte gemeinsam mit mit Christoph Forrer (Projektinitiant) und Emmanuel Wermeille. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Projekt bilden eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Schutz dieses wärmeliebenden Waldschmetterlings.

Im Kanton Basel-Landschaft konnten lediglich zwei kleine Vorkommen festgestellt werden, nämlich in Lauwil und Waldburg. Im Gebiet «Holznach» bei Waldenburg werden seither punktuell stützende Eingriffe in den Baumbestand vorgenommen.

lopinga Thomas Stalling
Neue Lebensräume für das Bergkronwicken-Widderchen (seit 2016)

Das Bergkronwicken-Widderchen ist seit der Gründung von Tagfalterschutz BL eine wichtige Zielart. Seit 2016 fördern wir diese charismatische Art am Gustberg in Mümliswil-Ramiswil (Kanton Solothurn).

Dank der von der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn in Auftrag gegebener Waldauflichtungen auf einer halben Hektare konnte ein Mosaik wertvoller Lebensraumelemente geschaffen und die Bergkronwicke gezielt gefördert werden. Hierdurch wurde der Lebensraum des Widderchens bedeutend erweitert.

Bei einer Kontrolle der 2018 gepflanzten Kronwicken konnten mehrere Raupen festgestellt werden, was die Wirksamkeit des Eingriffs bestätigte. Aktuell erfolgen im Rahmen des Aufwertungsprojekts «Wasserfallen» weitere Massnahmen, um die Art auch auf Baselbieter Boden zu fördern.

Zygaena fausta Thomas Stalling

Impressionen

Organisation und Finanzierung

Tagfalterschutz Baselland ist eine ehrenamtlich arbeitende Arbeitsgruppe von Pro Natura Baselland. Folgende Organisationen haben unsere Arbeit finanziell unterstützt:

  • Fondation de bienfaisance Jeanne Lovioz: Förderung Kreuzenzian-Ameisenbläuling und weitere, nicht projektgebundene Beiträge.

  • Kanton Baselland, Abteilung Natur und Landschaft:

    • Faunistische und ökologische Abklärungen für prioritäre Arten (NPA, UZL).

    • Beratung für den tagfalterfreundlichen Unterhalt von Naturschutz- und BFF-Flächen.

    • Erfolgskontrolle Adlerfarn-Bekämpfung Blauen (2020-22).

    • Sommervogel-Plakate für die Baselbieter Waldtage (2019). Aufbau eines Frühschnittversuchs der Naturschutzfachstelle in Rothenfluh (2018).

  • Kanton Solothurn, Amt für Raumplanung, Natur und Landschaft:

    • Grundlagen für die Tagfalterförderung; 6 ausgewählte Tag- / Nachtfalterarten (seit 2021)

    • Massnahmen zugunsten Bergkronwicken-Widderchens Mümliswil-Ramiswil (Gustberg)

    • Projekt Weichholzförderung Blauen-Nordhang

  • Lotteriefonds Basel-Landschaft: Förderung der Projektphase 2007-2013

  • Pro Natura Schweiz: Förderung der Projektphase 2007-2013.

  • Verein Artenförderung Schweiz: Förderung Kreuzenzian-Ameisenbläuling und Grünwidderchen.

  • Walder-Bachmann-Stiftung: Schaffen eines Wald-Offenland-Mosaiks im Gebiet Rehhag in enger Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben Frenkentäler.

Arbeitsgruppe Tagfalterschutz Baselland
Für die Tagfalter im Baselbiet

Die Arbeitsgruppe Tagfalterschutz BL erforscht und schützt seit über 20 Jahren die Tagfaltervielfalt im Kanton Baselland.

06
Nov
2026
Ökologisch aufgewerteter Stadpark in Bern mit Kiesflächen, Bäumen und Blumenwiesen

Journée de for­ma­tion con­tin­ue «Com­pen­sa­tion écologique et mesures de rem­place­ment: Aspects juridiques et retours d’expérience»

