Progetti
Rangerdienst Glaubenberg
Einfach ein Wald
Der Burstel ist ein Wald. Aussergewöhnlich scheint hier nichts: Viele Nadelbäume, ein paar Laubbäume, mehrere Quellen – und an diesem nasskalten Tag Mitte Januar viel Matsch unter einer dicken braunen Schicht Herbstlaub. Wie ein Wald im Thurgau halt so ist. Doch hier und da ist schon zu erkennen, was Markus Bürgisser sich erhofft. Der Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau weist auf ein steiles Stück ziemlich weit oben im Wald. Hier liegen Baumstämme kreuz und quer, wo sie eben gerade hingefallen sind, von Moos begrünt und langsam verrottend. «So wild soll der ganze Wald werden.»
Wie Wildnis entsteht
Aus einem Nutzwald einen Urwald zu machen, dass hatte der Biologe nicht von langer Hand geplant. Der Idee liegt ein Zufall zugrunde. «Im Amtsanzeiger las ich 2019 eine kurze Annonce, dass ein Wald zu verkaufen sei, fast 20 Hektaren», erzählt Bürgisser und er wusste einfach: Diesen Wald sollte Pro Natura kaufen. Und es klappte.
Was aber macht man mit fast 20 Hektaren Wald? «Für mich war klar, dass das Projekt etwas mit Wildnis zu tun haben muss, wobei ich den Nationalpark im Hinterkopf hatte und das Prinzip des Prozessschutzes», sagt Markus Bürgisser. Die Begeisterung ist ihm anzuhören, während er einen rutschigen Hang hinunterhangelt, um eines der Highlights des Waldes zu zeigen: eine ungefasste Quelle. «So muss das aussehen», sagt er und scheint selber ein bisschen überrascht von der Schönheit des schlichten Ortes.
Prozessschutz bedeutet vereinfacht gesagt, die Natur einfach Natur sein zu lassen. Sprich: Ein Baum wird nicht gefällt, er altert und stirbt irgendwann ab. Dabei entsteht Totholz, Pilze, Insekten oder Vögel finden neuen Lebensraum. Oder der Wind entwurzelt einen alten Baum, im Sturz reisst er andere Bäume mit und schafft so eine Lücke im Kronendach. Nun erreicht Sonnenlicht den Waldboden, neue Pflanzen wachsen und im besonnten Totholz siedeln sich Käfer und Pilze an. Und so weiter. Natürliche Prozesse eben.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Geduld bringt Wildnis
Ein paar Eingriffe gibt es aber noch, bevor der Wald einfach Wald sein darf. «Es existieren mehrere Wege durch den Burstel und einige wollen wir zuwachsen lassen.» Dafür wurden Informationstafeln aufgestellt, um Reiterinnen, Fussgänger und Velofahrer davon abzuhalten, die Wege weiter zu benutzen und ihnen zu erklären, dass dies geschieht, damit diese wieder der natürlichen Entwicklung des Waldes überlassen werden können. Auch sollen gezielt bestimmte Baumarten gefördert werden, indem etwa standortsfremde Fichten oder Douglasien gefällt werden, um den natürlich vorkommenden Bäumen Platz zu lassen.
Was genau im Burstel alles getan oder gelassen werden soll, hat übrigens nicht Pro Natura allein entschieden. In einer Umfrage konnten Interessierte mitreden. Denn ein so grosses Stück Wald einfach sich selbst zu überlassen und nichts zu machen, sind wir uns Menschen nicht gewohnt. Ein spannendes Experiment, dessen Ausgang noch Jahre in der Zukunft liegt.
Mittlerweile steht das Konzept für den Burstel, jetzt braucht es vor allem eines: Geduld. «Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass hier für einmal Nichtstun angesagt ist», sagt Markus Bürgisser und inspiziert einen grossen Ast, der auf einen Weg gefallen ist – und der dort auch liegen bleiben darf.
Bettina Epper, Redaktionsleiterin, Pro Natura Magazin
Unser buntes Puzzle für mehr Biodiversität
Es ist der 15. Februar 2021. In einem Notariat in Porrentruy unterzeichnen Jacques Villars und Marc Tourette im Namen von Pro Natura und Pro Natura Jura den Kaufvertrag für einen 33,6 Hektar grossen Wald am Doubs. Dank des Kaufs wird sich in einem grossen Teil dieses Waldes die Natur frei entfalten können.
