Progetti
«Die autofreie Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe»
Pro Natura Magazin: Die Zukunft leuchtete einst in den hellsten Farben. Nun dominieren dystopische Visionen von Kriegen, Stürmen, Trockenheit und zerstörter Natur. Warum sehen heute viele Menschen schwarz?
Harald Welzer: Die negative Kommunikation der Umweltszene trägt ganz wesentlich zu dieser Schwarzmalerei bei. Wenn man den Menschen ständig Diagramme vorsetzt, die einen baldigen Zusammenbruch der Ökosysteme zeigen oder Bilder von hungernden Eisbären und brennenden Tropenwäldern, fällt es verständlicherweise schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen.
Die Diagramme und Bilder sollen doch verdeutlichen, dass es «5 vor 12» ist und wir dringend radikale Veränderungen brauchen. Sie sollen «kicken» …
Das Gegenteil tritt ein: Es macht sich Resignation breit. Seit Jahrzehnten arbeiten Umweltagenturen und NGOs mit diesen Mitteln und scheitern damit. Warum? Weil es ihnen nicht gelingt, Klima- und Naturschutz als gemeinschaftliches Projekt der Verbesserung unserer Lebensverhältnisse zu kommunizieren. Ein Beispiel wäre die Vision einer autofreien Stadt. Eine solche Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe. Autos machen Lärm, verpesten die Luft, bedrohen Leben und verbrauchen enorm viel Platz, ober und unterirdisch, was zugleich die Mieten in die Höhe treibt. Dass die autofreie Stadt weniger Ressourcen verbraucht und weniger CO2Emissionen verursacht, ist dann ein schöner Nebeneffekt.
Wir müssen also nicht «die Welt retten»?
Nein, ein solcher Ansatz überfordert die Menschen, vor allem aber hat er keinerlei Bezug zu ihren Lebenswelten, ihrem Alltag. Das ist das grosse Defizit der Klima und Nachhaltigkeitsszene: Sie vermag keine positiven Visionen zu kreieren, nur reaktive Bilder: Wir müssen uns verändern, sonst kollabiert alles. Aber wie? Es werden keine Wege aufgezeigt, wie eine zukünftige Gesellschaft aussehen könnte.
Es gibt doch aber diese Vorstellung einer auf «Suffizienz» ausgerichteten Gesellschaft.
Ein extrem hässliches Wort … Suffizienz – niemand versteht, was damit gemeint ist. Mit diesem Plastikbegriff lässt sich ganz bestimmt kein Feuer entfachen. Wir brauchen Bilder und Geschichten, die illustrieren, wie man besser leben kann. Attraktive GegenErzählungen zu den dominierenden KonsumStorys, die uns Amazon, Temu, EasyJet, MSC Cruises und Co. permanent auftischen.
Braucht es den grossen Zukunftsentwurf?
Da bin ich vorsichtig. Wir sollten nicht wieder den Fehler machen, uns aus der Gegenwart voraus zu entfernen. Die Utopie als Vorausentwurf ist eine erzkapitalistische und auch erzkommunistische Figur. Sie besagt: Die Gegenwart ist nichts wert – das Wirkliche, Schöne und Gute kommen erst noch. Dazu bedarf es einfach einer weiteren Steigerung an Energie, Ressourcen, Kapital, technischer Innovation.
Tech-Milliardär Elon Musk träumt von der Marsbesiedlung, superschnellen Röhrentransporten und Robotern, die uns die lästige Arbeit abnehmen.
Das sind alles aufgewärmte Ideen! Die Marsbesiedlung, fliegende Taxis oder der Hyperloop, all das findet sich exakt so bei Walt Disney – in den 1950er – Jahren! Und Disneys Ideen reichen noch weiter zurück. Die zukunftsfixierten Tech-Utopien haben sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung und dem Kapitalismus entwickelt. Davor war die Utopie eine Raumerzählung. Im Roman «Utopia» beschreibt Thomas Morus [Anm. der Redaktion: ein englischer Staatsmann und Autor] 1516 eine Insel, auf der sich das ideale Leben einer idealen Gesellschaft abspielt. Der Roman liest sich als satirische Kritik auf die damalige feudale Gesellschaft in England. Er setzt also bei den vorherrschenden Verhältnissen an. In der Gegenwart. Auch wir sollten im Heute anknüpfen und, wie ich sie nenne, «Gegenwartsutopien» entwickeln.
