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Die Klimakrise macht den Amphibien zu schaffen
Jedes Jahr wandern schweizweit Millionen geschlechtsreife Frösche, Kröten und Molche von ihren Überwinterungsquartieren im Wald zu den Laichgewässern, in denen sie geboren wurden. Ihre innere Uhr weckt die Tiere aus der Winterstarre und signalisiert, dass es Paarungszeit ist. Sobald die Nächte warm und die Witterung nass genug sind, starten sie ihre gefährliche Hochzeitsreise. Im Schnitt dauert diese im Mittelland von Mitte Februar bis Ende März.
Klimaerhitzung stört den Ablauf
Weil die Wanderrouten von unzähligen Strassen durchschnitten werden, wartet dabei auf tausende Tiere der Tod. Dank Kleintierunterführungen und dem Einsatz zahlreicher Freiwilliger kann das mittlerweile vielerorts verhindert werden. In den letzten Jahren war denn der Verkehr auch nicht mehr die einzige Gefahr für die Amphibienwanderung.
«Die Klimaerhitzung bringt den Ablauf der Wanderung immer öfter durcheinander», erklärt Urs Tester von Pro Natura: «Die lange Trockenheit im Februar und März letztes Jahr führte dazu, dass sich nur wenige Grasfrösche und Erdkröten auf die Reise machten. Kurz nach Beginn der Fortpflanzungszeit gab es ausserdem nochmals Frostnächte, die den Grasfroschlaich absterben liessen.»
Amphibien leiden auch unter Biodiversitätskrise
Tester betont, dass sich die Populationen von einzelnen Ereignissen dieser Art erholen können. «Treten sie aufgrund der Klimakrise jedoch gehäuft auf, kann das ganze Bestände auslöschen». Fehlen diese Tiere in Zukunft, verlieren wir wichtige Bindeglieder in der Nahrungskette: Sie fressen Mücken, Fliegen und andere Insekten und sind selbst wichtige Beutetiere für Vögel und Reptilien. Schon jetzt sind die Amphibien, eine der am stärksten von der Biodiversitätskrise betroffenen Tierarten. Durch den grossen Schwund von Feuchtgebieten sind drei Viertel der 20 einheimischen Amphibienarten gefährdet. Umso wichtiger ist es, ihren Fortpflanzungserfolg mit effektiven Massnahmen gegen die Klima- und Biodiversitätskrise zu sichern. Mit dem Anlegen zahlreicher Tümpel und Teiche leistet Pro Natura hier einen konkreten Beitrag, der Wirkung zeigt, wie eine Studie der WSL und Eawag belegt.
Weitere Informationen:
- Neues Land für Froschkönige | Pro Natura
- Mit neuen Tümpeln gegen das Amphibiensterben - WSL
- Amphibienzugstellen in der Schweiz l info fauna / karch
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PressebilderDie Schweiz im Klimawandel
7,4 Grad. So warm war es durchschnittlich in der Schweiz im Jahr 2022. Das ist Rekord – und zwar deutlich: Um rund 0,5 Grad wurde das bisher heisseste gemessene Jahr (2018) überboten. Und: Noch nie wurde in der Schweiz eine so dramatische Gletscherschmelze gemessen wie im Sommer 2022. Mehr als sechs Prozent ihres Volumens (total 3 km3) haben die Schweizer Gletscher verloren, fast dreimal so viel wie in einem Durchschnittsjahr der letzten Dekade.
Und kaum hat das neue Jahr begonnen, purzeln die Rekorde von Neuem. Zum ersten Mal seit Messbeginn sind auf der Alpennordseite im Januar über 20 Grad gemessen worden – Bilder von grün-matschigen Schweizer Ski- und Langlaufgebieten gingen um die Welt. Die Rekordwerte reihen sich ein in Langzeitentwicklungen, die ganz klar zeigen: Die Klimaerwärmung nimmt Tempo auf, die Krise verschärft sich.
Umso erstaunlicher ist es, dass rechtskonservative Politikerinnen und Politiker weiterhin die Augen verschliessen und das neue Klimaschutzgesetz (Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative) per Referendum bekämpfen. Mitten im rekordwarmen Januar gab die SVP bekannt, dass sie die nötigen Unterschriften beisammen hat. Das Klimaschutzgesetz strebt die notwendige Dekarbonisierung an und gibt den Weg zum «Netto-Null-Ziel» bis im Jahr 2050 vor. Zur Abstimmung kommt es am 18. Juni 2023.
Die Schweiz erwärmt sich überdurchschnittlich stark
Global waren die letzten zehn Jahre 1,1 °C (Landfläche 1,6° C) wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt (1871–1900). Das globale Temperaturmittel ist heute so hoch wie noch nie in den vergangenen 2000 Jahren, sehr wahrscheinlich sogar seit 125 000 Jahren. Die Schweiz hat sich – wie alle Landmassen in den mittleren nördlichen Breiten – überdurchschnittlich stark erwärmt: Hier waren die letzte zehn Jahre sogar 2,5 °C wärmer als der vorindustrielle Durchschnitt. Seit den 1960er-Jahren war jedes Jahrzehnt bei uns wärmer als das vorherige. Und dabei dürfte es nicht bleiben, wie die Klimaszenarien 2018 des Bundes zeigen: Bei ungebremst steigenden Treibhausgasemissionen kann die Jahresmitteltemperatur bis 2060 um weitere 4,8 °C und bis Ende Jahrhundert um bis zu 6,9 °C steigen (gegenüber dem vorindustriellen Durchschnitt).
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
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Abweichungen der Jahresmitteltemperatur vom vorindustriellen Durchschnitt:
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Robin Hübscher
- © Robin Hübscher
Die Nordschweiz wird mediterran
Künstliche Sandstrände, Palmen auf Balkonen, nächtlicher Betrieb auf Plätzen und Strassen: Was beim Lebensstil zu beobachten ist, zeigt sich auch beim Blick aufs Thermometer: Die Nordschweiz wird zunehmend mediterran. Basel etwa weist heute jene Jahresmittel- und Sommertemperaturen aus, die in Locarno Mitte der 1970er-Jahre registriert wurden. Neben den angenehmen Effekten bringt der Klimawandel aber auch negative Folgen für die Nordschweiz: häufigere und längere Hitzewellen und Trockenperioden sowie vermehrt auftretende Starkregen und Hochwasser.
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Suzana Mijailovic
Mehr Hitzetage
Noch erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen sind in der Schweiz die Höchsttemperaturen gestiegen. Hitzewellen sowie heisse Tage und Nächte wurden in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger, wie das Beispiel Lugano zeigt. Während in den 1960ern und 1970ern kaum je Tage mit Maximaltemperaturen von mindestens 30 Grad gemessen wurden, sind es inzwischen schon um die 20 Hitzetage pro Jahr. Betroffen sind aber auch die Gebiete nördlich der Alpen, insbesondere die Städte mit ihren vielen versiegelten Flächen. Berechnungen zeigen, dass ohne vehementen Klimaschutz die Zahl der Hitzetage bis 2060 stark zunehmen wird: In Genf etwa von 15 (mittlerer Wert 1981–2010) auf 39, in Zürich von 5 auf 21 und in Luzern von 6 auf 22.
