Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Die Larven der Blauflügeligen Ödlandschrecke.
20.04.2023 Tier des Jahres

Die neue Generation Blauflügeliger Ödlandschrecken entdecken

Seit letztem Sommer liegen sie in der Erde: Die Eier des Pro Natura Tier des Jahres, der Blauflügeligen Ödlandschrecke. Während die Elterntiere mit dem Frost sterben, überdauert die nächste Generation im Eistadium den Winter. Zwischen April und Juni ist es so weit: Sie schlüpfen und können mittels geeigneter Forscherutensilien auch beobachtet und bestimmt werden.

Rund 120 Eier legt das Weibchen der Blauflügeligen Ödlandschrecke Ende Sommer in den Boden. Miterleben, wie ihre Jungtiere das Licht der Welt erblicken, wird sie nicht. Denn während die nächste Generation im Eistadium den Winter überdauert, sterben die Elterntiere mit dem ersten Frost im Herbst. Zwischen April und Mai schlüpfen dann die nur wenige Millimeter grossen Nymphen. Sie sehen zwar schon aus wie Miniaturversionen ihrer Eltern, die namensgebenden blauen Flügel fehlen jedoch noch. Um diese zu entwickeln, häuten sich die Weibchen vier und die Männchen fünfmal und passen dabei ihre Grundfärbung der Umgebung an.

Die bedrohte Welt der Insekten

«Neben der Blauflügeligen Ödlandschrecke erwachen auch viele andere Insekten im Frühling zum Leben. Der ideale Zeitpunkt, diese genauer zu studieren», sagt Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung bei Pro Natura. Schliesslich machen Insekten 60 Prozent aller Tierarten weltweit aus und 60 Prozent der Schweizer Insekten sind gefährdet. Dabei sind sie zentral für natürliche Kreisläufe wie die Bestäubung oder die Umwandlung von totem Material. Wo Insekten bedroht sind, sind deshalb auch unsere Lebensgrundlagen bedroht. 

Beobachten, bestimmen, fördern

Ob mit der Schulklasse, der Familie oder auch allein; Insekten lassen sich in der Natur wunderbar entdecken. Unser Tier des Jahres zum Beispiel findet man auf sonnig, kargem Gelände, wie Kiesbänken oder verwilderten Bahn- und Gewerbearealen, bevorzugt im Wallis, Tessin und entlang des Jurasüdhangs.
Um auch die vielen anderen Insekten besser zu verstehen, hat Pro Natura einen Bestimmungsfächer sowie ein Naturtagebuch entwickelt. «Letzteres liefert auch Tipps, wie Balkon, Garten oder Schulhof insektenfreundlicher gestaltet werden können, damit im nächsten Frühjahr wieder eine neue Insektengeneration zum Leben erwacht», ergänzt Elisabeth Karrer.

Weitere Informationen: 

Kontakt: 

  • Elisabeth Karrer, Projektleiterin Umweltbildung, Tel. 061 317 91 65, @email
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email

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Headerfoto: © Christian Roesti

Pressefoto gemulchte Alpenfläche
02.05.2023 Alpen

Mulchregelung bedroht Biodiversität im Alpenraum

In ihrer Vernehmlassungsantwort zum Landwirtschaftspaket 2023 kritisiert Pro Natura die vorgeschlagene Mulchregelung im Sömmerungsgebiet. Die Entbuschungs- und Weidepflegetechnik mit brachialen Maschinen hinterlässt massive Spuren in der Landschaft und bedroht die bereits gefährdete Insektenwelt. Um die Herausforderungen im Alpenraum zu bewältigen, braucht es regionale Alpkonzepte anstatt schweren Maschineneinsatz mit hohem administrativem Aufwand.

Mit einem Grossteil der Anpassungen im neuen Landwirtschaftspaket 2023 zeigt sich Pro Natura einverstanden. Aber: «Die vorgeschlagene Regelung für das Mulchen im Sömmerungsgebiet ist ein Rückschritt für die akut bedrohte Biodiversität und muss zurückgewiesen werden», betont Marcel Liner, Experte für Agrarpolitik bei Pro Natura.

Fehlende wissenschaftliche Grundlagen

Moderne Mulchgeräte sehen aus wie überdimensionierte Rasenmäher oder sind an Traktoren befestigt. In den sensiblen und bisher wenig beeinflussten Naturgebieten der Alpen hinterlassen sie entsprechende Verwüstung. Fotos von gemulchten Flächen im Alpenraum zeigen, welche drastischen Folgen ein grossflächiger und unsachgemässer Einsatz haben kann: aufgerissener Boden und verhäckselte Zwergsträucher auf den sonst naturnahen Alpflächen. «Das ist nicht nur unschön anzusehen und negativ für den Tourismus, sondern schädigt auch Biodiversität und Boden», kritisiert Liner. Wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen beispielsweise auf die stark bedrohte Insektenwelt im Alpenraum fehlten im Vorschlag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). 

