Ratgeber

Wie kann ich Wildfallen in meiner Wohnumgebung vermeiden? Was kann ich für Igel tun? Woran erkenne ich einen Engerling? Diese und ähnliche Fragen zur Natur und Umwelt beantwortet das Pro Natura Ratgeber-Team gern.

 

Haben Sie Fragen zu einheimischen Tieren und Pflanzen, Lebensräumen, Natur- und Artenschutz oder Pro Natura? Die Biologinnen Sabine Mari und Barbara Steiner beantworten sie rasch und kompetent.

 

Das kleine, gut eingespielte Team unterstützt Sie auch bei Vorträgen und schriftlichen Arbeiten in Schule und Weiterbildung sowie bei der Vorbereitung des Unterrichts mit Informationsmaterial und Literatur zu verschiedenen Themen.

Häufige Fragen an den Pro Natura Ratgeber und die Antworten:
Immer wieder finde ich in unserem Lichtschacht kleine Kröten

Schächte, Treppenabgänge, Rohre und Schwimmbecken stellen für Frösche, Kröten, Molche und andere Kleintiere oft unbemerkte Fallen dar. Der Zugang dazu kann aber verhindert oder eine Ausstiegsmöglichkeit angeboten werden.

 

Sobald Sie alle Tiere aus Ihrem Licht- oder Belüftungsschacht geborgen haben, können Sie mit dessen Absicherung beginnen. Verschiedene Massnahmen sind möglich:

 

  Den Sturz in den Schacht können Sie verhindern, indem Sie ihn zum Beispiel mit einer lichtdurchlässigen Kunststoffplatte, einem feinmaschigen Gitternetz oder einem Lochblech abdecken. Die Maschenweite bzw. Löcher dürfen aber im Durchmesser nicht mehr als 3-4mm messen, da junge Molche sonst durchfallen.
 
  Erhöhen Sie die Schachtumrandung mit Blech oder Schneckenzaun um mindestens 10cm. Indem Sie zusätzlich ein gegen aussen horizontal vorstehendes Blech anbringen, verwehren Sie Amphibien den Einstieg.
 
  Als Ausstiegshilfe dient ein schräg in den Schacht gelegtes griffiges Brett oder ein Lochblech.

 

Swimmingpools sollten bei Nichtgebrauch bündig abgedeckt werden. Als Ausstiegshilfe während der Badesaison kann ebenfalls ein griffiges Brett montiert werden.

 

Befreite Amphibien setzen Sie am besten an einen schattigen, feuchten Ort, zum Beispiel unter einen Strauch.

 

Weitere Tipps erhalten Sie unter:  www.karch.ch

Dort finden Sie auch allgemeine Informationen zum Thema Wildfallen im Faltblatt «Wildfallen im Siedlungsraum».

Wie werde ich Schnecken im Garten ohne chemische Mittel los?

Schnecken haben im Ökosystem eine wichtige Rolle als Zerkleinerer von Biomasse. Von den vielen Schneckenarten sind nur einzelne für Schäden in unseren Gärten verantwortlich.

 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Ihr Gemüse vor Schneckenfrass zu bewahren, ohne gleich zum Schneckenkorn oder einer anderen Giftkeule zu greifen.

 

 

 Sie können zum Beispiel einen Schneckenzaun um Ihre Kulturpflanzen errichten. Dabei ist zu beachten, dass keine Pflanzenteile über den Zaun ragen, weil diese den Schnecken sonst als Brücke dienen. Sobald Sie die eingesperrten (und aus allfälligen Eiern geschlüpften) Schnecken alle aus der Umzäunung entfernt haben, ist Ihr Gemüse vor Schnecken sicher.

 

 

 Auf einer begrenzten Fläche können Sie die Schnecken mit Nematoden der Art Phasmarhabditis hermaphrodita bekämpfen. Diese kleinen Fadenwürmer halten sich im Boden auf und befallen ausschliesslich Schnecken. Nach wenigen Tagen hören die befallenen Schnecken auf zu fressen und ziehen sich in den Boden zurück. In den toten Schnecken vermehren sich die Schneckennematoden, strömen aus und suchen neue Schnecken auf. Mit den Nematoden lassen sich die kleinen, im Boden lebenden weissen, beigen oder schwarzen Ackerschnecken (nicht aber die Wegschnecken) bekämpfen. Häuschenschnecken und Wegschnecken befinden sich meist über der Erde und werden deshalb nicht befallen. Da die Nematoden äusserst spezifisch wirken, werden Regenwürmer und andere Bodenbewohner, sowie Igel, Laufenten und andere Haustiere nicht beeinträchtigt.