06
Nov
2026
Ökologisch aufgewerteter Stadpark in Bern mit Kiesflächen, Bäumen und Blumenwiesen

Tagung der AG Recht der Umweltverbände

01
Sep
2026
Blattschneiderbiene trägt ein Blatt zum Nest

Online-Vor­trag: Fasz­i­na­tion Wildbienen

Teich im Naturgarten Angela Peter
Aktiv werden

Sommer: im Naturgarten durch die Hitze

«Sitzen statt schwitzen» lautet die Devise

Die Strassen flirren vor Hitze, Rasenflächen bräunen vor sich hin, alles ist irgendwie klebrig – der Hochsommer ist da. Wer Zugang zu einem Garten hat, darf sich wahrlich glücklich schätzen. Im Naturgarten ist es wesentlich kühler, als auf dem Asphalt nebenan, unter einem schattigen Baum lässt es sich bestens aushalten. Kurz: Der Naturgarten ist das beste Mittel gegen die Sommerhitze – nebst Glace. Pro Natura hat Tipps und Tricks für die heissen Tage im Naturgarten.

In Kürze: 

  • Ein Naturgarten übersteht den Sommer besser als jeder andere Garten. Grün im Siedlungsraum und im Naturgarten verbessern das lokale Klima spürbar. 

  • Giessen Sie frühmorgens direkt auf die Erde, mulchen Sie Ihre Pflanzen und es gilt: lieber einmal viel als öfters wenig. 

  • Auch im Sommer ist weniger mehr. Lehnen Sie sich zurück, legen Sie sich in die Hängematte und geniessen Sie den Schatten. 

Für den Naturgarten ist der Hochsommer keine Krisenzeit. Im Gegenteil: Ein gut gestalteter, vielfältiger Naturgarten zeigt gerade jetzt seine Stärken. Tiefwurzelnde Wildstauden überstehen Trockenphasen, ohne zu kollabieren. Mulchschichten halten die Feuchtigkeit im Boden. Schattenspendende Gehölze kühlen die Umgebung. Und während der konventionelle Rasen gelb und hart wird, blüht die Blumenwiese weiter.

Schatten im Naturgarten, Familie am Essen Daniel Rhis

Der Naturgarten ist nicht nur schön und artenreich – er ist auch eine konkrete, praktische Antwort auf die Klimakrise. Wer heute seinen Garten naturnaher gestaltet, investiert in die Widerstandskraft des eigenen Lebensraums.

Welche Tiere besuchen mich im Sommer im Naturgarten?

Im Naturgarten geht es im Sommer geschäftig zu und her: Wildbienen und Schwebfliegen sammeln schier unermüdlich Pollen und Nektar. Käfer und Schmetterlingsraupen fressen sich am Grün satt. Vögel haben ihre Jungen grossgezogen und geniessen eine Abkühlung im Vogelbad. Grillen und Frösche stimmen sich zum abendlichen Konzert ein. 

Wussten Sie? Bei den Fröschen haben die Männchen eine grosse Klappe. Die Weibchen verfügen nicht über die grossen Schallblasen und quieken oder knurren nur ganz leise. Das laute Geplapper stammt von den männlichen Fröschen, die ihr Revier markieren und Weibchen anlocken möchten. 

Kind mit Becherlupe Daniel Rhis

Die grosse Garten-Frage: Wie giesse ich im Hochsommer richtig?

Wie giesse ich im Sommer wassersparend? Was muss ich giessen? Und wann giesse ich meinen Garten am besten? Das kleine Giesskannen 1x1:

  • Was: Welche Strukturen Sie im Hochsommer regelmässig giessen müssen, hängt stark von dem Alter der Pflanzen und den Temperaturen ab. Grundsätzlich gilt:
    • Topfpflanzen: täglich giessen
    • Wiesen: Nur bei extrem langer Trockenheit, wenn die Pflanzen sichtlich welken.
    • Trockenstandorte / Ruderalflur: nicht giessen
    • Hecken: Bei langanhaltender Trockenheit kann die Hecke 1-2 die Woche gegossen werden. Es gilt: möglichst den Wurzelbereich zu giessen, ca. 15 l / m2
    • Bäume: in den ersten 2-3 Jahren 1 Mal pro Woche 50 l giessen oder einen Baumbewässerungsbeutel nutzen. Grosse, gut verwurzelte Bäume müssen normalerweise nicht gegossen werden. Informieren Sie sich über Ihren Baum, Standort und Alter.  
  • Zeitpunkt: Frühmorgens, dann verdunstet wenig Wasser und nasse Blätter trocknen anschliessend schnell. So verhindern Sie Pilzkrankheiten an den Pflanzen.
  • Wie:  
    • Lieber einmal viel, als öfters wenig. So wurzeln die Pflanzen tiefer und können sich auch besser selbst mit Wasser versorgen
    • Direkt auf die Erde, nahe bei den Wurzeln giessen, nicht auf die Blätter
    • Mit Giesskanne oder Schlauch giessen, Rasensprenger vermeiden. 

