Progetti
«Emotionen vermitteln uns Orientierung»
Pro Natura Magazin: Die Tiefenpsychologie sagt, dass wir alle tief in uns Wolfsbilder tragen, die uns gar nicht bewusst sind. Wie kommt es dazu?
Brigitte Egger: So wie ein Embryo die verschiedenen Stufen der stammesgeschichtlichen Entwicklung zum Menschen widerspiegelt, ist es auch mit dem seelischen Bereich. Alle Erfahrungen, die für die Menschen wichtig waren, haben so etwas wie einen Grundstock an Vorstellungsmöglichkeiten in uns hinterlassen. Wir nennen sie Archetypen. Jeder Mensch trägt diesen Grundstock in sich.
Wodurch wird das innere Wolfsbild beim Menschen geprägt?
Über einen langen Zeitraum der Geschichte war der Mensch den Raubtieren ausgeliefert. Das hat tiefe Erfahrungen hinterlassen. Das Ausgeliefertsein an etwas Grösseres, Stärkeres ist eine Kernerfahrung des Lebens und weiter aktuell. Das Raubtier bleibt ein sprechendes Bild dafür. In unseren Breitengraden war der Wolf der grösste Konkurrent des Menschen. Er ist damit Bedrohung und Vorbild zugleich geworden. In anderen Weltgegenden nimmt der Löwe oder der Tiger diese Stellung ein.
Das tief verwurzelte Bedrohungsgefühl ist leicht nachvollziehbar. Wie kann ein so bedrohliches Tier zugleich Vorbild sein?
Was mich bedroht, weil es grösser, stärker oder raffinierter ist als ich, wirft gleichzeitig die Frage auf: Wie kann auch ich so gross und stark sein? Wir sind dem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert, wir können es auch meistern. Deshalb liegen Angst und Bewunderung nah beisammen, wenn es um den Wolf geht. Im Deutschen kennen wir dafür den schönen Begriff der Ehrfurcht. In unserer Zeit fallen leider alle Gegensätze auseinander: Wir vergessen, dass das Vereinigen der Gegensätze der Motor des Lebens und der Seele ist, genau wie zur Zeugung von Nachwuchs.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
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Thomas T./ Wikipedia
- Höhlenmalerei aus der Chauvet-Höhle um 31.000 v. Chr. (Nachbildung)
Nicht einfach. Die Zeichen stehen – nicht nur beim Wolf – auf Polarisierung.
Ja, wir haben weltweit in ganz vielen Bereichen einen Unwillen, uns in ein Gegenüber einzufühlen, uns dadurch zu beschränken und zu verändern. Sei das Gegenüber die Natur, der Wolfsgegner, der Fremde oder die Seele. Wichtig wäre gerade auch im Naturschutz, dass möglichst viele Menschen schon in sich selber diese Verbindung zwischen Gegensätzen pflegen. Wovor habe ich Angst? Wo steht mein politischer Gegner? Und dann eben: Wie kann ich eine Brücke schlagen, um Lösungen zu erarbeiten?
Ab wann wird unser Entgegenkommen als Schwäche wahrgenommen?
Wichtig ist zuerst einmal, sich selber nicht als schwach zu sehen, weil man das Gegenüber zu verstehen versucht!
Können wir moderne Menschen überhaupt einen differenzierten Umgang mit den inneren Wolfsbildern entwickeln?
Ganz klar! Einerseits können wir, in uns und im Gegenüber, alles was zum Wolf assoziiert wird, ausformulieren, samt der emotionalen Tönung: unbändige Gier, Ohnmacht, Schlauheit, Weisheit und vieles mehr. Und uns fragen, ob wir das illegitim auf den Wolf projizieren. Anderseits können wir von den kulturellen Wolfsbildern lernen. Was stellt der Wolf im Rotkäppchen dar? Warum ist das schreckliche Werwolfmotiv so faszinierend?
Was heisst das konkret für den Umgang mit dem Wolf?
Wir müssen auf die Emotionen derjenigen eingehen, die zum Wolf eine andere Einstellung haben als die Naturschützenden. Und: Wenn Pro Natura den Wolf als wichtigen Teil einer gesunden Natur sieht, diese Natur aber schon in so vieler Hinsicht beschädigt ist, dann müssen wir auch Massnahmen finden und finanzieren, um den Wolf zu integrieren.
Wir müssen schon sehr auf die Zähne beissen, wenn wir einen Walliser Regierungsrat sehen, der sich mit Wolfsabschüssen und grossen Sprüchen profiliert.
Klar, das ist grässlich. Darum ist es so wichtig, zu unseren Gefühlen zu stehen. Wir dürfen sagen, wie uns der wahllose Abschuss von Wölfen schmerzt. Emotionen zu zeigen, verschafft uns Energie. Schliesslich steckt im Wort Emotion das lateinische Wort für Bewegung. Emotionen geben Orientierung und drängen uns zu Veränderungen. Wir müssen sie aber wahrnehmen und benennen können, denn verdrängte Emotionen explodieren und verunmöglichen jeglichen Dialog.
«Jetzt sind Sie emotional!» ist ein oft gehörter Vorwurf in der Wolfsdebatte, auf beiden Seiten.
Nicht beim Vorwurf belassen, sondern nachfragen, was damit genau gemeint ist! Dies alles zeigt, wie sehr wir die Brücke zwischen der seelischen Wirklichkeit und der naturwissenschaftlichen Sicht wieder herstellen müssen, eine Einstellung, an der wir alle arbeiten sollten. Für Pro Natura ist es wichtig, die eigenen Leute entsprechend zu befähigen.
RICO KESSLER, Redaktor Pro Natura Magazin
Was ist ein Ernährungssystem?
Das Ernährungssystem umfasst alles, was mit der Lebensmittelproduktion zusammenhängt: vom Saatgut über Futtermittelproduktion, über den Anbau, der Ernte und Transport der Produkte bis hin zu den Essensresten auf unseren Tellern. Ein nachhaltiges Ernährungssystem funktioniert ressourcenschonend, ist krisenfest und gerecht.
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Jeff Bergen
Schlüsselfaktor Landwirtschaft
Ohne dass wir unser Ernährungssystem umstellen, können wir die globale Umweltbelastung nicht reduzieren:
- Unser Hunger nach tierischen Eiweissen (Milch, Fleisch, Eier) führt zu einer überdimensionierten Nutztierhaltung und damit zu erhöhten Nährstoffeinträgen und Nährstoffüberschüssen. So entsteht unter anderem das umweltschädliche Ammoniakgas.
- Im Kampf gegen nicht erwünschte Pflanzen und Tiere werden Pestizide gespritzt, welche die Bodenlebewesen, unsere Gewässer und Böden belasten.
- Viel zu schwere Traktoren verdichten unsere Böden und machen sie für künftige Generationen schwer nutzbar. Das Wasser versickert weniger. Dies führt bei starkem Regen schneller zu Überschwemmungen und/oder Abschwemmungen des Bodens.
- Die intensive Bewirtschaftung zerstört die Biodiversität und treibt das Artensterben voran.
- Vermeidbare Lebensmittelabfälle und Lebensmittelverschwendung (Food-Waste) verursachen laut Bundesrat 25% der Umweltbelastung der Schweizer Ernährung.
- Dünger, Pestizide, Dieselruss und Mikroplastik werden durch Regen und Wind in Wälder und Moore transportiert. Die Schadstoffe sickern in unser Grundwasser und landen schlussendlich auch im Trinkwasser und auf unseren Tellern.
Um den dringend notwendigen Wandel zu einem nachhaltigen Ernährungssystem voranzutreiben, sieht Pro Natura in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf:
- Oft verhindern wirtschaftliche Interessen konkrete ökologische Verbesserungen. Denn mit dem Verkauf von noch mehr Dünger, Pestizide, Maschinen wird viel Geld verdient.
- Ein weiteres Problem ist die einseitige, staatlich mitfinanzierte Werbung von Lobbygruppen aus Fleisch- und Milchbranche.
- Auch Subventionen, die der Biodiversität schaden, stehen dem Prinzip einer ökologisch nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft entgegen.
Mehr zu den biodiversitätsschädigenden Subventionen finden Sie in diesem Grundlagenbericht der WSL
Die Lösungen sind da
Wir wissen, dass die Biodiversität der Grundstein für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ist. Nur mit Biodiversitätsförderung auf den Feldern, weniger Dünger und Pestizide und angepassten Maschinen bleiben unsere Böden fruchtbar. Studien zeigen zudem, dass vielfältige Landwirtschaftsformen wie Agroforst langfristig produktiver sind.
Pro Natura unterstützt die Lösungsvorschläge des wissenschaftlichen Gremiums Ernährungszukunft Schweiz. Über vierzig Forscherinnen und Forscher haben gemeinsam einen praxistauglichen, sozialverträglichen und biodiversitätsfreundlichen Handlungspfad für die Transformation des Ernährungssystem entwickelt.
Das macht Pro Natura
Pro Natura engagiert sich auf verschiedenen Ebenen für einen Wandel zu einer ökologischen Landwirtschaft. Mit unserer Studie «Generationenwechsel» zeigen wir, wie die Transformation der Landwirtschaft ohne negative soziale Folgen für die Bäuerinnen und Bauern sowie für die angegliederte Industrie umgesetzt werden kann.
