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Vor internationaler Biodiversitätskonferenz: Schweiz untätig
An der UNO-Biodiversitätskonferenz (CBD COP16), die am 21. Oktober startet, wird Bilanz gezogen, mit welchen Massnahmen in ihren Aktionsplänen die Mitgliedstaaten die gemeinsam vor zwei Jahren beschlossenen 23 Biodiversitätsziele erreichen wollen. Die Staatengemeinschaft hatte vereinbart, diese Ziele bis 2030 zu erreichen. Die Schweiz hat sich zu den Biodiversitätszielen bekannt und steht auch nach dem geltenden nationalen Recht in der Pflicht, mehr für die Sicherung der Biodiversität, unserer Lebensgrundlage, zu tun.
Frist verpasst, angekündigte Massnahmen total ungenügend
83 Länder haben inzwischen nationale Pläne zur Umsetzung der Biodiversitätsziele vorgelegt oder neue nationale Ziele festgelegt, darunter auch drei Nachbarländer der Schweiz: Frankreich, Italien, und Österreich. Die Schweiz hat die Frist verpasst und damit bereits rund ein Viertel der Zeit bis 2030 verstreichen lassen, ohne die nötigen wirksamen Massnahmen einzuleiten, geschweige denn umzusetzen.
Die bisher bekannten Entwürfe des Aktionsplans Biodiversität sind hochgradig ungenügend. Statt Massnahmen zu ergreifen, die im Siedlungsraum, Wald, Kulturland und an Gewässern wirksam die Natur sichern und verbessern, werden neue Studien geplant oder Grundlagen erarbeitet. Dabei zeigt die Wissenschaft klar: Die Schweiz hat genug Wissen über ihre Biodiversität, um sofort handeln zu können.
Mit einem solchen Aktionsplan wird die Schweiz weder ihre eigenen Biodiversitätsziele gemäss Bundesverfassung und Gesetzen erreichen, noch einen wirksamen Beitrag zu den gemeinsamen weltweiten Zielen leisten. Kommt hinzu, dass gerade im laufenden Jahr Bundesrat und Parlament für 2025 bis 2028 jährlich 68 Millionen Franken, die für die Natur bereits im Finanzplan beschlossen waren, kurzerhand total zusammengestrichen haben. So wird die Qualität der bestehenden Schutzgebiete auf Jahrzehnte hinaus in katastrophalem Ausmass abnehmen.
Wird die Schweiz an der Biodiversitätskonferenz Farbe bekennen?
Im Gegensatz zur desolaten Situation des Aktionsplans Biodiversität und zum aktuellen Abbau des Naturschutzes in der Schweiz gibt sich der Bundesrat international ambitioniert: Er will sich für eine weltweite Umsetzung der Biodiversitätsziele einsetzen und einen Überprüfungsmechanismus unterstützen, um den Erfolg der nationalen Massnahmen abschätzen und daraus Lehren ziehen zu können. Es wird sich zeigen, ob die Schweiz an der Biodiversitätskonferenz ehrlich über ihre eigenen ungenügenden Massnahmen informieren wird.
«Es kann nicht sein, dass man von anderen, viel ärmeren Ländern verlangt, den Schutz der Biodiversität voranzutreiben und selbst seine Hausaufgaben nicht macht», kritisiert Friedrich Wulf, Projektleiter internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura. «Unser Land muss nicht nur mehr tun, um die weltweiten Biodiversitätsziele zu erreichen. Vielmehr sind Bundesrat und Parlament gerade auch durch unsere eigenen gesetzlichen Grundlagen verpflichtet, unsere in der Schweiz besonders stark gefährdete Lebensgrundlage zu sichern», betont Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz.
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Convention on Biological Diversity (cbd.int)
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Gemeinsame Medienmitteilung von Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz
Artensterben verschärft sich weiter – wenig Fortschritt an globaler Biodiversitätskonferenz
Die Resultate der COP16 sind völlig ungenügend, um die weltweite Biodiversität besser zu schützen: Während minimale Indikatoren zur Biodiversität vorhanden sind, blieben die Positionen zu den entscheidenden Fragen der Finanzierung und des verbindlichen Umsetzungsmechanismus zu weit auseinander. Damit bleiben unsere Lebensgrundlagen akut gefährdet.