Mehr administrativer Aufwand

«Mit dem unausgereiften Vorschlag zum Mulchen im Sömmerungsgebiet hat das BLW dem Druck einiger weniger Kantone nachgegeben», bedauert Liner. Dabei ist die Unterscheidung zwischen Weidepflege und Entbuschung, wie sie die Vorlage vorsieht, in der Praxis kaum umsetzbar und wird den administrativen Aufwand für die Kantone weiter erhöhen.
Auch Pro Natura ist der Ansicht, dass Weiden vor Verbuschung und Vergandung geschützt werden müssen. «Das sieht die bestehende Direktzahlungsverordnung schon jetzt so vor. Doch der Trend hin zu immer weniger und immer grösseren Landwirtschaftsbetrieben führt zu laufend weniger Arbeitskräften, weniger Biodiversität und zu einem Rückgang von Ziegen und alptauglichen Rindern», so der Experte. 

Es braucht regionale Alpkonzepte

Die übergeordneten Herausforderungen der Alpwirtschaft werden allein mit mehr Maschineneinsatz nicht gelöst. Dafür sind regionale Alpkonzepte notwendig, die aufzeigen welche Alpen in den kommenden Jahrzehnten überhaupt weiterhin bestossen werden können, wo genügend Tiere vorhanden sind und wo eine Bewirtschaftung besser aufgegeben werden muss. Darum weist Pro Natura die neue Mulchregelung des BLW zurück. Agrarexperte Liner bekräftigt: «Zuerst braucht es eine grundsätzliche Diskussion über eine Alpwirtschaft mit Zukunft.»

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik, @email, 061 317 92 40
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, @email, 079 826 69 47
     

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Medienmitteilung zur Vernehmlassungsantwort zum Landwirtschaftspaket 2023

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Pressefoto gemulchte Alpenfläche
Ackerwittwenblume

Sum­mende Bauern­höfe Uri

Symbolbild Solarenergie
15.03.2023 Biodiversitätskrise

Nationalrat gefährdet mit verantwortungslosen Abstrichen am Naturschutz die Vorlage mitsamt dem kräftigen Ausbau der Erneuerbaren

Ambitionierte Ausbauziele und Massnahmen, vor allem bei der Solarenergie; Vorgaben und Anreize für mehr Energieeffizienz; Solarstandard auf Neu- und Umbauten sowie grossen Parkplätzen: Diese für eine sichere und umweltverträgliche Stromversorgung äusserst wichtigen Pflöcke hat der Nationalrat bei der Beratung des Mantelerlasses eingeschlagen. Er riskiert diese Errungenschaften allerdings durch schädliche und unnötige Abstriche am Naturschutz. Namentlich beim Restwasser

Der Nationalrat bestätigt die ambitionierten Ausbauziele des Ständerates für neue Erneuerbare. Bis 2035 soll die jährliche Stromproduktion aus diesen Energiequellen 35’000 GWh, bis 2050 45’000 GWh betragen. Um diese Ziele zu erreichen, hat die grosse Kammer unter anderem einen Photovoltaik-Standard für Gebäude verabschiedet. Dieser geht in die richtige Richtung. Dass er nur noch für Neu- und Umbauten gilt, nicht mehr aber für grosse Bestandesbauten, ist sehr bedauerlich. Mit der Mindestvergütung für kleine Solaranlagen wird dieser PV-Standard für Hauseigentümer:innen sozialverträglich abgefedert und der notwendige Ausbau der Solarenergie massiv beschleunigt. Auch hat sich der Nationalrat für die Überdachung von grossen Aussenparkplätzen mit Photovoltaik ausgesprochen. Obwohl sich auch hier nur eine abgespeckte Version durchsetzen konnte, ist die Nutzung dieser bereits versiegelten Flächen begrüssenswert. 

Mit der Bestätigung der gleitenden Marktprämie sorgt der Nationalrat zudem dafür, dass möglichst viele Investor:innen in den Ausbau neuer Produktionsanlagen investieren. Schliesslich ist es sehr erfreulich, dass sich der Nationalrat klar für mehr Effizienz ausgesprochen hat, denn das Einsparpotential ist riesig. Das nun vorliegende Instrument mit der Schaffung eines Effizienzdienstleistungsmarktes verpflichtet die Elektrizitätsunternehmen, Effizienzsteigerungen zu erbringen. Diese und weitere Massnahmen würden es erlauben, den notwendigen Zubau der Erneuerbaren stark zu beschleunigen. 

Korrektur insbesondere bei Restwasser nötig  

Diesen für den Ausbau zentralen Massnahmen stehen Abstriche beim Naturschutz entgegen, welche für den raschen Zubau der Stromproduktion unnötig sind, die zugleich aber die gesamte Vorlage gefährden:

So hat der Nationalrat in einer äusserst knappen Abstimmung beschlossen, einen Teil des Gewässerschutzgesetzes betreffend minimaler Restwassermengen bei Neukonzessionierungen bis mindestens 2035 ausser Kraft zu setzen. Dieser Angriff auf das Restwasser ist komplett verantwortungslos. Denn der Druck auf die Gewässer nimmt mit der Klimakrise noch zu und bereits heute stehen über 65 Prozent aller Fischarten auf der Roten Liste. Auch für  die Energiesicherheit ist es unnötig, denn es geht dabei nur um vergleichbar wenig Strom: Alleine zwischen März und Juni in diesem Jahr wird mehr Strom durch Photovoltaik zugebaut, wie die Sistierung bis 2035 insgesamt bringt. 