Rasante Gletscherschmelze
Die Schweizer Gletscher erreichten ihre grösste Ausdehnung während der kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Die gesamte Gletscherfläche betrug damals 1735 km2 – exakt die Grösse des Kantons Zürich. Seither haben die Gletscher massiv an Fläche und Volumen verloren: 2016 war nur noch die Hälfte des Volumens übrig. Und von 2016 bis heute – also in nur sechs Jahren – haben die Gletscher zusätzlich rund 12 Prozent Volumen eingebüsst. Gemäss einer Studie von ETH und WSL wird bis im Jahr 2050 die Hälfte der verbliebenen Gletschermasse verloren gehen. Bis zum Ende des Jahrhunderts dürften gar 90 Prozent der heutigen Eismasse verschwinden – falls sich das Klima weiter wie bisher erwärmt. Mit starkem Klimaschutz würden «nur» zwei Drittel der Eismasse verloren gehen.
Der «Alpenleim» löst sich auf
Unter Permafrost versteht man Boden, Schutthalden oder Felswände, die dauerhaft Temperaturen unter 0 °C aufweisen. In der Schweiz findet man auf etwa 5 Prozent der Landesfläche Permafrost, vor allem in den hohen Lagen im Wallis und in Südbünden. Er kann bis in Tiefen von 80 Meter vordringen und stabilisiert die Hänge: Je kälter er ist, desto höher ist die Hangstabilität. Mit einsetzender Erwärmung wird das Eis-Fels-Gemisch «weicher», es beginnt sich zu deformieren und bietet dem Wasser Eintrittsmöglichkeiten. Messungen zeigen, dass die Permafrosttemperaturen in den letzten 20 Jahren an allen 15 Beobachtungsstandorten der Schweiz angestiegen sind. Am Stockhorn bei Zermatt etwa oder in Murtèl-Corvatsch (GR) nahmen sie in 20 m Tiefe um rund 0,5 °C zu. Das scheint wenig, doch eine «kleine» Erwärmung kann schwerwiegende Folgen haben: Hänge werden nicht erst beim Überschreiten der 0 °C-Marke deutlich instabiler, sondern bereits bei Werten um –2 °C.
Dünnere Schneedecken
Die steigenden Temperaturen und der Rückgang der Niederschläge im Winter wirken sich auf die Schneebedeckung der Alpen aus. Eine Langzeitstudie zeigt, dass in den Alpen vor allem unterhalb von 2000 Metern heute deutlich weniger Schnee liegt als noch vor 50 Jahren, im Frühling in allen Höhenlagen. Die mittlere Schneehöhe von November bis Mai ist seit 1971 pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen – besonders stark in tiefen Lagen. Gemäss MeteoSchweiz könnte die Schneedecke in Höhenlagen über 1500 m. ü. M bis im Jahr 2060 um 30–50 Prozent abnehmen (gegenüber 2020), unterhalb von 1000 m. ü. M. gar um 80 Prozent. Bei Einhaltung des Pariser Abkommens würden die Auswirkungen bis 2060 nur etwa halb so stark ausfallen.
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Raphael Weber
Kürzere Schneesaison
In den letzten 50 Jahren nahm die durchschnittliche Dauer der Schneebedeckung alpenweit im Schnitt um 5,6 Prozent pro Dekade ab. Besonders stark betroffen sind die Lagen unterhalb von 2000 m. ü. M – dort verkürzte sich die Schneesaison seit 1971 um rund einen Monat. Aber auch in den höheren Lagen, wo im Hochwinter noch keine Schneeverluste festzustellen sind, ist die Schneesaison heute kürzer, vor allem aufgrund der starken Frühlingsschmelze. In den Schweizer Alpen beginnt die Schneesaison heute im Durchschnitt 12 Tage später und endet rund 25 Tage früher als 1971. Und sie dürfte bis im Jahr 2100 nochmals um 2–5 Wochen später beginnen und um 2–11 Wochen früher enden als heute (je nach Höhenlage) – wenn die Treibhausgasemissionen weitergehen wie bisher.
Von Nicolas Gattlen
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Die stärkste Verbündete im Kampf gegen die Klimaerhitzung: die Natur
Die Erde erwärmt sich rapide, Niederschläge verändern sich, Dürreperioden, Hitzewellen und Überschwemmungen nehmen auch hierzulande zu. Bereits im April wird dieses Jahr in mehreren Schweizer Kantonen der Wasserverbrauch eingeschränkt. Was bedeuten solche Veränderungen für die Natur? Was für uns Menschen? Und was hat das Ganze mit dem Klimaschutzgesetz zu tun?
«Wir müssen Lebensgemeinschaften stärken»
«Die Klimaerhitzung verändert die Entwicklung, Verbreitung und Zusammensetzung unserer Natur», erklärt Urs Tester Abteilungsleiter Biotope und Arten bei Pro Natura. Der Winter wird kürzer, Blumen blühen, bevor ihre Bestäuber aktiv sind und Zugvögel finden bei der Ankunft zu wenig Nahrung für ihren Nachwuchs. «So geraten natürliche Abläufe wie Bestäubung und Fortpflanzung durcheinander, von denen auch wir Menschen abhängig sind».
Gleichzeitig finden kälteangepasste Tier- und Pflanzenarten immer weniger Lebensraum und flüchten – wenn sie können – in höhere oder nördlichere Gebiete, während wärmeangepasste Arten häufiger werden. Auch die Bedrohung durch invasive Pflanzen- und Tierarten, die meist klimaresistenter sind, steigt. «Die akute Biodiversitätskrise wird von der Klimakrise noch verschärft. Die Erhitzung schreitet schnell voran und unsere Verhaltensveränderung wirkt erst zeitlich verzögert», so Tester. «Unter diesen Bedingungen macht es keinen Sinn einzelne Arten zu konservieren. Wir müssen den Zustand von Lebensräumen wie beispielsweise Flusslandschaften verbessern und damit die Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen stärken. Davon profitiert auch das Klima.»
Mit einem JA Klima- und Biodiversitätskrise gemeinsam angehen
«In der Bekämpfung von Klima- und Biodiversitätskrise gilt es ganzheitlich zu denken», betont auch Michael Casanova Energie- und Gewässerschutzexperte bei Pro Natura. «Beide haben denselben Ursprung: die massive Verschwendung von Ressourcen und Energie unserer Hyperkonsumgesellschaft». Mit dem klar definierten CO2-Absenkpfad, der Förderung von Effizienzmassnahmen, der nachhaltigeren Gestaltung der Finanzflüssen und Massnahmen zur Klimaanpassung legt das Klimaschutzgesetz den Grundstein zu deren Bekämpfung. «Wenn wir die Natur schützen, fördern und sparsam mit ihren Ressourcen umgehen, schützen wir auch das Klima», so Casanova. Intakte Wälder, Auen und Moore speichern CO2 und Wasser sind Hochwasserschutz und Hitzepuffer. Im Kampf gegen die Klimaerhitzung ist die Natur damit unsere stärkste Verbündete. «Ohne Naturschutz gibt es keinen Klimaschutz und ohne Klimaschutz keinen Naturschutz», unterstreicht der Experte. Ein JA zum Klimaschutzgesetz am 18. Juni ist daher auch ein JA zu unserer Natur.