Die Schweiz konnte keinen Aktionsplan zum Erhalt der Biodiversität präsentieren
Die Vertragsstaaten waren an der COP16 verpflichtet, ihre nationalen Aktionspläne mit Massnahmen einzureichen – bisher haben 119 Länder diese eingereicht, die Schweiz jedoch nicht.
«Während andere Länder ihre nationalen Massnahmen kommuniziert haben, fehlt der Schweizer Aktionsplan immer noch – ein beunruhigendes Zeichen. Ohne echte Massnahmen bleibt der Schutz der Biodiversität ein leeres Versprechen», betont Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz.
Die Schweiz droht bei der Erreichung der 23 Biodiversitätsziele zu scheitern
Bei der letzten Konferenz vor zwei Jahren wurden 23 Ziele beschlossen, um den Biodiversitätsverlust bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Die Halbzeitbilanz wird bereits in zwei Jahren an der nächsten UNO-Konferenz gezogen. Die Zeit drängt.
«Die Schweiz muss dringend mehr für die Biodiversität tun, wenn sie die 23 Biodiversitätsziele erreichen will,» sagt Friedrich Wulf, Projektleiter internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura. «Der verschleppte zweite Aktionsplan des Bundesrats muss gegenüber den bekannt gewordenen Entwürfen noch stark verbessert werden.»
Der angekündigte Aktionsplan des Bundesrates beschränkt sich auf Berichte und Studien, statt auf konkrete Massnahmen für die Biodiversität. Zudem sind die Mittel zur Sicherung der Biodiversität in der Schweiz massiv ungenügend, was gravierende Folgen hat.
Wissenschaft stellt dringenden Handlungsbedarf fest
«Die Situation der Biodiversität in der Schweiz ist besonders schlecht: Über ein Drittel der Arten ist bedroht oder ausgestorben, und die Hälfte der Lebensräume ist gefährdet», sagt Jonas Schmid vom WWF. «Bundesrat Albert Rösti hat in der Abstimmungsdebatte zur Biodiversitätsinitiative immer wieder betont, dass er die Biodiversität mit den geltenden Gesetzen schützen werde – doch es fehlt jeder Tatbeweis.»
Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in einer gemeinsamen Stellungnahme die Notwendigkeit rascher und wirksamer Massnahmen in der Schweiz unterstrichen.
Rösti weibelt für Autobahnen anstatt Biodiversität
Die Schweiz wurde an der COP16 durch BAFU-Direktorin Karin Schneeberger vertreten. Umweltminister Albert Rösti nahm im Gegensatz zu über 100 anderen Umweltministern und mehreren Staatsoberhäuptern nicht an der weltweit grössten je organisierten Biodiversitätskonferenz teil. Stattdessen engagierte er sich in der Arena für den Ausbau der Autobahnen, der zur Zerstörung wertvoller Landwirtschafts- und Waldflächen im Mittelland führen würde.
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Gemeinsame Medienmitteilung von Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz
Ölpalmen und Palmöl
Internationales
Partnerschaftliche Umsetzung der Agenda 2030
Mit der UN-Nachhaltigkeitsagenda (Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Sustainable Development Goals SDG) ist es gelungen, weltweit einen gemeinsamen Rahmen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Akteure zu skizzieren. Die Schweiz hat sich engagiert diese Agenda auf nationaler Ebene umzusetzen und darüber zu berichten. Der Länderbericht des Bundesrates an das «High Level Political Forum» (HLPF) der UNO verdeutlicht, dass die Schweiz diesbezüglich auf gutem Weg ist. In vielen Bereichen kooperieren Unternehmen und Staat oder Unternehmen und NGOs bereits erfolgreich und haben so Lösungen mit Modellcharakter etabliert; darunter das duale Bildungssystem, die Sozialpartnerschaft oder das vergleichsweise stabil finanzierte Vorsorgesystem. Die Schweiz braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen und belegt in wichtigen Bereichen wie technischem Umweltschutz, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Lebensqualität und nachhaltiges Wirtschaften Spitzenplätze.
