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Tier des Jahres 2017: Der Rothirsch
Der Rothirsch ist ein typischer Fernwanderer. Sein Lebensraum ist im Sommer zuweilen Dutzende von Kilometern vom Wintereinstand entfernt. Männliche Tiere – Stiere – unternehmen auch während der Brunft weite Wanderungen. Ebenso Junghirsche, die es in die Ferne zieht. Wandernde Tiere haben es nicht leicht in unserer Landschaft. Allenthalben stossen sie auf Siedlungen und Verkehrsachsen, die nur schwer zu überwinden sind. Nicht selten endet die Reise am Zaun einer Autobahn.
Warum wählt Pro Natura den Rothirsch zum Tier des Jahres?
Mit der Wahl des Rothirschs setzt Pro Natura ein Zeichen für die Vernetzung unserer zersplitterten Landschaft. Pro Natura engagiert sich für die Überbrückung von Hindernissen durch Wildtierüberführungen.
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- Rothirsche wandern gerne und viel. Oft versperren aber Bauten den Weg
Rothirsche in der Schweiz – Von 0 auf 35’000
Vor 150 Jahren war der Rothirsch in der Schweiz ausgerottet. Die rigorose Bejagung und der Raubbau am Wald wurden ihm zum Verhängnis. Ab 1870 wanderten aus Österreich wieder erste Hirsche in den Kanton Graubünden ein. Hier hatten sich die Zeiten für sie mittlerweile gebessert: Das 1875 verabschiedete eidgenössische Jagdgesetz beschränkte die Jagdzeiten und schützte die weiblichen Tiere. Der geplünderte Wald erholte sich langsam und breitete sich wieder aus. Sukzessive nahm der Hirsch einen Grossteil der Schweizer Alpen und Voralpen in Beschlag. Seit den 1990er-Jahren besiedelt er von Frankreich aus auch Teile des Juras. Derzeit leben rund 35’000 Rothirsche in der Schweiz. Doch das Comeback ist noch nicht abgeschlossen. Grössere Gebiete mit durchaus günstigen Bedingungen sind noch weitgehend hirschfrei, z.B. das Mittelland, der zentrale und östliche Jura sowie westliche Teile der Alpen.Die durch Autobahnen versperrte Wildtierkorridore hindern den Rothirsch häufig an der Ausbreitung.
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- Vor 150 Jahren verschwunden – heute sind Rothirsche wieder verbreitet
Ein rotes Fell sieht man nur im Sommer
Ein ausgewachsener männlicher Hirsch – ein Stier – wiegt 170 bis 220 Kilogramm. Er ist damit etwa doppelt so schwer wie ein Steinbock und acht Mal schwerer als ein Reh. Ein weibliches Tier – eine Kuh – ist deutlich kleiner, bringt aber auch 90 bis 130 Kilogramm auf die Waage. Dem deutschen Namen «Rothirsch» werden die Tiere nur im Sommer gerecht. Jetzt ist ihr Fell rotbraun. Im Herbst wechseln sie das Haarkleid und sind dann grau bis graubraun gefärbt. Das winterliche Fell ist dichter und struppiger als das sommerliche. Im Spätfrühling fallen die Winterhaare in grossen Flocken ab. Die Nase ist von allen Sinnesorganen am besten entwickelt. Auf ihren Riecher können sich die Tiere verlassen. Wenn immer möglich, ziehen sie gegen den Wind. Ruheplätze wählen sie so, dass der Wind aus der Richtung möglicher Feindannäherungen weht. Rothirsche können ihre Ohren unabhängig voneinander bewegen. Dies hilft ihnen, Geräuschquellen präzise zu orten. Die Augen nehmen vor allem wahr, was sich bewegt. Die ovalen Pupillen können sich stark erweitern. Der Hirsch sieht deshalb auch in der Dämmerung recht gut.
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- Rothirsche hören sehr gut – und orten jedes Geräusch sofort
Slow Food und wenig wählerisch
Der Rothirsch ist ein Pflanzenfresser mit wenig Anspruch. Er nimmt, was auf den Tisch kommt. Studien zeigen, dass die Tiere mehr als 90 Prozent der Pflanzen im Untersuchungsgebiet als Nahrung nutzten. Hirsche bevorzugen Gräser und Kräuter. Doch auch Blätter und Triebe von Gehölzen, Rinden von Laubbäumen, Flechten, Moose, Baumfrüchte wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern machen sie satt. Der Speisezettel passt sich dem saisonalen Angebot an. Das Menu ist Slow Food. 7 bis 10 Stunden äsen die Tiere täglich. Zusätzlich sind sie während 5 bis 6 Stunden mit Wiederkäuen beschäftigt. Mit Genuss vertilgen Rothirsche übrigens auch Fliegenpilze. Man nimmt an, dass sie dies wegen der berauschenden Wirkung tun. Für Menschen ist der Fliegenpilz stark giftig.
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- Früh übt sich, wer satt werden will
Stiere und Kühe – Leben in getrennten Rudeln
Der Hirsch ist gesellig. Ausser zur Brunftzeit leben die Tiere in Rudeln, getrennt nach Geschlechtern. Weibliche Rudel sind Zusammenschlüsse mehrerer Mutterfamilien. Eine Familie besteht aus einer Kuh, ihrem Kalb und dem letztjährigen Jungtier. Chefin des Rudels ist eine erfahrene Hirschkuh, mit wichtigen Funktionen:
- Sie kennt die sicheren Rückzugs-Gebiete und Wildwechsel
- Sie spürt, wann es Zeit wird, den Einstand zu wechseln
- Sie weiss, wie mit störenden Menschen umgegangen wird
Die Erfahrungen einer Chefin werden in der Mutterfamilie weitergegeben. So entstehen Traditionen, die sich über Generationen halten. Männliche Jungtiere verlassen die Mutterfamilie im Alter von 2 bis 3 Jahren und schliessen sich zu einem Rudel von Hirsch-Stieren zusammen. Ausserhalb der Brunft sind Hirsche sehr scheu und auf Sicherheit bedacht. Man bekommt sie deshalb selten zu Gesicht.
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- Fast eine Mutterfamilie – nur das letztjährige Jungtier fehlt noch
Jedes Jahr aufs Neue – Die Last der Krone
Um die 8 Kilogramm wiegt das Geweih eines grossen Stiers. Es wird jedes Jahr innert weniger Monate neu gebildet, als physiologischer Kraftakt. Bis zu 150 Gramm Knochenmasse produziert ein Hirsch täglich. Jedes Jahr verzweigt sich das Geweih weiter. Ein einjähriger Hirsch trägt nur zwei schmale Spiesse, im zweiten Jahr bilden sich schon vier oder sechs Enden. Die maximale Grösse wird zwischen dem siebten und zehnten Lebensjahr erreicht. Dann kann das Geweih 20 Enden tragen. Rechtzeitig zu Beginn der Brunft ist die Stirnwaffe für das Drohen und Kämpfen einsatzbereit. Danach ist sie nur noch eine Bürde. Ende Winter wirft der König des Waldes seine Krone ab.
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- Die Bildung des Geweihs ist ein Kraftakt – bis zu 150g Knochenmasse produziert ein Rothirsch pro Tag
Aufreibende Brunft – Doch die Anstrengung lohnt sich
Im Herbst trennen sich die Stiere von ihrem Rudel. Die zuvor still und heimlich lebenden Tiere setzen sich jetzt laut röhrend in Szene. Bis zu 500-mal pro Stunde brüllt sich ein erregter Stier seine Seele aus dem Leib. Er schliesst sich nun einem Rudel Hirschkühen an, folgt ihnen auf Schritt und Tritt und hält sie am Brunftplatz beisammen. Erscheint ein Rivale, verteidigt er seine Position als Platzhirsch. Die Kontrahenten röhren um die Wette, schreiten steifbeinig mit gesenktem Geweih aneinander vorbei. Gibt keiner klein bei, prallen die Streiter frontal mit den Geweihen aufeinander und schieben sich über den Brunftplatz. Der Kampf endet, wenn einer der Gegner seine Unterlegenheit spürt und flieht. Während der Brunft nimmt ein Stier praktisch keine Nahrung zu sich. Er verliert deshalb bis zu einem Fünftel seines Gewichts. Doch für den siegenden Platzhirsch lohnt sich die Strapaze. Er wird allein alle anwesenden Kühe decken.
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- Bei der Brunft wird es laut – die scheuen Tiere röhren um die Wette
Energie sparen – Mit temporärem Winterschlaf
Im Winter ist die Nahrung knapp. Zugleich brauchen die Tiere mehr Energie für die Körperheizung. Rigoroses Sparen ermöglicht es ihnen, den Bedarf auf ein Minimum zu reduzieren.
Rothirsche vermeiden im Winter jede unnötige Aktivität. Das Volumen des Pansens wird verringert. Die Herzschlagfrequenz sinkt gegenüber dem sommerlichen Maximum um 60 Prozent. Zeitweise schlägt das Herz nur noch 30-mal pro Minute. Gehen die Fettreserven im Spätwinter zur Neige, reduzieren die Tiere den Energieverbrauch in kalten Nächten zusätzlich. Sie drosseln die Durchblutung der Beine und der äusseren Teile des Rumpfes. Dadurch sinkt die Körpertemperatur an diesen Stellen bis auf 15 Grad Celsius. Normalerweise liegt sie bei 37 Grad Celsius. Rothirsche zeigen damit ähnliche Reaktionen wie echte Winterschläfer. Allerdings dauert die Kältestarre bei ihnen jeweils höchstens 9 Stunden.
Die Winterruhe ist nur möglich, wenn sich die Tiere absolut sicher fühlen. Bei jeder Flucht muss der Stoffwechsel vom Sparmodus auf Vollbetrieb hochgefahren werden. Umso dringender brauchen Rothirsche absolut ungestörte Wintereinstände.
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- Bitte nicht stören – der Rothirsch kennt einen temporären Winterschlaf
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura fordert, dass Bewegungsachsen und dazugehörige Wildtierkorridore wieder durchgängig werden. Bei der Planung sowie beim Bau von Infrastrukturen muss der Mensch die Mobilitätsbedürfnisse von Wildtieren berücksichtigen. Wildtiere wie der Rothirsch brauchen unterschiedliche Lebensräume. Sie bewegen sich zwischen Schlaf- und Futterplatz, zwischen Rückzugsort und Fortpflanzungsplatz etc. Unsere zerschnittenen Landschaften erschweren oder verunmöglichen diese wichtigen Bewegungen.
- Pro Natura fordert von Politik und Behörden auf nationaler Ebene klare Verbesserungen von ökologischer Infrastruktur und vernetzten Naturräumen. Wildtierkorridore sind häufig überregional – rein kantonale Regelungen reichen nicht aus.
- Als Anwältin der Natur beobachtet Pro Natura die laufenden Entwicklungen in der Politik. Pro Natura nimmt Einfluss auf den gesetzlichen Schutz der Wildtierkorridore und dessen Umsetzung.
- Pro Natura sensibilisiert die Bevölkerung für das Thema. Warum brauchen Wildtiere vernetzte Lebensräume? Wie kann jede und jeder die Kleintierfallen beseitigen und Durchlässe für Kleintiere ermöglichen?
- Pro Natura betreut über 700 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz, mit wertvollen Lebensräumen für viele Tiere und Pflanzen. Dabei ist die Vernetzung zentral. So fördert Pro Natura beispielsweise sogenannte «Trittsteinbiotope», damit sich Wildtiere freier bewegen können.