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Pressefoto trockenes Flussbett © Matthias SorgPotrebbe anche interessarti
Ein Gespräch über schmelzende Gletscher und die Klimakrise
Gebirgsgletscher gelten weltweit als wichtige Indikatoren für Änderungen des Klimas. So auch in der Schweiz mit ihren heute noch 1400 Gletschern. Viele von ihnen werden in Folge der Klimakrise in den kommenden Jahrzehnten schrumpfen und verschwinden.
Seit Laudo Albrecht als junger Mann zum Aletschgletscher gewandert ist und in seinem Leben tausende Stunden an dessen Rand verbracht hat, schrumpft der Gletscher und dies in den vergangenen Jahren zunehmend schneller.
Die Geschwindigkeit der globalen Gletscherschmelze ist ohne Beispiel in der Erdgeschichte
Was auf den ersten Blick gar nicht so schlimm scheint, hat weitreichende Folgen für uns Menschen und die Biodiversität. Mit der Gletscherschmelze fliesst das in den Gletschern gebundene Wasser ins Meer und geht als Trinkwasserspeicher und für die Natur verloren. Folgen sind:
- Trockene Flüsse
- Sinkender Grundwasserspiegel
- Wassermangel
- Dürrekatastrophen
Der Öffentlichkeit wenig bekannt scheint, dass ein vollständiges Abtauen der Gletscher nicht mehr zu verhindern ist, wenn Gletscher zu viel ihrer Masse verloren haben. Dies ist bei einigen Gletschern in der Schweiz schon heute so weit. Sie sind schon verschwunden oder werden in den kommenden Jahren verschwinden.
Das Pro Natura Zentrum Aletsch forscht und misst
Seit 1992 misst das Pro Natura Zentrum Aletsch die Abschmelzung des Aletschgletschers. Dafür bohren die Mitarbeitenden drei Mal pro Sommer eine Messstange in den Gletscher. Jedes Mal, wenn sie auf einer Gletschertour bei der Messstelle vorbeiwandern, wird der neue Stand der Eisoberfläche mit einem Klebeband markiert und mit dem Datum versehen. Durchschnittlich schmelzen im Sommer 10 – 12 Zentimeter pro Tag ab.
Auf der Hohfluh beginnt unsere Wanderung, unser Gespräch mit Blick auf den Aletschgletscher und die umliegenden Berggipfel. An diesem sonnigen, freundlichen Tag weist hier oben auf den ersten Blick nichts auf die Klima- und Biodiversitätskrise hin. Im Gespräch mit Isabella und Laudo wird aber schnell klar, dass der schöne Schein trügerisch ist.
Rückgang des Aletschgletschers zwischen 2001 und 2022
Die Folgen für die Natur, die Biodiversität bleiben nicht aus
Isabella Albrecht weist im Gespräch darauf hin, dass sich die Pflanzen der Alpen über sehr lange Zeit an die harschen Bedingungen ihres Lebensraums angepasst haben.
«Lange Winter, kurze Sommer, wenig Nährstoffe und viel Sonneneinstrahlung prägen den Lebensraum der artenreichsten Wiesen und Weiden der Schweiz. Durch die Klimaerwärmung wird sich die Zusammensetzung der Vegetation ändern. Wärmeliebende Pflanzen aus tieferen Höhenstufen, können auch in höheren Lagen gut wachsen, wenn das Klima in den Höhen wärmer wird. Sie werden dadurch alpine Arten nach oben verdrängen. Die von den Pflanzen abhängigen Tierarten werden mitwandern müssen. Auf den Bergspitzen ist jedoch weniger Platz vorhanden; die verbleibenden Lebensräume werden deshalb immer kleiner für unsere prächtige alpine Flora werden.»
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Matthias Sorg
- Stängellose Leimkraut (Silene acaulis), eine typische Polsterpflanze alpiner Rasen.
Ohne Tannenhäher keine Arven
Die Arve ist ein extrem frostharter, knorriger, langsam wachsender Baum. Steigen die Temperaturen wird sie durch konkurrenzstarke Baumarten wie die Fichte verdrängt. Diese wird heute schon durch die Klimakrise aus dem Mittelland verdrängt. Arven können sich nur sehr langsam in höhere Lagen ausbreiten. Denn ihre Samen werden nur durch den Tannenhäher verteilt. Sie ist zur Verbreitung auf diesen Alpenvogel angewiesen. Dieser scheint aber der bisherigen Baumgrenze treu zu bleiben und nur wenige Samen in höhere Lagen zu tragen. Möglicherweise kann die Arve somit nicht schnell genug nach oben wandern und ist der Konkurrenz durch Baumarten aus tieferen Lagen ausgeliefert.
Die Veränderungen der Pflanzengesellschaften auf den Berggipfeln aufgrund der Klimakrise werden weltweit mit dem internationalen Projekt «GLORIA» untersucht, an dem sich auch die Schweiz beteiligt.
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Matthias Sorg
- Tannenhäher auf Arve im Aletschwald.
Drohende Wohnungsnot bei den Murmeltieren
Laudo Albrecht kennt alle Murmeltierkolonien im Gebiet Rieder- und Bettmeralp. Am Schluss unserer Wanderung führt er uns an einer kleinen Kolonie am Rande der Riederalp vorbei. Laudo erklärt: «Murmeltiere haben keine Schweissdrüsen und können nicht schwitzen. An heissen Tagen beschränken sie ihre Aktivitäten deshalb und verweilen in ihren kühlen Erdhöhlen. Dadurch bleibt ihnen aber weniger Zeit, um das benötigte Fettpolster für den Winter anzufressen.»
Ungenügende Fettreserven können im Winterschlaf aber tödlich sein. Auch die Murmeltiere werden daher in höhere Lagen ausweichen müssen, wo die Sommertage noch kühler sind. Nur werden sie dort mit zunehmender Höhe immer weniger brauchbaren Untergrund für ihre Erdhöhlen finden. Der Fels wird ihren Höhlenbau verunmöglichen.
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Matthias Sorg
- Murmeltier liegt im Frühjahr an der Sonne.
Unser Gespräch zeigt: Es braucht eine Wende
Die Klimakrise verändert unsere Umwelt: Am Schwinden der Gletscher weltweit, sieht man dies ganz deutlich. Mit was für Herausforderungen künftige Generationen kämpfen müssen, ist schwer abzuschätzen. Denn die Wechselwirkungen zwischen Klima und Ökosystemen sind komplex und vielfältig. Wie lange können wir noch damit zuwarten wirksame Massnahmen zu ergreifen? Der Klimakrise entgegenwirken und das Schmelzen der Gletscher verlangsamen können wir heute schon, indem wir:
- Fossile Energien durch erneuerbare ersetzen
- Den Energieverbrauch gesamthaft stark reduzieren
- Lebensräume, die CO2 aufnehmen und binden (z.B. Wälder, Flachmoore), pflegen und schützen
- Uns politisch für Klima- und Naturschutz engagieren.