Handlungsbedarf besteht aber weiter, gerade auch in der Schweiz. Die nichtstaatlichen Akteure in der Begleitgruppe haben gemeinsam Herausforderungen in acht Themenfelder identifiziert, welche in der Umsetzung prioritär angegangen werden sollen:
- Solidarische Gesellschaft
- Nachhaltig produzieren und konsumieren
- Natürliche Lebensgrundlagen schonen
- Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen
- Werk- und Arbeitsplatz stärken
- Urbanisierung nachhaltig gestalten
- Nachhaltiges Wirtschaften stärken
- Bildung stärken
Diese Herausforderungen werden in Kapitel 10 des ausführlichen Grundlagenberichts für den offiziellen Länderbericht präzisiert, den das EDA letzte Woche separat publiziert hat - vgl. Anhang.
Für die Bewältigung dieses Handlungsbedarfs ist ein partnerschaftlicher Ansatz notwendig. Dass sich die unterschiedlichsten Kreise auf die Themenfelder und das Vorgehen einigen konnten, zeigt, dass dies möglich ist. Nötig ist aber auch eine klarere institutionelle Verankerung in der Schweizer Politik, statt vielfältiger paralleler Aktivitäten einzelner Ämter und eine Integration der Umsetzung der SDGs in die ordentlichen politischen Prozesse. Sonst schöpft die Schweiz das Potenzial nicht aus und vergeudet Ressourcen in parallelen Abläufen. Beispielsweise sollte anstelle einer parallelen Nachhaltigkeitsplanung die Legislaturplanung nach den SDGs ausgerichtet werden. Zwingend sind eine institutionell hochrangige und strategisch prioritäre Verankerung der Agenda 2030, die Bereitstellung und Bündelung der notwendigen Mittel und eine stärkere Kohärenz der politischen Entscheidungen. Dies ermöglicht es, die SDGs als globalen Orientierungsrahmen zu verstehen, nicht als regulatorisches Korsett.
Für Auskünfte:
In New York am HLPF (CEST-6h):
- Thomas Pletscher, Switzerland, Tel. +41 78 603 84 45
- Sophie Neuhaus, SAJV, +41 79 846 80 66
- Mark Herkenrath, Alliance Sud, +41 78 699 58 66
- Peter Messerli, CDE Uni Bern, +41 79 785 71 34
In der Schweiz:
- Renate Schubert, ETH Zürich, Tel. +41 44 632 47 17
- Friedrich Wulf, Pro Natura, Tel. +41 61 317 92 42 oder +41 79 216 02 06
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Die federführenden Ämter ARE und DEZA haben zur Begleitung der Umsetzungsarbeiten der UNO Nachhaltigkeitsziele eine Begleitgruppe eingesetzt. Die Mitglieder vertreten darin persönliche Ansichten und nehmen dazu laufend mit den Kreisen, welche sie repräsentieren, Rücksprache. Die Mitglieder sind (Stand Juli 2018): Antonio Hautle, Global Compact Network Switzerland, öbu; Mark Herkenrath, Alliance Sud; Marianne Hochuli, Caritas Schweiz; Peter Messerli, Akademien der Wissenschaften, Uni Bern; Sophie Neuhaus, SAJV; Thomas Pletscher, ICC Switzerland/economiesuisse; Friedrich Wulf, Umweltallianz (Pro Natura); Renate Schubert, Akademien der Wissenschaften, ETHZ
Weltbiodiversitätsrat: «Weiter so ist keine Option»
Nach mehrjähriger wissenschaftlicher Recherche durch zwei internationale Teams von je über 100 renommierten Wissenschaftlern und Expertinnen hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES (International Panel on Biodiversity and Ecosystem Services) heute zwei bahnbrechende Gutachten verabschiedet, die Lösungen zur Bewältigung der Biodiversitätskrise aufzeigen. Dabei schauen beide Studien weit über den Tellerrand des klassischen Naturschutzes und zeigen auf, dass es für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Der Schlüssel zum Wandel
Das erste der beiden Gutachten (das Nexus-Assessment) beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Klima, Nahrung und Gesundheit. Es zeigt auf, dass sozioökonomische Veränderungen wie die Zunahme des Müllaufkommens, Überkonsum, das weltweite Bevölkerungswachstum und der weitersteigende Ressourcenbedarf wichtige Treiber des Biodiversitätsverlustes sind.