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Tier des Jahres 2015: Die Ringelnatter
Eine schlängelnde Bewegung im Röhricht, ein langgestreckter Körper, der ins Wasser gleitet – und weg ist sie. Begegnungen mit der Ringelnatter währen meist nicht lange. Denn die anmutigen Tiere sind äusserst scheu: Werden sie aufgeschreckt, flüchten sie blitzschnell in ein Versteck oder tauchen ins Wasser ab.
Die ungiftige Ringelnatter ist für Menschen völlig harmlos. Die exzellente Schwimmerin hält sich gern in der Nähe von Gewässern auf und stellt dort Fröschen und Kröten nach. Mit ihrer Leibspeise teilt sie ein gemeinsames Schicksal: Ihre Lebensräume werden immer weniger. Mit der Wahl der einheimischen Schlangenart ruft Pro Natura dazu auf, Feuchtgebiete zu erhalten, zu vernetzen und neu zu schaffen.
Ringel im Nacken
Die Ringelnatter ist eine von acht einheimischen Schlangenarten. Sie besiedelt die ganze Schweiz mit Ausnahme der Hochalpen und Teilen des Juras. Zwei Unterarten kommen in der Schweiz vor: Die sogenannte Nominatform (Natrix natrix natrix) besiedelt nur den Nordosten des Landes, während die Barrenringelnatter (Natrix natrix helvetica) die übrigen Gebiete bewohnt. Das Markenzeichen der Ringelnatter sind die beiden hellen, halbmondförmigen Flecken im Nacken. Sie sind jedoch vor allem bei älteren Tieren oft nur schwach ausgeprägt oder können auch ganz fehlen. Wer genau hinsieht, erkennt ein weiteres Merkmal: Die Schuppen zwischen Auge und Mundspalte sind an ihrem hinteren Rand deutlich schwarz gefärbt. Vor allem die Barrenringelnatter zeigt auf ihren Flanken schwarze, senkrecht stehende Balken – oder eben Barren.
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Pro Natura/Gerhard Sturm
- Markenzeichen der Ringelnatter sind die beiden hellen, halbmondförmigen Flecken im Nacken
Brutkasten im Komposthaufen
Die Ringelnatter ist ein ausgesprochen friedfertiges Reptil. Das zeigt sich sogar bei der Paarung im März oder April: Selbst wenn ganze Knäuel liebestoller Galane um ein einzelnes Weibchen buhlen, bleiben Keilereien aus. Die trächtigen Weibchen legen oft Strecken von über einem Kilometer zurück, um einen passenden Ort für die Eiablage zu finden. Geeignet sind etwa vermodernde Baumstümpfe, Kompost-, Schnittgut-, Sägemehl- oder Misthaufen, in denen durch die Verrottung organischen Materials Wärme freigesetzt wird. In diesen natürlichen Brutkasten legt das Ringelnatterweibchen 10 bis 40 weichschalige Eier ab – und hält damit den Mengenrekord unter den einheimischen Reptilien. Nach sieben bis neun Wochen schlüpfen die bleistiftgrossen Schlangenbabys.
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Stefan Dummermuth
- Schlüpfende Jungschlange
Wenn die Haut zu eng wird
Wie alle Schlangen wachsen Ringelnattern ihr Leben lang. Da ihre Oberhaut nicht mitwächst, müssen sich die Tiere regelmässig häuten. Ein solcher Garderobenwechsel kündigt sich mit einer Trübung der Augen an, die bei Schlangen durch eine durchsichtige Schuppe geschützt sind. Zwischen der alten und der neuen Hautschicht bildet sich ein Flüssigkeitsfilm, der die Ablösung einleitet. Schliesslich platzt die alte Haut an der Schnauzenspitze auf. Dann streift die Ringelnatter die alte Haut vom Kopf her wie einen engen Strumpf ab und lässt sie mit der Innenseite nach aussen als sogenanntes Natternhemd zurück.
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Sonja Haase
- Das Auge der Ringelnatter trübt vor der Häutung ein
Gut geblufft, ist halb entronnen
Ringelnattern leben gefährlich. Zu ihren Feinden gehören Greifvögel, Reiher, Katzen, Füchse, Marder und andere mehr. Die ungiftige Schlange ist wenig wehrhaft und räumt bei Gefahr wenn immer möglich das Feld. Bleibt ihr die Flucht verwehrt, greift sie in die Trickkiste: Sie flacht den Vorderkörper kobraartig ab, zischt und stösst den Kopf in Richtung des Gegners – ohne jedoch tatsächlich zu beissen. Wird sie gepackt, verspritzt sie ein stinkendes Kloakensekret. Als letztes Mittel stellt sich so manches Exemplar tot: Die Schlange verdreht den Körper, erschlafft und lässt die Zunge aus dem geöffneten Maul hängen. Manchmal treten gar ein paar Bluttropfen aus der Mundspalte aus. Kaum lässt die Aufmerksamkeit des Angreifers nach, erwacht die Schlange zu neuem Leben und macht sich davon.
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Andreas Meyer
- Eine Ringelnatter stellt sich tot
Riechen mit gespaltener der Zunge
Die Ringelnatter ist wie alle Schlangen beinahe taub. Ihr Sehsinn ist jedoch gut ausgeprägt und hilft ihr sowohl bei der Jagd wie auch beim Erkennen von Gefahren. Das typische Züngeln dient der geruchlichen Wahrnehmung. Durch eine kleine Aussparung an der Schnauzenspitze kann die Ringelnatter ihre Zunge auch bei geschlossenem Mund hervorstrecken. In der Luft schwebende Duftpartikel bleiben an der Zunge kleben und werden beim Zurückziehen in eine mit Sinneszellen besetzte Grube im Gaumen geführt, das sogenannte Jacobson’sche Organ. Die tief gespaltene Form der Zunge hilft der Schlange, ein dreidimensionales «Duftbild» der Umgebung zu erhalten.
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Stefan Dummermuth
- Züngeln dient der geruchlichen Wahrnehmung
Flinke Froschjägerin
Ringelnattern fressen vor allem Frösche und Kröten, aber auch Molche, Salamander, Amphibienlarven und gelegentlich Fische. Die flinke Jägerin geht nicht eben zimperlich vor und verschlingt ihre Beute bei lebendigem Leib. Dabei schiebt die Schlange ihre frei beweglichen Unterkieferhälften abwechselnd vor und transportiert so die Beute Stück für Stück immer weiter in den Schlund. So mancher Frosch ergibt sich jedoch nicht so einfach in sein Schicksal, sondern pumpt sich in Notwehr mit Luft voll. Die Ringelnatter kommt dem bei, indem sie Frösche und Kröten meist von hinten her verschlingt und die Luft so durch das Froschmaul wieder herausgepresst.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern ernähren sich hauptsächlich von Amphibien
Was braucht die Ringelnatter?
Wegen ihres Speisezettels leben Ringelnattern vor allem in der Nähe von amphibienreichen Gewässern. Sie folgen Frosch und Co. aber auch in deren Landlebensräume und sind deshalb auch weit entfernt von jeglichem Ufer anzutreffen. Nebst genügend Beute braucht die Ringelnatter Sonn- und Versteckmöglichkeiten wie etwa Trockenmauern, Ast- oder Steinhaufen sowie geeignete Eiablagestellen. Den Winter verbringen Ringelnattern in frostfreien Schlupfwinkeln, zum Beispiel in Erd- oder Baumhöhlen, unter Steinen, in Mauerspalten, Kompost- oder Sägemehlhaufen.
Im Laufe der letzten 100 Jahren hat der Mensch einen grossen Teil der einst ausgedehnten Lebensräume der Ringelnatter in der Schweiz zerstört: Feuchtgebiete wurden entwässert, Fliessgewässer reguliert, Naturräume überbaut oder durch Strassen zerschnitten. Zudem fehlt es der Ringelnatter im intensiv genutzten, aufgeräumten Landwirtschaftsland an Strukturen wie Hecken, Gräben, Trockenmauern, Steinhaufen oder Altgrasstreifen. So haben die Bestände der Ringelnatter starke Einbussen erlitten. Heute steht die Ringelnatter wie alle Schlangenarten der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist geschützt.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern schätzen die Nähe von Gewässern und reichlich Versteckmöglichkeiten
Was tut Pro Natura?
- Ringelnattern fühlen sich dann wohl, wenn es auch den Amphibien gut geht. Um dem Tier des Jahres zu helfen, müssen deshalb die noch vorhandenen Feuchtgebiete geschützt und neue feuchte Lebensräume geschaffen werden. Dies tut Pro Natura im Rahmen ihrer Kampagne «Mehr Weiher für Frosch [&] Co.»: Sie erstellt selbst neue Fortpflanzungsgewässer für Amphibien und fordert Gemeinden auf, es ihr gleichzutun.
- Pro Natura betreut über 650 Naturschutzgebiete in der ganzen Schweiz. In diesen Gebieten pflegt sie feuchte Lebensräume gezielt und sorgt dafür, dass Gewässer nicht zuwachsen oder verlanden.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, in deren Auen sich Reptilien und Amphibien wohlfühlen.
- Pro Natura macht sich stark für eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel naturverträglich produziert. So wirkt sie etwa darauf hin, dass die Direktzahlungen des Bundes gezielter für ökologische Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte entrichtet werden.
- Pro Natura ist Mitgründerin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und arbeitet projektbezogen mit deren Fachleuten zusammen.
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Matthias Sorg
- Ringelnattern sind auf amphibienreiche Feuchtgebiete angewiesen
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Tier des Jahres 2014: Die Feldgrille
Die Feldgrille ist bekannt für ihre musikalische Ader: Ihr unermüdliches Zirpen dominiert von den ersten warmen Frühlingstagen bis in den August hinein so manches Wiesenkonzert. Die Künstlerinnen selbst bleiben dem Publikum jedoch meist verborgen. Oder besser gesagt: die Künstler. Denn es sind die Grillenmännchen, die mit lautem «Zri, zri, zri» versuchen, Weibchen anzulocken und Nebenbuhler abzuschrecken.
Pro Natura macht 2014 die Bühne frei für die scheuen Meistergeiger und wirbt so für mehr artenreiche Blumenwiesen in der Schweiz.
Befrackte Dickköpfe
Die Feldgrille ist eine von über 100 Heuschreckenarten in der Schweiz. Wer nun an einen filigranen grünen Hüpfer denkt, liegt falsch: Die 18 bis 27 mm grosse Feldgrille ist vielmehr schwarz und bullig, mit kugeligem Kopf und bräunlichen, schwarz geäderten Flügeln.
Die Flügelbasis ist besonders bei den Männchen dunkelgelb gefärbt. Die Unterseite der Hinterschenkel leuchtet rot. Die Weibchen sind an ihrer langen, schlanken Legeröhre zu erkennen.
Trotz ihrer Flügel können Feldgrillen nicht fliegen. Die Tiere sind aber flinke Läufer. Auf ihrem Speiseplan stehen Gräser und Kräuter, dazu kleinere Insekten und deren Kadaver. Feldgrillen ihrerseits sind willkommene Happen für grössere Vögel, Reptilien und Säugetiere wie Füchse, Spitzmäuse oder Hauskatzen.
