Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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Gruppenbild Pro Biotop 2025

Mobile Ein­satz­gruppe «krampft» für die Natur

12.06.2018 Biodiversitätskrise

«Wanderziegen» im Einsatz für die Artenvielfalt

Pro Natura und die Kantone Graubünden und Uri gehen neue Wege zum Erhalt der Biodiversität im Alpenraum: Sie schicken diesen Sommer drei Hirten mit 200 Ziegen auf Wanderschaft vom Churer Rheintal bis zum Furkapass. Ziel ist die Entbuschung von mehr als 50 Hektaren Trockenstandorten. Bewährt sich das Projekt «Wanderziegenherde», so könnte es in weiteren Regionen der Schweiz zum Einsatz kommen.

Trockenwiesen und -weiden sind besonders artenreiche Biotope und landwirtschaftliche Kulturzeugen. In den vergangenen 100 Jahren sind rund 95 Prozent dieser ökologisch wertvollen Lebensräume verschwunden – und mit ihnen zahlreiche seltene Pflanzen, Schmetterlinge und Heuschrecken. Vor allem im Berggebiet sind Wiesen und Weiden verbuscht, weil sich die Nutzung durch regelmässiges Mähen und Beweiden nicht mehr rechnet.

Trockenstandorte – ein Schlaraffenland für Ziegen

Mit dem Projekt «Wanderziegenherde» gibt Pro Natura in Zusammenarbeit mit den Kantonen Uri und Graubünden, Gemeinden sowie Landwirten Gegensteuer. Während sieben Monaten ist eine Herde von rund 200 Ziegen in mehreren verbuschten Trockenstandorten unterwegs. Die Tiere befreien diese Flächen von Büschen, Jungbäumen und Altgras, wodurch seltene, licht- und wärmeliebende Arten Platz erhalten zum Wachsen. Die Tour der «Wanderziegen» führt vom Churer Rheintal bis zum Fuss des Furkapasses. Betreut werden die Tiere von einem Hirtenteam.

Entbuschung im grossen Stil

Mit der mobilen «Wanderziegenherde» sollen über 50 Hektaren Trockenstandorte gesäubert werden. Das Projekt ist damit eine der grössten Entbuschungsmassnahmen, die Pro Natura bisher initiiert hat. Nach dem Pilotjahr 2018 wird das Projekt evaluiert und wo nötig, verbessert. Bewährt sich dieser innovative Ansatz, so sollen die «Wanderziegen» künftig auch in anderen Regionen der Schweiz zum Einsatz kommen.

Auskünfte

  • Corinne Vonlanthen, Projektleiterin Biotope und Arten, Tel. 061 317 91 32, @email
  • Justine Eberherr, Amt für Natur und Umwelt, Kanton Graubünden, Tel 081 257 29 35, @email
  • Thomas Ziegler, Abteilung Natur- und Heimatschutz, Kanton Uri, Tel. 041 875 28 92, @email

Pressebild

Die hier zur Verfügung gestellten Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem erwähnten Thema und unter Angabe des Copyrights verwendet werden.

In Bern wird es auch in der Nacht nicht dunkel. Dafür sorgen Strassenlaternen, Scheinwerfer und Wohnungslampen.
09.05.2019 Insekten

Licht aus für die Nachttiere

Die negativen Auswirkungen der Lichtverschmutzung treffen nachtaktive Tiere mit voller Wucht. So zahlreich die Verschmutzungsquellen auch sind, es gäbe eine ganz einfache Lösung: Licht aus!!

Hier rascheln Mäuse auf der Suche nach Nahrung, dort ruft ein Uhu, lautlos jagen Fledermäuse durch die Luft, und unzählige Insekten und andere Wirbellose wuseln irgendwo im Unterholz und lassen die Finsternis mit bekannten und rätselhaften Geräuschen erklingen. Voller Leben ist sie, die dunkle Nacht. Nur – es gibt sie kaum noch im Mittelland und im Jura, die dunkle Nacht. Und deshalb kommen Tiere, die in der Dunkelheit leben und das Licht scheuen, zunehmend unter Druck.

Tiere haben über Millionen Jahre eine innere Uhr entwickelt, die vom Tag-/Nacht-Rhythmus gesteuert wird. Und viele von ihnen machen die Nacht zum Tag. So sind beispielsweise 95 Prozent der 3668 in der Schweiz bekannten Schmetterlingsarten nachtaktiv. Sie orientieren sich über Gerüche mithilfe ihrer hochempfindlichen Antennen und können beispielsweise ein Weibchen auf mehrere Kilometer Entfernung wahrnehmen. Fledermäuse können dank ihres Echolots ausschliesslich nachts jagen. Zugvögel orientieren sich auf ihrem Migrationsflug an den Sternen. Und am Wasser schlüpfen nachts aus Insektenlarven Eintags- und Köcherfliegen.

Tödliche Lichtfallen

Die Dunkelheit der Nacht bietet vielen Tieren Schutz – obschon diese Sicherheit relativ ist, denn auch die Jäger sind an das Leben ohne Licht angepasst. Kleininsekten und Raupen von Nachtfaltern sind in der kühlen Nacht besser vor dem Austrocknen geschützt als bei direkter Sonneneinstrahlung. Auf der Suche nach Pflanzennektar stehen Nachtfalter nachts nicht in Konkurrenz zu Bienen und anderen Tagbestäubern.

Nachtfalter sehen 1000 Mal besser als Tagfalter und nehmen vor allem gelbe und weisse Blüten wahr. Genau in diesem Farbspektrum strahlt aber auch Kunstlicht, das Nachtfalter über Distanzen von 250 Metern anzieht, vor allem die etwas mobileren Männchen. Das Kunstlicht verändert auch die Farben der Blüten: Nachtfalter können sie nicht mehr erkennen und sie somit auch nicht mehr bestäuben. Und so erschöpfen sich die Insekten mit endlosem Umkreisen der Laternen.