Dass Pro Natura mit dem Abschluss von Verträgen die Natur fördert, ist nichts Aussergewöhnliches. Fast jede Woche werden für Pro Natura und die Pro Natura Sektionen Verträge über Schenkungen, Landkäufe oder langfristige Schutzverträge abgeschlossen. Ein Kaufvertrag über mehr als 30 Hektar kommt allerdings selten vor und macht deshalb ganz besonders Freude. Zusammen mit anderen vertraglich gesicherten Flächen ist so am Doubs Stück für Stück das Pro Natura Naturschutzgebiet Clairbief entstanden. Es umfasst mittlerweile rund 100 Hektar und erstreckt sich über 3,5 Kilometer dem Doubs entlang.
Ulteriori informazioni
Info
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Zufälle und Strategien
Manche dieser Naturperlen fallen Pro Natura in den Schoss. So erbte Pro Natura Waadt 2014 Wald und Weide von La Cruchaude im Waadtländer Jura. Bei anderen Flächen geht es von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Abschluss eines Vertrages mitunter Jahre. Andere Verträge kommen gar nie zustande. Sei es, weil der Eigentümer Forderungen stellt, die Pro Natura nicht erfüllen will, oder Verträge an einer restriktiven Auslegung des bäuerlichen Bodenrechtes scheitern. Zum Teil kann es auch Jahre dauern, bis ein Projekt umgesetzt werden kann. Bei Fischbach--Göslikon (AG) zum Beispiel hat Pro Natura 2012 Flächen gekauft. Doch auf die Bewilligung zur Wiederherstellung der ehemaligen Reussaue warten wir immer noch.
Als Kaufkriterien stehen die vorhandenen Naturwerte offensichtlich im Vordergrund, es können aber auch andere, oft strategische Faktoren eine Rolle spielen. Als sich etwa die Gelegenheit offenbarte, das Gelände für unser grossartiges Pro Natura Zentrum Champ-Pittet am Neuenburgersee zu erwerben, war es auch ein Kaufkriterium, als Grundbesitzerin auf den damals geplanten Bau der Autobahn A1 durch die Grande Cariçaie Einfluss nehmen zu können. Oder Pro Natura Aargau hatte die Gelegenheit erkannt, als im Raum Zurzach Landwirtschaftsflächen zum Verkauf angeboten wurden. Mit diesen Tauschflächen konnten später die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Auenlandschaft beim «Chli Rhy» in Rietheim zu revitalisieren.
Die DNA von Pro Natura
Die Sicherung von Flächen zugunsten der Natur ist der Ursprung und sozusagen die DNA von Pro Natura. Weil in der Schweiz jeder Quadratmeter einen Eigentümer oder eine Eigentümerin hat und diese die Nutzung bestimmen, nutzt Pro Natura seit ihrer Gründung den Erwerb und die vertragliche Sicherung von Grundstücken zur Förderung der Natur. 1909 wurde der Verein als Schweizerischer Bund für Naturschutz gegründet, um Geld für die Sicherung von Flächen für den Schweizerischen National-park im Unterengadin zur Verfügung zu stellen.
Bereits 1910 kaufte Pro Natura selbst eine erste Naturschutzfläche, das 4,4 Hektar grosse Waldgebiet «Buhaul» oberhalb von Ilanz. Es ist damit das erste Pro Natura Naturschutzgebiet. 113 Jahre später hat es immer noch Bestand. Insgesamt besitzt Pro Natura in der Schweiz 6946 Hektar Land, sie ist eine der grössten privaten Grundeigentümerinnen der Schweiz. Jedes unserer rund 170 000 Mitglieder ist damit quasi anteilsmässige Eigentümerin oder Eigentümer von rund 400 Quadratmetern Biodiversität.
0,6 Prozent der Landesfläche
Das Netz der Pro Natura Naturschutzgebiete ist aber noch viel grösser. Momentan umfasst es:
Bei der Mehrheit der Gebiete ist Pro Natura nicht Grundeigentümerin, doch konnte sie Naturflächen durch langfristige Verträge sichern. So etwa auch den faszinierenden Aletschwald; der Vertrag zum Schutz des Waldes mit der Burgergemeinde Ried-Mörel feiert dieses Jahr sein 90-jähriges Bestehen, hoffentlich dauert der Schutz dieses einmaligen Gebietes noch weitere 90 Jahre an.