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Albert Krebs/ETH
- Feldgrillenweibchen mit Legeröhre
Erste Geige im Wiesenkonzert
Das Musizieren ist bei den Feldgrillen Männersache. Mit lautem «Zri, zri, zri» markieren Grillenmännchen ihr Revier und weisen gleichzeitig paarungsbereiten Weibchen den Weg. Das Instrument der Violinisten sind ihre Vorderflügel. Auf deren Unterseite sitzen in einer Reihe rund 140 feine Zähnchen. Diese Schrillleiste streicht wie ein Kamm über eine glatte Schrillkante am Hinterrand des anderen Flügels. Eine Membran an der Flügelbasis verstärkt den Klang wie ein Lautsprecher. Die angehobenen Flügel und der Eingang zur eigenen Wohnröhre dienen als Schalltrichter. So ist der Gesang in offenem Gelände fast 100 Meter weit zu hören. Die Grillenweibchen, selbst stumm, nehmen den Lockruf mit ihren winzigen, schlitzförmigen Hörorganen in den Vorderbeinen wahr. Überzeugt die Darbietung, krabbeln sie dem Partner entgegen. Sobald sich ein Weibchen nähert, wechselt das Männchen schlagartig das Thema und umwirbt die Angebetete mit leisem Liebesgeflüster.
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Florin Rutschmann
- Zirpendes Männchen
Bunker mit Terrasse
Eine zirpende Feldgrille zwischen den Grashalmen aufzuspüren, ist nicht ganz einfach. Die schreckhaften Insekten verstummen, sobald man sich ihnen nähert, und verschwinden blitzartig in ihren selbst gegrabenen Wohnröhren. Diese reichen unverzweigt bis 40 Zentimeter tief in die Erde.
Vor der Höhle legen die Tiere einen kleinen Vorplatz an, den sie laufend von Gräsern und Steinen befreien. Dieser dient den Männchen sowohl als Bühne für die musikalischen Darbietungen als auch als Arena für Rivalenkämpfe. Sobald sich ein fremdes Männchen auf den Platz wagt, stimmt der «Hausherr» einen schrillen Rivalengesang an. Reicht die akustische Drohung nicht aus, folgt die Peitsche: Die Kontrahenten schlagen sich ihre langen Antennen um die Köpfe, sie schubsen und beissen, bis einer der beiden das Feld räumt.
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Ingo Stiegemeyer
- Feldgrillenmännchen vor Wohnröhre
Jugend ohne festen Wohnsitz
Feldgrillen paaren sich häufig vor dem Höhleneingang eines Männchens. Die Weibchen legen danach ihre Eier in die Erde ab, wo sie sich selbst überlassen bleiben. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die kleinen Larven, die ihren Eltern bereits ähnlich sehen, aber noch keine Flügel tragen. Die Feldgrillenlarven vagabundieren den Sommer über umher, fressen und häuten sich bis zu zehnmal. Erst im Herbst werden die Jungen sesshaft: Sie graben sich eine Wohnröhre oder renovieren den verwaisten Gang eines Artgenossen. In diesem Quartier verbringen die Larven den Winter. Im nächsten Frühling wechseln sie noch ein- oder zweimal die Haut und sind etwa Anfang Mai erwachsen.
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Florin Rutschmann
- Feldgrillenlarven haben noch keine Flügel
Leben in der Blumenwiese
Die Feldgrille ist in der Schweiz vor allem in milden Tallagen, an warmen und trockenen Standorten aber auch bis auf gut 1800 Meter ü. M. anzutreffen. Sie ist eine typische Bewohnerin sonniger, extensiv bewirtschafteter Wiesen, Weiden und Böschungen. Diese blütenreichen Lebensräume sind nicht nur ein Eldorado für Heuschrecken wie die Feldgrille, sondern auch für unzählige andere Tier- und Pflanzenarten.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts nehmen die Fläche und die Qualität artenreicher Blumenwiesen in unserer Landschaft jedoch stetig ab. Gründe dafür sind zum einen die Intensivierung der Landwirtschaft, zum andern das Verbuschen nicht mehr bewirtschafteter Steilhänge. So manche sonnige Lage wird zudem überbaut. Vielerorts ist das Zirpen der Feldgrille deshalb verstummt. Die Tiere sind innerhalb einer trocken-warmen Wiese zwar recht mobil, stossen ausserhalb aber schnell an Grenzen. So leben heute viele Populationen quasi auf Inseln, was die an sich häufige Art verletzlich macht.
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Fabian Biasio
- Feldgrillen mögen sonnige, extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura sichert ein Netz von über 650 Naturschutzgebieten in der ganzen Schweiz. Die Wiesen und Weiden in den Pro Natura Schutzgebieten werden extensiv bewirtschaftet – zur Freude der Feldgrille, die in zahlreichen dieser Gebiete vorkommt.
- Mit ihrer Kampagne «Flower Power – für farbenfrohe Blumenwiesen» setzt sich Pro Natura ab 2014 dafür ein, dass die bunten, artenreichen Wiesen und Weiden in der Schweiz wieder zunehmen.
- Pro Natura erhält und fördert Trockenwiesen und -weiden. So untersucht etwa das Projekt «Allegra Geissenpeter», wie ehemals landwirtschaftlich genutzte Hänge wieder nutzbar gemacht und vor dem Verbuschen bewahrt werden können.
- Auch in ihren Sektionen macht sich Pro Natura für artenreiche Wiesen und Böschungen stark, zum Beispiel mit dem Projekt «Blühende Borde fürs Baselbiet».
- In der Agrarpolitik vertritt Pro Natura eine klare Position für artenreiche Wiesen und Weiden im Kulturland.
- Pro Natura macht sich stark für einen haushälterischen Umgang mit dem Boden.
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Benoît Renevey
- Blumenwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten
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Tier des Jahres 2013: Die Geburtshelferkröte
Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien. Während Wochen trägt der Krötenvater die Eier huckepack. Sind die Kaulquappen schlupfbereit, liefert er sie prompt und zuverlässig am Gewässer ab.
Mit der Wahl des fürsorglichen «Glögglifroschs» zum Tier des Jahres 2013 macht Pro Natura auf den dramatischen Rückgang der einheimischen Amphibien aufmerksam und fordert mehr Feuchtgebiete für Frösche und Kröten, Molche und Salamander.
Nächtliche Futtersuche
Die Geburtshelferkröte ist ein zierlicher Froschlurch von gerade einmal 3.5 bis 5 Zentimetern Grösse. Ihre Oberseite ist gräulich, der Bauch weisslich. Eine Reihe vergrösserter, oft rötlich gefärbter Warzen zieht sich über ihre Flanken. Faszinierend sind die grossen, goldenen Augen mit senkrechter Pupille. Tagsüber versteckt sich die Geburtshelferkröte in Erdhöhlen und Mauslöchern, unter Steinen, in Mauerfugen, Sandhaufen oder Gartenbeeten. Ist es warm und feucht genug, verlässt sie abends ihren Schlupfwinkel und geht auf Nahrungssuche. Was das Menu betrifft, ist sie nicht heikel: Sie schnappt sich ziemlich alles, was ihr vors Maul kriecht und kleiner ist als sie selbst, wie Insekten, Spinnen, Asseln, Schnecken und Würmer.
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Axel Birgin
- Geburtshelferkröten sind keine besonderen Feinschmecker
Konzert der Kavaliere
«Glögglifrosch» nennt der Volksmund die Geburtshelferkröte. Der Name kommt nicht von ungefähr: Geburtshelferkröten zeigen sich dem Menschen selten. Meist bemerkt man sie überhaupt nur wegen ihres eigentümlichen Rufes. Von Ende März bis August buhlen die Männchen abends mit hellen, kurzen Lauten um die Gunst paarungsbereiter Weibchen. Was im Solo an einen Funkton erinnert, klingt im Chor wie ein mehrstimmiges Glockenspiel. Hat einer der singenden Kavaliere ein Weibchen für sich gewonnen, umklammert es dieses mit den Vorderbeinen. Ein langes und kompliziertes Paarungsritual beginnt.
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Kurt Grossenbacher
- Geburtshelferkröten bei der Paarung
Brutpflege ist Männersache
Anders als alle anderen Froschlurche paaren sich Geburtshelferkröten an Land und legen ihre Eier nicht in ein Gewässer ab. Vielmehr formt das Krötenpaar mit allen vier Hinterbeinen sorgsam ein Körbchen. In dieses entlässt das Weibchen zwei Laichschnüre, die vom Männchen sofort besamt werden. Schliesslich reckt und streckt das Männchen seine Hinterbeine mehrmals durch das Gewirr der Laichschnüre, sodass sich diese um seine Fersengelenke wickeln.
Das Weibchen ist nun aus der Pflicht entlassen. Das Männchen übernimmt manchmal noch ein oder zwei weitere Gelege von anderen Weibchen. Die kostbare Fracht gut vertäut an den Beinen, sucht sich der Krötenvater ein feuchtwarmes, für die Eireifung günstiges Versteck. Nach 3 bis 6 Wochen Hütedienst bringt er die reifen Eier zum Gewässer. Innert Minuten beginnen die Larven zu schlüpfen. Die Kaulquappen verwandeln sich entweder noch im selben Herbst in landlebende Tiere oder überwintern als Larven im Gewässer. Dann werden sie stattliche 9 Zentimeter lang – grösser als alle anderen einheimischen Kaulquappen.
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Jan Ryser
- Männchen mit Eigelege
Ufernahe Wohnquartiere
In der Schweiz kommt die Geburtshelferkröte vor allem im Hügelland und in den Voralpen vor. Südlich der Alpen fehlt sie. Für die Entwicklung der Larven braucht sie zwingend Wasser. Die Art des Gewässers scheint dabei zweitrangig zu sein: Die Tiere setzen ihre Kaulquappen sowohl in Tümpel, Weiher und Teiche als auch in langsam fliessende Abschnitte von Bächen oder Flüssen.
Einmal dem Wasser entstiegen, verbringen Geburtshelferkröten den Rest ihres Lebens an Land. Sie siedeln sich deshalb nur dort an, wo sie nahe am Gewässer auch den passenden Landlebensraum finden. Dabei bevorzugen sie gut besonnte Böschungen mit lockerem, grabbarem Boden. Diese Nähe von Wasser- und Landlebensraum findet die Geburtshelferkröte vor allem in Auengebieten, Rutschhängen, Kiesgruben und Steinbrüchen, aber auch an günstig gelegenen, meist fischfreien Weihern und Teichen.
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Andreas Meyer
- Lebensraum der Geburtshelferkröte
Glögglifrosch in Not
Die Geburtshelferkröte gilt in der Schweiz als stark gefährdet. In den letzten 25 Jahren ist rund die Hälfte ihrer Vorkommen erloschen. Doch nicht nur der Glögglifrosch ist in Bedrängnis. Von den 20 einheimischen Amphibienarten stehen 14 auf der Roten Liste. Eine davon gilt in der Schweiz bereits als ausgestorben. Damit gehören die Amphibien zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen unseres Landes.