Zum Projekt «Generationenwechsel»
Wir setzen aber auch Projekte im praktischen Naturschutz um. Zum Beispiel:
Wir beteiligen uns in verschiedenen Organisationen für einen Wandel in der Landwirtschaft:
- Pro Natura ist Mitglied bei der Agrarallianz
- Pro Natura ist Mitglied in der Plattform Biodiversität in der Landwirtschaft, koordiniert vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW und Bundesamt für Umwelt BAFU.
- Pro Natura ist Trägerorganisation der Schweizer Allianz Gentechfrei
- Pro Natura ist Mitglied und Mitbegründerin des Labels “Hochstamm Suisse”
Unsere Haltung und unser Engagement im Bereich Landwirtschaft und Ernährung
Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte. Sie richtet sich gegen die Agrarlobby, welche seit 20 Jahren den Wandel zu einer ökologischen Landwirtschaft behindert. Zuletzt zum Beispiel in der Agrarpolitik 2022+ (AP 22+): Die Agrarpolitik wurde 2021 zuerst auf Druck der Agrarlobby sistiert. Anschliessend wurde mit ihrer politischen Beratung jeder Fortschritt von einer Mehrheit im Parlament abgelehnt. So verzögert sich nun die Gesetzgebung für einen dringend notwendigen ökologischen Fortschritt noch weiter.
Jegliche Reduktion von Tierbeständen, Kraftfutter oder Pestiziden gefährdet das Geschäftsmodell der Agrarindustrie und deren Lobbyorganisationen. Sie setzen deshalb alles daran, die von den Bundesämtern vorgeschlagenen Absenkpfade für Nährstoffe und Pestizide abzuschwächen. Pro Natura ist Mitglied der Agrarallianz und engagiert sich zusammen mit weiteren Verbänden für eine ökologische Landwirtschaft.
Landwirtinnen und Landwirte pflegen sogenannte Biodiversitätsförderflächen (BFF). Auf und mit diesen Flächen soll die pflanzliche und tierische Vielfalt gefördert werden. Dies ist wichtig, da heute mindestens 40 % der in der Schweiz vorkommenden Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind und die gefährdesten Arten in mageren Wiesen und Weiden sowie in Auen und Mooren leben. Diese Flächen könnten bei richtiger Pflege und Lage zu einem vielfältigen Ökosystem beitragen. Ihre wichtigsten Funktionen sind:
- Artenvielfalt erhöhen und Lebensräume der Natur vernetzen
- Trinkwasser reinigen
- Bodenfruchtbarkeit erhalten
- Bestäubung sicherstellen und Schädlingspopulationen regulieren
19 % der gesamten Landwirtschaftsfläche sind Biodiversitätsförderflächen. Dies scheint auf den ersten Blick viel zu sein. Aber: auf rund 90 % dieser Flächen findet nebst der Arten- und Lebensraumförderung nach wie vor eine landwirtschaftliche Produktion statt. Dies verringert die Qualität der Flächen. Zudem befindet sich ein Grossteil dieser Flächen im Berggebiet und nicht im viel intensiver genutzten Tal- und Hügelgebiet, wo der Raum für Biodiversität knapp ist.
Manche Biodiversitätsförderflächen sind explizit auf eine Nutzung, wie eine Beweidung oder Mahd, angewiesen. Andere Flächen hingegen sollen nach ihrer Anlage ungestört der Naturentwicklung dienen. Und dieser Anteil ist heute zu klein.
Reduzieren Massnahmen zur Biodiversitätsförderung unseren Selbstversorgungsgrad? Nein. Wir wissen, dass die Biodiversität der Grundstein für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ist. Nur mit Biodiversitätsförderung bleiben unsere Böden fruchtbar. Heutzutage ist auch klar, dass vielfältige Agrarökosysteme längerfristig produktiver sind.
Es gibt ökologische Wege den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen:
- Essen für direkte Ernährung statt Tierfutter anpflanzen: Nur 39 % des Ackerlandes wird zur Nahrungsmittelproduktion verwendet. Die restliche Fläche dient der Futterproduktion. Futtergetreide und Mais gelangen nur über die Verfütterung an Tiere zu uns. Dies ist ein sehr ineffizienter Umweg.
- Lebensmittelverschwendung vermeiden: Nach wie vor schaffen 30% der Lebensmittel nicht den Weg in unsere Bäuche.
- Die Bestimmungen für den Verkauf in Bezug auf Form, Grösse, Farbe müssen gelockert werden.
- Die Bevölkerung muss weiter auf das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert werden.
- Die Vorgaben für den Handel müssen angepasst werden
Es muss eine Transformation des gesamten Ernährungssystems stattfinden. Konsumierende müssen abgeholt und auf eine ausgewogene pflanzliche Ernährung sensibilisiert werden. Die subventionierte Fleischproduktion steht dem entgegen und muss abgeschafft werden.
Seit Jahrtausenden züchten Bäuerinnen und Bauern standortgerechte Sorten. Dabei setzt die Natur Grenzen. Mit der Gentechnologie kann der Mensch diese Grenzen überwinden, tief in das Genom eingreifen und Eigenschaften einer Art auf andere Arten übertragen. Für Pro Natura ist klar, die Gentechnologie bietet keine tauglichen Antworten auf die aktuellen Krisen. Im Gegenteil – sie ist eine weitere Gefahr für die Biodiversität und fördert die hoch-industrielle Landwirtschaft. Gentechnik fördert zwei Problematiken:
- Sie führt zu einer weiteren Monopolisierung im Saatgutmarkt. Landwirtinnen und Landwirte werden noch mehr von grossen Agrarkonzernen abhängig.
- Sie führt zu noch mehr Dünger- und Pestizideinsätzen und setzen somit der Biodiversitätskrise zu.
Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden. Pro Natura fordert eine Regulierung dieser neuen gentechnischen Verfahren im Rahmen des Gentechnikgesetzes.
Pro Natura ist Trägerorganisation der Schweizer Allianz Gentechfrei.
Zur Website der Schweizer Allianz Gentechfrei SAG.
Unsere Projekte in der Landwirtschaft
Tributaires des vieux chênes
La base du lichen est un champignon, l’autre organisme est une algue verte ou une cyanobactérie. L’algue (le photobionte) effectue la photosynthèse et produit des hydrates de carbone – autrement dit du sucre – pour elle-même et pour son partenaire (le mycobionte). En échange, le champignon assure l’approvisionnement du lichen en eau et en éléments nutritifs minéraux, et protège l’algue contre le rayonnement solaire et contre les animaux algivores.
Le lichen Bactrospora dryina, un membre de la famille des lichens crustacés, fait partie des 1 700 espèces de lichen présentes en Suisse. Il figure comme espèce vulnérable sur la « Liste rouge des espèces menacées en Suisse : Lichens épiphytes et terricoles » de 2002. On le trouve au nord des Alpes, à basse altitude.
Le partenaire symbiotique du champignon est l’algue verte du genre Trentepohlia. Le lichen Bactrospora dryina pousse généralement sur la face inclinée des troncs de vieux chênes pédonculés et rouvres, dont l’écorce est profondément crevassée, exposés au sud ou à l’est. Ainsi, il est protégé des précipitations directes (pluie, neige, grêle) qui viennent généralement de l’ouest. Là où il pousse, il fait paraître l’écorce de couleur blanche. Les points noirs sont les corps fructifères du champignon.
Etant donné la lente croissance et le potentiel de propagation limité de cette espèce de lichen, un projet de transplantation a été initié dans le canton de Zoug. Dans le Zollischlag – la forêt de feuillus de la plaine de la Reuss – le lichen Bactrospora dryina a déjà colonisé 42 chênes. Là, des fragments d’écorce avec du lichen ont été recueillis sur un arbre mourant pour être collés sur des arbres non colonisés. La majorité des transplants ont survécu durant les deux ans de la période d’observation, mais uniquement sur les faces protégées de la pluie, là où le lichen aurait poussé naturellement. Il faudra attendre encore quelques années pour voir s’il arrivera à s’y développer.
SABINE MARI, Service conseils Pro Natura.
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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
Die Schweiz im Klimawandel
7,4 Grad. So warm war es durchschnittlich in der Schweiz im Jahr 2022. Das ist Rekord – und zwar deutlich: Um rund 0,5 Grad wurde das bisher heisseste gemessene Jahr (2018) überboten. Und: Noch nie wurde in der Schweiz eine so dramatische Gletscherschmelze gemessen wie im Sommer 2022. Mehr als sechs Prozent ihres Volumens (total 3 km3) haben die Schweizer Gletscher verloren, fast dreimal so viel wie in einem Durchschnittsjahr der letzten Dekade.
Und kaum hat das neue Jahr begonnen, purzeln die Rekorde von Neuem. Zum ersten Mal seit Messbeginn sind auf der Alpennordseite im Januar über 20 Grad gemessen worden – Bilder von grün-matschigen Schweizer Ski- und Langlaufgebieten gingen um die Welt. Die Rekordwerte reihen sich ein in Langzeitentwicklungen, die ganz klar zeigen: Die Klimaerwärmung nimmt Tempo auf, die Krise verschärft sich.
Umso erstaunlicher ist es, dass rechtskonservative Politikerinnen und Politiker weiterhin die Augen verschliessen und das neue Klimaschutzgesetz (Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative) per Referendum bekämpfen. Mitten im rekordwarmen Januar gab die SVP bekannt, dass sie die nötigen Unterschriften beisammen hat. Das Klimaschutzgesetz strebt die notwendige Dekarbonisierung an und gibt den Weg zum «Netto-Null-Ziel» bis im Jahr 2050 vor. Zur Abstimmung kommt es am 18. Juni 2023.