Oft ist die Sicherung der Fläche durch Eigentum und Verträge nur der erste Schritt zu mehr Natur. Danach definieren unsere Sektionen ein Schutzziel und fördern die Entwicklung der Naturvielfalt mit angepassten Massnahmen. Nicht immer ist das so spektakulär wie in Eglisau (ZH). Anstelle eines früheren Tanklagers blühen dort heute Blumen, quaken Laubfrösche, und ein Bächlein plätschert durch dieses ehemalige Industriegelände dem Rhein zu. Damit bildet dieses Gebiet nun eines von fast 800 bunten Puzzlestücken – unser ganz konkreter Beitrag für mehr Biodiversität in der Schweiz.
URS TESTER leitet bei Pro Natura die Abteilung Biotope und Arten.
Potrebbe anche interessarti
Örmis: Perle im intensiv genutzten Umfeld
Relikt einer alten Kulturlandschaft
Seinen Anfang nahm das Oermis nach dem Rückzug des Gletschers vor etwa 12'000 Jahren. In einer Mulde bildete sich erst ein See, der dann nach und nach verlandete. Es entstand ein Flach-, dann ein Hochmoor. Durch den Torfabbau, welcher in Zeiten des Brennstoffmangels vermutlich ab dem 18. Jahrhundert betrieben wurde, verschwand das Hochmoor. Durch die intensive Nutzung im Zweiten Weltkrieg entstanden offene Weiher und dank der Nutzung der Streu der Flachmoore und der vielseitigen Verwendung des Holzes bildeten sich weite Riedwiesen.
Heute sind die verschiedenartigen Streuwiesen rund um die Weiher wegen der weniger intensiven Nutzung durch Baum- und Gebüschgruppen gekammert, was dem Gebiet einerseits landschaftlichen Reiz verleiht und andererseits eine Mannigfaltigkeit an Lebensräumen für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren schafft.
Raritäten und Spezialisten
Im Frühling erwacht das Leben im Örmis besonders eindrücklich. Vor allem Grasfrösche und Erdkröten wandern dann aus der Umgebung zu den flachen Gewässern des Örmis, um sich hier zu paaren und ihren Laich abzulegen.
Im Sommer geben zahlreiche Libellen ihre akrobatischen Flugshows zum Besten oder lassen sich bei der Paarung beobachten. Eine ausgesprochene Seltenheit ist das Sumpfhornkleewidderchen (Zygaena trifolii). Dieser kleine Schmetterling kommt schweizweit nur noch an wenigen Standorten vor.
Auch das Vorkommen des Bremis Wasserschlauch (Utricularia bremii) ist bemerkenswert. Die Wasserpflanze gehört zu den fleischfressenden Pflanzen. Damit sichert sie sich ihr Überleben in der nährstoffarmen Umgebung des Moores.
Der Mensch ist willkommen
Direkt angrenzend an dem Gebiet führt ein Wanderweg vorbei, auf etwa halber Strecke gibt es einen Rastplatz mit Feuerstelle. Ausserdem kann das Gebiet mittels eines Trampelpfads erkundet werden – feuchte Bereiche sind mit Holzstegen ausgestattet.
Ulteriori informazioni
Contatto
Nora Hug
Wiedingstrasse 78, 8045 Zürich
044 463 07 74
@email
Link correlati
Pro Natura ZH
Neue Wannen für Pionierarten
Stand – Kommen Sie vorbei!
Riettag im Kaltbrunner Riet
Die Natur braucht mehr Aufmerksamkeit, denn die Artenvielfalt nimmt auch in unserer Region stark ab. Lebensräume von Wildtieren werden durch Strassen- und Siedlungsbau sowie durch intensive Landwirtschaft zerstört und zunehmend zerschnitten.
Vor unserer Haustüre haben wir aber eine Naturperle, die den letzten Rückzugsort für viele seltene Tier- und Pflanzenarten darstellt: das international bedeutende Naturschutzgebiet Kaltbrunner Riet.
Am Riettag informieren verschiedene Stände über die Artenvielfalt im Riet – von Pflanzen über Kleinsäuger bis zu Amphibien. Unter dem Motto „Schau genau!“ richten wir den Blick auf all jene Aspekte, die erst beim genauen Hinsehen auffallen.
Dieser vielfältige Riettag findet am Sonntag, 10. Mai 2026 von 9 – 16 Uhr beim Infopavillon im Kaltbrunner Riet statt. Genauere Informationen zur Anreise finden Sie unter www.pronatura-sg.ch/kbr. Alle sind herzlich eingeladen und der Besuch ist kostenlos.