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Pro Natura
- Die Wechselkröte gilt in der Schweiz als ausgestorben
Amphibien fehlt das Wasser
Amphibien brauchen Gewässer als Lebensraum. Doch das viel gepriesene «Wasserschloss Schweiz» ist heute zu trocken. Flüsse wurden kanalisiert, Bäche eingedolt, Weiher und Tümpel trockengelegt, feuchte Wiesen drainiert. Insgesamt wurden neun von zehn Feuchtgebieten trockengelegt. Besonders rar sind jene Gewässer geworden, die ab und zu austrocknen. Dabei sind gerade diese für seltene Amphibienarten ein Paradies, weil in ihnen kaum Fressfeinde wie Fische oder Libellenlarven leben.
Weitere Faktoren machen den Amphibien zusätzlich zu schaffen: In unserer intensiv genutzten Landschaft fehlt es den Tieren an Schlupfwinkeln, viele Laichgebiete sind isoliert, in fischfreie Gewässer werden Fische eingesetzt, Amphibien werden überfahren, durch Pestizide oder Mineraldünger geschädigt oder von einer neuen Pilzkrankheit befallen.
Das Hauptproblem für die Not der Amphibien bleibt jedoch unsere entwässerte Landschaft. Pro Natura setzt sich deshalb dafür ein, dass bestehende Amphibiengewässer erhalten sowie neue Amphibienlebensräume geschaffen werden.
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- Ein Problem sind kanalisierte Bäche
Was tut Pro Natura?
- Pro Natura fördert die Geburtshelferkröte und andere gefährdete Amphibienarten gezielt mit Artenschutzprojekten.
- Pro Natura sichert ein Netz von über 650 Naturschutzgebieten im ganzen Land mit rund 100 Amphibienlaichgebieten von nationaler Bedeutung.
- Pro Natura macht sich stark für eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel naturverträglich produziert. So wirkt sie etwa darauf hin, dass auch für Kleinstrukturen wie Amphibiengewässer Direktzahlungen entrichtet werden.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, in deren Auen sich Geburtshelferkröten und andere Amphibien wohl fühlen. Sie unterstützt die Rückkehr des Bibers, der mit seinen Staudämmen attraktive Amphibienlebensräume schafft.
- Pro Natura pocht auf den gesetzlich vorgeschriebenen Schutz unserer Moore und Moorlandschaften, die nebst vielen anderen Tier- und Pflanzenarten auch Amphibien Lebensraum bieten.
- Pro Natura ist Mitgründerin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und arbeitet projektbezogen mit deren Fachleuten zusammen.
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- Amphibienförderung konkret
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Tier des Jahres 2012: Das Braune Langohr
Als «Vögel der Nacht» leisten Fledermäuse einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht in der Natur. Im Gegenzug sind sie auf vielfältige Lebensräume angewiesen. Fledermäuse sind die heimlichen Nachbarn: Tagsüber verstecken sie sich in Baumhöhlen, Ritzen und Spalten, manche wohnen unbemerkt in unseren Häusern. Wer sind diese sonderbaren Wesen, nicht Vogel und nicht Maus?
Fliegen mit den Händen
Fledermäuse gehören zur Ordnung der Chiroptera – Handflügler. Diese können als einzige Säugetiere aktiv fliegen. Mit Mittelhand- und Fingerknochen spannen sie ihre elastischen Flughäute auf.
Weltweit sind über 1100 Fledertierarten bekannt, die in 60 Millionen Jahren eine erstaunliche Vielfalt an ökologischen Nischen eroberten. In den Tropen gibt es neben den Insektenjägern auch Fleisch-, Fisch-, Früchte-, Blatt- und Pollenfresser. Fledermäuse in der Schweiz ernähren sich ausschliesslich von Insekten und anderen Gliederfüsslern wie Spinnen und Weberknechten. Bis heute wurden in der Schweiz 30 Fledermausarten nachgewiesen.
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Dietmar Nill
- Aktiv fliegen
Sehen mit den Ohren
Pfeilschnell jagen Fledermäuse durch die Dunkelheit und schnappen zielsicher nach Insekten. Möglich macht dies ein raffiniertes Ultraschallsystem: Durch Mund oder Nase stösst die nächtliche Jägerin kurze, für Menschen nicht hörbare Rufe aus. Diese Ultraschallsignale werden von Hindernissen wie Bäumen, Zweigen und Mauern, aber auch von Beutetieren reflektiert und von den Ohren der Fledermaus wieder aufgefangen. So entsteht ein präzises Hörbild der Umgebung. Langohren beherrschen einen zusätzlichen Trick: Sie orten ihre Beute anhand von Krabbelgeräuschen. Ihren riesigen Ohren entgeht auch nicht das leiseste Rascheln.
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Dietmar Nill
- Auf der Jagd
Falterfresser und Flugakrobat
Das Braune Langohr (Plecotus auritus), Tier des Jahres 2012, misst von Kopf bis Rumpf etwa fünf Zentimeter. Seine riesigen Ohren, die es einzeln bewegen kann, sind beinahe so lang wie sein Körper. Es bringt lediglich 5 bis 12 Gramm auf die Waage, bei einer Flügelspannweite von rund 24 Zentimetern. Bei der Jagd erbeuten die wendigen Flugakrobaten hauptsächlich Nachtfalter. Darunter auch Waldschädlinge wie Eichenwickler und Schwammspinner. Weiche Käfer, Schnaken, Raupen und Spinnen stehen ebenfalls auf ihrer Menükarte. Wie ein Turmfalke kann das Braune Langohr im Rüttelflug an Ort verharren und seine Beute direkt von Blättern, Gräsern und Baumrinde absammeln. Die breiten Flügel erlauben gar Pirouetten und Loopings. Erbeutet das Langohr grosse Falter, verzehrt es diese im Hängen an einem Frassplatz. Unverdauliche Teile wie Flügel, Beine und Fühler lässt es zu Boden fallen.
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Dietmar Nill
- Falterfresser
Schöner Wohnen im Wald
Das Braune Langohr gilt als typische Waldfledermaus. Wie sieht der ideale Fledermauswald aus? Er bietet ein Mosaik aus geschlossenen und lichten Waldabschnitten, Laub- und Mischwald, jungen und alten Bäumen sowie Totholzinseln mit vielen Höhlen und Rissen in den Stämmen, die Fledermäusen tagsüber als Verstecke dienen. In strukturreichen Wäldern leben auch unzählige verschiedene Beuteinsekten.
Braune Langohren jagen nachts, mit Vorliebe im Wald. Wichtige Jagdgebiete sind zudem Hochstammobstgärten, Hecken und naturnahe Wiesen, wenige 100 Meter vom Tagesschlafplatz entfernt. Dieser befindet sich in einer Baumhöhle oder im Dachstock von Kirchen, Fabriken, Schul- und Wohnhäusern. Hier ziehen die Weibchen während des Sommers ihre Jungen auf, in so genannten Wochenstuben. Da Fledermäuse in der Regel nur ein Jungtier pro Jahr zur Welt bringen, sind ihre Populationen besonders verletzlich. Es dauert Jahrzehnte, bis sich eine geschwächte Art erholt.
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Klaus Bogon
- Baumhöhle
Abhängen in der Kälte
Zum Schlafen biegen Langohrfledermäuse ihre Ohren nach hinten und klemmen sie zwischen Unterarme und Körper. So erkennt man nur den vorstehenden Ohrdeckel, Tragus genannt.
In der kalten Jahreszeit ziehen sich Fledermäuse in frostsichere Quartiere zurück. Der Körper wird abgekühlt und die Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert. So können zwischen zwei Atemzügen bis zu 90 Minuten verstreichen. Auch die Herzfrequenz wird stark gesenkt. Damit die Tiere während des Winterschlafs nicht austrocknen, muss das Quartier genügend Luftfeuchtigkeit aufweisen. Bekannte Winterquartiere sind Höhlen, Felsspalten, Tunnels und Keller mit Naturböden.
Im Winter sind Fledermäuse nicht völlig reglos. Manchmal verändern sie ihre Schlafposition oder sie wechseln, wenn es zu warm oder zu kalt ist, das Quartier. Jedes Aufwachen zehrt jedoch an ihren knappen Fettreserven. So entspricht eine Stunde Wachsein dem Energieverbrauch von rund elf Tagen im Winterschlaf. Bis zum Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird und das Nahrungsangebot steigt, sollten schlafende Fledermäuse nicht gestört werden.
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Dietmar Nill
- Im Schlaf
Fledermäuse brauchen Vielfalt
In der Schweiz ist das Braune Langohr vom Flachland bis in die Bergregionen verbreitet. Dennoch gilt es als gefährdet, wie fast alle der rund 30 einheimischen Fledermausarten. Durch intensive Nutzung der Landschaft verschwinden immer mehr Obstgärten, Hecken und Feldgehölze, die Fledermäusen als Jagdgebiete und wichtige Orientierungspunkte beim Fliegen dienen. Baumhöhlen sind in unseren stark genutzten Wäldern Mangelware; Alt- und Totholz werden ausgeräumt. Intensive Landwirtschaft schmälert den Insektenreichtum.
Mit der Wahl des Braunen Langohrs zum Tier des Jahres 2012 ruft Pro Natura dazu auf, die Vielfalt der Lebensräume zu bewahren und zu verbessern.
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Klaus Bogon
- Obstgarten
Was macht Pro Natura?
- Pro Natura setzt sich für vielfältige Wälderein – mit Waldschutzprojekten und auf politischer Ebene. Fledermäuse brauchen strukturreiche Wälder, in denen Alt- und Totholz vermehrt stehen und liegen bleiben.
- Pro Natura fördert mit dem Label «Hochstamm Suisse» den Erhalt von Hochstamm-Obstbäumen in der Schweiz. Für Fledermäuse sind Hochstamm-Obstgärtendoppelt wichtig: als Jagdgebiete und als Leitstrukturen beim nächtlichen Fliegen.
- Pro Natura kämpft für eine naturverträglichere Landwirtschaftspolitik. Mehr ökologische Ausgleichsflächen und weniger Pestizide verbessern den Insektenreichtum und damit das Nahrungsangebot für Fledermäuse.
- Pro Natura engagiert sich für naturnahe Fliessgewässer, die Fledermäusen ein reichhaltiges Insektenangebot liefern.
- Pro Natura ist an über 650 Naturschutzgebietenin der ganzen Schweiz beteiligt. Unser Ziel: Mehr Natur – überall!
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Christoph Oeschger
- Für vielfältige Lebensräume
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Tier des Jahres 2011: Der Regenwurm
Regenwürmer sind die Baumeister fruchtbarer Böden. Unermüdlich graben sie sich durch das Erdreich, arbeiten totes Pflanzenmaterial in den Boden ein, produzieren wertvollen Humus und sorgen für eine optimale Bodenstruktur. So pflegen die fleissigen Gesellen eine unserer kostbarsten Ressourcen: den Boden. Dieser ist Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen und muss deshalb sorgfältig genutzt und geschützt werden.
In der Schweiz leben rund 40 verschiedene Regenwurmarten. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der Tauwurm Lumbricus terrestris. Dieser 12 bis 30 Zentimeter grosse Regenwurm ist vorne rot-braun und hinten blass gefärbt. Er ist weit verbreitet und bewohnt Wiesen, Äcker, Gärten und Wälder. Dort gräbt er nahezu senkrechte Wohnröhren bis zu 3 Meter tief in den Unterboden hinab. Dadurch durchmischt er den Boden intensiv. Auf seinem Speisezettel stehen Laub und Ernterückstände, die er in seine Wohnröhre zieht und von Pilzen und Bakterien vorverdauen lässt. Nur dank dieser Kompostiertechnik kann der zahnlose Regenwurm das Pflanzenmaterial überhaupt aufnehmen.
