Progetti

Uno dei quattro pilastri di Pro Natura è la protezione attiva dei biotopi e delle specie.
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7
Mag
2026
Ökomarkt St. Gallen

Stand – Kommen Sie vorbei!

Ökomarkt St. Gallen

Luogo
St. Gallen
Costo
Gratuito
Giorno
Giovedì
Data
07.05.2026
Data e ora
09:00 - 19:00
Der St. Galler Ökomarkt – natürlich, vielfältig und regional

Der Ökomarkt ist ein jährliches Ereignis in der St.Galler Innenstadt. Die breite Palette von regionalen Ausstellenden bietet einen vielfältigen Einblick in das ökologische Waren- und Dienstleistungsangebot. Die Besucherinnen und Besucher profitieren von Informationen, können sich beraten lassen oder regionale und nachhaltige Produkte kaufen. Der Markt wurde 1996 vom städtischen Amt für Umwelt und Energie ins Leben gerufen und hat sich zu einem beliebten Anlass mit über 80 Ständen entwickelt. Seit 1999 ist die Interessengemeinschaft Ökomarkt für die Durchführung zuständig. Auch Pro Natura St. Gallen-Appenzell wird am Ökomarkt 2026 mit einem Stand vertreten sein.

Dettagli dell'evento

Data

Giovedì, 7.05.2026
Data e ora
09:00 - 19:00

Luogo

St. Gallen

Dettagli

Stagione

Preparazione

Indirizzo
Vadiandenkmal (Marktgasse)

Costo

Marktpreise

Mitglieder der Agenda 2030 treffen sich vor dem Bundeshaus in Bern
25.09.2024 Nachhaltigkeit

Mit vereinten Kräften Richtung nachhaltige Schweiz

Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Jugend, Sport, Kultur und Zivilgesellschaft rufen auf dem Bundesplatz dazu auf, gemeinsam die Umsetzung der Agenda 2030 zu beschleunigen. Die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) wurde heute vor neun Jahren von der UNO verabschiedet. Auch die Schweiz hat sie angenommen. Doch bei der Umsetzung sind wir nicht auf Kurs.

Aufbauend auf dem bereits Erreichten versprechen die engagierten Persönlichkeiten, ihre Entscheidungen und ihr Handeln auch in Zukunft auf Nachhaltigkeit auszurichten. Sie stehen stellvertretend für die vielen tausend Menschen, die sich in Unternehmen, wissenschaftlichen und akademischen Einrichtungen und in der Zivilgesellschaft bereits heute für die Kreislaufwirtschaft, den Schutz der Biodiversität und den Abbau von Ungleichheiten im Besonderen einsetzen.

Am SDG Flag Day erinnern eine Jodel-Interpretation und ein Fahnenschwinger mit einer exklusiven SDG-Fahne in der Nähe des Bundeshauses daran, dass die Agenda 2030 in unserer Verfassung und in unseren lebendigen Traditionen verankert ist.

Der am 25. September veröffentlichte Aufruf verweist auf Erfolge und Rückschläge: «In einigen Bereichen hat die Schweiz in den letzten Jahren Fortschritte erzielt, z.B. bei der Erhöhung des Anteils der biologischen Landwirtschaft oder beim Ausbau der erneuerbaren Energien. In anderen Bereichen stagniert die Entwicklung jedoch oder geht in die falsche Richtung: Die Armut wie die Ungleichheiten in der Schweiz nehmen zu, der Ausbau einer barrierefreien Mobilität verzögert sich, und die Artenvielfalt geht zurück. Die Schweiz ist Teil der Welt: Durch unsere Produktions- und Konsummuster exportieren wir einen Teil der Belastung für Umwelt, Klima und Menschenrechte: rund 2/3 unseres Fussabdrucks fallen im Ausland an.»