Weiter hat der Nationalrat entschieden, dass bei Eingriffen in Landschaften des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) künftig keine Schutz-, Wiederherstellungs-, Ersatz- oder Ausgleichsmassnahmen mehr geleistet werden müssen. Diese Massnahmen sind für die Energieproduktion nicht entscheidend, tragen aber dazu bei, Beeinträchtigungen unserer natürlichen Ressourcen und der Landschaft zu vermeiden oder zu begrenzen. 

Die Umweltverbände erwarten vom Ständerat, die Vorlage mit Verbesserungen für die Biodiversität, insbesondere beim Restwasser, ins Gleichgewicht zu bringen. 

Kontakt:

  • Pro Natura: Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, 061 317 92 29, @email
  • WWF Schweiz: Jonas Schmid, Kommunikationsbeauftragter, 079 241 60 57, @email
  • Greenpeace Schweiz: Georg Klingler, Energie- und Klimaexperte, 079 785 07 38, [email protected]
  • BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, ‭076 308 66 84‬, @email‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬
  • Schweizerische Energie-Stiftung: Nils Epprecht, Geschäftsführer, 044 275 21 25, [email protected] 

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Gemeinsame Medienmitteilung der Umweltallianz

Titelbild © Angela Peter

Nahaufnahme einer Eichenstabflechte
20.03.2023 Artenschutz

Angewiesen auf alte Eichen

Flechten sind Doppelwesen aus Pilzen und einzelligen Grünalgen oder Blaualgen (Cyanobakterien), die jeweils in einer Symbiose zusammenleben.

Der Algenpartner (Fotobiont) betreibt Fotosynthese und versorgt sich und den Pilzpartner (Mycobiont) mit Kohlenhydraten. Im ­Gegenzug versorgt der Pilz die Flechte mit Wasser und mineralischen Nähr­stoffen und bietet der Alge Schutz vor zu inten­siver Sonnenstrahlung und algen­fressenden Tieren.

Die Eichenstabflechte (Bactrospora dryina), eine von über 1700 in der Schweiz vorkommenden Flechtenarten, gehört gemäss Roter Liste der gefährdeten baum- und erdbewohnenden Flechten der Schweiz aus dem Jahr 2002 zu den ­verletzlichen Arten. Sie kommt in ­tiefen Lagen nördlich der Alpen vor und zählt wegen ihrer Wuchsform zu den ­Krustenflechten. Der Symbiosepartner des Pilzes ist eine Grünalge der Gattung ­Trentepohlia. Die Eichenstabflechte lebt auf der überhängenden Seite von geneigten Stämmen alter Stiel- und Trauben­eichen mit tief-rissiger Borke in südlicher oder östlicher Exposition. So ist sie ­geschützt vor direktem Niederschlag wie Schnee, Regen oder Hagel, der in der ­Regel von Westen kommt. Die Eichenstabflechte lässt die Borke weiss erscheinen. Die schwarzen Punkte stammen von den Fruchtkörpern des Pilzes.

Wegen ihres nur langsamen Wachstums und kleinräumigen Ausbreitungspoten­zials wurde in einem Projekt im Kanton Zug mittels Transplantation versucht, die Flechtenart auszubreiten. Im Gebiet Zollischlag, wo bereits 42 Eichenstämme von der Eichenstabflechte besiedelt waren, wurde an einer absterbenden Eiche Flechtenmaterial gesammelt und samt Borkenstücken an unbesiedelte Bäume geklebt. Die Mehrheit der Transplantate hat an den regengeschützten Stammseiten, wo die Flechte ja auch natürlicherweise wachsen würde, zwei Jahre überlebt. Ob sie sich am neuen Standort auch ausbreitet, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Sabine Mari, Projektleiterin Ratgeber.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Wald von oben
Mitmachen
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Freiwillige bei der Arbeit
27.03.2023 Biodiversitätskrise

In die Ferien – für die Biodiversität

In die Ferien verreisen und dabei Gutes tun. Dafür entscheiden sich immer mehr Menschen. Pro Natura und die Stiftung Umwelteinsatz bieten mit den Ferienarbeitswochen seit über drei Jahrzehnten die Möglichkeit dazu. Dabei steht der Schutz von Natur und Kulturlandschaft im Zentrum der Einsätze. Die Ferienarbeitswochen bieten aber auch Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich weiterzubilden.

Auf 1800 Metern über Meer im kleinen Walserdorf Obermutten die herrliche Aussicht der Bünder Alpen geniessen, dabei Weiden entbuschen und pflegen zugunsten der Biodiversität - das ist nur eine von 22 Möglichkeiten, dieses Jahr nachhaltige Ferien in den schönsten Schweizer Natur- und Kulturlandschaften zu verbringen.