Hintergrundinformationen
Werden fossile Brennstoffe verbrannt, entsteht Kohlendioxid CO2. Durch dieses CO2, sowie durch die Freisetzung weiterer Treibhausgase wie Methan, Lachgas oder synthetische Gase, wird der Treibhauseffekt verstärkt und die Temperaturen steigen. Die Emissionen sind vor allem vom Menschen verursacht. Sie haben in den letzten Jahrzehnten derart zugenommen, dass wir heute von einer massiven Klimaerwärmung in kurzer Zeit sprechen. Der grösste Teil der Treibhausgasemissionen in der Schweiz stammt übrigens aus dem Verkehr (31% durch den Verkehr, ohne internationalen Flug- und Schiffsverkehr. Quelle: BAFU).
Der Treibhauseffekt
Ein Teil der kurzwelligen Sonnenstrahlung durchdringt die Atmosphäre, wird von der Erdoberfläche aufgenommen und dann als langwellige Strahlung wieder abgegeben. Treibhausgase verhindern, dass die langwellige Strahlung die Atmosphäre erneut zu durchdringen vermag. Dadurch werden die unteren Schichten der Atmosphäre und die Erdoberfläche erwärmt. Grundsätzlich ist der Treibhauseffekt also etwas Natürliches; ohne ihn wäre es deutlich kühler und ein Leben auf der Erdoberfläche nicht möglich.
Die bereits beobachtbaren Veränderungen zeigen: Wir sind mittendrin im Klimawandel. Die Schweiz muss sich auf trockenere Sommer, heftigere Niederschläge, mehr Hitzetage und schneeärmere Winter gefasst machen. In den Alpen erwarten die Forschenden einen besonders starken Anstieg der Temperatur: Über Landmassen ist die Erwärmung stärker als im globalen Mittel. Je mehr nun die Gletscher schmelzen, desto mehr Landmassen werden freigegeben. Entsprechend nimmt die Erwärmung zu.
Weitere Informationen zu den Schweizer Klimaszenarien CH2018 finden auf der Website des «National Centre for Climate Services NCCS».
MeteoSchweiz zeigt auf der nachfolgenden Grafik für jedes Jahr von 1864 bis 2018 eine kleine Schweizer Karte, auf der die Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1961-1990 zu sehen ist. © MeteoSchweiz
Niemand weiss, wie sich das Klima in Zukunft entwickeln wird. Deshalb arbeiten die Wissenschaftler mit verschiedenen Szenarien und fragen sich zum Beispiel: Wie sieht der Gletscher gegen Ende des Jahrhunderts aus? Die Eismassen werden deutlich länger erhalten bleiben, wenn konsequenter Klimaschutz betrieben wird und die Emissionen stark reduziert werden. Damit lässt sich die Erwärmung wahrscheinlich auf 2 Grad begrenzen, wie es im Pariser Abkommen als Ziel formuliert ist.
Weitere Informationen zu den Schweizer Klimaszenarien CH2018 finden auf der Website des «National Centre for Climate Services NCCS».
Der Grosse Aletschgletscher ist ein eindrücklicher Gradmesser für die Änderungen des Klimas: Im Laufe der Zeit reagierte er auf Warm- und Kaltzeiten durch Rückzüge beziehungsweise Vorstösse. Seit den 1980er Jahren schmelzen aber die Gletscher schneller als davor. So auch der Grosse Aletschgletscher. Dies ist eine direkte Auswirkung der aktuellen Klimaerwärmung.
Während die Änderungen in der Länge des Gletschers von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein können, ergibt sich ein klarer Trend, wenn der Schwund der einzelnen Jahre aufsummiert wird: Der Rückgang nimmt stetig zu.
Mit fast 80 km2 Fläche ist der Grosse Aletschgletscher der grösste Gletscher der Alpen. Im ihm sind rund 20% des Eisvolumens der Schweiz gespeichert. Nun könnten wir annehmen, dass der Aletschgletscher aufgrund seiner Grösse der Klimakrise am besten trotzt. Dies ist aber nicht der Fall. Der Gletscher ist viel zu gross für das heutige Klima und wird sich auch im Fall eines starken Klimaschutzes massiv zurückziehen. Bis im Jahr 2100 wird er über die Hälfte seines Volumens verlieren. Bis 2050 geschieht dies nahezu unabhängig von der weiteren Klimaentwicklung. Ab etwa 2040 dürfte ein erster von vielen Seen im tief eingeschnittenen Tal unter dem Aletschgletscher zum Vorschein kommen. Die neuen Seen werden von da an die Landschaft prägen. Wenn wir die Klimakrise in den Griff bekommen, kann sich das Gletscherende bis ins Jahr 2100 stabilisieren, allerdings erst rund 10 km talaufwärts von der heutigen Position. Ohne griffigen Klimaschutz hingegen könnte sich um etwa 2080 am Konkordiaplatz ein riesiger Gletschersee bilden. In diesem Extremszenario bleibt sogar am Jungfraujoch kein Eis mehr übrig.
Ja zum Klimaschutzgesetz
«Schützen, was uns wichtig ist», lautet der Slogan für ein Ja zum Klimaschutzgesetz. Es geht um unsere Gletscher, den letzten Rest unserer Natur, das – vermeintliche – Wasserschloss Schweiz und um kommende Generationen. Letztlich geht es beim Klimaschutz aber noch um wesentlich Grundsätzlicheres. Ein wenig pointiert müsste die Abstimmung darum unter dem Zeichen «Retten, was zu retten ist» stehen, denn es geht schliesslich darum zu schützen, was uns (über)leben lässt. Bedroht ist nämlich nicht nur das Klima, sondern jene natürlichen Prozesse, die Biodiversität und die Lebensräume, welche für die Bodenfruchtbarkeit oder den Wasserhaushalt von Bedeutung sind.
Nur: Statt rasch und entschlossen zu handeln, haben wir es jahrelang sträflich verpasst, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Noch 2021 ist das CO2-Gesetz an der Urne knapp gescheitert, obschon die Schweiz als Land der Hyperkonsumenten und der riesigen Investitionsvolumen besonders in der Verantwortung steht, ihren Teil zur Lösung dieses globalen Problems beizutragen. Jetzt bietet sich am 18. Juni die Chance, diesem verantwortungslosen Treiben mindestens ansatzweise Einhalt zu gebieten und unseren Zusagen an die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens auch endlich ernsthaft anzugehen.
Das Klimaschutzgesetz bietet die dringend notwendige Grundlage dafür, denn es:
• setzt klare Ziele (Netto-Null bis 2050).
• definiert einen entsprechenden Absenkpfad.