Das zweite Gutachten (das Transformative Change-Assessment) beschäftigt sich mit dem transformativen Wandel, den es braucht, um die globale Wirtschaft nachhaltig zu gestalten und so die Biodiversität als Lebensgrundlage zu erhalten. Für die nötigen, systemweiten Veränderungen schlagen die Fachleute fünf Schlüsselstrategien vor:
- Gebietsgebundener Naturschutz;
- Wandel in den Sektoren, die am meisten mit direkten Treibern des Biodiversitätsverlustes verbunden sind (Landnutzungsänderungen, Jagd, Klimawandel, Verschmutzung und Invasive Arten);
- Wandel in Wirtschafts- und Finanzsystemen;
- Regierungsführung: Inklusion, Haftbarkeit und Anpassung
- Veränderung gesellschaftlicher Ansichten
Ansatzpunkte in der Schweiz
In der Schweiz arbeiten Naturschutzorganisationen wie Pro Natura auf unterschiedlichen Ebenen bereits an Massnahmen entlang der IPBES-Gutachten. Im aktiven Naturschutz mit der Sicherung und Wiederherstellung wertvoller Naturflächen, auf dem politischen Parkett mit Richtlinien für die biodiversitätsfreundliche Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen, Wäldern und Gewässern. Mit der Umweltverantwortungsinitiative, der zweiten Konzernverantwortungsinitiative, der Finanzplatzinitiative und Vorstössen zum Ab- und Umbau biodiversitätsschädigender Subventionen unterstützen sie zudem die Forderungen des IPBES nach einer Wirtschaft in Einklang mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit. Die nötige Wertehaltung und insbesondere die Wertschätzung der Natur als Lebensgrundlage wird darüber hinaus in vielfältigen Angeboten der Umweltbildung geschult. Das alles sind Puzzleteile für den Wandel hin zu einer nachhaltigen und suffizienten Gesellschaft. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von der Einsicht ab, welche auch der IPBES betont: «Wenn wir die Probleme nicht ernst nehmen und sie nicht rasch und umfassend angehen, verlieren wir unsere Existenzgrundlage.»
Weitere Informationen:
IPBES-Medienmitteilungen zum Nexus-Gutachten und zum Transformative Change-Gutachten
Kontakt:
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Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, @email
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Medienstelle Pro Natura, Tel. 079 826 69 47, @email
«Plantagen sind keine Wälder!»
In Ghana, wie in vielen anderen Regionen des Weltsüdens, kämpft die lokale Bevölkerung dagegen, dass Grossfirmen ihre Wälder zerstören und ihr Land in Besitz nehmen, um darauf riesige Palmölplantagen anzulegen – mit katastrophalen sozialen und ökologischen Folgen.
Mit diesem eindringlichen Slogan auf T-Shirts wehrt sich Friends of the Earth Ghana gegen die Monokulturplantagen, unter denen viele Menschen in dem westafrikanischen Land leiden.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Als Mitglied des Netzwerks Friends of the Earth International beteiligt sich Pro Natura seit 2016 mit der Schweizer Entwicklungsorganisation «HEKS/Brot für alle» an Projekten, die den Widerstand gegen das industrielle Landwirtschaftsmodell stärken. Nicht nur in Ghana, sondern auch in anderen westafrikanischen Ländern, in Honduras und Malaysia. «Einer unserer Arbeitsschwerpunkte liegt auf einer sehr lokalen Ebene und besteht darin, den direkt betroffenen Gemeinschaften zu helfen, ihre Rechte zu verteidigen und ökologische Landwirtschaftsmethoden umzusetzen», sagt Bertrand Sansonnens, Projektleiter Politik und Internationales bei Pro Natura.
Übergangene Bevölkerung
2022 reiste Sansonnens im Rahmen eines Projekts der afrikanischen Koordination von Friends of the Earth nach Ghana und konnte dort die Bewohnerinnen und Bewohner des kleinen Dorfes Abo-Abo treffen. Das Leben der Gemeinschaft hat sich radikal verändert, seit die Ghana Oil Palm Development Company (GOPDC), die zu 90 Prozent dem belgischen Multi SIAT gehört, die Okumaning-Plantage errichtet hat. «SIAT gehört zu den fünf Grossunternehmen, die 75 Prozent der Ölpalmplantagen in Afrika kontrollieren», sagt Sansonnens.