Jeden Sommer verenden pro Nacht rund 150 Insekten an jeder Strassenlaterne. Sie alle können keine Nahrung mehr suchen, keine Pflanzen mehr bestäuben, keine Eier mehr legen. Und sie werden damit leichte Beute für Fledermäuse, Katzen oder dämmerungsaktive Vögel.

Die Weibchen des Glühwürmchens senden ihr visuelles Signal in einem lichtverschmutzten Umfeld umsonst: Die Männchen können sie nicht mehr sehen und sich so auch nicht mehr mit ihnen paaren. Die entlang kleiner Bäche aufgestellten Leuchten ziehen Insekten aus dem Wasser in Scharen an. Doch die Tierchen verenden und fehlen somit als wichtige Nahrungsquelle für Fische, Vögel und Fledermäuse.

Lichtverschmutzung in 30 Jahren verdoppelt

Kunstlicht stört das Gleichgewicht unserer nächtlichen Ökosysteme und beeinträchtigt das Verhalten von Tieren und Pflanzen. Die lichtscheuen Arten verlieren in einem veränderten Lebensraum plötzlich die Orientierung, zum Nachteil der lichttoleranten Arten. Dadurch verändert sich einerseits die Nahrungskette, andererseits werden auch Pflanzen durch nachtaktive Insekten nicht mehr in gleichem Masse bestäubt. Eine Studie der Universität Bern zeigt, dass beispielsweise die Kohldistel 13 Prozent weniger Früchte produziert und 62 Prozent weniger von bestäubenden Nachtinsekten besucht wird, wenn sie nicht in kompletter Dunkelheit gehalten, sondern künstlich beleuchtet wird.

Die nächtliche Lichtverschmutzung ist ein weiteres Beispiel einer langen Liste von menschgemachten Problemen, welche die Biodiversität gefährden. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hat sich die Lichtverschmutzung in unserem Siedlungsgebiet nahezu verdoppelt und es muss davon ausgegangen werden, dass die Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt weiter zunehmen werden. Dabei gäbe es ein ganz einfaches Mittel, um diesen Trend umzukehren: Macht einfach das Licht aus!

RENE AMSTUTZ ist Insektenspezialist und arbeitet bei Pro Natura als Projektleiter Artenförderung.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.



Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.

Milchstrasse über Gantrischkette
09.05.2019 Biodiversitätskrise

Dunkler ist mehr und kostet weniger

Mit smarter Beleuchtung lässt sich die Umwelt schonen und viel Geld einsparen. Mehrere Gemeinden gehen mit gutem Beispiel voran, der Bund sieht jedoch von strengeren Vorlagen ab.

Mit der Umstellung auf eine LED-Beleuchtung lässt sich die Lichtverschmutzung stark verringern. LED-Lampen stören den Rhythmus von Vögeln, Insekten und insektenjagenden Fledermäusen weniger stark, vor allem wenn die Lampen einen hohen Orange-Rot-Anteil haben. Zusätzlich geschont werden nachtaktive Tiere, sobald die Lichtstärke – wenn auch nur zeitweise – auf 30 bis 40 Prozent gedimmt wird. LED-Leuchten verbrauchen auch deutlich weniger Strom.

Deutlich tiefere Stromkosten

Die 1500-Seelen-Gemeinde Trubschachen (BE) im Emmental hat ihre gesamte Strassenbeleuchtung bereits 2017 auf LED umgestellt. «Seither spart die Gemeinde fast 12'000 Franken Stromkosten pro Jahr», erklärt Theo Rüegger, Finanzverwalter. Die Investitionen von 80’000 Franken für die neue Beleuchtung werden deshalb relativ schnell amortisiert. Im Gegensatz zur Kantonsstrasse, wo stärkeres Licht nötig ist, betrug die Einsparung an kleinen Gemeindestrassen teilweise über 90 Prozent.

In jede Lampe wurde eine intelligente Steuerung eingebaut: Das Licht brennt nur, wenn jemand auf der Strasse ist, und nur so stark wie unbedingt nötig. Dank der intelligenten Steuerung werden die Lampen weniger warm; ihre Lebensdauer verlängert sich. Für die Gemeinde waren sowohl ökologische wie auch ökonomische Aspekte wichtig, wie Rüegger ausführt. Er hofft im Interesse der Umwelt und der Steuerzahler auf viele Nachahmer.

Lichtstärke auf 20 Prozent gesenkt

Ein fortschrittliches Beleuchtungskonzept pflegt auch die Zürcher Gemeinde Langnau am Albis. Die Quartier- und Nebenstrassen sind mit Radarmeldern, die Gehwege mit Bewegungsmeldern ausgerüstet. So kann die Lichtstärke auf 20 Prozent gesenkt werden. Kommt ein Fahrzeug oder ein Fussgänger, schaltet die Beleuchtung auf 100 Prozent; nach zwei Minuten wird sie wieder reduziert. Von ein bis fünf Uhr morgens geniessen die 7500 Einwohner eine dunkle Nacht: Alle Strassenlampen bleiben abgeschaltet.

300 Personen wohnen in Le Cerneux-Péquignot (NE) bei Le Locle. Seit 2011 wird die Beleuchtung zwischen 22 und 24 Uhr reduziert, danach wird es bis sechs Uhr morgens ganz dunkel. 51 Haushalte stimmten in einer konsultativen Abstimmung für die Abschaltung, nur sieben waren dagegen. 2015 ist die kleine Gemeinde auf LED umgestiegen. «Die Nacht ist etwas Wunderschönes – was man allerdings nur erkennt, wenn man das Licht ausschaltet», erklärt der frühere Gemeindepräsident Laurent Isch. «Wir leben jetzt viel mehr mit der Natur als vorher. Man hört und erlebt die Tierwelt nun intensiver; für die Biodiversität ist es ein grosser Gewinn.»