Was verstehen Sie darunter?
Wir sollten zuerst einmal schauen, was schon gut ist. Das kann uns als Ressource und Motivation dienen, um zu verändern, was wir nicht haben wollen, was uns und der Natur schadet. Wir müssen nicht alles radikal umpflügen. Was die Kategorien des Kulturellen und Sozialen angeht, sind wir heute sehr gut aufgestellt. Es gab noch nie eine so freie und sichere Gesellschaft. Diese zivilisatorischen Errungenschaften gilt es zu bewahren und zu verteidigen. Vieles davon – Frauenstimmrecht, freie Presse, Altersvorsorge – galt im Übrigen einst als «utopisch», im Sinne von unerreichbar. Wir haben heute «nur» das Problem, dass unsere Wirtschaft zerstörerisch ist. Wir haben ein falsches Naturverhältnis. Das müssen wir ändern. Die nötigen Handlungsmöglichkeiten sind da. Wir haben das Geld, die Wissenschaft, die Demokratie.
Aber eben: keine grossen Visionen …
Vielleicht brauchen wir die auch nicht. Ich habe eine Vorstellung von einem Mosaik aus «Heterotopien». Damit meine ich konkrete Utopien, die im Kleinräumigen ansetzen, wie zum Beispiel die autofreie Stadt oder Schwammstädte. Solche Veränderungen an einzelnen Stellen können Wegmarken sein für einen Pfadwechsel. Dann muss man schauen: Wie wirken diese Elemente zusammen, wie verstärken sie sich, wie unterstützen sie eine Wirtschaft, die uns Menschen dient und der Natur nicht schadet.
In Ihrem Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen» schreiben Sie: «Die fetten Jahre sind vorbei». Da hören viele Verzicht heraus – und das will doch niemand.
Seltsamerweise haben wir, was Selbstoptimierung, Fitness und dergleichen angeht, ein ganz anderes Ideal, als fett zu sein. Nur, was Wirtschaft und Konsum betrifft, wollen wir von allem immer mehr. Ich sehe die Entwicklung einer anderen Form des Wirtschaftens und der Lebensführung nicht als Verzichtsübung. Mich interessiert: Wenn wir anders bauen oder die Mobilität anders organisieren, was kommt dabei heraus – Verlust oder Gewinn?
NICOLAS GATTLEN, Redaktor Pro Natura Magazin
Zur Person
Der Sozialpsychologe Harald Welzer ist Direktor von «Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit». Er lehrte Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg und der Universität St. Gallen. 2019 veröffentlichte Harald Welzer im S. Fischer Verlag das Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen». In realistischen Szenarien skizziert er darin konkrete Zukunftsbilder u. a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Leben in der Stadt, Wirtschaften und setzt der vielbeschworenen «Alternativlosigkeit» Mut und Fantasie entgegen. Sein jüngstes Buch «Das Haus der Gefühle» (2025) geht der Frage nach, warum Zukunft Herkunft braucht.
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Debora Mittelstaedt /S. Fischer Verlag
- Harald Welzer
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Besuchen Sie unsere Naturzentren und Naturfenster
Mit einem reichhaltigen Programm von Weiterbildungen, Ausstellungen und Veranstaltungen ermöglichen unsere Naturzentren und Naturfenster eine vertiefte Auseinandersetzung mit der eigenen Beziehung zur Natur und bieten Anregungen zum Handeln.