Olmar Albers, Geschäftsleiter von öbu, dem Verband für nachhaltiges Wirtschaften, stellt fest: «Unternehmen haben entscheidende Hebel in der Hand, um die nachhaltige Entwicklung aktiv zu gestalten. Diese Verantwortung wahrzunehmen, entscheidet über die Sicherung der planetaren und der eigenen Zukunftsfähigkeit.» Dr. Adina Rom, Geschäftsleiterin ETH for Development und Ökonomin ETH verspricht: «Ich möchte Brücken bauen zwischen Forschung und Praxis, zwischen Ländern, Organisationen und Menschen, damit die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritte möglichst vielen Menschen zu Gute kommen.» Eva Schmassmann, Geschäftsführerin der Plattform Agenda 2030 ergänzt: «Nachhaltige Entwicklung kann einzelne Akteure überfordern. Deshalb vernetzt die Plattform und fördert den Austausch, denn: Gemeinsam sind wir stärker». 

Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin von Pro Natura: «Seit vielen Jahren engagiere ich mich gegen Armut, für mehr Gesundheit und die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Seit 2018 bin ich Präsidentin von Pro Natura, einer Organisation, die den Schweizer Nationalpark gegründet hat, Steinbock und Luchs zur Rückkehr verhalf und schweizweit 800 Schutzgebiete zur Erhaltung bedrohter Arten und Lebensräume für Mensch und Natur betreut. Voller Überzeugung bin ich Mitglied im Initiativkomitee der Biodiversitätsinitiative. 
Mehr Biodiversität ist wichtig für uns alle: um unsere Ernährung zu sichern, um uns vor dem Klimawandel zu schützen und nicht zuletzt für mehr Lebensfreude. Ohne Biodiversität gibt es kein Leben! Deswegen werde ich mich mit Pro Natura auch weiterhin dafür engagieren, dass es der Natur in der Schweiz gut geht. Für mehr Fläche, mehr Qualität und mehr Geld für den Naturschutz.»

Weitere Informationen: 

  • Fotos der Veranstaltung werden am selben Tag ab 17 Uhr auf unserer Webseite zur Verfügung gestellt.  

Kontakt:

  • Eva Schmassmann, Geschäftsführerin Plattform Agenda 2030, Tel. 079 105 83 97

Der heutige Aufruf «Gemeinsam für die SDGs» markiert die Lancierung unserer Kampagne, die bis Anfang 2025 weitergeführt wird. Über die Kampagnenwebseite www.gemeinsam-fuer-die-sdgs.ch und über Social Media stellen wir die SDGs sowie inspirierende Persönlichkeiten und ihr Engagement für eine nachhaltigere Schweiz vor. 

Weiher im Meggerwald

Es plätschert und blub­bert im Meggerwald

Hochstammobstbäume und bunte Blumenwiese. Foto: Roger Hodel

Unter­stützung für Hochstammobstbäume

Logo Kampagne Natura Pura
20.02.2024 Nachhaltigkeit

Lancierung der Kampagne Natura Pura: für einen Dialog zwischen Naturschutz und Tourismus

Unsere Berge sind ein Kapital, das es zu schützen gilt. Nicht nur aus wirtschaftlichen oder Gründen des Naturschutzes, sondern auch weil sie ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Identität sind. Um den Dialog rund um die Gestaltung nachhaltiger Tourismusangebote in den Alpen zu fördern, lancieren heute fünf Naturschutzorganisationen die Kampagne Natura Pura.

Ausgangslage der Kampagne Natura Pura ist die Feststellung, dass die Berge in den letzten Jahren vermehrt für kommerzielle, nicht nachhaltige oder gar schädliche Unterfangen genutzt wurden.

Ziel der Kampagne ist es daher den Wissensaustausch zwischen der Tourismusbranche und den Naturschutzorganisationen zu fördern. Dadurch sollen Anbieter:innen touristischer Angebote mit konstruktiven und konkreten Grundlagen unterstützt werden, wie  beispielsweise einer Reihe von Best-Practices-Beispielen. Denn: Nur ein vertieftes Verständnis des Ökosystems Berg ermöglicht es, nachhaltige und qualitativ hochstehende touristische Angebote zu entwickeln und gleichzeitig Auseinandersetzungen im Bereich Naturschutz und Umweltrecht vorzubeugen.

