Progetti
Summende Bauernhöfe
Summende Bauernhöfe Uri
Angewiesen auf alte Eichen
Der Algenpartner (Fotobiont) betreibt Fotosynthese und versorgt sich und den Pilzpartner (Mycobiont) mit Kohlenhydraten. Im Gegenzug versorgt der Pilz die Flechte mit Wasser und mineralischen Nährstoffen und bietet der Alge Schutz vor zu intensiver Sonnenstrahlung und algenfressenden Tieren.
Die Eichenstabflechte (Bactrospora dryina), eine von über 1700 in der Schweiz vorkommenden Flechtenarten, gehört gemäss Roter Liste der gefährdeten baum- und erdbewohnenden Flechten der Schweiz aus dem Jahr 2002 zu den verletzlichen Arten. Sie kommt in tiefen Lagen nördlich der Alpen vor und zählt wegen ihrer Wuchsform zu den Krustenflechten. Der Symbiosepartner des Pilzes ist eine Grünalge der Gattung Trentepohlia. Die Eichenstabflechte lebt auf der überhängenden Seite von geneigten Stämmen alter Stiel- und Traubeneichen mit tief-rissiger Borke in südlicher oder östlicher Exposition. So ist sie geschützt vor direktem Niederschlag wie Schnee, Regen oder Hagel, der in der Regel von Westen kommt. Die Eichenstabflechte lässt die Borke weiss erscheinen. Die schwarzen Punkte stammen von den Fruchtkörpern des Pilzes.
Wegen ihres nur langsamen Wachstums und kleinräumigen Ausbreitungspotenzials wurde in einem Projekt im Kanton Zug mittels Transplantation versucht, die Flechtenart auszubreiten. Im Gebiet Zollischlag, wo bereits 42 Eichenstämme von der Eichenstabflechte besiedelt waren, wurde an einer absterbenden Eiche Flechtenmaterial gesammelt und samt Borkenstücken an unbesiedelte Bäume geklebt. Die Mehrheit der Transplantate hat an den regengeschützten Stammseiten, wo die Flechte ja auch natürlicherweise wachsen würde, zwei Jahre überlebt. Ob sie sich am neuen Standort auch ausbreitet, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Sabine Mari, Projektleiterin Ratgeber.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Kleine Taten für die grosse Vielfalt
Weiher Langimatt, Kleinlützel
Lebensraum für Kleintiere im Toggenburg
Ordentliche Vernehmlassung JSV - Kommentar der Naturschutzorganisationen
Die Änderungen im Jagdgesetz (JSG) von 2022 ermöglichen eine gezielte, proaktive Regulierung der geschützten Tierart Wolf zur Verhinderung grosser Schäden. Das tragen die Naturschutzorganisationen mit. Doch die vom UVEK 2023 vorgeschlagene, teils bereits in Kraft gesetzte, Verordnung (JSV) ist einseitig auf Abschüsse gemünzt und hat zu einer unverhältnismässigen Verfolgung der Wölfe geführt. Jetzt sind Nachbesserungen nötig. Abschüsse ganzer Rudel müssen die Ausnahme bleiben und der Herdenschutz muss flächig umgesetzt sein. Nur so können die aktuellen Diskrepanzen zwischen Gesetz und Jagdverordnung korrigiert werden.
Mit der überstürzten Aufgabe des bewährten, nationalen Schutzhundeprogramms droht ein kantonaler Flickenteppich und Versorgungslücken. Ein Abbau beim Herdenschutz aber wäre inakzeptabel. Die Naturschutzorganisationen fordern, dass sowohl Herdenschutzhunde als auch die Zumutbarkeit von Schutzmassnahmen weiterhin nach einheitlichen Kriterien beurteilt werden und bei Rissen die Schutzsituation vor Ort kontrolliert wird. Die Naturschutzorganisationen werden sich im Rahmen der Vernehmlassung dafür einsetzen, dass die Balance zwischen Arten- und Herdenschutz sowie Wolfsregulierung in der Jagdverordnung wiederhergestellt wird.
Unverständlich, befremdend und unnötig ist die Absicht des Bundesrates, mit einem eigenen Abschussartikel den Biber ins Visier zu nehmen. Die Ablehnung des Jagdgesetzes durch das Volk und der Entscheid des Parlaments im Jahr 2022, den Schutz des Bibers vollumfänglich beizubehalten, widerspricht der Absicht des Bundesrates diametral.