FAQ «In meinem Naturgarten durch die Sommermonate»

Wie kann ich meinen Wasserverbrauch optimieren? Welche Materialien eignen sich zum Mulchen?

Es gibt einige Tricks, um den Wasserverbrauch zu optimieren:  

  • Sammeln Sie das Regenwasser von allen Dachrinnen in einer geeigneten Regentonne. Decken Sie diese bis auf die Sammelöffnung zu, damit sie keine Falle für Kleintiere wird. Bei Problemen mit Mücken kann ein feinmaschiges Netz helfen.
  • Mulchen Sie Ihre Pflanzen: Decken Sie den Boden rund um die Pflanzen, die Sie giessen müssen mit einer fünf bis zehn Zentimeter dicken Schicht Mulch zu. Als Mulch eignen sich:
    • Rasen-/Wiesenschnitt (Hinweis: mit dem Wiesenschnitt verteilen Sie allenfalls auch Grassamen)
    • Laub
    • Brennnesseln  
    • Häckselgut, aus dem eigenen Garten
    • Stroh
  • Setzen Sie Bodendecker: Mit kleinen, bodendeckenden Pflanzen können Sie die Erde rund um Pflanzen ebenfalls schützen, so dass weniger Wasser verdunstet.

Barrieren und Fallen für Kleintiere vermeiden

Wie kann ich Tiere in den heissen Tagen unterstützen?

Im Naturgarten gibt es oft bereits viele schattige Plätze, die für alle Tiere im Garten wichtig sind. Kleinstrukturen wie Ast- und Laubhaufen aber auch Hecken und Baumkronen bieten kühle Rückzugsorte.

Wasserstellen helfen den Tieren, Abkühlung und Trinkwasser zu finden. Wechseln Sie das Wasser regelmässig, damit das Wasserbad keine Brutstätte für (Tiger-)mücken wird. Schaffen Sie mit Ästen oder Steinen Austieghilfen und Landeplätze im Wasser.

Insekten sind auch bei Hitzetagen auf Nektar und Pollen angewiesen. Giessen Sie in den frühen Morgenstunden, bevor die Futtersuche beginnt, damit Sie die Insekten nicht mit dem Wasser verscheuchen.

Achten Sie sich auch in den heissen Tagen darauf, Barrieren und Fallen für Kleintiere im Garten zu vermeiden, indem Sie zum Beispiel den Gartenschlauch jeweils sauber aufrollen und aufhängen. Barrieren und Fallen für Kleintiere vermeiden

Muss ich meinen Trockenstandort und mein begrüntes Dach wässern?

Ihren Trockenstandort können Sie bei extremer, langanhaltender Trockenperiode wässern, Sie müssen aber nicht. Er wird sich wieder regenerieren auch wenn er durch die belastende Hitze lückig geworden ist. Lücken im Bestand können neue interessante Arten wie Sandbienen oder Grabwespen anziehen. 

Das begrünte Dach müssen Sie auch im Hitzesommer nicht wässern, auch wenn die Vegetation vertrocknet. Angepasst Wildpflanzen überstehen auch extreme Trockenperioden. Zudem sorgen die im Boden vorhandenen Samen für eine rasche Regeneration. 

Für welche Befälle sind meine Pflanzen im Sommer anfällig?

Einheimische Pflanzen im Naturgarten sind sehr anpassungsfähig und deutlich robuster als viele Zierpflanzen. Sie haben damit bereits eine hervorragende Wahl getroffen. Einheimische Wildpflanzen sind an das lokale Klima und die heimische Tierwelt angepasst sind. Dennoch können im Sommer einige Befälle und Krankheiten auftreten. Wichtig ist: Nicht jeder Frass oder Befall ist ein Problem – im Naturgarten gehört ein gewisser Schaden sogar zum ökologischen Gleichgewicht.