Regenwürmer sind wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbstständig regulieren können. Am aktivsten sind sie im Frühling und im Herbst. Bei Trockenheit im Sommer und Frost im Winter ziehen sich die meisten Arten zunächst tiefer in den Boden zurück. Sind die Bedingungen zu extrem, ringeln sie sich in einer mit Kot austapezierten Höhlung ein und verfallen in einen Starrezustand. Sind die Verhältnisse wieder günstiger, werden die Tiere wieder aktiv.
Die drei Lebensformen einheimischer Regenwürmer
Die verschiedenen Regenwurmarten lassen sich anhand ihres Lebensraumes in drei ökologische Gruppen einteilen:
Die kleinen und agilen Streubewohner leben zuoberst in der Humusauflage und in der Streuschicht. Sie fressen totes Pflanzenmaterial auf der Bodenoberfläche. Zum Schutz vor UV-Strahlung sind sie am ganzen Körper rötlich-braun gefärbt. Ein typischer Vertreter ist der Kompostwurm Eisenia fetida.
Die Mineralbodenformen besiedeln den Wurzelbereich von Pflanzen. Sie ernähren sich zum Beispiel von abgestorbenen Wurzelteilen im Boden, ohne jedoch die lebenden Pflanzenteile zu schädigen. Diese durchscheinend bleichen Arten graben vorwiegend horizontale, instabilen Gänge und kommen fast nie an die Oberfläche. Ein Beispiel ist der Grauwurm Nicodrilus caliginosus.
Die grossen, tiefgrabenden Arten pendeln zwischen Unterboden und Bodenoberfläche. Sie legen nahezu senkrechte, bis mehrere Meter tiefe, stabile Wohnröhren an, deren Wände sie mit Kot tapezieren. Diese kräftigen Arten ziehen totes Pflanzenmaterial von der Bodenoberfläche in ihre Wohnröhren ein. Sie sind nur im vorderen Körperbereich dunkel gefärbt. Zu dieser Gruppe gehört der Tauwurm Lumbricus terrestris.
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H. & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Lumbricus terrestris in einer Wohnröhre
Blind, stumm, taub
Regenwürmer bestehen aus bis zu 200 Körpersegmenten, von denen jedes mit kurzen Borsten versehen ist. Unter der Haut befinden sich Ring- und Längsmuskeln des Regenwurms. Zieht er die Ringmuskeln zusammen, erschlaffen gleichzeitig die Längsmuskeln, und die betreffende Stelle wird lang und dünn. Durch abwechselndes Strecken und Zusammenziehen einzelner Körperabschnitte kriecht der Wurm vorwärts. Um sich durch die Erde zu graben, bohrt er das dünne Vorderteil in feine Spalten. Dann verkürzt sich die Längsmuskulatur, das Vorderteil wird dicker und schiebt die Erde auseinander. Regenwürmer können so bis zum 60-fachen ihres Körpergewichts stemmen. Damit gehören sie im Verhältnis zu ihrer Grösse zu den stärksten Tieren der Welt.
Wie der Mensch hat der Regenwurm rotes Blut. Angetrieben von 5 Paar «Herzen» zirkuliert es durch ein ausgeklügeltes Blutgefässsystem. Den nötigen Sauerstoff nehmen Regenwürmer nicht über Lungen oder Kiemen, sondern durch die Körperoberfläche auf. Ihr Blut strömt in feinen Gefässen unter der Haut hindurch und nimmt dabei Sauerstoff auf.
Regenwürmer besitzen weder Ohren, noch Nase, noch richtige Augen. Dank Licht-Sinneszellen am Vorder- und Hinterende können sie jedoch Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Ein Tast- und Gravitationssinn hilft ihnen, sich in ihren Röhrensystemen zurechtzufinden. Mit Hilfe eines Drucksinns können Regenwürmer zudem Erschütterungen wahrnehmen und so vor herannahenden Fressfeinden rechtzeitig flüchten.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Tauwurm mit Geschlechtsgürtel und pigmentiertem Vorderteil
Das Liebesleben der Zwitter
Regenwürmer paaren sich vor allem im Frühling und im Herbst. Sie sind Zwitter, d.h. sie besitzen sowohl Hoden wie Eierstöcke. Geschlechtsreife Tiere erkennt man an einer Verdickung im vorderen Drittel des Körpers, dem so genannten Gürtel. Zur Fortpflanzung legen sich zwei Regenwürmer in entgegengesetzter Richtung eng aneinander und tauschen ihren Samen aus. Dann bilden sie einen Schleimring um ihre Gürtelregion, aus dem sie sich langsam herauswinden. Dabei geben sie Eier und Samen in den Schleimring ab. Die abgestreifte Schleimmanschette formt sich zu einem zündholzkopfgrossen Kokon. Nach wenigen Wochen bis mehreren Monaten – je nach Art – schlüpft aus diesem «Regenwurmei» das Jungtier. Der Tauwurm Lumbricus terrestris paart sich einmal pro Jahr und bildet dabei 5-10 Kokons mit je einem Ei. Der Kompostwurm Eisenia fetida paart sich hingegen häufiger und legt pro Jahr rund 140 Kokons ab, aus denen Mehrlinge schlüpfen.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Zitronenförmiger Kokon in der Grösse eines Zündholzkopfes
Baumeister fruchtbarer Böden
Regenwürmer sind Bodenbildner. In einem durchschnittlich besiedelten Boden produzieren rund 1 Million Regenwürmer bis zu 100 Tonnen Wurmkot pro Hektar und Jahr. Dieser hochwertige Humus enthält bis zu 5-mal mehr Stickstoff, 7-mal mehr Phosphor und 11-mal mehr Kalium als die umgebende Erde. Mit diesem vorzüglichen Dünger tragen Regenwürmer entscheidend zur Nährstoffversorgung der Pflanzen bei.
Zusammen mit dem toten Pflanzenmaterial verleibt sich der Regenwurm auch grössere Mengen Mineralerde mit ein. Im Regenwurmkot finden sich deshalb so genannte Ton-Humus-Komplexe, die für eine stabile, krümelige Bodenstruktur sorgen.
Als umtriebige Tunnelbauer belüften Regenwürmer den Boden, erhöhen seine Wasseraufnahmefähigkeit und erleichtern das Wurzelwachstum. Im Obstbau erweisen sich Regenwürmer zudem als willkommene biologische Schädlingsbekämpfer: Indem sie das Falllaub der Bäume in den Boden ziehen und verspeisen, vertilgen sie auch Schadorganismen wie die Sporen des Apfelschorfs oder blattminierende Insekten.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Bis zu 100t Regenwurmlosung pro Hektare und Jahr wird im und über dem Boden abgelegt
Boden – mehr als nur Dreck
Der Regenwurm pflegt eine unserer kostbarsten Ressourcen: Der Boden ist Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Er bietet Lebensraum und Nahrung, sorgt für einen natürlichen Wasserkreislauf, liefert mineralische Rohstoffe und Erdwärme, ist das Substrat für vielfältige Landschaften.
Doch der Boden ist bedroht. Überdüngung, Pestizide, Schadstoffe, Verdichtung und Erosion machen ihm zu schaffen. Vor allem aber wird immer mehr lebendiger Boden überbaut. Die Siedlungsfläche in der Schweiz wächst jede Sekunde um fast einen Quadratmeter. Boden wird zunehmend versiegelt und Landschaft zerstört.
Mit der Wahl des Regenwurms zum Tier des Jahres macht Pro Natura auf den verschwenderischen Umgang mit Boden und Landschaft aufmerksam und ruft zu deren Schutz auf.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch / Pro Natura
- Auf einer Wiese leben zwischen 200-400 Regenwürmer pro m2
Gefahren für den Regenwurm
Regenwürmer sind für viele Tierarten ein Leckerbissen. Zu seinen natürlichen Feinden gehören zahlreiche Vogelarten, Maulwürfe, Marder, Igel, Spitzmäuse, Erdkröten, Frösche, Feuersalamander, Hundertfüssler, Ameisen, Laufkäfer, Füchse und Dachse.
Weitere Gefahren drohen dem Regenwurm durch den Menschen: Die unsachgemässe Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie intensives Pflügen oder Fräsen dezimieren den Wurmbestand drastisch. Schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichten den Boden und machen den Dauerwühlern das Leben schwer.
Der krasseste Eingriff ist die zunehmende Überbauung von Kulturland. Unter völlig versiegelten Flächen, unter Gebäuden, Parkplätzen und Strassen, existieren praktisch keine Bodenlebewesen mehr.
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Matthias Sorg
- Wohnen im Grünen
Was braucht der Regenwurm?
Wer den Regenwurm fördert, verhilft dem Boden zu mehr Gesundheit, Leben und Fruchtbarkeit. Wichtig ist eine schonende Bearbeitung des Bodens sowohl im Feld wie auch im Garten: Pflug und Spaten sollten nur sparsam eingesetzt werden, die Bodenfräse einzig wenn unbedingt nötig. Weiter sind Regenwürmer auf genügend Nahrung in Form von organischem Material angewiesen. Abwechslungsreiche Fruchtfolgen, vielfältige Ernteresten, eine konsequente Bodenbedeckung (Mulchen) und massvoll eingesetzter organischer Dünger (Mist, Kompost, Gülle) sorgen für ein üppiges Nahrungsangebot. Hohe Mineraldüngergaben und regenwurmschädigende Pflanzenschutzmittel sind zu meiden. Biologischer Anbau schont die Regenwürmer.
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Heidi & Hans-Jürgen Koch
- Der Regenwurm Lumbricus terrestris
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Wildbienen sind als Bestäuber ein wichtiges ökologisches Glied in der Natur. Diese Wahl soll auf die Millionen, für Laien oft «unsichtbaren», Insekten aufmerksam machen, die unsere Lebensgrundlage – die Biodiversität – aufrecht erhalten. Die Langhornbiene ist ein kleiner Baustein eines grossen Ganzen.
Mit ihren langen Fühlern und dem pelzigen Rücken fällt die Langhornbiene unter den Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sofort auf. Wie die meisten Wildbienenarten lebt die Langhornbiene einzelgängerisch – im Gegensatz zu ihrer besser bekannten Verwandten, der staatenbildenden Honigbiene. Für den Nestbau sucht sich die Langhornbiene als Bodennisterin Flächen mit offenem, sandigem oder lehmigem Untergrund. Bei der Nahrungssuche hat sich die Langhornbiene auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Daher sucht man sie am besten auf Trockenwiesen, Hochstamm-Obstgärten und in Lehmgruben. Ihre Flugzeit ist ungefähr von Mai bis Ende Juli.
Die Orchidee ist auf die Langhornbiene angewiesen
Mit einer unwiderstehlichen Strategie hat die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea) die Langhornbiene für die überlebenswichtige Bestäubung gewonnen: Die Blüten der Hummel-Ragwurz ahmen Form und Duft eines Langhornbienen-Weibchens nach und locken so die Langhornbienen-Männchen an. Sobald das Männchen zur vermeintlichen Begattung auf einer Blüte landet, drückt die Orchidee dem Bienenmännchen Pollen auf den Kopf. Auf der nächsten Orchidee, die das Wildbienen-Männchen besucht, streift es die Pollen auf die Narbe der Hummel-Ragwurz und hat damit ungewollt als «Pollentaxi» zur Bestäubung beigetragen. Aufgrund dieses «Tricks», wird die Orchidee zu den Sexualtäuschblumen gezählt. Ohne Langhornbiene wäre das Überleben der Hummel-Ragwurz nicht möglich – jede Art zählt.