Eine Einschätzung, die von Zeugenaussagen untermauert wird, die Sansonnens in Abo-Abo gesammelt hat: Aufgrund von Versprechungen, die ihnen gemacht worden waren, haben viele Bauernfamilien ihr Land der GOPDC zur Nutzung überlassen. Doch danach haben nur wenige die vertraglich vereinbarten Entschädigungen zur Kompensation ihrer Ernteausfälle erhalten. «Der Fall konnte mithilfe von Friends of the Earth Ghana vor Gericht gebracht werden, aber nach Jahren des Wartens ist noch immer kein Urteil gefallen.» In der Umgebung wurden drei Dörfer zerstört, die Menschen vertrieben und die Schulen geschlossen. «Die Zahl der Erwerbslosen ist hoch und unter den Jungen greift der Drogen- und Alkoholkonsum um sich. Viele trauern den Zeiten nach, als der Anbau von Maniok, Kochbananen, Yamswurzeln, Kakao und sogar von lokal genutzten Ölpalmen genug Einkommen einbrachte, um ein würdiges Leben zu führen.»
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Bertrand Sansonnens
- In Ghana wurde die Ölpalme schon lange vor der Kolonialisierung von den Einheimischen angebaut.
Förderung des Widerstands
Einem Unterstützungsprojekt dieser Art stellen sich viele Hindernisse in den Weg. «Auch die Covid-Pandemie war nicht hilfreich, weil sie die Arbeit vor Ort einschränkte», sagt Bertrand Sansonnens. «Dafür hat sich die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Organisationen verstärkt. Vor meinem Besuch auf den Plantagen konnte ich an einem Community Forum zum Widerstand gegen Monokulturen teilnehmen. Es wurde vom afrikanischen Netzwerk organisiert, um Erfahrungen auszutauschen und die Mobilisierung auszuweiten.» Dank diesem Hintergrund und der Arbeit anderer betroffener Länder konnte Friends of the Earth die Auswirkungen des Agrobusiness auch auf internationaler Ebene thematisieren, insbesondere auf der UNO-Biodiversitätskonferenz im Jahr 2022 im kanadischen Montreal (COP15).
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Bertrand Sansonnens
Doch der Kampf ist noch lange nicht gewonnen. «Zurzeit bereiten wir eine neue Programmphase vor, bei der es darum geht, regionale Erfahrungen zu systematisieren. Wir erhoffen uns dadurch eine Stärkung des globalen Kampfes gegen die zahlreichen Faktoren, die die Wälder und das Land der lokalen Bevölkerungen zunehmend bedrohen», sagt Sansonnens. Das Projekt fügt sich sehr gut in die Gesamtstrategie von Friends of the Earth ein, die auf die Umwandlung der herrschenden Systeme in ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Gesellschaften zielt. «Die Verantwortung der reichen Länder im Norden ist enorm: Wir müssen uns neu ausrichten, hin zu mehr Suffizienz, aber auch zu mehr Kontrolle über die Machenschaften der multinationalen Unternehmen, die den übermässigen Konsum fördern und von ihm profitieren.»
Von TANIA ARAMAN, Redaktorin Pro Natur Magazin
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Abschluss COP16: Kommentar der Naturschutzorganisationen
Es ist erfreulich, dass sich die 196 Mitgliedstaaten der UNO-Biodiversitätskonvention in Rom auf den Umsetzungsprozess und das Monitoring der 23 Ziele zum Stopp des weltweiten Artensterben bis 2030 einigen konnten. Dafür hat sich auch die Schweiz eingesetzt und das, obwohl ihr eigener nationaler Aktionsplan Biodiversität peinlicherweise weder Messgrössen noch für viele Ziele konkrete Massnahmen enthält – im internationalen Vergleich fällt er daher völlig ab. Den Beschluss zu den Finanzen beurteilen Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz als ungenügend. Einen Fonds einzurichten, über den die Länder des globalen Südens hätten mitentscheiden können, scheiterte am Widerstand der Industrieländer – darunter der Schweiz. Stattdessen wurde ein Prozess festgelegt, um die Finanzierung bis 2028 mit bestehenden Fonds zu prüfen. Bis zur nächsten Konferenz 2026 in Armenien müssen die Länder über ihren Fortschritt bei der Erreichung der 23 Ziele berichten. Die Naturschutzorganisationen erwarten von der Schweiz, dass sie sich konstruktiv am Finanzierungsprozess beteiligt und einen Bericht vorlegt, der anhand der neudefinierten Indikatoren zeigt, dass sie sich wirksam für den Erhalt ihrer stark bedrohten Biodiversität einsetzt. Der Tatbeweis fehlt bisher.