Kontakt:
- Pro Natura: Sara Wehrli, Verantwortliche Grosse Beutegreifer und Jagdpolitik, Tel. 061 317 92 08, @email
- Gruppe Wolf Schweiz: David Gerke, Geschäftsführer, Tel. 079 305 46 57, @email
- WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher Biodiversität, Tel. 079 241 60 57, @email
- BirdLife Schweiz: Jan Schudel, Projektleiter Politik, Tel. 044 457 70 42, @email
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Gemeinsamer Medienkommentar von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz und Pro Natura
«Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch »
Ein grandioser Sommertag ist in der Val Mingèr angebrochen. Letzte Nebelschwaden umhüllen die Gipfel des Unterengadins, während wir entlang von bizarren Felsformationen, mächtigen Bergföhren und riesigen Geröllhalden stetig bergwärts schreiten. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Alp Mingèr, das heutige Ziel von Sonja Wipf. Die Botanikerin erfasst hier, wie an weiteren Orten im Schweizerischen Nationalpark (SNP), systematisch die Flora und setzt damit eine über hundertjährige Forschungsarbeit fort. Der SNP gehört weltweit zu den Institutionen mit dem grössten Fachwissen und Datenreichtum zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die alpine Flora und Fauna.
Parallel dazu konnte Sonja Wipf als Leiterin einer viel beachteten europäischen Studie nachweisen, dass der Klimawandel starke Auswirkungen auf die alpine Biodiversität hat. Dazu haben Forscherinnen und Forscher auf über 300 europäischen Berggipfeln die Flora erfasst und mit früheren Daten aus rund 100 Jahren abgeglichen. Im SNP leitet die 50-Jährige den Bereich Forschung und Monitoring und ist Mitglied der Geschäftsleitung.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
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Raphael Weber
- Sonja Wipf erfasst mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen.
Mittlerweile hat Sonja Wipf oberhalb der Alp Mingèr innerhalb einer sogenannten Naturbeobachtungsfläche einen Quadratmeter abgesteckt und erfasst dort mit geübtem Auge alle vorhandenen Pflanzen; deren 40 sind es schliesslich. Dies sei ein recht hoher Wert, in der vergangenen Woche habe sie bei Margunet sogar 57 unterschiedliche Pflanzen auf einem Quadratmeter gezählt, dies sei ein Spitzenwert.
Pro Natura Magazin: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Alpenflora aus?
Sonja Wipf: Er führt zu einer grossen Artenverschiebung. Auf den Berggipfeln finden wir heute rund 45 Prozent mehr Arten vor als noch vor ein paar Jahrzehnten. Als Faustregel gilt: Je stärker die Erwärmung, desto grösser die Artenzunahme. Immer mehr subalpine Arten besiedeln höhere Lagen.
Und werden dadurch die alpinen Spezialisten verdrängt?
Das wird sich zeigen. Alpine Arten sind sich keine Konkurrenz gewohnt; bisher haben sie Standorte besiedelt, die ihnen niemand streitig gemacht hat, und deshalb haben sie eine konservative Überlebensstrategie. Viele sind langlebig, blühen nicht jährlich und produzieren nur wenige und kleine Samen. Meistens haben sie eine kleine Statur und sind generell wenig flexibel. Die neuen Arten aber sind sich Konkurrenz gewohnt, mussten sich auf subalpinen Wiesen behaupten und sind deshalb viel anpassungsfähiger. Natürlich behalten alpine Arten ihren Standortvorteil und Allerweltsarten werden nun nicht gerade die harschesten Standorte wie alpine Geröllhalden besiedeln. Trotzdem, einige alpine Spezialisten bekunden grosse Mühe mit den neuen Bedingungen, und ihre Bestände sind rückläufig.
Ich war vor einigen Jahren weniger alarmistisch, doch ich beobachte nun, dass die Besiedelung durch neue Arten in den letzten Jahren immer schneller vor sich geht.
Ausharren und sich behaupten ist eine Strategie, wandern andere bedrängte Arten ebenso in die Höhe?
Ja sicherlich. Doch viele Arten sind jetzt schon auf den Gipfeln und können deshalb nicht noch weiter nach oben wandern. Sie suchen nun passende Nischen, denn die neuen Arten besiedeln zuerst die warmen Stellen an den Süd- und Ostflanken der Berge. Dort scheint die Sonne am längsten oder sie sind vom Wind geschützt.
Die zunehmende Konkurrenz ist offensichtlich ein Stressfaktor, was kommt hinzu?
Eine zunehmende Trockenheit; etwas, das ich auf dieser Höhe früher kaum erlebt habe. Die Niederschläge werden seltener und kräftiger. Im Hochsommer kann es hier oben staubtrocken sein, und das ist nicht nur für die Flora eine grosse Belastung. Die Böden werden «hydrophob», können also kaum Wasser aufnehmen. Wenn dann ein heftiges Gewitter kommt, entfacht es eine mächtige Wirkung, es kommt zu Murgängen, erst recht in Landschaften wie hier, in diesem bröckeligen Dolomitgestein. Im Nationalpark, der ja «echt wild» ist, ist dies durchaus spannend. Denn je wilder und dynamischer die Landschaft, desto vielfältiger ist auch die Biodiversität!
Für die menschliche Zivilisation wird die Natur aber auch bedrohlicher.