Seltene Alpensegler im Dunkeln

Auch Luzern, oft «Leuchtenstadt» genannt, tut etwas gegen Lichtverschmutzung. Mit dem «Plan Lumière» strahlt das Licht nicht mehr in alle Himmelsrichtungen, sondern sanft und atmosphärisch. 25 Sehenswürdigkeiten und Gebäude werden diskreter beleuchtet, aber auch Plätze, Gassen, See- und Flussufer. Beleuchtungsmethoden, Montagehöhe und Lichtfarben werden individuell abgestimmt, Brutplätze für seltene Alpensegler nicht mehr angestrahlt. «Das ist ein tolles Beispiel, wie sich Stadtgestaltung, Energieeffizienz und Naturschutz zusammenführen lassen», sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne).

Passiver Bundesrat

Wirklich griffige Vorschriften gegen Lichtverschmutzung kennt die Schweiz nicht. Im Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) sind Eingriffe in das heimatliche Erscheinungsbild geregelt – vor allem, wenn es Objekte von nationaler Bedeutung sind. Lichtemissionen sind aber im NHG ebenso wenig explizit erwähnt wie im Umweltschutzgesetz (USG).

Die Nationalrätinnen Tiana Angelina Moser (GLP, ZH) und Maya Graf (Grüne, BL) haben dies bereits vor zehn Jahren festgestellt. Per Postulat forderte Maya Graf im Jahr 2008 Massnahmen gegen die Lichtverschmutzung, 2009 doppelte Tiana Angelina Moser mit einem ähnlichen Vorstoss nach. Der Bundesrat schrieb 2009 in seiner Antwort, er habe den Handlungsbedarf erkannt und lasse einen Bericht erstellen. Dieser erschien 2018 (!) und kam zum Schluss, dass die geltenden Bestimmungen genügen. Der Bundesrat verweist auf Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und überlässt es den Kantonen, etwas zu unternehmen.

Die meisten Kantone beschränken sich allerdings wiederum darauf, nur Empfehlungen abzugeben. Einen Schritt weiter geht der Kanton Jura: Mitte Februar 2019 wurde die öffentliche Beleuchtung an drei Kreuzungen an Hauptverkehrsachsen auf dem Land vollständig abgeschaltet. Falls der Test bis 2020 positiv verläuft, will der Jura ausserorts alle 300 Kandelaber vom Netz nehmen.

Der erste «Dark Sky Park» der Schweiz?

Im Ausland gibt es zukunftsweisende Projekte: Die International Dark-Sky Association (IDA) zeichnet auf der ganzen Welt Orte und Regionen als Lichtschutzgebiete aus. Die meisten der 66 bisherigen «Dark Sky Parks» liegen in den USA, in Europa gibt es erst wenige. In der Schweiz zählen die Region Jungfrau-Aletsch sowie das Gebiet des gescheiterten Nationalparks Adula zu den letzten Gebieten ohne jegliche Lichtverschmutzung. Durch ihre Topografie ist auch die Region Gantrisch grösstenteils von den hellen Städten abgeschirmt.

Der Naturpark Gantrisch möchte diese Chance packen und zum ersten «Dark Sky Park» der Schweiz werden. Die Bewerbung wurde Anfang 2019 bei der IDA eingereicht. Für sein Projekt «Nachtlandschaft Gantrisch» wurde der Naturpark Gantrisch bereits mit dem Beugger-Preis 2018 ausgezeichnet – gemeinsam mit der Gemeinde Fläsch (GR), die eine emissionsreduzierte öffentliche Beleuchtung umsetzt.

Was können wir selber tun?

  • Lampen mit präziser Lichtlenkung oder Abschirmungen beleuchten nur, was beleuchtet werden soll. Abstrahlungen in den Himmel sind unerwünscht.
  • Mit einer Anpassung der Beleuchtungsstärke vermeiden Sie eine überdimensionierte Lichtstärke
  • Eine Zeitschaltuhr schaltet die Beleuchtung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr automatisch aus
  • Bewegungsmelder zurückhaltend einsetzen: Achten Sie auf eine richtige Einstellung, damit das Licht nicht bei der kleinsten Bewegung (Wind) ein- und ausschaltet
  • Entfernen Sie Aussenleuchten, die keinem Sicherheitszweck dienen.

ROLF ZENKLUSEN arbeitet als freischaffender Journalist.

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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

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Kuhherde von hinten, daneben eine wehende Schweizer Fahne
14.11.2018 Biodiversitätskrise

«Mission B»: Damit wir nicht im Kuhmist ersticken

Eine Kuh hinterlässt täglich zehn Fladen von je zwei Kilogramm Gewicht auf der Weide. Würden diese liegen bleiben, müssten wir in Gummistiefeln durch die Weiden waten. Jährlich würde die Fläche des Bodensees unter dem Kuhmist verschwinden. Doch ganz unterschiedliche Fladenbewohner sorgen dafür, dass wir nicht im Mist versinken.

Kaum liegt der dampfende Fladen da, landen die Gelben Dungfliegen Scathophaga stercoraria auf ihm. Auf dem Kuhfladen treffen sich die Geschlechter zum Rendez-vous. Anstatt feinen Weins, wird Kot geschlürft. Nach der Paarung deponieren die Weibchen mit ihren zarten Legeröhren die Eier im Fladen. Die fürsorgliche Fliege Morellia aenescens legt ihre Eier in blasenartige Kammern. Damit verschafft sie dem Nachwuchs in dem stickigen Fladen Luft zum Atmen. Die Zeit des Eierversteckens ist vorbei, sobald der Fladen von einer trockenen Kruste umgeben ist. Denn die zarten Legeröhren können nicht in die feste Kruste eindringen.

