Mediencommuniqué

Der Schweizer Natur geht’s schlechter als wir denken

06.10.2014

Der heute im südkoreanischen Pyeongchang veröffentlichte Weltbiodiversitätsbericht zeigt: Die internationale Staatengemeinschaft macht zu wenig, um die vereinbarten Biodiversitätsziele zu erreichen. Dies gilt auch für die Schweiz. Pro Natura fordert den Bundesrat auf, sein Engagement zu erhöhen, um den Biodiversitätsschwund bis 2020 aufzuhalten. Der Aktionsplan Biodiversität muss nach fünf Jahren Vorbereitung endlich verabschiedet und die bei uns nötigen Massnahmen müssen umgesetzt werden.

 

Der Biodiversität geht es schlecht – in der Schweiz, in Europa und weltweit. Tagtäglich sterben weitere Tier- und Pflanzenarten aus. Die UN-Biodiversitätskonvention (CBD) hat im Jahr 2010 ein Paket von 20 Zielen beschlossen, die bis 2020 erreicht werden müssen, um diesen Verlust an Biodiversität zu stoppen. Zu diesen Zielen gehören die Sicherstellung der nötigen finanziellen Mittel zum Erhalt der Biodiversität, die Sensibilisierung der Bevölkerung, die Abschaffung biodiversitätsschädigender Anreize und die Errichtung von genug Schutzgebieten. Der zur heutigen Eröffnung der 12. Vertragsstaatenkonferenz in Südkorea vorgestellte Weltbiodiversitätsbericht (GBO-4) gibt nun eine ernüchternde Zwischenbilanz: 19 der gesetzten Ziele werden nicht erreicht werden, wenn nicht erheblich mehr dafür getan wird.


Wertvolle Flächen schützen und erhalten
Ein Ziel ist, dass die Länder der Biodiversitätskonvention bis 2020 auf 17% der Landesfläche ein repräsentatives Netz biodiversitätswirksamer Schutzgebiete errichten. In unseren Nachbarländern ist dies bereits der Fall. Die Schweiz hinkt hinterher. Weit weniger als 10% der Schweiz stehen bisher unter Naturschutz und das Management der geschützten Flächen lässt oft zu wünschen übrig. Es gibt zwar eine Strategie Biodiversität Schweiz, welche die globalen Ziele aufgreift, doch der nationale Aktionsplan zu ihrer Umsetzung ist noch nicht in Kraft.


Immer noch biodiversitätsschädigende Subventionen
Wie finanziert man die nötigen Massnahmen? Eine sinnvolle Strategie wäre, biodiversitätsschädigende
Subventionen zu streichen und die frei werdenden Geldmittel für Biodiversitäts-Fördermassnahmen einzusetzen. Doch gerade in diesem doppelt wirksamen Bereich gibt es am wenigsten Bewegung. So fehlen Mittel, um die für uns lebenswichtige Vielfalt der Arten zu erhalten. Die Mitgliedstaaten der Konvention hatten 2012 beschlossen, die finanziellen Mittel zur Erhaltung der Biodiversität in den Entwicklungsländern bis 2015 zu verdoppeln. Doch die Schweiz zaudert und sieht die Verdopplung erst für 2020 vor.


Es ist Zeit zu handeln
Die Schweiz hat sich verbindlich dazu verpflichtet, die Ziele der Biodiversitätskonvention zu erreichen. Die nötigen Massnahmen sind daher zwingend umzusetzen. Deshalb fordert Pro Natura vom Bundesrat:

  • die Einrichtung und ein wirkungsvolles Management einer ökologischen Infrastruktur zum Schutz der Schweizer Fauna, Flora und Habitate, bestehend aus Schutzgebieten auf 17% der Landesfläche sowie Vernetzungsflächen, welche diese verbinden
  • die rasche Verabschiedung des im vergangenen Jahr partizipativ erarbeiteten Aktionsplans 
  • die Lancierung einer Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  • die Verdopplung der internationalen Unterstützung für Biodiversität bereits bis 2015

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Die Biodiversitätskonvention
Die Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD) ist ein weltweiter Vertrag, der 1992 auf der UN-Konferenz Umwelt und Entwicklung unterzeichnet wurde. Ihr gehören neben der Schweiz 192 weitere Länder und die EU an. Die Konvention hat drei Ziele: Erstens, den Schutz der Biodiversität. Zweitens Ihre nachhaltige Nutzung und drittens, den Zugang zu genetischen Ressourcen und die gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile. Alle zwei Jahre treffen sich die Vertragspartner zu einer «Konferenz der Vertragsparteien oder Conference of the parties (COP)», um Beschlüsse zu ihrer Umsetzung zu treffen.
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Aktionsplan Biodiversität
Die Biodiversitätskonvention muss durch die Vertragsparteien umgesetzt werden. Dazu erstellen diese sog. Nationale Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (NBSAPs). Der Schweizer Aktionsplan mit ca. 100 breit gefächerten Massnahmen wurde 2013 in einem umfassenden partizipativen Prozess unter Beteiligung von Behörden und Interessenverbänden ausgearbeitet. Mit der Verabschiedung und Umsetzung würde ein wichtiges Instrument zum Schutz und zur Erhaltung der Biodiversität geschaffen.
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Internet:
Aktionsplan Biodiversität: www.bafu.admin.ch/aktionsplan-biodiversitaet/index.html?lang=de
Die strategischen Ziele der Biodiversitätskonvention: 

www.sib.admin.ch/de/biodiversitaetskonvention/die-konvention/der-strategische-plan/die-strategischen-ziele/index.html#c6377

 

Weitere Auskünfte:
Friedrich Wulf, Projektleiter Politik und Internationales, Tel. 079 216 02 06, friedrich.wulf@pronatura.ch
Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, roland.schuler@pronatura.ch

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