Pro Natura ist zudem zusammen mit anderen Organisationen an weiteren Naturzentren beteiligt, und engagiert sich aktiv im Netzwerk Schweizer Naturzentren. Entdecken Sie alle Naturzentren der Schweiz auf der interaktiven Karte: www.naturzentren.ch
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Netzwerk Schweizer NaturzentrenRegionale Naturfenster
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Swiss parks networkPro Natura Centre Aletsch
The centre in Riederalp in the canton of Valais has a lot to offer. It serves as your gateway to the UNESCO World Heritage Site Swiss Alps Jungfrau-Aletsch and is surrounded by a stunning mountain landscape. Located in the splendid Victorian «Villa Cassel», it boasts interactive exhibits, guided field trips and holidays far away from the hustle and bustle of your daily grind.
Courting black grouse, playing marmots, bellowing stags, ancient stone pines and crackling glacier ice beneath your feet – exploring the realm of the longest glacier of the Alps with the centre’s staff on one of the many guided tours will be memorable experience. How about spending your weekend or your holidays here? We offer you an exciting and varied programme throughout summer.
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- The unique Aletsch Forest, Switzerland‘s oldest larch-arven forest, has been a Pro Natura reserve since 1933. The Pro Natura Center Aletsch welcomes you to the Victorian Villa Cassel, built in 1902.
Pro Natura Centre Champ-Pittet
Located in the heart of the «Grande Cariçaie», the largest wetland area in Switzerland, the Pro Natura Centre Champ-Pittet near Yverdon-les-Bains offers exceptional access to this natural gem on the southern shores of Lake Neuchâtel. The nature reserve reminds the visitor of the Camargue; the holidays seem near.
Pro Natura looks forward to welcoming you, whether you come alone, with your family or as a group. We organise numerous events during the whole season and can also prepare a programme tailored to your needs. Our offers include information on the history and conservation of the «Grande Cariçaie» or the management and scientific monitoring of the lake’s southern shore, a tour through the Champ-Pittet gardens or a guided presentation of the current exhibits.
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- More than 800 plant species and 10,000 animal species live in the Grande Cariçaie, Switzerland’s largest stretch of riparian wetland. Our centre in Champ-Pittet is an ideal starting point to explore this magnificent area.
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Unsere Materialien für Ihren Unterricht
Die Unterrichtsdossiers enthalten Planungsinstrumente, biologische Hintergrundinformationen und kompetenzorientierte Aufgaben. Diese entsprechen dem Lern- und Unterrichtsverständnis der aktuellen Lehr- und Studienplänen. Im Zentrum stehen authentische Erlebnisse in der Natur und aktivierendes, zum Handeln anregendes Lernen.
Ausgehend von fachbedeutsamen Inhalten erschliessen die Unterrichtsdossiers überfachliche Kompetenzen und fächerübergreifende Themen. Neben sinnlichen Erfahrungen, Wissenserwerb und Dialogfähigkeit werden zukunftsorientiertes und verantwortungsvolles Handeln gefördert.
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Unterrichtsdossier im Pro Natura ShopExkursion
Wald- und Wiesenlabor
Während der Ferienzeit bieten wir von Montag bis Donnerstag täglich spannende Führungen und Exkursionen an: offen für alle – Kinder und Erwachsene - welche die Natur im Aletschgebiet entdecken oder hinter die Kulissen der Villa Cassel schauen möchten.
Preise
- Gästekarte Aletsch: kostenlos
- Für alle weiteren Kinder: CHF 7.50
Durchführung
Jeden Dienstag vom 07. Juli - 04. August 2026
Ohne Anmeldung
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Info
Die von uns durchgeführten Exkursionen und Wanderungen sind nicht gefährlich. Die Versicherung ist jedoch Sache der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
kostenlos mit der Gästekarte
keine Anmeldung erforderlich
Erlebnisangebot
Hirschbrunft-Wochenende II
Auf einer Wanderung durch den Aletschwald und auf einer Pirsch durch die Morgendämmerung begeben wir uns auf die Suche nach den Königen des Aletschwaldes. Sie erfahren Interessantes über deren Verhalten und mit etwas Glück können wir sie bei der Brunft beobachten.