Vielfältiges Angebot

Vergangenes Jahr haben nahezu 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den 21 durchgeführten Projekten rund 900 Tage Freiwilligenarbeit geleistet. Dieses Jahr erwartet die Teilnehmenden erneut ein abwechslungsreiches Programm: Von der Reaktivierung ehemaliger Wildheuflächen in Avers (GR), über die Sanierung einer historischen Trockenmauer auf dem Probstenberg zwischen Solothurn und Bern, bis hin zum Entbuschen von Weiden zugunsten der Waldvögel und Waldflora auf der Alp «La Cruchaude» (VD).

Gemeinsam die Natur kennenlernen

Die Einsätze finden in Gruppen von fünf bis zwölf Personen statt und sind von einer Fachperson angeleitet. Die Teilnehmenden lernen bei ihrem Einsatz nicht nur die lokale Flora und Fauna oder das Handwerk des Trockenmauerns kennen, sie profitieren auch vom Austausch untereinander. Gelegenheiten dazu bieten sich bei der Arbeit draussen in der Natur oder beim gemeinsamen Kochen und Geniessen.

Faire Aufteilung der Kosten

Die Anmeldegebühr beträgt in der Regel zwischen 120 und 270 Franken pro Person und deckt einen Teil der Projekt- und der Unterbringungskosten. Den Grossteil der verbleibenden Aufwände tragen die Stiftung Umwelteinsatz und Pro Natura.

Programm und Buchung:

Das vollständige Programm finden Sie auf den Webseiten der Stiftung Umwelteinsatz und von Pro Natura.

Kontakt:

  • Hanna Schreiber, Pro Natura, Abteilung Biotope und Arten, Tel. 061 317 91 32, @email  
  • Alexandre Barras, Stiftung Umwelteinsatz, Kommunikation & Koordination «Ferienarbeitswochen», Tel. 031 380 50 63, @email 
     

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Pressebilder Ferienarbeitswochen

Trockenes Flussbett im Val Cama
27.04.2023 Biodiversitätskrise

Die stärkste Verbündete im Kampf gegen die Klimaerhitzung: die Natur

Wasserknappheit im Frühling, Hitzewellen im Sommer und Schneemangel im Winter. Die Folgen der Klimaerhitzung bedrohen Mensch und Natur. Im Kampf gegen die Klimakrise ist die Natur aber nicht nur Opfer, sondern auch Verbündete. Intakte Naturräume speichern Wasser und CO2, sind Hochwasserschutz und Hitzepuffer. Effektiver Klimaschutz braucht Naturschutz und umgekehrt. Deshalb sagt Pro Natura JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni.

Die Erde erwärmt sich rapide, Niederschläge verändern sich, Dürreperioden, Hitzewellen und Überschwemmungen nehmen auch hierzulande zu. Bereits im April wird dieses Jahr in mehreren Schweizer Kantonen der Wasserverbrauch eingeschränkt. Was bedeuten solche Veränderungen für die Natur? Was für uns Menschen? Und was hat das Ganze mit dem Klimaschutzgesetz zu tun?

«Wir müssen Lebensgemeinschaften stärken»

«Die Klimaerhitzung verändert die Entwicklung, Verbreitung und Zusammensetzung unserer Natur», erklärt Urs Tester Abteilungsleiter Biotope und Arten bei Pro Natura. Der Winter wird kürzer, Blumen blühen, bevor ihre Bestäuber aktiv sind und Zugvögel finden bei der Ankunft zu wenig Nahrung für ihren Nachwuchs. «So geraten natürliche Abläufe wie Bestäubung und Fortpflanzung durcheinander, von denen auch wir Menschen abhängig sind». 
Gleichzeitig finden kälteangepasste Tier- und Pflanzenarten immer weniger Lebensraum und flüchten – wenn sie können – in höhere oder nördlichere Gebiete, während wärmeangepasste Arten häufiger werden. Auch die Bedrohung durch invasive Pflanzen- und Tierarten, die meist klimaresistenter sind, steigt. «Die akute Biodiversitätskrise wird von der Klimakrise noch verschärft. Die Erhitzung schreitet schnell voran und unsere Verhaltensveränderung wirkt erst zeitlich verzögert», so Tester. «Unter diesen Bedingungen macht es keinen Sinn einzelne Arten zu konservieren. Wir müssen den Zustand von Lebensräumen wie beispielsweise Flusslandschaften verbessern und damit die Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen stärken. Davon profitiert auch das Klima.»  