Schon nach zwei Tagen tummeln sich unzählige Maden und Larven im Fladen. Sie mampfen am saftigen Fladen, fallen über ihre Mitbewohner her oder weiden den Pilzbewuchs auf dem Fladen. Etwa 100 Käfer- und 100 Fliegenarten findet man im Kuhfladen. Der Gemeine Dungkäfer Aphodius fimetarius verbringt hier sein ganzes Leben. In den Fladen eingekuschelt übersteht er sogar den Winter. Langsam krabbelt der kleine Käfer mit den roten Flügeldecken über den Fladen.

Tunnelbauer und Nestsucher

Plötzlich stürzt sich eine Hornissen-Raubfliege Asilus crabroniformis auf den Käfer. Ein Gesichtsbart schützt die Augen der Raubfliege vor der (noch) zappelnden Beute. Bei anderen Fladenbewohnern ist der Käfer wegen seiner Arbeit willkommen. Der Tunnelbauer durchlüftet den Fladen und schafft so sprichwörtlich Luft für die Mitbewohner. Zudem sind die gegrabenen Gänge bei den kleineren Fliegenarten als Eilegestätte begehrt. Darin deponieren die Schwingfliegen Sepsidae ihre mit einem Atmungsrohr ausgerüsteten Eier.

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«Mission B – für mehr Biodiversität» ist ein Schwerpunktthema der SRG rund um die Biodiversität in der Schweiz. Das Projekt wird von verschiedenen Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz unterstützt; Pro Natura berät die Redaktionen fachlich.

Fadenwürmer Nematoda richten sich auf dem Dung auf und «winken den Käfertaxis». Festgeklammert an die Flügeldecken des Gemeinen Dungkäfers erreichen sie im Flug den nächsten Fladen. Ein Ortswechsel kann sich für die Fadenwürmer lohnen, wenn sich im Fladen der Mikropilz Duddingtonia flagrans ausbreitet.

Mit seinen klebrigen Schlingen fängt der Mikropilz die Fadenwürmer. In seinen Netzen verfangen sich auch Magenwürmer der Kühe. So verhindert der Mikropilz, dass diese neue Kühe infizieren können. Für uns ist das gut, denn die Magenwürmer können erhebliche Verluste in der Fleischproduktion verursachen.

Der alternde Fladen wird zusehends von verschiedenen Pilzarten besiedelt. Neue Gäste ziehen in die «Fladen-WG» ein.

Der Zwergkäfer Ptenidium pusillum weidet den Pilzrasen ab und fördert damit das Wachstum der Pilze. Letztere bauen den Fladen weiter ab. Am Ende eines «Dunglebens» wandern zahlreiche Tiere aus der Umgebung ein. Zu ihnen gehört der Kleine Wiesenwurm Allolobophora caliginosa. Täglich verdaut er ein Prozent seines Gewichtes an Dung.

Aus Kuhdung wird Humus

Nach etwa 40 Tagen ist der Dunghaufen verschwunden. Etwa 6'000 verschiedenste Fladenbewohner haben dazu beigetragen, dass aus dem Kuhmist wertvoller Humus wurde. Diese Tiere, die wir meist als eklig empfinden, sind Teil unserer Biodiversität. Sie sind wichtig, damit unsere Weiden grün bleiben.

Ohne funktionierende Kuhfladenfauna würde jährlich in der Schweiz eine Fläche so gross wie der Bodensee unter Kuhfladen verschwinden. Erhalten wir die Biodiversität, damit wir nicht im Kuhmist versinken – jede Art zählt!

Kuhfladen auf Weide Matthias Sorg
Nach 40 Tagen und Tausenden von Besuchern ist der Kuhdung abgebaut.
Stare am Himmel
04.03.2019 Raumplanung

Agieren statt reagieren

Mit einer Doppelinitiative für Natur und Landschaft engagiert sich Pro Natura für dringend notwendige Verbesserungen im Umweltschutz.

Die Meldungen der jüngsten Vergangenheit haben wenig Anlass zur Hoffnung für die Zukunft unserer Natur und Landschaft gegeben. Ein paar Beispiele: Im Sommer 2017 ist eine viel beachtete Studie aus Deutschland zum beunruhigenden Schluss gekommen, dass in der Zeit von 1983 bis 2015 die Masse der Fluginsekten um ganze 75 Prozent abgenommen hat, Drei Viertel weniger Käfer, Bienen, Schmetterlinge und Co. – und das nicht etwa in Wohngebieten oder Industrie-Arealen, sondern in einem Naturschutzgebiet. Dieser Weckruf hat es kurzzeitig auch bei uns auf die Frontseiten der Medien geschafft.

In der Schweiz sieht es nicht besser aus: So hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Bericht den Bemühungen der Schweiz zur Erhaltung von Natur und Landschaft ein denkbar schlechtes Zwischenzeugnis ausgestellt: Der Anteil der gefährdeten Arten ist in keinem OECD-Land so hoch wie in der Schweiz. Und die Schweiz hat auch den geringsten Anteil geschützter Flächen unter allen OECD-Staaten. 

Und was sagen uns die Vögel? Der Ende 2018 erschienene Brutvogelatlas der Schweiz zeigt, dass die Bestände vieler Brutvogelarten seit der letzten nationalen Zählung vor zwanzig Jahren deutlich bis massiv abgenommen haben. Die grössten Verluste haben die Vögel des Kulturlandes erlitten.

Schutzgesetz wird zu Abschussgesetz

In krassem Gegensatz dazu steht der mangelnde Wille von Entscheidungsträgern, die Zeichen der Zeit endlich zu erkennen und verantwortungsvoll zu handeln. Die politischen Vorstösse zum massiven Abbau von gesetzlichen Errungenschaften zum Schutz und zur Förderung von Natur und Landschaft werden sogar immer dreister. Jüngste Beispiele sind die nicht enden wollenden Vorstösse zur Dezimierung geschützter Tierarten wie Biber und Wolf. Diese münden momentan in eine Revisionsvorlage des Bundesrates, die das bisher ausgewogene Jagd- und Schutzgesetz zu einem reinen Abschussgesetz reduziert. 