Die Schweiz erwärmt sich überdurchschnittlich stark
Global waren die letzten zehn Jahre 1,1 °C (Landfläche 1,6° C) wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt (1871–1900). Das globale Temperaturmittel ist heute so hoch wie noch nie in den vergangenen 2000 Jahren, sehr wahrscheinlich sogar seit 125 000 Jahren. Die Schweiz hat sich – wie alle Landmassen in den mittleren nördlichen Breiten – überdurchschnittlich stark erwärmt: Hier waren die letzte zehn Jahre sogar 2,5 °C wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt. Seit den 1960er-Jahren war jedes Jahrzehnt bei uns wärmer als das vorherige. Und dabei dürfte es nicht bleiben, wie die Klimaszenarien 2018 des Bundes zeigen: Bei ungebremst steigenden Treibhausgasemissionen kann die Jahresmitteltemperatur bis 2060 um weitere 4,8 °C und bis Ende Jahrhundert um bis zu 6,9 °C steigen (gegenüber dem vorindustriellen Durchschnitt).
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Abweichungen der Jahresmitteltemperatur vom vorindustriellen Durchschnitt:
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Robin Hübscher
- © Robin Hübscher
Die Nordschweiz wird mediterran
Künstliche Sandstrände, Palmen auf Balkonen, nächtlicher Betrieb auf Plätzen und Strassen: Was beim Lebensstil zu beobachten ist, zeigt sich auch beim Blick aufs Thermometer: Die Nordschweiz wird zunehmend mediterran. Basel etwa weist heute jene Jahresmittel- und Sommertemperaturen aus, die in Locarno Mitte der 1970er-Jahre registriert wurden. Neben den angenehmen Effekten bringt der Klimawandel aber auch negative Folgen für die Nordschweiz: häufigere und längere Hitzewellen und Trockenperioden sowie vermehrt auftretende Starkregen und Hochwasser.
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Suzana Mijailovic
Mehr Hitzetage
Noch erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen sind in der Schweiz die Höchsttemperaturen gestiegen. Hitzewellen sowie heisse Tage und Nächte wurden in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger, wie das Beispiel Lugano zeigt. Während in den 1960ern und 1970ern kaum je Tage mit Maximaltemperaturen von mindestens 30 Grad gemessen wurden, sind es inzwischen schon um die 20 Hitzetage pro Jahr. Betroffen sind aber auch die Gebiete nördlich der Alpen, insbesondere die Städte mit ihren vielen versiegelten Flächen. Berechnungen zeigen, dass ohne vehementen Klimaschutz die Zahl der Hitzetage bis 2060 stark zunehmen wird: In Genf etwa von 15 (mittlerer Wert 1981–2010) auf 39, in Zürich von 5 auf 21 und in Luzern von 6 auf 22.
Rasante Gletscherschmelze
Die Schweizer Gletscher erreichten ihre grösste Ausdehnung während der kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Die gesamte Gletscherfläche betrug damals 1735 km2 – exakt die Grösse des Kantons Zürich. Seither haben die Gletscher massiv an Fläche und Volumen verloren: 2016 war nur noch die Hälfte des Volumens übrig. Und von 2016 bis heute – also in nur sechs Jahren – haben die Gletscher zusätzlich rund 12 Prozent Volumen eingebüsst. Gemäss einer Studie von ETH und WSL wird bis im Jahr 2050 die Hälfte der verbliebenen Gletschermasse verloren gehen. Bis zum Ende des Jahrhunderts dürften gar 90 Prozent der heutigen Eismasse verschwinden – falls sich das Klima weiter wie bisher erwärmt. Mit starkem Klimaschutz würden «nur» zwei Drittel der Eismasse verloren gehen.
Der «Alpenleim» löst sich auf
Unter Permafrost versteht man Boden, Schutthalden oder Felswände, die dauerhaft Temperaturen unter 0 °C aufweisen. In der Schweiz findet man auf etwa 5 Prozent der Landesfläche Permafrost, vor allem in den hohen Lagen im Wallis und in Südbünden. Er kann bis in Tiefen von 80 Meter vordringen und stabilisiert die Hänge: Je kälter er ist, desto höher ist die Hangstabilität. Mit einsetzender Erwärmung wird das Eis-Fels-Gemisch «weicher», es beginnt sich zu deformieren und bietet dem Wasser Eintrittsmöglichkeiten. Messungen zeigen, dass die Permafrosttemperaturen in den letzten 20 Jahren an allen 15 Beobachtungsstandorten der Schweiz angestiegen sind. Am Stockhorn bei Zermatt etwa oder in Murtèl-Corvatsch (GR) nahmen sie in 20 m Tiefe um rund 0,5 °C zu. Das scheint wenig, doch eine «kleine» Erwärmung kann schwerwiegende Folgen haben: Hänge werden nicht erst beim Überschreiten der 0 °C-Marke deutlich instabiler, sondern bereits bei Werten um –2 °C.
Dünnere Schneedecken
Die steigenden Temperaturen und der Rückgang der Niederschläge im Winter wirken sich auf die Schneebedeckung der Alpen aus. Eine Langzeitstudie zeigt, dass in den Alpen vor allem unterhalb von 2000 Metern heute deutlich weniger Schnee liegt als noch vor 50 Jahren, im Frühling in allen Höhenlagen. Die mittlere Schneehöhe von November bis Mai ist seit 1971 pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen – besonders stark in tiefen Lagen. Gemäss MeteoSchweiz könnte die Schneedecke in Höhenlagen über 1500 m. ü. M bis im Jahr 2060 um 30–50 Prozent abnehmen (gegenüber 2020), unterhalb von 1000 m. ü. M. gar um 80 Prozent. Bei Einhaltung des Pariser Abkommens würden die Auswirkungen bis 2060 nur etwa halb so stark ausfallen.
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Raphael Weber
Kürzere Schneesaison
In den letzten 50 Jahren nahm die durchschnittliche Dauer der Schneebedeckung alpenweit im Schnitt um 5,6 Prozent pro Dekade ab. Besonders stark betroffen sind die Lagen unterhalb von 2000 m. ü. M – dort verkürzte sich die Schneesaison seit 1971 um rund einen Monat. Aber auch in den höheren Lagen, wo im Hochwinter noch keine Schneeverluste festzustellen sind, ist die Schneesaison heute kürzer, vor allem aufgrund der starken Frühlingsschmelze. In den Schweizer Alpen beginnt die Schneesaison heute im Durchschnitt 12 Tage später und endet rund 25 Tage früher als 1971. Und sie dürfte bis im Jahr 2100 nochmals um 2–5 Wochen später beginnen und um 2–11 Wochen früher enden als heute (je nach Höhenlage) – wenn die Treibhausgasemissionen weitergehen wie bisher.
Von Nicolas Gattlen
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La Suisse face au dérèglement climatique
7,4 degrés. C’est la température moyenne qu’il a fait en Suisse en 2022. C’est un record, et de loin: l’année la plus chaude jamais mesurée (2018) a été dépassée d’environ 0,5 degré. Pire: jamais encore une fonte des glaciers aussi dramatique que celle de l’été 2022 n’avait été constatée en Suisse. Les glaciers suisses ont perdu plus de 6% de leur volume (3 km3 au total), soit presque trois fois plus que lors d’une année moyenne de la dernière décennie.
Et à peine la nouvelle année a-t-elle commencé que de nouveaux records sont à nouveau battus. Pour la première fois depuis le début des mesures, plus de 20 degrés ont été mesurés au nord des Alpes en janvier. Et juste avant que la neige finisse par tomber, les images de nos pistes de ski verdâtres et boueuses ont fait le tour du monde. Ces valeurs records s’inscrivent dans une évolution à long terme qui montre très clairement une accélération du réchauffement climatique et une aggravation de la crise.
On ne comprend donc pas très bien pourquoi la nouvelle loi sur la protection du climat (contre-projet à l’Initiative pour les glaciers) est combattue par référendum par la droite conservatrice. En plein mois de janvier, qui a battu tous les records de chaleur, l’UDC a annoncé qu’elle avait réuni les signatures nécessaires. Cette loi vise la décarbonisation de la société et indique la voie à suivre pour atteindre l’objectif de «zéro émission nette» d’ici 2050. Elle sera soumise au vote le 18 juin 2023.
La Suisse se réchauffe plus que la moyenne
À l’échelle mondiale, les dix dernières années ont été 1,1°C (surface terrestre 1,6°C) plus chaudes que la moyenne préindustrielle (1871-1900). La moyenne globale des températures est aujourd’hui plus élevée que jamais au cours des 2000 dernières années, très probablement même depuis 125 000 ans. La Suisse – comme toutes les masses terrestres situées aux latitudes nord moyennes – s’est réchauffée plus que la moyenne: ici, les dix dernières années ont même été 2,4°C plus chaudes que la moyenne préindustrielle. Depuis les années 1960, chaque décennie a été plus chaude que la précédente. Et cela ne devrait pas s’arrêter là, comme le montrent les scénarios climatiques 2018 de la Confédération: si les émissions de gaz à effet de serre continuent d’augmenter, la température moyenne annuelle pourrait s’élever de 3,3°C supplémentaires d’ici à 2060 et jusqu’à 5,4°C d’ici à la fin du siècle (par rapport à la situation de 1981-2010).
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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
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Écart de la température moyenne annuelle par rapport à la moyenne préindustrielle:
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Robin Hübscher
- © Robin Hübscher
Le nord de la Suisse: méditerranéen?