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Nicolas J. Vereecken
- Duft und Form der Hummel-Ragwurz locken die Langhornbiene an
Die Vielfalt neben der Honigbiene
Die Honigbiene und ihre Erzeugnisse sind bekannt und beliebt. Als Biene Maja hat sie in einer literarischen (1912) und filmischen (ab 1976) Form den Weg in viele Kinderherzen gefunden. Dass es neben der Honigbiene in der Schweiz ungefähr 580 und weltweit rund 30'000 Wildbienenarten gibt, ist aber nur wenigen bekannt. Im Unterschied zur Honigbiene leben die meisten Wildbienen nicht in einem Staat, sondern unauffällig als Einsiedler. Als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen übernehmen die Wildbienen eine zentrale, ökologische Rolle. Blütennektar ist ihre vorwiegende Nahrungsquelle. Die Brut versorgen sie mit Pollen und Nektar. Nistplätze suchen sie sich je nach Art an den unterschiedlichsten Orten. Wildbienen nisten in sandigem oder lehmigem Böden, in Schneckenhäusern, bohren Löcher in Totholz, bauen Nester in Pflanzenstängeln oder in Trockenmauern.
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Nicolas J. Vereecken
- Die Grosse Holzbiene ist eine der grössten Wildbienenarten
Ein Leben für die Brut
Das Leben des Wildbienenweibchens dreht sich um das selbst gebaute Nest, in dem es sich die meiste Zeit aufhält, die Eier abgelegt und die Brut heranwächst. Nur zur Suche nach Nahrung oder Baumaterial verlässt es den sicheren Ort. Die Wildbiene lagert Pollen und Nektar zusammen mit jeweils einem Ei in einer Brutzelle, den Grundeinheiten des Nestes, die sie zum Beispiel mit Lehm verschliesst. So reiht sich Zelle an Zelle bis das Nest gefüllt ist. In den Zellen vollzieht sich im Herbst und Winter bis in den Frühling die vollständige Metamorphose vom Ei hin zur Biene. Das fleissige Weibchen verbringt also die wenigen Wochen an Flugzeit – von Frühjahr bis Sommer – mit der Brutfürsorge für die Nachkommen.
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Nicolas J. Vereecken
- Längsschnitt durch eine Brutzelle
Wieso es immer weniger Wildbienen gibt
Zahlreiche Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sind in der Roten Liste der bedrohten Arten der Schweiz aufgeführt. Der Rückgang sowohl der Arten- wie auch der Individuenzahl in den letzten Jahrzehnten ist beträchtlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen jedoch meist beim menschlichen Verhalten. Die Lebensräume vieler Wildbienenarten sind verschwunden oder haben sich verschlechtert. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, der Bau von Infrastruktur wie Strassen und Gebäuden beeinträchtigen oder zerstören die Lebensräume, die Nistplätze und das Nahrungsangebot der Wildbienen. Es gibt immer weniger Grünflächen und bestehendes Offenland wird oft zu intensiv durch die Landwirtschaft genutzt. Beides zusammen bedroht den Bestand der ca. 580 Wildbienenarten der Schweiz.
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Pro Natura
- Ausgeräumte, eintönige Landschaften
Ohne Wildpflanzen keine Wildbienen – und umgekehrt!
Die Flugzeit der Wildbienen dauert nur wenige Wochen zwischen Frühling und Sommer und ist je nach Art unterschiedlich. Wildblumen, Sträucher und Obstbäume, die den Wildbienen Nahrung bieten, blühen oft nur kurze Zeit lang. Dies bedeutet: Innerhalb der wenigen Wochen, in welchen die Bienen im Sommer unterwegs sind, muss genügend Nahrung für die Bienen und ihre Nachkommen vorhanden sein. Wildbienen sind stark abhängig vom vorhandenen Nahrungsangebot. Die Futterpflanzen wiederum sind auf die Wildbienen als wichtige Bestäuber angewiesen. Dies zeigt eindrücklich die Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pflanzen. Tier- und Pflanzenarten können nicht unabhängig voneinander überleben. Sie sind Teil der Biodiversität und aufeinander angewiesen - jede Art zählt. Auch der Mensch ist Teil der Biodiversität und von ihr abhängig. Deshalb müssen wir zur Biodiversität Sorge tragen.
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M. Sorg
- Wildbienen brauchen vielfältige Landschaften
Mut zu Unordnung und Vielfalt in unseren Gärten!
Mit einer naturnahen Gestaltung und Bewirtschaftung unserer Gärten können wir mit kleinem Aufwand Grosses für die Wildbienen bewirken. Als einfacher Grundsatz gilt: Mut zu Unordnung und Vielfältigkeit. Wichtigster Beitrag zum Wildbienenschutz ist die Erhaltung und Aufwertung möglicher Lebensräume.
Helfen können Sie mit:
- reich strukturierten Gärten mit einheimischen Pflanzen verschiedener Wuchsformen und Blühzeiten.
- artenreichen Wiesen, deren Fläche nicht auf einmal gemäht wird. Indem immer nur Teile der Wiese gemäht werden, bleibt der Lebensraum über eine längere Zeit erhalten.
- offenen Bereichen mit sandigen oder lehmigen Böden.
- Totholz- und Kieshaufen, Natursteinmauern, Schneckenhäusern und Pflanzenstängeln.
Mit diesen einfachen Massnahmen können wir den Wildbienen bei der Ernährung und Fortpflanzung helfen. Aber denken Sie daran, die Brut der Bienen entwickelt sich während dem Winter in den Nestern. Also lassen Sie die Pflanzenstängel und Schneckenhäuser bis im Frühjahr liegen oder stehen. Denn sonst geht eine ganze Brut verloren. Wenn Sie noch mehr für die Wildbienen machen möchten, finden Sie am Anfang dieser Seite eine Anleitung zum Bau von Wildbienenhotels. Die vollständige Publikation kann im Pro Natura Shop erworben werden.
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M. Sorg
- Naturnahe Gärten sind bei Wildbienen begehrt
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Documenti scaricabili
Pro Natura Faltblatt «Mein Garten mit…Bauanleitung «Bauplätze für Wildbienen»Potrebbe anche interessarti
Tier des Jahres 2009: Der Braunbär
«Der Bär ist zurück!» meldet der Schweizerische Nationalpark mit einer Medienmitteilung am 26. Juni 2005. Zuvor war vor fast genau 100 Jahren der letzte Schweizer Bär geschossen worden. Zwei weitere Bären sind 2007 im Münstertal und im Engadin aufgetaucht. Es ist zu erwarten, dass weitere Bären in die Schweiz einwandern und sich einen neuen Lebensraum suchen. Der Alpenbogen ist seit je Bärengebiet. Und er scheint es wieder zu werden. Der Bär gehört zu unserer Natur, zu unserer Kultur. Das zeigen zahlreiche Ortsnamen, seine Abbildung in Kantons- und Gemeindewappen. Nicht zu vergessen all die Gasthäuser landauf und landab, die in ihrem Namen dem «Bären» huldigen.
Meister Petz findet bei uns günstige Lebensräume. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und der politische Wille sind die grössten Hürden, die der Braunbär bei seinem Weg in die Schweiz überwinden muss. Die Schweiz steht in der Verantwortung, wenn Braunbären immer wieder auf natürlichem Wege einwandern. Denn: Braunbären sind nach wie vor gefährdet und deswegen europaweit geschützt.
Pro Natura und der Bär - gemeinsame 100-Jahre
Hundert Jahre sind es her, seit Basler Wissenschafter zur Gründung eines Schweizer Nationalparks den Schweizerischen Bund für Naturschutz – heute Pro Natura – gegründet hatten. Unmittelbarer Zweck von Pro Natura war es, die Finanzierung des künftigen Nationalparks zu organisieren.
2005 waren ebenfalls fast genau 100 Jahre vergangen, seit der letzte Bär in der Schweiz geschossen wurde. Zwei Jäger erlegten ihn 1904 im Engadin. Fotografen und die Dorfbevölkerung waren zu Stelle, um den Triumph über die wilde Welt festzuhalten. 100 Jahre lang galt der Bär in der Schweiz danach als ausgerottet. Bis JJ2 – vom «Blick» liebevoll in «Lumpaz» umgetauft – 2005 wieder durch Bündner Wälder streifte. Nicht zufällig tappte der erste Bär nach fast 100 Jahren in den von Pro Natura gegründeten Schweizerischen Nationalpark. Er bietet offenbar Wildnis, die dem Bären behagt. Und somit schliessen sich die Geschichts-Kreise von Pro Natura und des Bären wieder. Heute setzt sich Pro Natura politisch und mit Aufklärungsarbeit für eine konfliktarme Rückkehr des Bären in die Schweiz ein. Damit die Geschichte des Bären in der Schweiz und Europa weitergeht.
Yes, we can - mit dem Bären leben
Der Bär ist nach wie vor eine gefährdete Art und deswegen europaweit geschützt. Für die natürliche Verbreitung des Bären in Europa trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung. Der Alpenbogen ist eines der wichtigsten Bärengebiete Europas, und die Schweiz mitten drin. Bären gehörten Jahrhunderte lang zur hiesigen Kultur. Zahlreiche Flur- und Ortsnamen sowie -Wappen zeugen von der langen Kulturgeschichte des Bären in der Schweiz. Ganz zu schweigen von den hunderten Gasthäusern quer durch die Schweiz, die den «Bären» stolz als Namen tragen. Nur die Gesellschaft hat in den rund 100 «bärlosen» Jahren verlernt, mit wilden Tieren ihr Territorium zu teilen. Pro Natura macht mit der Wahl des Bären die Menschen auf die Bedürfnisse und das richtige Verhalten gegenüber wilden Tieren aufmerksam, allen voran den Bären. Und zielt auf mehr Sicherheit für die Menschen und breitere Akzeptanz des Bären durch besseres Wissen.
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- Mitgliederwerbung mit dem Bären im Jahre 1908
Wer ist Meister Petz? - Ein Steckbrief
Die Körpergrösse von Braunbären (Ursus arctos) liegt zwischen 170 und 220 Zentimetern. Je nach Verbreitungsgebiet variiert das Gewicht beträchtlich. Die Männchen (120 bis 350 kg) sind deutlich schwerer als die Weibchen (75 bis 160 kg).
Der europäische Braunbär hat ein hellbraunes, zottiges Fell, die Jungtiere bilden einen hellen Halskragen aus. Neben den mächtigen Eckzähnen weisst das Bärengebiss ziemlich flache und breite Backenzähne auf. Pflanzliche Nahrung wird mit diesen «Mahlzähnen» verwertet. Die Sinnesorgane des Braunbären sind hochentwickelt, besonders Nase und Ohren. Die Neugierde des Braunbären ist ausgeprägt, ebenso seine Lernfähigkeit. Erlerntes spielt für sein Verhalten eine grosse Rolle. Da jedes Tier durch seine individuellen Erfahrungen geprägt ist, können sich die Verhaltensweisen stark unterscheiden.
Verbreitung früher und heute
...früher
Braunbären besiedelten einst die gesamte Nordhalbkugel von der arktischen Tundra bis zu den Subtropen.