Bedenklich sind auch die nicht enden wollenden Vorstösse zur Lockerung des Bauens ausserhalb der Bauzonen. Der Trennungsgrundsatz zwischen Bau- und Nichtbaugebiet wird fast schneller aufgeweicht als die Bagger auffahren können. Dadurch ist ein ausgesprochener Bauboom im Nichtbaugebiet entstanden. Gleichzeitig stehen Landschaftsperlen, nationale Schutzobjekte und wertvolle Ortsbilder zunehmend unter Druck – ade du schöne Postkartenschweiz.

Miserable Umweltbilanz des Parlaments

Seit den Parlamentswahlen 2014 bläst Anliegen von Natur und Landschaft unter der Bundeskuppel ein noch steiferer Wind entgegen: Ausdruck dessen, dass jene zwei Parteien, die nicht eben durch ein Engagement für Natur und Landschaft auffallen, im jetzigen Nationalrat mit 101 Sitzen die Mehrheit stellen. 

Ein Blick in das jüngste Umweltrating bestätigt: Wird im Nationalrat zu Umweltanliegen abgestimmt, liegt die Umweltfreundlichkeit der FDP bei mageren 24,9 Prozent. Geschlagen wird sie lediglich von der SVP mit einer Umweltfreundlichkeit von traurigen 4,6 Prozent. Die logische Konsequenz: Die Nationalratsmehrheit hat kaum Gehör für Umweltanliegen.

Fachleute schlagen Alarm

Dabei haben im Frühjahr 2015, ein halbes Jahr nach den Wahlen, 43 Fachexpertinnen und Fachexperten der Schweiz in ihrem Bericht zum «Zustand der Biodiversität in der Schweiz – Die Analyse der Wissenschaft» klipp und klar festgestellt, dass die Anstrengungen der vergangenen Jahrzehnte für die Erhaltung der Biodiversität nicht ausreichen. Deren positive Wirkungen könnten nicht Schritt halten mit den anhaltenden oder gar zunehmenden Bedrohungen. Und: «Wenn die Biodiversität und die Leistungen der Ökosysteme in der Schweiz erhalten werden sollen, ist es dringlich, dass sich alle Politikbereiche dafür engagieren». So lautete damals das Fazit des Forums Biodiversität als Herausgeberin des Berichtes. Bloss: Der eindringliche Aufruf ist weitgehend ungehört verhallt.

Direktdemokratische Offensive ist angesagt

Es ist höchste Zeit, den Schutz von Natur und Landschaft mit einem kraftvollen Signal in den Fokus der Öffentlichkeit und auf die politische Agenda zu setzen. Verstärkt agieren zugunsten von Natur und Landschaft statt reagieren auf Bedrohungen oder Beeinträchtigungen. Deshalb ist eine direktdemokratische Offensive für Natur und Landschaft angesagt – für die Erhaltung unserer Lebensqualität und unserer Lebensgrundlagen. Die führenden Natur- und Umweltorganisationen der Schweiz – Pro Natura, BirdLife Schweiz, Schweizer Heimatschutz (SHS), Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) und WWF Schweiz – haben sich im Trägerverein «Ja zu mehr Natur, Landschaft und Baukultur» zusammengeschlossen und lancieren gemeinsam zwei Initiativen, die auf den Folgeseiten vorgestellt werden. Zu zwei Kernanliegen, für die besonders dringender Handlungsbedarf besteht: die Förderung der Biodiversität und der Schutz der Landschaft. 

Diese Punkte sollen in der Bundesverfassung konkretisiert werden – für die Zukunft unserer Natur und gegen die Verbauung unserer Landschaft ausserhalb des Baugebietes. Nicht nur die Politik ist gefordert: Die Doppelinitiativen bieten auch die Chance, die Bevölkerung vermehrt über die Bedeutung einer intakten Natur und Landschaft zu informieren und stärker zu sensibilisieren. Damit uns dies gelingt, ist das Engagement von uns allen notwendig. 

Ich freue mich, mich gemeinsam mit Ihnen für das Zustandekommen dieser beiden Initiativen zu engagieren und damit ein kraftvolles politisches Signal für die Erhaltung und Förderung unserer Natur und Landschaft zu senden.

URS LEUGGER-EGGIMANN, Pro Natura Zentralsekretär

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Wiese Löwenburg
04.03.2019 Biodiversitätskrise

Für die Zukunft unserer Natur und Landschaft

Mehr Flächen und Mittel für den Erhalt unserer Naturlandschaften, bessere Instrumente für deren Schutz – dies sind die Eckpfeiler der Biodiversitätsinitiative.

Die eidgenössische Volksinitiative «Für die Zukunft unserer Natur und Landschaft (Biodiversitätsinitiative)» will, dass Natur und Landschaft endlich wirksam gesichert werden. Denn der Schutz unserer Lebensgrundlage wird seit Jahren zugunsten von Nutzerinteressen und kurzsichtigen Profiten abgebaut.  

Die Biodiversitätsinitiative knüpft am Natur- und Heimatschutz-Artikel 78 der Bundesverfassung an und will unser Kultur-, Landschafts- und Naturerbe mit folgenden Hauptanliegen für künftige Generationen sichern: 

Natur, Landschaft und Baukultur stärker berücksichtigen

Einerseits ist alles, was heute in irgendeiner Weise unter Schutz steht, auch weiterhin zu bewahren. Andererseits ist auch die übrige Landesfläche so zu nutzen, dass Natur, Landschaft und Baukultur erhalten bleiben. 