Plages de sable artificielles, palmiers sur les balcons, animation nocturne sur les places et dans les rues: ce que l’on observe au niveau du style de vie, on le constate également en regardant le thermomètre. Le nord de la Suisse devient de plus en plus méditerranéen. Bâle, par exemple, affiche aujourd’hui les températures moyennes annuelles et estivales qui étaient enregistrées à Locarno au milieu des années 1970. Outre ces effets semblant agréables, le dérèglement climatique a des conséquences négatives pour le nord de la Suisse: des vagues de chaleur et des périodes de sécheresse plus fréquentes et plus longues, ainsi qu’une augmentation des fortes pluies et des inondations.
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Suzana Mijailovic
Davantage de jours de canicule
En Suisse, les températures maximales ont augmenté encore plus fortement que les températures moyennes. Les vagues de chaleur ainsi que les journées et les nuits chaudes sont devenues nettement plus fréquentes au cours des dernières décennies, comme le montre l’exemple de Lugano. Alors que dans les années 1960 et 1970, on ne mesurait pratiquement pas de jours avec des températures maximales d’au moins 30 degrés (canicule), on compte aujourd’hui déjà environ 20 jours de canicule par an. Les régions situées au nord des Alpes sont également touchées, notamment les villes avec leurs nombreux ilots de chaleur. Les calculs montrent que sans une protection efficace du climat, le nombre de jours de canicule augmentera fortement d’ici à 2060: à Genève, par exemple, il passera de 15 (valeur moyenne 1981-2010) à 39, à Zurich de 5 à 21 et à Lugano de 8 à 31.
Fonte rapide des glaciers
Les glaciers suisses ont atteint leur plus grande extension pendant le petit âge glaciaire, vers 1850. La surface totale des glaciers était alors de 1735 km2, soit la taille du canton de Zurich. Depuis, les glaciers ont considérablement perdu en surface et en volume: en 2016, il ne restait plus que la moitié de leur volume. Et de 2016 à aujourd’hui – en seulement six ans – les glaciers ont perdu environ 12% supplémentaires de leur masse. Selon une étude de l’EPF et du WSL, la moitié de la masse restante des glaciers sera perdue d’ici 2050. D’ici à la fin du siècle, 90% de la masse de glace actuelle devrait même disparaître si le climat continue à se réchauffer au rythme actuel. Avec une forte protection du climat, «seuls» deux tiers de la masse glaciaire disparaîtraient.
Le ciment des Alpes se dissout
Par permafrost, on entend le sol, les éboulis ou les parois rocheuses dont la température reste durablement inférieure à 0°C. 5% de la surface du pays est concernée, surtout en haute altitude en Valais et dans le sud des Grisons. Il peut atteindre une profondeur de 80 mètres et stabilise les versants: plus il est froid, plus la stabilité des pentes est élevée. Le réchauffement a un effet sur le mélange glace-roche qui devient plus «mou», se déforme et permet à l’eau de s’immiscer. Des mesures montrent que les températures du permafrost ont augmenté au cours des vingt dernières années sur les 15 sites d’observation en Suisse. Au Stockhorn près de Zermatt, par exemple, ou à Murtèl-Corvatsch (GR), elles ont augmenté d’environ 0,5 degré à 20 mètres de profondeur. Cela semble peu, mais un «petit» réchauffement peut avoir de graves conséquences: les pentes deviennent déjà plus instables à partir de valeurs autour de -2°C.
Des couches de neige plus minces
La hausse des températures et la diminution des précipitations en hiver ont un impact sur la couverture neigeuse dans les Alpes. Une étude à long terme montre qu’en dessous de 2000 mètres, il y a aujourd’hui nettement moins de neige qu’il y a cinquante ans au printemps, et ce à toutes les altitudes. La hauteur moyenne de la neige entre novembre et mai a diminué en moyenne de 8,4% par décennie depuis 1971, de manière particulièrement marquée à basse altitude. Selon MétéoSuisse, le manteau neigeux pourrait diminuer de 30 à 50% d’ici 2060 (par rapport à 2020) à des altitudes supérieures à 1500 mètres, et même de 80% en dessous de 1000 mètres. Si l’accord de Paris était respecté, l’impact serait environ deux fois moins important d’ici 2060.
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Raphael Weber
Une saison d’enneigement plus courte
Au cours des cinquante dernières années, la durée moyenne de la couverture neigeuse a diminué en moyenne de 5,6% par décennie dans l’ensemble des Alpes. Les zones situées en dessous de 2000 mètres d’altitude sont particulièrement touchées – la saison d’enneigement y a été raccourcie d’environ un mois depuis 1971. Même aux altitudes plus élevées, où l’on ne constate pas encore de pertes de neige en plein hiver, la saison d’enneigement est aujourd’hui plus courte, surtout en raison de la forte fonte printanière. Dans les Alpes suisses, la saison d’enneigement commence aujourd’hui en moyenne 12 jours plus tard et se termine environ 25 jours plus tôt qu’en 1971. Et d’ici 2100, elle devrait commencer 2 à 5 semaines plus tard et se terminer 2 à 11 semaines plus tôt qu’aujourd’hui (selon l’altitude), si les émissions de gaz à effet de serre se maintiennent dans les proportions actuelles.
Nicolas Gattlen, reporter pour le Magazine Pro Natura
Vous trouverez d’autres articles dans l’édition actuelle du magazine Pro Natura pour les membres.
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Einfach ein Wald
Der Burstel ist ein Wald. Aussergewöhnlich scheint hier nichts: Viele Nadelbäume, ein paar Laubbäume, mehrere Quellen – und an diesem nasskalten Tag Mitte Januar viel Matsch unter einer dicken braunen Schicht Herbstlaub. Wie ein Wald im Thurgau halt so ist. Doch hier und da ist schon zu erkennen, was Markus Bürgisser sich erhofft. Der Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau weist auf ein steiles Stück ziemlich weit oben im Wald. Hier liegen Baumstämme kreuz und quer, wo sie eben gerade hingefallen sind, von Moos begrünt und langsam verrottend. «So wild soll der ganze Wald werden.»
Wie Wildnis entsteht
Aus einem Nutzwald einen Urwald zu machen, dass hatte der Biologe nicht von langer Hand geplant. Der Idee liegt ein Zufall zugrunde. «Im Amtsanzeiger las ich 2019 eine kurze Annonce, dass ein Wald zu verkaufen sei, fast 20 Hektaren», erzählt Bürgisser und er wusste einfach: Diesen Wald sollte Pro Natura kaufen. Und es klappte.
Was aber macht man mit fast 20 Hektaren Wald? «Für mich war klar, dass das Projekt etwas mit Wildnis zu tun haben muss, wobei ich den Nationalpark im Hinterkopf hatte und das Prinzip des Prozessschutzes», sagt Markus Bürgisser. Die Begeisterung ist ihm anzuhören, während er einen rutschigen Hang hinunterhangelt, um eines der Highlights des Waldes zu zeigen: eine ungefasste Quelle. «So muss das aussehen», sagt er und scheint selber ein bisschen überrascht von der Schönheit des schlichten Ortes.
Prozessschutz bedeutet vereinfacht gesagt, die Natur einfach Natur sein zu lassen. Sprich: Ein Baum wird nicht gefällt, er altert und stirbt irgendwann ab. Dabei entsteht Totholz, Pilze, Insekten oder Vögel finden neuen Lebensraum. Oder der Wind entwurzelt einen alten Baum, im Sturz reisst er andere Bäume mit und schafft so eine Lücke im Kronendach. Nun erreicht Sonnenlicht den Waldboden, neue Pflanzen wachsen und im besonnten Totholz siedeln sich Käfer und Pilze an. Und so weiter. Natürliche Prozesse eben.
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Geduld bringt Wildnis
Ein paar Eingriffe gibt es aber noch, bevor der Wald einfach Wald sein darf. «Es existieren mehrere Wege durch den Burstel und einige wollen wir zuwachsen lassen.» Dafür wurden Informationstafeln aufgestellt, um Reiterinnen, Fussgänger und Velofahrer davon abzuhalten, die Wege weiter zu benutzen und ihnen zu erklären, dass dies geschieht, damit diese wieder der natürlichen Entwicklung des Waldes überlassen werden können. Auch sollen gezielt bestimmte Baumarten gefördert werden, indem etwa standortsfremde Fichten oder Douglasien gefällt werden, um den natürlich vorkommenden Bäumen Platz zu lassen.
Was genau im Burstel alles getan oder gelassen werden soll, hat übrigens nicht Pro Natura allein entschieden. In einer Umfrage konnten Interessierte mitreden. Denn ein so grosses Stück Wald einfach sich selbst zu überlassen und nichts zu machen, sind wir uns Menschen nicht gewohnt. Ein spannendes Experiment, dessen Ausgang noch Jahre in der Zukunft liegt.
Mittlerweile steht das Konzept für den Burstel, jetzt braucht es vor allem eines: Geduld. «Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass hier für einmal Nichtstun angesagt ist», sagt Markus Bürgisser und inspiziert einen grossen Ast, der auf einen Weg gefallen ist – und der dort auch liegen bleiben darf.