Bei etablierten heimischen Arten gilt: Beobachten statt bekämpfen. Ein paar Blattläuse, Raupen oder Pilzflecken sind normalerweise kein Zeichen eines Problems, sondern Teil eines funktionierenden Naturgartens. Oft tauchen wenige Tage später die natürlichen Gegenspieler auf und stellen das Gleichgewicht wieder her. Ist dies nicht der Fall, informieren Sie sich über den genauen Befall und die naturnahen Pflegeempfehlungen. 

Wie pflege ich meinen Teich oder mein Sumpfbeet im Sommer?

Grosse Teiche brauchen auch im Hochsommer keine Pflege. Eingriffe sollten nur im Herbst stattfinden. Miniteich und Sumpfbeet müssen Sie aber auch im Sommer im Auge behalten:

  • Falls Sie in einem Quartier wohnen, in dem Tigermücken gesichtet wurden, verzichten Sie besser auf einen Miniteich.
  • Füllen Sie im Sommer regelmässig Wasser im Miniteich nach und fischen Sie Fadenalgen heraus.
  • Fluten Sie das Sumpfbeet bei längeren Trockenzeiten mit Wasser. Das Beet darf nicht tiefgründig austrocknen. Temporäre Pfützen von 1-3 cm Tiefe sind kein Problem.

Tipp: Wenn Sie Algen herausfischen, lassen Sie die Algen für 1-2 Tage am Teichrand liegen, damit Tiere zurück in den Teich kriechen können. 

Was für alle Teiche gilt:

  • Leiten Sie kein Regenwasser direkt vom Dach in den Teich. Es enthält zu viele Nähr- und Schadstoffe. Verzichten Sie auch auf jegliche Wasser-Zusatzstoffe. Verwenden Sie normales Leitungswasser, wenn Sie den Teich auffüllen müssen.
  • Verzichten Sie auf Springbrunnen und Sauerstoffpumpen: Manche Pumpen saugen Kleinlebewesen (Plankton bis Kaulquappen) mit dem Teichwasser an und zermalmen sie.
  • Setzen Sie keine Tiere aus anderen Gewässern in Ihren Teich und setzen Sie keine Tiere aus Ihrem Teich an andere Standorte. Es ist gesetzlich verboten. Die Tiere suchen sich Ihren Lebensraum selbst.
  • Setzen Sie auch keine Pflanzen aus anderen Teichen in Ihren Teich. So können sich Krankheiten wie die Chytridiomykose verbreiten. 
Wie mähe ich meine neu angelegte Blumenwiese im Sommer?

Wenn Sie eine Blumenwiese neu angelegt haben, geht es zuerst um die sogenannte Entwicklungspflege, anschliessend folgt die Dauerpflege:

  • 6–8 Wochen nach der Ansaat: erster Säuberungsschnitt, Schnitthöhe von min. 10 cm, Schnittgut sofort entfernen, nicht mulchen.
  • Wiederholen Sie den Säuberungsschnitt im Laufe des Sommers, immer dann, wenn der Bestand etwa kniehoch ist.  
  • Wässern Sie nur, wenn die Fläche klein ist und Sie ein rasches Wachstum wünschen. Die Wiese muss dann aber mind. 6 Wochen, bis zur Keimung feucht gehalten werden.
  • Jäten Sie nicht, damit Sie keine Keimlinge ausreissen.  
  • Falls Sie in Ihren Augen zu viele Gräser in der Blumenwiese haben, schneiden Sie diese gezielt von Hand zum Beispiel mit einer Sichel. Auch hier die Mindesthöhe von ca. 10 cm beachten, das Schnittgut entfernen.
  • Zweites und drittes Jahr: Wenn Sie mit Stauden einen alten Rasen aufwerten, mähen Sie den alten Rasenbestand ca. Fünfmal jährlich. So etablieren sich die neu eingebrachten Arten eher. Flächen mit Streifeneinsaat oder die Pflanzungen selbst nur maximal zweimal pro Jahr mähen.
  • Dauerpflege: Mähen Sie die gesamte Fläche 1–3 Mal pro Jahr mit einer Sichel, Sense oder mit dem Balkenmäher. Der erste Schnitt darf bei fetten Wiesen (3x mähen) ab Ende Mai / Anfang Juni, bei eher mageren Wiesen (1–2x mähen) ab Mitte Juni erfolgen. Der letzte Schnitt erfolgt im Oktober.
  • Mähen Sie bei trockener Witterung mit einer Schnitthöhe von mindestens 10 cm. Verteilen Sie das Schnittgut zum Trocknen gleichmässig auf der Fläche, wenden Sie es regelmässig und tragen Sie es am Abend des dritten Tages ab.
  • Mähen Sie nie die ganze Fläche. Lassen Sie mindestens 10 % Altgrasstreifen stehen. In den dürren Pflanzenstängel überwintern gerne Insekten. Achten Sie zudem darauf, dass Sie nicht immer die gleiche Fläche stehen lassen.