In diesem Sinne möchte die Kampagne Natura Pura einen möglichst breiten und konstruktiven Dialog ermöglichen: Die Website www.natura-pura.org und die darin angebotenen Kommunikationsmittel sind bewusst nostalgisch gestaltet, um  alle Zielgruppen daran zu erinnern, dass es in erster Linie um das langfristige Wohl unserer Bergwelt geht. Der Tourismusbranche wird ein Grundlagenpapier sowie die Teilnahme an einem Webinar angeboten.

Hinter der Kampagne Natura Pura stehen die Umweltorganisationen Pro Natura, Mountain Wilderness Schweiz, Dark Sky Switzerland, Naturfreunde Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Kontakt:

Juerg Haener, stv. Geschäftsleiter Mountain Wilderness Schweiz, Tel. 031 372 30 00
 

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Baum
05.01.2026 Nachhaltigkeit

Welcher Weg führt in eine lebenswerte Zukunft?

«Eine Welt, in der die Menschen im Einklang mit der Natur leben.» Aus dieser Vision heraus hat Pro Natura Suffizienz zu einem der vier Schwerpunkte ihrer neuen Strategie bis 2028 gemacht.

Erfunden hat den Begriff «Utopie» – die Vorstellung einer idealen Gesellschaft – Thomas Morus, Autor des 1516 erschienenen Buchs «Utopia». Seither kommt diesem Wort eine doppelte Bedeutung zu: Es bezeichnet sowohl eine unerreichbare Fiktion als auch ein ­anzustrebendes Ideal. Die erste Bedeutung passt grundsätzlich nicht zu einer Organisation wie Pro Natura, die einen pragma­tischen Ansatz verfolgt und im Schweizer Kontext gut verankert ist. Die «Vision» hingegen gehört ins Strategiepapier jeder modernen Nichtregierungsorganisation. Die Vision von Pro Natura ist die ­«einer Welt, in der die Menschen im Einklang mit der Natur leben». Das internationale Netzwerk Friends of the Earth, dessen Schweizer Mitglied wir sind, präzisiert: «eine friedliche und nachhaltige Welt, in der Gerechtigkeit und Menschenrechte verwirklicht sind» oder auch «eine Gesellschaft, die auf sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und Geschlechtergerechtigkeit basiert und frei von jeglicher Form der Unterdrückung und Ausbeutung ist».

Seit mindestens 50 Jahren entwickeln viele Forscher, Öko­nominnen, Umweltschützer oder Philosophinnen Modelle für eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft, in der Wohlstand und Fortschritt nicht auf der Zerstörung der Natur beruhen. Sie stützen sich dabei auf eine simple Tatsache: In einer Welt mit begrenzten, endlichen Ressourcen ist kein unendliches Wachstum möglich. Sie sprechen von Degrowth, Postwachstum oder Suffizienz.

Genügsamkeit als Ziel

Pro Natura hat entschieden, mit dem letztgenannten Begriff zu ­arbeiten. Suffizienz (Genügsamkeit) meint ein Konsumniveau, das zwischen den Extremen Überkonsum und materieller Armut liegt. Ziel ist, mit den Ressourcen so umzugehen, dass sich die Menschen entfalten können, ohne die Biosphäre aus dem Gleich­gewicht zu bringen. Heute trägt das Wirtschaftssystem aber in ­unvertretbarem Ausmass zur Zerstörung der Ökosysteme und zur Verschlechterung des Klimas bei – auf Kosten der Ärmsten und der Zukunft unserer Kinder. Wenn wir eine Entwicklung innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten sicherstellen wollen, braucht es tiefgreifende Veränderungen. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und des schnellen Rückgangs der Biodiversität brauchen wir dringend einen Wandel in der Gesellschaft und ein neues Paradigma. Deshalb hat Pro Natura die Suffizienz zu einem der vier Schwerpunkte ihrer neuen Strategie (2025–28) gemacht. In vielen Ländern fordern Organisationen, Forschungsgruppen oder Aktivistinnen und Aktivisten ein solches Umdenken und schlagen konkrete Massnahmen zur Transformation des Systems vor. An der Universität Lausanne beispielsweise arbeitet ein anerkannter Thinktank rund um Persönlichkeiten wie Julia ­Steinberger oder Timothée Parrique. Gemeinsam gilt es, die öffentliche ­Meinung zu ändern und Einfluss auf die Entscheidungsträger und -trägerinnen zu nehmen. Die 180 000 Mitglieder von Pro Natura kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben vermutlich auch ganz unterschiedliche Vorstellungen von der idealen ­Gesellschaft. Was sie aber alle verbindet, ist die Liebe zur Natur und der Wille, die Natur zu erhalten: So können wir die kritische Masse erreichen, um etwas zu verändern.

