Mediencommuniqué

Obacht! Biber-Babys unterwegs

04.06.2015

Seit Ende Mai kann man an manchen Fliessgewässern der Schweiz junge Biber beobachten. Da die Kleinen in den ersten Wochen ohne Hilfe der Eltern nicht tauchen können, sind sie vielen Gefahren ausgesetzt. Sie können sich nicht gut vor Feinden schützen und bei starker Strömung werden sie manchmal sogar vom Wasser mitgerissen. Oft stellen ihnen auch Hunde nach. Pro Natura bittet deshalb alle, die abends oder frühmorgens an Bächen und Flüssen Hunde spazieren führen, ihren treuen Begleiter an die Leine zu nehmen.

 

Seit der Auswilderung vor mehr als sechzig Jahren hat der Europäische Biber wieder viele Wasserläufe der Schweiz zurückerobert. Mittlerweile sind es ein paar Hundert Biberfamilien, die sich jedes Jahr fortpflanzen. Der Europäische Biber vermehrt sich allerdings nicht so zahlreich wie sein kanadischer Cousin. In der Schweiz haben die Biberfamilien pro Jahr nur einen Wurf mit einem, zwei oder ausnahmsweise drei Jungen. Die ersten Geburten finden gewöhnlich Ende Mai statt; es kann aber auch Juli werden. Die kleinen Biber kommen in einer Familie zur Welt, die aus einem monogam lebenden Paar und den Jungen vom Vorjahr besteht. Nach zwei Jahren müssen die Jungbiber die Familie verlassen und ein neues Territorium suchen.


Auftrieb wie Korken
Während erwachsene Biber mit ihrem platten Schwanz über einen Meter lang und durchschnittlich 15 bis 20 Kilogramm schwer werden, gleichen die Babys mit ihren knapp 500 Gramm kleinen Fellkugeln. In den ersten drei Lebenswochen hindert das mit Luft gefüllte Jungtierfell die Kleinen am Tauchen. Beim Verlassen des Baus, dessen Ausgang immer unter dem Wasserspiegel liegt, sind sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Sicher eine praktische Sache, um die unternehmungslustigen Jungtiere im Zaum zu halten.

 

Die Biber-Babys sind unvorsichtiger als ihre älteren Geschwister und lassen sich häufig schon vor der Dämmerung beobachten. In den ersten Wochen drohen den Kleinen viele Gefahren. Die Tatsache, dass sie noch nicht abtauchen können, macht sie zur leichten Beute für Füchse oder Hunde. In Flüssen mit sinkendem Sommerwasserstand bauen die Biber manchmal Dämme, um ruhige und tiefe Wasserflächen zu schaffen, die ihrem Nachwuchs den nötigen Schutz bieten.

 

Viele Biberjunge überleben die ersten Wochen nicht. Angesichts der tiefen Fortpflanzungsrate ist es deshalb wichtig, dieses einheimische, für die Biodiversität sehr bedeutende Säugetier zu schützen. Als Landschaftsgestalter schafft der Biber Lebensräume, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren.

 


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«Hallo Biber!» von Genf bis Schaffhausen
Im Jahr 2000 lancierte Pro Natura Baselland in der Nordwestschweiz das Pilotprojekt «Hallo Biber!». Um dem Biber geeignete Lebensräume zu bieten, wurden Barrieren wie das Kraftwerk Augst bibergängig gemacht und verschiedene Abschnitte an der Birs und anderen Wasserläufen revitalisiert. Inzwischen ist der Biber in die Birs zurückgekehrt und das vor zehn Jahren begonnene Projekt konnte abgeschlossen werden. Die Erfolge dieses regionalen Modells bewogen Pro Natura, 2007 ein nationales «Hallo Biber!»-Programm zu starten. Seitdem laufen in vier anderen Regionen Förderprojekte für dieses neugierige Nagetier (Westschweiz, Mittelland, Zentral- und Ostschweiz).

 

«Hallo Biber!» setzt sich mit Beratung, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit dafür ein, dass die Rückkehr des Bibers in unsere Fliessgewässer weiter an Akzeptanz gewinnt. Gleichzeitig zielt die Aktion auch darauf, unseren Fliessgewässern wieder mehr Raum zu geben. Denn in renaturierten Flüssen und Bächen fühlen sich nicht nur die Biber wohl, sondern auch die Äsche, der Eisvogel und viele andere Tier- und Pflanzenarten. Ausserdem sind naturnahe Fliessgewässer mit Auen attraktive Gebiete für Naturbegeisterte und Erholungssuchende. 

 


Internet:
www.pronatura.ch/hallobiber
www.hallobiber.ch

 

Pressebilder:
www.pronatura.ch/bilder-biber-babys

 

Weitere Auskünfte:
Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik, Tel. 061 317 92 08, mirjam.ballmer@pronatura.ch

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