Bettina Epper, Redaktionsleiterin, Pro Natura Magazin
Simplement une forêt
La forêt de Burstel est une forêt thurgovienne typique. Beaucoup de résineux, quelques feuillus, plusieurs sources. Et, en cette journée humide et froide de janvier, beaucoup de boue sous l’épaisse couche de feuilles mortes. Rien d’extraordinaire, semble-t-il, si ce n’est que l’on commence déjà à voir çà et là ce que Markus Bürgisser escompte. Le chargé d’affaires de la section Pro Natura Thurgovie indique un endroit particulièrement escarpé dans le haut de la forêt, où des troncs sont couchés sur le sol, là où ils sont tombés. Recouverts de mousse, ils se décomposent lentement. «Voilà comment toute la forêt devrait devenir.»
Faire d’une forêt exploitée une forêt à l’état naturel n’était pas un projet que le biologiste avait prévu de longue date. «En 2019, j’ai lu dans la Feuille des avis officiels qu’une forêt était à vendre, presque 20 hectares. Pro Natura devait l’acheter. Et c’est ce qui s’est passé», raconte Markus Bürgisser.
Mais que fait-on avec 20 hectares? «Pour moi, le projet devait favoriser les espaces sauvages. J’avais en tête le Parc national et le principe de la dynamique naturelle.» Son enthousiasme transparaît, alors qu’il descend prudemment une pente glissante pour nous montrer une source intacte, l’un des joyaux de la forêt.
Protéger les processus naturels, c’est laisser faire la nature. Cela signifie qu’un arbre n’est pas abattu, mais qu’il vieillit, qu’il meurt et que son bois mort sert de nouvel habitat aux champignons, aux insectes et aux oiseaux. Ou qu’un vieil arbre déraciné par le vent emporte d’autres arbres dans sa chute, ce qui crée une ouverture dans le couvert du peuplement par laquelle la lumière peut atteindre le sol où vont pousser de nouvelles plantes, tandis que des coléoptères et des champignons colonisent le bois mort ensoleillé. Et ainsi de suite.
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Cet article a été publié dans le Magazine Pro Natura.
Le Magazine Pro Natura vous dévoile les petites merveilles de la nature, vous informe au sujet de gros projets et vous présente des personnalités captivantes. Il porte un éclairage sur les dessous des décisions politiques et révèle où, comment et pourquoi Pro Natura lutte pour la nature. Tous les membres Pro Natura le reçoivent cinq fois par an.
Markus Bürgisser, chargé d’affaires de la section Pro Natura Thurgovie
Maintenant, patience ...
Un certain nombre d’interventions sont encore nécessaires avant que la forêt retrouve sa dynamique naturelle. «Nous voulons fermer certains chemins à travers la forêt pour qu’elle puisse reprendre ses droits. » Des panneaux informent les usagers – cavaliers, cyclistes et promeneurs – que ces chemins ne doivent plus être utilisés pour permettre à la forêt de s’y développer naturellement. Il est aussi prévu de favoriser certaines essences et d’abattre des épicéas et des douglas étrangers au site pour faire de la place aux arbres naturellement présents.
Pro Natura n’a pas décidé seule des mesures à prendre – ou à ne pas prendre. Un questionnaire en ligne a permis aux personnes intéressées de donner leur avis. Depuis, un plan de gestion a été établi pour la forêt de Burstel. Maintenant, patience: les résultats des mesures ne seront visibles que dans quelques années. «Je dois aussi m’habituer au fait qu’il ne faut plus rien faire ici», conclut Markus Bürgisser, en désignant une grande branche tombée sur le chemin que nous suivons.
Bettina Epper, rédactrice alémanique du Magazine Pro Natura.
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Questionnaire aux candidat.es — 2023
In die Ferien – für die Biodiversität
Auf 1800 Metern über Meer im kleinen Walserdorf Obermutten die herrliche Aussicht der Bünder Alpen geniessen, dabei Weiden entbuschen und pflegen zugunsten der Biodiversität - das ist nur eine von 22 Möglichkeiten, dieses Jahr nachhaltige Ferien in den schönsten Schweizer Natur- und Kulturlandschaften zu verbringen.
Vielfältiges Angebot
Vergangenes Jahr haben nahezu 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den 21 durchgeführten Projekten rund 900 Tage Freiwilligenarbeit geleistet. Dieses Jahr erwartet die Teilnehmenden erneut ein abwechslungsreiches Programm: Von der Reaktivierung ehemaliger Wildheuflächen in Avers (GR), über die Sanierung einer historischen Trockenmauer auf dem Probstenberg zwischen Solothurn und Bern, bis hin zum Entbuschen von Weiden zugunsten der Waldvögel und Waldflora auf der Alp «La Cruchaude» (VD).
Gemeinsam die Natur kennenlernen
Die Einsätze finden in Gruppen von fünf bis zwölf Personen statt und sind von einer Fachperson angeleitet. Die Teilnehmenden lernen bei ihrem Einsatz nicht nur die lokale Flora und Fauna oder das Handwerk des Trockenmauerns kennen, sie profitieren auch vom Austausch untereinander. Gelegenheiten dazu bieten sich bei der Arbeit draussen in der Natur oder beim gemeinsamen Kochen und Geniessen.
Faire Aufteilung der Kosten
Die Anmeldegebühr beträgt in der Regel zwischen 120 und 270 Franken pro Person und deckt einen Teil der Projekt- und der Unterbringungskosten. Den Grossteil der verbleibenden Aufwände tragen die Stiftung Umwelteinsatz und Pro Natura.
Programm und Buchung:
Das vollständige Programm finden Sie auf den Webseiten der Stiftung Umwelteinsatz und von Pro Natura.
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Headerphoto: © Stiftung Umwelteinsatz
En vacances pour la biodiversité
Embrasser du regard les magnifiques Alpes grisonnes à Obermutten, petit village des Walser perché à 1800 m, tout en débroussaillant et entretenant les pâturages en faveur de la biodiversité? Voici l’une des 22 possibilités de vacances durables dans les plus beaux paysages naturels et ruraux de Suisse.
Une offre variée
L'année dernière, près de 180 participantes et participants ont consacré près de 900 jours de travail aux 21 projets réalisés. Un programme varié est à nouveau à l’affiche en 2023, allant de la réactivation d'anciennes surfaces de foin sauvage à Avers (GR) à l'assainissement d'un mur historique en pierres sèches sur le Probstenberg entre Soleure et Berne, en passant par du débroussaillage à l'alpage de «La Cruchaude» (VD) pour favoriser la flore et l’avifaune forestières.
Rencontrer la nature ensemble
Les interventions, en groupes de cinq à douze personnes, sont encadrées par des spécialistes. Lors de leur engagement, ces groupes se familiarisent avec la faune et la flore, voire avec la technique des murs en pierres sèches. Et surtout, ils partagent leurs expériences. Le travail dans la nature, la cuisine ensemble et des repas savoureux en commun sont fertiles en échanges.
Répartition équitable des coûts
Les frais d'inscription se situent généralement entre 120 et 270 francs par personne et couvrent une partie des coûts du projet et de l'hébergement. La majeure partie des dépenses restantes est prise en charge par la Fondation Actions Environnement et Pro Natura.
Programme et réservation:
Le programme complet est disponible sur les sites internet de la Fondation Actions Environnement et de Pro Natura.
Contacts:
- Alexandre Barras, Fondation Actions Environnement, Communication & Coordination «Semaines de travail de vacances», tél. 031 380 50 63, @email
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Photo: © Fondation Actions Environnement
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UREK-S verweigert Lösungsfindung zur Biodiversitätskrise
Die Mehrheit der UREK-S hat laut ihrer Medienmitteilung primär diskutiert, wie man eines von 23 Zielen von Montreal, nämlich 30 Prozent Schutzfläche festzulegen, in der Schweiz umsetzen kann. Sie erachtete es hingegen als unnötig, die Probleme des Biodiversitätsverlustes für Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren sowie nötige Massnahmen zu beschliessen. Obwohl der Biodiversitätsverlust seit Jahren eine der Hauptsorgen der Schweizer Bevölkerung ist, haben einige wenige Kommissionsmitglieder entschieden, die Biodiversitätskrise zu ignorieren. Immerhin verlangt eine starke Minderheit ein Eintreten und damit die rasche und gezielte Suche nach einer Lösung.
«Ohne einen besseren Schutz unserer Ökosysteme sind unsere Ernährungssicherheit und unser Wohlstand gefährdet. Keine Milchbüchleinrechnung der Welt vermag aus den aktuell rund 10 Prozent Schutzflächen über Nacht eine wirksame Förderung der Biodiversität zu zaubern. Die Schweiz hat eine akute Biodiversitätskrise, illustriert durch einige der längsten Roten Listen aller Industrienationen. Es braucht deshalb keine statistische Übung, sondern ambitionierte Massnahmen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen», sagt Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz.
«Die Biodiversitätskrise verstärkt sich mit jedem Jahr ohne entschlossenes Handeln. Die Schweiz ist Schlusslicht ganz Europas betreffend Schutzgebiete und gehört unter den führenden Wirtschaftsnationen zu jenen mit den meisten gefährdeten Arten. Das zeigt: Der Handlungsbedarf ist gross. Die Biodiversitätsinitiative mit ihrer breiten Trägerschaft fordert, dass der Ständerat auf den Gegenvorschlag eintritt und die interessante Fassung des Nationalrates weiter verbessert», sagt Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande von Pro Natura.