Ihre hohe Anpassungsfähigkeit erlaubte ihnen, sehr unterschiedliche Lebensräume zu nutzen: Wälder aller Art, Steppen, Gebirgsland-schaften, die arktische Tundra. Die Landschaftszersiedelung, die Entwaldung Europas, aber in erster Linie die direkte Verfolgung haben den Braunbären in weiten Teilen seines einstigen Verbreitungsgebiets zum Verschwinden gebracht. Kurz nach der Ausrottung der Art in der Schweiz begann die Diskussion über die Wünschbarkeit seiner Rückkehr. Der Unterengadiner Steivan Brunies, Mitbegründer des Naturschutzbundes (SBN) heute Pro Natura, äusserte 1936 die Hoffnung auf eine natürliche Wiederbesiedlung des Nationalparkgebiets vom Südtirol her, kämpften doch damals italienische Naturschützer energisch für einen Schutz des Bären sowie die Errichtung eines grossflächigen Reservats. Siebzig Jahre später haben sich die Braunbären in der Schweiz selber wieder zum Thema gemacht. 2005 wanderte der erste Braunbär seit Jahrzehnten von Süden her wieder in die Schweiz ein.
...und heute
Die heutigen Bärenpopulationen in Europa sind an bewaldete, vom Menschen eher dünn besiedelte und meist gebirgige Gebiete gebunden. Bestimmt wird ihr Lebensraum durch die vorhandenen Nahrungsressourcen. In Europa kennen wir Streifgebiete zwischen 50 und 5000km2. Nach den Erfahrungen in anderen dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaften Europas bietet auch die Schweiz geeignete Lebensräume für Bären. Die höchste Dichte an Bären in Europa befinden sich in den rumänischen Karpaten. Verbreitet ist Meister Petz auch in den Alpen (Slowenien, Italien) und in den Pyrenäen. Im Norden und Osten Europas kommen ebenfalls eine stattliche Anzahl wildlebender Bären vor (Schweden, Finnland, Norwegen, Russland).
Nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika sind Braunbären verbreitet. Dort in den Unterarten Kodiakbär (Kodiakinsel und benachbarte Inseln vor der Südküste Alaskas) und Grizzlybär (westliches und mittleres Nordamerika).
Was frisst der Bär?
Die grösste europäische Landraubtierart ernährt sich in erster Linie vegetarisch. Energetisch ist ein Braunbär nie im Gleichgewicht. Entweder nimmt er rasch zu oder er magert langsam ab.
Gross ist der Hunger vor allem im Spätsommer und Herbst. Jetzt muss sich Meister Petz den Winterspeck anfressen. Erwachsene Bären müssen dazu täglich bis zu 20'000 kcal aufnehmen. Diese Energiemenge entspricht ca. 30 kg Äpfel.
Die Ernährung besteht zu dieser Zeit aus Baumfrüchten wie Eicheln, Bucheckern, in den südlichen Wäldern auch Kastanien und Beeren. Mit einem Fettvorrat, der etwa einem Drittel des Körpergewichts entspricht, verzieht sich der Bär in seine Winterhöhle.Verlässt er diese im Frühling verspürt er vorerst noch kaum Hunger. Gefressen werden zu dieser Zeit Wurzeln, Gräser und Kräuter wie Bärlauch. Willkommen ist jetzt auch das Aas von Wildtieren wie Gämsen, die Opfer des Winters geworden sind. Tierische Proteine werden zusätzlich auch in Form von Bienen, Wespen oder Ameisen aufgenommen.
Verhalten und Fortpflanzung
Bärenmännchen streifen als Einzelgänger durch die Wälder. Dabei verteidigen sie kein Revier, meiden aber andere Bären. Nur zur Paarungszeit im Sommer suchen sie den Kontakt zu einem Weibchen. Schon nach wenigen gemeinsamen Tagen und der Paarung gehen die beiden wieder getrennte Wege. Nach der Befruchtung beginnt die Entwicklung der Embryonen aber erst mit der Winterruhe der Bärin. Die Tragzeit dauert dann noch sechs bis acht Wochen. In der Überwinterungshöhle gebären die Bärenmütter zwei bis drei winzige Junge die nur 300 bis 400 Gramm wiegen. Schnell wachsen diese heran, verlassen im zeitigen Frühjahr die Wurfhöhle und bleiben für eineinhalb bis dreieinhalb Jahre bei ihren Müttern. Von diesen lernen sie günstige Nahrungsplätze und energiereiche Futtersorten kennen. Von der Mutter abgelöst bleiben Jungbären meist noch einen Sommer lang zusammen und suchen sich dann eigene Lebensräume.
Dabei versuchen junge Weibchen, in der Nähe der Mutter zu bleiben, während junge Männchen oftmals sehr weit wandern müssen, bis sie ein freies Gebiet finden. Tiere, welche die kritische Jugendzeit überlebt haben, können bis zu 25 Jahre alt werden.
Winterruhe
Als Winterlager suchen sich Bären enge Höhlen, in denen sie sich aus allerlei Pflanzenmaterial Ruhematten bereiten. In der Winterruhe nehmen Braunbären monatelang keine Nahrung auf, trinken nichts. Um zu überleben, bauen sie ihre Fettreserven ab. Bärenmütter versorgen in dieser Zeit ihre Jungen mit ihrer Milch. Während der Winterruhe sinken Körpertemperatur, Atmungs- und Herzschlagfrequenz. Weder Kot noch Urin werden ausgeschieden. Doch bei Störungen wachen die Tiere sofort auf und verlassen allenfalls sogar den Einstand. Bei mildem Wetter können Bären ihr Lager kurzfristig verlassen, so dass man auch im tiefsten Winter gelegentlich ihre Spuren im Schnee findet.
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Prisma / Berndt Fischer
- Bärin mit Jungbäre
Bär und Mensch - das Zusammenleben ist möglich
Ein gutes Beispiel für das konfliktarme Nebeneinander von Bär und Zivilisation liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze. Im italienischen Naturpark Adamello Brenta im Trentino fanden nach jahrelangen Vorbereitungen Bären aus Slowenien eine neue Heimat. Zehn Bären wurden dort um die Jahrtausendwende freigelassen. Die Alpenbären hätten ohne diese Blutauffrischung keine Zukunft gehabt. Denn weil es rundum keine anderen Populationen mehr gab, mit denen sie Austausch pflegen konnten, wurde ihre Genbasis zu schmal. Sie hatten keinen Nachwuchs mehr. Dank der neu angesiedelten Bären soll sich wieder ein lebensfähiger Bestand bilden. Die Bevölkerung im Trentino äusserte sich in einer Umfrage positiv zu dieser Förderungspolitik. Das lag einerseits an den Bären selbst, die mit ihrer zurückgezogenen Art nie Probleme bereitet hatten, andererseits an der intensiven Informationsarbeit der Projektverantwortlichen. Sie hatten unter anderen auch Jäger und Bauern, die zu den Kritikern gehörten, ins Projekt miteinbezogen. Die Erfahrungen unserer Nachbarländer Italien und Österreich zeigen, dass eine Koexistenz von Bär und Mensch weitgehend problemlos funktionieren kann. «Ursus arctos» ist dort sogar ein veritabler Tourismusfaktor.
Wichtig beim Zusammenleben von Bär und Mensch ist das richtige Verhalten Bären gegenüber. Dies nicht nur im sehr seltenen Fall einer Begegnung in der Wildnis. Ebenso wichtig ist die Erziehungsfunktion der Gesellschaft gegenüber den Bären. Bärensichere Abfallbehälter, keine Anfütterung und keine tollkühnen Annäherungsversuche sind zentrale Elemente für ein sicheres und konkliktarmes Nebeneinander von Mensch und Bär. Einzelne Bären, so wie «Lumpaz» oder JJ3, zeigen wenig Scheu vor der Zivilisation. Diese Scheu muss man den Bären wieder beibringen indem sie lernen, dass sie in Siedlungen nichts zu Futtern finden und nicht willkommen sind. Die meisten Bären leben jedoch scheu und zurückgezogen fernab von Siedlungen in ihren Wäldern.
Seltene Begegnungen zwischen Bär und Mensch
Abgelegene unwegsame Waldflächen sind für den Bären ideal. Gänzlich menschenleer muss ihr Streifgebiet jedoch nicht sein. Die Chance, dem Braunbären zu begegnen, ist in Verbreitungsgebieten sehr gering. Höchstens verraten die charakteristischen Spuren dessen Anwesenheit. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn und dem feinen Gehör bemerken sie Menschen in der Regel schon von weitem und ziehen sich zurück. Kreuzen sich die Wege von Petz und Mensch dennoch, sind Ruhe und Respekt angesagt. Sobald der Bär den Menschen wahrnimmt und realisiert, dass keine Bedrohung besteht, tritt er ruhig zum Rückzug an. Ihm hat sich tief eingeprägt, dass der Zweibeiner seine Vorfahren über Jahrtausende verfolgt und gejagt hat. Deshalb wahrt er eine sichere Distanz zu den Menschen.
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Sobli / Thomas Buchwalder
- Eingewanderter Bär im Münstertal/GR
Bärenschäden und ihre Verhütung
Bären sind vorwiegend Vegetarier, dennoch können sie Schäden an Haustieren, Kulturen und Futtermitteln anrichten. Bären lieben Süsses. Deshalb sind Bienenhäuser und -kästen für sie ein «gefundenes Fressen», im wahrsten Sinn des Wortes. Diese lassen sich jedoch mit Elektrozäunen erfolgreich sichern. Auch Schafe, seltener Ziegen, Rinder und Pferde können Opfer von Bären werden. Werden Haustiere gehütet, nachts in den Stall gebracht oder mit Elektrozäunen gesichert, kann der Schaden jedoch stark begrenzt werden. In Europa entfallen auf einen Bären weniger als fünf tote Schafe pro Jahr. Bärenschaden an Kulturen ist im Vergleich zu Schäden durch Hirsche, Rehe, Gämsen oder Wildschweine vernachlässigbar. Schäden, die trotz aller Schutzmassnahmen entstehen, werden vom Bund und den Kantonen abgegolten.
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Jean-Marc Weber
- Alp Giétroz
Gefährdet und geschützt - Gesetzlicher Schutz und Management
Der Braunbär ist in der Schweiz aufgrund der Berner Konvention (1980) und der Eidg. Jagdgesetzgebung (1986) geschützt. Der Umgang mit einwandernden Bären wurde 2006 vom Bundesamt für Umwelt - BAFU im "Konzept Bär Schweiz" festgelegt. Das Konzept Bär basiert auf der Überzeugung, dass Bären und Menschen auch in der Schweiz nebeneinander existieren können. Es will die Voraussetzungen schaffen für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben, Schadenverhütung und -vergütung regeln sowie den Umgang mit Bären definieren, die für Menschen gefährlich werden. In einigen Ländern Europas wurden Managementkonzepte für die ansässigen Populationen entwickelt, welche den Schutz der Art und eine möglichst konfliktfreie Koexistenz mit den Menschen gewährleisten sollen. Auf europäischer Ebene besteht ein «Action Plan» des Europarates, der dieselben Ziele verfolgt. Dank diesen Bemühungen erlebten verschiedene Braunbärenpopulationen in Europa in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung.