Stufengerechte Interessenabwägung bei erheblichen Eingriffen in Schutzobjekte

Neu wird in der Verfassung festgehalten, dass für erhebliche Eingriffe in Schutzobjekte des Bundes überwiegende Interessen von nationaler Bedeutung vorliegen müssen, für erhebliche Eingriffe in kantonale Schutzobjekte überwiegende Interessen von kantonaler oder nationaler Bedeutung. Mit dieser Vorgabe können Schutzobjekte von gesamtschweizerischer Bedeutung nicht für kantonale Partikularinteressen geopfert werden.

Mehr Fläche für die Natur

Bund wie auch Kantone werden mit der Initiative beauftragt, schutzwürdige Objekte zu bezeichnen und zu bewahren und die für die Biodiversität nötigen Flächen zu sichern. Damit leistet die neue Regelung einen wichtigen Beitrag zur Realisierung der ökologischen Infrastruktur, wie sie der Bundesrat bereits 2012 beschlossen hat. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es auch die nötigen Instrumente. Ausserdem ist die Schweiz als Mitglied der Biodiversitätskonvention dazu verpflichtet, 17 Prozent der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Davon ist sie aber noch weit entfernt.

Mehr Geld für die Natur

Für den Schutz der Natur und Biodiversität stehen nur geringe Mittel zur Verfügung, die ein Vielfaches unter dem ausgewiesenen Bedarf liegen. Zudem unterliegen diese zu geringen Mittel immer wieder Kürzungsanträgen. So können unsere wertvollen Naturflächen nicht gesetzeskonform erhalten und bedrohte Arten nicht geschützt werden. Mit der Initiative sollen endlich die nötigen finanziellen Mittel für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität bereitgestellt werden. Die zusätzlichen Gelder sollen für die Aufwertung bestehender Schutzgebiete, für die Finanzierung neuer Flächen sowie für Artenförderungsmassnahmen eingesetzt werden. 

Es ist höchste Zeit zu handeln. Denn die Schweiz verträgt keine weiteren Verschlechterungen des Zustands von Natur und Landschaft ohne Einbussen für Wirtschaft und Gesellschaft. Mit der Biodiversitätsinitiative setzen wir ein starkes Signal gegen den schleichenden Abbau der Schutzgesetzgebung und gegen die Vernachlässigung unseres Naturkapitals. Das Natur- und Landschaftserbe der Schweiz wird dadurch für uns und die kommenden Generationen und als Basis für unsere Lebensqualität gesichert.

SIMONA KOBEL betreut bei Pro Natura die Biodiversitätspolitik und ist zuständig für die Biodiversitätsinitiative.

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Grasnelkenwidderchen auf Blume
06.05.2019 Biodiversitätskrise

Globale Biodiversitätskrise: Die Fakten sind bekannt – jetzt muss auch die Schweiz handeln

Auf breitester wissenschaftlicher Grundlage zeigt der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) in seinem neusten Bericht heute auf, wie schlimm es um die Natur weltweit bestellt ist: Die natürlichen Ökosysteme sind überlastet, Tier- und Pflanzenarten schwinden in rasantem Tempo, und mit ihnen unsere Existenzgrundlagen. Biodiversitätskrise und Klimakrise sind die zwei grossen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit - und in vielerlei Hinsicht zwei Seiten der gleichen Medaille. Das gilt auch für die Schweiz.

Drei Jahre lang haben 150 Expertinnen und Experten aus 50 Ländern das vorhandene Wissen zum Zustand der Biodiversität weltweit zusammengetragen, über 20‘000 Personen wirkten mit. Die Resultate sind erschreckend:

  • Mehr Tier- und Pflanzenarten als je zuvor sind heute vom weltweiten Aussterben bedroht. Rund 1 Million von insgesamt 8 Millionen Arten könnten schon in den nächsten Jahrzehnten definitiv von der Erde verschwinden.
  • Die globale Biomasse von Wildsäugetieren ist um 82 Prozent zurückgegangen. Die Häufigkeit von Wirbeltieren nimmt seit 1970 rapide ab.

  • 75% der Lebensräume an Land sind heute durch menschliche Eingriffe stark verändert, 66% der Meeresräume leiden unter kumulativen Einflüssen, über 85% der Feuchtgebiete sind in den letzten 300 Jahren verschwunden.

Klima und Biodiversität – zwei Seiten einer Medaille

Die Ursachen, die der Bericht nochmals akribisch aufzeigt, sind bekannt. Wenn die wichtigsten Treiber – allen voran der Klimawandel, die intensive Landwirtschaft, menschliche Eingriffe in natürliche Lebensräume – nicht sofort mit griffigen Massnahmen angegangen werden, wird sich der Artenverlust noch mehr beschleunigen. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Wissenschaft längst die Alarmglocken läutet.

Bericht «Zustand der Biodiversität in der Schweiz 2014»

Bekannt ist zum Glück aber auch, wie der Biodiversitätskrise zu begegnen ist: Ökologische Landwirtschaft, konsequenter Schutz natürlicher Lebensräume, keine weitere Verbauung der Landschaft, Förderung der Suffizienz, Abschaffung biodiversitätsschädigender Anreize. Dabei dienen praktische Massnahmen dem Klimaschutz und der Biodiversität zugleich, etwa der Moorschutz und die humusfördernde Landwirtschaft.

Ein Blick auf die bisherige Politik der Schweiz ist allerdings ernüchternd: Die Verabschiedung eines zahnlosen Aktionsplans zur Biodiversität brauchte viele Jahre, die Agrarpolitik tritt auf der Stelle, die nötige drastische Einschränkung des Pestizideinsatzes kommt nicht voran. Artenschutz und Raumplanung sind unter Dauerbeschuss, die eigentlich geschützten Moore trocknen weiter aus und den Gewässern soll noch die letzte Kilowattstunde Strom abgepresst werden.