«Der Bundesrat hat die Forderungen der Städte und Gemeinden aus der Vernehmlassung von 2021 aufgenommen und eine NHG-Revision beantragt. Der Nationalrat hat die Vorschläge auf einen interessanten Kompromiss reduziert. Jetzt muss der Ständerat dafür sorgen, dass seine Umweltkommission ihre Arbeit macht und die NHG-Revision berät», betont Franziska Grossenbacher, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
Medienmitteilung der UREK-S, 22. März 2023
Kontakt:
- Pro Natura: Sarah Pearson Perret, Secrétaire romande, @email, 079 688 72 24
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
- Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsführer, @email, 079 631 34 67
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58
- Biodiversitätsinitiative: Natalie Favre, Medienstelle, @email, 076 491 25 26
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Gemeinsame Medienmitteilung des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative
Bundeshaus © Matthias Sorg
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Webseite der BiodiversitätsinitiativeWeitere Informationen für Sie
Sind Sie an dem Thema interessiert? Gerne empfehlen wir folgende Podcasts für weiterführende Informationen:
- «FiBL Focus», Forschungsinstitut für biologischen Landbau: Folge 29, Was Landwirtschaft mit Biodiversität zu tun hat und Folge 5, Is(s)t Bio, die Lösung?
- «Hörkombinat: Politik»: Folgen 21 und 22, Die Krise der biologischen Vielfalt – Agrarökologie als Chance
- «45 Minuten Zukunft», Thünen Institut
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Wenn unsere Lebensmittel so produziert werden, dass die Biodiversität gefördert sowie Boden, Wasser und Luft geschützt werden, sichert dies die naturnahe Produktionsweise über Generationen. Mit den heutigen Regelungen werden weder die Produktionsgrundlagen einer Region, noch die Umweltauswirkungen der Betriebe berücksichtigt. Dies muss sich ändern.
Agrarpolitik 2014-17 und 2018-21
Seit 2014 gilt die Agrarpolitik für die Jahre 2014-17 (AP 14-17). Seither werden die eingesetzten Steuergelder den Bauernbetrieben zielgerichteter und leistungsorientierter ausbezahlt. Die veralteten, schädlichen Tierbeiträge wurden gestrichen. Ein wichtiger Fehlanreiz der Schweizer Agrarpolitik ist damit weggefallen. Doch auch die AP 14-17 sowie die AP 18-21 werden die ökologischen Probleme nicht lösen. Zu viele Fehlanreize, zu viele Tiere und zu viele Pestizide führen weiterhin zu überdüngten Seen, belasteten Gewässern und einem Rückgang der Biodiversität.
Unsere Vision einer Schweizer Landwirtschaft 2030
- Die fruchtbaren Schweizer Böden sind als Weltnaturerbe geschützt. Sie werden standortgerecht bewirtschaftet. Erosion, Verdichtung und Verschmutzung gehören der Vergangenheit an.
- Die Schweizer Tierbestände sind auf ein naturverträgliches Niveau reduziert. Damit hat auch die Ammoniakbelastung massiv abgenommen.
- Die Biodiversität und die Produktion sind eng verknüpft und verzahnt.
- Das Grünland Schweiz nutzt das Standortpotenzial optimal, ohne importiertes Kraftfutter und hat keine Probleme mit den Auswirkungen durch die Klimakrise.
- Ungedeckte Allgemeinkosten aus der Landwirtschaft werden von dieser getragen.
- Die Bäuerinnen und Bauern sind stolz auf ihre Leistungen. Sie verdienen anständig. QuereinsteigerInnen werden aktiv durch den Bund gefördert.
Fehlanreize korrigieren
Wir setzen uns dafür ein, dass in den kommenden Jahren die bestehenden Fehlanreize korrigiert werden. Nur eine klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft kann die vielen Milliarden Franken Steuergelder rechtfertigen und am Markt erfolgreich sein. Wir stehen ein, für eine Landwirtschaft welche Lebensmittel im Einklang mit der Natur produziert. Dies ist unser Ziel!
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Verbandsbeschwerderecht zum Schutz von Natur und Umwelt
Sehr bedauerlich wäre es gewesen, hätte die Bahn 2000 entlang ihrer Strecke sämtliche Wildwechsel zerschnitten. Zum Glück haben sich Umwelt- und Heimatschutzverbände gewehrt und Wildtierpassagen durchgesetzt. Dies ist möglich, weil das Verbandsbeschwerderecht seit 1966 im Natur- und Heimatschutzgesetz verankert ist. Gegenwärtig sind 29 Organisationen beschwerdeberechtigt, und sie setzen das Verbandsbeschwerderecht massvoll und erfolgreich ein: In vier von fünf Fällen kann dank Beschwerden eine Verbesserung für Natur und Umwelt erreicht werden.
Was ist der Unterschied zwischen Einsprache und Beschwerde?
Mit einer Einsprache können im Bewilligungsverfahren Einwände vorgebracht werden, noch bevor die zuständige Behörde entscheidet. Im Rahmen von Einspracheverhandlungen kann in vielen Fällen eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden werden. Einsprachen sind in einigen Kantonen zwingende Voraussetzung, um später eine Beschwerde einreichen zu können. Mit einer Beschwerde oder einem Rekurs können Bewilligungen an die nächsthöhere Instanz weitergezogen werden. Sie müssen dann durch diese überprüft werden. Wichtig: Mit einer Beschwerde können die Natur- und Umweltorganisationen ein Projekt nicht verhindern, sondern nur auf seine Rechtmässigkeit überprüfen lassen.
Effizienter Natur – und Heimatschutz dank dem Beschwerderecht
Das Verbandsbeschwerderecht wird seit seiner Einführung 1966 immer wieder, zum Teil heftig, angegriffen. Das ist nicht erstaunlich, handelt es sich doch beim Verbandsbeschwerderecht um ein rechtliches Instrument mit grosser Wirkung für Natur und Umwelt. Die Verbände setzen Beschwerden effizient und sparsam ein, was in vielen Fällen dazu geführt hat, dass nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch bessere Lösungen gefunden wurden. Deswegen steht die Schweizer Bevölkerung hinter dem Verbandsbeschwerderecht und hat 2008 eine Initiative zu seiner Abschaffung ganz klar abgelehnt.
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Statistik und Evaluation des Bundesamtes für Umwelt BAFUPotrebbe anche interessarti
Wald erhalten – Biodiversität und Lebensraum sichern
Aus Sicht der Naturschutzorganisationen Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz ist die neue Wald- und Holzstrategie 2050, welche der Bundesrat heute verabschiedet hat, eine gute Grundlage, um den Wald als natürlichen Lebensraum und Wirtschaftsraum auch in Zukunft zu erhalten. Insbesondere begrüssen sie, dass der Erhalt der Waldfläche und die Förderung der Waldbiodiversität als zentrale Punkte verankert wurden und auch Wald- und Holzwirtschaft die Strategie mittragen.
Waldfläche im Mittelland nimmt bereits ab
Der Wald ist das Zuhause von rund 40 Prozent der einheimischen Arten, er sichert sauberes Wasser und Luft, stabilisiert den Boden, mildert die Auswirkungen des Klimawandels und bietet Erholung. Angesichts des politischen, klimatischen und gesellschaftlichen Drucks, dem der Wald heute ausgesetzt ist, ist es zwingend, die Artenvielfalt im Wald und seine Leistungen zu fördern.
Dazu ist es essenziell, die Waldfläche zu erhalten – wie es die neue Strategie fordert. Im Jura und Mittelland nimmt der Wald bereits ab, obwohl er dort als natürlicher Lebensraum und für die Naherholung besonders gefragt ist. Die meisten Mittellandkantone kennen zudem eine statische Waldgrenze. Das heisst, ihr Wald kann nicht mehr zunehmen, sondern durch Rodungen höchstens abnehmen. Und der Druck für solche Rodungen steigt. Entgegen der Behauptung aktueller politischer Vorstösse, kann der Verlust solcher Waldflächen nicht mit dem wachsenden Wald in den Alpen oder einem aufgewerteten Wald an anderer Stelle kompensiert werden. Nach einer Waldrodung in Neuchâtel oder Baden kann weder die dort ansässige Bevölkerung noch die Tier- und Pflanzenwelt auf eine Waldfläche im Maggiatal ausweichen. Wald ist standortgebunden und kann nicht anderswo kompensiert werden.
Es drohen Rodungen und Kürzungen
Nebst dem Erhalt der Waldfläche gilt es auch, deren Qualität zu fördern. Im Rahmen des Entlastungspakets droht jedoch die Kürzung von öffentlichen Geldern für die Waldbiodiversität. Diese dienen beispielsweise der Förderung von Alt- und Totholz, seltenen Baumarten, Eichenwäldern oder lichten Wäldern.
Mit einer raschen Umsetzung der neuen Wald- und Holzstrategie müssen jetzt alle beteiligten Akteure die Biodiversität und die Ausdehnung der Waldfläche, insbesondere im Mittelland und Jura sichern und entsprechenden Abschwächungen bestimmt entgegentreten.
Weitere Informationen:
Kontakt:
Pro Natura: Elena Strozzi, Projektleiterin Waldpolitik & Raumplanung, Tel. 079 555 33 79, @email
WWF Schweiz: Jonas Schmid, Mediensprecher, 079 241 60 57, @email
BirdLife Schweiz: Christa Glauser, Fachexpertin Wald, 044 740 29 57, @email
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Gemeinsame Medienmitteilung von WWF Schweiz, BirdLife Schweiz und Pro Natura
Gemeinschaftsprojekte von Naturschutz und Landwirtschaft vor dem Aus
Projekte zur Pflege und Revitalisierung von Biotopen nationaler Bedeutung, wie die Moorlandschaft Glaubenberg (LU/OW), das Auengebiet Les Grangettes am Lac Léman (VD) oder das Mürtschental im Sardonagebiet (GL), welche die Schweizer Natur und Landschaft vielfältig und artenreicher machen, profitieren heute vom Kredit Natur und Landschaft. Älpler, Naturschützerinnen, Forstwartinnen und Landwirte stehen dabei Seite an Seite im Einsatz. Das fördert nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch das gegenseitige Verständnis. Trotz des effizienten Mitteleinsatzes will der Ständerat dieses Engagement zusammenkürzen.