Wichtig: Verzichten Sie auf Mähroboter und Fadenmäher. Diese machen keinen Halt vor Tieren und sind tödlich für Igel, Amphibien und Insekten.

Was mache ich mit dem Heu bzw. Schnittgut?  
Für das Schnittgut gibt es verschiedene wertvolle Verwendungszwecke:  

  • Nutzen Sie es als Futter für Kleintiere oder Pferde
  • Errichten Sie einen Grashaufen. Dieser muss 15–20 cm Abstand vom Boden haben. Nutzen Sie einen Rost aus verschiedenen grossen Ästen als Grundlage für den Grashaufen.
  • Kompostieren Sie es im eigenen Garten, nutzen Sie es zum mulchen.
  • Bringen Sie es in eine Biogasanlage 

Die Devise heisst: Stängel stehen lassen 
Entfernen Sie verblühte Pflanzen nicht. Lassen Sie so viele Stängel wie möglich stehen und schneiden Sie diese erst im kommenden späten Frühling zurück. Stehengelassene Stängel und Blütenköpfe bilden wichtige Rückzugsorte für viele Insekten. 

Kind in Hängematte Daniel Rhis

Samen sammeln für den Herbst

Im Sommer können Sie im eigenen Garten die Samen Ihrer liebsten heimischen Wildpflanzen sammeln, um später im Garten Lücken zu schliessen, oder einer anderen Naturgärtner:in eine Freude zu machen. Sammeln Sie nur von heimischen, gesunden Arten und achten Sie darauf, sie anschliessend auch standortgerecht zu säen.  

Sammeln Sie nie alle Samen einer Pflanze. Viele Pflanzen versamen sich auch selbst.

Wann ist ein guter Zeitpunkt?

Samen sind meist reif, wenn:

  • die Fruchtstände braun oder strohfarben werden,  
  • sich Samen leicht lösen lassen,  
  • die Pflanze bereits verblüht ist.  

Sammeln Sie möglichst an einem trockenen Tag nach einigen regenfreien Tagen. Anschliessend:

  • Samen vollständig trocknen lassen.  
  • Pflanzenreste entfernen.  
  • In Papierkuverts oder Papiertüten aufbewahren.  
  • Beschriften (Art und Sammeldatum).  
  • Samen Kühl, trocken und dunkel lagern. 

Beobachten statt eingreifen – der Hochsommer als Lernzeit

Der Hochsommer ist die Zeit, in der man am meisten über den eigenen Garten lernen kann – wenn man sich die Zeit nimmt, hinzuschauen. Was blüht jetzt noch? Welche Insekten kommen? Welche Vögel besuchen den Garten? Wo sind Stellen, die austrocknen, und wo bleibt es auch ohne Bewässerung feucht? 

Trockenstandort bei Teich Angela Peter

Diese Beobachtungen sind Gold wert für die Gartenplanung. Wer jetzt feststellt, dass eine Ecke des Gartens trotz allem austrocknet, kann im Herbst trockenheitsresistente Stauden nachpflanzen. Wer sieht, dass ein bestimmter Strauch von Insekten gemieden wird, kann ihn durch eine heimische Art ersetzen.

Fazit: Der Hochsommer gehört dem Leben

Hitze und Trockenheit klingen nach Stress – und das sind sie auch für viele Gärten. Aber im Naturgarten zeigt sich der Hochsommer von seiner besten Seite: als Zeit der Fülle, der Farben und des Summens. Wer auf heimische Pflanzen setzt, klug mulcht und dem Garten erlaubt, er selbst zu sein, erlebt diese Wochen als eines der schönsten Kapitel im Gartenjahr.

Der Naturgarten braucht im Hochsommer nicht viel – aber er gibt sehr viel zurück. 

Zvieri im Naturgarten
BONJOUR NATURE

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