• arbeitet nicht mit Verboten oder Steuererhöhungen, sondern mit Zielen, Investitionen und Innovationsförderung.
• sieht Massnahmen vor, um die durch den Klimawandel bedingten nachteiligen Auswirkungen anzugehen.
• strebt an, die massiven Finanzmittelflüsse aus der Schweiz nachhaltiger auszugestalten.
Ein Ja zum Klimaschutzgesetz schafft das Fundament für besseren Klimaschutz, effizientere Energienutzung, weniger Abhängigkeit von ausländischen Öl- und Gasimporten. Die Schweiz kann in Sachen Innovationen und neue Technologien verlorenes Terrain aufholen und parallel zu der daraus erzeugten Wertschöpfung die eigene Energiesicherheit stärken. Alles anderes als ein Ja am 18. Juni wäre darum kurzsichtig, gefährlich und ein Schlag ins Gesicht kommender Generationen.
MICHAEL CASANOVA ist bei Pro Natura zuständig für die Klima-, Energie- und Gewässerschutzpolitik.
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Urs Flüeler
«Nicht nur die Städte, auch die Landschaft erhitzt sich stark»
Treffen wir keine Massnahmen für den Klimaschutz, droht auch dem Mittelland Ungemach: mehr Trockenheiten und Überschwemmungen. Der emeritierte Uniprofessor Rolf Weingartner erläutert, weshalb er sich für ein Ja zum Klimaschutzgesetz stark macht.
Pro Natura Magazin: Der Sommer 2022 war in der Schweiz generell sehr trocken, der Sommer im Jahr zuvor brachte Hochwasser und Überschwemmungen. Sind dies Auswirkungen des globalen Klimawandels?
Rolf Weingartner: Ja, solche Ereignisse häufen sich durch den globalen Temperaturanstieg ganz klar. Entscheidende Prozesse des Wasserkreislaufs werden durch die Temperatur gesteuert. Steigt die globale Temperatur, so schmelzen die Gletscher, es fällt weniger Schnee und die Nullgradgrenze steigt. Diese Prozesse werden sich durch das Voranschreiten der Klimaerwärmung noch verstärken.
Warum führt der globale Temperaturanstieg auch zu mehr Überschwemmungen?
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, pro Grad Temperaturanstieg rund 7 Prozent mehr. Deshalb gibt
es auch stärkere Regenfälle. Fallen diese auf ausgetrocknete Böden, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. Dies geschah zum Beispiel im Juli 2022 im Kemmeriboden im Emmental, wo es zu einem extremen Hochwasser kam.
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Überschwemmungen beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad
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- Steigen die Temperaturen, kommt es auch zu mehr Überschwemmungen. Denn wenn viel Regen auf ausgetrocknete Böden fällt, kann ein Teil des Wassers nicht versickern. So geschehen im Juli 2022 beim Landgasthof Kemmeriboden-Bad.
Dass die Alpengletscher durch den Klimawandel sehr stark abschmelzen, ist allmählich im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Welche Auswirkungen hat der globale Temperaturanstieg generell aufs Mittelland?
Der Temperaturanstieg führt zu einer Erhöhung der Verdunstung. Zudem gibt es im Sommer weniger Niederschläge. Dies führt auch im Mittelland zu einer grösseren Trockenheit im Sommer. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. Im Sommer, wenn die Landwirtschaft viel Wasser benötigt, bringen die grossen Alpenflüsse heute durch das Abschmelzen der Gletscher noch viel Wasser mit sich. Mit dem starken Rückgang der Gletscher werden die sommerlichen Abflüsse aus dem Alpenraum stark abnehmen, besonders ausgeprägt ab Mitte dieses Jahrhunderts.
Wer leidet besonders unter dieser Trockenheit im Mittelland – die Landwirtschaft oder die Natur?
Zunächst vor allem die Natur – die aquatischen Ökosysteme: Steigen die Temperaturen in Flüssen stark an, führt dies unter anderem auch zu einem Fischsterben. Die Landwirtschaft belastet die Gewässer durch Nährstoffe und Pestizide. Ist weniger Wasser vorhanden, verdünnen sich diese weniger stark. Zudem wurden im Mittelland in der Vergangenheit viele Bäche eingedolt; es gibt massiv weniger Feuchtgebiete und in landwirtschaftlich genutzten Flächen auch weniger Bäume. Diese verschiedenen Faktoren führen zu einer starken Erhitzung der Landschaft. Dies verursacht auch für die Landwirtschaft Probleme, da sie weniger Wasser zur Verfügung hat.
Der Temperaturanstieg ist also nicht nur in den Städten, sondern generell im ganzen Mittelland ein Problem?
Ja, das ist so. Der Erhitzung der Landschaft wird heute zu wenig Beachtung geschenkt.
Sie unterstützen das Klimaschutzgesetz, welches am 18. Juni zur Abstimmung kommt. Weshalb?
Weil das Gesetz die entscheidenden Aspekte des Klimawandels im Fokus hat: Die Reduktion der Treibhausgase in der Schweiz, Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel und Technologieförderung. Von grosser Bedeutung ist auch das im Gesetz formulierte Ziel, dass Massnahmen zur Verminderung der Klimawirkung von Finanzflüssen getroffen werden sollen. Deren Hebelwirkung ist riesig. So gibt es Berechnungen, dass die vom Schweizer Finanzplatz gesteuerten Aktivitäten ein Zwanzigfaches der einheimischen Treibhausgas-Emissionen verursachen.
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Raphael Weber
Wie sieht die Schweiz in 70 Jahren aus, wenn wir jetzt nichts tun und weltweit keine Massnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden? Gibt es ein Worst-Case-Szenario?
Wir haben in der Schweiz schon bisher einen Temperaturanstieg von 2 Grad. Werden keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen, könnte die Temperatur in der Schweiz bis 2100 nochmals um 3 bis 5 Grad steigen. Dies würde riesige Probleme verursachen. Die Nullgradgrenze würde um bis zu 1000 Meter steigen. Unterhalb 2500 Meter gäbe es nur noch sehr wenig Schnee. Und die Gletscher würden fast komplett abschmelzen. Die sommerliche Austrocknung des Mittellandes würde sich massiv verstärken. Hinzu kommt, dass gewisse Auswirkungen nicht vorhersehbar sind, weil das ganze Klimasystem durcheinandergerät und Kipppunkte erreicht werden könnten. Die Ozeane haben bisher zum Beispiel eine dämpfende Wirkung auf die Temperaturen. Wenn diese wegfällt, steigen die Temperaturen noch weiter an.
Die SVP nennt das Klimaschutzgesetz ein «Stromfressergesetz» und argumentiert, die kleine Schweiz könne nichts zum globalen Klimaschutz beitragen. Was sagen Sie dazu?
Der Klimawandel ist ein globales Problem, nationales Denken bringt uns nicht weiter. Jede Person auf der Erde muss einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wobei zu erwähnen ist, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung etwa 80 Prozent des Problems verursachen. Die Bevölkerung hochentwickelter Länder ist besonders gefordert.