Mit einem JA Klima- und Biodiversitätskrise gemeinsam angehen

«In der Bekämpfung von Klima- und Biodiversitätskrise gilt es ganzheitlich zu denken», betont auch Michael Casanova Energie- und Gewässerschutzexperte bei Pro Natura. «Beide haben denselben Ursprung: die massive Verschwendung von Ressourcen und Energie unserer Hyperkonsumgesellschaft». Mit dem klar definierten CO2-Absenkpfad, der Förderung von Effizienzmassnahmen, der nachhaltigeren Gestaltung der Finanzflüssen und Massnahmen zur Klimaanpassung legt das Klimaschutzgesetz den Grundstein zu deren Bekämpfung. «Wenn wir die Natur schützen, fördern und sparsam mit ihren Ressourcen umgehen, schützen wir auch das Klima», so Casanova. Intakte Wälder, Auen und Moore speichern CO2 und Wasser sind Hochwasserschutz und Hitzepuffer. Im Kampf gegen die Klimaerhitzung ist die Natur damit unsere stärkste Verbündete. «Ohne Naturschutz gibt es keinen Klimaschutz und ohne Klimaschutz keinen Naturschutz», unterstreicht der Experte. Ein JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni ist daher auch ein JA zu unserer Natur.

Weitere Informationen:

Kontakt:

  • Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope & Arten, 061 317 91 36, @email 
  • Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz- und Energiepolitik, 061 317 92 29, @email 
  • Nathalie Rutz, Medienverantwortliche, 079 826 69 47, @email 

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Headerfoto © Matthias Sorg

Isabella und Laudo Albrecht auf der Hohfluh, am Rande des Aletschgletschers
22.05.2023 Biodiversitätskrise

Ein Gespräch über schmelzende Gletscher und die Klimakrise

Weltweit schmelzen die Gletscher in besorgniserregendem Ausmass. Gegen die Ursache, die Klimakrise, wird kaum etwas unternommen. Dies obwohl die Klimaextreme von Jahr zu Jahr weltweit zunehmen. Isabella und Laudo Albrecht leiteten 35 Jahre lang das Pro Natura Zentrum Aletsch am Rande des grössten Gletschers der Alpen. Sie erzählen während einer Wanderung von den Veränderungen, die sie in diesen Jahren beobachteten.

Gebirgsgletscher gelten weltweit als wichtige Indikatoren für Änderungen des Klimas. So auch in der Schweiz mit ihren heute noch 1400 Gletschern. Viele von ihnen werden in Folge der Klimakrise in den kommenden Jahrzehnten schrumpfen und verschwinden.

Seit Laudo Albrecht als junger Mann zum Aletschgletscher gewandert ist und in seinem Leben tausende Stunden an dessen Rand verbracht hat, schrumpft der Gletscher und dies in den vergangenen Jahren zunehmend schneller.

Die Geschwindigkeit der globalen Gletscherschmelze ist ohne Beispiel in der Erdgeschichte

Was auf den ersten Blick gar nicht so schlimm scheint, hat weitreichende Folgen für uns Menschen und die Biodiversität. Mit der Gletscherschmelze fliesst das in den Gletschern gebundene Wasser ins Meer und geht als Trinkwasserspeicher und für die Natur verloren. Folgen sind:

  • Trockene Flüsse
  • Sinkender Grundwasserspiegel
  • Wassermangel
  • Dürrekatastrophen

Der Öffentlichkeit wenig bekannt scheint, dass ein vollständiges Abtauen der Gletscher nicht mehr zu verhindern ist, wenn Gletscher zu viel ihrer Masse verloren haben. Dies ist bei einigen Gletschern in der Schweiz schon heute so weit. Sie sind schon verschwunden oder werden in den kommenden Jahren verschwinden.

Das Pro Natura Zentrum Aletsch forscht und misst

Seit 1992 misst das Pro Natura Zentrum Aletsch die Abschmelzung des Aletschgletschers. Dafür bohren die Mitarbeitenden drei Mal pro Sommer eine Messstange in den Gletscher. Jedes Mal, wenn sie auf einer Gletschertour bei der Messstelle vorbeiwandern, wird der neue Stand der Eisoberfläche mit einem Klebeband markiert und mit dem Datum versehen. Durchschnittlich schmelzen im Sommer 10 – 12 Zentimeter pro Tag ab.

Auf der Hohfluh beginnt unsere Wanderung, unser Gespräch mit Blick auf den Aletschgletscher und die umliegenden Berggipfel. An diesem sonnigen, freundlichen Tag weist hier oben auf den ersten Blick nichts auf die Klima- und Biodiversitätskrise hin. Im Gespräch mit Isabella und Laudo wird aber schnell klar, dass der schöne Schein trügerisch ist.

Rückgang des Aletschgletschers zwischen 2001 und 2022

Aletschgletscher im Jahr 2022 vom Aletschkopf aus fotografiert
Aletschgletscher im Jahr 2001 vom Aletschkopf aus fotografiert
© Laudo Albrecht

Die Folgen für die Natur, die Biodiversität bleiben nicht aus

Isabella Albrecht weist im Gespräch darauf hin, dass sich die Pflanzen der Alpen über sehr lange Zeit an die harschen Bedingungen ihres Lebensraums angepasst haben.