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Fabrik
Nachhaltigkeit: Wie beeinflusst unser Konsum die Natur?

Überproduktion und Überkonsum zerstören die Natur: In einer Welt mit begrenzten natürlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum unmöglich.

Das Leben wählen

Doch der Weg ist anspruchsvoll und manchmal auch mit Hindernissen gepflastert: Von kurzfristig denkenden Wirtschaftskreisen kommt grosser Widerstand, und die Vorstellung, dass Wohlstand gleichbedeutend mit «immer mehr» ist, hält sich hartnäckig. ­Tatsächlich sind schon mehrere visionäre Projekte an der Urne ­gescheitert, wie letztes Jahr die «Umweltverantwortungsinitiative». Die rasche Zunahme der ökologischen Probleme lässt uns aber ­keine Wahl: Wir müssen uns jetzt für das Leben und gegen die Zerstörung entscheiden, für die Vernunft und gegen die Technikgläubigkeit mit ihren verlockenden Verheissungen wie der Idee, eine umfassende Elektrifizierung sei die Lösung aller Probleme.

Pro Natura hat sich entschlossen, Initiativen zu begleiten und zu fördern, die zum Aufbau der nachhaltigen und solidarischen Schweiz von morgen beitragen. Im Rahmen dieser politischen ­Arbeit sind wir auf starke und innovative Gesetze angewiesen, zum Beispiel wenn es darum geht, die Nutzung des Bodens oder die Produktion gesunder Lebensmittel und sauberer Energien zu regeln oder die Wälder in der Schweiz und in den Ländern des ­Südens zu schützen. Auf lokaler Ebene stehen unsere Sektionen als Ansprechpartner bereit und unterstützen die Bemühungen von Gruppen, die sich gegen die Verschwendung, für die lokale ­Lebensmittelproduktion, für die Entwicklung umweltfreundlicher Wohnformen oder einfach für Austausch und Begegnung enga­gieren. Auf diese Weise wird die Vision von Pro Natura in der ­konkreten Arbeit vor Ort Wirklichkeit.

BERTRAND SANSONNENS, Koordinator Internationale Kooperation bei Pro Natura und Mitglied des Exekutivkomitees von Friends of the Earth International

Autokolone in der Dornacherstrasse in Basel
07.01.2026 Nachhaltigkeit

«Die autofreie Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe»

Der Sozialpsychologe Harald Welzer, wichtiger Vordenker unserer Zeit, spricht im Interview mit Pro Natura über die aufgewärmten «Walt­ Disney­ Visionen» von Elon Musk, die reaktiven Bilder der Umweltszene und die Kraft konkreter Utopien.

Pro Natura Magazin: Die Zukunft leuchtete einst in den hellsten Farben. Nun dominieren dystopische Visionen von Kriegen, Stürmen, Trockenheit und zerstörter Natur. Warum sehen heute viele Menschen schwarz?

Harald Welzer: Die negative Kommunikation der Umweltszene trägt ganz wesentlich zu dieser Schwarzmalerei bei. Wenn man den Menschen ständig Diagramme vorsetzt, die einen baldigen Zusammenbruch der Ökosysteme zeigen oder Bilder von hungernden Eisbären und brennenden Tropenwäldern, fällt es verständlicherweise schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen.