 

 

 Wenn Sie die Schnecken lieber von Hand einsammeln, töten Sie diese am besten in kochendem Wasser oder zerschneiden sie in der Körpermitte.

 

 

 Wenn Sie Ihren Garten naturnah gestalten, fördern Sie damit automatisch die natürlichen Fressfeinde der Schnecken wie Igel, Spitzmäuse, Blindschleichen und Eidechsen.

 

Folgende Grundregeln betreffend Gartenarbeiten helfen Ihnen, Schnecken unter Kontrolle zu behalten:

 

 

Giessen Sie Ihre Pflanzen morgens. Denn die nachtaktiven Schnecken finden in einem abends gegossenen Garten ideale Feuchtigkeitsbedingungen vor.

 

   Lockern Sie regelmässig den Boden auf, um den Schnecken das Finden eines Unterschlupfs zu erschweren.
     
Ich habe einen Feuersalamander gesehen. Wo melde ich dies?

Da man von einigen Tier- und Pflanzenarten wenig über deren Verbreitung in der Schweiz weiss, werden in verschiedenen Datenzentren Informationen zu Funden gesammelt. Eine Auflistung mit den schweizerischen Datenbanken finden Sie unter www.natportal.ch.

 

Um «Ihren» Feuersalamander zu melden, können Sie zum Beispiel Webfauna oder Webfauna-Light nutzen. Webfauna ist eine Plattform zur Erfassung von Beobachtungen jener Tierarten, die vom Schweizer Zentrum für die Kartographie (SZKF/CSCF) und der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz KARCH betreut werden. Dies sind alle Tierarten ausser Vögel. 

 

Unter http://www.cscf.ch/cscf/page-20454_de_CH.html finden Sie ein Formular, das Sie mit möglichst genauen Angaben über das Tier und den Fundort online ausfüllen können.

Wie können wir unseren Garten Igel freundlich gestalten?

Damit Igel überhaupt in Ihren Garten finden, sollte das Grundstück anstatt durch eine Mauer durch eine Hecke aus einheimischen Gehölzen eingegrenzt werden. In dieser können sich die nachtaktiven Stacheltiere auch bestens verkriechen und nach Futter suchen. Zäune sollten so gestaltet sein, dass zwischen Boden und Zaununterkante mindestens 10, besser 15cm Luft vorhanden ist. So können Igel und kleinere Bodentiere ungehindert in Ihren Garten gelangen.

 

Wichtig ist aber auch ein gutes Nahrungsangebot. Igel ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Regenwürmern und Schnecken. Daher sollten Sie giftige Substanzen wie Pflanzenschutzmittel vermeiden, statt Kunstdünger Kompost und Kräuterjauchen verwenden und vorzugsweise einheimische Pflanzen setzen. Vor allem in Trockenzeiten ist es wichtig, dass Wasserstellen vorhanden sind. Ideal ist ein flach auslaufender Gartenteich. Igel trinken aber auch Wasser aus einer standfesten Schale.

 

Des weitern benötigen Igel Unterschlupfmöglichkeiten wie Hecken, Hohlräume aller Art sowie Ast- und Laubhaufen, die sie als Tagesversteck oder als Winterquartier nutzen.

 

Nicht zuletzt gilt es, mögliche Todesfallen im Garten zu vermeiden. Mit Ausstiegshilfen können sich Igel aus steilwandigen Wasserbehältern und Gruben von selbst retten. Sehr tiefe Schächte sollten abgedeckt werden.

Was soll ich tun, wenn ich mitten im Winter einem Igel begegne?

Einem Igel, der bei Dauerfrost oder Schnee unterwegs ist, sollten Sie helfen. Sein Verhalten deutet darauf hin, dass er möglicherweise verletzt, krank oder untergewichtig ist und Pflege braucht.