«Lange Winter, kurze Sommer, wenig Nährstoffe und viel Sonneneinstrahlung prägen den Lebensraum der artenreichsten Wiesen und Weiden der Schweiz. Durch die Klimaerwärmung wird sich die Zusammensetzung der Vegetation ändern. Wärmeliebende Pflanzen aus tieferen Höhenstufen, können auch in höheren Lagen gut wachsen, wenn das Klima in den Höhen wärmer wird. Sie werden dadurch alpine Arten nach oben verdrängen. Die von den Pflanzen abhängigen Tierarten werden mitwandern müssen. Auf den Bergspitzen ist jedoch weniger Platz vorhanden; die verbleibenden Lebensräume werden deshalb immer kleiner für unsere prächtige alpine Flora werden.»

Stängellose Leimkraut (Silene acaulis), eine typische Polsterpflanze alpiner Rasen Matthias Sorg
Stängellose Leimkraut (Silene acaulis), eine typische Polsterpflanze alpiner Rasen.

Ohne Tannenhäher keine Arven

Die Arve ist ein extrem frostharter, knorriger, langsam wachsender Baum. Steigen die Temperaturen wird sie durch konkurrenzstarke Baumarten wie die Fichte verdrängt. Diese wird heute schon durch die Klimakrise aus dem Mittelland verdrängt. Arven können sich nur sehr langsam in höhere Lagen ausbreiten. Denn ihre Samen werden nur durch den Tannenhäher verteilt. Sie ist zur Verbreitung auf diesen Alpenvogel angewiesen. Dieser scheint aber der bisherigen Baumgrenze treu zu bleiben und nur wenige Samen in höhere Lagen zu tragen. Möglicherweise kann die Arve somit nicht schnell genug nach oben wandern und ist der Konkurrenz durch Baumarten aus tieferen Lagen ausgeliefert.

Die Veränderungen der Pflanzengesellschaften auf den Berggipfeln aufgrund der Klimakrise werden weltweit mit dem internationalen Projekt «GLORIA» untersucht, an dem sich auch die Schweiz beteiligt.

Tannenhäher sitzt auf Arve im Aletschwald Matthias Sorg
Tannenhäher auf Arve im Aletschwald.

Drohende Wohnungsnot bei den Murmeltieren

Laudo Albrecht kennt alle Murmeltierkolonien im Gebiet Rieder- und Bettmeralp. Am Schluss unserer Wanderung führt er uns an einer kleinen Kolonie am Rande der Riederalp vorbei. Laudo erklärt: «Murmeltiere haben keine Schweissdrüsen und können nicht schwitzen. An heissen Tagen beschränken sie ihre Aktivitäten deshalb und verweilen in ihren kühlen Erdhöhlen. Dadurch bleibt ihnen aber weniger Zeit, um das benötigte Fettpolster für den Winter anzufressen.»

Ungenügende Fettreserven können im Winterschlaf aber tödlich sein. Auch die Murmeltiere werden daher in höhere Lagen ausweichen müssen, wo die Sommertage noch kühler sind. Nur werden sie dort mit zunehmender Höhe immer weniger brauchbaren Untergrund für ihre Erdhöhlen finden. Der Fels wird ihren Höhlenbau verunmöglichen.

Murmeltier liegt ausserhalb seines Baus an der Sonne Matthias Sorg
Murmeltier liegt im Frühjahr an der Sonne.
Aletschgletscher im Sommer 2020
«Der Gletscher verabschiedet sich von uns langsam aber sicher wie ein schwer kranker Mensch.»
- Laudo Albrecht

Unser Gespräch zeigt: Es braucht eine Wende

Die Klimakrise verändert unsere Umwelt: Am Schwinden der Gletscher weltweit, sieht man dies ganz deutlich. Mit was für Herausforderungen künftige Generationen kämpfen müssen, ist schwer abzuschätzen. Denn die Wechselwirkungen zwischen Klima und Ökosystemen sind komplex und vielfältig. Wie lange können wir noch damit zuwarten wirksame Massnahmen zu ergreifen? Der Klimakrise entgegenwirken und das Schmelzen der Gletscher verlangsamen können wir heute schon, indem wir:

  • Fossile Energien durch erneuerbare ersetzen
  • Den Energieverbrauch gesamthaft stark reduzieren
  • Lebensräume, die CO2 aufnehmen und binden (z.B. Wälder, Flachmoore), pflegen und schützen
  • Uns politisch für Klima- und Naturschutz engagieren.

Hintergrundinformationen

1. Warum wird es immer wärmer?

Werden fossile Brennstoffe verbrannt, entsteht Kohlendioxid CO2. Durch dieses CO2, sowie durch die Freisetzung weiterer Treibhausgase wie Methan, Lachgas oder synthetische Gase, wird der Treibhauseffekt verstärkt und die Temperaturen steigen. Die Emissionen sind vor allem vom Menschen verursacht. Sie haben in den letzten Jahrzehnten derart zugenommen, dass wir heute von einer massiven Klimaerwärmung in kurzer Zeit sprechen. Der grösste Teil der Treibhausgasemissionen in der Schweiz stammt übrigens aus dem Verkehr (31% durch den Verkehr, ohne internationalen Flug- und Schiffsverkehr. Quelle: BAFU).