Die Diagramme und Bilder sollen doch verdeutlichen, dass es «5 vor 12» ist und wir dringend radikale Veränderungen brauchen. Sie sollen «kicken» …

Das Gegenteil tritt ein: Es macht sich Resignation breit. Seit Jahrzehnten arbeiten Umweltagenturen und NGOs mit diesen Mitteln und scheitern damit. Warum? Weil es ihnen nicht gelingt, Klima- und Naturschutz als gemeinschaftliches Projekt der Verbesserung unserer Lebensverhältnisse zu kommunizieren. Ein Beispiel wäre die Vision einer autofreien Stadt. Eine solche Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe. Autos machen Lärm, verpesten die Luft, bedrohen Leben und verbrauchen enorm viel Platz, ober­ und unterirdisch, was zugleich die Mieten in die Höhe treibt. Dass die autofreie Stadt weniger Ressourcen verbraucht und weniger CO2­Emissionen verursacht, ist dann ein schöner Nebeneffekt.

Wir müssen also nicht «die Welt retten»?

Nein, ein solcher Ansatz überfordert die Menschen, vor allem aber hat er keinerlei Bezug zu ihren Lebenswelten, ihrem Alltag. Das ist das grosse Defizit der Klima­ und Nachhaltigkeitsszene: Sie vermag keine positiven Visionen zu kreieren, nur reaktive Bilder: Wir müssen uns verändern, sonst kollabiert alles. Aber wie? Es werden keine Wege aufgezeigt, wie eine zukünftige Gesellschaft aussehen könnte.

Es gibt doch aber diese Vorstellung einer auf «Suffizienz» ausgerichteten Gesellschaft.

Ein extrem hässliches Wort … Suffizienz – niemand versteht, was damit gemeint ist. Mit diesem Plastikbegriff lässt sich ganz bestimmt kein Feuer entfachen. Wir brauchen Bilder und Geschichten, die illustrieren, wie man besser leben kann. Attraktive Gegen­Erzählungen zu den dominierenden Konsum­Storys, die uns Amazon, Temu, EasyJet, MSC Cruises und Co. permanent auftischen.

Braucht es den grossen Zukunftsentwurf?

Da bin ich vorsichtig. Wir sollten nicht wieder den Fehler machen, uns aus der Gegenwart voraus zu entfernen. Die Utopie als Vorausentwurf ist eine erzkapitalistische und auch erzkommunistische Figur. Sie besagt: Die Gegenwart ist nichts wert – das Wirkliche, Schöne und Gute kommen erst noch. Dazu bedarf es einfach einer weiteren Steigerung an Energie, Ressourcen, Kapital, technischer Innovation.

Tech-Milliardär Elon Musk träumt von der Marsbesiedlung, superschnellen Röhrentransporten und Robotern, die uns die lästige Arbeit abnehmen.

Das sind alles aufgewärmte Ideen! Die Marsbesiedlung, fliegende Taxis oder der Hyperloop, all das findet sich exakt so bei Walt Disney – in den 1950er­ – Jahren! Und Disneys Ideen reichen noch weiter zurück. Die zukunftsfixierten Tech-­Utopien haben sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung und dem Kapitalismus entwickelt. Davor war die Utopie eine Raumerzählung. Im Roman «Utopia» beschreibt Thomas Morus [Anm. der Redaktion: ein englischer Staatsmann und Autor] 1516 eine Insel, auf der sich das ideale Leben einer idealen Gesellschaft abspielt. Der Roman liest sich als satirische Kritik auf die damalige feudale Gesellschaft in England. Er setzt also bei den vorherrschenden Verhältnissen an. In der Gegenwart. Auch wir sollten im Heute anknüpfen und, wie ich sie nenne, «Gegenwartsutopien» entwickeln.

Was verstehen Sie darunter?

Wir sollten zuerst einmal schauen, was schon gut ist. Das kann uns als Ressource und Motivation dienen, um zu verändern, was wir nicht haben wollen, was uns und der Natur schadet. Wir müssen nicht alles radikal umpflügen. Was die Kategorien des Kulturellen und Sozialen angeht, sind wir heute sehr gut aufgestellt. Es gab noch nie eine so freie und sichere Gesellschaft. Diese zivilisatorischen Errungenschaften gilt es zu bewahren und zu verteidigen. Vieles davon – Frauenstimmrecht, freie Presse, Altersvorsorge – galt im Übrigen einst als «utopisch», im Sinne von unerreichbar. Wir haben heute «nur» das Problem, dass unsere Wirtschaft zerstörerisch ist. Wir haben ein falsches Naturverhältnis. Das müssen wir ändern. Die nötigen Handlungsmöglichkeiten sind da. Wir haben das Geld, die Wissenschaft, die Demokratie.