Politik braucht Druck

«Hoffen wir, dass die alarmierende Botschaft des IPBES nun endlich auch von den Entscheidungsträgern in der Schweiz gehört wird», sagt Friedrich Wulf, Vertreter von Pro Natura an den Verhandlungen in Paris. Damit dies geschieht, braucht es aber auch den Druck von unten. Pro Natura ruft alle ökologisch verantwortungsbewussten Kräfte auf, diesen Druck zu verstärken: Mit der Unterzeichnung der im März lancierten Doppelinitiative Biodiversität und Landschaft, mit der breiten öffentlichen Sympathie für die hängigen Volksinitiativen zu Pestiziden, Konzernverantwortung, Klima, Massentierhaltung. Pro Natura appelliert an die Schweizer Politik: Bitte anerkennt die Stimme der Wissenschaft – und erkennt die Zeichen der Zeit!

Europäische Hornisse
Aktiv werden

Wespen und Hornissen als Untermieterinnen

In der Schweiz gibt es acht Echte Wespenarten. Nur zwei davon wollen zeitweise von unseren Tellern naschen. Wir zeigen, wie wir uns gegenüber Wespen richtig verhalten und weshalb Wespen nützliche Gartenbewohner sind.

Im August am Gartentisch: Unser Birnenkuchen erfreut nicht nur die Gäste. Er lockt auch gelb-schwarz gestreifte Besucherinnen aus der Insektenwelt an. Von den sogenannten Echten Wespen interessieren sich nur zwei Arten zeitweise für menschliche Nahrungsmittel: die Gemeine oder Gewöhnliche Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica).

Beide Arten können in grösserer Zahl auftreten. Sie legen ihre Nester meist unterirdisch in verlassenen Mäusegängen an. Weitere sechs Arten kommen bei uns seltener vor. Darunter befindet sich auch die Hornisse (Vespa crabro). Die hier beschriebenen Merkmale treffen auf alle Echten Wespenarten zu. 

Ein Königreich in einem Nest

Jedes Wespennest wird von einer einzelnen Königin gegründet. Ende April verlassen die Königinnen ihre Winterquartiere und suchen einen geeigneten Ort für die Nestgründung. Da diese Plätze in der Natur immer seltener werden, müssen die Tiere manchmal mit unseren Dachböden, Gartenhäuschen oder Storenkästen vorliebnehmen. Einen Monat lang ist die Königin mit Nestbau, Eierlegen und Larvenfüttern beschäftigt.

Der Mensch kommt also ab Ende Mai mit den Wespen in Berührung. Den Höhepunkt erreichen die Insekten im Juli und August. Bis dahin sind sie mit dem Nestbau und der Aufzucht der Brut beschäftigt. Anschliessend nimmt ihre Aktivität ab.

Es gibt Jahre, in denen aussergewöhnlich viele Wespen unterwegs sind und wiederum Jahre, in denen wenige gesichtet werden. Warum das so ist, hängt von diversen Faktoren, wie dem Wetter und den natürlichen Feinden der Wespen, ab. 

Tipp zum Vorbeugen eines Wespennests

Wer sich im Sommer nicht über Wespennester auf dem Balkon oder im Garten ärgern möchte, kann übrigens rechtzeitig reagieren. Wenn sich die Wespenkönigin an sonnigen Tagen im April/Mai aufmacht, einen passenden Ort für ihr Nest zu suchen, gilt es die Augen offen und einen Wasserspray bereit zu halten. Beobachten Sie zu diesem Zeitpunkt in der Nähe Ihres Gartensitzplatzes oder auf dem Balkon eine grosse Wespe an einem Ort ein- und ausfliegen, können Sie sie in unmittelbarer Nähe des Einflugortes oder den Einflugort selbst sanft anspritzen. Das mag die Wespe gar nicht und sie sucht sich einen anderen Platz für den Bau ihres Nests.  

Herbstlicher Untergang

Während Honigbienen in ihren Nestern überwintern, erlischt im Herbst das Leben im Wespenstaat vollständig. Im Hochsommer schlüpfen neue Königinnen und männliche Tiere (Drohnen). Die begatteten jungen Königinnen suchen sich nach der Paarung einen geschützten Platz zum Überwintern. Die Drohnen haben ihren Auftrag erfüllt und sterben. Auch die alte Königin beendet ihr einjähriges Leben und mit ihr geht der Wespenstaat zugrunde.

Nützliche Untermieterinnen

Wespen-Arbeiterinnen benötigen als Treibstoff für ihre Flugmuskeln den Zuckersaft aus Blüten, aus reifem Obst oder aus der Rinde verletzter Bäume. Die eierlegende Königin und die Larven brauchen hingegen eiweissreiche Kost aus erbeuteten Insekten.

Während Wespen Nektar von Blüten fressen, bestäuben sie gleichzeitig die Blüten und übernehmen so eine wichtige Funktion in unserem Ökosystem. Ausserdem jagen sie Schädlinge, welche sich an unseren Landwirtschaftskulturen bedienen und grosse Schäden anrichten.

Eine Wespenkönigin hornissenschutz.ch - Andi Roost
Die Mission der Wespenkönigin: Einen passenden Platz für ihr Nest finden.

Tipps für ein unbeschwertes Zusammenleben

Wespen und Hornissen sind friedliebende Tiere. Alle Wespen haben ihren Stechapparat, um Beute zu lähmen. Der Stachel wird mehrfach eingesetzt, anders als bei der Biene reisst er beim Stechen nicht ab. Wespen setzen beim Stich weniger Gift ein als Honigbienen. Gefährlich kann das Gift für allergisch reagierende Personen oder bei einem Stich in den Mund- oder Rachenraum werden. In beiden Fällen sollte sofort ein Arzt konsultiert werden.