Der Treibhauseffekt

Ein Teil der kurzwelligen Sonnenstrahlung durchdringt die Atmosphäre, wird von der Erdoberfläche aufgenommen und dann als langwellige Strahlung wieder abgegeben. Treibhausgase verhindern, dass die langwellige Strahlung die Atmosphäre erneut zu durchdringen vermag. Dadurch werden die unteren Schichten der Atmosphäre und die Erdoberfläche erwärmt. Grundsätzlich ist der Treibhauseffekt also etwas Natürliches; ohne ihn wäre es deutlich kühler und ein Leben auf der Erdoberfläche nicht möglich.

2. Prognose für die Schweiz

Die bereits beobachtbaren Veränderungen zeigen: Wir sind mittendrin im Klimawandel. Die Schweiz muss sich auf trockenere Sommer, heftigere Niederschläge, mehr Hitzetage und schneeärmere Winter gefasst machen. In den Alpen erwarten die Forschenden einen besonders starken Anstieg der Temperatur: Über Landmassen ist die Erwärmung stärker als im globalen Mittel. Je mehr nun die Gletscher schmelzen, desto mehr Landmassen werden freigegeben. Entsprechend nimmt die Erwärmung zu.

Weitere Informationen zu den Schweizer Klimaszenarien CH2018 finden auf der Website des «National Centre for Climate Services NCCS».

MeteoSchweiz zeigt auf der nachfolgenden Grafik für jedes Jahr von 1864 bis 2018 eine kleine Schweizer Karte, auf der die Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1961-1990 zu sehen ist. © MeteoSchweiz

Grafik des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie auf der die Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1961-1990 zu sehen ist
3. Die Zukunftsszenarien

Niemand weiss, wie sich das Klima in Zukunft entwickeln wird. Deshalb arbeiten die Wissenschaftler mit verschiedenen Szenarien und fragen sich zum Beispiel: Wie sieht der Gletscher gegen Ende des Jahrhunderts aus? Die Eismassen werden deutlich länger erhalten bleiben, wenn konsequenter Klimaschutz betrieben wird und die Emissionen stark reduziert werden. Damit lässt sich die Erwärmung wahrscheinlich auf 2 Grad begrenzen, wie es im Pariser Abkommen als Ziel formuliert ist.

Weitere Informationen zu den Schweizer Klimaszenarien CH2018 finden auf der Website des «National Centre for Climate Services NCCS».

4. Die Gletscherschmelze: immer schneller und schneller

Der Grosse Aletschgletscher ist ein eindrücklicher Gradmesser für die Änderungen des Klimas: Im Laufe der Zeit reagierte er auf Warm- und Kaltzeiten durch Rückzüge beziehungsweise Vorstösse. Seit den 1980er Jahren schmelzen aber die Gletscher schneller als davor. So auch der Grosse Aletschgletscher. Dies ist eine direkte Auswirkung der aktuellen Klimaerwärmung.

Während die Änderungen in der Länge des Gletschers von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein können, ergibt sich ein klarer Trend, wenn der Schwund der einzelnen Jahre aufsummiert wird: Der Rückgang nimmt stetig zu.

5. Fakten und Zahlen zum Aletschgletscher

Mit fast 80 km2 Fläche ist der Grosse Aletschgletscher der grösste Gletscher der Alpen. Im ihm sind rund 20% des Eisvolumens der Schweiz gespeichert. Nun könnten wir annehmen, dass der Aletschgletscher aufgrund seiner Grösse der Klimakrise am besten trotzt. Dies ist aber nicht der Fall. Der Gletscher ist viel zu gross für das heutige Klima und wird sich auch im Fall eines starken Klimaschutzes massiv zurückziehen. Bis im Jahr 2100 wird er über die Hälfte seines Volumens verlieren. Bis 2050 geschieht dies nahezu unabhängig von der weiteren Klimaentwicklung. Ab etwa 2040 dürfte ein erster von vielen Seen im tief eingeschnittenen Tal unter dem Aletschgletscher zum Vorschein kommen. Die neuen Seen werden von da an die Landschaft prägen. Wenn wir die Klimakrise in den Griff bekommen, kann sich das Gletscherende bis ins Jahr 2100 stabilisieren, allerdings erst rund 10 km talaufwärts von der heutigen Position. Ohne griffigen Klimaschutz hingegen könnte sich um etwa 2080 am Konkordiaplatz ein riesiger Gletschersee bilden. In diesem Extremszenario bleibt sogar am Jungfraujoch kein Eis mehr übrig.

Visualisierung des Tagesanzeigers

Christian Marti beim Flötenspielen
19.05.2023 Biodiversitätskrise

Vogelstimmen in der Musik

Das Leben komponiert seine eigenen Weisen – davon kann der Biologe und Hobbymusiker Christian Marti ein Lied singen. Ihn haben viele Zufälle zu einem Fachmann für Vogelstimmen in der Musik gemacht.