Am Samstag zwischen 13.00 und 13.45 Uhr treffen die Teilnehmenden im Zentrum ein. Nach der Begrüssung machen wir eine mehrstündige Wanderung durch den Aletschwald, während der wir den Lebensraum der Hirsche kennen lernen.
Am Sonntag bei Tagesanbruch machen wir uns auf, um dem Röhren der Rothirsche zu lauschen. Mit etwas Glück können wir die brunftigen Hirsche auch beobachten. Abschluss des Wochenendes nach dem Frühstück um ca. 10.00 Uhr.
Teilnehmende
Ein Muss für alle, die Tiere mögen (Kinder ab 7 Jahren)
Leitung
Mitarbeitende des Pro Natura Zentrums Aletsch
Unterkunft und Preise
In stilecht möblierten 2/3er-Zimmern oder bequemen 4/6er-Zimmern mit Kajütenbetten.
- 2/3-Zimmer: CHF 200.-
- 4/6-Zimmer: CHF 178.-
- Kinder (7 bis 16): 50%
Gepäck
Für dieses Angebot steht kein Gepäcktransport zur Verfügung. Beschränken Sie sich deshalb auf das Notwendigste und verwenden Sie als Gepäckstück einen bequemen Rucksack.
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Contatto
Dettagli dell'evento
Data
Luogo
Pro Natura Zentrum Aletsch
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Preparazione
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siehe oben
Erlebnisangebot
Hirschbrunft-Wochenende I
Auf einer Wanderung durch den Aletschwald und auf einer Pirsch durch die Morgendämmerung begeben wir uns auf die Suche nach den Königen des Aletschwaldes. Wir erfahren Interessantes über deren Verhalten und mit etwas Glück können wir sie bei der Brunft beobachten.
Am Samstag zwischen 13.00 und 13.45 Uhr treffen die Teilnehmenden im Zentrum ein. Nach der Begrüssung machen wir eine mehrstündige Wanderung durch den Aletschwald, während der wir den Lebensraum der Hirsche kennen lernen.
Am Sonntag bei Tagesanbruch machen wir uns auf, um dem Röhren der Rothirsche zu lauschen. Mit etwas Glück können wir die brunftigen Hirsche auch beobachten. Abschluss des Wochenendes nach dem Frühstück um ca. 10.00 Uhr.
Teilnehmende
Ein Muss für alle Tierliebhabenden (Kinder ab 7 Jahren)
Leitung
Mitarbeitende des Pro Natura Zentrums Aletsch
Unterkunft und Preise
In stilecht möblierten 2/3er-Zimmern oder bequemen 4/6er-Zimmern mit Kajütenbetten.
- 2/3-Zimmer: CHF 200.-
- 4/6-Zimmer: CHF 178.-
- Kinder (7 bis 16): 50%
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Für dieses Angebot steht kein Gepäcktransport zur Verfügung. Beschränken Sie sich deshalb auf das Notwendigste und verwenden Sie als Gepäckstück einen bequemen Rucksack.
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Pro Natura Zentrum Aletsch
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Exkursion
Essbare Wildpflanzen und Heilkräuter im Alpengarten
Während der Ferienzeit bieten wir von Montag bis Donnerstag täglich spannende Führungen und Exkursionen an: offen für alle – Kinder und Erwachsene - welche die Natur im Aletschgebiet entdecken oder hinter die Kulissen der Villa Cassel schauen möchten.
Preise
- Gästekarte Aletsch: CHF 6.-
- Erwachsene: CHF 8.-
- Kinder bis 16 Jahre: kostenlos
Durchführung
Jeden Mittwoch vom 08. Juli - 05. August 2026
Ohne Anmeldung
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Info
Die von uns durchgeführten Exkursionen und Wanderungen sind nicht gefährlich. Die Versicherung ist jedoch Sache der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
keine Anmeldung erforderlich