Kantone, Landwirte und Umweltverbände gegen Kürzungen
Im Rahmen des Entlastungspakets will der Ständerat den Kredit Natur und Landschaft als Teil der Verbundaufgaben im Umweltbereich um 10 % und die Umweltbildungsbeiträge um die Hälfte kürzen. Die Einbussen zu Lasten von Natur, Landschaft aber auch Land-, Alp- und Forstwirtschaft wären einschneidend. Berichte des Bundes zeigen, dass es eigentlich deutlich mehr Mittel bräuchte – und sicher keine Kürzung. Entsprechend lang ist die Liste der Gegner.
Der Schweizer Bauernverband teilt die Position der Umweltallianz und spricht sich klar gegen die Kürzungen aus. Die Kantone betonen, dass sie die Kürzungen bei den Verbundaufgaben nicht werden kompensieren können. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete befürchtet, dass dringend nötige Projekte zur Prävention von Naturgefahren ohne die Gelder der Verbundaufgaben nicht realisiert würden. Die Forstwirtschaft wehrt sich gegen die Kürzungen in der Umweltbildung, die unter anderem praxisbezogene Kurse zur Gefahrenprävention oder zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel sicherstellen.
Abschaffung naturfeindlicher Subventionen könnte Budget sanieren
Dabei sind die Dimensionen der Budgetdebatte absurd. Die geplanten Kürzungen im Biodiversitätsbereich belaufen sich aktuell auf rund 13 Millionen Franken (7 Mio. Kredit Natur und Landschaft, 3.6 Mio. Kredit Revitalisierungen, 2.5 Mio. Umweltbildung), von denen die ganze Bevölkerung und die Natur profitieren. Gleichzeitig gibt der Bund jedes Jahr rund 40 Milliarden Franken für biodiversitätsschädigende Subventionen aus. Deren Abschaffung oder Umgestaltung könnte das Budget des Bundes stark entlasten. Doch anstatt – wie von der Umweltallianz empfohlen – hier den Rotstift anzusetzen, beschneidet der Ständerat den sowieso schon unterfinanzierten Natur-, Klima- und Landschaftsschutz. Angesichts des gravierenden Zustands der Schweizer Biodiversität und des Klimawandels können wir uns solche Rückschritte nicht leisten. Mit jedem Jahr Vernachlässigung steigen die Kosten für die Sanierung und Renaturierung der schönsten Schweizer Naturperlen. Um künftigen Generationen diese Rechnung zu ersparen, muss die nationalrätliche Finanzkommission jetzt unbedingt korrigieren.
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Gemeinsame Medienmitteilung von Pro Natura und BirdLife Schweiz
«Die autofreie Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe»
Pro Natura Magazin: Die Zukunft leuchtete einst in den hellsten Farben. Nun dominieren dystopische Visionen von Kriegen, Stürmen, Trockenheit und zerstörter Natur. Warum sehen heute viele Menschen schwarz?
Harald Welzer: Die negative Kommunikation der Umweltszene trägt ganz wesentlich zu dieser Schwarzmalerei bei. Wenn man den Menschen ständig Diagramme vorsetzt, die einen baldigen Zusammenbruch der Ökosysteme zeigen oder Bilder von hungernden Eisbären und brennenden Tropenwäldern, fällt es verständlicherweise schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen.
Die Diagramme und Bilder sollen doch verdeutlichen, dass es «5 vor 12» ist und wir dringend radikale Veränderungen brauchen. Sie sollen «kicken» …
Das Gegenteil tritt ein: Es macht sich Resignation breit. Seit Jahrzehnten arbeiten Umweltagenturen und NGOs mit diesen Mitteln und scheitern damit. Warum? Weil es ihnen nicht gelingt, Klima- und Naturschutz als gemeinschaftliches Projekt der Verbesserung unserer Lebensverhältnisse zu kommunizieren. Ein Beispiel wäre die Vision einer autofreien Stadt. Eine solche Stadt ist auch wünschenswert, wenn es keinen Klimawandel gäbe. Autos machen Lärm, verpesten die Luft, bedrohen Leben und verbrauchen enorm viel Platz, ober und unterirdisch, was zugleich die Mieten in die Höhe treibt. Dass die autofreie Stadt weniger Ressourcen verbraucht und weniger CO2Emissionen verursacht, ist dann ein schöner Nebeneffekt.
Wir müssen also nicht «die Welt retten»?
Nein, ein solcher Ansatz überfordert die Menschen, vor allem aber hat er keinerlei Bezug zu ihren Lebenswelten, ihrem Alltag. Das ist das grosse Defizit der Klima und Nachhaltigkeitsszene: Sie vermag keine positiven Visionen zu kreieren, nur reaktive Bilder: Wir müssen uns verändern, sonst kollabiert alles. Aber wie? Es werden keine Wege aufgezeigt, wie eine zukünftige Gesellschaft aussehen könnte.
Es gibt doch aber diese Vorstellung einer auf «Suffizienz» ausgerichteten Gesellschaft.
Ein extrem hässliches Wort … Suffizienz – niemand versteht, was damit gemeint ist. Mit diesem Plastikbegriff lässt sich ganz bestimmt kein Feuer entfachen. Wir brauchen Bilder und Geschichten, die illustrieren, wie man besser leben kann. Attraktive GegenErzählungen zu den dominierenden KonsumStorys, die uns Amazon, Temu, EasyJet, MSC Cruises und Co. permanent auftischen.
Braucht es den grossen Zukunftsentwurf?
Da bin ich vorsichtig. Wir sollten nicht wieder den Fehler machen, uns aus der Gegenwart voraus zu entfernen. Die Utopie als Vorausentwurf ist eine erzkapitalistische und auch erzkommunistische Figur. Sie besagt: Die Gegenwart ist nichts wert – das Wirkliche, Schöne und Gute kommen erst noch. Dazu bedarf es einfach einer weiteren Steigerung an Energie, Ressourcen, Kapital, technischer Innovation.
Tech-Milliardär Elon Musk träumt von der Marsbesiedlung, superschnellen Röhrentransporten und Robotern, die uns die lästige Arbeit abnehmen.
Das sind alles aufgewärmte Ideen! Die Marsbesiedlung, fliegende Taxis oder der Hyperloop, all das findet sich exakt so bei Walt Disney – in den 1950er – Jahren! Und Disneys Ideen reichen noch weiter zurück. Die zukunftsfixierten Tech-Utopien haben sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung und dem Kapitalismus entwickelt. Davor war die Utopie eine Raumerzählung. Im Roman «Utopia» beschreibt Thomas Morus [Anm. der Redaktion: ein englischer Staatsmann und Autor] 1516 eine Insel, auf der sich das ideale Leben einer idealen Gesellschaft abspielt. Der Roman liest sich als satirische Kritik auf die damalige feudale Gesellschaft in England. Er setzt also bei den vorherrschenden Verhältnissen an. In der Gegenwart. Auch wir sollten im Heute anknüpfen und, wie ich sie nenne, «Gegenwartsutopien» entwickeln.
Was verstehen Sie darunter?
Wir sollten zuerst einmal schauen, was schon gut ist. Das kann uns als Ressource und Motivation dienen, um zu verändern, was wir nicht haben wollen, was uns und der Natur schadet. Wir müssen nicht alles radikal umpflügen. Was die Kategorien des Kulturellen und Sozialen angeht, sind wir heute sehr gut aufgestellt. Es gab noch nie eine so freie und sichere Gesellschaft. Diese zivilisatorischen Errungenschaften gilt es zu bewahren und zu verteidigen. Vieles davon – Frauenstimmrecht, freie Presse, Altersvorsorge – galt im Übrigen einst als «utopisch», im Sinne von unerreichbar. Wir haben heute «nur» das Problem, dass unsere Wirtschaft zerstörerisch ist. Wir haben ein falsches Naturverhältnis. Das müssen wir ändern. Die nötigen Handlungsmöglichkeiten sind da. Wir haben das Geld, die Wissenschaft, die Demokratie.
Aber eben: keine grossen Visionen …
Vielleicht brauchen wir die auch nicht. Ich habe eine Vorstellung von einem Mosaik aus «Heterotopien». Damit meine ich konkrete Utopien, die im Kleinräumigen ansetzen, wie zum Beispiel die autofreie Stadt oder Schwammstädte. Solche Veränderungen an einzelnen Stellen können Wegmarken sein für einen Pfadwechsel. Dann muss man schauen: Wie wirken diese Elemente zusammen, wie verstärken sie sich, wie unterstützen sie eine Wirtschaft, die uns Menschen dient und der Natur nicht schadet.
In Ihrem Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen» schreiben Sie: «Die fetten Jahre sind vorbei». Da hören viele Verzicht heraus – und das will doch niemand.
Seltsamerweise haben wir, was Selbstoptimierung, Fitness und dergleichen angeht, ein ganz anderes Ideal, als fett zu sein. Nur, was Wirtschaft und Konsum betrifft, wollen wir von allem immer mehr. Ich sehe die Entwicklung einer anderen Form des Wirtschaftens und der Lebensführung nicht als Verzichtsübung. Mich interessiert: Wenn wir anders bauen oder die Mobilität anders organisieren, was kommt dabei heraus – Verlust oder Gewinn?