Weitere Informationen:
Kontakt:
- Friedrich Wulf, Projektleiter Internationale Biodiversitätspolitik, Tel. 079 216 02 06, @email
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Gemeinsamer Medienkommentar von Pro Natura, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz
«Wut ist eine Kraft!»
Im norwegischen Førdefjord sollen mehrere Hundert Million Tonnen chemisch verseuchtes Aushubmaterial versenkt werden. Die norwegische Regierung will den Abbau von Eklogit zur Gewinnung von Titandioxid im nahegelegenen Engebø-Gebirge zulassen, finale Bewilligungen stehen aber noch aus. Die norwegischen Institute für Umwelt, Meeresforschung und Fischerei haben sich gegen dieses Projekt ausgesprochen – ebenso wie 60 regionale Unternehmen aus der Fischereibranche, ihr nationaler Dachverband und der Tourismusverband. Zuvorderst steht aber die Bürgerbewegung, die Anne-Line Thingnes Førsund mitgegründet hat. Die Organisation arbeitet zusammen mit Friends of the Earth Norway, Partnerin von Pro Natura im globalen Naturschutznetzwerk.
Pro Natura: Waren Sie bereits zu Schulzeiten eine Rebellin, die im Klassenzimmer ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit erhoben hat?
Anne-Line Thingnes Førsun: Ich konnte im Klassenzimmer durchaus protestieren. Aber wahrscheinlich nicht, weil ich eine kleine Rebellin war, sondern weil mir beigebracht wurde, dass meine Stimme gleich wichtig wie jene aller anderen ist.
Waren es Ihre Eltern, die Ihnen das beigebracht haben?
Meine Eltern, aber auch unsere grosse Familie mit Grosseltern, Tanten und Onkeln sowie die Leute aus dem ganzen Dorf, in dem ich aufwachsen durfte. Ich lernte, ihnen zuzuhören, und sie hörten auch mir zu. Es gibt das Sprichwort, dass es zur Erziehung eines Kinds ein ganzes Dorf benötigt. Ich bin der beste Beweis dafür.
Also war es für Sie nur natürlich, Ihre Stimme zu erheben, als bekannt wurde, dass in «Ihrem» Fjord Hunderte Millionen Tonnen verseuchtes Aushubmaterial versenkt werden sollten?
Absolut, mir war sofort klar, dass dieses absurde Projekt nicht nur die grösste Bedrohung aller Zeiten für unseren wunderbaren Fjord darstellt, sondern auch insgesamt für alle norwegischen Fjorde, die damit zu Mülldeponien verkommen könnten. Ich habe deshalb ohne Zögern und Zweifel gehandelt.
Die Regierung hat bis heute an diesem höchst umstrittenen Projekt festgehalten. Hat sich bei Ihnen nie Frustration breit gemacht?
Nicht Frustration, aber Ärger – zum Teil war ich verdammt WÜTEND! Aber schon Johnny Rotten hat gesungen: «Anger is an energy!» (Wut ist eine Kraft!). Das hat auch mich andauernd angetrieben. Dieses ganze Projekt zeigt, wie sehr unsere Politik mit Industrie und Investoren verfilzt ist. Norwegen, das Land der Fjorde, das täglich 38 Millionen Mahlzeiten Fisch exportiert, will für eine Firma mit derzeit nur drei Angestellten seine Fjorde weggeben und chemisch verseuchen lassen. Dagegen werden wir weiterhin mit aller Kraft protestieren, denn bereits liegen aus anderen Regionen weitere Gesuche zur Müllversenkung vor.
Wo zapfen Sie sonst Energie für Ihr Engagement an?