Bei Christian Marti piepts. Es zwitschert aber auch, trillert und pfeift, wenn der ­Biologe und Hobbymusiker seinen Vortrag «Vogelstimmen und Musik» orchestriert. Mit Bratsche, Blockflöte, Gitarre, singend, pfeifend und mit den Singstimmen seines Publikums lässt er Vögel in der klassischen Musik erklingen. Ein Hobby, das ihm, wie so vieles, zugeflogen ist. Denn eigentlich faszinierten ihn als Kind ganz andere ­Tiere. «Von Vögeln hatte ich keine Ahnung.»

«Wir wollen zusammen hinschauen wo in der Musik Vogelstimmen vorkommen. Oder genau genommen hinhören.» (Zitat aus «Vogelstimmen in der Musik»)

Zur Musik fand Marti früh. Wie viele ­andere Erstklässler blas er die Blockflöte, bevor er zum Bogen griff und fortan ­Geigensaiten strich. «Am Gymer ging ich mit meiner Geige stolz ins Schulorchester, doch der Dirigent drückte mir eine ­Bratsche in die Hand: ‹Die spielst du jetzt.›» Christian Marti lacht. «Die vielen Witze über langsame und dumme ­Bratschisten spare ich mir.» Mit 20 kaufte er sich eine Gitarre. «Es war die Zeit von Mani Matter und wer damals in Bern ­lebte, hatte eine Gitarre und sang.» 

Vogelstimmen in der Musik

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Auch die Natur faszinierte ­Marti schon seit je. «Ich liebe Insekten und habe Aquarien gepflegt. Mit Wasserläufern und Wasserkrebsen. Und ich habe Schmetterlinge ­gezüchtet und bei Schweizer Jugend forscht mitgemacht. Natürlich wollte ich mich auch im Biologiestudium mit diesen Tieren beschäftigen.» Doch wie aus der Geige im Schul­orchester eine Bratsche wurde, wurden aus Insekten und Schmetterlingen an der Uni Vögel. «Leider starb der Professor für Entomo­logie. Für meine Diplomarbeit bin ich dann bei den Vögeln gelandet. Genauer: bei Hühnern. Ich kannte mich mit Vögeln ja nicht gut aus, aber ein schwarzes Birkhuhn von ­einem weissen Schneehuhn unterscheiden, das kann auch der Marti, hat sich mein Professor wohl gedacht.» In der Vogelwarte Sempach landete Marti ebenfalls eher zufällig. Sein Traum war es, zu unterrichten und er hatte auch eine mehrjährige Stellvertretung. Aus ­einer Festanstellung wurde aber nichts. «Ein paar Jahre arbeitete ich in verschiedenen Jobs und war eines Tages in der Vogelwarte, um etwas in der Bibliothek nachzuschlagen, als ich den dama­ligen Leiter traf.» Dieser hatte eine auf ein Jahr befristete Stelle zu vergeben. Marti nahm an, übersiedelte mit seiner Familie nach Sempach – und blieb der Vogel­warte 31 Jahre bis zur Pensionierung treu. 

Rotkelchen
« Di di di di diediedüedüededeideidada gibt den Gesang des Fitis nicht wirklich naturgetreu wieder.» «Es ist amüsant und spannend, Vogelstimmen in der Musik nachzugehen. Aber noch viel interessanter ist es, den Vögeln in der Natur zuzuhören.» (Zitate aus «Vogelstimmen in der Musik»)

Und, wie könnte es anders sein, führte ein weiterer Zufall dazu, dass er vor rund 25 Jahren Musik und Vögel miteinander verband. «Für ein Konzert wurde ein ­Ornithologe gesucht, der eine Einführung über Vogelstimmen in der Musik halten sollte – seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.» Er begann, Vorträge zu halten, spielte Vogelstimmen und Musikstücke von Tonbändern ab. «Das hat aber oft nicht funktioniert. Dann hatte ich die Idee, zu pfeifen, Flöte, Bratsche und Gitarre zu spielen und mit dem Publikum zu singen.» Marti versuchte das in einem Rotaryclub. «Ich war unsicher, ob diese Herren in ihren schicken Anzügen mit­singen würden – doch sie taten es. Aus vollem Hals. Da merkte ich, dass der ­Vortrag so viel interessanter ist.» Und das ist er noch immer, unterdessen stand ­Marti damit über 100-mal auf der Bühne.

In der Nähe erklingt ein Vogelruf. «Die Kohlmeise. Ich höre Vögel wohl anders als andere, ich muss sie immer bestimmen. Die Kohlmeise…», er pfeift «…ist nicht so schwierig, sie kann aber auch zwei- oder dreisilbig singen», er pfeift auch das vor. «Sie kommt in der Musik relativ häufig vor.» Marti stimmt das Lied «Zyt isch do» an. «Das ist ein Kohlmeisenmotiv. Aber auch andere Vögel wie den Kuckuck findet man häufig und der Paradevogel ist die Nachtigall. Wobei es gar nicht so ­viele Vogelarten gibt, die in der Musik vor­kommen…» Und da ist Marti schon ­mitten drin in ­seinem Vortrag…

BETTINA EPPER, Redaktionsleiterin des Pro Natura Magazins.

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