STEFAN BOSS arbeitet als freischaffender Journalist.
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Der Ständerat setzt unsere Lebensgrundlagen aufs Spiel
Es steht schlecht um die Biodiversität der Schweiz: Mehr als ein Drittel der Arten und rund die Hälfte aller Lebensräume sind gefährdet. Dies zeigen die neusten Berichte des Bundesamts für Umwelt BAFU (22.05.2023 – Biodiversität in der Schweiz, Rote Listen). Klare Resultate zeigen sie auch in Bezug auf die bisherigen Bemühungen: Wo Förder- und Erhaltungsmassnahmen ergriffen werden, zeigen diese lokal auch Wirkung. Aber für eine echte Trendwende reichen sie bei Weitem nicht aus. Um die Biodiversität unseres Landes zu erhalten, besteht vor allem bei der Fläche, bei der Qualität und bei der Vernetzung der Lebensräume grosser Handlungsbedarf. Und genau hier setzen Initiative und Gegenvorschlag an.
Trotz dieser Erkenntnisse will der Ständerat nicht handeln und erteilt nun der NHG-Revision als Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative eine Absage. Das Initiativkomitee kritisiert den Entscheid, wie Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife, festhält: «Der Biodiversitätsverlust ist wissenschaftlich klar dokumentiert. Trotzdem hat eine Mehrheit im Ständerat entschieden, nicht einmal auf die NHG-Revision einzutreten. Damit verweigert er in unverantwortlicher Weise die dringend notwendige politische Lösungssuche und befeuert die Biodiversitätskrise weiter.»
«Es ist an der Zeit, dass wir uns alle bewusst werden, dass der Schutz der Biodiversität eine dringliche Investition in unsere Zukunft ist. Das dramatische Artensterben hat weitreichende Konsequenzen für unsere Ernährungssicherheit und unsere Gesundheit. Je länger wir warten, desto teurer und einschneidender wird es, wenn wir die Natur nicht erhalten. Wir sollten nicht dieselben Fehler machen wie bei der Klimakrise», sagt Sarah Pearson Perret, Directrice romande von Pro Natura.
In der Bevölkerung wächst das Bewusstsein für die Biodiversitätskrise rasch, wie die gestrige Überreichung von mehr als 43’000 Unterschriften für die Biodiversität zeigt. Der Trägerverein setzt sich für rasches und gezieltes Handeln ein und engagiert sich deshalb weiter für einen Gegenvorschlag. Sollte dieser nicht zustande kommen, ist man jedoch bereit für die Volksabstimmung zur Initiative.
Kontakt
- Pro Natura: Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter, @email, 079 509 35 49
- BirdLife Schweiz: Raffael Ayé, Geschäftsführer, @email, 076 308 66 84
- Schweizer Heimatschutz: Stefan Kunz, Geschäftsführer , @email, 079 631 34 67
- Stiftung Landschaftsschutz Schweiz: Franziska Grossenbacher, Stv. Geschäftsleiterin, @email, 076 304 43 58
- Biodiversitätsinitiative: Natalie Favre, Medienstelle, @email, 076 491 25 26
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Gemeinsame Medienmitteilung des Trägervereins der Biodiversitätsinitiative
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Webseite der Biodiversitätsinitiative«Wir können die Trendwende schaffen»
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Ohne Biodiversität keine fruchtbaren Böden, keine Bestäubung – 80 Prozent der wichtigsten Kulturpflanzen sind davon abhängig – und damit keine gesunden Nahrungsmittel. Biodiversität ist auch Voraussetzung für prosperierende, vitale Wälder, die für den Klimawandel gewappnet sind. Und weshalb zieht es uns in unserer Freizeit und in unseren Ferien nach draussen? Richtig: wegen der vielfältigen Natur, abwechslungsreichen und typischen Landschaften sowie charakteristischer, unverwechselbarer Ortschaften. Und die Förderung erneuerbarer Energien? Biodiversitätskrise und Klimakrise verstärken sich gegenseitig und können nur gemeinsam gelöst werden. Artenreiche Lebensräume mildern den Klimawandel, und sie passen sich besser und rascher an ihn an. Der Energiewende steht die Biodiversitätsinitiative nicht im Wege.
Das alles zeigt: Die gegnerische Kampagne greift ins Leere; sie argumentiert mit Szenarien, die mit den Inhalten der Biodiversitätsinitiative rein gar nichts zu tun haben. Der Tourismus, die nachhaltige Energieproduktion, die Nahrungsmittelproduktion und die Holzwirtschaft sind alle auf intakte Lebensgrundlagen angewiesen – mit Leistungen, die für uns existenziell sind und die nicht einfach mit technischen Lösungen ersetzt werden können. Mit ihrer grobschlächtigen, auf bodenlosen Behauptungen und Falschaussagen basierenden Kampagne verfolgt die Gegnerschaft das Ziel, diffuse Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Sie verkennt die existenzielle Bedeutung der Biodiversität als unsere Lebensgrundlage. Und sie stellt den grossen Handlungsbedarf in Abrede.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
Das Pro Natura Magazin nimmt Sie mit in die Natur. Es berichtet über kleine Wunder, grosse Projekte und spannende Persönlichkeiten. Es blickt hinter die Kulissen politischer Entscheide und schildert, wo, wie und warum Pro Natura für die Natur kämpft. Als Mitglied erhalten Sie das Magazin fünf mal im Jahr direkt in Ihren Briefkasten.
Dabei anerkennen auch Bundesrat, Kantone, Städte und Gemeinden, dass wir zur Biodiversität unbedingt Sorge tragen müssen. Die Wissenschaft spricht vom Beginn eines sechsten Massenaussterbens – mittendrin die Schweiz, wo der Handlungsbedarf im internationalen Vergleich besonders gross ist. Der Anteil gefährdeter Arten übersteigt deutlich jenen unserer Nachbarländer, und er ist gemäss OECD höher als in den meisten anderen Industrieländern. Schlusslicht hingegen sind wir europaweit bei den Schutzgebieten – zusammen mit Bosnien-Herzegowina und der Türkei. Vorbei der Pioniergeist und die Vorreiterrolle der Schweiz, wo vor über 100 Jahren der erste Nationalpark im Alpenraum geschaffen worden ist (mit Pro Natura als einer der Gründerorganisationen).
Unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen erfordert eine ernsthafte Debatte. Darum ruft die Biodiversitätsinitiative in einem Appell zu einer faktenbasierten und respektvollen Auseinandersetzung zur Biodiversität auf. Diesen Appell haben bis Ende Juni rund 25 000 Personen unterschrieben – ein deutliches Zeichen.
Wenn wir jetzt nicht handeln, wirds teuer
Folgende, wenig verbreitete Zahl mag den dramatischen Lebensraumverlust der letzten Jahrzehnte verdeutlichen: Seit 1900 haben wir etwa 7600 Quadratkilometer an artenreichen Lebensräumen verloren: Trockenwiesen, Auen, Moore. Das entspricht der Fläche der Kantone Bern und Freiburg oder fast einem Fünftel unserer gesamten Landesfläche! Die schleichende Zerstörung unserer Natur, die Verluste von Landschaft und Baukultur haben wirklich ein alarmierendes Ausmass erreicht – mit gravierenden Auswirkungen auf unsere Gesundheit, auf die Wirtschaft und auf die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.