Aber eben: keine grossen Visionen …

Vielleicht brauchen wir die auch nicht. Ich habe eine Vorstellung von einem Mosaik aus «Heterotopien». Damit meine ich konkrete Utopien, die im Kleinräumigen ansetzen, wie zum Beispiel die autofreie Stadt oder Schwammstädte. Solche Veränderungen an einzelnen Stellen können Wegmarken sein für einen Pfadwechsel. Dann muss man schauen: Wie wirken diese Elemente zusammen, wie verstärken sie sich, wie unterstützen sie eine Wirtschaft, die uns Menschen dient und der Natur nicht schadet.

In Ihrem Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen» schreiben Sie: «Die fetten Jahre sind vorbei». Da hören viele Verzicht heraus – und das will doch niemand.

Seltsamerweise haben wir, was Selbstoptimierung, Fitness und dergleichen angeht, ein ganz anderes Ideal, als fett zu sein. Nur, was Wirtschaft und Konsum betrifft, wollen wir von allem immer mehr. Ich sehe die Entwicklung einer anderen Form des Wirtschaftens und der Lebensführung nicht als Verzichtsübung. Mich interessiert: Wenn wir anders bauen oder die Mobilität anders organisieren, was kommt dabei heraus – Verlust oder Gewinn?

NICOLAS GATTLEN, Redaktor Pro Natura Magazin

Zur Person

Der Sozialpsychologe Harald Welzer ist Direktor von «Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit». Er lehrte Transformationsdesign an der Europa­-Universität Flensburg und der Universität St. Gallen. 2019 veröffentlichte Harald Welzer im S. Fischer Verlag das Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen». In realistischen Szenarien skizziert er darin konkrete Zukunftsbilder u. a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Leben in der Stadt, Wirtschaften und setzt der vielbeschworenen «Alternativlosigkeit» Mut und Fantasie entgegen. Sein jüngstes Buch «Das Haus der Gefühle» (2025) geht der Frage nach, warum Zukunft Herkunft braucht.

Portrait von Harald Welzer Debora Mittelstaedt /S. Fischer Verlag
Harald Welzer
Plantage
07.01.2025 Internationales

«Plantagen sind keine Wälder!»

Pro Natura trägt durch ihr Engagement im Netzwerk Friends of the Earth auch zum Erhalt der Biodiversität ausserhalb der Schweiz bei zum Beispiel, indem sie lokale Gemeinschaften in ihrem Widerstand gegen die Praktiken der Agroindustrie unterstützt.

In Ghana, wie in vielen anderen Regionen des Weltsüdens, kämpft die lokale Bevölkerung dagegen, dass Grossfirmen ihre Wälder zerstören und ihr Land in Besitz nehmen, um darauf riesige Palmölplantagen anzulegen – mit katastrophalen sozialen und ökologischen Folgen.

Eine Frau trägt ein T-Shirt mit dem Slogan «Plantations are not forests!»
«Plantations are not forests!»

Mit diesem eindringlichen Slogan auf T-Shirts wehrt sich Friends of the Earth Ghana gegen die Monokulturplantagen, unter denen viele Menschen in dem westafrikanischen Land leiden.

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Info

Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.

Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.

Als Mitglied des Netzwerks Friends of the Earth International beteiligt sich Pro Natura seit 2016 mit der Schweizer Entwicklungsorganisation «HEKS/Brot für alle» an Projekten, die den Widerstand gegen das industrielle Landwirtschaftsmodell stärken. Nicht nur in Ghana, sondern auch in anderen westafrikanischen Ländern, in Honduras und Malaysia. «Einer unserer Arbeitsschwerpunkte liegt auf einer sehr lokalen Ebene und besteht darin, den direkt betroffenen Gemeinschaften zu helfen, ihre Rechte zu verteidigen und ökologische Landwirtschaftsmethoden umzusetzen», sagt Bertrand Sansonnens, Projektleiter Politik und Internationales bei Pro Natura.