NICOLAS GATTLEN, Redaktor Pro Natura Magazin
Zur Person
Der Sozialpsychologe Harald Welzer ist Direktor von «Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit». Er lehrte Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg und der Universität St. Gallen. 2019 veröffentlichte Harald Welzer im S. Fischer Verlag das Buch «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen». In realistischen Szenarien skizziert er darin konkrete Zukunftsbilder u. a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Leben in der Stadt, Wirtschaften und setzt der vielbeschworenen «Alternativlosigkeit» Mut und Fantasie entgegen. Sein jüngstes Buch «Das Haus der Gefühle» (2025) geht der Frage nach, warum Zukunft Herkunft braucht.
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Debora Mittelstaedt /S. Fischer Verlag
- Harald Welzer
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Camping Fanel: der Regierungsrat ist jetzt am Zug
Kurzinfo:
Der Kanton Bern unterzeichnete 2003 für weitere 15 Jahre einen Vertrag mit dem TCS zum Weiterbetrieb des Campings Fanel am Ostufer des Neuenburgersees. Doch der Campingplatz befindet sich in mitten eines Naturschutzgebiets und dessen Betrieb ist mit dem geltenden Recht (Naturschutz- und Heimatschutz, Wald, Raumplanung etc.) nicht vereinbar. Trotzdem gab der Regierungsrat im August 2016 bekannt, dass der Campingplatz für weitere 35 Jahre am bisherigen Standort im Naturschutzgebiet bleiben könne. Trotz Beschwerden des BAFU und der Umweltorganisationen im September 2016, zog der Regierungsrat seinen Beschluss nicht rechtzeitig zurück. Daraufhin hob das Verwaltungsgericht des Kantons Bern den Regierungsratsbeschluss auf. Damit sind bis zu einem neuen Beschluss keine Verträge zum Campingplatz möglich. Als nächsten Schritt muss der Kanton nun abklären, ob der Camping Fanel überhaupt rechtmässig betrieben werden kann.
Zum Gebiet Fanel:
Der Campingplatz liegt in einem kantonalen Schutzgebiet (seit 1967), einem Auengebiet und randlich einem Flachmoor von nationaler Bedeutung (seit 1994), einem Ramsar-Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (seit 1976), einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung (seit 1996), einer Landschaft von nationaler Bedeutung BLN (seit 1983) und einem Wasser- und Zugvogelreservat (seit 1991). Das Gebiet Fanel ist also vielfach geschützt; kantonal, national und international. Kein anderes Areal der Schweiz geniesst einen derart hohen Schutzstatus.
Chronologie
2003: Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) begründete am 17. April 2003 dem Amt für Gemeinden und Raumordnung in einem ausführlichen Gutachten auf zwanzig Seiten, dass der Camping Fanel mit dem geltenden Recht nicht vereinbar ist.
Trotzdem unterzeichnete der Kanton Bern für weitere 15 Jahre einen Vertrag mit dem TCS zum Weiterbetrieb des Campings Fanel. Die insgesamt 6 Verträge des Kantons mit dem TCS laufen alle Ende 2018 aus.
2014: Die Umweltorganisationen haben am 26. März 2014 die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern in einem fundiert begründeten Schreiben darauf hingewiesen, dass die erforderlichen Schritte zur Wiederherstellung eines verfassungs- und gesetzeskonformen Zustandes umgehend einzuleiten sind.
2015: Am 17. September 2015 wandten sich die Umweltorganisationen an das Amt für Grundstücke und Gebäude sowie an die Regierungsrätinnen und -räte Barbara Egger-Jenzer, Christoph Neuhaus und Andreas Rickenbacher mit dem ausführlich begründeten Rechtsbegehren, es sei vom Kanton Bern kein neuer Vertrag abzuschliessen, der eine Nutzung des Campingplatzes über den 31. Dezember 2018 hinaus ermöglichen würde.
Am gleichen Tag veröffentlichte der TCS zwei Parteigutachten mit dem Ziel, beweisen zu wollen, dass der Camping Fanel «der Natur nicht schade».
2016: Der Kanton teilte die Einschätzung des Parteigutachtens des TCS und schlug die Fakten der eidgenössischen Fachleute (ENHK) und der Umweltorganisationen in den Wind. Am 26. August 2016 gab der Regierungsrat bekannt, dass der Campingplatz für weitere 35 Jahre am bisherigen Standort im Naturschutzgebiet bleiben könne.
Der Regierungsrat stützte seinen Beschluss für neue Verträge auf die Annahme, das Bundesrecht gelte nicht für Grundstücke des Kantons, die sich im Finanzvermögen (und nicht im Verwaltungsvermögen) befinden. Diese Rechtsauffassung ist nach Einschätzung der Natur- und Landschaftsorganisationen nicht haltbar. Mit einer solchen Argumentation könnten in der Schweiz Schutzbestimmungen und das übergeordnete Bundesrecht nach Belieben ausgehebelt werden. Es würde genügen, wenn der Bund, Kantone oder Gemeinden Grundstücke dem Finanzvermögen unterstellen würden.
Trotz Beschwerden des BAFU und der Umweltorganisationen im September 2016, zog der Regierungsrat seinen Beschluss nicht rechtzeitig zurück.
2018: Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hob am 8. Dezember 2017 den Regierungsratsbeschluss auf. Damit sind bis zu einem neuen Beschluss keine Verträge zum Campingplatz möglich.
Als nächsten Schritt muss der Kanton fundiert abklären, ob der Camping Fanel überhaupt rechtmässig betrieben werden könnte. Sollte der Kanton zum Schluss kommen, dass ein Campingbetrieb möglich ist, müsste er einen neuen Beschluss fassen, der erneut gerichtlich überprüft würde.
Am 6. März 2018 übergibt eine Gruppe von Campern des Campingplatzes Fanel der Staatskanzlei eine Petition.
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Medienmitteilung Pro Natura BernUmweltpolitik
Gewässerschutz: Albert Rösti contra Biodiversität
Wer heute mit einer neuen Wasserkraftanlage ein Gewässer beeinträchtigt, muss mit Ersatzmassnahmen wenigstens einen Teil des ökologischen Schadens kompensieren. So verlangt es das Natur- und Heimatschutzgesetz seit 1985. Ältere Anlagen mussten bislang keine solchen Ersatzmassnahmen leisten. Diese werden erst bei einer allfälligen Neukonzessionierung erforderlich. Ihr Umfang bemisst sich heute in der Praxis grundsätzlich am unbelasteten Ausgangszustand des Standortes.
Der kaputte Fluss als Massstab
Dieses Prinzip will der Änderungsvorschlag zum WRG, basierend auf der parlamentarischen Initiative «Ausbau der Wasserkraft zur Stromerzeugung und Stromspeicherung. Anpassung der Umweltverträglichkeitsprüfung» von Albert Rösti, ändern. Neu soll der Ist-Zustand eines genutzten Gewässers bei Neukonzessionierungen von Kraftwerken als Referenz gelten. Heisst: Der durch das bestehende Kraftwerk massiv veränderte und beeinträchtigte Zustand des Fliessgewässers wird flugs gewissermassen zum Naturzustand erhoben. Der kaputte Fluss wird so zum Massstab für die Schädlichkeit erneuter Eingriffe.
Bleibt der Fluss so kaputt wie bis anhin, erübrigen sich Massnahmen für die Behebung der schon vorhandenen Schäden. Dieser absurde Paradigmenwechsel hätte verheerende Folgen für die Biodiversität. Die massiven bestehenden Schädigungen vieler Bäche und Flüsse würden über Jahrzehnte weiter festgeschrieben. Das kann sich die Schweiz schlicht nicht leisten. Schon heute sind zum Beispiel nach offiziellen Zahlen 60 Prozent aller Fischarten der Schweiz vom Aussterben bedroht.
Rösti: Klimaschutz à la carte
Albert Rösti steht als Präsident der SVP und des Lobbyverbandes Swissoil wahrlich nicht im Verdacht, an Klimademonstrationen teilzunehmen. Die kürzliche Versenkung des revidierten CO2-Gesetzes im Parlament trägt ebenso seine Handschrift wie die abschätzige Charakterisierung der gesellschaftlichen Klimadiskussion als «Saison-Thema». Ganz anders, wenn Albert Rösti den SWV-Hut trägt. Die günstige Klimabilanz der Wasserkraft steht ganz oben in der Argumentation für weniger Naturschutz und mehr Subventionen.
Sektorielle Umwelt- und Klimapolitik à la carte je nach Interesse der betroffenen Lobby: Die Umweltorganisationen appellieren an den Bundesrat und die beiden Räte, dieses schmutzige Spiel nicht mitzuspielen. Klimaschutz, Energiepolitik und Bewahrung der Biodiversität gehören zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Weitere Auskünfte
- Antonia Eisenhut, Geschäftsführerin Aqua Viva, Tel. 076 477 96 03, @email
- Michael Casanova, Projektleiter Gewässerschutz und Energiepolitik, Pro Natura, Tel. 061 317 92 29, @email
- Philipp Sicher, Geschäftsführer Schweizerischer Fischerei-Verband, Tel. 079 218 59 21, @email
- Julia Brändle, Projektleiterin aquatische Biodiversität, WWF Schweiz, Tel. 076 552 18 08, @email