Auch Hornissen können stechen. Da sie sich aber nicht für das Essen der Menschen interessieren, sind Konflikte zwischen Mensch und Hornisse weit weniger häufig. An der weit verbreiteten Legende, dass Hornissenstiche viel gefährlicher seien als die Stiche anderer Wespen, ist nichts dran.

Damit der unbeschwerte Nachmittag unter freiem Himmel nicht in wildem Herumfuchteln und Tränen endet, gibt es ein paar Tipps:

  • Die Esswaren und Süssgetränke erst kurz vor dem Essen auf den Tisch stellen und gut abdecken
  • Vor dem Trinken einen Blick ins Glas werfen
  • Leere Teller rasch wieder abräumen
  • Hände und Mund nach dem Essen gut reinigen
  • Falls Sie ein Wespennest in der Nähe haben, einen Sicherheitsabstand von drei bis vier Metern einhalten und hektische Bewegungen vermeiden.
  • Fallobst aus dem Garten entfernen

Kommt Ihnen eine Wespe trotzdem näher als Ihnen lieb ist, soll man Ruhe bewahren und nicht herumfuchteln. Wespen sind keine angriffslustigen Tiere und haben kein Interesse daran, Sie zu stechen. Wenn sie sich jedoch bedroht fühlen, ist Vorsicht geboten. Auch dann, wenn Sie sie anblasen – denn das mögen Wespen gar nicht. Durch das ausgestossene CO2 werden sie alarmiert und können im schlimmsten Fall stechen.

Es gibt ein paar Tricks, wie sie die Wespen verjagen können:

  • Mit einer sauberen Sprühflasche mit Wasser anspritzen: Die Wespen meinen dadurch, dass es zu regnen beginnt und machen sich auf, sich in ihr Nest zurückzuziehen.

Weitere Möglichkeiten, deren Wirksamkeit jedoch nicht zu 100% bewiesen ist:

  • Zitrone mit Nägeli spicken
  • Ätherische Öle und Duftkerzen aufstellen
  • Fünferli auf den Tisch legen
  • Kaffeepulver anzünden

Angenehmere Nachbarn sind die Hornissen: Sie interessieren sich nicht für unseren Esstisch. Auf ihrem Speiseplan stehen andere Insekten, unter anderem die für uns lästige Gemeine und Deutsche Wespe. Bei genügendem Sicherheitsabstand zu ihrem Nest steht einer bereichernden Nachbarschaft deshalb nichts im Weg.

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Nicht nur bei uns Menschen beliebt: Süssigkeiten.

Was tun bei einem Wespen- oder Hornissennest?

Ein Zusammenleben mit Wespen und Hornissen ist also gut möglich. Hat man es jedoch im Frühling verpasst, den Nestbau zu verhindern, gibt es verschiedene Optionen für die weiteren Schritte:

Zuerst gilt es genau hinzuschauen: Wo liegt das Nest und tangiert es mich überhaupt? Stört das Nest nicht und können Sie es grossräumig umgehen, empfehlen wir, es in Ruhe zu lassen. Sie haben die Möglichkeit, das Nest im Winter zu entfernen, wenn die Wespen gestorben sind und das Nest leer ist.

Manchmal bauen Wespen ihre Nester in einer Hausfassade oder unter einem Dach. Die für uns lästigen Wespen jedoch, die Deutsche und Gemeine Wespe, bevorzugen es, ihr Nest unterirdisch anzulegen. Beispielsweise in Mäusegängen. Dort werden sie oft erst spät oder gar nicht entdeckt. Um zu verhindern, dass dies im Jahr darauf wieder geschieht, können Sie beobachten, wo die Wespen hinein- und herausfliegen und die Öffnung im kommenden Winter verschliessen.

Liegt ein Nest an einem unpassenden Ort oder besteht eine Allergie, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Frühzeitig umsiedeln oder zerstören. Für beide Aktionen brauchen Sie eine Fachperson.

Hier finden Sie Kontaktpersonen in Ihrer Region

Informationen zur Asiatischen Hornisse

Die Asiatische Hornisse kommt, wie es der Namen schon vermuten lässt, aus Asien. Der Hauptunterschied zur einheimischen Hornisse liegt in der Farbe. Während die Kopfvorderseite der einheimischen Hornisse gelb ist, ist diejenige der Asiatischen Hornisse orange. Ausserdem dominiert bei ihr die schwarze Grundfärbung, bei der einheimischen die gelbe. Zudem ist sie etwas kleiner als die einheimische Hornisse.

Auch im Bau der Nester unterscheiden sich die beiden Arten. Die einheimische Hornisse baut ihr Nest am liebsten in einem Innenraum wie einer Baumhöhle oder auf einem Dachstock. Frei hängende Nester in Bäumen mit seitlicher Ein- und Ausflugsöffnung stammen hingegen von der Asiatischen Hornisse.
 
Für den Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht gefährlicher als die einheimische. Sie ernährt sich von verschiedenen Insekten. Sie ist dabei nicht wählerisch und frisst, was gerade zur Verfügung steht. Unter anderem macht sie auch Jagd auf Honigbienen.
 
Die Hauptgefahr besteht darin, dass sie zu einem invasiven Neozoon wird, die einheimische Hornisse verdrängt und lokal Schäden anrichtet. Bislang besteht kein Grund zur Beunruhigung. Trotzdem sollten mögliche Sichtungen einer Asiatischen Hornisse oder Ihres Nestes mit einem Foto der Schweizer Meldestelle zur Identifikation gemeldet werden: www.asiatischehornisse.ch

Un nid de guèpe germanique hornissenschutz.ch - Andi Roost
Dieses Nest der Deutschen Wespe wurde erst spät entdeckt.
Lebensraum Wiese
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