A propos Wirtschaft: Wenn wir jetzt nicht handeln, wirds sehr teuer: Der Bundesrat hat errechnet, dass die Kosten für das Nichtstun bis im Jahre 2050 14 bis 16 Milliarden Franken jährlich betragen werden, 2 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Auch das «Das World Economic Forum WEF» stuft die Risiken, die mit dem Verlust von Biodiversität verbunden sind, für die globale Wirtschaft und unseren Wohlstand als sehr hoch ein. Kommt hinzu: Schützen und Nutzen schliessen einander nicht aus. Im Gegenteil. In den allermeisten Gebieten gehen Schützen und Nutzen Hand in Hand. Eine angepasste wald- und landwirtschaftliche Bewirtschaftung ist möglich – ja teilweise sogar nötig, um die Schutzziele zu erreichen. Und die Gelder zur Förderung der Biodiversität fliessen direkt in die Regionen: Rund 40 Prozent an regionale Baufirmen sowie Planungs- und Unterhaltsbüros, weitere rund 40 Prozent an die Landwirtschaft. Der Rest finanziert Aufwände der Waldwirtschaft und der Gemeinden in den Regionen.
Ein Ja zu unserer Lebensgrundlage
Die Abstimmungskampagne ist eine grosse Chance, die Bevölkerung über Bedeutung und Zustand der Biodiversität zu informieren, den Handlungsbedarf aufzuzeigen und die Handlungsbereitschaft zu fördern – für ein JA am 22. September und für einen sorgfältigeren und zukunftsfähigen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen über diesen Abstimmungssonntag hinaus.
Eine breite Allianz aus mittlerweile sieben Trägerorganisationen, 67 nationalen unterstützenden Organisationen, über 200 Partnern in den Kantonen, Hunderten lokalen Naturschutzorganisationen und rund 1900 Freiwilligen setzt sich für ein JA zur Biodiversitätsinitiative und damit für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen ein (Stand Ende Juni). Das macht Mut und gibt Zuversicht, dass wir die dringend notwendige Trendwende schaffen. Mit einem JA zur Biodiversitätsinitiative geben wird Bundesrat und Parlament den Auftrag, die erforderlichen Flächen, Mittel und Instrumente festzulegen. Das ist kein Luxus, sondern es ist höchste Zeit dafür. Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Darum: «Hallo Biodiversität!» statt «Tschüss Schweiz!»
URS LEUGGER-EGGIMANN, Pro Natura Geschäftsleiter
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«Das Pendel hat umgeschlagen»
Zwei Stunden Zeit nimmt sich Bundesrat Beat Jans für das Treffen mit dem Pro Natura Magazin. An einem seiner raren freien Wochenendtage. Jans schlägt einen Spaziergang in den Langen Erlen vor, einem ehemaligen Auenwald, der sich entlang der kanalisierten «Wiese» von Riehen bis zur Stadtgrenze Basels zieht. Beat Jans kommt mit seiner Hündin Jua zum vereinbarten Treffpunkt. «Heute wird sie sich etwas gedulden müssen», erklärt er und streicht Jua lächelnd übers Fell. «Meist sind wir zwei joggend unterwegs.»
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Christian Flierl
Lehrreiche Lehrjahre
Beat Jans führt uns flussaufwärts zum «Entenweiher» in Riehen. Das Naturidyll liegt nur wenige hundert Meter entfernt von der kleinen Arbeitersiedlung, in der Jans aufgewachsen ist. An freien Nachmittagen sei er oft mit Freunden durch die Langen Erlen gezogen, erzählt er, auch mit der Pfadi habe er etliche Stunden in diesem Wald verbracht. «Diese Erlebnisse haben mich geprägt.» Eine noch engere Verbindung mit der Natur habe er während seiner Ausbildung zum Landwirt gehabt, fügt Jans an. «Ich war fast täglich draussen auf den Feldern oder im Wald. Besonders lehrreich und inspirierend war mein zweites Lehrjahr, das ich auf einem Biobetrieb in Buus absolvierte. Dort ging man sehr achtsam und sorgfältig mit der Natur um.» Diese Sorgfalt ist, zumindest aus dem Bundeshaus, verschwunden. Die Produktion steht heute wieder über allem, auf die Natur wird kaum noch Rücksicht genommen. Jüngst strich der Nationalrat das Minimalziel von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen im Ackerland; im Vorjahr verweigerte sich der Ständerat einer Diskussion über den Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative. Wie bewertet Bundesrat Jans diese Entwicklung? «Das Pendel hat umgeschlagen», sagt er. Das sei aber kein Grund, aufzugeben. «Man muss dranbleiben und gute Lösungen finden.»
«Motivations-Booster» Pro Natura
Zuversicht schöpft er aus seiner Zeit bei Pro Natura. Sie habe ihn gelehrt, dass mit beharrlicher und konstruktiver Arbeit Erfolge möglich sind. Als Beispiel führt Jans die Renaturierungen auf: «Pro Natura hat viele neue, artenreiche Gebiete geschaffen und die Kantone dazu gebracht, dass auch sie Renaturierungen an die Hand nehmen.» Grosse Erfolge habe es auch auf politischer Ebene gegeben, sagt Jans. Dazu zählt er das teilrevidierte Raumplanungsgesetz zur Eindämmung der Zersiedelung, das Gentech-Moratorium und die Bewahrung des Verbandsbeschwerderechts.
Beat Jans kam 1995 zu Pro Natura, kurz nach dem Abschluss seines ETH-Studiums in Umweltwissenschaften. Pro Natura suchte damals einen Mitarbeiter, der Projekte zur Förderung der Natur im Landwirtschaftsgebiet und in landwirtschaftlich genutzten Schutzgebieten vorantreibt. «Eine meiner ersten Auf gaben führte mich ins Naturschutzgebiet ‹Hinteres Lauterbrunnental›, wo ich mit den Bauern Verträge für die Pflege der Alpweiden aushandeln sollte», erinnert sich Jans. Keine einfache Aufgabe für einen jungen Unterländer. Aber Jans zeigt schon damals, dass er es mit allen kann. Sein Charme und Humor öffnen ihm Türen, seine Begeisterungsfähigkeit steckt an. Und wenn nötig, findet Beat Jans fast immer einen kreativen Kompromiss. Hinzu kommt die grosse Hartnäckigkeit, mit der er seine Ziele verfolgt.
Rückschläge und Kritik steckt er erstaunlich locker weg. Jans Talente entgehen auch der Geschäftsführung von Pro Natura nicht: Sie überträgt ihm die Leitung der neugeschaffenen Abteilung «Politik und Internationales» und befördert ihn in die Geschäftsleitung. Jans soll die politische Schlagkraft von Pro Natura stärken und für die Natur lobbyieren. Das macht er mitunter auf frechdreiste Art: 2001 verschafft er sich als Manager verkleidet Zugang in den abgeriegelten Bereich des WEF in Davos und verteilt dort Flugblätter.