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- Der Braunbär ist in der Schweiz geschützt
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Jagd und Fischerei: Aktiver Beitrag zum Naturschutz in der Schweiz
Wildtiere sind unsere Nachbarn und teilen mit uns den Lebensraum. Das Vordringen des Menschen und die zunehmende technische Überlegenheit erhöhte in der Vergangenheit den Druck auf Wildtiere. In der Folge wurden Tierarten ausgerottet und Lebensräume zerstört. Die Rückkehr von Rothirsch, Biber oder Wolf ist ein ermutigendes Beispiel für die Wirkung moderner Jagd- und Schutzbestimmungen. Ein Lichtblick in einer Zeit, in der die Biodiversität gefährdet ist wie nie zuvor.
Herausforderungen und Engagement
Eine fachlich fundierte Jagd respektiert Wildtiere als wichtigen Bestandteil unserer Umwelt und darf Tierarten in ihrer Verbreitung nicht gefährden. Wichtig sind klare Regeln: Jagd- und Schonzeiten, Abschusspläne, Schutz von Elterntieren und schonende Jagdmethoden. Monitoring und Forschung zeigen, wo jagdliche Eingriffe nötig sind und welche Wirkung sie haben und gewährleisten eine evidenzbasierte Wirkungskontrolle im Wiltiermanagement.
Im Zusammenleben des Menschen gerade mit grossen, anpassungsfähigen Wildtierarten kann es zu Konflikten kommen. Dann wird schnell der Ruf nach Abschüssen laut. Pro Natura setzt sich dafür ein, dass Konflikte nicht einseitig auf Kosten der Tiere gelöst werden. Präventionsmassnahmen sowie Lebensraumaufwertungen müssen im Zusammenleben mit konfliktbehafteten Wildtieren einen mindestens ebenso hohen Stellenwert haben, wie jagdliche respektive regulierende Eingriffe in die Bestände.
Jagd und Naturschutz: kein Widerspruch
Aus Achtung vor dem Leben und aus Rücksicht auf die Ökosysteme wünscht sich Pro Natura eine Jagd, die zu Natur und Tier Sorge trägt:
- Wildtiere werden mit ihren Ansprüchen an die Lebensräume als Bestandteil unserer Kulturlandschaft respektiert.
- Die Jagd darf heimische Tierarten in ihrem Bestand und ihrer Verbreitung nicht gefährden und ihre Lebensräume nicht beeinträchtigen. Sie berücksichtigt die Anliegen des Tierschutzes und verzichtet auf ethisch fragwürdige Methoden wie die Baujagd oder die Nachstellung mittels Lebendfallen.
- Es bestehen konkrete, fachliche Zielsetzungen für jagdliche oder regulatorische Massnahmen, und deren Wirkung wird regelmässig überprüft. «Bestandsregulierung» als pauschale Begründung der Jagd lehnt Pro Natura ab.
- Jagende und Jagdbehörden pflegen ein modernes Verständnis fleischfressender Tierarten: kleine und grosse Beutegreifer werden nicht als «Schädlinge» oder «Konkurrenten» bekämpft, sondern ihr Daseinsrecht anerkannt und ihr Einfluss bei der Jagdplanung mitberücksichtigt.
- Gejagt wird nach wildbiologischen Vorgaben und aus ökologischen Motiven. Die Erlangung stattlicher «Trophäen» ist kein Selbstzweck. Weibliche Tiere ohne Stirnwaffen (Geweih) müssen erlegt werden, um ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Bestand zu gewährleisten.
Pro Natura anerkennt, dass die hiesige Jagd diese Zielsetzungen heute weitgehend erfüllt. Wir streben gemeinsam mit Jagdbehörden, Jagdverbänden sowie Jägerinnen und Jägern den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt an.
Schutz der Fische: Engagement an vielen Fronten nötig
Die heimischen Fischbestände sind durch Verbauung der Fliessgewässer, Klimaerwärmung, Schadstoffe und das Vordringen eingeschleppter Arten in Bedrängnis. Pro Natura setzt sich für Schutz und Wiederherstellung von Gewässerlebensräumen ein. Eine nachhaltige Fischerei garantiert den Erhalt der befischten Bestände und Lebensräume. Auch fischfressende Vögel und Fischotter haben ihre Daseinsberechtigung. Nutzungskonflikte mit Kormoran, Gänsesäger und Co. können und sollen langfristig nicht mit dem Gewehr «gelöst» werden.
FAQ Jagd und Fischerei
Nein. Aus Sicht von Pro Natura haben die Jagd und Anglerei (Angelsport, Fischerei) als Form der nachhaltigen Nutzung ihre Berechtigung. Solange diese Aktivitäten den Beständen heimischer Tierarten nicht schaden, sind sie aus Sicht des Naturschutzes vertretbar. Forderungen nach einem Jagd- oder Angelsportverbot sind in der Regel ethisch, nicht ökologisch motiviert. Pro Natura sieht den hohen Fleisch- und Fisch¬konsum kritisch. Klar ist: Fleisch und Fisch aus Schweizer Jagd resp. Fischerei sind mit deutlich weniger Tierleid verbunden als Fleisch und Fisch aus der industriellen Tierhaltung oder Fischerei. Dazu verbrauchen sie viel weniger Ressourcen. Die Jagd kann zudem eine sinnvolle Massnahme des Wildtiermanagements sein.
Ein modernes, wissenschaftlich basiertes Wildtiermanagement trägt zu einem Ausgleich der Lebensraum- und Nutzungsansprüche von Tier und Mensch in der Kulturlandschaft bei. Es steht also nicht im Widerspruch zum Naturschutzgedanken. Viele Jäger:innen und Angler:innen setzen sich das ganze Jahr über für die Lebensräume der Wildtiere resp. Fische ein. Jäger:innen schneiden Hecken, mähen Trockenwiesen, lichten den Wald auf, schützen Jungbäume, retten Rehkitze vor der Mähmaschine, sichern Wildtierpassagen an Strassen, melden Beobachtungen seltener Tierarten für die Forschung. Manche Angelsportler:innen helfen mit, Fliessgewässer von Müll zu säubern, Fische und Flusskrebse bei Hitzewellen oder Dürren in grössere, kältere Gewässer umzusetzen oder zu Forschungszwecken zu fangen und zu markieren, oder sie leisten Freiwilligenarbeit in der Pflege von Uferzonen. Zudem sensibilisieren sie ihr Umfeld und die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse der Wildtiere und Fische nach Ruhe, Nahrung und geeignetem Lebens¬raum. Gezielte jagdliche Eingriffe bei wildlebenden Paarhufern resp. Füchsen können lokal die Waldverjüngung resp. die erfolgreiche Fortpflanzung von seltenen Arten wie Feldhase oder Kiebitz unterstützen.
Nein. Die Kantone verfügen über das Jagdregal. Sie haben das Recht, bestimmte wildlebende Säugetiere und Vögel jagdlich zu nutzen bzw. durch ihre Bevölkerung nutzen zu lassen. Das Jagdrecht ist in der Schweiz nicht an Grundbesitz gebunden, sondern kann vom Kanton an Einzelpersonen (Patentjagd-System) oder Jagdgesellschaften (Revierjagd-System) übertragen werden. Die einzelnen Jäger:innen haben jedoch kein Anrecht auf eine bestimmte Anzahl erlegter Tiere. Sie können also nicht durch die Konkurrenz von Wolf oder Luchs «geschädigt» werden.
Die Bejagung darf den Bestand der bejagten Tierart und die Lebensräume nicht gefährden. Sie muss klaren, überprüfbaren Zielsetzungen folgen. Letzteres ist bei der Jagd auf Schneehuhn, Birkhahn, Waldschnepfe, Schnee- und Feldhase fraglich. Eine Bestandsregulierung ist bei diesen Arten nicht notwendig. Die Jagd ist jedoch nicht die entscheidende Gefährdungsursache. Die bedrohten Arten leiden vielmehr unter Störungen, Klimaerwärmung und Zerstörung, Degradation und Zerschneidung der Lebensräume. Deshalb ist aus Sicht von Pro Natura allerdings auch die Bejagung dieser Tierarten schwierig zu rechtfertigen.
Jagdbanngebiete wurden ursprünglich zur Erholung der überjagten Bestände an Wildhuftieren (Rothirsch, Gämse, Steinbock, Reh) geschaffen. Heute haben sie einen anderen Zweck, nämlich den ganzjährigen Schutz der Lebensräume gefährdeter Arten vor menschlicher Störung. Wasservogelschutzgebiete dienen dem Schutz empfindlicher Wasser- und Zugvogelarten. Der Schutz vor Jagd und Störung in diesen Gebieten bringt es mit sich, dass auch Wildhuftiere wie Rothirsch oder Wildschwein sich in den Gebieten wohl fühlen und zeitweise hohe Bestände erreichen. Dies kann zu Schäden am Wald und Konflikten auf benachbarten Landwirtschaftsflächen führen. Grundsätzlich handelt es sich um Fauna-Vorranggebiete: Abschüsse von Wildtieren müssen die letzte Massnahme bleiben und auch Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Tourismus müssen ihren Beitrag an die Entschärfung von Konflikten leisten (z.B. durch angepasste Beweidung, Fruchtfolge, Zäunung, Waldwirtschaft, Besucherlenkung, Lebensraumpflege). Dies gilt insbesondere für die besonders störungsempfindlichen Wasservogelschutzgebiete und die integral geschützten Kernzonen der eidgenössischen Jagdbanngebiete. In den nur partiell geschützten „Umgebungszonen“ von Jagdbanngebieten sind dagegen gezielte regulatorische Eingriffe durch die Wildhut aus Sicht von Pro Natura vertretbar, sofern sie zeitlich befristet erfolgen und bezüglich ihrer Wirkung regelmässig überprüft werden.
Beutegreifer sind in aquatischen Lebensräumen ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, seien dies Raubfische wie der Hecht, fischfressende Vögel oder Säugetiere (Fischotter). In der verbauten, übernutzten Schweizer Kulturlandschaft sind Fische mit vielen Problemen konfrontiert: Staudämme, Überhitzung, zu wenig Restwasser, Chemikalien, eingeschleppte Arten, Verbauung der Gewässer und Ufer sowie dem Nutzungsdruck durch den Menschen und Fressfeinde. Kormoran, Gänsesäger und Co. sind nicht ursächlich für den Rückgang der Fische, werden aber gerne als «Sündenböcke» politisch instrumentalisiert. An einzelnen Gewässern kann der Frassdruck durch Vögel allerdings tatsächlich gross sein und bspw. Laichplätze der gefährdeten Äsche bedrohen. Hier können nach Ansicht von Pro Natura unter Umständen lokal begrenzte Abschüsse fischfressender Vögel nötig sein. Sie ersetzen jedoch nicht die nötige Revitalisierung und Unterschutzstellung grösserer Ufergebiete als Rückzugsgebiete für Fische.
In der Schweiz herrscht ein Mangel an Wasser- und Fischschutzgebieten. Der künstliche Besatz von Gewässern mit Jungfischen ist Symptombekämpfung und dient weniger dem Artenschutz als der fischereilichen Nutzung. Er ersetzt nicht die nötige Revitalisierung und Unterschutzstel-lung grösserer Wasser- und Ufergebiete als Rückzugsgebiete für Fische. Wenn schon Besatz, dann mit einheimischen Fischarten – die Aussetzung nicht heimischer Arten wie der Regenbogenforelle lehnt Pro Natura klar ab.