Ja sicherlich, die Extremereignisse nehmen zu, die Stabilität nimmt ab, dies führt zu mehr Murgängen und Bergstürzen. Doch auch der Wasserhaushalt verändert sich stark. Die Gletscherreserven schwinden rasant, die Schneefelder sind stark rückläufig, Quellen versiegen. Unter anderem wird dies die Bewirtschaftung vieler Alpen erschweren.
Entstehen durch den Gletscherschwund und die zunehmenden Bergstürze hingegen auch neue Lebensräume, die alpine Pflanzen wiederum besiedeln können?
Durchaus, doch diese können die Bedrängnis der alpinen Pflanzen nur bedingt abfedern. Das zeigt sich nur schon an der Pyramidenförmigkeit unserer Berge. Der Druck von unten auf die kleinen Gipfelregionen bleibt gross.
Verschiebt sich auch die Baumgrenze nach oben?
Einzelne Bäume wandern nach oben, doch eine flächendeckende Bewegung findet hier im Nationalpark noch nicht statt. Dies ist vor allem auf die starke Beweidung durch unsere grossen Huftierpopulationen zurückzuführen. Es wird nun spannend, ob sich dies durch die Präsenz von grossen Beutegreifern ändern wird.
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Jan Gürke
- Schweizer Nationalpark im Graubünden.
Wie sind diese im Nationalpark vertreten?
Mehrere Jahre war eine einzelne Wölfin ansässig. Seit dem letzten Winter ist nun ein Paar im Park unterwegs, doch wir haben noch keinen Nachweis eines Rudels. Wir wollen die Situation nutzen, um die Rolle von Beutegreifern im Ökosystem zu erfassen. Dazu sammeln wir schon seit Jahren wissenschaftliche Basisdaten.
Und wie?
Wir haben Hirsche und Gämsen besendert, sie sind die Hauptbeute von Wölfen. Wir wollen erkennen, ob und wie sich ihre Aktivitätsmuster ändern. Bereits jetzt stellen wir bei den regelmässigen Zählungen fest, dass die Hirsche in kleineren Gruppen unterwegs sind, vermutlich, um agiler gegenüber allfälligen Angriffen zu sein. Bei Füchsen führen wir auch Besenderungen, Nahrungsanalysen und Fotofallenmonitoring durch. Spannend wird es auch bei den Kleinsäugern: Vermehren sie sich, weil ihre Hauptfeinde, die Füchse, durch den Wolf dezimiert werden oder auch weil sich die Füchse vermehrt durch Aas ernähren, das die Wölfe hinterlassen? Auch gewissen Alpenpflanzen wird eine grössere Dynamik sicherlich entgegenkommen.
Eine möglichst grosse natürliche Dynamik macht die Flora und Fauna der Alpen also widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels?
Ja, in alpinen Lebensräumen, die nicht durch den Menschen geprägt sind, können sich die natürlichen Prozesse ungehindert entfalten. Natürliche Abläufe und Störungen sorgen auch hier auf der Alp Mingèr dafür, dass ein unglaublich vielfältiges Mosaik besteht.
Ohne Steinschläge, Murgänge, Stürme, Hitze, Trockenheit, Kälte und weitere Faktoren würden wohl wenige einzelne Spezies Überhand nehmen, und ich würde auf einem Quadratmeter kaum 40 verschiedene Pflanzenarten finden. Die grosse Diversität von Standorten und Arten schafft auch eine gewisse Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels.
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Raphael Weber
Nach erledigter Arbeit schreiten wir wieder das Tal hinunter. Dabei durchqueren wir ein Bachbett, in dem neulich riesige Geröllmassen verschoben und ganze Baumstämme das Tal hinuntergespült worden sind, jetzt aber liegt es trocken. Später, während wir aufs Postauto warten, inspiziert Sonja Wipf aufmerksam die Strassenränder; sie hält Ausschau nach Neophyten. Die Ofenpassstrasse, die Hauptverkehrsader, die durch den Nationalpark führt, war vor zwölf Jahren noch praktisch frei von Neophyten. mittlerweile säumen sie die Strassenborde. «Zum Glück sind noch keine invasiven Arten dabei», sagt die Botanikerin.
Die Neophyten werden durch Fahrzeuge und menschliche Aktivitäten in den Park eingeschleppt, und der Klimawandel fördert ihre Ausbreitung in die Höhe. Diese Entwicklung stellt auch das Nationalparkteam vor ungelöste Fragen, denn hier wird die Natur sich selbst überlassen und menschliche Eingriffe sind nicht erlaubt. «Müssen wir uns nun selber büssen, falls wir invasive Pflanzen ausreissen?», fragt Sonja Wipf rhetorisch. Die Antwort bleibt vorerst dahingestellt, doch es ist klar, dass die Biodiversität im Alpenraum vor grossen Veränderungen steht.
RAPHAEL WEBER, Chefredaktor Pro Natura Magazin.