Übergangene Bevölkerung

2022 reiste Sansonnens im Rahmen eines Projekts der afrikanischen Koordination von Friends of the Earth nach Ghana und konnte dort die Bewohnerinnen und Bewohner des kleinen Dorfes Abo-Abo treffen. Das Leben der Gemeinschaft hat sich radikal verändert, seit die Ghana Oil Palm Development Company (GOPDC), die zu 90 Prozent dem belgischen Multi SIAT gehört, die Okumaning-Plantage errichtet hat. «SIAT gehört zu den fünf Grossunternehmen, die 75 Prozent der Ölpalmplantagen in Afrika kontrollieren», sagt Sansonnens.

Eine Einschätzung, die von Zeugenaussagen untermauert wird, die Sansonnens in Abo-Abo gesammelt hat: Aufgrund von Versprechungen, die ihnen gemacht worden waren, haben viele Bauernfamilien ihr Land der GOPDC zur Nutzung überlassen. Doch danach haben nur wenige die vertraglich vereinbarten Entschädigungen zur Kompensation ihrer Ernteausfälle erhalten. «Der Fall konnte mithilfe von Friends of the Earth Ghana vor Gericht gebracht werden, aber nach Jahren des Wartens ist noch immer kein Urteil gefallen.» In der Umgebung wurden drei Dörfer zerstört, die Menschen vertrieben und die Schulen geschlossen. «Die Zahl der Erwerbslosen ist hoch und unter den Jungen greift der Drogen- und Alkoholkonsum um sich. Viele trauern den Zeiten nach, als der Anbau von Maniok, Kochbananen, Yamswurzeln, Kakao und sogar von lokal genutzten Ölpalmen genug Einkommen einbrachte, um ein würdiges Leben zu führen.»

Drei Kinder auf einem Laster Bertrand Sansonnens
In Ghana wurde die Ölpalme schon lange vor der Kolonialisierung von den Einheimischen angebaut.

Förderung des Widerstands

Einem Unterstützungsprojekt dieser Art stellen sich viele Hindernisse in den Weg. «Auch die Covid-Pandemie war nicht hilfreich, weil sie die Arbeit vor Ort einschränkte», sagt Bertrand Sansonnens. «Dafür hat sich die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Organisationen verstärkt. Vor meinem Besuch auf den Plantagen konnte ich an einem Community Forum zum Widerstand gegen Monokulturen teilnehmen. Es wurde vom afrikanischen Netzwerk organisiert, um Erfahrungen auszutauschen und die Mobilisierung auszuweiten.» Dank diesem Hintergrund und der Arbeit anderer betroffener Länder konnte Friends of the Earth die Auswirkungen des Agrobusiness auch auf internationaler Ebene thematisieren, insbesondere auf der UNO-Biodiversitätskonferenz im Jahr 2022 im kanadischen Montreal (COP15).

Eine Gruppe Frauen mit Plakaten Bertrand Sansonnens

Doch der Kampf ist noch lange nicht gewonnen. «Zurzeit bereiten wir eine neue Programmphase vor, bei der es darum geht, regionale Erfahrungen zu systematisieren. Wir erhoffen uns dadurch eine Stärkung des globalen Kampfes gegen die zahlreichen Faktoren, die die Wälder und das Land der lokalen Bevölkerungen zunehmend bedrohen», sagt Sansonnens. Das Projekt fügt sich sehr gut in die Gesamtstrategie von Friends of the Earth ein, die auf die Umwandlung der herrschenden Systeme in ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Gesellschaften zielt. «Die Verantwortung der reichen Länder im Norden ist enorm: Wir müssen uns neu ausrichten, hin zu mehr Suffizienz, aber auch zu mehr Kontrolle über die Machenschaften der multinationalen Unternehmen, die den übermässigen Konsum fördern und von ihm profitieren.»

Von TANIA ARAMAN, Redaktorin Pro Natur Magazin

Wasserfrosch

QUAK — Klänge am Wasser

Lebensraum Wiese
laufende Projekte

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