Ulteriori informazioni
Link correlati
Pro Natura SGDettagli dell'evento
Data
Luogo
Kaltbrunner Riet
Dettagli
Preparazione
Costo
keine
Ronfeld – Hotspot der Biodiversität
Zwei grosse Flutmulden mit schwankendem Wasserstand wurden realisiert, Fettwiesen in artenreiche Blumenwiesen umgewandelt und neue Gehölze gepflanzt. Der Wasserlauf der Alten Ron wurde an einzelnen Stellen ausgeweitet und die Ufer abgeflacht.
Im Frühling füllen sich die Flutmulden mit Regenwasser und im Laufe des Jahres trocknen sie wieder aus. Diese Wasserstandsschwankungen imitieren den früheren Wasserhaushalt seenaher Gebiete, die während der Schneeschmelze regelmässig überflutet wurden. Ein selten gewordener Lebensraum in der Schweiz.
Heute weist das Gebiet eine erfreulich hohe Anzahl Tier- und Pflanzenarten auf. Auch seltene Zugvögel haben das Gebiet als Rastplatz entdeckt.
Dank dem 2007 gebauten Hide (Beobachtungshütte) können Besucherinnen und Besucher ohne zu stören Weissstorch, Eisvogel und Graureiher bei der Nahrungssuche oder nach Insekten jagende Libellen beobachten. Bei dem Zugang ab der Nunwilerstrasse ist dank einer Sichtschutzwand ein möglichst störungsfreies Beobachten möglich.
Ulteriori informazioni
Info
Titelbild © Samuel Ehrenbold/Pro Natura Luzern
Documenti scaricabili
Schutzgebiet Baldeggersee besuchenBesucherinformationen
Die Sichtschutzwand bei den Flutmulden und der neu geschaffene Weiher sind ganzjährig frei zugänglich. Die Beobachtungshütte (Hide) ist von April bis Oktober jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag sowie an allgemeinen Feiertagen von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Im April, Mai und Juni ist der Zutritt an Samstagen sogar schon ab 7 Uhr möglich.
Bei Besuchen dieser Naturbeobachtungsorte gilt es sich langsam zu bewegen, nur leise zu sprechen und nichts aus den Beobachtungsschlitzen zu halten. Die Tiere und Naturfreunde danken es Ihnen.
Welche Vögel sind momentan im Ronfeld zu Besuch? Was wurde in den letzten Tagen vom Hide aus gesichtet?
Erholungssuchenden und Naturfreunden bietet sich an fünf markierten Beobachtungsstationen zwischen Hochdorf und Baldegg noch bessere Gelegenheiten für Naturbeobachtungen. Anfang und Ende des Erlebnispfades sind mit einer grossformatigen Übersichtskarte versehen. An allen Stationen bieten reich bebilderte Tafeln vielfältige und teilweise saisonale Informationen über Lebensräume und deren typische Tier- und Pflanzenarten.
Der Erlebnispfad ist von zwei Seiten gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dann zu Fuss erreichbar (ab Bahnhof Hochdorf, Kloster Baldegg oder Baldegg). Wer sich erfrischen möchte, geht in der Badi Baldegg oder ganz am Ende des Spaziergangs, in der Gelfinger Badi, schwimmen.
Schutzgebiet Ronfeld besuchen
Wo einst nur Löwenzahn und Rotklee blühten, finden wir heute die unterschiedlichsten Lebensräume, die zahlreichen, auch bedrohten, Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten.
Pro Natura Schutzgebiete
Ulteriori informazioni
Link correlati
Pro Natura LUDocumenti scaricabili
ErlebniskarteUlteriori informazioni
Dettagli sulla riserva naturale
Accesso
Vom Bahnhof Baldegg Kloster oder Hochdorf in etwa 15 Gehminuten erreichbar.
Servizi sul luogo
Das Ronfeld ist Teil des Naturschutzgebiets Baldeggersee.
Ab August ist jeweils auch der untere Beobachtungsraum zugänglich. Zudem ist dieser dann auch mit Rollstuhl zugänglich.
Orari di apertura
Der Sichtschutz bei den Flutmulden und der Weiher sind ganzjährig zugänglich.
Die Beobachtungshütte (Hide) ist von April bis Oktober jeweils Mittwoch, Samstag, Sonntag und an allgemeinen Feiertagen von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Naturzentrum Pfäffikersee