 

Notieren Sie Fundstelle, -datum sowie -zeit und wenn möglich auch das aktuelle Körpergewicht des Findlings. Nun wärmen Sie den unterkühlten Igel auf.

Dazu wickeln Sie eine mit handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmflasche in ein Frotteetuch und legen sie in eine hohe Kiste. Setzen Sie das Tier ebenfalls hinein und decken Sie es mit einem Handtuch zu. Erst wenn die Körpertemperatur den normalen Wert von 35°C erreicht hat, können Sie dem Igel Wasser und Nahrung wie Katzen-, Hundefutter oder ein mit wenig Fett zubereitetes, ungewürztes Rührei anbieten.

 

Zur Abklärung des Gesundheitszustandes sollten Sie aber auf jeden Fall möglichst rasch einen Tierarzt, den Tierschutz oder eine Igelstation kontaktieren. Adressen in Ihrer Nähe kennt der Verein Pro Igel: http://www.pro-igel.ch. Mit diesen Fachpersonen besprechen Sie das weitere Vorgehen. Igel sind Wildtiere und stehen in der ganzen Schweiz unter Schutz.

Sind die dicken, weissgraune Maden im Komposter Engerlinge?

Was Sie in Ihrem Komposter gefunden haben, sind tatsächlich Engerlinge, denn so werden die Larven aller Blatthornkäferarten bezeichnet, also zum Beispiel auch jene des Maikäfers. Aus Furcht vor einer Maikäferplage vernichten leider viele Hobbygärtner solche Larven gnadenlos.

 

Doch bei den Engerlingen im Kompost handelt es sich nicht um die Larven des Maikäfers, sondern um jene des Rosenkäfers. Die Rosenkäfer-Engerlinge, deren Entwicklung zwei Jahre dauert, bevorzugen vermoderndes Holz. Da dies in unseren aufgeräumten Wäldern rar geworden ist, haben sie im Kompost ein wichtiges Ersatzbiotop gefunden. Abgestorbenes Pflanzenmaterial dient Ihnen hier als Nahrung. Wenn Sie die Engerlinge also in Ihrem Komposter lassen, helfen diese, Garten- und Rüstabfälle in Humus zu verwandeln, bevor sie schliesslich zu prächtig schillernden Käfern werden.

 

Die Larven des Mai- und Junikäfers hingegen treten nicht im Kompost auf. Sie leben im Boden und ernähren sich von den Wurzeln lebender Pflanzen. Wer dennoch Zweifel hat, kann die Probe aufs Exempel machen: bewegt sich eine Larve auf einer ebenen, glatten Unterlage in Rückenlage fort, handelt es sich um eine Rosenkäferlarve. Die Larven der Maikäfer würden seitlich kriechen und jene des Junikäfers in Bauchlage. Mehr über den Maikäfer erfahren Sie im Pro Natura Ratgeber «Maikäfer, flieg!»

Gibt es einen Unterschied zwischen Winterschlaf und Winterruhe?

Ja. Winterschlaf und Winterruhe sind zwei unterschiedliche Strategien, die Säugetiere benutzen, um die ungünstigen Lebensbedingungen des Winters zu überstehen.

 

Igel, Fledermäuse, Murmeltiere, Siebenschläfer und Haselmäuse zum Beispiel machen einen Winterschlaf (Hibernation). Sie verfallen über einen längeren Zeitraum in einen Ruhezustand, bei dem die Lebensfunktionen herabgesetzt werden. Die Körpertemperatur wird auf knapp über null Grad abgesenkt und der gesamte Stoffwechselumsatz, wie Atmung und Herzschlagfrequenz, reduziert. Während dieser Zeit nehmen die Tiere keinerlei Nahrung zu sich, sondern zehren von ihren Fettreserven. Bei einigen Arten kommt es vor, dass sie den Winterschlaf kurz unterbrechen.

 

Die Winterruhe wird bei Dachs und Eichhörnchen beobachtet. Sie ist zu vergleichen mit einem tiefen, ruhigen Schlaf, dessen Dauer abhängig von den Witterungsbedingungen ist. Im Gegensatz zum Winterschlaf werden die Körperfunktionen dabei nicht eingeschränkt. Die Winterruhe wird manchmal zur Nahrungsaufnahme unterbrochen.