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Raphael Weber
- Alpine Gebirgslandschaft im Pro Natura Naturschutzgebiet Hinteres Lauterbrunnental
Vom Lobbyisten zum Politiker
Die erfolgreiche Lobbyarbeit für Pro Natura habe ihn darin bestärkt, sich politisch zu engagieren, sagt Jans, der vergleichsweise spät in die Politik eingestiegen ist, dann aber einen rasanten Aufstieg hinlegte. Als er 2010 für die SP in den Nationalrat gewählt wird, gibt er die Stelle bei Pro Natura auf – und zeigt so, dass er die vom internationalen Netzwerk Friends of the Earth erwünschte Gewaltenteilung ernst nimmt. Im Nationalrat und später als Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt setzt sich Jans vehement für den Klimaschutz ein. Nun stünden wir vor einer wegweisenden Entscheidung, sagt er mit Blick auf die «Stromgesetz»Abstimmung. «Dieses Gesetz ist wichtig für den Klimaschutz, denn wir werden damit unabhängiger von fossilen Energieträgern.» Wichtig sei, dass Eingriffe in die Landschaft wieder rückgängig gemacht werden könnten, damit die Natur dereinst wieder einziehen kann. Dass sie dazu fähig ist, daran zweifelt der unerschütterliche Optimist Beat Jans nicht.
NICOLAS GATTLEN ist Reporter des Pro Natura Magazins.
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Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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Waldbrände: grössere Herausforderung für uns Menschen als für die Natur
Im Juli 2023 kam es zu einem Waldbrand in Bitsch östlich von Brig. Nicht weit davon entfernt befinden sich unser Pro Natura Zentrum Aletsch sowie das Naturschutzgebiet Aletschwald. Der Brand weitete sich auf rund 100 Hektaren Schutzwald aus. Die Gäste und Mitarbeitenden der Villa Cassel wurden frühzeitig mit anderen Anwohnenden evakuiert. Es gab keine Verletzten. Doch was bedeutet ein solcher Waldbrand für die Natur?
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Vor und während dem Waldbrand: So verhalten sich Tiere und Pflanzen
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Jan Gürke
- Pro Natura Naturzentrum Villa Cassel
Waldbrände führen zu abrupten und massiven Veränderungen im Lebensraum. Grössere Tiere wie Hirsche oder Vögel sind mobil und können fliehen. Amphibien und andere kleinere Tiere graben sich im Boden ein oder verstecken sich unter Steinen und in Baumstrünken. Es gibt auch Insektenarten, die das Feuer über mehrere Kilometer entfernt bereits spüren und rechtzeitig fliehen. Andere Kleintiere und Insekten sowie Bäume, Flechten, Moose und Pilze können dem Ereignis jedoch nicht ausweichen.
Nach dem Waldbrand
Der Wald sieht nach dem Brand völlig anders aus. Für viele ein erschreckender Anblick – doch es ist nicht das Ende des Waldes. Untersuchungen, etwa nach dem Waldbrand in Leuk 2003, haben gezeigt, dass die Regenerationskraft des Waldes sehr gross ist. Von der vorübergehend offeneren Fläche und dem kurzfristigen, grossen Nährstoffangebot durch die Asche profitieren viele verschiedene Arten wie bestimmte Moose, Krautpflanzen, Insekten und Vögel. Das entstehende Totholz ist für viele Insekten ein wichtiger Lebensraum. Besonders für die licht- und wärmeliebenden Spezialisten liegen nach einem Feuer optimale Bedingungen vor. Mit der Zeit findet eine natürliche Wiederbewaldung statt. Zuerst spriessen Pionierarten wie beispielsweise Birken oder Weiden.
Schutzfunktion des Waldes gefährdet
Während sich die Natur nach einem Waldbrand rasch erholt, geht die Schutzfunktion, welche der geschlossene Wald wahrgenommen hat, vorübergehend verloren. Der Hang kann instabil werden. Lawinen oder rollende Steine werden nicht mehr von Bäumen aufgehalten – eine grosse Gefahr für Anwohnende und Gäste der Region. Wie sich die Situation nach dem Brand in Bitsch auf das nahe gelegene Pro Natura Zentrum Aletsch und das Pro Natura Schutzgebiet Aletschwald auswirkt, kann zurzeit noch nicht abschliessend gesagt werden.
Hitze, Trockenheit und Waldbrände in der Schweiz
Aufgrund der Klimakrise häufen sich extreme Wetterereignisse. Die zunehmende Sommertrockenheit schafft günstige Bedingungen für Waldbrände. Immer häufiger treten in der Schweiz Hitze und Trockenheit in Kombination auf. Dies hat starke Auswirkungen auf unsere Wälder: An kühlere und feuchtere Bedingungen angepasste Bäume kommen mit der ausgeprägten Trockenheit und Hitze nicht zurecht. Das Wachstum der Bäume wird eingeschränkt, die Bäume werden geschwächt. Sie stürzen dadurch bei Stürmen eher um oder sterben früher ab. Diese Entwicklung ist bereits heute in manchen Wäldern gut sichtbar. Junge Bäume können sich teilweise anpassen und Arten, die Trockenstandorte bevorzugen, können profitieren.
In anderen Regionen der Welt wie beispielsweise in Kalifornien und Südaustralien gibt es feuerabhängige Ökosysteme: Diese Ökosysteme brauchen Feuer, um zu funktionieren. Die dort lebenden Arten haben Anpassungsstrategien für diese extremen Bedingungen entwickelt. Einige Baumarten haben zum Beispiel eine besonders dicke Borke oder sie zeichnen sich durch eine ausgeprägte Fähigkeit aus, aus Stamm und Wurzeln wieder auszuschlagen. Es gibt auch Pflanzen, die die Hitze des Feuers benötigen, damit sich ihre Zapfen öffnen und die Samen auf der nährstoffreichen Asche keimen können. Wälder in der Schweiz sind dagegen nur bedingt an Waldbrände angepasst. Die Auswirkungen eines Brandes auf die Natur in der Schweiz können nicht direkt mit Waldbränden in den USA und in Australien verglichen werden.
Unser Umgang mit der Gefahr von Waldbränden
Ein Brand ist für den Wald einschneidend und bringt Veränderungen für die Natur mit sich. Doch öfters sind die Folgen für uns Menschen grösser. Alle können dazu beitragen, das Risiko für Waldbrände zu mindern. Der Grossteil der Waldbrände in der Schweiz wird versehentlich von Menschen verursacht. Beachten Sie die Gefahrenmeldungen und Verhaltensempfehlungen des Bundes und der Kantone!
Gefragt ist zudem eine konsequente Umsetzung von klimapolitischen Massnahmen. Nur so können wir langfristig der Zunahme von Trockenheit und extremen Wetterereignissen entgegenwirken.