Der Fjord selber ist für mich eine grosse Energiequelle. Um wieder zu meiner Kindheit zurückzukommen: Ich konnte Stunden auf dem Ausguck vor unserem Haus verbringen und den Vögeln, Fischen und anderen Tieren zuschauen. Schon damals war für mich klar, dass wir in ein grosses Abenteuer hineingeboren werden und wir Menschen Teil einer grossen Gemeinschaft zwischen den Arten sind. Mein Engagement gibt auch meiner Sorge Ausdruck, dass die Balance dieser Gemeinschaft verloren geht und dass zwischen uns Menschen und den restlichen Tier- und Pflanzenarten ein Kollaps entsteht.
Raphael Weber, Chefredaktor Pro Natura Magazin.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Prächtige Bilder und exklusive Angebote runden das Lesevergnügen ab. Alle Pro Natura Mitglieder erhalten das Magazin exklusiv fünf Mal im Jahr. Es blickt auf 48 Seiten hinter die Kulissen politischer Entscheide, präsentiert Forschungsergebnisse, erklärt die Natur. Und es schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft.
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«Wir gelten als ausländische Spione»
Als Gründer und Präsident der NGO Friends of the Siberian Forests kämpft der Biologe Andrey Laletin (links) aus Krasnojarsk gegen die Zerstörung der sibirischen Urwälder. Als Co-Vorsitzender von Friends of the Earth Russia und Mitglied der Global Forest Coalition ist Laletin international bestens vernetzt.
Pro Natura: Wie viele Tiger leben noch in den sibirischen Wäldern?
Andrey Laletin: In den Regionen Primorski und Khabarovsk im Osten Russlands leben noch 450 sibirische Tiger. Die stark gefährdete Spezies wird bedroht von Wilderern, die Pelz und Knochen nach China verkaufen. Wegen Abholzung und Bergbau schrumpft der Lebensraum für Tiger stetig. Seit über 30 Jahren kämpfen Sie für die sibirischen Wälder.
Wie gehen Sie vor?
Mit Freunden habe ich 1992 die Nichtregierungsorganisation «Friends of the Siberian Forests» (Freunde der sibirischen Wälder) gegründet. Wenn wir von illegalen Abholzungen erfahren, fahren wir hin und versuchen die Zerstörung zu stoppen – sehr oft kommen wir zu spät.
Was verleiht Ihnen die Energie für den Naturschutz?
Ich liebe die Wälder sehr, habe als Biologe in Forstökologie promoviert. Während des Studiums betrieb ich mit Freunden eine Umweltgruppe: In der Freizeit haben wir in den Wäldern Fichten und Blumen untersucht und katalogisiert. Zu sehen, wie die Wälder und die Biodiversität verschwinden, macht mich sehr betroffen. Ich will die Wälder auch für meine drei Söhne und vier Enkel schützen. Ich lehre sie, auf den Wald zu hören und ihn zu verstehen.
In Russland leben Umweltaktivisten wohl gefährlich ...
Das stimmt. Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind nicht anerkannt. Weil wir Geld aus dem Ausland erhalten, gelten wir für die Behörden als «ausländische Spione»; mehrmals mussten wir deswegen Bussen bezahlen. Die Forstwirtschaft wird von Kriminellen beherrscht: Illegal gerodetes Holz geht vor allem nach China, wo es «legalisiert» wird, bevor die Holzprodukte auf den europäischen und amerikanischen Markt kommen.
Wurden Sie auch schon bedroht?
Ja, mehrmals. Man wollte uns zwingen, den Kampf gegen illegale Abholzungen einzustellen. Einige der Kriminellen sind inzwischen im Gefängnis.
Schätzt die lokale Bevölkerung Ihre Arbeit?
Einige lokale Aktivisten unterstützen uns. Die meisten Leute haben hier aber so viele wirtschaftliche und soziale Probleme, dass der Naturschutz in den Hintergrund rückt.
Was ist Ihr grösster Erfolg?
Die Einrichtung des «Botchinsky Naturreservats». Ein 50 000 Hektaren grosser, unberührter Wald am Fluss Botchi bei Khabarovsk sollte gerodet und durch künstliche Pflanzungen ersetzt werden. Gemeinsam mit Wissenschaftlern konnten wir lokale Politiker überzeugen, das Gebiet unter Schutz zu stellen.
Rolf Zenklusen arbeitet als freischaffender Journalist.
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